Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

RRB Nr. 1203/2023

Anfrage Nicola Siegrist, Zürich, und Benjamin Walder, Wetzikon, betreffend Nachhaltigkeit an der Universität Zürich und finanzielle Ausstattung, Beantwortung

Rubrum

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 263/2023

Sitzung vom 25. Oktober 2023

1203. Anfrage (Nachhaltigkeit an der Universität Zürich und finanzielle Ausstattung) Die Kantonsräte Nicola Siegrist, Zürich, und Benjamin Walder, Wetzikon, haben am 10. Juli 2023 folgende Anfrage eingereicht: Nachhaltigkeit an Universitäten gewinnt stetig an Bedeutung. Auch die Universität Zürich (UZH) hat eine «Sustainability Policy» – die durch die «Umsetzungsstrategie 2030» konkretisiert wird – und strebt Klimaneutralität bis 2030 an. Der im Juni 2023 veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht 2021/20221 macht jedoch deutlich, dass der Umsetzungsstand kritisch zu beurteilen ist: So wurden bei 17 der 23 definierten Ziele bisher nur relative Verbesserungen erreicht. Diese Eigenbeurteilung deckt sich auch mit dem «QS Sustainability Ranking 20232», bei dem sich die UZH weltweit nur auf Platz 130 befindet. Andere Universitäten aus Netzwerken, denen auch die UZH angehört, befinden sich mit grösserem Abstand auf vorderen Plätzen, bspw. Universität Edinburgh auf Platz 4. Die UZH schreibt im Nachhaltigkeitsbericht, dass Nachhaltigkeit für sie «einen zentralen Wert» darstelle. Vor dem Hintergrund der mässigen Zielerreichung stellt sich die Frage, ob diese mit den bestehenden finanziellen und personellen Mitteln umsetzbar sind: So hält der WWF Schweiz in einer Rating-Studie von 2021 («Nachhaltigkeit an Schweizer Hochschulen»3) fest, dass die finanzielle Ausstattung der Nachhaltigkeitsfachstelle vor dem Hintergrund der Grösse der UZH «sehr gering» ausfällt. Dies wird auch im Vergleich zu anderen Schweizer Universitäten deutlich: Die UZH weist die drittschlechteste finanzielle Ausstattung auf, obgleich sie die grösste Volluniversität der Schweiz ist, wie die besagte Rating-Studie von WWF Schweiz auch aufzeigt. Zudem scheint die UZH auch in Lehre und Forschung Nachholbedarf zu haben, da es keine eigenständigen Studien- und Forschungsprogramme im Bereich Nachhaltigkeit oder nachhaltiger Entwicklung gibt, wie es an anderen Schweizer Universitäten üblich ist.

1 https://www.sustainability.uzh.ch/dam/jcr:5ed63e0f-56e7-46a6-a607-c3a16bfe3bd7/

2 https://www.topuniversities.com/university-rankings/sustainability-rankings/2023

In diesem Zusammenhang bitten wir den Regierungsrat, folgende Fragen zu beantworten:

Erwägungen

1. Ist der Regierungsrat ebenfalls der Meinung, dass die Universität Zürich in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität eine Vorreiterrolle einnehmen soll?

2. Wie viel unbefristete Stellenprozente weist die Nachhaltigkeitsfachstelle («Nachhaltigkeitsteam») zurzeit auf?

3. Welches Sachmittelbudget steht der Nachhaltigkeitsfachstelle jährlich zur Erfüllung ihrer Aufgaben zur Verfügung?

4. Reichen die unbefristeten Stellenprozente und Budget aus, um die oben erwähnte Zielerreichung sicherzustellen?

5. In welchem Verhältnis stehen die aktuelle Ausstattung (Fragen 1 und 2) zu unbefristeten Stellenprozenten/Budget von Nachhaltigkeitsfachstellen an anderen Schweizer Universitäten? Wir bitten um einen qualitativen und quantitativen Vergleich.

6. Plant die UZH die Einführung eigenständiger Studien-, Weiterbildungs- und Forschungsprogramme im Bereich Nachhaltigkeit oder nachhaltiger Entwicklung? Falls ja, wie würde hier die Finanzierung sichergestellt werden und in welchem Zeitrahmen ist eine Umsetzung geplant? Falls nein, weshalb nicht?

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Die Anfrage Nicola Siegrist, Zürich, und Benjamin Walder, Wetzikon, wird wie folgt beantwortet:

Die Fragen 2–6 betreffen die Universität Zürich (UZH), weshalb die Beantwortung durch die UZH erfolgt. Zu Frage 1: Die UZH ist die grösste Universität der Schweiz mit dem vielfältigsten Angebot. Sie ist eine prägende Institution der hiesigen Hochschullandschaft und trägt in dieser Stellung mit herausragenden Leistungen in Forschung und Innovation massgeblich zur Erreichung des globalen Ziels einer nachhaltigen Entwicklung bei. Als Institution versteht die UZH die Nachhaltigkeit als einen zentralen Wert für das universitäre Leben und als Querschnittaufgabe für alle ihre Einheiten und Angehörigen. Den Rahmen dafür bilden ausgehend von ihrem Leitbild und ihren strategischen Grundsätzen die Sustainability Policy und die dazugehörige Umsetzungsstrategie 2030 (vgl. zu den Dokumenten unter uzh.ch/cmsssl/de/ explore/portrait/basics.html).

Zu Frage 2: Das Nachhaltigkeitsteam der UZH verfügt derzeit über unbefristete Stellen im Umfang von 2,9 Vollzeitäquivalenten. Darin enthalten ist eine 50%-Professur für den Delegierten der Universitätsleitung für Nachhaltigkeit. Die UZH finanziert darüber hinaus befristet angestellte Mitarbeitende fallweise mit projektbezogenen Mitteln, wie z. B.: – Fr. 97 500 für die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts 2023/2024 einschliesslich Datenerhebung, – Fr. 100 000 für die Entwicklung der Studienwoche «Nachhaltige Entwicklung und Transformation» (Durchführung jeweils im Herbstsemester 2023, 2024 und 2025). Hinzu kommen die zahlreichen Mitarbeitenden der UZH, die sich in Forschung und Lehre mit Nachhaltigkeitsthemen befassen. So bietet das Vorlesungsverzeichnis unter der Bezeichnung «Green VVZ) zahlreiche Lehrangebote an, die einen Bezug zu Themen der nachhaltigen Entwicklung haben (vgl. sustainability.uzh.ch/de/forschung-lehre/lehre/green- VVZ.html). Ebenfalls hinzu kommen jene Mitarbeitenden, die in den einzelnen Fachabteilungen (z. B. Betriebsdienst) nachhaltigkeitsrelevante Verbesserungen in der Praxis umsetzen. Ausserdem gibt es auch in einigen Fakultäten und Ständen Gruppen und Kommissionen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Zu Frage 3: Das Nachhaltigkeitsteam verfügt über ein jährliches Sachmittelbudget von Fr. 25 000. Damit werden u. a. studentische Hilfskräfte finanziert. Darüber hinaus investiert die UZH folgende Mittel: – Fr. 96 000 als jährlichen Beitrag (befristet bis 2025) an das von allen vier kantonalen Hochschulen getragene Zurich Knowledge Center for Sustainable Development (ZKSD). Hinzu kommen von 2023 bis 2028 jährlich Matching Funds von Fr. 50 000 für spezifische Forschungsprojekte, – Fr. 500 000 zur Erforschung von Klimaschutzmassnahmen zur Klimaneutralität der UZH (2023–2026), – Fr. 16 000 jährlich für Mitgliedschaftsbeiträge für Nachhaltigkeitsnetzwerke (z. B. International University Climate Alliance). Zu Frage 4: Die Umsetzungsstrategie 2030 zur Sustainability Policy sieht rund 80 Massnahmen vor. Das Nachhaltigkeitsteam ist bei 18 Massnahmen federführend. Bei zahlreichen weiteren Massnahmen unterstützt und berät es Mitarbeitende und Studierende bei der Umsetzung oder es koordiniert Umsetzungsmassnahmen anderer Organisationseinheiten (z. B. im

Bereich Flugreisen). Bei den gegebenen Rahmenbedingungen müssen die einzelnen Massnahmen der Umsetzungsstrategie priorisiert werden, zumal die personellen Mittel der zuständigen Fachabteilungen (z. B. Betriebsdienst) ebenfalls begrenzt sind. Zu Frage 5: Die UZH verfügt über keine Angaben zur Ausstattung von Nachhaltigkeitsfachstellen an anderen Schweizer Universitäten. Entsprechende Abklärungen würden den Rahmen der Beantwortung der Anfrage sprengen. Zudem dürften die Zuständigkeiten wie auch die organisatorische Verankerung der Nachhaltigkeitsfachstellen zwischen den Universitäten variieren, was die Vergleichbarkeit erschwert. Zu Frage 6: Die folgenden Studienprogramme bestehen oder werden eingeführt: – Studienwoche «Nachhaltige Entwicklung und Transformation» für Masterstudierende, – Minor-Studiengang «Sustainable Finance» (seit 2021), – Studiengang «Biodiversität» auf Bachelor- und Masterstufe (ab Herbstsemester 2023). Dieser Studiengang wird ab 2025 den Master «Quantitative Environmental Sciences» ablösen, – Ringvorlesung «Sustainability Now!» des Nachhaltigkeitsteams in Kooperation mit dem Right Livelihood Centre der UZH (jeweils im Frühjahrssemester), – weitere Lehrangebote mit Nachhaltigkeitsbezug sind im Green VZZ aufgeführt. Es werden die folgenden Weiterbildungsprogramme oder -kurse mit Nachhaltigkeitsbezug angeboten: – Certificate of Advanced Studies (CAS), Master of Advanced Studies (MAS) und Diploma of Advanced Studies (DAS) zu «Sustainable Finance», «Climate Change Finance», «Current Trends in Sustainable Investing» und «FinTech and Sustainability», – CAS Applied Ethics. Die UZH bietet die folgenden vier universitären Forschungsschwerpunkte mit Nachhaltigkeitsbezug an: – «Global Change and Biodiversity», – «LightChEC – vom Sonnenlicht zu chemischer Energie», – «Equality of Opportunity», – «Finanzmarktregulierung». Zudem bestehen sechs Kompetenzzentren mit Nachhaltigkeitsbezug. Darunter das Kompetenzzentrum Menschenrechte. Auch das ZKSD trägt zur Stärkung der Nachhaltigkeitsforschung an der UZH bei.

II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli