25.3006

Neubeurteilung von IV-Leistungsentscheiden bei von der EKQMB festgestellten gravierenden Mängeln bei der Begutachtung

Caroni Andrea · P-M · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · FDP-Liberale Fraktion

Präsident (Caroni Andrea, Präsident): Es liegt Ihnen ein schriftlicher Bericht der Kommission vor. Die Kommission und der Bundesrat beantragen die Annahme der Motion.

Graf Maya · Mit-F · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion

Ihre SGK-S beantragt Ihnen ohne Gegenstimme, diese Motion anzunehmen. Die Motion wurde von unserer Schwesterkommission eingereicht und vom Nationalrat in der Frühjahrssession mit 128 zu 63 Stimmen angenommen. Sie beauftragt den Bundesrat, eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, damit Versicherte ein Revisionsgesuch stellen können, wenn sich ihr IV-Entscheid auf ein medizinisches Gutachten einer Gutachterstelle stützt, mit der die Zusammenarbeit aufgrund einer Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Qualitätssicherung in der medizinischen Begutachtung (EKQMB) eingestellt wurde. Die EKQMB ist paritätisch zusammengesetzt.

Für unsere Kommission ist es zentral, dass IV-Entscheide auf qualitativ hochwertigen, objektiven und nachvollziehbaren Gutachten beruhen. In Fällen, in denen die EKQMB eine Gutachterstelle als klar mangelhaft beurteilt, muss eine erneute Prüfung des Leistungsanspruchs möglich sein. Die vorliegende Motion schafft die dafür notwendige rechtliche Grundlage und stärkt dadurch das Vertrauen in das Gutachtersystem einerseits sowie in die Rechtsstaatlichkeit im Sozialversicherungsbereich andererseits.

Lassen Sie mich ganz kurz ausholen und den Hintergrund dieser Motion schildern. Während Jahren gab es starke Kritik aus der Politik, aus den Medien, von Betroffenen an mangelhaften Gutachten, insbesondere von der Gutachterfirma PMEDA. Die im Zuge der IV-Weiterentwicklung eingesetzte EKQMB nahm dann mittels Stichproben eine systematische Prüfung von PMEDA-Gutachten vor und empfahl im Herbst 2023, keine weiteren Aufträge mehr an diese Stelle zu vergeben. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) folgte dieser Empfehlung. Doch das Ende der Zusammenarbeit zwischen BSV und PMEDA löste das Problem nur für die Zukunft. Zahlreiche Versicherte, deren IV-Gesuche zwischen 2014 und 2023 auf Grundlage von PMEDA-Gutachten abgelehnt wurden, haben heute keine Möglichkeit, eine erneute und faire Beurteilung ihres Anspruchs zu beantragen - trotz massiver Zweifel an der Qualität der damaligen medizinischen Beurteilung. Viele Versicherte hatten mit drastischen Folgen im beruflichen Werdegang und mit finanziellen Sorgen bis hin zur Sozialhilfeabhängigkeit zu kämpfen.

Vor diesem Hintergrund entstand die vorliegende Motion. Sie ist bewusst allgemein gehalten und soll nicht als Lex PMEDA AG gedacht sein. Sie soll neben diesen Fällen auch in künftigen Fällen greifen, wenn die Zusammenarbeit mit einer Gutachterstelle aufgrund festgestellter Qualitätsmängel beendet wird. Für die Kommission ist von zentraler Bedeutung, dass sich die IV-Stellen und die Gerichte auf zuverlässige medizinische Gutachten abstützen, um ihre Entscheide zu fällen. Besteht der Verdacht auf Fehler oder Befangenheit, müssen die entsprechenden Entscheide in ihren Augen somit neu beurteilt werden können. Die Kommission begrüsst es auch, dass der Bundesrat bereit ist, diese neue Regelung auf das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts auszudehnen. Sie wäre somit nicht nur im IVG, sondern für alle Sozialversicherungen verankert.

Die Kommission beantragt Ihnen aus diesen Gründen ohne Gegenstimme, die vorliegende Motion der Schwesterkommission anzunehmen.

Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura

Le Conseil fédéral soutient la volonté exprimée dans la motion, car il en va de la crédibilité et du bon fonctionnement de l'AI, mais également de l'ensemble des assurances sociales, car ces différentes assurances dépendent d'expertises fiables et de qualité, afin de renforcer la confiance des assurés dans le système. Pour répondre aux exigences formulées, il conviendra d'examiner si le rôle de la Commission fédérale d'assurance qualité des expertises médicales (Coqem) doit être revu, voire redéfini. Cela se fera dans le cadre de la future révision de l'AI qui est en cours d'élaboration. La Coqem agit par ailleurs pour le compte de toutes les assurances sociales - cela a été dit - et pas uniquement pour l'assurance-invalidité. C'est pourquoi il conviendra d'examiner s'il ne serait pas plus approprié et opportun d'inclure la nouvelle réglementation dans la loi fédérale sur la partie générale du droit des assurances sociales, afin que l'ensemble des assurances sociales soient concernées.

En outre, pour garantir la sécurité du droit, les possibilités de mise en oeuvre seront examinées ou devront être examinées à la lumière du principe de non-rétroactivité des lois. La nouvelle réglementation s'appliquera ainsi exclusivement aux recommandations de la Coqem qui seront émises après l'entrée en vigueur de la modification de la loi. Enfin, l'élément décisif pour la mise en oeuvre sera de fixer jusqu'à quand les effets de la nouvelle réglementation doivent remonter dans le passé. Examiner des faits datant par exemple de dix ans pose - on peut l'imaginer - de sérieux problèmes d'évaluation au regard du développement de l'état de santé de la personne.

Cependant, vu ces quelques considérations et la nécessité d'améliorer la confiance dans les expertises, je vous invite, au nom du Conseil fédéral, à accepter la motion.

Caroni Andrea · P-M · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · FDP-Liberale Fraktion

Angenommen - Adopté