00.3196
Minergie-Standard
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Nach einem geruhsamen Morgen kommen wir nun zu einem höchst umstrittenen Thema, zur Motion "Minergie-Standard". (Heiterkeit)
Mit dieser Motion sollen vor allem zusätzliche Einsparungen im Energiebereich erzielt werden. Verschiedene Kantone haben in dieser Hinsicht auch schon einige Dokumentationen und Unterlagen erarbeitet. Daraus geht deutlich hervor, dass die Mehrkosten eines nach Minergie-Standard errichteten Objektes durch Einsparungen beim Unterhalt wettgemacht werden können. Unser Kollege Hans Hofmann hat seinerzeit als amtierender Baudirektor den Minergie-Standard ebenfalls mit viel Engagement vertreten. Der Bund stellt heute 200 000 Franken pro Jahr für Minergie-Projekte zur Verfügung. Massgeblich für den Erfolg sind allerdings Minimalanforderungen und -kriterien in den einzelnen Kantonen.
Wie sieht nun die Anwendung auf Bundesebene aus? Selbstverständlich soll der Bund eine Vorreiterrolle übernehmen; er hat das im Rahmen von "Energie 2000" auch immer getan, dort wurden namhafte Geldbeträge für energiebewusstes Bauen eingesetzt. Ein Nachfolgeprojekt ist vom Bundesrat bereits beschlossen worden. Zurzeit ist man daran, dieses Projekt vorzubereiten. Es ist somit sichergestellt, dass die öffentliche Hand mit dem guten Beispiel vorangeht.
Wie lautet nun die Motion? "Der Bundesrat wird beauftragt, Massnahmen zu ergreifen, damit der Minergie-Standard im Gebäudebereich als zusätzliches Ziel verfolgt wird." Dies soll für "alle Bundesbauten" und für Bauten gelten, "die vom Bund subventioniert werden".
Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen. Der Nationalrat hat die Motion diskussionslos überwiesen. Und unsere Kommission konnte zur Kenntnis nehmen, dass die vom Nationalrat gewählte Formulierung - Verfolgen des Minergie-Standards bei Bundesbauten als zusätzliches, aber nicht einziges Ziel - vom Bundesamt für Bauten und Logistik begrüsst wird. Wie bereits ausgeführt, lassen sich bei Minergie-Bauten offenbar Energieeinsparungen von gegen 40 Prozent erzielen.
Im Bewusstsein, dass wir mit dieser Motion offene Türen einrennen, beantragen wir Ihnen einstimmig, die Motion zu überweisen.
Wicki Franz · Ständerat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion
Wir haben eine Motion zum Thema "Minergie" vor uns. Wenn ich hier eine Umfrage machen würde, worüber wir heute beschliessen, würde die Frage wahrscheinlich lauten, ob man den Begriff "Minergie" überhaupt erklären kann. Daher erlaube ich mir als Mitglied der Kommission, etwas zu diesem Begriff zu sagen.
Etwa Mitte der Neunzigerjahre kam der Begriff "Minergie" ins Spiel. Vorher hatten wir ja die Musterverordnungen; die Einhaltung des Minergie-Standards geschieht auf freiwilliger Basis. Wir haben festgestellt: Von den Kantonen wird der Standard gefördert; und das ist eine Bedingung, zum Beispiel für Förderprogramme.
Der Minergie-Standard zielt nicht mehr auf die Gebäudehülle ab. Man hat ein anderes System, einen anderen Ansatz, gewählt. Der Minergie-Standard begrenzt die Energie, die einem Gebäude zugeführt wird. Dieser Grenzwert liegt bei rund 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter, auf das Jahr bezogen, und umfasst die Wärme für Heizung und Warmwasser. Innerhalb des Gebäudes ist es dann dem Planungsteam überlassen, wie dieser Grenzwert eingehalten werden kann. Dies kann mit Technik, d. h. mit Brennstoffen - Holz, Öl oder Gas -, Wärmepumpen oder Solaranlagen, geschehen. Dabei kann die Gebäudehülle unterschiedliche Dammstärken enthalten. Je nach Wärmeerzeugungsart muss das Gebäude besser oder schlechter gedämmt werden, um den Standard zu erreichen. Wir sehen also die Stossrichtung von Minergie. Es sollen möglichst viel erneuerbare Energien eingesetzt werden, und wenn schon mit Strom Wärme erzeugt wird, muss dies dann über den Umweg der Wärmepumpen erfolgen. Das ist die Stossrichtung dieser Vorlage, die Stossrichtung von Minergie.
Ich bin der Überzeugung, es ist richtig, die Motion zu überweisen.
Villiger Kaspar · BR-M · Bundesrat · Luzern
Noch ein paar Worte, weil sich eine kleine Diskussion ergeben hat: Wir möchten den Minergie-Standard als zusätzliches Ziel verfolgen, wie es in der Motion heisst.
Die Frage ist, ob es eine Motion braucht oder nicht. Wir wollen danach handeln, aber unter gewissen Bedingungen: Wir wollen vor allem die Ziele des Minergie-Standards übernehmen - Herr Jenny hat es angedeutet -; aber wir möchten nicht, dass man die baulichen und technischen Massnahmen verbindlich festlegt. Aus wirtschaftlichen Überlegungen sollten die Mehrkosten maximal zehn Prozent eines Projektes betragen - das ist eine grobe Vorstellung.
In unserem eigenen Bereich ergeben sich daraus Mehrkosten, vor allem bei den Zivilbauten, von etwa 10 bis 15 Millionen Franken. Das müssen wir irgendwie auffangen; wir können die Kredite, die in den Finanzplanzahlen enthalten sind, nicht erhöhen. Aber es ist es wert, weil das Geld längerfristig wieder eingespart werden soll. Bei den subventionierten Bauten werden die Mehrkosten mit den gleichen Prozentsätzen subventioniert wie die restlichen Kosten. Man kann noch nicht abschätzen, wie viel das genau ausmachen wird.
In diesem Sinne sind wir bereit, die Motion entgegenzunehmen.
Saudan Françoise · P-F · Ständerat · Genf · Freisinnig-demokratische Fraktion
Überwiesen - Transmis