Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

BV.2009.00031

Bei der Klägerin handelt es sich um keine Anspruchsberechtigte im Sinne von BVG 73; Nichteintreten mangels sachlicher Zuständigkeit.

Rubrum

Sozialversicherungsgericht

des Kantons Zürich

III. Kammer

Sozialversicherungsrichter Spitz, Vorsitzender Sozialversicherungsrichterin Daubenmeyer

Ersatzrichterin Condamin

Gerichtssekretärin Fischer

Beschluss vom 23. Juni 2009

in Sachen

X.___

Klägerin

gegen

Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, Swiss Life

General-Guisan-Quai 40, Postfach, 8022 Zürich

Beklagte

1. Am 31. März 2009 erhob die Klägerin Klage gegen die Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, Swiss Life, mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die Beklagte als Vorsorgeeinrichtung ihres Ehemanns sei zu verpflichten, ihr - der Klägerin - den Ausweis über ihre anwartschaftlichen Leistungen per 1. Januar 2009 sowie das entsprechende Vorsorgereglement zuzustellen (vgl. Urk. 1 S. 2).

Zur Begründung ihres Begehrens führte die Klägerin im Wesentlichen aus, um abzuklären, auf welche Versicherungsleistungen sie im Alter Anspruch habe, benötige sie die Daten der Beklagten als Vorsorgeeinrichtung ihres - getrennt von ihr lebenden - Ehegatten. Dieser sei nicht bereit beziehungsweise aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, die entsprechenden Dokumente selber anzufordern und ihr zur Einsichtnahme zuzustellen (vgl. Urk. 1 S. 1 f.). Obwohl sie gestützt sowohl auf Art. 170 des Zivilgesetzbuchs (ZGB) als auch auf Art. 85b Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) dazu verpflichtet wäre, habe sich die Beklagte geweigert, ihr - der Klägerin - direkt Auskunft über ihre persönlichen Ansprüche zu erteilen (vgl. Urk. 1 S. 2).

2. Nachdem die Beklagte mit Verfügung vom 6. April 2009 (Urk. 3) aufgefordert worden war, Klageantwort zu erstatten, beantragte die BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt mit Eingabe vom 9. April 2009 (Urk. 5) entschädigungspflichtige Abweisung der Klage, soweit auf diese einzutreten sei.

Zur Begründung führte die BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt aus, die eingeklagte Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, Swiss Life, sei gar nicht passivlegitimiert; korrekterweise hätte die Klägerin ihre Klage gegen sie - die BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt - richten müssen. Überdies sei sie als Vorsorgeeinrichtung des Ehegatten der Klägerin nicht verpflichtet und - aufgrund der in Art. 86 BVG statuierten Schweigepflicht - auch nicht berechtigt, der Klägerin ohne entsprechende Vollmacht Auskünfte über die Anwartschaften ihres versicherten Ehemanns zu erteilen (vgl. Urk. 5 S. 2).

3. Gemäss Art. 73 Abs. 1 Satz 1 BVG bezeichnet jeder Kanton ein Gericht, das als letzte kantonale Instanz über Streitigkeiten zwischen Vorsorgeeinrichtungen, Arbeitgebern und Anspruchsberechtigten entscheidet. Laut § 2 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ist das hiesige Gericht zuständig für Klagen nach Art. 73 BVG einschliesslich die freiwillige Vorsorge der Personalvorsorgestiftungen gemäss Art. 89bis Abs. 5 und 6 ZGB und Klagen nach Art. 142 ZGB in Verbindung mit Art. 25 a des Freizügigkeitsgesetzes (FZG) sowie nach Art. 25 FZG.

4. Die Klägerin hat gegenüber der Vorsorgeeinrichtung ihres Ehemanns keinen Anspruch auf Altersleistungen (und insofern auch kein sich auf Art. 85b Abs. 1 lit. b BVG stützendes Akteneinsichtsrecht [vgl. Urk. 1 S. 2]), ist mithin - entgegen ihren Ausführungen (vgl. Urk. 1 S. 2) - keine Anspruchsberechtigte im Sinne von Art. 73 BVG.

Mangels sachlicher Zuständigkeit - auch hinsichtlich allfälliger sich aus Art. 170 ZGB ergebender Auskunftsrechte der Klägerin (vgl. Urk. 1 S. 2; vgl. Erw. 3) - ist demnach auf die Klage nicht einzutreten. Ausführungen betreffend die Frage der Passivlegitimation der Beklagten beziehungsweise der BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt, die sich an Stelle Ersterer mit der als Klageantwort bezeichneten Eingabe vom 9. April 2009 (Urk. 5) zum klägerischen Begehren äusserte, erübrigen sich damit vorliegend.

5. Betreffend den Antrag der BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt auf Zusprechung einer Prozessentschädigung (vgl. Urk. 9 S. 2, Urk. 22 S. 2) ist festzuhalten, dass Art. 73 Abs. 2 BVG zwar einen entsprechenden Anspruch der obsiegenden Versicherungsträgerin nicht ausschliesst. Indes werden den Trägern der beruflichen Vorsorge gemäss BVG beziehungsweise den mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen in Anlehnung an die Rechtsprechung zu Art. 159 Abs. 2 des bis Ende 2006 in Kraft gestandenen Bundesgesetzes über die Organisation der Bundesrechtspflege (Bundesrechtspflegegesetz [OG]) - und in Übereinstimmung mit § 34 Abs. 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [GSVGer] e contrario - praxisgemäss keine Parteientschädigungen zugesprochen. Da jedenfalls kein Grund besteht, bei der BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt anders zu verfahren (vgl. BGE 128 V 133 Erw. 5b, 126 V 150 Erw. 4a, 118 V 169 Erw. 7 und 117 V 349 Erw. 8, mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 125 Erw. 5b und 320 Erw. 1a und b sowie 112 V 356 Erw. 6), erübrigen sich grundsätzliche Erörterungen in Bezug auf den Entschädigungsanspruch von Verfahrensbeteiligten, denen - zumindest formell - keine Parteistellung zukommt.

Dispositiv

Das Gericht beschliesst:

1.

Auf die Klage wird mangels sachlicher Zuständigkeit nicht eingetreten.

2. Das Verfahren ist kostenlos.

3.

Der BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.

4.

Zustellung gegen Empfangsschein an:

- X.___, unter Beilage einer Kopie von Urk. 5

- Schweizerische Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, Swiss Life

- BVG-Sammelstiftung der Rentenanstalt

- Bundesamt für Sozialversicherungen

5.

Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 82 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht während folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, zuzustellen.

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Händen hat (Art. 42 BGG).

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Bundesgesetz über das Bundesgericht, Art. 42 und Art. 46 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2009; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. April 2011, 5. Dezember 2011, 1. Januar 2012, 1. April 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 1. Februar 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. August 2014, 1. November 2015, 1. Januar 2016, 1. Januar 2017, 1. April 2017, 1. Juni 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2024, 1. Februar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. April 2026 und 13. Mai 2026 erneut konsolidiert.
  • Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Art. 6, Art. 89bis, Art. 142 und Art. 170 — gelesen in der Fassung vom 5. Dezember 2008; der Erlass wurde am 1. Januar 2010, 1. Februar 2010, 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Juli 2013, 1. Juli 2014, 1. Januar 2016, 1. April 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2020, 1. Juli 2020, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Januar 2025, 1. Januar 2026 und 1. Juli 2026 erneut konsolidiert.
  • Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, Art. 73, Art. 85b und Art. 86 — gelesen in der Fassung vom 1. Juni 2009; der Erlass wurde am 1. Januar 2011, 1. August 2011, 1. Januar 2012, 16. Juli 2012, 1. Januar 2013, 1. Januar 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2019, 1. Januar 2020, 26. September 2020, 1. Januar 2021, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. September 2023, 26. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024 und 1. Januar 2025 erneut konsolidiert.
  • Zollgesetz, Art. 25 — gelesen in der Fassung vom 1. Februar 2009; der Erlass wurde am 1. Oktober 2009, 1. April 2011, 1. Juni 2011, 1. Januar 2012, 1. Februar 2013, 1. August 2016, 15. September 2018, 1. Januar 2022, 1. September 2022 und 1. September 2023 erneut konsolidiert.
  • Bundesgesetz über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters‑, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge, Art. 25 — gelesen in der Fassung vom 1. Juni 2009; der Erlass wurde am 1. Januar 2010, 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2017, 1. Oktober 2017, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022 und 1. Januar 2024 erneut konsolidiert.