RRB Nr. 281/2025
Anfrage Gabriel Mäder, Adliswil, Tobias Mani sowie Jonas Erni, Wädenswil, betreffend Selbstfahrende Schiffe auf dem Zürichsee, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 411/2024
Sitzung vom 19. März 2025
281. Anfrage (Selbstfahrende Schiffe auf dem Zürichsee) Die Kantonsräte Gabriel Mäder, Adliswil, sowie Tobias Mani und Jonas Erni, Wädenswil, haben am 10. Dezember 2024 folgende Anfrage eingereicht: Im Rahmen des Postulat KR-Nr. 46/2019 betreffend «Selbstfahrende Autos als Teil des öffentlichen Verkehrs» und der Strategie und Handlungsprogramm «Digitalisierung und Nachhaltigkeit der Mobilität im Kanton Zürich» vom 30. Juni 2021 hat sich die Regierung bereits eingehend mit autonom agierenden Systemen im Strassenverkehr als auch in der Luft beschäftigt. Und für 2025 plant der Kanton im Furttal im Rahmen eines Pilotprojekts autonome, führerlose Autos und Rufbusse zu testen. Da liegt es auf der Hand auch das Potential von selbstfahrenden Schiffen auf dem Zürichsee auszuloten. Dabei stehen nicht nur vollständig autonom agierende Systeme sondern auch teilautonome respektive unterstützende Systeme im Vordergrund wie sie auch im Güterverkehr auf der Schiene getestet werden. Wie die Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) im März 2023 mitteilte, führte der Fachkräftemangel auch auf dem Zürichsee zu Einschränkungen. So musste aufgrund von fehlendem Personal mit ausreichend Erfahrung der Sommerfahrplan reduziert werden. Daher möchten wir vom Regierungsrat wissen, wie er die Chancen für Selbstfahrende Schiffe respektive teilautonome Schiffe auf dem Zürichsee einschätzt und wie er sich für entsprechende Massnahmen einsetzt:
Erwägungen
1. Hat sich die Regierung bereits mit der Thematik von autonomen oder teilautonomen Schiffen oder Systemen der automatisierten Kollisionsvermeidung beschäftigt oder entsprechende Pilotprojekte unterstützt?
2. Wie erachtet der Regierungsrat die gesellschaftliche Akzeptanz von selbstfahrenden oder teilautonomen Schiffen auf dem Zürichsee in der Bevölkerung?
3. Wie betrachtet er das Potential von selbstfahrenden Schiffen auf dem Zürichsee sollten diese durch den Bund bewilligungsfähig sein?
4. Wäre die Regierung bereit entsprechende Initiativen der Zürichsee- Schifffahrtsgesellschaft zu unterstützen?
Dispositiv
Auf Antrag der Volkswirtschaftsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Gabriel Mäder, Adliswil, sowie Tobias Mani und Jonas Erni, Wädenswil, wird wie folgt beantwortet: Zu Fragen 1–4: Der Regierungsrat anerkennt die Chancen, aber auch die Herausforderungen, die sich mit der rasch fortschreitenden Digitalisierung und dem gesellschaftlichen Wandel ergeben – insbesondere bei der Herausbildung neuer Mobilitätsformen (vgl. die Stellungnahme sowie den Bericht und Antrag zum Postulat KR-Nr. 46/2019 betreffend Selbstfahrende Autos als Teil des öffentlichen Verkehrs [Vorlage 5745]). Einige Schiffe der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) verfügen heute bereits über digitale Assistenzsysteme wie Kurshalter, GPS-Kurslinienvorschläge, Fahrzeitenberechnungen und Prognose der Ankunftszeiten an den Schiffsstegen. Für einen autonomen oder teilautonomen Schiffsverkehr bestehen allerdings viele äusserst komplexe und vielfältige, grösstenteils ungelöste technische Herausforderungen, wie beispielsweise das automatische Andocken und das einwandfreie Funktionieren der Navigation bei unterschiedlichen Bedingungen wie Nebel, Wellengang oder Dunkelheit. Ebenfalls ist es bisher noch nicht möglich, dass ein auf künstlicher Intelligenz basierendes System zuverlässig Hindernisse im Wasser erkennen und unterscheiden kann. Weltweit gesehen sind autonom oder teilautonom fahrende Schiffe deshalb bisher auch kaum im Einsatz und es bestehen entsprechend sehr wenige Betriebserfahrungen. Für den Einsatz von autonomen Schiffen bestehen in der Schweiz derzeit noch keine spezifischen rechtlichen Vorgaben. Grundsätzlich bestehen bei der Schifffahrt jedoch sehr hohe Sicherheitsanforderungen. Die Präsenz von nautisch geschultem Personal auf dem Wasser ist dabei bisher ein wichtiger Sicherheitsfaktor: Im Gegensatz zum strassengebundenen Verkehr können Schiffspassagiere das Schiff im Störungsfall nicht einfach verlassen und das Schiff bleibt bei einer Antriebsstörung aufgrund von Wind und Wellengang nicht an Ort und Stelle stehen. Die Schiffsbesatzung ist darüber hinaus insbesondere für ältere Menschen sowie Touristinnen und Touristen eine wichtige Informationsquelle. Aus diesen Gründen erscheint es fraglich, ob autonome Schiffe – grundsätzlich wie auch bei der ZSG – gänzlich ohne Schiffspersonal verkehren könnten.
Die ZSG schätzt das Potenzial und den Nutzen eines autonomen Schifffahrtsbetriebs auf dem Zürichsee derzeit als gering ein. Langfristig ist es jedoch nicht auszuschliessen, dass ein autonomer Schiffsbetrieb einen effizienteren und pünktlicheren Betrieb ermöglicht. Die ZSG beobachtet daher kontinuierlich die technischen Entwicklungen in der Schifffahrtsbranche und wird den Einsatz eines autonomen oder teilautonomen Schiffsbetriebs vertieft prüfen, sobald die betreffende Technik ausgereift ist. Einhergehend mit dem heute ungenügenden Stand der Technologie dürfte auch die gesellschaftliche Akzeptanz eines Einsatzes von autonom fahrenden Schiffen gegenwärtig wohl als gering eingeschätzt werden. Falls technische, betriebliche oder finanzielle Vorteile von autonomen Antrieben gegenüber dem konventionellen Schiffsbetrieb bestehen und entsprechende finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, kann die Unterstützung einer Initiative der ZSG für den autonomen oder teilautonomen Schiffsbetrieb im Rahmen eines Pilotprojekts geprüft werden.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Volkswirtschaftsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli