Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

RRB Nr. 922/2011

Dringliches Postulat Corinne Thomet-Bürki, Kloten, und Johannes Zollinger, Wädenswil, betreffend Aufhebung Obligatorium für die Englisch Lehrmittel: First Choice, Explorer und Voices, Stellungnahme

Rubrum

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 161/2011

Sitzung vom 13. Juli 2011

922. Dringliches Postulat (Aufhebung Obligatorium für

Erwägungen

die Englisch Lehrmittel: First Choice, Explorer und Voices) Kantonrätin Corinne Thomet-Bürki, Kloten, und Kantonsrat Johannes Zollinger, Wädenswil, haben am 6. Juni 2011 folgendes Postulat eingereicht: Der Regierungsrat wird eingeladen zu prüfen, wie per sofort das Lehrmittelobligatorium für die Englisch-Lehrmittel des Kantons Zürich First Choice (Unterstufe), Explorer (Mittelstufe) und Voices (Sekundarstufe) bis auf weiteres aufgehoben werden kann. Weiter bitten wir den Regierungsrat in einem Bericht aufzuzeigen, wie hoch bis heute die Kosten für die Konzipierung und Erstellung waren und vor allem wie viel für alle zusätzlichen Anpassungs- und Ergänzungsmassnahmen für die zürcherischen Englischlehrmittel noch anfallen werden. Begründung: Sowohl auf der Primarstufe als auch auf der Sekundarstufe ist die Zufriedenheit mit den obligatorischen Englischlehrmitteln im ganzen Kanton gering. Rückmeldungen aus dem Schulalltag zeigen, dass trotz grossem Aufwand der Lehrpersonen die Ergebnisse im Englischunterricht in keiner Weise überzeugen können. Die neue Lehrmethode des CLiL (Content and Language Integrated Learning) ist in den genannten Lehrmitteln wenig praxisgerecht umgesetzt worden und überfordert einen grossen Teil der Schülerinnen und Schüler. Nur eine Minderheit erzielt die erhofften Lernfortschritte. Der sehr ausführliche und sehr aussagekräftige Schlussbericht des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich vom 31. Dezember 2010 mit dem Titel: «Begleitung der Einführung des Englischlehrmittels Voices auf der Sekundarstufe I» zeigt die Mängel auf allen Ebenen klar auf. Der Bildungsrat hat in seiner Sitzung vom 2. Mai 2011 (BRB 18) beschlossen, trotz der erkannten massiven Mängel am neuen Englischlehrmittel festzuhalten. Es wird weiter auf Kosten der Schülerinnen und Schüler erprobt und ausprobiert. Auch ist klar nachweisbar, dass die Verwendung von Voices für die Lehrpersonen sehr viel zusätzlichen Aufwand auslöst. Obwohl auf kantonaler Ebene die Umsetzung des Projekts «Be-/Entlastung im Schulfeld» erfolgreich gestartet wurde, wird diesem Umstand absolut nicht Rechnung getragen. Ganz im Ge- genteil: Mit unnötigen weiteren Nachqualifikationen wird die daraus

entstehende Mehrbelastung in Kauf genommen. Würden bei jeder Einführung neuer Lehrmittel in andern Fächern derart hohe Anforderungen gestellt, müssten sich die Lehrpersonen während Monaten weiterbilden. Schwer verständlich ist auch, dass der Kanton Zürich die Englischlehrmittel First Choice, Explorer und Voices praktisch im Alleingang in den Schulen einsetzt. Im Sinne von HarmoS sollte auch im Kanton Zürich ein Englischlehrmittel zum Einsatz kommen, das in anderen Deutschschweizer Kantonen beschlossen, seit Jahren erprobt und auf das Europäische Sprachenportfolio abgestimmt ist (Nordostschweiz, Basel, Bern, Deutschwallis: Klett Balmer / Zentralschweiz hauptsächlich: MAC Millan). Für die Entwicklung der ganzen Lehrmittelreihe war in erster Linie die Pädagogische Hochschule zuständig. Obwohl bei den Lehrmitteln für die Primarschule bereits negative Rückmeldungen zur Praxistauglichkeit vorlagen, sind offensichtlich bei der Schaffung des Oberstufenlehrmittels keine entsprechenden Lehren daraus gezogen worden. Diese Kritik betrifft sicher nicht den Lehrmittelverlag, der aus dem vorliegenden Konzept das Beste herauszuholen versuchte und mit einem Layout von höchster Qualität einen überzeugenden Beitrag leistete. Es stellt sich diesbezüglich auch aus volkswirtschaftlichen Gründen die Frage, warum weiter an den erwähnten Englischlehrmitteln festgehalten wird. Von Seite Bildungsrat werden nun explizit für Voices viele weitere Massnahmen und Studien in Auftrag gegeben (Handbarkeit des Lehrmittels, ergänzende Materialien für Schülerinnen und Schüler der schwächeren Leistungsgruppen, Obligatorische Nachqualifikationen/Anpassungen, Praxis- und bedürfnisorientierte Weiterbildung für die Lehrpersonen, Schnittstelle Primar-Sekundarstufe I, Schnittstelle Sekundarstufe I und II) welche bestimmt massive zusätzliche Kosten für den Kanton Zürich auslösen. Der Kantonsrat hat das Postulat am 20. Juni 2011 dringlich erklärt.

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Zum dringlichen Postulat Corinne Thomet-Bürki, Kloten, und Johannes Zollinger, Wädenswil, wird wie folgt Stellung genommen: Die gesetzlichen Bestimmungen zu den Lehrmitteln sind im Wesentlichen im Volksschulgesetz vom 7. Februar 2005 (VSG, LS 412.100) und in der Lehrmittelverordnung vom 5. Januar 2000 (LS 412.14) verankert.

Gemäss § 22 VSG regelt der Bildungsrat die Verwendung der Lehrmittel im Unterricht. Nach § 1 der Lehrmittelverordnung bestimmt er die provisorisch-obligatorischen, die obligatorischen und die zugelassenen Lehrmittel. Auf Antrag der Lehrmittelkommission, in der Vertreterinnen und Vertreter der Lehrerorganisationen, der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) und der Bildungsdirektion Einsitz haben, beschliesst der Bildungsrat die Einführung oder Schaffung neuer Lehrmittel, die Beteiligung an interkantonalen Projekten und entscheidet über das weitere Vorgehen nach der Begutachtung von provisorischobligatorischen Lehrmitteln durch die Lehrerschaft (§ 2 Lehrmittelverordnung). Obligatorische Lehrmittel dienen der Koordination zwischen den Schulstufen, erleichtern den Klassen- und Schulwechsel und schaffen vergleichbare Voraussetzungen für den Übertritt an die weiterführenden Schulen. Die Lehrpersonen sind verpflichtet, diese unterrichtsleitend einzusetzen. Dies bedeutet, dass ergänzend zu den obligatorischen Lehrmitteln auch andere Unterrichtsmittel eingesetzt werden dürfen. Obligatorische Lehrmittel sind von den Schulgemeinden anzuschaffen und werden den Schülerinnen und Schülern unentgeltlich abgeben. Neue Lehrmittel können nicht direkt als obligatorisch erklärt werden. Bis zur Begutachtung durch die Lehrerschaft erhalten sie den Status provisorisch-obligatorisch. Zugelassene Lehrmittel sind geprüfte Lehrmittel von hoher pädagogischer und didaktischer Qualität. Den Lehrkräften steht es frei, sie einzusetzen. Ist dies der Fall, müssen die Lehrmittel von den Schulgemeinden angeschafft werden. Der Bildungsrat erklärte Englisch ab dem Schuljahr 1999/2000 zu einem obligatorischen Fach auf der Sekundarstufe der Volksschule. Bis dahin war Englisch ein Freifach auf der Sekundarstufe und wurde bis zur Inkraftsetzung des neuen Lehrplans 1991 nur im 9. Schuljahr angeboten. Mit Beschluss des Bildungsrates vom 15. März 2004 wurde Englisch ab der 2. Klasse der Primarschule zu einem obligatorischen Fach. Die Einführung erfolgte gestaffelt ab Schuljahr 2004/2005. Die Schülerinnen und Schüler der ersten Kohorte traten auf das Schuljahr 2009/ 2010 in die Sekundarstufe über. Für die verschiedenen Schulstufen mussten die Englischlehrmittel, terminlich abgestimmt auf die gestaffelte Einführung und inhaltlich auf einen neuen didaktischen Ansatz ausgerichtet, bereitgestellt werden.

Zurzeit stehen für alle Stufen der Volksschule aufeinander abgestimmte provisorisch-obligatorische Englischlehrmittel zur Verfügung. Für die Unterstufe wurde das Lehrmittel First Choice ab dem Schuljahr

2004/2005, für die Mittelstufe das Lehrmittel Explorers ab dem Schuljahr 2006/2007 und für die Sekundarstufe I das Lehrmittel Voices ab dem Schuljahr 2009/2010 eingeführt. Bei allen drei Lehrmitteln wurden die Konzepte von der Lehrmittelkommission geprüft und deren Umsetzung vom Bildungsrat beschlossen. Sie werden in der Verantwortung des Lehrmittelverlags Zürich in Koordination mit der Interkantonalen Lehrmittelzentrale hergestellt. Die Lehrmittel First Choice, Explorers und Voices wurden in der Folge kritisiert, weshalb der Bildungsrat zahlreiche Massnahmen in diesem Zusammenhang beschlossen hat: – Bei First Choice verringerte der Bildungsrat mit Beschluss vom 23. Juni 2008 die Anzahl der provisorisch-obligatorischen Lernmodule von zehn auf sechs (je drei pro Schuljahr). Im Zusammenhang mit dem Synodalgutachten der Lehrerschaft zu First Choice vom Juni 2009 beschloss der Bildungsrat am 24. Januar 2011 die Entwicklung eines kindgerechten Einstiegsmoduls für den Frühenglischunterricht (erschienen Juni 2011), von Planungshilfen (auf www.firstchoicelehrmittel.ch seit Juni 2011), von binnendifferenzierten Übungen (Erscheinungstermin November 2011) und von Hilfen zur Lernzielkontrolle (Assessment Pack, Erscheinungstermin November 2011). Das Einstiegsmodul für den Frühenglischunterricht hat den Status «provisorisch-obligatorisch». Alle anderen Ergänzungsmaterialien haben den Status «zugelassen». Die in Zusammenarbeit mit den Lehrpersonen eingeleiteten Verbesserungen wurden positiv aufgenommen. – Bei Explorers wurden nach Anhörung der Lehrerschaft an einem Round Table im Juni 2008 eine Reihe von Verbesserungen und Ergänzungen am Lehrmittel vorgenommen: Workbooks (je ein Arbeitsheft pro Jahresband), Jahresplanungen (aufgeschaltet auf www. explorers.ch), Explorers-Wortschatz nach Szenarios (aufgeschaltet auf www.explorers.ch), zwei Posters mit Classroom Language für die 4. Klasse (2010), Audio-CD und Songbook für die 4. bis 6. Klasse (2010), Überarbeitung des Kommentars «Lernen und Arbeiten mit Explorers» (2010). Die PHZH hat zudem in Absprache mit dem Volksschulamt ihr Kursangebot zu Explorers verbessert und erweitert. Die Mehrheit der Lehrkräfte – diesen Schluss lassen die Verkaufszahlen zu – verwendet die vorgeschriebenen Lehrmittel. Obwohl Explorers den Status provisorisch-obligatorisch hat und damit auf

der Mittelstufe verwendet werden muss, unterrichten Lehrpersonen – vereinzelt auch ganze Schulgemeinden – mit einem anderen Lehr- mittel. Aufgrund dieser unbefriedigenden Situation beschloss der Bildungsrat im August 2010 eine Befragung aller Personen, die mit diesem Lehrmittel auf der Mittelstufe unterrichten. Die Untersuchung wurde vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich durchgeführt. Am 9. Juni 2011 legte die Synode das Ergebnis der Kapitelsbegutachtung zum Lehrmittel Explorers vor. Sie fordert in ihrem Synodalgutachten die Aufhebung des Obligatoriums bzw. eine Zurückstufung auf den Status zugelassen. Der Bericht der Lehrerbefragung und das Synodalgutachten wurden inzwischen von der Lehrmittelkommission behandelt. Es ist vorgesehen, Bericht und Synodalgutachten dem Bildungsrat zur Diskussion und Beschlussfassung vorzulegen. – Bei Voices wird insbesondere kritisiert, dass das Anspruchsniveau von Voices für schwächere Schülerinnen und Schüler zu hoch sei. Um den allfälligen Handlungsbedarf abschätzen zu können, beschloss der Bildungsrat, die Einführung von Voices im ersten Unterrichtsjahr 2009/2010 durch das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich wissenschaftlich begleiten zu lassen. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2010 in einem Bericht vorgelegt. Die Auswertung zeigt, dass nicht die gesamte Lehrerschaft die Zürcher Englischlehrmittel ablehnt und dass die Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Situation im Fach Englisch auch von zahlreichen Faktoren abhängig ist, die mit dem Lehrmittel wenig zu tun haben. Hinzu kommt, dass das Lehrmittel noch nicht während eines ganzen Klassenzugs eingesetzt werden konnte, weshalb noch kein abschliessendes Urteil möglich ist. Aufgrund des Berichtes beschloss der Bildungsrat am 2. Mai 2011 auf Antrag der Lehrmittelkommission eine Reihe dringlicher Massnahmen: 1. Verbesserung der Handhabbarkeit des Lehrmittels durch niveauspezifische Jahrespläne für A/B/C-Klassen für Voices 1 und 2 (Auslieferung: August 2011); Jahresplan für A-Klassen (Auslieferung August 2012). 2. Entwicklung spezifischer Materialien für Schülerinnen und Schüler der schwächeren Leistungsgruppen (B/C-Klassen; Auslieferung August 2013). 3. Optimierung der obligatorischen Nachqualifikation Englisch Sekundarstufe I aufgrund der im Schlussbericht beschriebenen Rahmenbedingungen und Problemfelder.

4. Verbesserung der Weiterbildungsangebote und Einführung einer Praxisberatung. 5. Verbesserung des Fachaustauschs an der Schnittstelle Primarstufe / Sekundarstufe I sowie Sekundarstufe I / Sekundarstufe II.

Der Bildungsrat wird sich aufgrund des Synodalgutachtens vom 9. Juni 2011 zum Lehrmittel Explorers weiterhin mit der Situation der Lehrmittel im Fach Englisch befassen. Der Regierungsrat ist deshalb bereit, das dringliche Postulat KR- Nr. 161/2011 im Sinne der Erwägungen entgegenzunehmen.

II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber: Husi

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Bundesgesetz über Vorläuferstoffe für explosionsfähige Stoffe, Art. 22 — der Erlass wurde am 1. Januar 2023, 23. Januar 2023 und 1. September 2023 erneut konsolidiert.