Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

RRB Nr. 776/2020

Dringliches Postulat Christoph Ziegler, Elgg, Carmen Marty Fässler, Adliswil, und Marc Bourgeois, Zürich, betreffend Schulen auf eine zweite Welle vorbereiten, Stellungnahme

Rubrum

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 240/2020

Sitzung vom 19. August 2020

776. Dringliches Postulat (Schulen auf eine zweite Welle

Erwägungen

vorbereiten) Kantonsrat Christoph Ziegler, Elgg, Kantonsrätin Carmen Marty Fässler, Adliswil, und Kantonsrat Marc Bourgeois, Zürich, haben am 29. Juni 2020 folgendes Postulat eingereicht: Der Regierungsrat wird eingeladen, zeitnah ein stufengerechtes Konzept zu erarbeiten, damit unsere Schulen bei einer Notlage gewappnet sind. Sie sollen in der Lage sein, mit Fernunterricht und digitalem Unterricht die Lernziele möglichst gut zu erreichen. Dabei kann auf die Erfahrungen des Covid-19-Lockdowns zurückgegriffen werden. Begründung: Während des Lockdowns wegen Covid-19 mussten die Volksschulen innert kürzester Zeit auf digitalen Fernunterricht umstellen. Die Lehrpersonen bewältigten diese Herausforderung mit grossem Einsatz. Es musste aber beobachtet werden, dass hinsichtlich Infrastruktur, Qualität und eingesetzten Methoden unter den Schulgemeinden, den Schulhäusern und auch den einzelnen Lehrpersonen Unterschiede bestehen. Es fehlten pädagogische Konzepte und Vorgaben von übergeordneten Stellen. Lehrpersonen waren oft auf sich alleine gestellt bei der Gestaltung ihres Fernunterrichts. Dies führte teilweise zu Verunsicherung bei Schülerinnen und Schülern oder bei den Eltern. Sie fühlten sich mitunter allein gelassen. Zudem ist es wichtig für die Chancengleichheit für alle Schülerinnen und Schüler, dass die Schulen sich auf ein stufengerechtes Konzept abstützen können. Begründung der Dringlichkeit: Um auf eine (hoffentlich nie eintretende) zweite Welle wegen Corona vorbereitet zu sein, ist die Bildungsdirektion nun gefordert, die Schulgemeinden, Schulen und Lehrpersonen möglichst rasch zu unterstützen.

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Zum dringlichen Postulat Christoph Ziegler, Elgg, Carmen Marty Fässler, Adliswil, und Marc Bourgeois, Zürich, wird wie folgt Stellung genommen: In der Phase des COVID-19-Lockdowns stellten die oft sehr kurzfristigen Anordnungen des Bundes sowohl die Schulen als auch die kantonalen Behörden vor grosse Herausforderungen. Der plötzliche Wechsel von Präsenz- zu Fernunterricht wurde von einem grossen Teil der Schulen gut und professionell umgesetzt. Die Bildungsdirektion hat den Schulen bei der anspruchsvollen Umstellung auf Fernunterricht ein vielfältiges Unterstützungsangebot zur Verfügung gestellt, aus dem sie die zu ihren Bedürfnissen passenden Elemente nutzen konnten. Auf der Corona-Website des Kantons Zürich (https://www.zh.ch/de/ gesundheit/coronavirus/informationen-rund-um-schulen-kitas-heime/ coronavirus-volksschule.html) sind für die Schulen aktuelle und verlässliche Informationen aufgeschaltet, darunter auch Hinweise zur Vorbereitung auf eine erneute Phase des Fernunterrichts. Schulleitungen finden zudem Hilfsmittel für die Kommunikation mit den Eltern. Über die Corona-Beratungshotline und den Corona-Briefkasten (E-Mail) können sich Schulleitungen und Lehrpersonen direkt an eine Beratungsperson wenden. In gesundheitlichen Fragen steht die kantonale Schulärztin beratend zur Seite. Die Pädagogische Hochschule Zürich bietet den Schulen auf der Plattform «Lernen zu Hause» Empfehlungen für digitale Lerntools an, ebenso für Offline-Aktivitäten, Tipps für den Fernunterricht, Materialien in Fremdsprachen und vieles mehr. Als Unterstützung in didaktischen Fragen zum Fernlernen hat die Bildungsdirektion ein Wiki (https://wiki.edu-ict.zh.ch/mat/index) erstellt, das auch interkantonal viel Beachtung fand. Das Wiki zeigt zudem ­modellhafte, stufenspezifische Tages- und Wocheneinteilungen sowie Unterrichtssettings kombiniert aus digitalen und analogen Elementen auf. Des Weiteren bietet es unter Berücksichtigung des Zürcher Lehrplans 21 Ideen bezüglich der Ausgestaltung von Lernarrangements. Wie andere Anbieter auch hat der Lehrmittelverlag Zürich den Schulen verschiedene Lernmittel kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Online-Angebot ermöglicht es, neue Erkenntnisse oder hilfreiche Angebote anderer Kantone oder der pädagogischen Hochschulen schnell aufzunehmen. Die Auswertung der Zugriffszahlen auf die Corona-

Website des Kantons Zürich und auf das Wiki wie auch die Anfragen per E-Mail und Telefon zeigen, dass die Angebote intensiv genutzt wurden.

In den 162 Gemeinden und rund 500 Schulen des Kantons Zürich bestehen auch ausserhalb der Notlage erkennbare Unterschiede bezüglich Infrastruktur, Qualität und der eingesetzten Methoden. Verantwortlich für die Qualitätssicherung sind die Schulen und die Schulpflegen. Methoden und Instrumente des Unterrichts – ob Fernunterricht oder mit physischer Präsenz – müssen der Situation sowie den Schülerinnen und Schülern angepasst sein. Jede Lehrperson gestaltet sowohl den Präsenzunterricht als auch den Fernunterricht im Rahmen des Lehrplans individuell und gemäss den Fähigkeiten und Bedürfnissen ihrer Klasse. Die Methodenfreiheit der Lehrpersonen gilt unabhängig vom Unterrichtssetting. Der Lehrplan reicht für die notwendige inhaltliche Steuerung aus. Die Bildungsdirektion lässt deshalb lokal angepasste Lösungsansätze auch während des Fernunterrichts zu. Aus diesen Gründen wurde auf ein verbindliches Konzept für alle Schulen verzichtet. Die Beschaffung und Bewirtschaftung der ICT-Infrastruktur liegt in der Verantwortung der Gemeinden und ist nach den gemeindespezifischen Bedürfnissen ausgestaltet. Die Bildungsdirektion respektiert diese subsidiäre Voraussetzung. Sie begleitet aber mit dem ICT-Guide (https://ict-guide.edu-ict.zh.ch/) und dem ICT-Coach (https://ict-coach. ch/zh/) die Schulen auf ihrem Weg des digitalen Wandels. Die enge Zusammenarbeit und die laufenden Absprachen zwischen der Bildungsdirektion und den Verbänden der Volksschule führten zu einer guten Akzeptanz der Massnahmen im Schulfeld und die Rückmeldungen zum Fernunterricht aus den Schulen und von den Verbänden der Volksschule waren denn auch grösstenteils positiv. Auch aus Gründen der klaren Kompetenzzuteilungen zwischen Kanton, Gemeinden, Schulen und Lehrpersonen ist von Vorgaben zur Infrastruktur oder der Erstellung eines Konzepts, das alle Schulen gleichermassen umsetzen müssen, abzusehen. Die digitale Form der Unterstützungsangebote erlaubt im Falle einer erneuten Notlage eine sofortige Reaktivierung und Aktualisierung. Das Wiki und die Corona-Website des Kantons werden laufend erweitert, um den Schulen im Falle einer erneuten Phase des Fernunterrichts ein noch breiteres Angebot zur Verfügung stellen zu können. Aus diesen Gründen beantragt der Regierungsrat dem Kantonsrat, das dringliche Postulat KR-Nr. 240/2020 abzulehnen.

II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli