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Vollzugsverordnung zum Gesetz über Ausbildungsbeiträge
Vollzugsverordnung zum Gesetz über Ausbildungsbeiträge1 (Vom 30. April 2003) Der Regierungsrat des Kantons Schwyz, gestützt auf § 22 des Gesetzes über Ausbildungsbeiträge vom 29. Mai 2002,2 beschliesst:
I. Voraussetzungen für Ausbildungsbeiträge
Art. 1 Anerkannte Ausbildungen
Inländische Ausbildungen und Ausbildungsstätten müssen vom Bund oder vom Standortkanton auf Grund eidgenössischen oder kantonalen Rechts beziehungsweise einer interkantonalen Vereinbarung anerkannt sein.
Ausländische Ausbildungen und Ausbildungsstätten müssen vom Bund oder von der Interkantonalen Stipendienkonferenz (IKSK) anerkannt sein.
Das Amt für Berufsbildung führt ein Verzeichnis der stipendienrechtlich anerkannten Ausbildungen und Ausbildungsstätten.
Art. 2 Beitragsberechtigte Vorbildungen
Vorbildungen, die nach Erfüllung der Schulpflicht absolviert werden, sind stipendienberechtigt, wenn sie als Vorbereitung auf eine Erstausbildung nach § 2 Absatz
und 2 des Gesetzes gelten. Dazu zählen insbesondere:
a) Berufsvorbereitungsschulen wie10. Schuljahr, Berufseinführungsjahr, Werkjahr;
b) Ausbildungen, die Voraussetzung für den Besuch von Berufsausbildungen sind wie Handels- und Diplommittelschulen, Vorschulen für medizinische, soziale und künstlerische Ausbildungen;
c) Fachkurse und Berufsmaturitätsschulen, die für den Besuch einer Höheren Fachschule oder Hochschule vorausgesetzt werden.
Art. 3 Beitragsberechtigte Weiterbildungen
Zu den Weiterbildungen gemäss § 2 Abs. 4 des Gesetzes, die Anspruch auf den Bezug von Studiendarlehen begründen, zählen insbesondere:
a) von Berufsverbänden oder vom Bund anerkannte Ausbildungsgänge für Verbandsprüfungen, Berufsprüfungen und Höhere Fachprüfungen;
b) Ausbildungsgänge an Fachschulen und Höhere Fachschulen, die zu einem anerkannten Abschluss führen;
c) Nachdiplomstudiengänge;
d) Berufsergänzende Ausbildungen;
e) Kaderausbildungen.
Art. 4 Mindestdauer der Ausbildung
Beitragsberechtigt sind Ausbildungen mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten sowie berufsbegleitende Kurse, die umgerechnet wenigstens sechs Vollzeitmonate dauern oder 600 Lektionen umfassen.
II. Berechnung der Ausbildungsbeiträge
Art. 5 Anrechenbare Eigenleistung
a) Elternbeitrag aa) Allgemeines
Massgebend sind die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Eltern zu Beginn der Beitragsperiode. Grundlage bildet die letzte rechtskräftige Steuerveranlagung.
Der zumutbare Elternbeitrag wird auf der Grundlage des anrechenbaren Einkommens nach Massgabe von Anhang 1 ermittelt.
Stehen mehrere Kinder gleichzeitig in einer Ausbildung nach § 2 des Gesetzes, wird der ermittelte zumutbare Elternbeitrag gleichmässig auf die einzelnen Ausbildungen verteilt.
Werden die Eltern steuerlich getrennt erfasst, wird ihr anrechenbares Einkommen zusammengerechnet und das Vermögen beider Elternteile berücksichtigt.
Art. 6 bb) Ermittlung
Das anrechenbare Einkommen entspricht dem Reineinkommen gemäss Veranlagungsverfügung zur direkten Bundessteuer. Hinzu kommt ein Vermögenszuschlag von 10% des Fr. 200 000.-- übersteigenden Reinvermögens gemäss Veranlagungsverfügung zur Kantonssteuer.
Zum Reineinkommen hinzugerechnet werden:
a) Unterhalts- und Verwaltungskosten infolge Liegenschaftsbesitz sowie sämtliche Schuldzinsen, soweit deren Gesamtbetrag den Ertrag der Liegenschaft um 20% übersteigt;
b) freiwillige Einkäufe bei Vorsorgeeinrichtungen der2. Säule.
Vom Reineinkommen abgerechnet werden:
a) Fr. 4000.-- für jedes Kind, zu dessen Unterhalt die Eltern verpflichtet sind;
b) Fr. 50 000.-- bei Zweitausbildungen und Weiterbildungen, sofern die Voraussetzungen von § 9 Absatz 2 Bst. a des Gesetzes erfüllt sind;
c) Fr. 30 000.-- bei Eltern, die steuerlich getrennt erfasst werden.
Art. 7 b) Beitrag der auszubildenden Person
aa) Allgemeines
Massgebend sind die Einkommensverhältnisse der auszubildenden Person während und die Vermögensverhältnisse zu Beginn der Beitragsperiode. Für die Vermögensverhältnisse bildet die letzte rechtskräftige Steuerveranlagung die Grundlage. Bei den Einkommensverhältnissen wird auf das aktuelle Einkommen während der Beitragsperiode abgestellt.
Der Beitrag ergibt sich aus dem zumutbaren Eigenerwerb pro Jahr zuzüglich der zumutbaren Vermögensleistung.
Art. 8 bb) Ermittlung
Als zumutbarer Eigenerwerb pro Jahr gilt:
a) bei Ausbildungen mit Einkünften aus dem Ausbildungsverhältnis (Lehre, Praktikum) 70% des Bruttoeinkommens, mindestens jedoch Fr. 1500.--.
b) bei Ausbildungen ohne Einkünfte aus dem Ausbildungsverhältnis 30% des Bruttoeinkommens, mindestens jedoch Fr. 1500.-- für Ausbildungen der Sekundärstufe II, Fr. 3000.-- für Ausbildungen der Tertiär- und Quartärstufe. 2 Alle weiteren Einkünfte wie Unterhaltsbeiträge oder Renten, auf welche die auszubildende Person einen eigenen Anspruch hat, werden zu 50% als Eigenerwerb angerechnet. Davon ausgenommen und nicht angerechnet werden Unterstützungsbeiträge an Studierende gemäss dem Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über die Förderung der Ausbildung im Bereich der Pflege vom 27. Juni 2024.5
Für jedes Kind, zu dessen Unterhalt die auszubildende Person verpflichtet ist, werden Fr. 10 000.-- vom Bruttoeinkommen abgezogen.
Das nach Abzug der Freigrenze verbleibende Reinvermögen, dividiert durch die Anzahl bevorstehender Ausbildungsjahre, wird als jährlich zumutbare Leistung aus dem Vermögen angerechnet. Die Freigrenze beträgt:
a) Fr. 20 000.--;
b) Fr. 10 000.-- zusätzlich für jedes Kind, zu dessen Unterhalt die auszubildende Person verpflichtet ist.
Art. 9 c) Beitrag des Ehegatten
Massgebend sind die Einkommensverhältnisse und die Vermögensverhältnisse des Ehegatten zu Beginn der Beitragsperiode. Grundlage bildet die letzte rechtskräftige Steuerveranlagung.
Der Beitrag ergibt sich aus 50% des Reineinkommens gemäss Veranlagungsverfügung zur direkten Bundessteuer zuzüglich 10% des Fr. 30 000.-- übersteigenden Reinvermögens gemäss Veranlagungsverfügung zur Kantonssteuer.
Für jedes Kind, zu dessen Unterhalt die auszubildende Person verpflichtet ist, werden Fr. 10 000.-- vom Reineinkommen abgezogen, sofern der Abzug nicht bereits gemäss § 8 Abs. 3 erfolgt ist.
Geht der Ehegatte keinem Erwerb nach, wäre die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit jedoch zumutbar, wird ein fiktives Ehegatteneinkommen hinzugerechnet. Dieses entspricht dem mutmasslichen Verdienst, den der Ehegatte auf Grund seiner Ausbildung bei ausgeglichener Wirtschaftslage erzielen könnte.
Art. 10 d) Grundlagen für die Einkommens- und Vermögensverhältnisse
Liegt keine rechtskräftige Steuerveranlagung vor, ist die Leistungsfähigkeit nach analogen Berechnungsgrundsätzen auf Grund der aktuellen Einkommens- und Vermögensverhältnisse zu ermitteln.
Das anrechenbare Einkommen von quellenbesteuerten Personen beträgt 80% des der Quellensteuer zugrundeliegenden, auf ein Jahr aufgerechneten aktuellen Bruttolohnes.
Hat sich das bundessteuerpflichtige Reineinkommen seit der letzten rechtskräftigen Steuerveranlagung um mindestens 20% geändert, ist dies zu berücksichtigen.
Die gesuchstellende Person hat auf die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse hinzuweisen und diese zusammen mit dem Gesuch zu belegen.
Art. 11 6 Massgebende Kosten
a) Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten
Für folgende ausbildungsbedingten Ausgaben werden die effektiven Kosten bis zum nachstehenden Maximum pro Jahr angerechnet:
a) Schul- und Studiengelder: – Sekundärstufe II und Vorbildungen Fr. 5 000.-- – Tertiär- und Quartärstufe Fr. 10 000.--
b) Auswärtige Unterkunft und Verpflegung im Internat Fr. 8 500.--
c) Reisekosten Fr. 3 000.--
Für obligatorische Fremdsprachaufenthalte wird eine Pauschale von Fr. 500.-- pro Woche angerechnet.
Für folgende ausbildungsbedingten Ausgaben werden die nachstehenden Pauschalen pro Jahr angerechnet:
a) Schulmaterial: – Sekundärstufe II und Berufsvorbereitungsschulen Fr. 1 000.-- – Tertiär- und Quartärstufe Fr. 2 000.--
b) Mittagsverpflegung zu Hause Fr. 1 000.--
c) Mittagsverpflegung auswärts Fr. 2 500.--
d) Auswärtige Unterkunft und Verpflegung: – bis 20-jährig Fr. 8 500.-- – ab 20-jährig Fr. 12 000.--
e) Übrige Auslagen (Kleider, Schuhe, Versicherung, Taschengeld): – bis 20-jährig Fr. 1 800.-- – ab 20-jährig Fr. 2 400.--
Für jedes Kind, zu dessen Unterhalt die auszubildende Person verpflichtet ist, werden angerechnet Fr. 4 000.--.
Art. 12 b) Auswärtige Unterkunft und Verpflegung
Fallen Kosten für Unterkunft und Verpflegung ausserhalb des Elternhauses an, wird die Pauschale berücksichtigt, wenn:
a) der Ausbildungsort vom Wohnort der Eltern der auszubildenden Person in der Regel nicht innerhalb von 60 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Haltestelle zu Haltestelle) erreicht werden kann;
b) die auszubildende Person nach Abschluss einer ersten Berufsausbildung oder einer Mittelschule während mindestens zwei Jahren durch eigene Erwerbstätigkeit finanziell von den Eltern unabhängig war;
c) die auszubildende Person verheiratet ist;
d) gesundheitliche oder familiäre Gründe die Unterkunft bei den Eltern unzumutbar machen.
Art. 13 c) Ausnahme
Für Ausbildungen im Ausland werden die effektiven Schul- oder Studiengelder angerechnet, maximal aber Fr. 20 000.-- pro Jahr. Die übrigen ausbildungsbedingten Kosten werden nach den §§ 11 und 12 angerechnet.
Für den Besuch ausländischer Ausbildungsstätten werden höhere Kosten nur dann angerechnet, wenn der Auslandaufenthalt zwingender Bestandteil einer in der Schweiz besuchten Ausbildung ist oder wenn die Ausbildungsmöglichkeit in der Schweiz nicht besteht.
Art. 13a 7 d) Obligatorische Fremdsprachaufenthalte
Für obligatorische Fremdsprachaufenthalte wird die Pauschale berücksichtigt, wenn:
a) der Sprachaufenthalt innerhalb eines Jahres vor Aufnahme des Studiums oder während des Studiums absolviert wird, und
b) die Immatrikulationsbestätigung, die Aufnahmebestätigung der entsprechenden Sprachschule und deren Schulgeldquittung vorgewiesen werden.
Art. 14 Höhe der Stipendien
Die Höchstansätze für Stipendien betragen pro Ausbildungsjahr:
a) Fr. 10 000.-- für Ausbildungen der Sekundärstufe II;
b) Fr. 13 000.-- für Ausbildungen der Tertiär- und Quartärstufe;
c) Sie erhöhen sich für jedes in der Unterhaltspflicht der auszubildenden Person stehende Kind um Fr. 3000.--.
Art. 15 8 Studiendarlehen
Als Ergänzung zu Stipendien können Darlehen gewährt werden, wenn die Höhe des Stipendiums den ausgewiesenen Bedarf nicht zu decken vermag, auf Grund des berechneten Betrages kein Stipendium ausgerichtet werden kann, die vorausgesetzten Einnahmen aus anerkennenswerten Gründen nicht erzielt werden können oder die Beendigung der Ausbildung kurz bevor steht, die übliche Ausbildungsdauer aber bereits überschritten ist.
Für Studiendarlehen ist ein Kreditvertrag zwischen der Darlehensnehmerin oder dem Darlehensnehmer und der Schwyzer Kantonalbank abzuschliessen. Dieser hat namentlich die Höhe des Darlehens, die mutmassliche Darlehensdauer, die Verzinsung und die Rückerstattung zu regeln. Es können weitere Bedingungen aufgenommen werden.
Bei verspäteter Rückzahlung ist ein Verzugszins in der Höhe des Zinssatzes einer ersten Hypothek der Schwyzer Kantonalbank, mindestens aber von fünf Prozent zu entrichten.
Das Amt für Berufsbildung entscheidet über Erleichterungen der Rückzahlung, der Regierungsrat über den Verzicht auf die Verzinsung oder Rückzahlung von Darlehen gemäss § 14 Abs. 3 des Gesetzes.
III. Verfahren
Art. 16 9 Gesuch um Ausbildungsbeiträge
Gesuche um Ausbildungsbeiträge sind mit dem amtlichen Formular und den verlangten Unterlagen der Stipendienstelle innerhalb der nachfolgend aufgeführter Fristen einzureichen:
a) bei Ausbildungsbeginn zwischen Mai und Oktober bis am darauf folgenden1. Dezember;
b) bei Ausbildungsbeginn zwischen November und April bis am darauf folgenden1. Juni.
Bei minderjährigen Personen reichen die gesetzliche Vertreterin oder der gesetzliche Vertreter das Gesuch ein.
Die Stipendienstelle kann bei Bedarf weitere Unterlagen einfordern.
Auf Gesuche wird nicht eingetreten, wenn sie:
a) nicht fristgerecht eingereicht werden;
b) unvollständig eingereicht werden und die benötigten Unterlagen trotz Aufforderung nicht innerhalb der gesetzten Frist nachgereicht werden.
Bei mehrjährigen Ausbildungen ist jährlich vor Ablauf der Eingabefristen ein Erneuerungsgesuch einzureichen.
Art. 17 Entscheid
Das Amt für Berufsbildung entscheidet über die Gesuche um Ausbildungsbeiträge.
Art. 18 Auszahlung der Ausbildungsbeiträge
Stipendien werden in der Regel in zwei Raten an die Person ausbezahlt, die das Gesuch eingereicht hat.
Die Auszahlung der Raten erfolgt nach Eingang einer Bestätigung über die Aufnahme bzw. Fortsetzung der Ausbildung.
Bewilligte Stipendien verfallen, wenn sie nicht während des Ausbildungsjahres, für das sie bestimmt sind, beansprucht werden.
Studiendarlehen können nach Vertragsunterzeichnung mit der Schwyzer Kantonalbank beansprucht werden.
IV. Übergangs- und Schlussbestimmungen
Art. 19 10 Übergangsbestimmung zur Änderung vom11. September 2007
und vom11. März 2008. Ausbildungsbeiträge für Ausbildungen bzw. Ausbildungsjahre mit Beginn nach dem1. Juli 2007 werden nach den geänderten Bestimmungen berechnet.
Art. 20 Aufhebung bisherigen Rechts
Die Vollzugsverordnung zur Verordnung über die Stipendien und Studiendarlehen11 vom 28. Oktober 1986 wird aufgehoben.
Art. 21 Inkrafttreten
Diese Vollzugsverordnung wird im Amtsblatt veröffentlicht und in die Gesetzsammlung aufgenommen.
Sie tritt am1. Juli 2003 in Kraft.12 Anhang 1 Elternbeitrag pro Jahr Anrechenbares Elternbeitrag Anrechenbares Elternbeitrag Einkommen Einkommen 50 000 0 71 000 8 600 51 000 300 72 000 9 200 52 000 600 73 000 9 800 53 000 900 74 000 10 400 54 000 1 200 75 000 11 000 55 000 1 500 76 000 11 600 56 000 1 800 77 000 12 200 57 000 2 200 78 000 12 800 58 000 2 600 79 000 13 400 59 000 3 000 80 000 14 000 60 000 3 400 81 000 14 700 61 000 3 800 82 000 15 400 62 000 4 200 83 000 16 100 63 000 4 600 84 000 16 800 64 000 5 100 85 000 17 500 65 000 5 600 86 000 18 200 66 000 6 100 87 000 18 900 67 000 6 600 88 000 19 600 68 000 7 100 89 000 20 300 69 000 7 600 90 000 21 000 70 000 8 100 91 000 21 800 Je weitere Fr. 1000.-- anrechenbares Einkommen erhöht sich der zumutbare Elternbeitrag um Fr. 800.--.