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Die Schweiz und die US-Gesetzgebung Fatca

Inderkum Hansheiri · P-M · Ständerat · Uri · Fraktion CVP/EVP/glp

Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.

Briner Peter · Mit-M · Ständerat · Schaffhausen · Freisinnig-demokratische Fraktion

Der Foreign Account Tax Compliance Act, kurz Fatca, ist ein Teilstück amerikanischer Gesetzgebung, das im Rahmen eines Paketes gegen Steuerflucht und für neue Arbeitsplätze in den USA beschlossen wurde. Das Gesetz wird 2013 in Kraft gesetzt werden und soll gewährleisten, dass alle US-Bürger, wo immer sie domiziliert sind, gleich besteuert werden. Es richtet sich also an sich nicht gegen andere Staaten, verursacht jedoch in der Durchführung weltweit einiges Kopfzerbrechen. Die Ausgestaltung des Gesetzes ist derart engmaschig und kompliziert, dass es bei den internationalen Finanzintermediären - das sind unter anderem Banken und Lebensversicherer - unverhältnismässig hohe Kosten zu verursachen verspricht, was die Urheber wohl nicht bedacht haben.

Die von den Finanzintermediären erwartete Auskunftspflicht hat es in sich, sodass bei uns und auch in anderen Ländern wahrscheinlich Gesetzesänderungen nötig werden. Bei uns wären wohl das Bankengesetz und das Strafgesetzbuch betroffen. Insofern entfaltet diese US-Gesetzgebung eben doch extraterritoriale Wirkung. Für die Finanzintermediäre ergeben sich grundsätzlich drei Varianten im Umgang mit den Vorgaben: 1. zu horrenden Einführungs- und Durchführungskosten mitmachen, was nur die Grossen können und wollen werden; 2. nicht mitmachen und 30 Prozent einer Art US-Pauschalsteuer auf den relevanten Beträgen abliefern; 3. sich ganz aus dem US-Geschäft zurückziehen, was für viele vermutlich die realistischste Option sein dürfte. Die Medaille hat also ganz klar auch eine kontraproduktive Seite für die USA, die sich von Fatca zusätzliche Steuereinnahmen von 850 Millionen Dollar pro Jahr versprechen.

Für die internationalen Finanzintermediäre muss es deshalb, nachdem das Gesetz beschlossen ist, darum gehen, ausgewogene Einführungs- und realistische Durchführungsbestimmungen auszuhandeln. Das kann die Schweiz nicht alleine tun. Sie kann als kleines Land auch nicht die Federführung übernehmen. Gefragt ist, denke ich, ein internationales, koordiniertes Vorgehen, z. B. mit der Europäischen Union, mit den internationalen Branchenverbänden oder über die OECD. Es kann ja nicht sein, dass wir hier den Musterknaben spielen, währenddem man sich im Fernen Osten, in Frankfurt oder in London nicht darum kümmert. Ebenso wenig kann es sein, dass wir unsere Banken und Versicherungen ins Messer des IRS oder der US Treasury laufen lassen. Dem Vernehmen nach haben sich ausländische Regierungen mit dieser Herausforderung noch nicht vertieft befasst, sei es aus Pragmatismus, Realismus oder Fatalismus. Für die Schweiz ist es wichtig, eine klare Strategie in Bezug auf die Auswirkungen von Fatca zu verfolgen. Dies sollte in enger Zusammenarbeit zwischen den Behörden und der Wirtschaft erfolgen. Für die Schweizer Unternehmen mit Verbindungen in die USA ist es entscheidend, keine Wettbewerbsnachteile gegenüber Konkurrenten aus anderen Ländern erleiden zu müssen; es ist entscheidend, dass sie nicht in Konflikte mit sich widersprechenden Rechtsvorschriften geraten.

Ich danke dem Bundesrat, dass er bereit ist, die Motion entgegenzunehmen, und dass er die Rahmenbedingungen und Möglichkeiten zur Umsetzung von Fatca abklären will. Ich gehe davon aus, dass sich das Parlament zu gegebener Zeit mit dieser Angelegenheit zu befassen haben wird.

Recordon Luc · Mit-M · Ständerat · Waadt · Grüne Fraktion

A vrai dire, je partage grandement les inquiétudes qui se font jour à travers la motion Briner. Il y a en effet d'abord tout l'aspect de l'incertitude qui pèse sur notre place financière. Mais il y a aussi un autre aspect, parce qu'outre les complications financières, outre les éléments qui font qu'on en est pratiquement aujourd'hui à refuser des relations bancaires avec des gens de nationalité américaine - voire sur sol américain -, ce qui est tout de même assez inquiétant pour notre pays, il y a aussi un élément de protection de la personnalité. Monsieur Briner dit très justement à la fin de son développement que le Conseil fédéral devrait examiner jusqu'à quel point notre souveraineté est mise en jeu par cette affaire.

Mais elle est mise en jeu au niveau individuel, déjà, et ce n'est pas la première fois! Ici, c'est pour des raisons fiscales et financières. Il y a aussi d'autres cas où, pour des raisons de sécurité - rappelez-vous toute la problématique des passeports biométriques -, on se pose là aussi de sérieuses questions. On a l'impression que le citoyen - suisse, notamment - est cadré par des règles qui, pour beaucoup, viennent des Etats-Unis d'Amérique et enserrent petit à petit sa personnalité dans une sorte d'étau de surveillance. On pourra bientôt tout savoir sur tout le monde. Le journal "Le Temps" disait juste avant Noël que le secret était une notion pour ainsi dire en voie de disparition; il y a eu tout un numéro consacré à cela. Eh bien j'ai l'impression qu'il y a quand même un minimum d'intimité et de secrets personnels, qu'on veut se garder le droit de délivrer aux uns et pas forcément aux autres - ou éventuellement à personne -, qu'on ne pourra plus conserver à l'avenir si on continue sur cette voie.

Je trouve que c'est quelque chose d'assez grave, qui dépasse la notion de protection de la personnalité telle qu'elle a été imaginée par nos prédécesseurs lorsqu'ils ont édicté la loi sur la protection des données. Il y a là véritablement un problème assez grave. Et, sans faire de l'antiaméricanisme primaire, cela vient systématiquement de la part des Etats-Unis, pour différentes raisons qui ponctuellement peuvent paraître bonnes, mais qui sont en train de constituer cet espèce d'étau qui nous enserre.

J'aimerais bien qu'on accepte la motion déposée par Monsieur Briner, mais en élargissant quand même le champ de la réflexion.

Widmer-Schlumpf Eveline · VPBR-F · Bundesrat · Graubünden

Herr Ständerat Briner, verschiedene ausländische Regierungen sind nun auch auf den Plan getreten und wollen sich auch wehren, sind also daran, Massnahmen zu prüfen bzw. Umsetzungsvorschläge für Fatca zu machen. Der Bund pflegt eine intensive Zusammenarbeit mit den entsprechenden Wirtschaftsvertretern. Wir versuchen, einen Weg zu finden. Vertreter der Bundesverwaltung haben den US-Behörden gegenüber verschiedentlich betont, dass die berechtigten Anliegen der betroffenen Akteure der Finanzbranche zu berücksichtigen sind, dass man diesen also Rechnung zu tragen hat. Dazu gehört vor allem die Souveränitätsfrage, denn es ist natürlich auch ein Souveränitätskonflikt; wir haben im Zusammenhang mit der UBS schon einmal darüber diskutiert. Zur Diskussion steht also Artikel 271 StGB.

Das EFD hat vom Bundesrat den Koordinationsauftrag erhalten, und das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen hat mit den zuständigen Behörden in den USA bereits sondiert, wie man eine solche Fatca-Regelung bei uns überhaupt umsetzen könnte. Man ist also an der Arbeit, und wir koordinieren das Ganze, zum einen mit den Wirtschaftsvertretern, zum andern mit anderen Staaten, die sich jetzt ebenfalls organisieren und gemeinsam auftreten wollen. Wir werden Sie informieren, sobald wir etwas haben, über das wir Sie informieren können.

Inderkum Hansheiri · P-M · Ständerat · Uri · Fraktion CVP/EVP/glp

Angenommen - Adopté