RRB Nr. 872/2021
Anfrage Jacqueline Hofer, Dübendorf, betreffend Das Bauholz wird knapp und teuer für die Branche und lokale Betriebe im Kanton Zürich eine grosse Herausforderung, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 172/2021
Sitzung vom 25. August 2021
872. Anfrage (Das Bauholz wird knapp und teuer für die Branche und lokale Betriebe im Kanton Zürich eine grosse Herausforderung) Kantonsrätin Jacqueline Hofer, Dübendorf, hat am 10. Mai 2021 folgende Anfrage eingereicht: Die steigenden Preise und Lieferengpässe auf dem Holzmarkt sind für die Branche im Kanton Zürich, insbesondere für lokale Betriebe wie z. B. Handwerker, Dachdecker, Schreiner, Zimmerer, Bodenleger etc., eine grosse Herausforderung. Dass in einem waldreichen Land wie der Schweiz das Bauholz knapp werden könnte, war für viele überraschend. Dafür gibt es mehrere Gründe. Wegen der Pandemie mussten viele Betriebe ihre Kapazitäten herunterfahren, was zu einem Angebotsrückgang führte. Die globale Nachfrage nach Holz ist angestiegen. Der Handelsstreit zwischen Kanada und den USA führt dazu, dass diese ihren Holzbedarf mit Importen aus Europa decken und dafür Höchstpreise bezahlen. Amerika zahlt mittlerweile sogar das Dreifache. Zudem ist in den vergangenen Monaten die Nachfrage nach Holz auch aus dem asiatischen Raum stark angestiegen. Dies führt zu Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent und das Holz wandert ins Ausland ab. Auch in der Schweiz muss der Bedarf an Bauholz gedeckt werden. Wegen erhöhter Bau- und Renovationstätigkeit hat die Nachfrage stark zugenommen. Lieferzeiten für Bauholz haben sich seit Jahresanfang auf bis zu 30 Wochen verlängert. Die steigenden Preise und die Lieferengpässe auf dem Holzmarkt sind für die Branche und das lokale Betriebe eine grosse Herausforderung. Es ist mit Liefer- bzw. Bauverzögerungen, Herunterfahren bzw. Abbau von Kapazitäten, Preisveränderungen (Werkverträge können nicht eingehalten werden) und anderen wirtschaftlichen Folgen zu rechnen. Eine Beruhigung ist leider nicht in Sicht. Während man eine Verdreifachung bzw. Vervierfachung des Holzschnittpreises feststellt, können interessanterweise Waldbesitzer vom Holzboom nicht profitieren. Deren Preise sind immer noch gleich wie vor drei Jahren. Sie müssen bei schlechten Wetter ihre Arbeiten ausführen und deren Mitarbeiter erhalten einen Mindestlohn.
Ich ersuche daher den Regierungsrat freundlichst um Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Ist der Regierungsrat bereit, sich für eine greifende und faire Lösung des geschilderten Problems einzusetzen? Wenn ja, wie?
2. Welche Massnahmen wurden zur Unterstützung und Entlastung der betroffenen Branche bzw. Betriebe bereits getroffen?
3. Stehen Massnahmen vor der Umsetzung? Wenn ja, welche?
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Jacqueline Hofer, Dübendorf, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Die Holzbranche in der Schweiz erlebt momentan eine sehr starke Nachfrage nach Holz. Der Schweizer Verband der Säge- und Holzindustrie «Holzindustrie Schweiz» schildert die Situation in der Medienmitteilung vom 8. April 2021 unter dem Titel «Globale Nachfrage befeuert die Holzpreise» wie folgt: «Seit einigen Wochen steigen die internationalen Preise für Schnittholz und verleimte Holzprodukte extrem rasch, und die Lieferfristen betragen für viele Produkte statt wie bisher wenige Tage nun mehrere Wochen. Der Haupttreiber hinter dieser Entwicklung ist der aktuelle Immobilien-Boom in den USA. Aus Sicht der Schweizer Holzindustrie erfolgt der derzeitige Preisanstieg zu schnell und stellt zusammen mit den mittlerweile mehrere Wochen dauernden Lieferfristen für Planer und Investoren von Bauprojekten eine grosse Herausforderung dar. Allerdings ist beim Holz angesichts des extrem tiefen Preisniveaus der vergangenen Jahre eine gewisse Preiskorrektur erforderlich». Ein Blick in die Preisstatistik des Bundesamtes für Statistik bestätigt, dass die Preisindices für Holzprodukte rasch angestiegen sind, dass aber die Situation insgesamt in früheren Jahren ähnlich und in Teilbereichen sogar noch ausgeprägter war. Zudem ist gemäss den Verbänden im Bereich Holz erfahrungsgemäss verzögert mit Anpassungen der Rohholzpreise zu rechnen. Die vorliegende Situation ist nicht derart ungewöhnlich und in einer wettbewerbsgesteuerten Marktwirtschaft können solche Veränderungen vorkommen. Es liegt jedoch kein Marktversagen vor, weshalb staatliche Interventionen nicht gerechtfertigt sind. Der Regierungsrat sieht daher keinen Anlass für staatliches Eingreifen in den Holzmarkt.
Zu Frage 2: Derzeit wird der Kanton aufgrund der anhaltenden Preissteigerung in der Holzbranche in vielen Projekten mit einem grossen Holzanteil mit Mehrforderungen von Planerinnen und Planern und Unternehmen konfrontiert. In diesem Zusammenhang wird im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten einerseits die ausserordentliche Preissteigerung den entsprechenden Unternehmen vergütet und anderseits werden die notwendigen Fristerstreckungen gewährt. Zu Frage 3: Auf eidgenössischer Ebene fordert die am 17. Juni 2021 eingereichte parlamentarische Initiative (21.463) von Ständerat Daniel Fässler das Festlegen von Richtpreisen für Rohholz. So soll es den Forstbetrieben und Waldeigentümerinnen und -eigentümern möglich werden, den wertvollen Rohstoff Holz wirtschaftlich zur Verfügung zu stellen. Kantonale Massnahmen sind nicht geplant.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli