23.7564, 23.7576, 23.7617
Wie stark hat der Wolfsbestand zugenommen? / Wieviele Wölfe und Wolfsrisse müssen die Bauern noch dulden? / Anzahl Wölfe im Wallis?
Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern
Der Wolfsbestand in der Schweiz hat in den letzten Jahren um rund 30 Prozent pro Jahr zugenommen. Es kann von einem exponentiellen Wachstum gesprochen werden. Ohne Eingriffe in den Wolfsbestand würde die Population in den nächsten Jahren in einem ähnlichen, wenn nicht sogar in einem stärkeren Umfang weiterwachsen. Aktuell sind in der Schweiz 32 Wolfsrudel nachgewiesen. Im Kanton Wallis leben rund zehn Rudel und schätzungsweise rund siebzig Wölfe.
Rüegger Monika · Mit-F · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Für drei Fragen war das eine sehr schnelle Antwort. Darum bin ich nicht so schnell nach vorne gekommen.
Meine Fragen sind nicht ganz beantwortet. Mich nimmt schon wunder, Herr Bundesrat: Wie sieht denn der Bundesrat die Entwicklung dieser Wolfsbestände? Wenn wir so weitermachen, dann sind wir in den nächsten drei Jahren bei 600 Wölfen.
Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern
Ich nehme gerne noch dazu Stellung. Es ist tatsächlich so, dass die Zahl der Wölfe im Jahr 2019 bei unter 100 lag, im Jahr 2020 bei etwas über 100, im Jahr 2021 bei knapp 150, im Jahr 2022 bei 240 und jetzt bei über 300. Wir sehen also eine exponentielle Steigerung. In diesem Zusammenhang sage ich Ihnen schnell, was die Haltung des Bundesrates ist. Sie geht allerdings erst in eine Kurzkonsultation und muss noch beschlossen werden. Das hat ja vereinzelt grössere Diskussionen ausgelöst.
Das neue Jagdgesetz sieht vor, dass der Bund mit den Kantonen präventiv regulierend eingreifen kann, aber - und es ist mir ganz wichtig, das zu sagen - nur dort, wo ein Wolfsrudel eine Gefahr darstellt. Es müssen zuerst verschiedene Kriterien dahin gehend erfüllt sein, dass der Wolf für Mensch oder Tier eine Gefahr darstellt, und dann kann präventiv eingegriffen werden. Diese präventiven Eingriffe möchten wir nach einer verkürzten Konsultation provisorisch für zwei Jahre in Kraft setzen. Dann gibt es eine untere Schwelle, unterhalb derer nicht mehr präventiv eingegriffen werden darf. Diese Schwelle liegt bei zwölf Rudeln, also über dem Bestand im Jahr 2021. Sie liegt über diesem Bestand; das ist keine wahnsinnig tiefe Zahl.
Deshalb ist die Haltung des Bundesrates klar: Wir wollen Mensch und Tier schützen, und wir wollen gleichzeitig die Art erhalten. Die Art wird mit dem Minimalbestand erhalten. Mensch und Tier werden geschützt, indem gefährdende Rudel ganz weggenommen werden, wenn sie die Kriterien erfüllen - nur dann.
Graber Michael · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Herr Bundesrat Rösti, wie sehen Sie die Forderung nach nur fünf Wolfsrudeln in der Schweiz, die vonseiten der Bauern gestellt wird? Sie haben jetzt von den zwölf Rudeln gesprochen, die den Bestand im Jahr 2021 widerspiegeln. Das war vor zwei Jahren und ist somit noch nicht so lange her. Damals war das Problem schon akut. Wie sähen Sie es, wenn man zurück in die Zeit vor 2021 gehen würde, insbesondere wenn es um Wölfe in der Nähe des Siedlungsgebiets geht?
Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern
Es ist klar, dass das neue Jagdgesetz grundsätzlich vorsieht, dass gefährliche Wölfe - egal, welchen Bestand an Wölfen wir haben - zum Abschuss freigegeben werden können, wenn sie Mensch oder Tier gefährden. Es ist auch nicht so, dass unterhalb von zwölf Rudeln gar nichts mehr getan werden kann. Wenn die Schwelle, die ja regional differenziert wird, unterschritten wird, kann nicht mehr ein ganzes Rudel entfernt werden, sondern nur noch die Hälfte der Jungtiere. Damit haben wir eigentlich eine Art Kompromiss gezimmert. Ich kann weder beim Schutz noch beim Nutzen das Maximum herausholen.
Ich habe grosses Verständnis für die Vertreter der Landwirtschaft, die nach über 1500 Rissen nun relativ scharf reagieren. Gleichzeitig habe ich aber, gestützt auf die Berner Konvention, den Auftrag, die Arterhaltung sicherzustellen.
Wenn wir, wie es jetzt vorgegeben ist, Rudel entfernen, die zu nahe an Siedlungen herankommen und damit gefährlich sind, gehe ich davon aus, dass die verbleibenden Wolfsrudel daraus lernen und sich in die Alpen zurückziehen werden, also dorthin, wo sie eigentlich ihren Lebensraum haben, d. h. ausserhalb der Gebiete mit ziviler Bevölkerung und ausserhalb der Gebiete, in denen die Nutztiere zuhause sind.