RRB Nr. 1810/2010
Kulturförderung, Förderpreis des Kantons Zürich im Bereich Musik,Tanz und Theater 2011, Verleihung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 15. Dezember 2010
1810. Kulturförderung (Verleihung des Förderpreises des Kantons
Erwägungen
Zürich im Bereich Musik, Tanz und Theater 2011) Der Förderpreis wird einer Person oder einer Gruppe, deren Schaffen im Bereich Musik, Theater oder Tanz von besonderer Bedeutung ist, verliehen. Er wurde mit Fr. 40 000 dotiert (vgl. RRB Nr. 340/2009). Die Kulturförderungskommission schlägt für den Förderpreis 2011 im Bereich Musik, Tanz und Theater den Schauspieler und Regisseur Samuel Schwarz für seine Arbeit mit der Theatergruppe 400asa vor. Samuel Schwarz wurde 1971 in Langnau im Emmental geboren. Nach dem Gymnasium in Bern besuchte er von 1994 bis 1998 die Schauspielakademie Zürich. Als Schauspieler arbeitete er unter anderem am Schauspielhaus Zürich bei Benno Besson und Peter Palitzsch. 1998 gründete Samuel Schwarz zusammen mit Lukas Bärfuss und Udo Israel die Theatergruppe 400asa, die zuerst Hörspiele produzierte und gleich im Gründungsjahr mit der auf einem Minidisc-Gerät produzierten Hörspielreihe «Röstiblitz» den renommierten Radiopreis der Zürcher Radiostiftung gewann. Mit ihrer Low-Budget-Produktion «Italienische Nacht» unter der Regie von Samuel Schwarz erregte 400asa 1999 in der Theaterszene erstmals überregionales Aufsehen. Ihren Aufführungen lieferte die Theatergruppe im gleichen Jahr das Manifest «Bekenntnis99», eine Anleitung für billige und einfache Theaterproduktionen nach, die Ähnlichkeit mit der vom bekannten dänischen Filmemacher Lars von Trier erfolgreich in die Praxis umgesetzten Produktionsphilosophie namens Dogma hatte. «Medeää», die zweite von Schwarz inszenierte 400asa-Theaterproduktion, 2000 am Zürcher Theater Spektakel aufgeführt und gleichenorts mit dem Förderpreis der Zürcher Kantonalbank ausgezeichnet, wurde später für Auftritte nach Kopenhagen eingeladen. An der Expo02 zeigte die 400asa die theatralische Installation «Affentheater» und machte sich damit sowohl in der schweizerischen Tagespresse als auch in Fachkreisen und -medien bekannt. Abermals heftige Reaktionen ausgelöst hat 400asa mit dem Theaterstück «B. ‒ ein Stück über Sport und Behinderung», welches das Schicksal des gelähmten Exskirennfahrers B. thematisierte. «Affentheater» wie auch «Meienbergs Tod» (Samuel Schwarz’ Inszenierung im Jahr 2001) waren vom mittlerweile sehr bekannten und 2005 als «Dramatiker des Jahres» ausgezeichneten Lukas Bärfuss geschrieben worden. Ihre Zusammenarbeit erwies sich für beide Seiten als sehr
gewinnbringend. Letztmals im Jahr 2009 hatte Schwarz’ Inszenierung des Bärfuss-Theaterstücks «Der Bus» – bei welchem das Publikum mit einem Reisebus auf eine abenteuerliche Theaterreise in den Wald gefahren wird – auch im Ausland grossen Erfolg. Im September 2010 war mit «La Cérémonie» Schwarz’ jüngste Regiearbeit, wiederum mit 400asa, in Zürich zu sehen. Sie war vom gleichnamigen Film des unlängst verstorbenen französischen Regisseurs Claude Chabrol inspiriert. Neben seiner engen und nachhaltigen Arbeit mit 400asa inszeniert Samuel Schwarz regelmässig mit viel Erfolg an in- und ausländischen Theatern, so zum Beispiel am Theater Basel, am Schauspielhaus Bochum, am Maxim-Gorki-Theater Berlin, am Hamburger Schauspielhaus oder am slowenischen Staatstheater Maribor. Der uneingeschränkte Anspruch auf künstlerische Qualität und Offenheit für neue dramatische Spielformen sowie Gestaltungswille, Wandlungsfähigkeit und Risikobereitschaft, was Themenwahl als auch dramaturgische Umsetzung anbelangt, fliessen seit bald zehn Jahren kompromisslos und damit beispielhaft für das freie Theaterschaffen in die 400asa-Theaterproduktionen ein. Für diese subtile Gratwanderung wird Samuel Schwarz mit 400asa der Förderpreis des Kantons Zürich im Bereich Musik, Tanz und Theater 2011 zugesprochen. Mit dieser Würdigung gestärkt, darf die Zürcher Theaterlandschaft zweifellos schon bald mit überraschenden, neuen Theaterarbeiten rechnen. Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförderungsgesetzes (KFG, LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig (§ 2 Abs. 2 Kulturförderungsverordnung [KFV, LS 440.11]). Die Ausgabenbewilligung erfolgt durch die Fachstelle Kultur (§ 3 Abs. 2 lit. d KFV).
Dispositiv
Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:
I. Der Förderpreis des Kantons Zürich im Bereich Musik, Tanz und Theater 2011 wird an Samuel Schwarz verliehen.
II. Mitteilung an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern sowie durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern an den Preisträger und die Mitglieder der Kulturförderungskommission.
Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber:
Husi