RRB Nr. 345/2015
Anfrage Moritz Spillmann, Ottenbach, Olivier Hofmann, Hausen a.A., und Martin Haab, Mettmenstetten, betreffend Schulraumstrategie im Raum Limmattal/Knonaueramt, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 22/2015
Sitzung vom 8. April 2015
345. Anfrage (Schulraumstrategie im Raum Limmattal/ Knonaueramt) Die Kantonsräte Moritz Spillmann, Ottenbach, Olivier Moïse Hofmann, Hausen a. A., und Martin Haab, Mettmenstetten, haben am 19. Januar 2015 folgende Anfrage eingereicht: Der Regierungsrat beabsichtigt auf eine neue Kantonsschule im Knonaueramt zu verzichten und stattdessen den Standort Urdorf auszubauen. Der entsprechende Regierungsratsbeschluss (RRB 1375/2014) wirft jedoch Fragen auf. In der Schulraumstrategie (RRB 376/2013) verpflichtet sich der Regierungsrat zur dezentralen Verankerung der Schulstandorte. Diese Vorgabe entspricht genauso wie die Zielsetzung, Verkehrsströme gering zu halten, den Vorgaben des kantonalen Richtplans. Die nun angestrebte Konzentration der Mittelschulen auf einen einzigen Standort widerspricht diesen beiden genannten Zielsetzungen im Grundsatz. Begründet wird die Konzentration mit den bestehenden und prognostizierten Schülerzahlen. Die Kantonsschule Limmattal soll von ca. 750 SuS zu einer Grossschule anwachsen. Der potenziellen Kantonsschule in Affoltern wird demgegenüber mit ca. 330 SuS eine zu geringe Schülerzahl prognostiziert. Angesichts der heutigen Schülerzahlen aus dem Säuliamt (gemäss BISTA 2010, «Total Mittelschüler» über 700) und dem zusätzlich vorausgesagten Schülerzuwachs scheint diese Modellrechnung wenig plausibel und zum Teil widersprüchlich. So redet der Beschluss von absolut 330 Schülerinnen und Schülern und weiter unten von zusätzlichen 330 Schülerinnen und Schülern. Deshalb bitten wir den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Wie viele Schülerinnen und Schüler aus dem Bezirk Affoltern besuchen heute Mittelschulen? Angaben bitte differenziert nach Untergymnasium, Gymnasium, DMS, FMS, IMS. Wie viele Mittelschüler aus dem Bezirk Affoltern besuchen eine ausserkantonale Mittelschule (insbesondere in Zug)?
2. Welches Schülerwachstum wird für die Region Bezirk Affoltern prognostiziert? Angaben nach Möglichkeit in derselben Differenzierung von Frage 1.
3. Erachtet es der Regierungsrat nicht auch als Vorteil, dass beim Bau der Kantonsschule in Affoltern die Schülerinnen und Schüler den öffentlichen Verkehr weniger und in entgegengesetzter Richtung zum Berufspendlerverkehr benutzen?
4. Die Mittelschulen im Kanton Aargau sind bereits heute ausgelastet und gleich der Situation in Zürich wird mit einem starken Schülerwachstum gerechnet. Finden kantonsübergreifende Überlegungen statt, ob beispielsweise auch Schülerinnen und Schüler aus dem Freiamt die Kantonsschule in Affoltern besuchen können? Kurze und direkte Verbindungen mit dem öffentlichen Verkehr liessen dies zu.
5. Auf welche «Erfahrungswerte» stützt sich die Nutzung des potenziellen Einzugsgebietes (Kapitel 3.3 im Beschluss)? Warum sollen zum Beispiel nur 20% der Aeugster Schülerinnen und Schüler die Kantonsschule in Affoltern besuchen?
6. Sind das Schülerprognosemodell von Wüest & Partner sowie die plausibilisierte Regionalprognose einsehbar?
7. Die Forschung sieht mittlere Schulen mit 600–900 Schülerinnen und Schüler im Vorteil (Hattie, Lernen sichtbar machen). Welche Schulgrösse strebt der Regierungsrat an und mit welchen inhaltlichen Überlegungen?
8. Welche Vorteile sieht der Regierungsrat im Bau einer neuen Kantonsschule gegenüber dem Ausbau eines bestehenden Standorts?
9. In Affoltern soll die strategische Standortsicherung aufgrund einer Standortevaluation langfristig konkretisiert werden (RRB 13751/ 2014, S. 6). Was ist damit gemeint?
10. Welche Schulwegzeiten (hin und zurück) hält der Regierungsrat für Untergymnasiasten für zumutbar?
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Moritz Spillmann, Ottenbach, Olivier Moïse Hofmann, Hausen a. A.,und Martin Haab, Mettmenstetten, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Die dem Bericht von Wüest+Partner zugrunde liegenden Schülerzahlen (Stand Schuljahr 2011/12, Quelle Bildungsstatistik, www.bista.zh.ch) weisen für den Bezirk Affoltern 694 Schülerinnen und Schüler aus. Davon besuchten 164 Schülerinnen und Schüler das Untergymnasium, 20 eine
Fachmittelschule (FMS), 14 eine Handelsmittelschule (HMS), 4 eine Informatikmittelschule (IMS), 20 die kantonale Maturitätsschule für Erwachsene (KME) und 472 das Gymnasium in den oberen Klassen. Die Erhebung über die 2013 ausgerichteten Schulgelder zeigt, dass zwei Schülerinnen und Schüler (FMS und Gymnasium) aus dem Knonaueramt (Gemeinde Kappel a. A.) im Kanton Zug die Schule besuchten. Zu Frage 2: Die Prognosen, die dem Beschluss vom 3. April 2013 zur Strategie für die Schulraumstruktur der Sekundarstufe II (RRB Nr. 376/2013) zugrunde lagen, gingen davon aus, dass die höchste Zunahme für das Knonaueramt 2027 eintrifft und zu diesem Zeitpunkt zusätzliche 119 Schülerinnen und Schüler eine Mittelschule besuchen werden. In den Prognosen wurde keine Differenzierung nach Schultypen vorgenommen. Zu Frage 3: Um die Verkehrsströme möglichst gering zu halten, legt der Regierungsrat bei der Festlegung der Strategie für die Schulraumstruktur der Sekundarstufe II unter anderem auch fest, dass diejenigen Standorte zu fördern sind, die durch den öffentlichen Verkehr gut erschlossen und bevölkerungsmässig am Wachsen sind. Die Leistungsangebote der Berufsfachschulen und Mittelschulen sollen dezentral verankert werden, wobei die Nutzung und Erweiterung bestehender Infrastrukturen im Vordergrund stehen. Der Anteil an Mittelschülerinnen und -schülern (ohne KME) aus dem Knonaueramt, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Urdorf (286) oder in die Stadt Zürich (388) reisen, ist im Vergleich zu den Schülerströmen am rechten und linken Zürichseeufer in Richtung Stadt Zürich wesentlich kleiner. Zu Frage 4: Es ist eine grosse Herausforderung für den Kanton, den notwendigen Schulraum für die wachsende Anzahl Schülerinnen und Schüler bereitzustellen. Zudem stehen verschiedene grosse Sanierungen von Mittelschulen an. Angesichts des ausgeprägten Föderalismus und des komplexen Finanzausgleichs in der Schweiz ist es sehr anspruchsvoll, eine überkantonale Schulraumstrategie zu entwickeln und zu bewirtschaften. Zu Frage 5: Die Rechenmodelle gehen von der Zahl der Schülerinnen und Schüler einer Gemeinde im Schuljahr 2011/2012 aus. Die künftigen Schülerzahlen gemäss Ziff. 3.3. von RRB Nr. 1375/2014 wurden anhand von Erfahrungswerten aufgrund der heutigen Verteilung der Schülerinnen und Schüler sowie anhand von Reisezeiten festgelegt.
Zu Frage 6: Der Bericht von Wüest+Partner ist für alle Interessierten einsehbar. Zu Frage 7: Im Kanton Zürich gibt es verschiedene Kantonsschulen mit mehr als 1000 Schülerinnen und Schülern (Kantonsschule Zürcher Oberland, Kantonsschule Zürich Nord, Kantonsschule Rychenberg, Kantonsschulen Rämibühl), die gut funktionieren. Auch bei den geplanten neuen Mittelschulen am rechten und linken Zürichseeufer sind Schulen in der Grössenordnung von rund 1000 Schülerinnen und Schülern vorgesehen. Um eine gute Auslastung der Unterrichtsräume, insbesondere der aufwendigen Spezialfachzimmer und der Turnhallen zu ermöglichen, wird von einer Mindestgrösse von 500 bis 700 Schülerinnen und Schülern ausgegangen. Um verschiedene Profile anbieten zu können, braucht es ebenfalls eine bestimmte Grösse, damit die Organisation und der Betrieb wirtschaftlich sinnvoll sind. Zudem kann bei einer grösseren Schule auch ein breiteres Angebot an ergänzenden Fächern zur Verfügung gestellt werden. Zu Frage 8: Mit dem Bau einer neuen Kantonsschule ist es unter anderem möglich, den Bedürfnissen der Region Rechnung zu tragen und den öffentlichen Verkehr zu entlasten. Für einen wirtschaftlichen Betrieb einer neuen Schule sowie die tatsächliche Entlastung des öffentlichen Verkehrs ist es jedoch notwendig, dass das Potenzial an Schülerinnen und Schülern genügend gross ist. Der Ausbau einer bestehenden Schule ist grundsätzlich rascher umsetzbar und in der Regel kostengünstiger. Der Bau einer neuen Kantonsschule in Affoltern würde insgesamt erheblich teurer als die Erweiterung der Kantonsschule Urdorf, weil der Standort Urdorf trotz eines Neubaus in Affoltern erweitert werden müsste, weil das Bevölkerungswachstum im Westen der Stadt Zürich (Altstetten) und im Limmattal dies erfordert. Zudem ist der Betrieb einer grösseren Schule im Vergleich zu zwei kleineren Schulen wirtschaftlicher (vgl. die Beantwortung der Frage 7). Zu Frage 9: Zur langfristigen strategischen Standortsicherung soll der bestehende Eintrag für eine Kantonsschule im Knonaueramt im Richtplan beibehalten werden. Zurzeit besitzt der Kanton mit den Parzellen 6998 und 6999 Flächen im Finanzvermögen, die grundsätzlich für den Standort einer Mittelschule geeignet sind. Sollte langfristig eine neue Mittelschule im Bezirk Affoltern a. A. aufgrund der Schülerzahlenentwicklung nötig
werden, würde dieser Standort nach der gleichen Methode wie für die Mittelschulen am rechten und linken Zürichseeufer evaluiert werden. Für die Erweiterung der Kantonsschule Limmattal ist eine Anpassung des bestehenden Richtplaneintrages notwendig. Zu Frage 10: Grundsätzlich gilt im Kanton Zürich die freie Schulwahl. Es gibt deshalb keine kantonalen Vorgaben zu den Schulwegzeiten.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber: Husi