RRB Nr. 901/2016
Anfrage Philipp Kutter, Wädenswil, Martin Hübscher, Wiesendangen, und Robert Brunner, Steinmaur, betreffend landwirtschaftliche Forschung im Kanton Zürich, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 182/2016
Sitzung vom 21. September 2016
901. Anfrage (Landwirtschaftliche Forschung im Kanton Zürich) Die Kantonsräte Philipp Kutter, Wädenswil, Martin Hübscher, Wiesendangen, und Robert Brunner, Steinmaur, haben am 30. Mai 2016 folgende Anfrage eingereicht: Die Konsumenten legen immer mehr Wert auf gesundes Essen und setzen auf einheimische Lebensmittel. Beleg dafür ist etwa die wachsende Zahl an Direktvermarktern und die «Initiative für Ernährungssicherheit» des Bauernverbandes, die in Rekordzeit das geforderte Soll an Unterschriften erreichte. Damit gesundes Essen von Schweizer Produzenten auf unseren Tellern landet, muss vieles zusammenpassen. Ein wichtiges Glied entlang dieser Wertschöpfungskette ist die landwirtschaftliche Forschung des Bundes. Er führt hierfür das Kompetenzzentrum Agroscope. Dieses leistet gemäss Selbstverständnis «einen bedeutenden Beitrag für eine nachhaltige Land- und Ernährungswirtschaft sowie eine intakte Umwelt und trägt damit zur Verbesserung der Lebensqualität bei». Es stellt sich die Frage – wie lange das noch gilt. Agroscope baut in immer kürzeren Zyklen um und ab aufgrund von Spardruck bei Personal und Infrastruktur. Desweitern werden wiederkehrend langjährige Standorte mit national und international beachteten Leistungen infrage gestellt. Die Unsicherheit bei der Belegschaft und im Umfeld von Agroscope ist gross. Der Kanton Zürich ist der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz mit dem grössten Markt für landwirtschaftliche Produkte und ein wichtiger Agrarkanton. Er hat daher ein grosses Interesse an einer nationalen landwirtschaftlichen Forschung, die praxistauglich ist und darum auch regionale Besonderheiten berücksichtigt. Bodenbeschaffenheit, Klima, Schädlinge oder Siedlungsstruktur sind im Kanton Zürich nun einfach nicht dieselben wie im Tessin, im Waadtland oder im Wallis. Agroscope ist im Kanton Zürich mit zwei Standorten präsent: in Zürich Reckenholz mit Schwerpunkten pflanzenbauliche Anbausysteme und Ökologie, in Wädenswil mit den Bereichen Obst-, Wein- und Gemüsebau, pflanzliche Lebensmittel und Analytik.
Wir verfolgen die aktuelle Entwicklung bei Agroscope mit Sorge und ersuchen den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Welche Bedeutung haben aus Sicht des Regierungsrats die Landwirtschaft und die damit verbundenen Wertschöpfungsketten im Kanton Zürich?
2. Welche Bedeutung hat der Kanton Zürich als Agrarkanton innerhalb der Schweiz? Erbeten werden eine generelle Aussage sowie Aussagen zu einzelnen Produktionszweigen.
3. Welche Bedeutung hat die landwirtschaftliche Forschung des Bundes im Kanton Zürich für den Kanton?
4. Welchen Stellenwert räumt der Regierungsrat der praxisorientierten Forschung ein wie Sortenzüchtung, Erhebung der phänologischen Daten und Monitoring der wichtigsten Krankheiten und Schädlinge im Obst- und Rebbau?
5. Wie beurteilt der Regierungsrat die aktuellen Entwicklungen bei Agroscope insbesondere bei den Spezialkulturen?
6. Agroscope ist heute dezentral organisiert und u. a. mit zwei Standorten im Kanton Zürich vertreten, in Wädenswil in nutzbringender Nachbarschaft mit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Ist diese Struktur ein Vorteil oder könnte die Forschung auch zentral in Bern oder der Westschweiz erfolgen? Welche Vor- und Nachteile hätte das allenfalls?
7. Ist der Regierungsrat bereit, sich beim Bund für die Stärkung der landwirtschaftlichen Forschung im Kanton Zürich, sowie zusammen mit anderen Kantonen für den Erhalt der dezentralen Forschungsstandorte einzusetzen?
8. Wenn ja, welche Möglichkeiten sieht er? Ist er z. B. bereit, Kooperationen zu prüfen bei Investitionsvorhaben im Zusammenhang mit den Immobilien?
9. Der Kanton Zürich beteiligt sich am Aufbau eines Weinbauzentrums in Wädenswil, das von grosser Wichtigkeit ist für die ganze Deutschschweizer Weinbranche. An diesem Vorhaben ist mit Agroscope auch der Bund beteiligt. Wie unterstützt der Kanton diese Arbeiten und was ist deren Stand?
10. Unter Leitung der regionalen Standortförderung und unter Einbezug von Agroscope wird in Wädenswil ein Cluster mit dem Namen «Food+» aufgebaut. Unterstützt der Regierungsrat diesen Ansatz und wenn Ja wie?
11. Agroscope nutzt seit seiner Gründung vor über 125 Jahren das Schloss Wädenswil. Es handelt sich um den ehemaligen Sitz des Landvogts und gehört dem Kanton Zürich. Er verpachtete die Anlage dem Bund damals mit der Auflage, es für Forschungszwecke nutzen zu müssen. Wie würde der Kanton reagieren, wenn der Bund die Anlage nicht mehr für seine Forschung nutzen sondern an Dritte vermieten würde?
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Philipp Kutter, Wädenswil, Martin Hübscher, Wiesendangen, und Robert Brunner, Steinmaur, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Der Regierungsrat verfolgt konsequent eine Politik zugunsten einer vielfältigen, standortgerecht produzierenden Landwirtschaft. Diese orientiert sich am Leistungsauftrag der Landwirtschaft nach Art. 104 der Bundesverfassung (BV, SR 101), berücksichtigt aber besonders auch das spezifische Umfeld des Agrarsektors im städtisch geprägten, dicht besiedelten Wirtschaftsraum Zürich. Gegenüber dem Bund und in der Konferenz der kantonalen Landwirtschaftsdirektoren setzt er sich regelmässig für die Anliegen der Zürcher Landwirtschaft ein. Das klare Bekenntnis zu einer produzierenden Zürcher Landwirtschaft findet ihren Niederschlag auch in den Legislaturzielen 2015–2019 des Regierungsrates. Als Legislaturziel im Bereich Umwelt und Raumordnung ist das Ziel «Die Bundesagrarpolitik 2014–2017 umsetzen und den Vollzug auf eine produzierende, nachhaltige Landwirtschaft ausrichten» aufgeführt. Die wirtschaftliche Bedeutung bildet sich im Bereich Volkswirtschaft mit dem langfristigen Ziel «Die Land- und Forstwirtschaft ist nachhaltig und leistet einen wichtigen Beitrag zur Standortgunst und Lebensqualität» ab. Das Amt für Landschaft und Natur (ALN) hat die Aufgabe, eine konkurrenzfähige, multifunktionale Landwirtschaft zu fördern und zu erhalten. Im ersten Zürcher Agrarbericht des ALN von 2014 wurden die volkswirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft ausführlich dargestellt und gewürdigt. Der Produktionswert (Endrohertrag) der Zürcher Landwirtschaft betrug 2014 rund 800 Mio. Franken. Hinzu kommt die Wertschöpfung der vor- und nachgelagerten Branchen. Eine wettbewerbsfähige multifunktionale Landwirtschaft braucht lokale, breitangelegte, interdisziplinäre Forschung und das Zusammenspiel verschiedener Partner, z. B. der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope (Agroscope), der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), der Universität Zürich (UZH) und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zu deren Unterstützung. Zu Frage 2: Der Kanton Zürich ist sowohl bezüglich der Grösse der landwirtschaftlichen Nutzfläche als auch der Anzahl Betriebe der fünftgrösste Agrarkanton der Schweiz. Durch hochwertige Böden und weitläufige Ackerbaugebiete liegen im Kanton Zürich rund 10% der landwirtschaftlichen
Produktionsflächen von Ackerkulturen. Spezialkulturen sind ein wichtiges Standbein der Zürcher Landwirtschaft. So findet sich der Kanton Zürich in der Weinproduktion flächenmässig bei den fünf grössten Kantonen, im Biogemüsebau nimmt der Kanton Zürich mit 660 ha sogar den Spitzenplatz in der Schweiz ein. Auf 3700 Betrieben werden 74 000 ha Landwirtschaftsland (entsprechen rund 43% der Kantonsfläche) bewirtschaftet. Während die landwirtschaftliche Fläche seit 1985 um 5900 ha abgenommen hat und die Anzahl Betriebe um 43% zurückgegangen ist, ist die Bevölkerungszahl im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen, ebenso die bewirtschaftete Fläche pro Hof (Quelle: ALN Agrarbericht 2014). Fast 10% des Produktionswertes der Schweizer Landwirtschaft werden im Kanton Zürich erwirtschaftet. Veränderungen im wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Umfeld des Agrarsektors führen dazu, dass der Bedarf an neuem Wissen aus der Forschung der Hochschulen und der Bedarf an tertiär ausgebildeten Spezialistinnen und Spezialisten immer wichtiger werden. Als bedeutendster Forschungsstandort der «Agricultural Sciences» in der Schweiz (Agroscope, ETHZ, UZH, ZHAW) und mit internationaler Ausstrahlung hat der Kanton ideale Voraussetzungen, um eine nationale Führungsrolle einzunehmen. Im Hinblick auf den Produktionszweig Weinbau ist festzuhalten, dass die Hauptanbauflächen zwar in der Westschweiz liegen, die Mehrzahl der Konsumentinnen und Konsumenten aber in der Deutschschweiz lebt und der Wirtschaftsraum Zürich aufgrund der grossen Bevölkerungsdichte hauptsächlich Abnehmer ist. Die regionale Produktion hat, sofern sie auf hohe Qualität setzt, ausgezeichnete Chancen, ihre Produkte im Premiumsegment absetzen zu können. Dies bedingt aber zwingend eine Unterstützung durch Ausbildung, Beratung und Forschung. Da rund 10% der Zürcher Landwirtschaftsbetriebe biologisch bewirtschaftet werden, ist zudem die Vertiefung «Biologische Landwirtschaft und Hortikultur» im Bachelorstudiengang Umweltingenieurwesen der ZHAW von Bedeutung. In dieser Vertiefung besteht eine intensive Zusammenarbeit mit Agroscope (Reckenholz) und der Forschungsanstalt für biologischen Landbau (FiBL, Frick). Zu Frage 3: Knowhow und neue Erkenntnisse sind für die landwirtschaftlichen Unternehmen im Kanton mit immer komplexeren Herausforderungen von zentraler Bedeutung. Der Kanton legt in der Bildung am Strickhof
grossen Wert darauf, dass auf sämtlichen Stufen die neusten Forschungsergebnisse einfliessen. Der Cluster Wädenswil–Reckenholz–Strickhof mit schweizweiter Ausstrahlung schafft Synergien im Wissenstransfer in den Bereichen Praxis, Forschung, Beratung und Bildung.
Für das Kantonale Labor Zürich als Vollzugsorgan der Lebensmittelgesetzgebung waren bisher die landwirtschaftlichen Forschungsanstalten des Bundes verlässliche Ansprechpartner, insbesondere in den Bereichen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, Anbaumethoden (z. B. Bio- oder Integrierte Produktion), Lebensmitteltechnologie und Tierhaltung (z. B. Tierarzneimitteleinsatz oder Futtermittelkontrolle). Auch im Rahmen der Aus- und Weiterbildung besteht eine Zusammenarbeit mit den Forschungsanstalten des Bundes. National wie international werden die Erhaltung der natürlichen Ressourcen und die damit verbundene Sicherung der Ernährung in den nächsten Jahrzehnten die Gesellschaft intensiv beschäftigen. Der Bund fördert mit seinen Lehr- und Forschungsinstitutionen ETHZ und Agroscope die nachhaltige Entwicklung im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft mit nationalem und internationalem Fokus. In diesem Zusammenhang hat die ETHZ auf den 1. Januar 2011 das Kompetenzzentrum «World Food System» gegründet, das Fragen des Ernährungssystems auf breiter, interdisziplinärer Ebene angeht. Das am Strickhof in Lindau entstehende Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet-Strickhof, eine Kooperation des Kantons Zürich (Strickhof und Vetsuisse-Fakultät der UZH) und des Bundes (ETHZ), steht beispielhaft für eine horizontal und vertikal vernetzte, interdisziplinäre Bildung und Forschung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Zu Frage 4: Der Schutz der Kulturpflanzen vor Krankheiten, Schädlingen und immer mehr auch vor ausserordentlichen klimatischen Ereignissen wie z. B. Hagel, langanhaltender Trockenheit oder Nässe sowie steigenden Durchschnittstemperaturen ist für die Landwirtschaft unerlässlich. Pflanzenschutz wird dabei längst nicht mehr mit Einsatz von Pestiziden gleichgesetzt. Pflanzenschutz beginnt mit der Standort- und Sortenwahl, umfasst mechanische und thermische Verfahren, arbeitet häufig mit Schadschwellenkonzepten und Prognose-Instrumenten und setzt gezielt und nur im Bedarfsfall chemische Hilfsmittel ein. Die natürlichen (Klima, Boden, Topografie) und die strukturellen Standortbedingungen (Grösse, Verkehrslage, Besiedlungsdichte) sind in der Schweizer Landwirtschaft sehr
vielfältig und unterschiedlich. Lokale oder mindestens regionale Informationen sind je nach Standort sehr entscheidend für die landwirtschaftliche Produktion. Aus diesem Grund sind besonders im Obst-, Wein- und Gemüsebau aktuelles Wissen, Prognosen und der unmittelbare Wissenstransfer von der Forschung in die Praxis unerlässlich. Gerade im Rahmen des zurzeit vom Bund in Ausarbeitung stehenden Aktionsplans zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist die praxisorientierte Forschung für den Erfolg der vorgesehenen Massnahmen zur Senkung des Pflanzenschutzmittelverbrauchs von entscheidender Bedeutung. Dabei ist massgebend, dass die praxisorientierte Forschung dort betrieben wird, wo die Massnahmen anschliessend auch umgesetzt werden sollen. So haben die regionalen Bedingungen wie Boden, Klima, Kulturen einen grossen Einfluss auf den Erfolg der Massnahmen. Im Bereich der Sortenprüfung und -züchtung, der Spezialkulturen, aber auch im Acker- und Futterbau, besteht weiterhin ein grosser, auch regional bedingter Forschungsbedarf. Die grosse Forschungskompetenz und das praxisnahe Wissen sind gerade im Bereich der pflanzenbaulichen Züchtung im Kanton Zürich wesentlich von der Zusammenarbeit zwischen UZH, ETHZ, ZHAW, Agroscope und dem Strickhof getragen. Es gibt mehrere (auch neue) Professuren an der ETHZ, der UZH und der ZHAW sowie Fachstellen am Strickhof für die Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich. Zu Frage 5: Im Grundsatz teilt der Regierungsrat die Ziele, die der Bund mit seiner jüngsten Reorganisation der Agroscope verfolgt. Die neuesten Sparvorgaben und die damit verbundenen weiteren Reorganisationsmassnahmen führen aber gerade bei den Spezialkulturen zu einem Leistungsabbau von Agroscope besonders für die Standort- und Produktionsbedingungen der Deutschschweiz und des Kantons Zürich. Weil die Spezialkulturen sehr pflegeintensiv sind, hat dies für die Praxis negative Folgen. Durch engere Zusammenarbeit mit der ZHAW und weiteren kantonalen Institutionen sowie die Vernetzung mit den Branchenverbänden der Spezialkulturen wurde in der Vergangenheit versucht, einem Teil des Leistungsabbaus mit gemeinsamen Kräften entgegenzuwirken. Die verschiedenen Anspruchsgruppen im Bereich der Spezialkulturen haben zusammen mit
Agroscope nach neuen Formen der Zusammenarbeit gesucht. Seit Jahren setzen ZHAW und Agroscope vermehrt auf Komplementarität im Sinne der Beseitigung der früher bestehenden Doppelspurigkeiten. Vor diesem Hintergrund stehen auch die Bemühungen zur Gründung des Weinbauzentrums Wädenswil. Das ALN bzw. der Strickhof, Agroscope, ZHAW und der Branchenverband Deutschschweizer Wein BDW sind daran, im Bereich des Weinbaus am Standort Wädenswil ihre Kompetenzen zu bündeln und Synergien im Bereich ihrer Forschungs-, Bildungs- und Dienstleistungsinfrastruktur zu nutzen. Zu Frage 6: Wie in der Beantwortung der Frage 4 erläutert, haben die dezentralen Standorte gerade bei der praxisorientierten Forschung entscheidende Vorteile. Zudem ist die Vernetzung mit der ZHAW erfahrungsgemäss von grossem Nutzen.
Eine standortangepasste Forschung und Bildung, aber auch der entsprechende Wissenstransfer in die Praxis beurteilt der Regierungsrat als äusserst wichtig. Nutzpflanzen und -tiere sind produktiver, wenn sie so gezüchtet werden, dass sie an lokale Bedingungen angepasst sind. Auf jeden Fall müssen neue Züchtungen auf verschiedenen Standorten getestet werden. Dezentrale Standorte sind auch grundlagenwissenschaftlich unabdingbar: Jedes Versuchsdesign braucht Wiederholung. Aussagen können nur dann verallgemeinert werden, wenn verschiedene natürliche und strukturelle Standortbedingungen repräsentiert sind. Dies geschieht am einfachsten über dezentrale Versuchsstandorte und damit viel effizienter als mit der Simulation verschiedener Umweltbedingungen, wie z. B. in Klimakammern. Wenn eine Zentralisierung erfolgen würde, dann am sinnvollsten im Kanton Zürich, weil hier bei Weitem die höchste Konzentration im Bereich Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Bildung/Wissenstransfer vorhanden ist (Agroscope, ETHZ, UZH, ZHAW, Strickhof). Diese Institutionen sind im Bereich der Land- und Ernährungswirtschaft national und zum Teil international führend. Zu Frage 7: Die Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen, nachhaltigen Zürcher Land- und Ernährungswirtschaft durch Aus- und Weiterbildung, durch die Förderung von Forschung und Innovation sowie durch ergänzende Strukturförderungsmassnahmen ist dem Regierungsrat ein wichtiges Anliegen. Der Kanton Zürich erbringt mit den entsprechenden Organisationseinheiten der UZH, der ZHAW, dem Strickhof und der Abteilung Landwirtschaft im ALN wichtige öffentliche Leistungen zugunsten der Land- und Ernährungswirtschaft. Zudem lanciert und fördert der Kanton neue Projekte wie das Bildungs- und Forschungszentrum Agrovet- Strickhof, das Weinbauzentrum Wädenswil, Ressourcenprogramme und weitere innovative Projekte. Der Kanton achtet besonders darauf, die Kooperationsmöglichkeiten mit allen Anspruchsgruppen und fachverwandten Organisationen auszunutzen. Der Regierungsrat unterstützt die Bestrebungen zu einer weiteren Optimierung der Zusammenarbeit der Partnerorganisationen und damit eine Stärkung der landwirtschaftlichen Forschung und Bildung. Er verfolgt den Teilrückzug von Agroscope aus Wädenswil besorgt und kritisch und erwartet von Agroscope einen substanziellen Beitrag für das beabsichtigte Weinbauzentrum Wädenswil.
Der Regierungsrat ist bereit, sich gegebenenfalls beim Bund dafür einzusetzen.
Zu Frage 8: Wo die Infrastrukturen geeignet sind, werden sie bereits heute gemeinsam von Agroscope und ZHAW genutzt oder erst ermöglicht (z. B. Wetterstation von MeteoSchweiz, die durch Agroscope, Stadt Wädenswil und ZHAW gemeinsam finanziert wird). Der Strickhof arbeitet in Praxisversuchen mit Agroscope zusammen, stellt Versuchsflächen und übrige Infrastruktur zur Verfügung und führt gemeinsame Weiterbildungsveranstaltungen durch. Zu Frage 9: Das Weinbauzentrum als Kooperationsprojekt zwischen Agroscope, Branchenverband, Kanton (ALN, Strickhof und ZHAW) befindet sich in der Konzeptionsphase. Ein Verein Weinbauzentrum Wädenswil ist gegründet, und die ZHAW wurde mandatiert, einen Businessplan auszuarbeiten. Agroscope und ZHAW bringen sich in dieses Kooperationsprojekt durch die Auslagerung bedeutender Teile ihrer heutigen Aktivitäten und der Infrastruktur (z. B. Rebberge, Keller für Verkaufsweine) ein. Der Strickhof beteiligt sich mit seinen gesamten bisherigen weinbaulichen Personal- und Infrastrukturmitteln im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie der Beratung (einschliesslich Rebberg und Trotte Wülflingen) als assoziierter Partner am Weinbauzentrum Wädenswil und beteiligt sich zusätzlich an der Grundfinanzierung. Der Branchenverband Deutschschweizer Wein BDW tritt im Weinbauzentrum als Leistungsempfänger auf und leistet ebenfalls einen finanziellen Beitrag. Zu Frage 10: Die kantonale Standortförderung war schon in einer frühen Phase ins Projekt «Food +» einbezogen und hat es seit geraumer Zeit begleitet. Für die Standortförderung ist es neben den in der Frage erwähnten Institutionen Agroscope und der regionalen Standortförderung auch von grosser Bedeutung, dass die ZHAW ins Projekt einbezogen ist. Ausserdem steht auch die Stadt Wädenswil hinter dem Projekt. Da es noch Abstimmungsbedarf gibt, ist der formelle Entscheid noch nicht gefallen; es ist allerdings beabsichtigt und budgetiert, «Food +» mindestens in der Startphase finanziell, bei Bedarf auch inhaltlich, zu unterstützen. Zu Frage 11: Das von Agroscope als Forschungsanlage genutzte Schloss Wädenswil gehört nicht, wie in der Anfrage beschrieben, dem Kanton Zürich. Die
Anlage ist im Eigentum des Bundes. Es bestehen daher auch keine Pachtverträge zwischen dem Kanton Zürich und dem Bund. Auf die Nutzungsstrategien von Anlagen des Bundes hat der Kanton Zürich keinen Einfluss. Sollte Agroscope die Räumlichkeiten des Schlosses Wädenswil aufgeben, ist dannzumal über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Der stv. Staatsschreiber: Hösli