RRB Nr. 529/2021
Universität Zürich, Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium für das Studienjahr 2021/2022
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 19. Mai 2021
529. Universität (Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium für das Studienjahr 2021/2022)
Erwägungen
A. Gemäss § 14 des Universitätsgesetzes vom 15. März 1998 (UniG; LS 415.11) können Zulassungsbeschränkungen unter den Voraussetzungen angeordnet werden, dass die Universität geeignete Massnahmen zur Vermeidung der Beschränkungen ergriffen hat, die finanziellen Mittel des Kantons eine Verbesserung der Aufnahmefähigkeit der Universität nicht zulassen und die Koordination mit anderen Hochschulträgern gewährleistet ist. Ziel dieser Koordination ist es, Sonderregelungen durch einzelne Kantone zu vermeiden und durch Umleitungen von Studienanwärterinnen und -anwärtern die Anordnung von Zulassungsbeschränkungen weitestmöglich zu verhindern. Deshalb kommt der Koordination bei der Beurteilung der Notwendigkeit einer Anordnung von Zulassungsbeschränkungen eine vorrangige Bedeutung zu.
B. Gemäss § 3 der Verordnung über die Zulassungsbeschränkungen zu den medizinischen Studiengängen der Universität Zürich vom 8. April 2020 (VZMS, LS 415.432) legt der Regierungsrat jährlich die Zahl der Studienplätze für das erste Studienjahr der Bachelorstudiengänge und der daran anschliessenden Masterstudiengänge an der Medizinischen Fakultät und der Vetsuisse-Fakultät unter Berücksichtigung der Klinikkapazitäten fest. Gestützt auf diese Grundlage hat er mit Beschluss Nr. 746/2020 für das erste Studienjahr der Bachelorstudiengänge 2021/2022 folgende Aufnahmekapazität festgelegt: Humanmedizin: 272 Plätze; Humanmedizin mit den Schwerpunkten St. Galler Track und Luzerner Track: je 40 Plätze; Humanmedizin mit dem Schwerpunkt Chiropraktik: 20 Plätze; Zahnmedizin: 50 Plätze; Veterinärmedizin: 90 Plätze. Für das erste Studienjahr der Masterstudiengänge 2024/2025 hat er folgende Aufnahmekapazität festgelegt: Humanmedizin: 265 Plätze; Joint-Degree-Masterstudiengänge mit St. Gallen und Luzern: je 40 Plätze, Chiropraktische Medizin: 20 Plätze; Zahnmedizin: 44 Plätze; Veterinärmedizin: 70 Plätze.
C. Nach § 4 Abs. 1 VZMS können Zulassungsbeschränkungen angeordnet werden, wenn die gesamtschweizerischen Anmeldungen für das erste Studienjahr der Bachelorstudiengänge die Zahl der Studienplätze um mindestens 10% überschreiten. Sie werden für die Bachelorstudiengänge, die Schwerpunkte eines Bachelorstudiengangs sowie für die anschliessenden Masterstudiengänge einzeln angeordnet (§ 4 Abs. 2 VZMS).
Gemäss den gesamtschweizerischen Erhebungen von Swissuniversities für das Studienjahr 2021/2022 gingen bis Mitte Februar 2021 insgesamt 7523 Anmeldungen ein. Die Aufnahmekapazität sämtlicher Universitäten von 2510 Plätzen wird damit deutlich überschritten.
D. Bei dieser Sachlage ist zu prüfen, ob die weiteren Voraussetzungen für die Anordnung von Zulassungsbeschränkungen gemäss § 14 UniG für das Studienjahr 2021/2022 erfüllt sind. a. § 14 Abs. 2 Ziff. 1 UniG setzt als Erstes voraus, dass die Universität alle geeigneten Massnahmen zur Vermeidung der Zulassungsbeschränkungen ergriffen hat. Dies hat die Universität sowohl für das Studium der Human- als auch für jenes der Veterinärmedizin getan; es kann hierfür auf die entsprechenden Ausführungen in RRB Nrn. 448/2018 und 517/2017 verwiesen werden. b. Als weitere Voraussetzung für die Anordnung von Zulassungsbeschränkungen dürfen die finanziellen Mittel des Kantons eine Verbesserung der Aufnahmekapazität der Universität nicht zulassen (§ 14 Abs. 2 Ziff. 2 UniG). Der Kantonshaushalt lässt eine Verbesserung der universitären Finanzen nicht zu, weshalb die Universität den Einsatz ihrer Mittel auch künftig in einem engen Rahmen planen muss. Hinzu kommt, dass eine bereits 2012 beschlossene Kapazitätserhöhung in der Humanmedizin um 60 Plätze im Endausbau ab Studienjahr 2018/2019 zusätzliche Nettokosten von jährlich rund 6,5 Mio. Franken auslöst. Die nochmalige Erhöhung der Kapazität in Humanmedizin um weitere 72 Plätze auf das Studienjahr 2017/2018 kann zwar in einer ersten Phase im Rahmen des Sonderprogramms Humanmedizin des Bundes kostenneutral umgesetzt werden, ab 2021 ist aber auch hier mit Mehrkosten zu rechnen, die sich bis zum Endausbau ab 2022 auf jährlich rund 9 Mio. Franken belaufen werden. Die Erhöhung der Aufnahmekapazität in Veterinärmedizin auf das erste Studienjahr 2019/2020 der Bachelorstufe um 10 auf 90 Plätze (RRB Nr. 899/2018) wird insgesamt kostenneutral erfolgen können. Bei dieser Ausgangslage ist die Bereitstellung weiterer Mittel zwecks nochmaliger Anhebung der Aufnahmekapazität ausgeschlossen. c. Schliesslich ist zur Anordnung von Zulassungsbeschränkungen gemäss § 14 Abs. 2 Ziff. 3 UniG die Koordination mit anderen Hochschulträgern zu gewährleisten, was vorliegend gemäss VZMS erfolgt.
E. Aufgrund dieser Ausführungen lässt sich eine Zulassungsbeschränkung nicht vermeiden. Bis Mitte Februar 2021 sind insgesamt 2361 Anmeldungen für das Medizinstudium an der Universität Zürich eingegangen, die sich wie folgt auf die einzelnen Studienrichtungen verteilen: – 1633 Humanmedizin ohne Schwerpunkt – 83 Humanmedizin mit Schwerpunkt Chiropraktik – 131 Humanmedizin mit Schwerpunkt St. Galler Track – 78 Humanmedizin mit Schwerpunkt Luzerner Track – 167 Zahnmedizin – 269 Veterinärmedizin
Diese Anzahl von Studienanwärterinnen und -anwärtern übersteigt sowohl in der Humanmedizin als auch in der Zahnmedizin und der Veterinärmedizin die festgelegten Aufnahmekapazitäten um mehr als 10%. Die Voraussetzungen für die Anordnung von Zulassungsbeschränkungen sind damit erfüllt.
F. Auf der Grundlage der bei Swissuniversities eingegangenen Anmeldungen hat der Hochschulrat der Schweizerischen Hochschulkonferenz empfohlen, auch für das Studienjahr 2021/2022 den Zugang zu den medizinischen Studiengängen an jenen Hochschulen zu beschränken, die einen Numerus clausus anwenden. Neben der Universität Zürich sind dies die Universitäten Basel, Bern, Freiburg und Tessin sowie die ETH Zürich. Die Hochschulen ohne Zulassungsbeschränkung (Genf, Lausanne und Neuenburg) werden wie in den letzten Jahren eine verschärfte Selektion im ersten Studienjahr vornehmen. Der Universitätsrat hat sich mit Beschluss vom 22. April 2021 für die Anordnung der Zulassungsbeschränkung in den Studienrichtungen Human-, Zahn- und Veterinärmedizin ausgesprochen. Werden Zulassungsbeschränkungen angeordnet, nehmen die Studienanwärterinnen und -anwärter an einem Eignungstest teil (§ 5 Abs. 1 VZMS). Dieser von Swissuniversities koordinierte Test findet voraussichtlich am 9. Juli 2021 statt.
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Für das Medizinstudium, Studienrichtungen Human- und Zahnmedizin sowie Veterinärmedizin, wird an der Universität Zürich für die Bachelorstudiengänge mit und ohne Schwerpunkt des ersten Studienjahres 2021/2022 sowie für die anschliessenden Masterstudiengänge eine Zulassungsbeschränkung angeordnet. II. Veröffentlichung im Amtsblatt.
III. Mitteilung an den Universitätsrat und die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli