RRB Nr. 1475/2010
Dringliches Postulat Markus Späth-Walter, Feuerthalen, Claudia Gambacciani, Zürich, und Corinne Thomet-Bürki, Kloten, betreffend Der Sache auf den Grund gehen - Ursachen für und langfristige Massnahmen gegen den Lehrpersonenmangel, Stellungnahme
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 254/2010
Sitzung vom 6. Oktober 2010
1475. Dringliches Postulat (Der Sache auf den Grund gehen – Ursachen für und langfristige Massnahmen gegen den Lehrpersonenmangel) Kantonsrat Markus Späth-Walter, Feuerthalen, sowie die Kantonsrätinnen Claudia Gambacciani, Zürich, und Corinne Thomet-Bürki, Kloten, haben am 6. September 2010 folgendes Postulat eingereicht: Der Regierungsrat wird beauftragt, die Ursachen des massiven Lehrpersonenmangels auf den verschiedenen Schulstufen zu untersuchen und in einem Bericht darzulegen, wie die für die Zukunft der Zürcher Schulen bedrohlichen Entwicklungen auf dem Lehrpersonenmarkt mittel- und langfristig korrigiert werden können. Dabei sind im Bereich der Ursachenergründung insbesondere folgende Teilaspekte zu klären:
Erwägungen
1. die Entwicklung des Bedarfs an Lehrpersonen auf den verschiedenen Schulstufen in den nächsten 10 Jahren unter Berücksichtigung der aktuellen Prognosen der Schülerzahlen und der Zahl der Pensionierungen;
2. die Entwicklung der Studierendenzahlen an den Lehrerbildungsinstitutionen im Kanton Zürich und in den umliegenden Kantonen seit der Gründung der pädagogischen Hochschulen;
3. Die Zusammenhänge zwischen der neu strukturierten Ausbildung und der Attraktivität der Lehrerberufe;
4. die effektive Verweildauer der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger im Beruf und deren Auswirkungen auf die Nachfrage nach Lehrpersonen;
5. die Belastung der Lehrpersonen durch eine teilweise noch wenig effiziente Kompetenzverteilung zwischen Schulbehörden und Schulleitungen; 6. die Entwicklung der Klassengrössen;
7. die effektive Entlöhnung und die Lohnperspektiven der Zürcher Lehrpersonen im Vergleich mit den in den Nachbarkantonen und in der Deutschschweiz bezahlten Löhnen, unter besonderer Berücksichtigung der Situation bei den Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger.
Im Bereich der Massnahmen gegen den Lehrermangel erwarten wir vom Regierungsrat nicht primär kurzfristige Vorschläge, sondern ein Konzept mittel- und langfristiger Massnahmen und Vorschläge, – wie die pädagogischen Berufe wieder attraktiver gemacht werden können; – wie die Konkurrenzfähigkeit des Kantons auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden kann; – wie die Zahl der PHZH-Absolventinnen und Absolventen deutlich erhöht werden kann, ohne die Qualität der Ausbildung in Frage zu stellen. Der Kantonsrat hat das Postulat am 13. September 2010 dringlich erklärt.
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Zum dringlichen Postulat Markus Späth-Walter, Feuerthalen, Claudia Gambacciani, Zürich, und Corinne Thomet-Bürki, Kloten, wird wie folgt Stellung genommen: Im Rahmen der Beantwortung der Interpellation KR-Nr. 75/2010 betreffend Lehrermangel auf der Oberstufe hat der Regierungsrat am 19. Mai 2010 die bereits beschlossenen und geplanten Massnahmen aufgeführt, mit denen dem Mangel an Lehrkräften entgegengewirkt werden soll. Dabei handelt es sich um kurz-, mittel- und langfristig wirkende Massnahmen. Mit der vom Regierungsrat am 5. Mai 2010 beschlossenen Teilrevision des Lohnsystems für Lehrpersonen (Vorlage 4694) werden attraktive Lohnbedingungen für die Lehrpersonen geschaffen. Das neue Lohnsystem tritt am 1. Januar 2011 in Kraft, sofern der Kantonsrat die entsprechenden Änderungen der Lehrpersonalverordnung vom 19. Juli 2000 (LPVO, LS 412.311) und der Mittel- und Berufsschullehrerverordnung vom 7. April 1999 (MBVO, LS 413.111) genehmigt. Im Bereich der Lehrerbildung sind Massnahmen zu ergreifen bzw. zu prüfen, wie z. B. die Möglichkeit zum Erwerb kantonaler Lehrbefähigungen von zusätzlichen Fächern, Angebote für einen erleichterten Stufenumstieg von Primarlehrpersonen zu Sekundarlehrpersonen, neue Fächerprofile in der Ausbildung der Sekunkarlehrerinnen und -lehrer. Der neuen Ausbildung für Quereinsteigerinnen und -einsteiger kommt eine zentrale Bedeutung zu. Die Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH) plant, mit einem besonderen Kurs (Fast track) für Personen, die eine Hochschulausbildung in einem dem Lehrberuf verwandten Gebiet aufweisen, im März 2011 zu beginnen, damit diese bereits im nächsten Schuljahr – unter Fortsetzung der Ausbildung – eine Stelle auf der Primarstufe übernehmen können. Die übrigen Kurse für Quereinsteigerinnen und -einsteiger für die Kindergarten/Unterstufe sowie die Primar- und Sekundarstufe sollen im September 2011 beginnen. Sie dauern eineinhalb bzw. zwei (Vollzeit) oder drei Jahre (Teilzeit) und gliedern sich in ein berufsvorbereitendes und ein berufsintegriertes Studium mit einer Stelle an einer Schule und gleichzeitiger Ausbildung durch die PHZH. Daneben werden im Rahmen des Projektes «Belastung – Entlastung» und der Neuregelung des Berufsauftrages Massnahmen, welche die Schule entlasten werden, geprüft und vorbereitet.
Grundlage der Massnahmen gegen den Lehrermangel sind die Abklärung der Ursachen für den Mangel an Lehrkräften und der zu erwartende Bedarf an Lehrpersonen. Der Regierungsrat ist bereit, das dringliche Postulat KR-Nr. 254/2010 im Sinne der Erwägungen entgegenzunehmen.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber: Husi