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Zweisprachige Verbände. Übersetzungsfonds
Bühlmann Cécile · Nationalrat · Luzern · Grüne Fraktion
Ich frage mit meinem Postulat den Bundesrat an, ob er bereit sei, einen Übersetzungsfonds für schweizerisch tätige Verbände, vor allem Frauenverbände, und andere Nichtregierungsorganisationen einzurichten. Ich bin - vermutlich wie Sie alle - im Februar diesen Jahres mit einem Schreiben des Evangelischen Frauenbundes der Schweiz auf dieses Anliegen aufmerksam gemacht worden, und es hat mich überzeugt. Deshalb habe ich dieses Postulat eingereicht und schreibe in meiner Begründung dafür - ganz im Sinne der Anfrage des Evangelischen Frauenbundes der Schweiz -, dass die Aufwendungen für Übersetzungen für national tätige Organisationen deren finanzielle Möglichkeiten oft übersteigen und dass diese Organisationen für den nationalen Zusammenhalt wichtige Arbeit leisten.
Das ist das Anliegen, dass ich mit meinem Postulat vorgebracht habe, und ich denke, es ist durch die Ereignisse der letzten Wochen noch akuter geworden. Der Sprachfrieden in der Schweiz wird durch die Entscheidung des Zürcher Erziehungsdirektors, Englisch als erste Fremdsprache einzuführen, wenn nicht gefährdet, so doch mindestens tangiert. Wer den beiden Erziehungsdirektoren Buschor und Schmid Carlo in der "Arena" vom vorletzten Freitag zugehört hat, hat festgestellt, dass der Entscheid zugunsten des Englischen vor dem Französischen bereits gefallen ist und dass die Irritation darüber sehr gross ist, vor allem in der Romandie. Psychologisch gesehen wird dieser Entscheid die Bereitschaft innerhalb der Schweiz, die Sprache des Nachbarn zu lernen, nicht vergrössern, sondern tendenziell verkleinern. Deshalb kommt diesen national tätigen Nichtregierungsorganisationen und ihrem Wirken für den Zusammenhalt der Schweiz in der Zukunft eine eher noch wichtigere Bedeutung zu als bisher. Ihr Bestreben, durch Übersetzungen in die Landessprachen das gegenseitige Verständnis zu fördern, wird immer wichtiger, vielleicht auch deshalb, weil die Leute die Landessprachen in der Zukunft tatsächlich immer schlechter sprechen werden.
Leider sieht das der Bundesrat nicht so. Er listet lauter Schwierigkeiten auf, die die Verwirklichung dieses Vorhabens bringen könnte. In der Stellungnahme des Bundesrates haben Sie eine ganze Liste davon: lauter Schwierigkeiten, die er ins Feld führt. Ich verzichte darauf, sie aufzuführen; Sie können sie auf der zweiten Seite der Stellungnahme nachlesen. Wenn man das alles liest, erhält man den Eindruck, dass der Bundesrat vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht; das Anliegen gerät vor lauter technischen Schwierigkeiten völlig in den Hintergrund. Ich bedaure das sehr und bitte den Rat, hier weiser zu sein als der Bundesrat und für das Postulat zu entscheiden, also das Anliegen zu unterstützen. Es ist auch zum Wohle des Sprachfriedens in der Schweiz.
Ich bitte Sie, das Postulat zu überweisen.
Huber Annemarie · BK-F · Bern
In unserem mehrsprachigen Land spielen die Übersetzungen eine wichtige Rolle für die Verständigung zwischen den Sprachregionen, insbesondere wenn es um die Übersetzung von offiziellen Dokumenten in alle Amtssprachen geht. Der Bundesrat misst dieser Frage denn auch die nötige Bedeutung zu und setzt dafür zu Recht erhebliche Mittel ein. Mit dem Verständigungs- und Amtssprachengesetz, welches dem Parlament zu Beginn des nächsten Jahres vorgelegt werden soll, soll in weiteren Bereichen ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Verständigung getan werden.
Der Bundesrat ist überzeugt, dass die Verständigung mit Übersetzungen allein nicht verbessert werden kann. Er ist skeptisch, ob sich der Bund über den offiziellen Bereich hinaus engagieren soll. Die Forderung des Postulates geht ihm eindeutig zu weit. Der Bundesrat hat die Gründe für die Ablehnung in seiner Antwort dargelegt. Ich möchte zwei Gründe hervorheben:
Einerseits geht es um die Frage der Abgrenzung. Was ist mit gesamtschweizerisch tätigen Nichtregierungsorganisationen gemeint? Wer setzt die Kriterien dafür fest? Dies sind Abgrenzungen, die schwer vorzunehmen sind. Die zweite Frage ist jene nach den finanziellen Mitteln. Selbst ein grosszügig ausgestatteter Fonds würde kaum ausreichen, alle Bedürfnisse abzudecken. Die Gefahr würde bestehen, dass Beiträge nach dem Giesskannenprinzip verteilt würden, ohne dass man damit dem Ziel einer besseren Verständigung zwischen den Sprachregionen näher kommen würde.
Im Namen des Bundesrates bitte ich Sie deshalb, das Postulat abzulehnen.
Seiler Hanspeter · P-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Abstimmung - Vote
Für Überweisung des Postulates .... 49 Stimmen
Dagegen .... 86 Stimmen