Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet. Keiner der 1 zitierenden Entscheide wurde ausgewertet.

PKG 2001 31

Regeste: siehe PKG-Dokument

Rubrum

PKG 2001

durch die Ergreifung von Rechtsmitteln einräumt (vgl. dazu PKG 1993 Nr. 41). Dem Feuerpolizeiamt obliegt jedoch lediglich die Überwachung des Vollzugs der kantonalen feuerpolizeilichen Vorschriften, die Information der Fachkreise und der Öffentlichkeit (Art. 5 FPV) sowie die Erteilung von gewissen feuerpolizeilichen Bewilligungen (Art. 5 der Ausführungsbestim- mungen zur FPV, BR 838.150). Weder hat die Beschwerdeführerin bezie- hungsweise das ihr eingegliederte Amt eigene Strafkompetenzen in dem ihr übertragenen Bereich der kantonalen Feuerpolizei (vgl. Art. 51a GV), noch werden den genannten Stellen darüber hinaus strafprozessuale Mit- wirkungsrechte bei der Durchsetzung von bundesrechtlichen Strafbestim- mungen im Bereich der gemeingefährlichen Delikte nach Art. 221 ff. StGB eingeräumt. Der staatliche Strafanspruch und die Kontrolle darüber wird demnach im vorerwähnten Bereich – der üblichen Aufgabenteilung der kantonalen Behörden entsprechend (vgl. PKG 1993 Nr. 41, PKG 1980 Nr. 42) – ausschliesslich durch die Staatsanwaltschaft vertreten. Der Gebäu- deversicherung beziehungsweise dem ihr eingegliederten Feuerpolizeiamt kommt somit auch gestützt auf ihre amtlichen Funktionen keine Legitima- tion zur Beschwerde zu.

BK 01 30 Entscheid vom 12. September 2001

f) Verwaltungsrechtliche Berufungen

– Anordnung zum Haftantritt (Art. 183a StPO, Art. 6 Ziff. 1 EMRK, Art. 98a OG). Die Anordnung zum Haftantritt hat

den Vollzug eines rechtskräftigen Urteils zum Gegen- stand. Sie muss nicht letztinstanzlich durch ein kantona- les Gericht beurteilt werden.

Erwägungen

Gemäss Art. 183a StPO können der Betroffene und der Staatsanwalt gegen Vollzugsverfügungen des Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartements beim Kantonsgerichtsausschuss Berufung gemäss Art. 141 ff. StPO einlegen, wenn nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK oder Art. 98a OG eine letztinstanzliche Be- urteilung durch ein kantonales Gericht erforderlich ist.

Art. 6 EMRK statuiert das Recht auf ein faires Verfahren. Nach Art. 6 Abs. 1 EMRK hat unter anderem jede Person ein Recht darauf, dass über Streitigkeiten in Bezug auf ihre zivilrechtlichen Ansprüche und Verpflich- tungen oder über eine gegen sie erhobene strafrechtliche Anklage von ei- nem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht in einem fairen Verfahren, öffentlich und innerhalb angemessener Frist ver-

PKG 2001

handelt wird. Gemäss Art. 98a Abs. 1 OG haben die Kantone richterliche Behörden als letzte kantonale Instanz zu bestellen, soweit gegen deren Ent- scheide unmittelbar die Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesge- richt zulässig ist.

Das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement Graubünden verweist in seiner Vernehmlassung vom 28. September 2001 zur Begründung der Zu- ständigkeit des Kantonsgerichtsausschusses Graubünden auf einen Ent- scheid desselben vom 11. Juni 1997 i. S. X., wo das Gericht eine gegen die An- ordnung des Strafantrittes erhobene Berufung materiell entschieden habe. Tatsächlich hat der Kantonsgerichtsausschuss Graubünden in erwähntem Entscheid ein aus Gründen der Hafterstehungsunfähigkeit angefochtenes Aufgebot zum Strafantritt materiell behandelt. Das Gericht hat sich dabei aber mit der Frage, ob seine Zuständigkeit gemäss Art. 183a StPO überhaupt gegeben ist, nicht ausdrücklich auseinandergesetzt. Voraussetzungen der Zuständigkeit gemäss Art. 183a StPO sind einmal, dass es sich beim Anfech- tungsgegenstand um eine Vollzugsverfügung – eine anfechtbare Verfügung – handelt und dass nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK oder Art. 98a OG eine letzt- instanzliche Beurteilung durch ein kantonales Gericht erforderlich ist. In der Botschaft zum Erlass der kantonalen Anpassungsgesetzgebung an vorge- nannte Bestimmungen ist über den Sinn und Zweck von Art. 183a StPO zu lesen, dass, um die kantonalen Gerichte nicht unnötig zu belasten, nur Ver- fügungen beim Kantonsgerichtsausschuss anfechtbar sein sollen, wenn dies nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK oder Art. 98a OG zwingend erforderlich ist. Er- wähnt wird dabei, dass nicht alle Verfügungen der Strafvollzugsbehörde der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht unterliegen, und als Beispiel dazu wird auf das Aufgebot zum Strafantritt hingewiesen (vgl. Bot- schaft der Regierung an den Grossen Rat, Heft Nr. 10, 1994 /95, S. 585). Tatsächlich ist die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Vollstreckungsver- fügungen generell ausgeschlossen (vgl. Art. 101 lit. c OG). Die Ausschluss- klausel beschränkt sich auf die Vollstreckung im engeren Sinne und kommt nicht zum Zuge, wenn eine Verfügung die materielle Rechtsstellung des Be- troffenen verändert (vgl. Thomas Geiser/Peter Münch, Prozessieren vor Bundesgericht, 2. Auflage, S. 97 N. 3.18; Ulrich Häfelin/Georg Müller, Grundriss des Allgemeinen Verwaltungsrechts, Zürich 1990, S. 151 ff.). Die Anordnung zum Haftantritt hat den Vollzug des rechtskräftigen Urteils des Kreisgerichtes C. vom 7. Mai 1998 zum Gegenstand. Es handelt sich bei die- ser Anordnung offensichtlich um eine reine Vollzugshandlung.

Als solche ist sie, selbst wenn ihr Verfügungscharakter zukommen würde, von der Verwal- tungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht ausgeschlossen. Die Voll- streckung von Strafen, worunter die Anordnung zum Haftantritt zu verste- hen ist, stellt auch keine zivilrechtliche Streitigkeit im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK dar (vgl. Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen Men-

PKG 2001

schenrechtskonvention (EMRK), 2. Auflage, S. 255 N. 401; Frowein/Peu- kert, Europäische Menschenrechtskonvention, EMRK-Kommentar, 2. Auf- lage, S. 189 N. 52 mit weiteren Hinweisen). Die Verfahrensgarantien, die Art. 6 Ziff. 1 EMKR für das Verfahren in zivilrechtlichen Streitigkeiten vorsieht, greifen demnach vorliegend nicht. Schlussfolgernd ist festzuhalten, dass die vorliegende Vollzugshandlung in Beachtung von Art. 6 EMRK und Art. 98a OG letztinstanzlich nicht durch ein kantonales Gericht beurteilt werden muss. Damit ist die Zuständigkeit des Kantonsgerichtsausschusses gemäss Art. 183a StPO bereits deshalb nicht gegeben, weil eine letztinstanzliche ge- richtliche Beurteilung nicht zwingend ist. Offen gelassen kann daher, ob es sich bei der Anordnung zum Strafantritt überhaupt um eine anfechtbare Verfügung handelt …

VB 01 17 Urteil vom 7. November 2001

III. Entscheide des Kantonsgerichts- präsidiums

– Eheschutz. Die Durchführung einer mündlichen Verhand- lung vor dem Bezirksgerichtspräsidenten ist in aller Regel

zwingend (Art. 6 EMRK, Art. 172 Abs. 2 ZGB).

Aus den Erwägungen:

Der Rekurrent beantragt die Aufhebung der angefochtenen Ver- fügung und die Rückweisung der Sache zur Neubeurteilung. Zur Begrün- dung wird geltend gemacht, der Bezirksgerichtspräsident X. habe in un- zulässiger Weise von der wiederholt beantragten Befragung der Parteien abgesehen. Damit sei das rechtliche Gehör des Rekurrenten verletzt wor- den.

a) Eheschutzmassnahmen sind von ihrem Sinn und Zweck her auf Aussöhnung der Ehegatten, auf Vermeidung künftiger oder Behebung be- stehender Schwierigkeiten ausgerichtet und wollen verhindern, dass die Un- einigkeit zur völligen Entfremdung führt (BGE 116 II 21 E. 4 S. 28 mit Hin- weisen). Nach Art. 172 Abs. 2 ZGB mahnt der Richter die Ehegatten an ihre Pflichten und versucht, sie zu versöhnen. Mit dieser Aufgabe ist zwangsläu- fig eine mündliche Anhörung verbunden. Auch der Entscheid darüber, ob die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts berechtigt ist (Art. 175 ZGB), lässt sich regelmässig nicht treffen, ohne dass sich der Richter von den Par- teien einen persönlichen Eindruck verschafft hat. Im Allgemeinen bedarf schliesslich auch die Klärung des Sachverhalts für die Anordnung der ver-

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 221 — gelesen in der Fassung vom 15. Dezember 2000; der Erlass wurde am 1. Januar 2002, 1. April 2002, 1. Juli 2002, 1. Oktober 2002, 1. April 2003, 1. Dezember 2003, 1. Januar 2004, 1. März 2004, 1. April 2004, 1. Juli 2004, 1. August 2004, 1. Januar 2005, 1. Februar 2005, 1. Januar 2006, 1. April 2006, 1. Juli 2006, 1. Dezember 2006, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.
  • Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Art. 172 und Art. 175 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2001; der Erlass wurde am 1. März 2002, 1. Januar 2003, 1. April 2003, 1. Januar 2004, 1. April 2004, 1. Juni 2004, 1. Juli 2004, 1. Januar 2005, 1. Juni 2005, 1. Januar 2006, 1. Januar 2007, 1. Mai 2007, 1. Juli 2007, 1. Dezember 2007, 1. Januar 2008, 1. Juli 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2010, 1. Februar 2010, 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Juli 2013, 1. Juli 2014, 1. Januar 2016, 1. April 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2020, 1. Juli 2020, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Januar 2025, 1. Januar 2026 und 1. Juli 2026 erneut konsolidiert.
  • Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 141 und Art. 183a — gelesen in der Fassung vom 1. Februar 2001; der Erlass wurde am 1. Januar 2002, 1. April 2004, 1. Januar 2007, 1. Januar 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Januar 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Februar 2013, 12. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 21. Januar 2014, 1. Juli 2014, 25. November 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Februar 2020, 1. März 2021, 1. Juli 2021, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024 und 1. April 2025 erneut konsolidiert.
  • Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, Art. 6 — gelesen in der Fassung vom 1. April 1999; der Erlass wurde am 23. März 2005, 14. Juni 2006, 1. Juni 2009, 1. Juni 2010, 23. Februar 2012, 1. August 2021, 1. Februar 2022 und 16. September 2022 erneut konsolidiert.
  • Giftverordnung, Art. 51a — gelesen in der Fassung vom 1. März 2001; der Erlass wurde am 1. Januar 2002, 1. Juni 2002 und 1. Januar 2004 erneut konsolidiert.

Zitiert in