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System Bologna an Fachhochschulen
Slongo Marianne · Mit-F · Ständerat · Nidwalden · Christlichdemokratische Fraktion
Es liegt kein schriftlicher Bericht vor; die Berichterstattung erfolgt mündlich. Wir behandeln diesen Vorstoss als Zweitrat. Der Bundesrat ist bereit, die Motion Randegger entgegenzunehmen. Der Nationalrat hat sie in der Frühjahrssession 2003 an den Bundesrat überwiesen.
Ihre vorberatende Kommission empfiehlt Ihnen ebenfalls, die Motion "System Bologna an Fachhochschulen" zu überweisen.
Worum geht es? Bologna - die Hauptstadt der Region Emilia-Romagna - war vor 800 Jahren ein Entstehungsort neuer Bildungskultur, weil im Jahre 1188 in Bologna die erste Universität Europas gegründet wurde. Seit der gemeinsamen Unterzeichnung durch die Bildungsminister aus 29 Staaten am 19. Juni 1999 steht der Name dieser Stadt für eine europaweite Reform im Tertiärbereich. Die Bologna-Vorgaben umfassen ein Ausweissystem über Leistungen und eine Vereinheitlichung der Abschlüsse, bezeichnet als Bachelor und Master. Auch für die Fachhochschulen unseres Landes stellt der Bologna-Prozess eine anspruchsvolle Studienreform dar, die sich an den wandelnden Bedürfnissen unserer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts orientiert. Die Erziehungsdirektorenkonferenz hat die Fachhochschulen angewiesen, ab Herbst 2005 Bachelor-Studiengänge einzuführen. Noch sind aber einige Entscheide offen, obwohl viele strategische Grundlagen von den Fachhochschulen bereits erarbeitet wurden.
Der nationale und der internationale Wettbewerb im Hochschulbereich wird auf der Master-Stufe stattfinden. Deshalb teilen wir die von der Motion formulierten Anliegen, dass das Bologna-System, mit Bachelor- und Master-Kursen, an den Fachhochschulen angeboten werden muss - dies natürlich auch mit der klaren Forderung, die internationale Anerkennung dieser neuen Studienabschlüsse im Gleichschritt mit den Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich zu erlangen.
Unsere Kommission hat in diesem Zusammenhang die Problematik der längeren Studiendauer - insbesondere an den Universitäten - diskutiert. Wie verhält sich dies mit dem Bologna-Prozess? Reformen sind unabdingbar. Das Master-Studium bedeutet eine Verlängerung des heutigen Fachhochschulstudiums und hat die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel zur Folge. Die politischen Instanzen haben sich für die wichtige Kernaufgabe Bildung und Forschung ausgesprochen. An diesen Instanzen liegt es, die zukunftsorientierten Voraussetzungen für die Fachhochschulen festzulegen. Über 60 Prozent aller Jugendlichen in der Schweiz absolvieren eine Berufslehre. Die Attraktivität dieser Berufslehren kann mit dem Besuch einer Fachhochschule gesteigert werden.
Dazu braucht es jedoch Folgendes: erstens die präzise Festlegung von klaren Kompetenzen, welche die künftigen Studienabgehenden für ihre Berufsbefähigung benötigen, zweitens den zusammenhängenden Aufbau des Fachhochschulstudiums, drittens die realistische Einschätzung dessen, was die Studierenden in der verfügbaren Zeit leisten können, und viertens eine arbeitsmarktrelevante Qualifikation in Übereinstimmung mit den durch die Wirtschaft definierten Anforderungsstrukturen.
Der Berufserfolg gründet auf einem starken Bildungsangebot. Eine verantwortungsvolle Umsetzung des Bologna-Abkommens - auch für unsere Fachhochschulen - bildet eine wichtige Voraussetzung dafür.
Namens der vorberatenden Kommission bitte ich Sie, diese Motion zu überweisen.
Maissen Theo · Mit-M · Ständerat · Graubünden · Christlichdemokratische Fraktion
Ich bin mit den Zielsetzungen dieser Motion auch einverstanden und möchte sie unterstützen. Es gibt aber gewisse Überlegungen - vor allem im Zusammenhang mit der Erklärung des Bundesrates zum Vorstoss -, die, denke ich, erwähnt werden müssen.
Wenn man mit der Zielsetzung einverstanden ist, geht es auch um die Frage, wie man diese Ziele effektiv umsetzt. Für mich ist es klar, dass die Positionierung der Fachhochschulen für die Schweiz als Bildungs-, als Forschungs- und als Wirtschaftsstandort entscheidend sein wird. Eingeleitet ist die Revision des Fachhochschulgesetzes. Die Botschaft liegt nun vor, wie wir den Pressemeldungen entnehmen konnten, und diese Revision des Fachhochschulgesetzes geht in die gleiche Richtung, wie sie auch die Anliegen dieser Motion verfolgen. Ich möchte in diesem Zusammenhang nur drei Punkte erwähnen:
1. Wenn nun der Bund im Bereich der Fachhochschulen neue Vorschriften macht, ist das das eine. Wir haben gesehen, dass die Kantone bei den Vernehmlassungen gewisse Vorbehalte hatten - vor allem in Bezug auf die Übernahme neu der Bereiche Gesundheit, Soziales und Kunst -, und zwar deshalb, weil die Kantone befürchten, dass auf der einen Seite neue Aufgaben für die Fachhochschulen geschaffen würden und auf der anderen Seite der Bund bei der Finanzierung nicht mitziehen würde. Es ist im Moment tatsächlich das Problem der Fachhochschulen, dass seitens des Bundes solche Vorgaben mit ungedeckten Mehrkosten gemacht werden. Das gilt auch im Bereich des Leistungsauftrages für die Fachhochschulen, wo unter anderem als Leistungsauftrag neben der Lehre auch angewandte Forschung und Entwicklung enthalten sind. Das ist ein sehr wichtiger Bereich für den Technologietransfer. Hier fehlt dann oft die Basis- oder Sockelfinanzierung, und da denke ich eben, dass, von den Vorschriften und Vorgaben des Bundes abgesehen, es auch unbedingt notwendig ist, dass sich der Bund dann auch bei der Finanzierung entsprechend beteiligt. Das ist für mich ein entscheidender Punkt.
2. Zum Übergang zum System Bachelor und Master: Wir wissen, dass der Bachelor vom Angebot der Lektionen her, die erteilt werden müssen, unter dem Niveau der heutigen Fachhochschulabschlüsse ist; der Master ist darüber. Der heutige Fachhochschulabschluss liegt also dazwischen. Nun besteht die Gefahr, wenn wir bezüglich der Lektionsangebote zu stark in Richtung Bachelor gehen, dass dann die Berufsqualifikation, die berufsqualifizierende Aussage dieses Titels, fehlt. Ich denke, dass hier noch einiges aufzuarbeiten ist, sodass diejenigen, die mit dem Bachelor abschliessen, effektiv auch einen berufsqualifizierenden Ausweis in der Schweiz und auch im Ausland haben. Auch hier wird es bezüglich der Finanzierung Probleme geben. Man wird in einer ersten Phase, wenn man zum Bachelor-System übergeht, weniger Lektionsangebote haben. Man wird dann an den Fachhochschulen etwas weniger Kosten haben. Das wird sich aber nach einer Übergangsphase ändern, wenn dann gleichzeitig auch das Angebot des Masters greift. Das gibt dann entsprechende Mehrkosten, weil ein Mehrangebot an Lektionen gemacht werden muss. Da sind also noch einige Fragen enthalten, die rechtzeitig angegangen werden müssen.
3. Der letzte Punkt, den ich erwähnen möchte, auch im Zusammenhang mit dem, was der Bundesrat hier in der Erklärung angeführt hat, bezieht sich auf die Optimierung des Angebotes. Es ist richtig, dass wir bei den Fachhochschulen Angebote zusammenfassen müssen, die Studienrichtungen wenigstens zum Teil konzentrieren müssen. Aber es darf nicht passieren, dass wir damit eine weitere Zentralisierung haben. Wir haben mit dem Fachhochschulgesetz erreicht, dass aus den vielen kantonalen Technikumsschulen - und wie sie alle hiessen - in der Schweiz eine Struktur mit sechs Fachhochschulen entstanden ist, die besser ist, die in Bezug auf Lehre, aber auch in Bezug auf angewandte Forschung und Entwicklung leistungsfähiger ist. Aber es darf nun nicht so weit gehen, dass wir bei der Optimierung der Angebotsstrukturen für die Peripherie, wo Fachhochschulen bestehen, die es nicht immer einfach haben, sagen: Im Sinne der Rationalisierung wird noch weiter zentralisiert.
Das sind meine drei Anliegen im Zusammenhang mit dieser Motion, die ich beim Bundesrat deponieren möchte. Ich habe gesehen, Herr Bundesrat, dass Sie nicht immer Zeit hatten zuzuhören. Ich hoffe, dass Sie dann im Amtlichen Bulletin meine Überlegungen für die weitere Bearbeitung im Sinne der Motion nachlesen.
Deiss Joseph · BR-M · Bundesrat · Freiburg
Zuerst zur Motion selber: Diese Motion wird - wenn ich so sagen darf - von den Ereignissen eingeholt, zumal der Bundesrat letzte Woche die Botschaft betreffend die Revision des Fachhochschulgesetzes verabschiedet hat und Ihr Rat der Erstrat sein wird und somit sehr wahrscheinlich schon in der Frühjahrssession über die Einführung des Bologna-Systems beraten kann. Somit ist dieses Thema nicht mehr rein auf Motionsebene, sondern aufgrund eines konkreten Vorschlages des Bundesrates vorhanden.
Herr Maissen, ich habe schon zugehört, und ich bin Ihren Anliegen gegenüber sehr aufmerksam. Sie haben vor allem auf die Frage der regionalen Bedeutung unserer Fachhochschulen hingewiesen. Der Bundesrat wird in den kommenden Tagen über die Genehmigung der Fachhochschulen einen Entscheid zu fällen haben, und dieser Entscheid wird auch gewisse Auflagen beinhalten. Ich bin auch der Meinung, dass wir die Aufgaben, die eine Schule erfüllen muss, nicht nur im rein Funktionalen des Unterrichtes und der Forschung sehen können, sondern dass solche Institutionen auch eine regionale Bedeutung haben. Auf der anderen Seite sind wir in einer finanziellen Situation, die verlangt, dass die Mittel so effizient wie möglich eingesetzt werden. Und bei den Fachhochschulen - das muss ich unterstreichen - gibt es ein Problem der effizienten Verwendung der Mittel. Wir haben zu viele Lehrgänge, die unterdotiert sind, was die Studenten- und Studentinnenzahlen anbetrifft. Das führt dazu, dass die Kosten pro Studentin oder Studenten innerhalb der Fachhochschulen höher als in anderen Lehrgängen sind, z. B. in den herkömmlichen Universitäten.
Hier geht es darum, dieses Sparpotenzial in einer Situation auszunützen, in der uns in den vier kommenden Jahren Hunderte von Millionen Franken fehlen werden. Ich bin also dezidiert dafür, mit den Kantonen zusammenzuarbeiten, um noch eine bessere Effizienz zu erreichen. Das heisst nicht, dass aufgrund dieses Sparwillens Entscheide zu treffen sind, die dann nicht sinnvoll wären, und gewisse Ausbildungen, die immer einen beschränkten Zulauf haben werden, unbedingt aufzuheben sind. In Anbetracht der sehr spärlichen, knappen Mittel müssen wir die Sparpotenziale trotzdem ausnützen. Aber Sie werden ja dann bei der Revision des Fachhochschulgesetzes Gelegenheit haben, tiefer auf diese Elemente einzugehen. Wir werden Ihre Bemerkungen, Herr Maissen, sicher mit vollem Interesse aufnehmen.
Schiesser Fritz · Mit-M · Ständerat · Glarus · Freisinnig-demokratische Fraktion
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