Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

RRB Nr. 406/2015

Anfrage Josef Wiederkehr, Dietikon, Dieter Kläy, Winterthur, und Yvonne Bürgin, Rüti, betreffend Stärkung der Berufslehre durch Förderung der Berufsmaturität, Beantwortung

Rubrum

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 36/2015

Sitzung vom 29. April 2015

406. Anfrage (Stärkung der Berufslehre durch Förderung der Berufsmaturität) Die Kantonsräte Josef Wiederkehr, Dietikon, und Dieter Kläy, Winterthur, sowie Kantonsrätin Yvonne Bürgin, Rüti, haben am 2. Februar 2015 folgende Anfrage eingereicht: Seit längerer Zeit laufen von verschiedener Seite zahlreiche Anstrengungen, die Attraktivität der Berufslehre zu steigern. Dies ist wichtig und richtig. Die Bildungsdirektion hält in ihren Legislaturzielen fest, dass die BM gestärkt werden soll, auch mit dem Ziel, die Attraktivität der Berufslehre zu steigern. Auch der Kantonale Gewerbeverband ist diesbezüglich sehr aktiv. Der Regierungsrat wird deshalb durch die Beantwortung folgender Fragen gebeten darzulegen, welche Massnahmen hierfür bereits getroffen wurden und welche zusätzlich geplant sind.

Erwägungen

1. Wie hat sich die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen der Berufsmaturität in den letzten zehn Jahren entwickelt? Wie verhält sich die Entwicklung in Bezug auf die BM1 und BM2? Wie sieht es bezüglich Quoten aus?

2. Eine wichtige Rolle bei der Berufswahl spielen die Eltern und das familiäre Umfeld. Mit welchen Massnahmen wird versucht, die Berufsmaturität auch bei den Eltern besser bekannt zu machen?

3. Welche Anstrengungen wurden unternommen, die Berufsmaturität in den Schulen und bei den Berufsberatern besser bekannt zu machen? Welche zusätzlichen Massnahmen sind geplant?

4. Wie wird die Berufsmaturität bei den Lehrbetrieben besser bekannt gemacht? Gibt es Ideen zu einem Anreiz für Lehrbetriebe, welche Lernenden die BM1 ermöglichen?

5. Ist es vorstellbar, dass der Kanton mit einzelnen OdA (Organisation der Arbeit) Vereinbarungen zur Förderung der Berufsmaturität abschliesst?

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Die Anfrage Josef Wiederkehr, Dietikon, Dieter Kläy, Winterthur, und Yvonne Bürgin, Rüti, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Insgesamt hat die Anzahl der Berufsmaturitätsabschlüsse (BM) in den letzten Jahren zugenommen, wobei die Zunahme auf die Berufsmaturität, die nach einer abgeschlossenen Berufslehre erlangt werden kann (BM 2), zurückzuführen ist. Die Berufsmaturität, die während der beruflichen Grundbildung absolviert werden kann (BM 1), stagniert bzw. ist rückläufig. Tabelle 1: Entwicklung Anzahl BM-Abschlüsse im Kanton Zürich (Quelle: BISTA) 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 BM 1 1050 1077 1039 1113 1199 1175 1209 1218 1267 1195 1195 BM 2 682 896 861 977 1025 1055 1106 1138 1357 1415 1532 HMS/IMS 103 122 146 157 111 120 111 157 147 147 131 Total 1835 2095 2046 2247 2335 2350 2426 2513 2771 2757 2858 Gemäss der Definition des Bundesamtes für Statistik (BFS) entspricht die Berufsmaturitätsquote dem Anteil Personen, die ein Berufsmaturitätszeugnis erworben haben, gemessen an der 21-jährigen ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz. Die Berufsmaturitätsquote im Kanton Zürich liegt über dem schweizerischen Schnitt. Tabelle 2: Entwicklung Berufsmaturitätsquote in Prozent (Quelle: BFS) 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 CH 11,4 12,2 12,1 11,8 12,0 12,1 12,8 13,1 13,8 14,1 ZH 13,2 14,6 14,2 15,2 15,6 12,4 13,6 13,9 15,2 15,5

Zu Fragen 2 und 3: Im Rahmen des Berufswahl- und Berufsfindungsprozesses werden die Eltern bei der Einzelberatung von Jugendlichen durch die Berufsberatung mit einbezogen; ferner werden im Herbst des 8. Schuljahres für alle Sekundarschulklassen Elternorientierungen durchgeführt. In diesem Zusammenhang wird auch die BM thematisiert. Darüber hinaus organisieren die sieben kantonalen Berufsinformationszentren (biz) und das Laufbahnzentrum der Stadt Zürich (LBZ) regelmässig Informationsveranstaltungen für Jugendliche und Eltern zur BM. Die BM ist auch an den

Veranstaltungen «Gymi und Lehre – beide Wege führen zum Erfolg» der regionalen Berufsbildungsforen ein wichtiges Thema. Für Eltern mit Migrationshintergrund bieten die biz «Integras»-Informationsanlässe in verschiedenen Fremdsprachen an. Wichtige Gefässe zur Kommunikation der BM-Thematik sind auch die biz-Seminare «Berufswege und Stufenübertritt» sowie «Berufswahl kompetent begleiten», die sich teilweise bereits an Eltern von Kindern im Primarschulalter richten. Daneben werden Eltern mittels Merkblättern und Broschüren in den Infotheken der biz auf die BM-Möglichkeiten hingewiesen. Seit September 2014 informieren ferner zwei neue Broschüren über die BM. Während sich die eine an Jugendliche richtet, die sich für die BM interessieren, umfasst die andere vertiefte Informationen und richtet sich an Eltern, Lehrpersonen, Berufsberatende und Lehrbetriebe. Letztere lag auch dem Schulblatt vom Januar 2015 bei, das einen Schwerpunkt der BM widmete. Die BM wird regelmässig im biz-Newsletter behandelt und ist inhaltlich Bestandteil der App «Berufswahlfahrplan» des Amtes für Jugend und Berufsberatung. Ferner wird die BM an der jährlichen Berufsmesse unter dem Titel «Maturität – aber welche?» zusammen mit den anderen Maturitäten am Stand des Mittelschul- und Berufsbildungsamts vorgestellt. Zu Frage 4: Die Lehrbetriebe haben die Möglichkeit, ihre BM-Angebote im Lehrstellennachweis (LENA) aufzuführen, sodass sie neben der Lehrstelleninformation auf der Plattform www.berufsberatung.ch/lena erscheinen. Bei der nächsten LENA-Erhebung werden die Lehrbetriebe aktiv aufgefordert, ihre BM-Angebote bekanntzugeben. Es ist vorgesehen, Lehrbetriebe mit BM entsprechend zu kennzeichnen. Die BM ist ferner Ausbildungsinhalt der Kurse für Berufsbildnerinnen und Berufsbildner und wird anlässlich von Erstbetriebsbesuchen im Verfahren zur Erteilung einer Bildungsbewilligung thematisiert. Als weitere Massnahme ist vorgesehen, dass Berufsfachschulen, Berufsmaturitätsschulen, Organisationen der Arbeitswelt und grössere Betriebe BM-Modelle erarbeiten, die besser auf die Bedürfnisse der Ausbildung im Betrieb und die Verringerung der zeitlichen Belastung der Jugendlichen ausgerichtet sind. Ferner soll auch geprüft werden, ob die Lehrbetriebe, welche die BM ermöglichen, finanziell durch den Berufsbildungsfonds entlastet werden können.

Zu Frage 5: Der Kanton ist bestrebt, mit den Organisationen der Arbeitswelt Vereinbarungen zur Förderung der Berufsmaturität abzuschliessen. Die entsprechende Absicht wurde an der Konferenz Berufsbildung der Bildungsdirektion und der Volkswirtschaftsdirektion vom 4. November 2014 mit den Spitzen der Zürcher Arbeitgeberverbände abgesprochen.

II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber: Husi