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Cannabis für Schwerkranke
Kessler Margrit · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Grünliberale Fraktion
Wir haben heute die Möglichkeit, Medikamente aus der Cannabispflanze, sogenannte Cannabinoide, bei Patientinnen und Patienten anzuwenden. Das Problem ist die Sonderbewilligung, deren Beschaffung viel Zeit beansprucht und die von den Ärzten nur als Ultima Ratio mit einer Magistralrezeptur verordnet werden kann. Wegen dieses komplizierten Vorgehens erhalten viele Patientinnen und Patienten diese schmerzlindernden Medikamente nicht.
Der Bundesrat wird beauftragt, die bereits vorhandenen Daten zum Einsatz von Cannabinoiden in der Medizin wissenschaftlich zu untersuchen und mögliche Einsatzbereiche in der Schweiz festzulegen. Gestützt auf diese Daten soll geprüft werden, ob eine einfache rezeptive Zulassung solcher Cannabismedikamente für Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Krankheitsbildern möglich ist. Zurzeit können die zur Verfügung stehenden Cannabiswirkstoffe nur als letzte Möglichkeit abgegeben werden. Der mühsame Weg der Sonderbewilligung und die damit verbundenen Auflagen des Bundesamtes für Gesundheit sind zeitraubend und schrecken die Ärzte ab. So können Wochen vergehen, bis eine Bewilligung vorliegt. Gerade in der Palliativpflege kommen diese schmerzlindernden Substanzen oft viel zu spät zum Einsatz.
Gegenüber der Cannabispflanze gibt es viele Vorurteile, und oft wird sie mit Drogenkriminalität in Verbindung gebracht. Hier geht es aber nicht um Drogenkonsum, es geht nicht um die Legalisierung von Cannabis als Suchtmittel. Es geht darum, bei schweren chronischen Krankheiten ein wirksames Medikament zur Verbesserung der Lebensqualität ohne hohe administrative Hürden zur Verfügung zu stellen.
Es gibt Hinweise, dass natürliche Cannabismedikamente aufgrund der kombinierten Wirkung der zahlreichen Inhaltsstoffe dem synthetisch hergestellten Cannabis als Heilmittel überlegen sind. In der Schweiz therapieren viele Schmerzpatienten illegal ihre Beschwerden mit Cannabis, weil der Zugang zu einer lindernden Cannabistherapie mit komplizierten Bewilligungsverfahren verbunden ist und die Preise sehr hoch sind. Cannabispräparate sind nicht in die Spezialitätenliste aufgenommen und werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Eine Therapie kann je nach Bedarf zwischen 200 und 2000 Franken pro Monat kosten. Nur wohlhabende Kranke können sich dies leisten. Eine entsprechende Ausnahmebewilligung ist de facto wertlos, weil Cannabispräparate preislich für viele betroffene Patienten unerschwinglich bleiben. Um Schmerzen zu lindern, sind die Betroffenen aber bereit, sich den Stoff auf dem grauen Markt zu beschaffen, was aus medizinischer Sicht gefährlich, unsicher, diskriminierend und entwürdigend ist.
Der Bundesrat ist daran interessiert, schwerkranken Menschen zu helfen und die Wirkung von Cannabis in diesem Sinne zu prüfen. Er ist bereit, die Ausarbeitung einer entsprechenden Entscheidungsgrundlage im Rahmen eines Forschungsprojektes in Auftrag zu geben. Damit soll untersucht werden, ob eine einfache Zulassung, ohne hohe administrative Hürden, von Cannabismedikamenten für Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Krankheitsbildern wie zum Beispiel multipler Sklerose, Parkinson, ALS, Aids und schweren Krebsleiden sowie bei chronischen Schmerzen, arthritischen und rheumatischen Erkrankungen sinnvoll ist. Ein solches wissenschaftliches Projekt wird zu neuen Erkenntnissen in der Therapie für Schwerkranke führen und die Voraussetzungen schaffen, dass Cannabis als Heilmittel wissenschaftlich fundiert auch in der Schweiz ohne hohe administrative Hürden eingesetzt werden kann.
Ich bitte Sie im Namen der Betroffenen, meine Motion zu unterstützen.
Geissbühler Andrea Martina · Mit-F · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
In der Schweiz braucht es für die ärztliche Abgabe von Medikamenten auf Cannabisbasis wie Dronabinol, Nabilon oder einem Cannabisextrakt eine Bewilligung des Bundesamtes für Gesundheit. Die Abgabe dieser Medikamente wird für die Behandlung von schwerer, therapieresistenter Spastik bei an multipler Sklerose Erkrankten oder bei Übelkeit und Appetitlosigkeit bei Krebspatienten bereits heute zugelassen. Patienten und Patientinnen beklagen aber Nebenwirkungen von Cannabinoiden wie Müdigkeit und Schwindel, psychische Störungen und Mundtrockenheit. Bei der heutigen Regelung wird streng abgewogen, ob für eine schwer erkrankte Person die Vorteile einer Abgabe von Cannabis die Nachteile überwiegen würden. Wenn diese Regelung jetzt aufgrund der Motion aufgehoben würde, wer bestimmte dann, was schwerkrank ist? Wir wissen auch, dass viele Ärzte dann sehr schnell Cannabis verschreiben würden, und das kann ja nicht das Ziel sein.
Cannabis enthält, neben mehreren Hundert giftigen Substanzen, das Rauschgift THC. Dieses wirkt auf die einzelnen Menschen sehr unterschiedlich, weshalb der Cannabiskonsum mit russischem Roulette verglichen werden kann. Das THC im Cannabis ist fettlöslich, lagert sich dementsprechend vor allem im Gehirn ab und kann tagelange negative Auswirkungen erzeugen. Noch Stunden nach Abklingen des Rausches ist das Kurzzeitgedächtnis gestört, was das Lernen stark erschwert. Auch die Aufmerksamkeit sowie die Konzentrations-, Koordinations- und Reaktionsfähigkeit der Betroffenen werden beeinträchtigt. Andere negative Folgen sind Persönlichkeitsveränderungen bis hin zu Psychosen sowie die enthemmende Wirkung, welche zu Aggressionen und Gewalt führen kann.
Deshalb muss die Verfügbarkeit des Rauschgiftes Cannabis möglichst gering gehalten werden, und das Signal der Politik muss unmissverständlich sein: Cannabis ist keine harmlose Substanz. Da die Forderung in der Motion zu einem weiteren Schritt der Cannabislegalisierung führen würde, muss an der heutigen Bewilligungspraxis festgehalten werden.
Ich bitte Sie, auch aus Gründen des Jugendschutzes, die Motion abzulehnen.
Fridez Pierre-Alain · Mit-M · Nationalrat · Jura · Sozialdemokratische Fraktion
Madame Geissbühler, étant médecin, j'ai conseillé à certains patients de prendre du cannabis. Or, vous exprimez beaucoup de craintes au sujet de l'utilisation de produits qui contiennent du cannabis. Je vous fais remarquer que j'ai recommandé de prendre du cannabis à des gens qui souffraient de sclérose en plaques. Vous mettez en garde contre toutes sortes de problèmes. Ne pensez-vous pas que c'est au patient de décider, dans de telles situations, plutôt difficiles, si les produits contenant du cannabis peuvent le soulager? Dans le cadre de la relation entre un médecin et son patient, ce genre de problème peut très bien se régler. S'il y a beaucoup d'effets secondaires, le traitement sera arrêté; par contre, s'il peut soulager le patient, cela me paraît intéressant. Quel est votre avis?
Geissbühler Andrea Martina · Mit-F · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Wie gesagt, es kann natürlich für einzelne Personen, die schwerkrank sind, eine Hilfe sein. Aber grundsätzlich ist es einfach so: Es ist nicht als Medikament zugelassen. Wenn es wirklich ein Medikament wäre, das einen Nutzen bringen würde, dann hätte die Pharmabranche dieses Medikament schon lange auf den Markt gebracht. Dass es kein Medikament ist und nicht als Medikament zugelassen ist, sagt schon viel, und daher ist es auch sinnvoll, dass es diese Bewilligungspflicht gibt, dass man zuerst gut abklärt: Wie viel bringt es der Person? Ist es für diese Person wirklich wirksam? Gibt es zu viele Nebenwirkungen? Oder ist es nicht gut? Diese Abklärungen müssen gemacht werden, und daher ist diese Bewilligungspflicht eigentlich eine sinnvolle Methode, weil es eben kein Medikament ist. Wenn es ein Medikament wäre, wären diese Fragen geklärt; dann wüsste man, dass es bei der grossen Mehrheit der Patienten keine Nebenwirkungen hätte. Beim Cannabis ist es eben so, dass sehr viele Nebenwirkungen entstehen und dass man nie weiss, bei welcher Person es wirkt und bei welcher nicht.
Daher ist es einfach nicht sinnvoll, wenn man diese Bewilligungspflicht öffnet und sozusagen jeder Arzt einfach jedem Patienten Cannabisprodukte abgeben kann, wenn der Patient findet, für ihn bringe das etwas. Diese Legalisierungstendenz wollen wir nicht unter dem Deckmantel "für Schwerkranke" ermöglichen.
Berset Alain · BR-M · Bundesrat · Freiburg
La consommation de cannabis est interdite en vertu de la loi révisée sur les stupéfiants. Une exception est cependant prévue pour une application médicale limitée, parce que le cannabis est également un produit thérapeutique dont l'efficacité et l'utilité sont prouvées scientifiquement, notamment en médecine palliative. Donc, une application médicale limitée du cannabis est possible pour certaines pathologies comme la sclérose en plaques, le sida, le cancer et d'autres maladies pour lesquelles son efficacité au niveau palliatif a été prouvée scientifiquement.
C'est ainsi qu'aujourd'hui, à moins d'une autorisation exceptionnelle délivrée par l'Office fédéral de la santé publique, les médicaments à base de cannabis ne peuvent être prescrits qu'à condition d'avoir été autorisés par Swissmedic. A l'heure actuelle, ceci n'est le cas que pour le Sativex et seulement pour l'indication de la sclérose en plaques. Tous les autres médicaments synthétiques ou semi-synthétiques à base de cannabis requièrent une autorisation exceptionnelle de l'Office fédéral de la santé publique.
A la différence de pays comme l'Allemagne ou les Pays-Bas, en Suisse, il est en outre interdit de prescrire du cannabis sous sa forme naturelle, et cela même avec une autorisation exceptionnelle. Le cannabis sous sa forme naturelle n'est pas autorisé comme médicament parce que sa teneur en THC n'est pas standardisée, de telle sorte que le dosage est difficile à définir. Les médecins traitants le déplorent, d'autant plus que le cannabis sous sa forme naturelle peut s'avérer supérieur dans certains cas au cannabis de synthèse, grâce à l'action combinée de ses multiples substances actives.
Tous les médicaments à base de cannabis pouvant actuellement être prescrits par les médecins, Sativex inclus, ne figurent pas sur la liste des spécialités de l'Office fédéral de la santé publique et la demande pour ce dernier avait d'ailleurs été refusée, car jugée non pertinente en raison d'effets secondaires et d'un manque d'utilité clinique en comparaison d'un placebo.
La décision de rembourser ou non de tels médicaments est donc laissée à la libre appréciation des assureurs-maladie et les patients qui n'ont pas les moyens de les payer de leur propre poche n'y ont pas accès.
La Confédération n'a pas pour tâche de mener des travaux de recherche sur le cannabis naturel pour trouver des alternatives aux médicaments actuellement commercialisés. Il revient à l'industrie pharmaceutique de mener les études nécessaires à l'enregistrement par Swissmedic de médicaments à base de cannabis et à leur inscription sur la liste des spécialités. La Confédération ne dispose pas des bases légales nécessaires pour le faire, ni pour réaliser un projet pilote proprement dit en matière de thérapie de la douleur pour les personnes gravement malades. Il est donc à craindre que le potentiel thérapeutique du cannabis reste inexploité et que seuls les patients disposés à payer des médicaments de leur propre poche puissent en profiter.
Par conséquent, dans l'intérêt des patients gravement malades, pour qui le cannabis naturel pourrait représenter un moyen thérapeutique essentiel, le Conseil fédéral est prêt à commander l'élaboration des bases décisionnelles appropriées. Il s'agira de clarifier les questions scientifiques, méthodologiques et juridiques liées à l'utilisation de fleurs de cannabis à teneur standardisée et contrôlée de THC et de présenter les mesures à prendre pour que le médicament autorisé dans les pays déjà mentionnés soit également admis en Suisse et inscrit sur la liste des spécialités.
C'est par ces arguments que le Conseil fédéral vous propose d'accepter la motion.
Abstimmung
Le président (Rossini Stéphane, président): Le Conseil fédéral propose d'adopter la motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 123 Stimmen
Dagegen ... 39 Stimmen
(17 Enthaltungen)