99.427

Anrufinstanz bei Abstimmungskampagnen

Verfahrensbeitrag

Antrag der Kommission

Mehrheit

Der Initiative Folge geben

Minderheit

(Beck, Antille, Dettling, Fehr Hans, Fischer-Hägglingen, Fritschi)

Der Initiative keine Folge geben

Proposition de la commission

Majorité

Donner suite à l'initiative

Minorité

(Beck, Antille, Dettling, Fehr Hans, Fischer-Hägglingen, Fritschi)

Ne pas donner suite à l'initiative

Dormann Rosmarie · Nationalrat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion

Frau Stamm hat in einer ihrer letzten Sessionen als Nationalrätin verlangt, dass ein Gremium geschaffen wird, welches während Abstimmungskampagnen zur Beurteilung zweifelhafter Aussagen in Inseraten und anderen Werbetexten angerufen werden kann. Sie tat dies nicht "wegen lustig", sondern aus tiefer Besorgnis um unsere Streit- und Kommunikationskultur, die zu verrohen droht.

Ich erinnere Sie z. B. an die letzte Kampagne vor der Abstimmung zur Beschleunigungs-Initiative, wo es an Verleumdung grenzte, wie unsere Beamtenschaft in diffamierender Art und Weise in Inseraten blossgestellt worden ist. Ich erhielt auch mehrere Telefonanrufe im Zusammenhang mit der Verkehrshalbierungs-Initiative, weil in Inseraten behauptet wurde, dass bei deren Annahme die 65-jährigen und noch Älteren keine Chance mehr hätten, den Führerausweis zu behalten. Oder ich erinnere an die Mutterschaftsversicherung, bei deren Abstimmung sich selbst Gegnerinnen der Vorlage über die Art und Weise der Kampagne der Gegnerschaft schämten.

Schliesslich noch ein Wort zur Abstimmung über die neue Bundesverfassung, bei der man in Inseraten lesen konnte, dass bei Annahme der Revision die Schweiz aufgelöst werden müsste oder dass man im Namen Gottes eine heidnische Schweiz schaffen würde. Auch Bruder Klaus musste für alle möglichen Behauptungen herhalten. Man sprach sogar von einer Entmündigung und davon, dass die Schweizer und Schweizerinnen wie Ungeziefer behandelt würden, wenn die Verfassung angenommen werde.

Dies alles schafft grosse Verunsicherungen, schafft Ängste, schürt aber auch eine schlechte Stimmung im Volk, was nicht zu einer gelebten Demokratie beiträgt.

Das war die tiefe Besorgnis von Frau Stamm. Sie wollte mit dieser Parlamentarischen Initiative erreichen, dass ein Gremium unter dem Vorsitz des National- und des Ständeratspräsidiums die Möglichkeit hätte, vor allem präventiv zu wirken, indem besorgte Bürgerinnen und Bürger anrufen und sich erkundigen könnten. Selbstverständlich hätte dieses Gremium keine Sanktionsmöglichkeiten, sondern eher die Möglichkeit, Klarstellungen und Richtigstellungen abzugeben.

Ich bitte Sie im Namen von Frau Stamm, dieser Parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Beck Serge · Nationalrat · Waadt · Liberale Fraktion

Cette initiative parlementaire part d'une bonne intention, mais j'aimerais rappeler à votre esprit que le souci du législateur doit être de mettre en place une législation qui soit applicable. Je suis persuadé que, lors de campagnes pour les votations, il y a nécessité de répondre à la désinformation par l'information, et non pas par l'interdiction ou la correction de publications sous forme officielle.

Il nous appartient, à nous, membres des partis politiques, d'apporter des informations ou des contre-informations, c'est-à-dire des informations correctives lorsque les tenants ou les opposants à un projet nous paraissent déraper dans ce domaine. Je crois que, finalement, c'est la liberté d'expression qui est en jeu si nous adoptons cette initiative.

Qui pourra s'ériger en juge quant aux propos qui seront tenus, alors que parfois même l'administration, dans les documents officiels qui accompagnent les scrutins, commet des erreurs ou affirme des inexactitudes?

Tout est affaire de nuance et d'appréciation, dans un débat politique. Il n'y a pas la vérité d'un côté et le mensonge de l'autre. Heureusement, sans quoi il n'y aurait pas de démocratie de concordance!

Cette initiative n'est pas du tout libérale, contrairement à ce que certains de ses partisans affirmaient en commission. La liberté consiste à permettre à chacun d'exprimer sa position, même si celle-ci peut paraître erronée à une partie des auditeurs, Voltaire le disait déjà.

Si nous donnons suite à cette initiative, nous instaurerons une planification et un contrôle des moyens d'expression, et je crois que cela n'est dans l'intérêt de personne.

Finalement, l'éthique ne consiste pas à dire aux citoyens comment ils doivent penser et ce qu'ils ont le droit de dire, mais bel et bien de permettre à chacun de le dire. Des exemples récents peuvent nous rassurer. Les citoyens ne sont pas dénués de capacité de jugement, quels que soient les moyens de propagande qui peuvent être engagés, même si ceux-ci mobilisent des montants financiers considérables; le résultat de l'initiative Denner à l'occasion du dernier scrutin est là pour nous le démontrer.

Au nom de la liberté d'expression, de la liberté d'information et du fait que nous devrions assumer, nous, partis politiques, et tous les mouvements qui s'impliquent dans la vie civique, nos responsabilités d'information, je vous invite à soutenir la proposition de minorité et à ne pas donner suite à cette initiative.

Leu Josef · Nationalrat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion

Bei der Parlamentarischen Initiative unserer ehemaligen Kollegin Judith Stamm geht es darum, ein Gremium zu schaffen, welches während Abstimmungskampagnen zur Beurteilung zweifelhafter Aussagen in Werbetexten angerufen werden kann. Zu diesem Zweck soll das Gesetz über die politischen Rechte in dem Sinn ergänzt werden, dass eine Instanz, deren Exponenten die beiden Vorsitzenden von National- und Ständerat wären, im Vorfeld von Abstimmungen prominent zu Behauptungen Stellung nehmen könnte, die offensichtlich dem wahren Sachverhalt widersprechen. Dabei geht es nicht darum, die demokratische Diskussion einzuschränken, sondern einen korrekten Diskurs zu gewährleisten. Diese Instanz würde aktiv, wenn sich kurz vor Abstimmungsdaten abzeichnet, dass mit grossem finanziellen Aufwand flächendeckend Werbematerial mit Behauptungen gestreut würde, das unter Berücksichtigung unterschiedlicher Sichtweisen grundsätzlich und objektiv feststellbare falsche Aussagen vermitteln würden. Das Ziel wäre offensichtlich, die Abstimmenden im letzten Moment mit Unwahrheiten zu verunsichern.

Einige Beispiele dafür aus jüngster Vergangenheit seien erwähnt: Mit der neuen Bundesverfassung werde die Schweiz zum EU-Beitritt gezwungen, oder mit der neuen Bundesverfassung würden unsere Soldaten mit der Nato im Ausland kämpfen. Es darf nicht sein, dass Leute, die zu wenig informiert sind, Opfer ihres Nichtwissens werden; es darf nicht sein, dass sie zur Manövriermasse mächtiger Werbestrategen im Sinne willentlicher Irreführung werden und wider besseres Wissen gegen ihre eigenen Interessen stimmen. Deshalb sollte nach Meinung der Initiantin solchen Entwicklungen entsprechend prominent und sichtbar begegnet werden.

Die SPK hat sich - noch in der alten Zusammensetzung - an der Sitzung vom 11. November 1999 mit diesem Geschäft auseinander gesetzt und mit 11 zu 6 Stimmen beschlossen, der Parlamentarischen Initiative sei Folge zu geben.

Die Mehrheit der damaligen Kommission ging mit dem Anliegen und der Stossrichtung der Initiantin einig. Es ist dieser Mehrheit durchaus bewusst, dass Meinungen mit unterschiedlichem Wahrheitsgehalt und Emotionen in der politischen Auseinandersetzung eine zentrale Rolle spielen. Die vorgeschlagene Instanz mit bekannten Exponenten wäre aufgrund ihrer parlamentarischen Stellung und Legitimation in der Lage, überparteilich und im Interesse des wirklichen Sachverhaltes klärend zu wirken. Damit könnte nach Auffassung der Kommissionsmehrheit eine korrekte demokratische Auseinandersetzung gefördert werden. Dies ist ein Anliegen im Sinne vieler Bürgerinnen und Bürger, die an sachlichen Diskussionen und Lösungen interessiert sind.

Die Kommissionsminderheit hingegen glaubt nicht, dass mit dem vorgeschlagenen Instrument die Grenzziehung zwischen Wahrheit und Unwahrheit in der politischen Auseinandersetzung befriedigend gezogen werden könnte. Dies sei äusserst schwierig und könne nicht einem staatlichen Organ übertragen werden. Zudem wird bezweifelt, dass je eine staatliche Behörde eine genügende Legitimität und Glaubwürdigkeit haben könnte, um als unbestrittener Garant einer politisch wertfreien Objektivität auftreten zu können. Schliesslich habe sich ja gezeigt, dass sich Bürgerinnen und Bürger durch entsprechende Kampagnen nicht so leicht in die Irre führen liessen.

Als Kommissionssprecher bitte ich Sie, der Mehrheit Ihrer Kommission zu folgen und der Parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Maury Pasquier Liliane · 2VP-F · Nationalrat · Genf · Sozialdemokratische Fraktion

L'initiative parlementaire Stamm Judith a été déposée le 16 juin 1999. Elle fait suite à la publication, au cours de campagnes de votation, d'annonces exagérant ou simplifiant la réalité, à tel point qu'il était dès lors impossible de les démentir de manière suffisamment manifeste au cours de la campagne elle-même. L'auteur de l'initiative demande la création d'une autorité de recours à laquelle il sera possible de faire appel quand on juge qu'une déclaration faite dans le cadre d'une campagne de votation est problématique. Cette autorité de recours devrait pouvoir prendre position sur la plausibilité des arguments avancés et, bien que ne disposant pas de la possibilité de prendre des sanctions pénales, elle jouerait un rôle préventif et assurerait en même temps une sorte de contrôle de qualité du débat public. Si l'on considère que les publications auxquelles l'auteur de l'initiative fait allusion sont des dérapages, on pourrait comparer le rôle de l'autorité de recours à un système de protection contre les sorties de route.

La Commission des institutions politiques a examiné l'initiative au cours de sa séance du 19 novembre 1999 et tous ses membres ont reconnu la pertinence de la question posée par l'auteur de l'initiative. Ils divergent cependant sur les possibilités de remédier au problème.

La minorité de la commission, vous l'avez entendu, ne voit pas qui aurait la crédibilité et le retentissement suffisant pour, dans un laps de temps très court, faire entendre clairement un avis autorisé et reconnu largement. Elle est d'avis que le maintien de l'équilibre et de la vérité doit être laissé aux seuls acteurs du débat politique et que le Parlement ne saurait se mêler de fixer des règles forcément problématiques.

La majorité de la commission souhaite toutefois adopter une attitude volontariste et contribuer à améliorer la tenue des débats et la crédibilité du monde politique. Elle ne veut pas limiter le débat démocratique, mais veiller au respect d'un minimum de règles. Elle ne veut pas instaurer une réglementation étatique supplémentaire, mais donner de la politique une vision plus motivante et attrayante pour la population. Non, le monde politique n'est pas un de ces milieux où ne règnent que les conflits de pouvoir, les polémiques ou les mensonges, où tous les coups sont permis et où celui ou celle qui en a les moyens peut répandre à la ronde n'importe quelle contrevérité.

Si on peut, en règle générale, faire confiance à un certain bon sens populaire et au rôle d'information des médias, il faut reconnaître que, face à des sujets parfois fort complexes, peuple et médias peuvent aussi être dépassés. Vous connaissez la formule qui dit: "Calomniez, calomniez, il en restera toujours quelque chose." Nous devons reconnaître que nous manquons d'un organe qui puisse, avec force, quand c'est nécessaire, réaffirmer clairement les faits.

Comme existent des commissions d'éthique, par exemple dans le domaine de la biotechnologie, des conseils des sages dans certaines communes ou sections locales de partis, dotons-nous d'une instance qui permette d'améliorer l'image que nous donnons de nous-mêmes. Dans la deuxième phase, la commission aura tout loisir de préciser la meilleure manière de le faire.

Par 11 voix contre 6, la commission vous invite à donner suite à l'initiative parlementaire Stamm Judith.

Seiler Hanspeter · P-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Abstimmung - Vote

Für Folgegeben .... 65 Stimmen

Dagegen .... 56 Stimmen