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«Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)» Volksinitiative und indirekter Gegenentwurf

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Le président (Page Pierre-André, président): Nous allons poursuivre le débat général sur l'initiative et traiterons également l'entrée en matière et la discussion par article sur le contre-projet indirect.

Wyss Sarah · Mit-F · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion

Nach diesen Worten, die Sie wahrscheinlich nicht gehört haben, weil Sie so laut sind, habe ich fast ein bisschen Mühe, überhaupt noch zu sprechen. Trotzdem werde ich mich ganz kurz äussern.

Niemand von uns möchte eine Energiemangellage, auch ich nicht. Aber was hier als vermeintliche Lösung vorgeschlagen wird, ist energiepolitisch, staatspolitisch und finanzpolitisch mehr als schwierig. Die Blackout-Initiative hat eine immense finanzpolitische Tragweite. Es ist absolut unseriös, mehr noch, fatal und fahrlässig, wenn die finanzpolitischen Auswirkungen einfach nicht beleuchtet werden - doch genau dies geschah, egal, ob Initiative oder Gegenvorschlag. Wir haben als Finanzkommission die UREK-N gebeten, die finanziellen Auswirkungen genauer anzuschauen und die damit verbundenen Risiken für die öffentliche Hand vorgängig zu klären bzw. die Risiken transparent auszuweisen; auch die Tragbarkeit für die öffentliche Hand sollte beurteilt werden. Dies geschah nicht.

Es ist fahrlässig - es ist fahrlässig, die finanzielle Tragweite der Blackout-Initiative zu ignorieren, und das, obwohl sich alleine die Baukosten auf defensiv geschätzt mindestens 13 Milliarden Franken belaufen. 13 Milliarden entsprechen dem Kaufbetrag von achtzig F-35-Flugzeugen; 13 Milliarden entsprechen dem Betrag für fünf Jahre Direktzahlungen an die Landwirtschaft; 13 Milliarden sind die Baukosten eines einzigen Atomkraftwerks, und dafür könnte 1300 Jahre lang der Herdenschutz vor dem Wolf gewährleistet werden.

Die Energieversorgung ist wichtig, ja, und sie wird noch zunehmend wichtiger, auch mit der Digitalisierung und dem entsprechenden Energiebedarf. Aber machen wir keinen Rückschritt unter dem Deckmäntelchen der Technologieoffenheit. Gehen wir gemeinsam in eine Zukunft mit erneuerbaren Energien, investieren wir dort.

Ich bitte Sie deshalb, zumindest den Minderheitsantrag I (Wismer Priska) zur Rückweisung und Überprüfung der finanzpolitischen Auswirkungen zu unterstützen.

Walliser Bruno · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Stellen Sie sich vor, es ist Winter, die Temperaturen sinken, die Tage sind kurz, und plötzlich fällt der Strom aus: kein Licht, keine Heizung, keine funktionierenden Kommunikationsmittel. Ein solches Szenario zeigt, wie wichtig eine sichere und zuverlässige Stromversorgung für unser Land ist. Genau deshalb müssen wir die Initiative zur Annahme empfehlen und auch dem indirekten Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative zustimmen.

Der indirekte Gegenvorschlag verfolgt ein ausgewogenes Ziel. Er stärkt die Versorgungssicherheit der Schweiz, ohne dabei unnötige Verbote oder starre Vorgaben zu beinhalten. Statt auf ideologische Lösungen zu setzen, ermöglicht er einen pragmatischen Ausbau der Stromproduktion im Inland. Die Schweiz braucht in Zukunft Strom, die Schweiz braucht in Zukunft mehr Strom. Elektroautos, Wärmepumpen und die zunehmende Digitalisierung erhöhen unseren Energiebedarf. Gleichzeitig wollen wir unabhängiger von Stromimporten werden. Der indirekte Gegenvorschlag schafft die Voraussetzungen dafür, dass zukünftig genügend Energie produziert werden kann, besonders im Winter, wenn die Versorgung am kritischsten ist.

Ein weiterer Vorteil ist die technologische Offenheit. Der indirekte Gegenvorschlag schreibt nicht eine einzige Lösung vor, sondern lässt Raum für Innovationen und neue Technologien. So können die besten und effizientesten Lösungen eingesetzt werden, um die Energieversorgung langfristig zu sichern. Zudem stärken die Initiative und der indirekte Gegenvorschlag unsere Wirtschaft. Unternehmen sind auf eine stabile Stromversorgung angewiesen. Versorgungslücken oder -unsicherheiten gefährden Arbeitsplätze und den Wohlstand unseres Landes. Damit investieren wir in eine sichere Zukunft für Bevölkerung und Wirtschaft.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Initiative und der indirekte Gegenvorschlag verbinden Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Vernunft und langfristige Planung. Sie helfen, das Risiko von Stromengpässen zu reduzieren, und sorgen dafür, dass die Schweiz auch in Zukunft zuverlässig mit Energie versorgt wird.

Darum bitte ich Sie: Empfehlen Sie nicht nur die Initiative zur Annahme, sondern stimmen Sie auch dem indirekten Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative zu.

Roth Pasquier Marie-France · Mit-F · Nationalrat · Freiburg · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

L'opposition au nucléaire est souvent une question de principe. Mais au-delà du principe, il faut parler du financement, car aucune centrale nucléaire au monde n'a jamais été construite sans le soutien de l'État. La levée de cette interdiction créerait automatiquement une pression pour obtenir des garanties de l'État et entraînerait d'énormes risques financiers pour la Confédération et les cantons en tant que propriétaires des fournisseurs d'énergie. Une analyse d'impact politique montre que l'acceptation de l'initiative et du contre-projet créerait des incertitudes susceptibles de détériorer considérablement le contexte commercial de toutes les technologies renouvelables, entraînant suspensions ou ralentissements de projets. La sécurité d'approvisionnement s'en trouverait fortement compromise. Dans le domaine hydraulique, pilier de l'approvisionnement électrique suisse, je le rappelle, avec une part avoisinant les 60 pour cent de la production, une récente étude de la HES-SO Valais-Wallis le démontre : les nouvelles centrales nucléaires ne sont pas compétitives sans subventions publiques sur de nombreuses années, mais si elles en bénéficient, elles évincent l'énergie hydraulique du marché. Les pertes de revenus calculées pour les différents types d'énergie hydraulique pourraient atteindre 1 milliard de francs par an, avec des conséquences considérables pour la sécurité d'approvisionnement et les régions de montagne. Le Valais, le Tessin et les Grisons seraient particulièrement touchés puisqu'ils dépendent fortement des revenus issus de l'énergie hydraulique, mais ce serait également le cas de Berne, Argovie ou Saint-Gall.

L'Agence internationale de l'énergie atomique ne dit pas autre chose. La rentabilité des nouvelles centrales nucléaires suppose un prix de l'électricité bien supérieur au prix actuel du marché. Pour couvrir les coûts de production élevés, un financement en dehors du marché est indispensable, avec un mécanisme étatique de prix garantis. Or, ce sont ces garanties qui faussent le marché et affaiblissent les secteurs existants, tels que les centrales hydroélectriques. C'est en cela que de nouvelles centrales nucléaires représentent un risque coûteux et menacent les acteurs locaux et le secteur de l'énergie hydraulique. C'est pourquoi, en plus de se demander comment assurer l'approvisionnement électrique futur de la Suisse, il faut absolument s'interroger sur l'impact de ces choix sur la valeur économique d'autres actifs du système électrique suisse. Ce n'est pas pour rien que la Conférence des directeurs cantonaux de l'énergie est très réticente face au contre-projet et demande qu'un état des lieux stratégique et technique, de même qu'une définition des conditions-cadres telles que le financement et les procédures d'autorisation, soient faits avant toute décision de levée de l'interdiction de nouvelles centrales nucléaires. C'est, enfin, dans la même direction que va la Commission des finances, qui demande que les modalités de financement et les risques financiers soient présentés de façon concrète et transparente.

Voulons-nous vraiment mettre en péril le pilier de notre approvisionnement électrique et freiner le développement fulgurant des énergies renouvelables ? Nous risquerions alors de glisser vers une pénurie d'approvisionnement.

Bühler Manfred · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Chère collègue, vous prétendez qu'il faudrait un prix de reprise garanti pour l'électricité produite par les nouvelles centrales nucléaires et que ce n'est pas bien. Mais combien d'éoliennes fonctionnent en Suisse sans prix de reprise très élevé garanti par l'État ?

Roth Pasquier Marie-France · Mit-F · Nationalrat · Freiburg · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Aujourd'hui, on doit justement développer ces énergies renouvelables, dont le coût est plus bas que si l'on devait financer de nouvelles centrales nucléaires.

Hess Erich · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Die Unabhängigkeit ist nicht nur politisch wichtig. Die Schweiz muss politisch unabhängig bleiben, und auch bei der Energie müssen wir so weit wie möglich unabhängig sein von der Europäischen Union. Wir brauchen deshalb zwingend zuverlässig und genügend Strom. Zuverlässig und genügend Strom zu haben, ist nur über zwei Quellen möglich. Die erste Quelle ist die Wasserkraft, die wichtigste Quelle. Die zweite Quelle ist die Kernkraft.

Die Rot-Grünen kämpfen gegen beide Energiequellen massiv an. Will man irgendwo eine Staumauer um ein paar Meter erhöhen, erheben sie mit ihren Verbänden Einsprachen und blockieren alles. Hier kämpfen sie gegen die zuverlässigste Energie, die wir nach der Wasserkraft haben. Ich denke manchmal, die Rot-Grünen wollen zurück in die Steinzeit. Wenn wir plötzlich zu wenig Strom haben, könnte uns ein komplettes Blackout über mehrere Wochen drohen. Die Kernkraft würde uns guten Bandstrom liefern, damit eben kein Blackout entstehen würde.

Man darf kein Technologieverbot haben. Sie haben das bei verschiedenen Themen versucht; auch beim Verbrennungsmotor versuchen sie immer wieder, ein Technologieverbot einzuführen. Es muss sich immer die effizienteste Technologie durchsetzen. Und es ist nicht so, wie auf der linken Seite immer behauptet wird, dass die Kernkraft unsicher ist. Sie ist eine der sichersten Energien weltweit. Stellen Sie sich vor, die Grimselstaumauer würde brechen. Dies hätte viel mehr Todesopfer zur Folge, als wenn sich ein Unfall in einem Kernkraftwerk ereignen würde.

Sie sehen, nicht alles ist in den gleichen Dimensionen, so auch bei der Finanzierung. Wir sprechen hier aber nicht von der Finanzierung, wir sprechen hier nur davon, dass wir ein Technologieverbot aufheben wollen. Frau Nationalrätin Wyss hat vorhin nur über die Finanzen gesprochen und einen ganz komischen Vergleich mit dem Herdenschutz gemacht, der überhaupt keinen Zusammenhang zur Stromproduktion hat.

Ich bitte Sie, für unsere zukünftigen Generationen einen Schritt zu wagen, damit wir auch in Zukunft genügend zuverlässigen Strom haben. Heute haben wir an sonnigen Tagen genug Strom, im Winter zu wenig. Heute bekommt man an einem sonnigen Tag im internationalen Markt Geld, wenn man Strom verbraucht, und im Winter bezahlt man hohe Preise.

Wir wollen eine sehr zuverlässige Stromversorgung für die Schweiz garantieren, das ist unsere Aufgabe.

Ich bitte Sie deshalb, einen klugen Entscheid für die Unabhängigkeit unserer Stromversorgung zu treffen.

Chollet Clarence · Mit-F · Nationalrat · Neuenburg · Grüne Fraktion

En 2017, le peuple suisse a tourné une page de son histoire énergétique : avec 58 pour cent des voix, il a décidé de ne plus construire de nouvelles centrales nucléaires et d'investir dans les énergies renouvelables. C'était un choix clair, un choix démocratique, un choix tourné vers l'avenir. Neuf ans plus tard, le Conseil fédéral et une majorité de ce Parlement veulent revenir sur cette décision populaire. Pourquoi ? Au nom de la sécurité d'approvisionnement. Le Conseil fédéral et la droite prétendent répondre au risque d'une pénurie d'électricité en rouvrant la porte au nucléaire. Pourtant, aucune nouvelle centrale ne produira le moindre kilowattheure avant plusieurs décennies. Personne, même, n'est en mesure de dire si une telle centrale sera un jour construite. Car aujourd'hui, aucun acteur n'est prêt à investir dans une technologie aussi coûteuse, aussi risquée et aussi incertaine. Et quand bien même un projet émergerait, où serait-il construit, dans un pays où l'implantation de quelques éoliennes suscite déjà des oppositions considérables ?

On nous promet davantage d'indépendance énergétique ; c'est une illusion. Remplacer une dépendance au pétrole par une dépendance à l'uranium ne nous rend pas plus souverains. La véritable indépendance consiste à produire notre énergie ici, en Suisse, grâce à notre soleil, nos cours d'eau et notre vent. Et que dire des déchets radioactifs ? Aucune réponse convaincante n'est apportée à cette question, alors même que la gestion des déchets issus des centrales actuelles représente déjà un défi immense. Nous reportons ce problème sur les générations futures pour notre prétendu confort d'aujourd'hui.

Rouvrir la voie nucléaire, c'est affaiblir le tournant énergétique engagé par notre pays. Chaque franc investi dans le nucléaire est un franc qui ne l'est pas dans les énergies renouvelables. Pourtant, elles ne sont pas seulement plus propres, elles sont démocratiques, décentralisées et elles renforcent notre autonomie. Le mix énergétique présenté dans notre stratégie énergétique est crédible. Le concrétiser est possible. Notre hydraulique constitue déjà le pilier de notre approvisionnement. Les autres énergies renouvelables sont complémentaires pour fournir le reste. Tout cela en toute autonomie, sans subir les conséquences des guerres et autres crises géopolitiques.

Le projet qui nous est proposé repose sur des bases particulièrement fragiles, et de nombreuses questions sont laissées sans réponse. Quels seront les coûts réels ? Qui payera ? Quel impact ce projet aura-t-il sur le développement des énergies renouvelables ? Que ferons-nous des déchets ? Autant de questions fondamentales auxquelles le Conseil fédéral n'apporte aucune réponse sérieuse.

Et puis, il y a la question du risque. Avons-nous déjà oublié Tchernobyl, Fukushima ? À l'heure où les tensions géopolitiques se multiplient, où les cyberattaques se perfectionnent et où les événements climatiques extrêmes deviennent plus fréquents, comment peut-on prétendre qu'une centrale nucléaire est une infrastructure sûre ? Les événements récents autour de la centrale nucléaire de Zaporijia nous rappellent que le risque nucléaire n'est pas une crainte lointaine.

Aujourd'hui, le Conseil fédéral nous propose un contre-projet qui est un copier-coller de l'initiative populaire Stop au blackout. C'est un énorme déni de démocratie. Non seulement on veut annuler une décision populaire claire, mais en plus on veut le faire de manière malhonnête. Ce contre-projet n'est acceptable ni dans sa forme ni dans son fond. Le vrai débat n'oppose pas le nucléaire au blackout. Il oppose deux visions de l'avenir : d'un côté, une technologie centralisée, coûteuse, dépendante de ressources importées et porteuse de risques que nous léguerons aux générations futures ; de l'autre, un système fondé sur des énergies renouvelables, l'efficacité énergétique, le stockage et l'innovation. La Suisse a choisi cette voie en 2017. Elle reste aujourd'hui la plus sûre, la plus durable et la plus cohérente. Nous n'avons aucune raison de faire marche arrière. Je vous invite donc à recommander le rejet de cette initiative et à refuser son contre-projet.

Gaillard Benoît · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion

Nous nous prononçons - aujourd'hui, j'espère - sur une initiative dont le titre est déjà en lui-même une tromperie. Ce titre vise à nous faire croire que revenir au nucléaire est non seulement possible, mais souhaitable. Et surtout, il vise à faire passer l'énergie atomique pour une garantie d'autonomie et de stabilité d'approvisionnement du pays. Cela ressemble à une mauvaise blague, Mesdames et Messieurs, parce que, déjà, il n'y a pas d'uranium en Suisse, si je dois vous l'apprendre, et que le nucléaire nous rend donc dépendant d'importations permanentes. Mais c'est surtout une mauvaise blague, parce que cette initiative créerait le contraire de la stabilité. Elle sèmerait le trouble, et mettrait, si vous me passez l'expression, un souk sans précédent dans notre politique énergétique.

À cette première tromperie, le Conseil fédéral et la majorité de la commission, je le regrette, en ont ajouté deux. D'abord, l'idée qu'un contre-projet qui a exactement la même fonction que l'initiative puisse porter le titre de contre-projet. Or, ce contre-projet est probablement pire que l'initiative, parce qu'il ne fait que lever l'autorisation de construire, sans même donner à qui que ce soit de nouvelles responsabilités en matière d'approvisionnement, ce qui était au moins un avantage du texte constitutionnel. C'est donc le contre-projet de Ponce Pilate : un contre-projet qui se lave les mains des conséquences de ce qu'il propose.

Tromperie suivante : celle qui consiste à faire croire que le fait d'autoriser à nouveau la construction de centrales nucléaires n'est finalement qu'une manière de faire preuve de cette fameuse neutralité technologique qui semble tellement à la mode, alors qu'il s'agit d'un pur et simple sabotage. Oui, parfaitement, d'un sabotage de la feuille de route existante en matière d'approvisionnement énergétique. Cette feuille de route figure dans nos lois, et sa mise en oeuvre a été plusieurs fois validée par des votations populaires. Tant l'initiative que le contre-projet auraient pour effet principal de déstabiliser massivement les conditions-cadres, d'insécuriser tous les acteurs de la politique énergétique pour des années, et donc de ralentir la réalisation de la stratégie énergétique suisse dont le peuple a passé commande auprès de nous, le Parlement, et des acteurs de l'énergie suisse. Dans une merveilleuse prophétie autoréalisatrice qu'on voit déjà venir, on nous dira ensuite, dans quelques années : "Vous voyez bien que ça ne marche pas, vos histoires de renouvelables, dont on a bien déstabilisé les conditions-cadres ! Maintenant, il va falloir passer de l'interdiction du nucléaire au lancement de premiers projets."

La feuille de route pour un approvisionnement qui respecte l'environnement et le climat - pour citer le texte de l'initiative - est connue. Elle est claire, elle a reçu l'aval de la population. Elle consiste à développer nos capacités hydrauliques, à poursuivre le développement du solaire, à avoir le courage de l'éolien, qui apporte un complément bienvenu, et à travailler vite et bien sur le stockage et sur les sécurités contre les éventuelles lacunes temporaires. La preuve par l'acte a été apportée : nous avons arrêté d'exploiter la centrale de Mühleberg sans que cela ne conduise en moyenne à une augmentation de nos importations d'électricité.

Ce qui manque, ce n'est donc pas cet acte de sabotage politique. Ce qui manque, ce sont des autorités qui ne se contentent pas de regarder passer les électrons, de tenir le procès-verbal des difficultés - réelles, indéniables - pour concrétiser cette stratégie. C'est un Conseil fédéral qui monte au créneau et qui, matin, midi et soir, à la façon d'un général de l'électricité - si je peux me permettre cette pique à l'UDC - montre la voie et fait avancer les projets. Ce qui manque, ce sont des autorités courageuses, qui expliquent que les énergies renouvelables qui progressent, même lorsqu'elles sont un peu visibles, même lorsqu'une éolienne modifie le paysage, même lorsqu'un toit est couvert de panneaux solaires, même lorsqu'un rehaussement de barrages modifie le fond d'une vallée, ce n'est pas un désastre ; c'est la Suisse de demain qui se bâtit, celle qui se nourrira de courants propres, qu'elle contrôle elle-même, et qui maintiendra cet avantage immense qu'est l'énergie hydroélectrique propre, souveraine, que nous devons aux générations qui nous ont précédés.

Mettons en oeuvre ce programme, qui est aussi un mandat populaire. Ne l'affaiblissons pas, ne le contredisons pas, ne créons pas nous-mêmes, je vous en conjure, les conditions de son échec. Refusons ces deux textes et mettons-nous au boulot.

Bühler Manfred · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Cher collègue, vous dites que le nucléaire n'est pas bien parce qu'il nécessite d'importer de l'uranium - ce qui est un fait. D'où viennent l'acier des éoliennes, le silicium, les terres rares et tous les matériaux qui composent les panneaux solaires que vous portez aux nues ? Sont-ils intégralement produits en Suisse ?

Gaillard Benoît · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion

Il ne vous aura pas échappé deux choses, cher collègue Bühler. La première, c'est qu'il y a une maîtrise technologique qui ne peut pas se substituer dans le domaine de l'uranium. C'est-à-dire qu'on serait capable de faire des panneaux solaires chez nous, et je regrette qu'on les importe massivement aujourd'hui. Deuxièmement, vous avez raison, au moment de la construction, il y a des éléments de dépendance. Mais une fois que le système est installé chez nous, vous connaissez sa durée de vie, elle va bien au-delà des réserves d'uranium que l'on peut constituer. Il a été dit par des orateurs précédents que ce qui est bien avec l'uranium, c'est que l'on peut faire des réserves pour trois à quatre ans. Très bien. La durée de vie d'un panneau solaire, la durée de vie d'un barrage, la durée de vie d'une éolienne, même s'il y a effectivement des éléments importés, est bien plus longue. Les tenants de la souveraineté et de l'autonomie doivent donc voter contre le contre-projet, et évidemment recommander le rejet de l'initiative.

Pahud Yvan · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Cher collègue, vous avez évoqué les éoliennes. Je suis le syndic de la commune de Sainte-Croix qui a le premier parc éolien vaudois. Il était prévu que ce parc produise 22 gigawattheures. La première année, il en a produit 20. L'année passée, il en a produit 19. Quelle est votre position sur une énergie qui ne remplit pas ses objectifs ?

Gaillard Benoît · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion

La même position que tous les Suisses qui mènent des projets : ces derniers ne doivent pas être jugés sur la base des deux premières années, mais sur la durée. Les chiffres que vous avez évoqués, dans le domaine de l'énergie, sont complètement dans le spectre de ce qu'on peut admettre comme variation. J'aurais une contre-question à vous poser. Vous avez entendu ma réponse : pour moi, il s'agit là d'un spectre de variation normale qui implique une conclusion, c'est qu'on doit faire davantage. (Remarque intermédiaire du président : Monsieur Gaillard, vous ne pouvez que répondre aux questions.) Dans ma commune de Lausanne, on a voté pour un parc éolien. J'aurais une question pour vous à laquelle vous ne pourrez pas répondre : si, l'année prochaine, les éoliennes de Sainte-Croix produisent 23 gigawattheures, est-ce que vous direz que c'était une bonne idée, un bon projet ?

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Le président (Page Pierre-André, président): Monsieur Gaillard, vous ne pouvez que répondre brièvement à des questions, mais ce n'est pas votre rôle d'en poser. Vous pouvez le faire bilatéralement, après votre prise de parole, mais pas ici à la tribune. Je vous remercie. (Hilarité)

Stämpfli Fabienne · Mit-F · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion

Seit ich denken kann, beschäftigen uns die Folgen des Reaktorunfalls von Tschernobyl. Und vor 15 Jahren erschütterte die Katastrophe von Fukushima die Welt. Die Schweizer Bevölkerung hat daraufhin mit der Energiestrategie 2050 einen klaren Richtungsentscheid getroffen und diesen Weg seither mehrfach bestätigt. Auch aktuelle Befragungen zeigen, dass eine grosse Mehrheit hinter dem Ausbau der Solarenergie und der Wasserkraft steht.

Neue Atomkraftwerke sind keine Antwort auf die Herausforderungen unserer Energiezukunft. Sie kommen zu spät, sind zu teuer und setzen auf eine Technologie, die längst von flexibleren und günstigeren Lösungen überholt worden ist. Selbst wenn heute ein Neubau beschlossen würde, würde er erst in vielen Jahren oder Jahrzehnten Strom liefern, zu einem Zeitpunkt, an dem wir die Energiewende längst umgesetzt haben müssen.

Auch die Sicherheitsfragen bleiben ungelöst. Das betrifft nicht nur den Betrieb der Anlagen selbst, sondern auch den Schutz vor Angriffen und Terrorismus sowie die Verantwortung für die sichere Lagerung radioaktiver Abfälle über Jahrtausende hinweg. Wer neue AKW fordert, muss Antworten auf diese Risiken liefern, Antworten, die bis heute fehlen. Hinzu kommt die ungeklärte Finanzierung, sowohl bezüglich der Frage, wer die Investitionen für den Bau und Betrieb eines neuen AKW tragen würde, als auch bezüglich der Haftungsfrage im Katastrophenfall. Das finanzielle Risiko wird so oder so die Allgemeinheit zu tragen haben.

Die Zukunft unseres Stromsystems ist nicht starrer Bandstrom aus Grosskraftwerken. Die Zukunft ist erneuerbar, dezentral und flexibel. Sie basiert auf einer intelligenten Vernetzung von Produktion, Speicherung und Verbrauch. Genau dafür steht die 4-E-Strategie der GLP: Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Europa. Sie verbindet Klimaschutz mit Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit und zeigt den Weg zu einer klimafreundlichen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung auf. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Technologie uns an die Vergangenheit erinnert, sondern welche Lösungen die Herausforderungen der Zukunft bewältigen.

Deshalb lehne ich die Blackout-Initiative und den Gegenvorschlag ab.

Molina Fabian · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Während wir heute über den Bau neuer Atomkraftwerke diskutieren, lohnt sich ein Blick ins europäische Ausland. Seit dem Jahr 2000 gingen in Europa lediglich fünf neue Atomkraftwerke ans Netz, vier davon in Russland. In derselben Zeit legte man dreissig AKW still. Das geschah aus gutem Grund: Neue Atomkraftwerke sind nicht nur gefährlich, wie ein Blick in die Ukraine zeigt, wo das Atomkraftwerk Saporischschja, während wir hier diskutieren, von russischen Drohnen mit potenziell katastrophalem Ausgang bedroht ist, sondern sie sind auch äusserst teuer. Der Bau des 2023 in Finnland in Betrieb genommenen einzigen neuen Atomkraftwerkes in Westeuropa seit dem Jahr 2000, Olkiluoto 3, dauerte rund zwanzig Jahre und kostete etwa 11 Milliarden Euro. Aufgrund der hohen Kosten wird sich das finnische AKW frühestens in vierzig Jahren amortisieren. Zum Vergleich: Eine Fotovoltaikanlage amortisiert sich heute in der Schweiz nach rund zehn Jahren.

Erneuerbare Energien sind heute nicht nur deutlich günstiger als AKW, sie sind auch dezentral organisiert, krisenfest und rasch einsetzbar. Während das für den Betrieb von AKW erforderliche Uran nahezu vollständig aus Ländern ausserhalb Europas stammt, oft aus politisch fragwürdigen Staaten, lassen sich erneuerbare Energien aus Rohstoffen herstellen, die bei uns im Überfluss verfügbar sind. Während Atomkraft die Abhängigkeit von Autokratien verstärkt, reduzieren erneuerbare Energien die Auslandabhängigkeit.

Und die Erneuerbaren funktionieren. Bereits heute decken sie 65 bis 70 Prozent der inländischen Stromproduktion. Wenn wir dieses Tempo beibehalten, kann die Schweiz bis 2050 ihren Energiebedarf nahezu vollständig mit erneuerbarem Strom decken. Voraussetzung ist jedoch, dass wir den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen und beschleunigen.

Genau hier setzt diese Initiative zur Atomkraft an. Kippt die Schweiz das Neubauverbot bereits jetzt, entsteht für mehrere Jahrzehnte eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Zudem werden Milliarden von Franken an Steuergeldern für Planung, Versicherung und Neubau von gefährlichen AKW aufgewendet, die beim Ausbau der Erneuerbaren fehlen.

Es geht bei dieser gefährlichen und unnötigen Initiative um nichts mehr und nichts weniger als eine klima- und friedenspolitische Weichenstellung. Sollen wir unser Land einem milliardenteuren Atomexperiment mit ungewissem Ausgang aussetzen, unsere Abhängigkeit von Kriegsherren und Autokraten erhöhen und unser Land über Zehntausende von Generationen mit atomarem Abfall belasten? Oder wollen wir die Handbremse beim Zubau der Erneuerbaren endlich lösen und unsere Energieversorgung nachhaltig von der Auslandabhängigkeit befreien?

Ich bitte Sie, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und auch den Gegenvorschlag abzulehnen.

Ryser Franziska · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion

Wenn wir etwas in unserem Leben brauchen, dann ist es Energie: damit unsere Verkehrssysteme funktionieren, Verwaltungen arbeiten, Produktionsstätten laufen und Lieferketten funktionieren. In der Vergangenheit haben wir uns wenig Gedanken machen müssen, woher diese Energie kommt. Sie war einfach da, verfügbar und günstig. Wir haben sie genutzt und damit unsere Städte gebaut, die Landschaft kultiviert, Autos und Flugzeuge betrieben und Wohlstand geschaffen. Doch die Welt hat sich verändert, und die Frage, woher unsere Energie kommt, wie nachhaltig sie erzeugt wird und wie viel wir verbrauchen können, ist zu einer der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit geworden.

Angesichts des Klimawandels und der geopolitischen Spannungen ist es unsere grosse Aufgabe, die Energiewende zu schaffen, denn sie ist der Schlüssel zur Unabhängigkeit und zur Erreichung unserer Klimaziele. Wir haben dafür gute Voraussetzungen.

Erstens sind unsere Landschaften - die Berge, Seen, Wälder, Wiesen um uns herum - die Ressourcen für die Energiewende der Zukunft. So wie sich Generationen vor uns die Natur für ihre Zwecke nutzbar gemacht haben, werden heute Sonnenkollektoren gebaut und Windmühlen in die Landschaften integriert; so werden die vom Menschen geprägten Landschaften mit einem Abdruck unserer heutigen Zeit weiterentwickelt.

Zweitens sind unsere Sicherheit und Stabilität zu nennen: In der Schweiz sind wir es gewohnt, dass Züge pünktlich fahren, Regale gefüllt sind, Bankautomaten funktionieren. Diese Stabilität gibt uns Vertrauen und das Gefühl, dass wir im Notfall für uns selbst sorgen können. Aber diese Sicherheit ist brüchig, solange wir auf Energieimporte angewiesen sind. Nicht nur Gas und Erdöl stammen aus dem Ausland, sondern auch Uran - mehrheitlich aus autokratischen Staaten. Wahre Sicherheit gewinnen wir nur mit Energien, die wir hier bei uns nutzbar machen können: Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme - das sind die Heimatenergien, auf die wir bauen müssen.

Drittens ist unsere Innovationskraft zu nennen: Wir sind Weltmeisterin in Bildung, Forschung und Entwicklung. Genau das brauchen wir jetzt, denn unser Energiesystem steht vor einem historischen Wandel, es geht weg von alter, statischer, zentral produzierter Bandenergie, hin zu flexiblen, dynamischen, dezentralen Anlagen. Das ist keine Bedrohung, sondern eine Chance - eine Chance, unser Land moderner, unabhängiger und nachhaltiger zu machen.

Wir haben in der Schweiz also die besten Voraussetzungen für die Energiewende. Umso unverständlicher sind die Störmanöver der Atomlobby. Neue AKW sind keine Lösung, sie sind viel zu teuer und müssten massiv subventioniert werden, um mit den Marktpreisen von Solar- und Wasserstrom mithalten zu können. Ein Neubau ginge frühestens nach 2050 ans Netz. Bis dahin müssen wir die fossilen Energieträger und AKW, deren Betriebszeit ausgelaufen ist, sowieso ersetzt haben. Diese Voraussetzungen sind so unattraktiv, dass gar niemand in ein neues AKW investieren will.

Weshalb diskutieren wir dann heute über eine solche Initiative und einen Gegenvorschlag, der am Ende des Tages gar kein neues AKW bringen kann? Diese Initiative hat ein Ziel: davon abzulenken, was wir eigentlich tun müssen, um die Energieversorgung zu sichern, nämlich geeignete Dächer und Fassaden mit Solarpanels bestücken, Geräte effizienter machen und Strom lokal produzieren. Mit dem leeren Versprechen von neuen AKW wollen die Initianten die Bereitschaft der Bevölkerung schwächen, ihren Beitrag zu leisten. Wieso soll ich noch privat in eine Fotovoltaikanlage investieren, wenn bald ein neues AKW kommt? Diese Zweifel wollen sie mit ihrer Initiative wecken. So sabotiert die Atomlobby die Energiewende, und deshalb ist diese Initiative so brandgefährlich: für unsere Versorgungssicherheit, für die Erreichung unserer Klimaziele und für die Energiewende.

Wir dürfen uns nicht täuschen lassen: Die Atomkraft ist eine Energie aus der Vergangenheit. Die Zukunft ist grün, sicher, erneuerbar. Wir haben es in der Hand, eine echte Zukunft zu schaffen und die Energiewende umzusetzen.

Der erste Schritt dazu ist, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den Gegenvorschlag abzulehnen.

Knutti Thomas · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Kollegin Ryser, Sie haben nun das Hohelied auf die Sonne und auf Solaranlagen gesungen. Ist es nicht ein Widerspruch der grünen Politik, wenn Sie die Verschandelung unserer Landschaft mit alpinen Solaranlagen zulassen wollen? Wäre es nicht zielführender, in AKW zu investieren?

Ryser Franziska · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion

Besten Dank für die Frage, geschätzter Herr Kollege. Tatsächlich ist die Solarenergie das grosse, ungenutzte Potenzial, das es in der Schweiz gibt. Wenn wir uns die Energieperspektiven anschauen, dann sehen wir, wo wir in der Schweiz ein grosses Potenzial zur zusätzlichen Stromproduktion haben: bei der Solarenergie.

Die Frage, wo wir diesen Solarstrom erzeugen, ist eine berechtigte Frage. Wir haben in der Schweiz bereits so viel unserer Landschaft verbaut und zubetoniert. Wir haben die Häuser, wir haben die Infrastrukturbauten, und genau da müssen wir ansetzen. Auf den Dächern, an den Fassaden, entlang der Autobahnen, an den Staumauern und über den Parkplätzen können wir die Solarenergie produzieren, die wir brauchen. Mit den entsprechenden Speichern können wir sie dann zu dem Zeitpunkt nutzen, an dem wir sie brauchen.

Wenn es noch einzelne alpine Solaranlagen zur Deckung der Winterstromlücke braucht, dann gibt es Orte, an denen sie sich sinnvoll realisieren lassen. Das ist nämlich dort, wo bereits heute Infrastruktur vorhanden ist, wo es bereits heute Erschliessungen und Stromleitungen gibt und wo heute beispielsweise eine Nutzung für touristische Anwendungen stattfindet. Wenn Sie dort zusätzlich alpine Solaranlagen bauen, kann das im Winter einen zusätzlichen Beitrag bedeuten.

Huber Alois · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Liebe Kollegin Ryser, Sie haben soeben vom Bau von Stauseen gesprochen. Können Sie mir sagen, wer in der Vergangenheit konsequent gegen Staumauern war, dagegen protestierte und ein Staumauerverbot forderte? Wer war das?

Ryser Franziska · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion

Geschätzter Herr Kollege, ich kenne nicht die ganze Geschichte, ich kenne nur die Geschichte der Grünen. Daher kann ich Ihnen versichern, dass die Grünen keinerlei Einsprachen oder Prozesse gegen Staumauern vorangetrieben haben. Im Gegenteil: Wir haben anlässlich des runden Tischs zur Wasserkraft entschieden, dass wir diese Projekte mittragen. Aber ich würde Ihnen eine andere Ansprechperson empfehlen. Vielleicht können Sie das Gespräch mit unserem ehemaligen Kollegen, Herrn alt Nationalrat Fluri von der FDP, suchen und herausfinden, wie er sich zu dieser Frage äussert und was seine Organisation genau darüber denkt.

Giezendanner Benjamin · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Die Schweiz steht ganz bestimmt vor einer energiepolitischen Herausforderung, womöglich vor der grössten energiepolitischen Herausforderung ihrer Geschichte. Es gilt nämlich, die fossilen Energieträger abzulösen und Strom zu fördern. Wärmepumpen, Elektroheizungen, Elektrofahrzeuge, aber auch industrielle Prozesse, welche dekarbonisiert werden, werden die Abhängigkeit von Strom massiv erhöhen. Der Stromanteil am gesamten Primärenergieanteil wird bis 2050 von 27 auf über 50 Prozent zunehmen. Die entscheidende Frage ist also heute, woher dieser Strom stammen soll, insbesondere im Winterhalbjahr.

Die Schweiz hat heute eine relativ hohe Stromabhängigkeit, aber die meisten Quellen befinden sich in unserem Land - mit Kernkraft, mit Wasser, ja sogar mit Fotovoltaikanlagen. 2032/33 werden die Blöcke 1 und 2 von Beznau ausser Betrieb gestellt. Sie können sich vorstellen, dass da Terawattstunden an Strom fehlen werden. Die Elcom hat bereits gesagt, dass wir für die Stromversorgung Reservekapazitäten mit einer Leistung von 700 bis 1400 Megawatt benötigen werden, welche dann wahrscheinlich dauernd laufen werden. Zum Vergleich: Beznau 1 und 2 erbringen zusammen etwa 700 Megawatt Leistung. Bei einer Leistung von 1400 Megawatt sprechen wir schon von Leibstadt. Wir müssen uns heute also die Frage stellen, wie wir diese Energie produzieren können. Unsere Nachbarländer werden im Winterhalbjahr, sollten sie eine Knappheit haben, den Strom mit Sicherheit nicht in unser Land liefern, sofern dies physikalisch überhaupt möglich ist. Wir werden auf uns selbst gestellt sein. Insbesondere haben wir auch gar nicht die Leitungen, um derart grosse Kapazitäten zu gewährleisten.

Wir müssen uns also fragen, woher dieser Strom zukünftig stammen soll. Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, so habe ich von meiner Vorrednerin, von Ihnen, gehört, sei das grosse Potenzial. Weshalb drosseln wir dann bei der Fotovoltaik in vielen Gemeinden und Städten im Sommerhalbjahr bereits auf 70 Prozent runter? Weshalb können wir diesen Strom nicht mehr brauchen? Weil er minderwertig ist. Er hat nicht gleich viel Wert wie der Bandstrom aus Kernkraft, aus Wasserkraft oder sogar aus Windkraft.

Wenn wir bei der Windkraft sind: Wo stehen wir heute? Wir haben heute 0,2 Terawattstunden Strom pro Jahr aus der Windkraft. Wir sollten 2030 aber über 2 Terawattstunden erreichen. Das ist unmöglich, das ist illusorisch. Hier sollten wir uns fragen, was in unserer Verfassung steht; Sie alle haben darauf geschworen oder gelobt. Da steht nämlich, dass Bund und Kantone verpflichtet sind, eine ausreichende, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung zu gewährleisten. Wenn wir heute nicht darüber sprechen, wie wir dies 2035 gewährleisten wollen, machen wir einen entscheidenden Fehler. Glauben Sie mir, der Markt wird die Versorgungssicherheit nicht gewährleisten. Dafür braucht es politische Entscheide, und die können wir heute mitunter fällen.

Wir müssen auch ehrlich sein: Wir werden in diesem Land Gaskraftwerke brauchen. Wir werden den Wegfall der Kernenergie aus Beznau 1 und 2 sowie den wachsenden Strombedarf sonst nicht bewältigen können. Es wird Gaskraftwerke brauchen. Ich möchte Sie auf der linken Seite einfach daran erinnern, woher das Flüssigerdgas schlussendlich stammt. Das werden nicht regenerative Energieformen sein; nein, es stammt aus Katar, aus Amerika und ist ganz bestimmt nicht mit unseren CO2-Zielen vereinbar.

Deshalb bitte ich Sie, dem Gegenentwurf sowie der Blackout-Initiative zuzustimmen, denn am Schluss müssen wir drei Fragen beantworten: Die erste Frage ist, wie wir unser zukünftiges Stromsystem gewährleisten wollen. Die zweite Frage ist, wie wir im Winter genügend Energie gewährleisten wollen, damit es in den Haushalten warm wird. Und die dritte Frage ist, ob wir ein Stromsystem wollen, mit dem wir europaweit, ja weltweit in der Industrie und im Gewerbe konkurrenzfähig sind, nämlich mit preiswertem Strom, mit CO2-armem Strom. Dafür braucht es womöglich auch Kernenergie.

In diesem Sinne danke ich Ihnen, dass Sie diese zwei Anträge unterstützen.

Rosenwasser Anna · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Als eines der Ratsmitglieder, die am längsten von der Zukunft betroffen sein werden, ist es mir ein Anliegen, über Atomkraftwerke zu reden. Denn darum geht es bei der Blackout-Initiative im Kern. Sie will neue Atomkraftwerke, und der Gegenvorschlag will das auch. Das ist undemokratisch. Mehrere Volksentscheide haben das AKW-Verbot gestützt. Das ist nicht lange her; daran können wir uns alle erinnern, wenn wir uns denn erinnern wollen. Ich war noch nicht auf der Welt, als sich die Katastrophe in Tschernobyl ereignete, aber an Fukushima erinnern sich selbst die Millennials in diesem Saal. Der Bundesrat spurte nach der Katastrophe 2011 in Fukushima für die Energiestrategie 2050 vor, und das Stimmvolk besiegelte 2017 den Atomausstieg. 2024 wurde das Stromversorgungsgesetz mit fast 70 Prozent angenommen. Demokratisch gesehen bauen wir also keine neuen AKW, sondern wir verabschieden uns davon.

Aber ja, seither hat sich einiges verändert. Viele Menschen machen sich Sorgen, ob der Strombedarf in unserem Land langfristig gedeckt ist. Dieses Anliegen hat es verdient, dass wir ihm mit Fakten begegnen. Fakt ist: AKW stossen über ihre ganze Lebensdauer pro Kilowattstunde immer noch zweieinhalb- bis zehnmal mehr CO2 aus als Solar- und Wasserkraft. Fakt ist, dass wir keine Lösung für den Atommüll haben, keinen Platz für ein zusätzliches Endlager. Und Fakt ist: Unseren nationalen Stromverbrauch vorauszusagen, ist schwierig.

Beim Gegenvorschlag war das Argument zentral, dass KI-Rechenzentren bis zu 15 Prozent des gesamten Schweizer Stroms verbrauchen würden. Kein Jahr später wurde diese Zahl massiv nach unten korrigiert. Den Stromverbrauch unseres Landes vorauszusagen, ist Kaffeesatz lesen. Es wäre unehrlich, so zu tun, als wüssten wir es genau. Die Notwendigkeit von neuen Atomkraftwerken ist schlicht unklar. Aber Unklarheit ist politisch schwerer zu verkaufen.

Wo wir gerade beim Kaufen sind: Ein Neubau eines AKW der neuesten Generation kostet bis zu 25 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Damit könnten wir jedes geeignete Hausdach der Schweiz mit Fotovoltaik bestücken und damit wiederum mehr als doppelt so viel Strom produzieren wie alle momentan laufenden Atomkraftwerke zusammen. Investieren wir diese riesige Summe in neue AKW, fehlt uns das Geld an einem anderen Ort, nämlich bei den Erneuerbaren, bei ökologisch nachhaltigen Optionen. Und es ist höchste Zeit, dass wir uns wieder daran erinnern, was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet, werte Kolleginnen und Kollegen der SVP.

Der Bedarf ist also unklar, der Kostenpunkt enorm und die Energiewende gefährdet. Aber das sind für mich nicht die verdächtigsten Aspekte in dieser Angelegenheit. Der verdächtigste Aspekt an der Blackout-Initiative ist die Zeit. Ein Atomkraftwerk zu planen, zu bauen und in Betrieb zu nehmen, dauert bemerkenswert lang. Selbst wenn wir einen Standort finden würden, könnte ein neues AKW frühestens 2050 in Betrieb genommen werden. Egal, ob Sie pro oder contra Atomkraft sind - wir haben es hier mit einem langfristigen Projekt zu tun.

Die Initianten wissen eigentlich: Was sie fordern, dauert mehrere Jahrzehnte. Trotzdem haben sie es auffällig eilig. Diese Initiative lebt vom Gefühl der Zeitnot, vom Eindruck, dass bald alles schlimm wird, wenn wir nichts ändern. Dringlichkeit macht Angst, und Angst ist ein miserabler Kompass. Das Argument, AKW würden gegen Zeitnot helfen, ist unehrlich. Ehrlich wäre es, hinzusehen, was für die Befürworter der Initiative herausspringt: Geld. Die AKW-Lobby will ihre Kraftwerke noch so lange wie möglich betreiben dürfen. Denn ein Rückbau, wie ihn die Bevölkerung will, würde für sie hohe Kosten bedeuten.

Nicht jeder Geldfluss von der Atomlobby zur SVP ist nachweisbar. Aber ein paar Hinweise lassen sich finden und sind öffentlich verfügbar: Zum Beispiel sitzt SVP-Ständerat Jakob Stark im Verwaltungsrat der Axpo, die die Atomkraftwerke Beznau, Leibstadt und Gösgen betreibt. SVP-Nationalrat Manfred Bühler sitzt im Vorstand des Nuklearforums Schweiz. SVP-Nationalrat Thomas Burgherr verschafft einem Verwaltungsratsmitglied der Axpo Zutritt zum Bundeshaus. Und letztlich war Herr Bundesrat Rösti lange Chef der Vereinigung "Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz", die die Förderung erneuerbarer Energien als ineffektiv und zu stark staatlich geplant kritisierte und die lieber weiter auf Kernkraft setzen wollte.

Die Initiative inklusive Gegenvorschlag ist eine Täuschung. Es geht einmal mehr nicht um Nachhaltigkeit - es geht um Geld. Was wir brauchen, ist nicht Angstmacherei zugunsten der AKW-Lobby, sondern eine gut überlegte, faktenbasierte Energiewende.

Ich bitte Sie, die Blackout-Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den Gegenvorschlag abzulehnen.

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Le président (Page Pierre-André, président): Mme Rosenwasser ne répondra pas aux questions.

Gugger Niklaus-Samuel · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Niemand will einen Blackout, das ist unbestritten. Und ja, die Versorgungssicherheit ist eine ernsthafte Frage, die EVP nimmt sie ernst. Aber eine ernsthafte Frage verdient auch eine ehrliche Antwort, und, ehrlich gesagt, weder die Initiative noch der indirekte Gegenvorschlag liefern diese Antwort.

Sprechen wir zuerst über das, was gerne verschwiegen wird, die Kosten. Die neuesten Atomkraftwerke in Europa, Hinkley Point in England, Flamanville in Frankreich, Olkiluoto in Finnland, haben alle eines gemeinsam: massive Kostenüberschreitungen, jahrelange Verzögerungen, staatliche Milliardenhilfen. Kein einziges wurde im Budget und im Zeitplan fertiggestellt. In der Schweiz gibt es kein einziges Bauunternehmen, das ein AKW errichten könnte. Wir wären auf ausländische Konzerne angewiesen. Die grössten AKW-Bauer der Welt heissen heute Rosatom aus Russland und CNNC aus China. Das ist die Realität.

Unsere Stromerzeuger sind weder gewillt noch in der Lage, ein neues AKW ohne massive staatliche Subventionen auch nur zu planen. Wer zahlt dann? Der Steuerzahler! Und wer zahlt für Rückbau, Stilllegung und Endlagerung? Auch das sind die Steuerzahler und Steuerzahlerinnen, aber diejenigen von morgen. Denn diese Kosten sind in den heutigen Strompreisen kaum abgebildet, weil sie schlicht nicht abschätzbar sind. Wir verstecken die wahren Kosten und täuschen uns damit selbst über die wirtschaftliche Attraktivität der Atomkraft. Das ist keine enkeltaugliche Politik. Das birgt eine versteckte Schuld zulasten der kommenden Generationen.

Dazu kommt die geopolitische Dimension. Die Schweiz hat kein eigenes Uran. Heute beziehen wir 45 Prozent unseres Urans aus Russland, aus demselben Russland, das die Ukraine angreift, das Energieinfrastrukturen zerstört, das das AKW Saporischschja besetzt hat. Mit neuen Atomkraftwerken würden wir diese Abhängigkeit zementieren, nicht auflösen. Das ist das Gegenteil von Versorgungssicherheit.

Die Initiative und der Gegenvorschlag sprechen von Versorgungssicherheit. Es wird jedoch verschwiegen, dass neue Sicherheitsrisiken geschaffen werden. Die zentrale Organisation von AKW macht sie zu einem einfachen Ziel von Terrorangriffen und Militäranschlägen. Ein Blick in die Ukraine reicht aus, um das Ausmass dieses Risikos zu verstehen.

Auch die Entsorgungsfrage bleibt ungelöst. Hochradioaktiver Abfall strahlt Tausende von Jahren. Kein einziges der grossen Kernkraftländer, nicht die USA, nicht Frankreich, nicht Russland, nicht China, hat eine sichere Entsorgung realisiert. Auch die Schweiz ist immer noch davon entfernt, die endgültige Lösung zu realisieren. Wir reden über Versorgungssicherheit für uns und hinterlassen das strahlende Problem unseren Grosskindern. Das widerspricht dem Kern unseres politischen Auftrags.

Die Initiative verspricht Sicherheit durch neue AKW, die frühestens in zwanzig bis dreissig Jahren ans Netz gehen könnten. Der Gegenvorschlag streicht das Neubauverbot ersatzlos, ohne Strategie, ohne Finanzierungsplan, ohne Klärung der Haftungsfragen. Eine Mehrheit der Kantone hat genau das bemängelt. Es gilt, sicherzustellen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht gebremst wird. Denn wenn Kapital und Aufmerksamkeit in den AKW-Neubau fliessen, fehlt beides für Solarenergie, Wasserkraft, Speichertechnologien und Smart Grids, also für das, was unsere Versorgungssicherheit tatsächlich und zeitnah stärkt.

Die EVP lehnt die Initiative klar ab. Die EVP lehnt auch den Gegenvorschlag ab. Denn Verantwortung bedeutet, die wahren Kosten zu nennen, die echten Risiken zu benennen und nicht die Last auf jene abzuwälzen, die heute noch keine Stimme haben.

Ich danke, dass Sie die Initiative zur Ablehnung empfehlen und den indirekten Gegenvorschlag ablehnen.

Vincenz-Stauffacher Susanne · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · FDP-Liberale Fraktion

Die Blackout-Initiative verfolgt ein wichtiges Ziel: eine sichere Stromversorgung. Dennoch gibt es gute Gründe, die Initiative nicht zu unterstützen, denn sie hat das Potenzial, mehr Probleme zu schaffen, als sie löst. Das beginnt bereits beim Initiativtext. Dieser ist ausgesprochen unklar. Die Forderung, dass die Stromversorgung "jederzeit sichergestellt" sein müsse, klingt zwar überzeugend, lässt aber offen, wie dieses Ziel konkret erreicht werden soll. Viele wichtige Fragen, etwa zu Zuständigkeiten oder eben zur Umsetzung, bleiben unbeantwortet. Damit wird die Initiative zu rechtlichen Unsicherheiten führen.

Zudem würde die Initiative die heutige Aufgabenteilung zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden verändern. Der Bundesrat weist in seiner Botschaft zu Recht darauf hin, dass die Verantwortlichkeiten in der Energieversorgung bereits geregelt sind. Eine Verfassungsänderung würde bestehende Strukturen unnötig verkomplizieren und neue Kompetenzkonflikte schaffen. Zudem bringt die Initiative keinen zusätzlichen Nutzen, weil viele ihrer Ziele bereits in Gesetzen oder in laufenden politischen Prozessen verfolgt werden. Die Forderung nach einer sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung ist heute schon Bestandteil der Schweizer Energiepolitik. Deshalb ist eine weitere Verfassungsänderung schlicht nicht nötig.

Aber wie auch immer, Hand aufs Herz: Den Initianten geht es in erster Linie um die Aufhebung des Verbots des Baus neuer Kernkraftwerke. Und gegen die Aufhebung dieses Technologieverbots ist aus liberaler Sicht nichts einzuwenden. Doch dafür braucht es keine neue Verfassungsbestimmung. Der indirekte Gegenvorschlag des Bundesrates nimmt das Kernanliegen der Initiative stufengerecht auf.

Von den Kritikerinnen und Kritikern des Gegenvorschlags wird befürchtet, dass damit von dringend notwendigen Massnahmen abgelenkt werde. Die Schweiz habe ja bereits beschlossen, erneuerbare Energien wie Solar, Wasser- und Windkraft auszubauen; der Fokus solle deshalb auf der raschen Umsetzung bestehender Projekte, dem Ausbau der Stromnetze und der Entwicklung von Speicherlösungen liegen. Auch dem ist zuzustimmen, selbstverständlich, ganz im Sinne von "das eine tun und das andere nicht lassen". Hier ist es vor allem auch eine Frage des Zeitpunkts. Ja, erneuerbare Energien sollen prioritär sein. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben wir in den letzten fünf Jahren gemeinsam gesetzt, vielfach auch mit klaren Voten der Stimmbevölkerung an der Urne. Jetzt geht es in erster Linie um die Umsetzung.

Somit ist der Zeitpunkt gekommen, die Technologieneutralität wiederherzustellen, damit wir uns alle Optionen offenlassen und bestens gerüstet sind für den absehbar noch zunehmenden Strombedarf. Denn die Energiewende und zusätzlich die Digitalisierung brauchen Strom - viel Strom.

Darum sage ich Nein zur Volksinitiative und Ja zum indirekten Gegenvorschlag.

Weichelt Manuela · Mit-F · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion

Wissen Sie, was das ist? (Die Rednerin zeigt zwei Schachteln; Zwischenruf der Präsidentin: Frau Weichelt, darf ich Sie bitten, keine Gegenstände hochzuhalten?) Und wissen Sie auch, wo Sie diese kleinen, weissen Päckchen zuhause aufbewahren? Haben Sie sie jederzeit griffbereit? Es sind Ihre Jodtabletten.

Bei einem schweren Kernkraftwerkunfall kommen Jodtabletten zum Einsatz. Der Bund schreibt dazu auf seiner Website, dass bei einem KKW-Unfall radioaktives Jod freigesetzt werden könne. Dieses könne sich in der Schilddrüse anreichern und langfristig Schilddrüsenkrebs verursachen. Jodtabletten sollen genau dies verhindern. Sie müssen aber zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden.

Doch eines ist ebenso klar: Jodtabletten schützen lediglich die Schilddrüse vor radioaktivem Jod. Sie schützen weder vor anderen radioaktiven Stoffen noch vor den verheerenden Folgen eines schweren Reaktorunfalls. Viele von uns in diesem Saal sind über 45 Jahre alt. Für Menschen über 45 wird die Einnahme von Jodtabletten in der Regel nicht mehr empfohlen; falls Sie keine zuhause haben, könnte das an Ihrem Alter liegen. Es könnte aber auch daran liegen, dass Sie ausserhalb der Verteilzone wohnen und darauf angewiesen wären, dass Ihr Kanton die Tabletten im Ereignisfall rechtzeitig verteilt. Schon diese Tatsache zeigt: Die Risiken eines schweren AKW-Unfalls lassen sich nicht einfach wegorganisieren. Wir alle hoffen, dass ein solches Szenario nie eintritt. Doch Hoffnung ist keine Energiepolitik.

Schwere Reaktorunfälle sind letztlich häufiger vorgekommen, als viele Prognosen angenommen hatten. Fukushima hat gezeigt, dass auch in einem hochentwickelten Industrieland ein schwerer Unfall Realität werden kann. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die Besetzung des AKW Saporischschja haben zudem deutlich gemacht, dass heute Risiken bestehen, die bei der Planung vieler Kernkraftwerke gar nie berücksichtigt wurden.

Die Folgen wären für die Schweiz verheerend. Der Bund selbst geht von möglichen Schäden in der Grössenordnung von mehreren tausend Milliarden Franken aus. Klar ist: Kein Betreiber, keine Versicherung und letztlich auch kein Staat könnten einen solchen Schaden vollständig tragen. Weite Teile unseres Landes könnten für lange Zeit unbewohnbar werden. Trinkwasserfassungen könnten ausfallen. Landwirtschaftliche Flächen würden kontaminiert. Ganze Regionen würden ihre wirtschaftliche Grundlage verlieren. Genau deshalb ist diese Debatte keine technische Debatte. Es geht vielmehr um die Frage der politischen Verantwortung.

Die Befürworter dieser Volksinitiative und des indirekten Gegenentwurfes sprechen von Versorgungssicherheit, sie sprechen von Technologieoffenheit, sie sprechen von neuen Chancen. Sie sprechen aber kaum über Risiken. Wer neue Atomkraftwerke fordert, muss den Menschen auch ehrlich sagen, welches Restrisiko damit verbunden ist. Wer die Atomenergie wieder salonfähig machen will, darf nicht so tun, als wären Tschernobyl, Fukushima oder die Entwicklungen in Saporischschja blosse Fussnoten der Geschichte. Denn am Ende gilt: Der Nutzen wird privatisiert, das Risiko trägt die Bevölkerung.

Deshalb lehne ich den Gegenvorschlag und die Initiative ab.

Zum Schluss, wenn Sie mir erlauben, eine Frage an Bundesrat Rösti: Sind Sie bereit, sich im Bundesrat und auch öffentlich dafür einzusetzen, dass der Bund unabhängige wissenschaftliche Studien finanziert, welche die Leukämierate bei Kindern im Nahbereich aktiver und stillgelegter Kernanlagen vertieft untersuchen? Vielleicht können Sie das dann in Ihrem Votum einbauen.

Storni Bruno · Mit-M · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion

L'iniziativa popolare "Energia elettrica in ogni tempo per tutti" e il controprogetto indiretto - fotocopia del Consiglio federale - hanno in comune il medesimo grande difetto di ignorare chiare decisioni popolari. La strategia energetica 2050 proposta dal Consiglio federale, adottata dalle Camere e approvata dal popolo nel 2017, è stata riconfermata nella legge federale su un approvvigionamento elettrico sicuro con le energie rinnovabili, approvata dal popolo solo due anni fa. Qui si fa e si disfa a piacimento in un settore, quello dell'approvvigionamento energetico, dove le trasformazioni si implementano in tempi lunghi. Le trasformazioni richiedono continuità, garanzia del diritto e garanzia degli investimenti, quando, oltretutto, si svolgono in un contesto ampiamente liberalizzato.

L'iniziativa e il controprogetto mirano ad autorizzare nuovamente la costruzione di centrali nucleari di generazione attuale. Il Consiglio federale respinge l'iniziativa nella forma, ritenendo che quella che definisce un'apertura tecnologica possa essere ottenuta anche mediante una semplice modifica di legge. Il diritto all'iniziativa popolare non si discute, ma che il Consiglio federale arrivi a proporre un controprogetto praticamente fotocopia, che compromette importanti recenti decisioni popolari, lascia esterrefatti e non è accettabile.

In questo senso vorrei sottolineare il problematico aspetto politico-istituzionale del controprogetto del Consiglio federale che riprende in toto il punto centrale dell'iniziativa. Oltretutto, la posizione del Consiglio federale è incompleta. Perché se proprio vuole un ritorno al nucleare adesso, che presenti un piano concreto e completo, e non si limiti semplicemente ad abolire il divieto per poi vedere come andare avanti. O per dirla con le parole del cantautore Enzo Jannacci, è come andare allo zoo comunale e "gridare 'Aiuto, aiuto, è scappato il leone' per vedere di nascosto l'effetto che fa".

Ufficialmente si giustifica con un'apertura tecnologica, ma sappiamo che il Consiglio federale, ben sapendo che economicamente il nuovo vecchio nucleare non si regge da solo, ha già espresso disponibilità a concedere sovvenzioni, cioè disponibilità ad un'apertura finanziaria. A ciò si aggiunge il fatto che la Commissione dell'ambiente, della pianificazione del territorio e dell'energia non ha potuto discutere seriamente del finanziamento e della redditività di nuove centrali nucleari. Lo dice anche un rapporto della Commissione delle finanze del nostro consiglio che riporta gli enormi sorpassi dei tempi di costruzione e dei costi dei pochi reattori realizzati recentemente.

Se proprio vogliamo parlare di apertura tecnologica, sappiamo che la politica energetica è fortemente condizionata dallo sviluppo tecnologico che corre sempre più velocemente. Lo vediamo bene nel fotovoltaico, nell'eolico, nelle batterie e nell'efficienza energetica, con progressi che regolarmente obbligano la politica a rivedere gli scenari di consumo e le ipotesi di imminenti penurie. In Svizzera, in questi mesi il fotovoltaico è ormai la prima fonte di generazione di elettricità. In maggio, l'energia solare ha fornito 1,3 terawattora, superando l'energia nucleare, l'energia idroelettrica ad acqua fluente e quella ad accumulazione. Il parco nucleare svizzero, per il quinto inverno su undici, ha avuto un reattore fuori esercizio per tutto l'inverno.

L'iniziativa e il controprogetto, pur non accrescendo di molto la fattibilità di nuove centrali nucleari in Svizzera, stanno destabilizzando un impegnativo processo di transizione energetica avviato con successo, al quale va invece garantita continuità, non incertezza.

Concludo ribadendo che la Svizzera ha bisogno di una politica energetica stabile ed affidabile che garantisca la sicurezza dell'approvvigionamento. Continuando sulla strada intrapresa nella transizione energetica, potenziando il rinnovabile come deciso dal popolo due anni fa, promuovendo l'innovazione e le nuove tecnologie, la Svizzera può fare a meno di nuove centrali nucleari che comunque non sono realizzabili nei tempi e costi appropriati.

L'iniziativa e il controprogetto, come detto, non forniscono prospettive concrete per la costruzione di nuove centrali nucleari, ma destabilizzano un processo di transizione energetica avviato con successo, al quale va invece garantita continuità e non incertezza. Quindi invito a dire no all'iniziativa e no all'approssimativo controprogetto del Consiglio federale.

Huber Alois · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich habe sehr genau zugehört, was in diesen nun bald zwei Tagen erzählt worden ist. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Leute wirklich wissen, was Sie hier vorne erzählt haben, und ob es wirklich um das geht, was in dieser Initiative steht. Wenn man genau zugehört hat, hat man gehört, dass ein Teil Atomkraftwerke bauen und der andere Teil dies verhindern will. In der Initiative geht es aber nicht explizit darum, neue Atomkraftwerke zu bauen, sondern es geht darum, dass wir alle Möglichkeiten ausschöpfen können, um unseren Energiebedarf zu decken. Ob wir dann in Zukunft ein Atomkraftwerk bauen oder nicht, ist eine andere Frage und gehört eigentlich nicht in diese Debatte.

Ich habe gehört, 70 Prozent der Schweizer Bevölkerung wollten Windkraft. Ich kann Ihnen aber sagen: Fast niemand will sie. Sobald die Windräder vor der Haustür zu stehen kommen sollen, will sie niemand mehr. Bei der Atomkraft wird es wahrscheinlich gleich sein.

Dann höre ich von Jodtabletten. Auch ich habe sie zuhause. Aber ich glaube, wenn man hier zweieinhalb Tage zugehört hat, was hier alles erzählt worden ist, muss man eher Kopfweh-Tabletten nehmen. (Teilweise Heiterkeit) Es wird vieles erzählt, was eigentlich gar nicht hierhergehört. Hätten wir nur über den Initiativtext gesprochen, wären wir am letzten Montag um 8 Uhr nachhause gegangen, das Geschäft wäre erledigt gewesen. Hier geht es allein darum, ob wir in Zukunft alle Möglichkeiten der Energieproduktion wieder nutzen wollen. Nur darum geht es. Ob es dann ein neues Kraftwerk braucht oder gibt, steht in den Sternen; das ist dann ein anderes Thema.

Ich bin für ein Ja zur Blackout-Initiative. Das heisst aber noch lange nicht, dass ich dann an allen Orten ein Kraftwerk will. Ich will ein sicheres Kraftwerk. Die neue Generation ist viel sicherer; das ist so.

Deshalb empfehle ich die Initiative zur Annahme, und ich hoffe, Sie machen dies auch.

Badran Jacqueline · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Meine erste Demo im Leben war 1977 eine Anti-AKW-Demo in Gösgen, da war ich 15 Jahre alt. Ich dachte damals, dass ich dem Typen mit dem Megafon zuhören müsse, damit ich verstehen würde, warum ich hier protestiere, und dass der Typ mit dem Megafon drauskäme, weil er sonst ja kein Megafon hätte. 34 Jahre später, im Jahr 2011, komme ich in die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, und wer sitzt mir vis-à-vis? Der Typ mit dem Megafon. Es war Filippo Leutenegger, FDP-Nationalrat und Anti-AKW-Aktivist, der neben dem Wasserkraft- und Öllobbyisten und damaligen Nationalrat Albert Rösti sass.

Meine erste institutionelle Tat war es, im Jahr 1980 Unterschriften für die zweite Anti-AKW-Initiative zu sammeln; da war ich 18. Zuvor zitierte mich Ursula Koch, damals Präsidentin der Schweizerischen Energie-Stiftung, in ihr Büro. Sie erklärte mir in einer halben Stunde, was man zu AKW wissen musste. Bis heute hat jedes einzelne ihrer damaligen Argumente seine Gültigkeit.

Erstens mache sich die Wirtschaft mit AKW - nach Öl und Gas - wieder von einem limitierten Rohstoff wie Uran abhängig, statt auf unendlich vorhandene Ressourcen wie Sonne, Wind, Biomasse, Wasser, Gezeiten, Geothermie zu setzen. Laut Schätzungen reicht der Uranvorrat bei heutigem Bedarf etwa 90 Jahre; sollten alle weltweit geplanten Vorhaben umgesetzt werden, reicht er gemäss einer Studie der OECD noch 20 Jahre.

Zweitens mache man sich mit AKW erneut vom Ausland abhängig, darunter vom grössten Uranlieferanten, von Russland. Die erneuerbaren Energien im Inland seien hingegen unbeschränkt vorhanden, wenn man sie erschliesse.

Drittens sei es ökonomisch geradezu grotesk, dass man wie bei Öl und Gas erneut auf einen Rohstoff wie Uran setze, der bei der Beschaffung etwas koste, während etwa Sonne, Wind, Wasser gratis zu haben seien und keine Grenzkosten, also Kosten für eine zusätzliche produzierte Einheit, verursachten. Jeder Unternehmer auf der Welt träumt von einer grenzkostenfreien Produktion.

Viertens sei es noch viel grotesker, dass Uran nicht nur bei der Beschaffung und Aufbereitung hohe Kosten verursache, sondern auch bei der Entsorgung und dass die Anlagen selber bei ihrer Stilllegung nochmals Kostenberge verursachen würden. Schon damals war klar, dass die Suche nach Tiefenendlagern für die Entsorgung des hochradioaktiven Atommülls schwierig werden würde; bis heute ist weltweit noch kein Endlager in Betrieb.

Fünftens sei das Risiko eines Reaktorunfalles und eines Super-GAUs zu hoch - zwar nicht das Ereignis selbst, sondern das Schadenausmass im Falle eines Eintreffens. Deshalb würde es auch keine Versicherung geben, die ein AKW versichern würde.

Tschernobyl brachte uns das AKW-Moratorium, und Fukushima brachte uns den Atomausstieg - damals war ich 55.

Nach dem Debakel der Ausgabe von einer Billion Franken an Forschungsgeldern in die kontrollierte Kernfusion statt in Speichertechnologie will nun eine SVP-FDP-Mehrheit tatsächlich das Bauverbot für AKW als Gegenvorschlag zur Anti-Blackout-Initiative aufheben. Bezüglich der Kosten und der Wirtschaftlichkeit gilt: Niemand will eins bauen. Bezüglich der Entsorgung: Die Nagra sagt, das geplante Tiefenlager reiche nicht aus, man brauche ein zweites; ich schlage Wellenberg vor. Bezüglich der Standorte heisst es: bitte nicht in meinem Hinterhof. Bezüglich der Dauer - mindestens 33 Jahre, bis ein neues AKW steht - mache man sich später Gedanken, heisst es. Vorderhand dürfe es keine Denkverbote geben, und man müsse die Energiefrage technologieneutral angehen. Technologieneutral? Wie bitte?

Dieses Wort, allein von rechten Politikern kolportiert und häufig nachgeplappert, bringt mich regelrecht zum Schäumen. Ja, hat denn der Herr Bundesrat nicht einmal mit Forschungs- und Entwicklungschefs oder von mir aus mit irgendwelchen McKinsey-Leuten geredet? Diese würden Ihnen nämlich allesamt sagen, dass die Wirtschaft zwingend wissen muss, wohin die Reise geht, damit sie Prioritäten für Forschung und Entwicklung setzen kann, um realistische Businesspläne zu erstellen. Planungssicherheit nennt man das. Wie soll beispielsweise die ABB ihre entwickelten Wasserstoffkraftwerke, die Strom aus erneuerbaren Quellen zu CO2-neutralen Energiespeichern umwandeln, zur Marktreife weiterentwickeln, wenn subventionierte AKW geplant sind und darüber hinaus CO2 nicht korrekt bepreist ist? Die Entscheidungsträger brauchen Planungs- und Investitionssicherheit, und das ist das Gegenteil von technologieneutral. Wie kann man nur so faktenfern und strategielos politisieren?

Aber egal, wer und warum, 49 Jahre nach meiner ersten Demo in Gösgen, 46 Jahre nach meiner ersten Unterschriftensammlung zu einer AKW-Initiative, 40 Jahre nach Tschernobyl, 15 Jahre nach Fukushima stehe ich hier und weiss: Es gilt immer noch "AKW - nein danke".

Pult Jon · Mit-M · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion

Die ausführliche Diskussion, die wir letzte Woche und heute geführt haben, ist ja schon ein Hinweis darauf, dass AKW nicht die Lösung für unsere energiepolitischen Herausforderungen sind, nur schon aus Akzeptanzgründen. Ich möchte Ihnen aber jetzt zum Schluss der Diskussion noch zehn konkretere Gründe nennen, warum AKW nicht die Lösung für unsere energiepolitischen Herausforderungen sind:

1. AKW produzieren radioaktive Abfälle, die über 100 000 Jahre gefährlich bleiben. Die Endlagerung dieser hochgiftigen Abfälle ist real nach wie vor nicht gelöst. Diese toxische Hypothek für unsere Kinder und Enkelkinder dürfen wir nicht weiter aufstocken.

2. Das GAU-Risiko mit potenziell dramatischen Folgen ist trotz aller gegenteiligen Beteuerungen real. Von den rund 200 kommerziellen Atomreaktoren, die bisher weltweit ihr Lebensende erreicht haben, haben fünf eine Kernschmelze erlebt, fünf von 200. Dieses historisch hohe Unfallrisiko ist unverantwortlich. Oder würden Sie in ein Flugzeug steigen, wenn Sie wüssten, dass bisher 2,5 Prozent aller je gebauten Flugzeuge abgestürzt sind?

3. AKW stellen ein erhebliches militärisches Risiko und Terrorrisiko dar. Faktisch sind AKW - etwas zugespitzt ausgedrückt, das gebe ich zu - die Atombomben des Feindes im eigenen Land. Noch mehr davon wollen wir nicht.

4. Uran muss zu hundert Prozent importiert werden. Die Beschaffung ist geopolitisch äusserst risikoreich. Zusätzliche Abhängigkeiten von Schurkenstaaten wie Russland sind nicht zu verantworten.

5. Wären die Risiken eines AKW vollständig privat zu versichern, wäre Atomstrom unbezahlbar. Deshalb haftet letztlich überall, wo es Atomkraftwerke gibt, der Staat. Faktisch verfügt jedes AKW über eine Staatsgarantie. Diese enormen Kosten und Risiken für die Steuerzahlenden dürfen wir nicht weiter erhöhen.

6. Die Neubaukosten von AKW explodieren weltweit. Beispiele wie Hinkley Point oder Flamanville wurden immer wieder genannt und zeigen, dass Verzögerungen und Kostenüberschreitungen die Regel und nicht die Ausnahme sind. Die Schweiz braucht finanziell gesehen keine solchen Fässer ohne Boden.

7. Die hohen Investitionskosten machen neue AKW in einem Umfeld volatiler Strompreise wirtschaftlich höchst unattraktiv. Ohne massivste Subventionen investiert niemand in solche Projekte.

8. Atomstrom ist keineswegs verlässlich. Die europäische Energiekrise 2022 hat gezeigt, wie stark Ausfälle von AKW, damals in Frankreich, die Versorgung beeinträchtigen können. Erneuerbare Energien, kombiniert mit Speichern, bieten langfristig die viel robustere Lösung.

9. Ein Atomstrom-Revival schwächt die Versorgungssicherheit, weil jeder Franken, der in neue AKW fliesst, beim Ausbau von Sonnen- und Windenergie, bei der Wasserkraft, Speichern und Energieeffizienz fehlt.

10. Die Atomlobby und leider auch Herr Bundesrat Rösti fordern ja bereits bzw. haben da und dort die Absicht geäussert, Gelder aus dem vom Volk angenommenen Stromversorgungsgesetz für den Bau neuer AKW umzuleiten, nachdem das Volk diesem Gegenvorschlag allenfalls zugestimmt hat. Das wäre eine Zweckentfremdung entgegen dem Volkswillen und würde den erfolgreichen Ausbau der erneuerbaren Energien gefährden.

Aus diesen zehn und, ehrlich gesagt, aus noch vielen weiteren Gründen gilt: Ein Revival der Atomkraft ist sachlich unverantwortlich. Einen echten Beitrag zur Versorgungssicherheit oder zur Erreichung der Klimaziele leistet es nicht. Im Gegenteil vernebelt jede Diskussion über neue AKW den Blick auf die eigentliche Aufgabe der Energiepolitik: den raschen Ausbau der erneuerbaren Energien, den Aufbau zusätzlicher Speicherkapazitäten und den Fortschritt bei der Energieeffizienz.

Darum empfehle ich Ihnen dringend, die Blackout-Initiative zur Ablehnung zu empfehlen und den Gegenvorschlag abzulehnen.

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Ich danke Ihnen zuerst für diese umfassende Debatte, die, so glaube ich, mit 99 Sprecherinnen und Sprechern jeden Gesichtspunkt aufgezeigt hat. Das ist auch wichtig, denn es geht letztlich um nichts weniger als um die Versorgungssicherheit unseres Landes und um die Frage, wie wir diese gewährleisten wollen.

Der Bundesrat hat am 13. August 2025 die Botschaft zum indirekten Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative verabschiedet. Der Bundesrat empfiehlt diese Volksinitiative zur Ablehnung, will mit dem indirekten Gegenvorschlag aber das Kernenergiegesetz so anpassen, dass neue Kernkraftwerke in der Schweiz wieder bewilligt werden könnten oder, und das ist in der heutigen Lage noch wichtiger, dass wir eine Sicherheit für die bestehenden Kernkraftwerke bzw. für deren Langfristbetrieb bieten. Da möchte ich schon etwas gegenüber all den Kritikerinnen und Kritikern der Kernkraft sagen, die ich durchaus verstehe und sehr ernst nehme.

Unser Land lebt in der Stromversorgung nach wie vor und auch in den nächsten Jahren zu 30 Prozent von der Kernkraft. Wenn alles so himmelschreiend - entschuldigen Sie den Ausdruck, es ist mir so vorgekommen - schlecht, gefährlich und was auch immer wäre, müssten wir die bestehenden Kernkraftwerke Beznau, Gösgen und Leibstadt ja sofort abstellen. Aber was wäre dann die Alternative? Die Alternative wäre, wie es bei Gösgen im letzten Jahr stattgefunden hat - wir haben das noch nachgeschaut -: Stromimport aus Frankreich. Frankreich hat einen Energiemix - wir können ja nicht genau messen, aus welcher Quelle der Strom kommt - von 70 Prozent Kernkraft. Wir würden dann also, wie bei der Revision bei Gösgen, Kernkraft aus Frankreich importieren. Also bitte, tun Sie nicht so, als ob die Kernkraft für unser tägliches Leben, für unser Wirtschaften nicht sehr zentral wäre. Und gottlob, da möchte ich allen danken, konnten wir damals bei der Energiestrategie 2050 definieren und sicherstellen, dass die bestehenden Kernkraftwerke so lange laufen, wie sie sicher sind. Herr Müller-Altermatt war damals Kommissionssprecher im Nationalrat und hob das auch hervor.

Heute stellen wir jedoch fest: Wenn wir das sicherstellen wollen, brauchen wir die nötigen Arbeitskräfte, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Übrigens haben diese Kernkraftwerke seit den Unglücken in Fukushima natürlich massiv aufgerüstet. Damit das auch in Zukunft passieren kann, brauchen sie Fachkräfte - Fachkräfte, die hier in der Schweiz arbeiten. Aber wir stellen fest, das bestätigt beispielsweise auch das Ensi, dass diese Fachkräfte nicht kommen, wenn wir nicht sagen, ein Kernkraftwerk habe auch etwas Gutes und über allfällige neue Kernkraftwerke dürfe in der Schweiz diskutiert werden. Nicht zuletzt dafür will der Bundesrat diese Option offenhalten. Und ich bitte Sie, wirklich daran zu denken: Wenn Sie Strom brauchen, dann sind 30 Prozent dieses Mixes Kernkraft - zum Glück; ich wüsste nicht, woher wir diesen Strom sonst nehmen könnten.

Nun, die Volksinitiative verlangt zum einen, dass die Stromversorgung jederzeit sichergestellt wird und alle klimaschonenden Optionen der Stromproduktion ermöglicht werden. Damit wird eine Streichung des Neubauverbots für Kernkraftwerke verlangt. Der Bundesrat will dies mithilfe des indirekten Gegenvorschlags ermöglichen; auf diesen Teil komme ich zurück. Zum andern fordert die Initiative eine Neuordnung der Verantwortlichkeiten bezüglich der Stromversorgung. Dies wäre jedoch eine grundlegende Abkehr von der gegenwärtigen Arbeitsteilung und den Verantwortlichkeiten in der Energieversorgung.

Gestatten Sie mir die Bemerkung: Das wäre ja eigentlich ein ganz interessanter Auftrag, die Ordnung in der Energieversorgung zu klären. Würden wir uns dafür aussprechen und diesen Punkt annehmen, hätten wir zwanzig Jahre lang Streitigkeiten über den Besitz von Energieunternehmungen, über Kompetenzen. Hier sagt der Bundesrat Nein; das will er nicht, das würde die Versorgungssicherheit gefährden. Deshalb empfiehlt er die Initiative in aller Deutlichkeit zur Ablehnung.

Die Verantwortlichkeiten sind in den Artikeln 89 bis 91 der Bundesverfassung genügend und klar geregelt. Artikel 89 verlangt, dass der Bund für eine ausreichende, sichere, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung sorgt - eine ausreichende! Ich glaube, es ist die Pflicht des Bundesrates, hier diese Diskussion zu lancieren, mit welchem Ergebnis auch immer. Das liegt dann in Ihrer Kompetenz oder in der Kompetenz des Volkes. Es ist der Auftrag, diese Diskussion zu führen, wenn wir Bedenken haben, dass die ausreichende Versorgung ohne diesen Schritt, ohne die Öffnung dieser Option, gefährdet wäre.

Ich komme zum Gegenvorschlag: Der Bundesrat will das Neubauverbot im Kernenergiegesetz mittels eines indirekten Gegenvorschlages streichen. Hier möchte ich mich zur Gesamtstrategie des Bundesrates äussern und damit auch auf einige Vorwürfe eingehen, die an den Bundesrat gerichtet worden sind. Der Bundesrat hat eine glasklare Strategie, wie er die Versorgungssicherheit gewährleisten will. Bisher haben wir das zu einem grossen Teil gemeinsam und im Einvernehmen mit dem Parlament definiert.

Kurzfristig mussten wir feststellen - und das war ja auch eine Erkenntnis -, dass wir nicht immer genügend Strom und deshalb kurzfristig Reserven nötig haben. Das sagt auch die Elcom. Wir brauchen diese Reserven, und wir brauchen entsprechende Massnahmen. Es gibt die Wasserkraftreserve, es gibt die Verbrauchsreserve - die Unternehmen senken ihren Verbrauch und sparen damit Strom -, und es gibt Reservekraftwerke. Zu Letzteren haben wir eine Gesetzgebung verabschiedet. Sie werden entscheiden, ob Sie dem Kredit zustimmen und die Reservekraftwerke gebaut werden. Es handelt sich um eine grosse Zahl, nämlich um 2,3 Milliarden Franken. Pro Jahr sind das 151 Millionen Franken. Auf den Strompreis runtergebrochen sind es 0,23 Rappen, die wir brauchen. Das ist teuer, weil wir jederzeit auch eine Verbrauchsreserve brauchen. Sie gehört gemäss Gesetz auch zur Reserve. Das ist eigentlich ein anderes Kapitel, aber ich erwähne es, weil wir bereits in der heutigen Zeit, in der wir 60 Prozent unserer Energieversorgung mit fossilen Energieträgern decken, eine Reserve brauchen, die kostet. Deshalb haben wir diese kurzfristige, gut laufende Massnahme; deshalb haben wir ein Gesetz verabschiedet.

Wir haben, Stand heute, Reserven bis 2030. Sie werden entscheiden, ob wir bereits jetzt in weitere Reserven für die weiteren Jahre investieren. Klar ist: Wir brauchen offensichtlich Reserven, weil wir sonst Gefahr laufen, irgendwann zu wenig Strom zu haben. Diese Situation könnte sich langfristig noch verschlimmern. So viel zur kurzfristigen Strategie.

Ich komme, ganz wichtig, zur mittelfristigen Strategie, und das ist so, wie Sie hier gesagt haben: Die erneuerbaren Energien müssen jetzt gefördert werden. Ob Sie mir glauben oder nicht, ich sage es ganz klar: Ich unterstütze die erneuerbaren Energien. Ich habe beim Klimaschutzgesetz bewiesen, dass ich den Rollenwechsel vollziehen und die Rolle des Bundesrates einnehmen kann. Dieses Klimaschutzgesetz wurde überwiesen, das Ziel ist netto null, wir haben uns danach zu richten und entsprechend den Umbau des Stromsystems zu fördern.

Was heisst dies, erneuerbare Energien? Für den Sommer zweifle ich nicht, dass wir genügend Strom haben; das läuft über den Solarzubau, das läuft super und ist auch gut so. Wir brauchen aber mehr Winterstrom. Das hat hier niemand bezweifelt. Und wenn sich jetzt alle so für die Erneuerbaren aussprechen, dann sage ich Ihnen jetzt, wie der Stand ist.

Wir stellen fest: Wir brauchen im Winter 6 Terawattstunden mehr Strom, das sind etwa 10 Prozent unseres Jahresverbrauchs. Wir brauchen diesen Strom bereits in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren, damit wir auf die Reserven verzichten können.

Wie steht es mit der Wasserkraft? Wir müssen davon ausgehen, dass bis 2040 eine Produktion von gut 1 Terawattstunde bereitgestellt wird. Wir müssen davon ausgehen, dass es sehr schwierig werden wird, neue Projekte, die nicht Teil des runden Tisches waren, in den Anhang 2 des Stromversorgungsgesetzes aufzunehmen. Es ist enorm schwierig, beim Ausbau der Wasserkraft voranzukommen. Und ich sage es halt nochmals, Sie mögen es nicht mehr hören: Es sind letztlich Beschwerden und Einsprachen, die uns bremsen. Ich glaube, seit meiner Studienzeit oder wahrscheinlich noch länger spricht man von der Staumauererhöhung auf der Grimsel. Es ist das klassische Beispiel. Wir dachten, jetzt kommen wir weiter, aber nun spricht man über Ausgleichsmassnahmen, welche den Rückbau von ganzen Wehren erfordern. Es wird wieder massivst Opposition gemacht. Das Projekt ist noch nicht durch. Wenn wir solche Projekte wie die Grimselstaumauer nicht in der notwendigen Zeit bauen können, wenn die Erstellung eines Speichers am Gornerli nicht möglich ist: Wie um Gottes willen sollen wir dann die Versorgungssicherheit im Winter sicherstellen? So viel zum Stand bei der Wasserkraft.

Kommen wir zum Wind, es wurde hier viel von Wind gesprochen. Ich sage auch, unser Land sollte aufgrund des Landschaftsschutzes nicht mit tausend Windturbinen überbaut werden, das sage ich in aller Klarheit. Aber wenn wir nur schon 250 Turbinen hätten, dann gäbe das 2 Terawattstunden mehr, und das wäre ein Beitrag an die 6 Terawattstunden, die wir brauchen. Heute sind etwa 50 Turbinen in Betrieb. Die Projektierung sieht in etwa die Anzahl an Turbinen vor, welche diese 2 Terawattstunden erzeugen würden. Aber 23 grosse Projekte - sie umfassen viel mehr als 23 Turbinen, sie umfassen wahrscheinlich etwa 50 Turbinen - sind wegen juristischer Verfahren blockiert. Es ist einfach so. Ich weiss nicht, wann diese 2 Terawattstunden kommen.

Für weitere 2 Terawattstunden, die wir brauchen, um die 6 zu erreichen, ist der Ausbau auch blockiert, oder es wird aus technischen Gründen gar nicht gebaut. Ich spreche von den alpinen Solaranlagen. Es wäre eine super Sache, wenn wir über der Nebelgrenze Winterstrom produzieren könnten. Viele Projekte können technisch nicht realisiert werden, einige, die technisch realisiert werden könnten, sind durch Einsprachen blockiert. Das ist mittelfristig einfach die Realität.

Ich verspreche Ihnen, ich setze mich ein, ich gehe ins Wallis, ich gehe in den Kanton Graubünden, ich war bei den Regierungen, und ich werde es wieder tun, damit diese Projekte vorankommen. Ich bin der Letzte, der den Ausbau irgendwie blockieren möchte. Ich habe mich, das wissen Sie, massiv - für einen Bundesrat vielleicht zu viel - für das Stromgesetz eingesetzt; das kann niemand hier bestreiten. Ich habe mich massiv für den Kompromiss beim Beschleunigungserlass eingesetzt; das wird niemand hier bestreiten. Ich muss sagen, der Bogen, der hier geschlagen wird, diese Logik, die musste ich zuerst einmal nachvollziehen. Es wird gesagt, dass der Bundesrat das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben will, um den Ausbau der Erneuerbaren zu blockieren und um die Fossilen, weil ich früher irgendwo in diesem Bereich tätig gewesen bin, nicht zu reduzieren. Das ist eine zumindest abenteuerliche Folgerung.

Ich sage Ihnen, der Bundesrat will das sicher nicht, und ich vorangehend möchte das sicher nicht - das möchte ich hier in aller Klarheit sagen. Es geht dem Bundesrat mit dem Gegenvorschlag ja gerade um die Reduktion der Fossilen. Wir haben die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Wir haben die Biodiversität zu gewährleisten. Und ich weiss nicht, wie Sie das erreichen wollen. Wenn man wegen der Biodiversität den Ausbau der Erneuerbaren bremst und gleichzeitig auch noch den Klimaschutz gewährleisten will, dann bleibt uns am Schluss, mit der Menge an Lösungen, die wir haben, halt nicht viel mehr übrig, als auch die Frage der Atomkraftwerke aufzuwerfen, dies aufgrund der Fakten und aufgrund der mittelfristig notwendigen Realitäten.

Weshalb bringt der Bundesrat diese Vorlage jetzt? Wir sind im Vergleich zur Zeit der Abstimmung von 2017 und der damaligen Debatte, ob man für Kernkraft war oder dagegen, in einer anderen Welt; das wissen Sie alle. Ich will Ihnen vier Punkte nennen, weshalb wir wirklich in einer anderen Welt sind.

1. Nochmals zu den Klimazielen und zum Strombedarf: Ich glaube, Frau Rosenwasser hat gesagt, man könne den nicht voraussagen. Da gebe ich Ihnen eigentlich recht. Das ist sehr schwierig. Die Zahlen, die sich dann in der Realität zeigen, sind immer andere. Aber eines ist doch klar: Wir werden mehr Strom brauchen, dies auch, weil wir 60 Prozent der Energieversorgung ersetzen müssen. Das haben wir noch nicht getan. Wir hatten seit 2011, seit Fukushima, 15 Jahre Zeit; das war, bevor ich hier gesprochen habe. Das Klimaziel war übrigens im Jahr 2017 noch nicht netto null. Das wusste noch niemand; ich habe von Paris gesprochen. Die Welt ist heute eine andere. Wir müssen diese Klimaziele erreichen, und der Bundesrat will das auch. Wir müssen gar nicht wissen, wie viel Strom mehr es genau braucht. Es braucht auf jeden Fall mehr. Zudem müssen wir mindestens die Produktionskapazität der Kernkraftwerke, 20 Terawattstunden, Leibstadt und Gösgen, irgendwie ersetzen. Das sind 20 Terawattstunden. Da sprechen wir nicht von 2 Terawattstunden, 2 Terawattstunden aus Wind- und 2 aus Wasserkraft; da streiten wir uns tagelang wegen 2 Terawattstunden. Wir reden dann über 20. Wenn die letzten Energieperspektiven stimmen, reden wir über 40 Terawattstunden. Das ist nicht einfach so mit ein bisschen Wind- und ein bisschen Wasserkraft, wo man dann wieder Einsprachen macht, getan.

2. Erlauben Sie mir den Verweis auf die Energiestrategie 2050. Niemand spricht gerne darüber, doch die war kohärent, die war völlig kohärent, und sie ist dies auch zum jetzigen Entwurf des Bundesrates. Ich zitiere aus der Botschaft von 2017 - Seite 7633, wenn es jemand kontrollieren will -: "Aufgrund des vorliegenden Massnahmenpakets dürfte in der Schweiz bis im Jahr 2020 ein Gaskombikraftwerk notwendig werden. Der weitere Bedarf hängt im Wesentlichen von der Entwicklung der Wirtschaft und des Stromverbrauchs, der Akzeptanz in der Gesellschaft sowie dem Ausbau der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien ab. Je nachdem müsste die Stromversorgung mit weiteren Gaskombikraftwerken und/oder zusätzlichen Importen sichergestellt werden."

Schon damals wurde also gesagt, dass wir eigentlich drei Optionen haben, um diese Bandenergie sicherzustellen: entweder Importe oder Gas oder Kernkraft. 2017 wollte man keine Kernkraft und sagte, man werde die Lücke mit Strom aus Gaskraft schliessen. Okay, so weit, so gut. Heute haben wir eine Gesetzgebung, die uns als Ziel netto null vorschreibt. Es ist aber viel zu wenig Gas aus erneuerbaren Quellen da, um diese Gaskraftwerke befeuern zu können, wenn wir ernsthaft netto null wollen. Man sprach damals übrigens von vier Gaskraftwerken. Auch das ist eine neue Situation, dass wir nicht einfach auf Gaskraftwerke zurückgreifen können.

Dass das letztlich die Lösung ist, wenn man aus der Kerntechnologie aussteigt, zeigt Deutschland. Schauen Sie nach Deutschland, die haben alle Kernkraftwerke in der schlimmsten Zeit, 2023, geschlossen. Alle Kernkraftwerke sind weg, und jetzt wollen sie Gaskraftwerke bauen, um 13 Gigawattstunden, nein, viel mehr, zu produzieren. Das ist - ich habe es gerade nicht im Kopf - die rund 13-fache Kapazität von Leibstadt, das ist mir geblieben. Vorher hatten sie Kernkraft, CO2-frei.

Das zeigt: Es gibt Gas, Importe oder halt Kernkraft. Es gibt nichts anderes, ausser es würde mit den Erneuerbaren wirklich reichen. Ich bin der Letzte, der sagt, dass es ein Kernkraftwerk braucht, wenn es mit den Erneuerbaren reicht. Wir können jedoch nicht erst 2035 oder 2040 damit beginnen, wenn wir 2050 eines benötigen; das haben viele hier im Saal festgehalten.

Klimaziele, keine Gaskraftwerke mehr, eine neue Situation - das habe ich bereits ausgeführt.

3. Ich halte fest, dass die Erneuerbaren nicht im gewünschten Ausmass vorankommen, obwohl wir uns einsetzen und von Pontius zu Pilatus laufen. Beim Ausbau der Erneuerbaren kommen wir langsamer vorwärts als geplant. Es ist höchst unsicher, ob wir diese Ziele erreichen, und das sage ich nicht einfach so dahin, sondern das zeigt auch der aktuelle Monitoringbericht zur Energiestrategie 2050. Für das Jahr 2024 weist er eine Stromproduktion aus neuen Erneuerbaren ohne Wasserkraft von gut 8300 Gigawattstunden aus. Das entspricht einer Zunahme von 1113 Gigawattstunden gegenüber 2023. Seither ist insbesondere der Ausbau der Fotovoltaik weiter fortgeschritten, doch das Ausbauziel von 35 000 Gigawattstunden bleibt in weiter Ferne, solange diese Projekte nicht deblockiert werden. Wir müssten jährlich nicht rund 1100, sondern etwa 2400 Gigawattstunden zusätzlich produzieren.

Wir haben diese Chance jedoch: Wir verfügen über das Stromversorgungsgesetz und den Beschleunigungserlass, und Sie haben diese Grundlagen mitgetragen. Wenn wir diese Chance nutzen und ein echter Ruck durchs Land geht, wenn Einsprachen zurückgezogen werden und die Förderung bis 2035 gesichert ist, dann kann deutlich mehr erreicht werden. Ich wäre der Erste, der in die Hände klatscht und festhält, dass es nichts anderes braucht und diese Option nicht weiterverfolgt werden muss. Glauben Sie mir das. Ich habe keinen Vorzug für eine bestimmte Technologie. Unsere Verantwortung besteht jedoch darin, zu erkennen, dass es so nicht reicht, und uns deshalb auf den Fall vorzubereiten, dass zusätzliche Massnahmen nötig werden, insbesondere mit Blick auf den langfristigen Betrieb.

4. Die geopolitische Unsicherheit: Sie sehen die geopolitische Lage. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir ausreichend Strom erhalten. Sie kennen die Situation: Krieg in der Ukraine, Konflikt im Nahen Osten - es ist tragisch, was derzeit auf der Welt geschieht. Für uns bedeutet dies aktuell eine geringere Versorgungssicherheit, insbesondere beim Gas.

Sie wollen doch nicht von Gasimporten abhängig werden. Eine ausreichende inländische Stromproduktion stellt für die Schweiz einen strategischen Mehrwert dar. Der Vorteil der Kernkraft besteht darin, dass der Brennstoff für mehrere Jahre in der Schweiz gelagert werden kann, was beim Gas nicht möglich ist. Auch Uran kann über mehrere Jahre gelagert werden. Entgegen dem, was hier mehrfach gesagt wurde - bitte hören Sie mir noch kurz zu, ich musste oder, Entschuldigung, durfte auch relativ lange zuhören -, ist Uran zudem ohne Russland verfügbar.

Es laufen Bestrebungen, die Abhängigkeit von Russland bei der Aufbereitung des Brennstoffes Uran zu beseitigen. Das Kernkraftwerk Gösgen bezieht sein Uran ohnehin nicht aus Russland. Die Axpo hat dargelegt, dass sie über eine klare Strategie für den Ausstieg aus entsprechenden Abhängigkeiten verfügt. Es gibt Länder wie Australien oder Kanada, da kann man nicht von sogenannten Schurkenstaaten sprechen, die Uran liefern. In ganz Europa wird zudem eine eigene Lieferkette für Uran aufgebaut, um die Unabhängigkeit von Russland sicherzustellen und diese Abhängigkeit zu überwinden.

Ich wiederhole die vier Punkte: Die geopolitische Situation bringt uns in eine neue Situation; dass wir bei den Erneuerbaren nicht ausreichend vorankommen, bringt uns in eine neue Situation; dass unsere Bevölkerung wächst und dass wir mehr Strom benötigen, bringt uns in eine neue Situation, und auch die Erreichung der Klimaziele bringt uns in eine neue Situation. All dies war im Jahr 2017 noch nicht in dieser Form gegeben. Deshalb hat sich der Bundesrat erlaubt, diese Frage erneut zu stellen, und ich glaube, es ist die Pflicht des Bundesrates, diese Frage hier zu stellen. Es ist das Parlament und abschliessend das Volk, das entscheidet - also selbstverständlich die gleiche Staatsebene wie die, die 2017 entschieden hat.

Die Grundzüge des Gegenvorschlags sind folgende: Aus den erwähnten Gründen sollen die Bestimmungen zum Rahmenbewilligungsverbot für neue Kernkraftwerke und für eine Änderung bestehender Kernkraftwerke im Kernenergiegesetz ersatzlos aufgehoben werden; so viel zum Gegenvorschlag.

Die Forderung, dass wir uns auch um die Finanzen kümmern sollen, ist richtig. Das ist die Forderung der Minderheit I (Wismer Priska). Aber aus unserer Sicht kommt diese Frage der Finanzen zum falschen Zeitpunkt - sie ist einfach verfrüht. Ja, Sie lachen, aber wir brauchen dafür ein konkretes Projekt.

Wir wollen zuerst die Bevölkerung fragen: Ist es möglich, über die Option Kerntechnologie zu sprechen? Erst dann wird überhaupt eine Firma bereit sein, ein Projekt zu skizzieren. Wenn diese Firma dann kommt und sagt, sie könne das Projekt ohne staatliche Unterstützung nicht finanzieren, dann kommen wir mit einer Gesetzesvorlage ins Parlament, wenn wir es als richtig erachten, dass dieses Projekt unterstützt wird, und das Parlament wird dann erneut entscheiden.

Es handelt sich, wie viele gesagt haben, nicht um den Entscheid, ob jetzt ein Kernkraftwerk gebaut werden soll, ja oder nein. Es handelt sich um den Entscheid, ob wir das diskutieren dürfen. Heute haben wir ein Verbot: Es gibt keine Bewilligung; das steht glasklar im Kernenergiegesetz. So entwickelt doch kein Unternehmen ein Projekt. Es ist aber auch nicht am Bundesrat, jetzt ein potenzielles Projekt zu skizzieren und zu sagen, was das in zwanzig Jahren kosten könnte. Wenn Sie den Rückweisungsantrag annehmen, werden wir das selbstverständlich tun. Es wird aber sehr hypothetisch sein. Was macht denn das für einen Sinn? Das macht doch keinen Sinn.

Wir werden schon Zahlen haben. Wir haben ja in der Botschaft die Zahlen durchaus nicht einfach vergessen, wir haben nicht einfach nicht über die Finanzierung gesprochen. In der Botschaft sehen Sie auf Seite 24 die Zahlen zu den Kosten der Kerntechnologie aus heutiger Sicht. Dort haben wir das aufgeführt. Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) sagt, wir müssen mit Baukosten von 4 bis 7 Milliarden Franken rechnen. Wenn sich die Bauzeit massiv verlängert, sind es vielleicht 13 Milliarden Franken. Wir rechnen mit Gestehungskosten von - hören Sie zu - 7 bis 12 Rappen. Mit 7 Rappen sind wir im Bereich der Erneuerbaren, also absolut konform mit wettbewerbsfähigen Massnahmen. Das sagt das PSI; das bin nicht ich, der das sagt.

Klar können wir nicht einfach ins Blaue hinein irgendein Kernkraftwerk planen. Wir müssen ein Kernkraftwerk planen - wenn eine Unternehmung das machen will -, das standardisiert ist, in dem die Abläufe klar sind. Es wird in den nächsten 15 Jahren genügend Bauten geben, die dies demonstrieren und von denen wir lernen können. Wir machen das ja nicht heute. Deshalb bitte ich Sie freundlich, den Rückweisungsantrag nicht zu unterstützen.

Sie haben über die Entsorgung radioaktiver Abfälle gesprochen; Sie sagten, diese sei ungelöst. Das Standortauswahlverfahren für ein geologisches Tiefenlager in der Schweiz gilt international als Referenz für ähnliche Vorhaben - es ist eine internationale Referenz für ähnliche Vorhaben. Heute sind wir so weit, dass ein Lösungsvorschlag für die Entsorgung samt Standortvorschlag auf dem Tisch liegt. Zu beachten ist, dass die Stilllegungs- und Entsorgungskosten vorfinanziert werden. Für deren Finanzierung haben die Betreiber laufend Beiträge in unabhängige Fonds einbezahlt. Auch das gilt international übrigens als Musterbeispiel.

Für das Tiefenlager braucht es ein Rahmenbewilligungsverfahren. Der Antrag der Nagra an den Bundesrat ist gestellt. Es stimmt, in diesem Lager sind keine Abfälle aus neuen Kernkraftwerken vorgesehen. Ich sage Ihnen einfach: Es handelt sich um ein Gebiet mit Opalinuston in der Grösse von etwa 20 Hektaren. Die aktuell notwendige Lagerkapazität liegt bei 2 Hektaren. Aber natürlich müsste dann wieder ein Rahmenbewilligungsgesuch gestellt werden, über das Bundesrat und Parlament wieder entscheiden müssten.

Es ist nicht so, dass wir betreffend diese Abfälle einfach ins Blaue hinein diskutieren, sondern wir wissen relativ genau, was hier geschieht. Wir kennen die Kosten, ich habe es Ihnen gesagt. Viele haben nicht gesehen, dass dies in der Botschaft steht - es steht drin. Und wir wissen auch, wie die Beschaffung von Uran geht.

Das waren viele Fragen, die ich damit beantwortet zu haben hoffe.

Noch einmal abschliessend, ich muss es wiederholen: Der Zubau der Erneuerbaren ist mit dieser Vorlage nicht infrage gestellt. Es geht hier eben nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch. Es geht um ein Sowohl-als-auch: Erneuerbare und, wenn es dann nicht reichen sollte, auch Kernkraft.

Wir haben das Postulat Burkart 23.4152 beantwortet und stellen fest, dass die bestehenden Kernkraftwerke noch länger laufen können als bisher gedacht, und das noch rentabel. Also haben wir noch mehr Zeit für die Erneuerbaren. Aber wenn wir diese Zeit gut nutzen wollen, muss jetzt ein Ruck durchs Land gehen. Diese Option ist eigentlich einfach für den Fall, dass wir nicht bereit sein sollten; dann hätten wir diese Möglichkeit auch. Und die Leute, die in Leibstadt und Gösgen und noch bis 2032 bzw. 2033 in Beznau arbeiten, sollen wissen: Wir arbeiten nicht in einem verbotenen Markt; es ist attraktiv, hier zu arbeiten. Das ist das, was der Bundesrat will. Wir wollen nicht irgendwie die Erneuerbaren bremsen - so die Unterstellung, die hier verschiedentlich gemacht wurde. Im Gegenteil, es soll ein Ruck durchs Land gehen, weil wir festgestellt haben, dass es ohne Kernkraft eben nicht geht.

Der Ständerat teilte die Einschätzung des Bundesrates und nahm den indirekten Gegenvorschlag mit 26 zu 12 Stimmen bei 3 Enthaltungen an. Dabei nahm er eine inhaltliche Änderung vor. Auch hier hatte er an die Finanzen gedacht: Gemäss Artikel 13 Absatz 1 Buchstabe h - diese Bestimmung ist neu in der Vorlage - sollen Kernkraftwerke zudem nur bewilligt werden, wenn die Finanzierung des Baus und des Betriebs sichergestellt ist. Man kommt hier dem Anliegen des Rückweisungsantrages schon relativ weit entgegen. Daher bestünde die Möglichkeit, der Rückweisung nicht zuzustimmen. Wir haben die Finanzen im Blick und wissen, dass wir auch diese Fragen in einem nächsten Schritt klären, sobald ein konkretes Gesuch vorliegt.

Noch einmal zum Rückweisungsantrag: Wollen Sie denn wirklich heute und sofort - wir müssten ja sofort handeln - über eine Konkurrenz zur Finanzierung der erneuerbaren Energien diskutieren? Nein! Die Gesetzgebung bis 2035 ist klipp und klar: Die Unterstützung, Finanzierung und Förderung erneuerbarer Energien ist festgeschrieben. Das sind doch noch fast zehn Jahre. Daher wollen wir jetzt nicht über eine Finanzierung sprechen, die dazu in Konkurrenz steht; genau das will der Bundesrat nicht. Sie machen hier aber den nächsten Schritt und fordern uns dazu auf. Ja, wir werden dieser Aufforderung dann wahrscheinlich hypothetisch nachkommen, weil wir kein Projekt vorliegen haben. Dann würden wir mit der Diskussion über die Finanzierung beginnen und die Frage klären, ob es besser wäre, ein Kernkraftwerk oder erneuerbare Energien zu finanzieren. Ich will das aber nicht. Der Bundesrat wollte genau das vermeiden.

Es ist klar, dass wir jetzt das Geld für die erneuerbaren Energien brauchen. Wenn es reicht, ist es gut. Wenn es nicht reicht, brauchen wir allenfalls eine Förderung. Ich habe im Ständerat gesagt, dass es keine Energieform gibt, die nicht in irgendeiner Form vom Staat unterstützt wird. Ich brauche die gleichen Worte wie im anderen Rat. Es wäre nicht ehrlich, wenn ich das hier nicht sagen würde.

Wir wollen die erneuerbaren Energien mit dieser Diskussion nicht konkurrenzieren. Überlegen Sie sich deshalb nochmals: Wenn Sie für die erneuerbaren Energien sind, aber auch sagen, dass wir eine Alternative haben sollten, wenn es nicht reicht, dann stimmen Sie gegen den Rückweisungsantrag. Ich ersuche Sie ganz ehrlich darum. Wir werden alles daransetzen, die erneuerbaren Energien weiter zu fördern, weil Sie uns die Instrumente dazu gegeben haben.

Eine Minderheit der Kommission fordert Nichteintreten auf den Gegenvorschlag. Zudem liegen vier Rückweisungsanträge vor, die eine Überarbeitung der Vorlage respektive vertiefte Abklärungen fordern. Der Bundesrat und die Mehrheit Ihrer Kommission sind der Meinung, dass eine zeitnahe Aufhebung des Neubauverbots nötig ist, damit die langen Planungsarbeiten für einen Neubaubedarf rechtzeitig angegangen werden können. Projektspezifische Fragestellungen sollen, wie bereits erwähnt, dann diskutiert werden, wenn ein konkretes Projekt vorliegt. Zudem wollen verschiedene Minderheiten Ihrer Kommission zusätzliche Anforderungen für die Erteilung der Rahmenbewilligung und der Baubewilligung sowie den Ausschluss einer staatlichen Mitfinanzierung von neuen Kernkraftwerken im Gesetz festschreiben. Diese Minderheiten, seien Sie ehrlich mit sich, würden faktisch dazu führen, dass wir entweder weiterhin ein Technologieverbot aufrechterhalten oder ein Neubau praktisch verunmöglicht würde. Deshalb bitte ich Sie auch hier, der Mehrheit der Kommission zu folgen.

Frau Nationalrätin Weichelt hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, dass eine Studie gemacht werden sollte. Ich darf Ihnen sagen, dass das Bundesamt für Gesundheit bzw. die Eidgenössische Kommission für Strahlenschutz allfällige Lücken aufdeckt und das auch genau beobachtet. Ich mache Sie auch auf den Bericht in Erfüllung des Postulates 18.4107 zum Thema "Störfallanalysen bei Kernanlagen" aufmerksam. Wir werden das Nötige tun, falls hier Handlungsbedarf besteht.

Ich habe nicht mehr so lange. Ich habe versucht, mit meinen Ausführungen auf die wichtigsten Einwände einzugehen. Entschuldigen Sie, falls ich etwas nicht erwähnt habe. Ich bin gerne bereit, Fragen zu beantworten, soweit mir das möglich ist.

Ich will nochmals erwähnen, dass wir gegenüber der Zeit vor dem Ukraine-Krieg in einer neuen, leider instabileren Welt leben. Es ist eine neue Welt, insbesondere, was die Energieversorgung anbelangt. Diese ganz anderen Vorzeichen rechtfertigen es, einen Volksentscheid, der neun Jahre zurückliegt, erneut zu diskutieren. Niemand hier drinnen - da bin ich sicher, das wage ich zu sagen - hätte damals einen Ukraine-Krieg, hätte eine mögliche Strommangellage im Jahr 2022 vorausgesehen.

Ich erachte es deshalb als meine Pflicht als Energieminister und als eine Pflicht des Bundesrates, Ihnen diese zugegebenermassen sehr komplexe Diskussion vorzulegen und eine entsprechende Vorlage dann wohl auch, wenn es weitergeht, dem Volk zu unterbreiten. Die Verfassung verpflichtet uns, für eine ausreichende Energieversorgung zu sorgen. Das dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. In der Energiestrategie 2050 wurde die Notwendigkeit von Gaskraftwerken nochmals neu stipuliert. Gaskraftwerke können in der heutigen geopolitischen Lage - auch im Hinblick darauf, dass wir keine Speicher für Gas haben - und aus klimapolitischer Perspektive jedoch nicht die Lösung für die Zukunft sein.

Deshalb beantragt der Bundesrat, die Option Kerntechnologie zu öffnen, dies auch mit Blick auf die internationale Situation. Ich habe im ersten Quartal dieses Jahres an der Ministerkonferenz der Internationalen Energieagentur und später am Kernenergie-Gipfel in Paris teilgenommen. Manchmal hatte ich jetzt bei den Voten hier drin das Gefühl, der Bundesrat sei der Einzige, der auf die Idee gekommen ist, Kerntechnologie zu diskutieren. Alle Minister - alle Minister, egal welcher Partei - haben an beiden weltweiten Konferenzen ohne Ausnahme und in aller Klarheit gesagt, der Rückgriff auf die kostengünstige Nukleartechnologie sei für die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Länder in Zukunft zwingend. Sie haben unisono gesagt, dass Kerntechnologie für eine erfolgreiche Dekarbonisierung wichtig sei. Länder wie Griechenland, Belgien und Italien sprechen heute neuerdings von Kernkraft: Belgien, das aussteigen wollte, Italien, das keine Kernkraftwerke hat, Griechenland, das eigentlich die Grundlage für genügend Sonnenenergie hätte.

Ich gestatte mir hier nochmals - es ist schon von den Referenten gesagt worden -, Frau EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen zu zitieren, frei übersetzt aus dem Englischen: Es sei ein strategischer Fehler von Europa - ein strategischer Fehler von Europa! - gewesen, einer vertrauenswürdigen und erschwinglichen Energieproduktion mit wenigen Emissionen den Rücken zu kehren. Dies hat Frau von der Leyen gesagt. Es sei ein strategischer Fehler von Europa gewesen, einer vertrauenswürdigen und erschwinglichen Energieproduktion mit wenigen Emissionen den Rücken zu kehren. Und weiter: Man wolle "Europe to be a global hub of next-generation nuclear energy". Praktisch alle Energieminister der Länder rund um die Schweiz haben ihr zugestimmt. Das ist die internationale Situation. So wird auf diese neue Situation reagiert. Und da werden wir Erfahrungen sammeln können in den nächsten Jahren.

Wir werden nicht einfach einen Reaktor aufbauen, ohne uns das zu überlegen, wenn das gefährlich sein könnte. Wir werden jetzt zuerst vorwärtsmachen mit den Erneuerbaren, aber wir wollen auch die anderen Überlegungen machen. Und wenn es gut läuft, wenn alles läuft, wie hier gesagt wurde, dann ist es umso besser. Dann bin ich der Erste, der hier vorne sagt, es brauche jetzt nichts anderes. Aber solange ich jedes Kilowatt irgendwo zusammenkratzen muss, solange ich das machen muss, bin ich überzeugt, dass es etwas Gutes wäre, hier Ja zu sagen zum Gegenvorschlag und insbesondere den Rückweisungsantrag abzulehnen.

Die Schweiz wurde als kleines Land zum innovativsten Land der Welt. Dazu gehörte immer, ob Sie das Wort mögen oder nicht, auch die Technologieoffenheit, Offenheit für alle Technologien, keine Verbote. Das war das Rezept unseres Landes und zudem - das ist Voraussetzung für alles - die Gewährleistung einer sicheren Energieproduktion, einer sicheren Energieversorgung. Insbesondere ist auch die vorausschauende Planung einer sicheren Energieversorgung nötig, damit sie ein Land langfristig sicherstellen kann. Die sichere Energieversorgung ist letztlich auch in Zukunft die Grundlage für die Unabhängigkeit, Souveränität und wirtschaftliche Prosperität eines Landes. Daran wollen wir nicht scheitern.

Das ist die Motivation des Bundesrates, nichts mehr und nichts weniger, ohne irgendwelche Hintergedanken bezüglich Abhängigkeiten. Die sichere Energieversorgung und das Vertrauen, langfristig eine solche erwarten zu können, sind als Standortfaktoren unabdinglich.

Deshalb nochmals: Ich danke Ihnen, wenn Sie dem bundesrätlichen Entwurf, auch in Kenntnis dieser Aspekte, zustimmen und den Rückweisungsantrag, nicht weil er falsch ist, sondern weil wir das später ohnehin machen, ablehnen.

Badran Jacqueline · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Herr Bundesrat Rösti, Sie haben Ökonomie studiert, und da gibt es ein Fach, das heisst Investitionsrechnung. Diese geht von einem limitierten Investitionsfranken aus, das heisst, man vergleicht eine Investition in A, AKW, versus E, Erneuerbare. Das heisst, man kann nicht in Form eines Sowohl-als-auch investieren, sondern nur als Entweder-oder. Das heisst, es wären verdrängende Investitionen, AKW versus Erneuerbare, und damit wäre netto nicht mehr Strom hier im Land. Verstehen Sie das?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Frau Badran, Sie haben ja auch Ökonomie studiert. Dann wissen Sie auch, dass alles auf einer Zeitachse, kurz-, mittel- und langfristig, zu betrachten ist. Haben Sie nicht gehört, was ich gesagt habe? Es ist nicht ein Entweder-oder. Wenn es mittelfristig nicht gelingt, mit den Erneuerbaren genügend Strom hinzukriegen, braucht es langfristig KKW. Das ist keine Konkurrenz. Ich sage Ihnen, wir haben in den Jahren 2008 bis 2024 für etwa 10 Prozent unserer Stromversorgung 14 Milliarden Franken in Erneuerbare investiert. Hätten wir so viel in AKW investiert, hätten wir viel mehr Strom; dies in Klammern gesagt. Aber diesen Vergleich mache ich eben nicht. Man sagte damals, mittelfristig - mittelfristig ist ökonomisch weniger, das weiss ich schon -, in den nächsten zwanzig, dreissig Jahren, sei voll auf Erneuerbare zu setzen. Nur sehen wir heute, 15 Jahre später, dass es nicht reicht, wenn wir diese Kurve weiterverfolgen. Also müssen wir sagen: Wenn es dann langfristig nicht gereicht hat ... Sie haben mich schon verstanden.

Nause Reto · Mit-M · Nationalrat · Bern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Herr Bundesrat, ich habe eine sicherheitspolitische Frage an Sie. Wir haben Krieg in Europa; wir stellen fest, dass in der Ukraine namentlich Kerninfrastruktur angegriffen wird - Stichwort Saporischschja -; wir wissen, dass der Schweizer Luftraum heute nicht geschützt werden kann. Haben Sie sich auch solche sicherheitspolitischen Überlegungen gemacht? Wenn ein AKW in der Schweiz getroffen wird, dann ist auch halb Europa verstrahlt.

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Ja, hoffen wir, dass es nicht gerade zu so einem Unfall kommt. Die AKW werden ja laufend nachgerüstet. Aber natürlich mache ich mir solche Gedanken.

Sie haben mich in Bezug auf die Zeitachse nicht gehört: Wir sprechen, sollte es dann allenfalls ein neues Kernkraftwerk geben, über die Jahre 2045 oder 2050. Heute leben wir ja von den bestehenden AKW. Wenn Sie sicherheitspolitisch argumentieren, müssten wir die bestehenden AKW eigentlich abschalten. Das machen wir natürlich nicht, denn sonst hätten wir ein Problem. Es geht hier, sollten die Erneuerbaren nicht ausreichen, um einen Bau in 20, 30 Jahren. Wir wissen beide nicht, wie dann die Welt aussieht. Ich hoffe, es herrscht dann kein Krieg mehr in Europa; ich hoffe, man kann das in der Zwischenzeit regeln.

Bei einer Strommangellage während einiger Wochen würden sich die Schäden auf bis zu 84 Milliarden Franken belaufen, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz berechnet hat. Ein Angriff auf ein AKW gehört zum Schlimmsten, was passieren kann. Die Kernkraftwerke, das gebe ich zu, haben einen internen Plan, den sie nicht veröffentlichen; darin ist festgehalten, wie sie im Falle des schlimmsten Ereignisses den Schutz bewerkstelligen wollen und müssten. Zudem verfügen die Kernkraftwerke über einen besonderen völkerrechtlichen Status, damit man sie nicht angreift. Die Internationale Atomenergie-Organisation setzt sich für den Schutz der Anlagen ein. In Saporischschja ist das nicht ganz gelungen, aber immerhin konnte man erreichen, dass bis heute keine Verstrahlung erfolgt ist.

Müller-Altermatt Stefan · Mit-M · Nationalrat · Solothurn · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Herr Bundesrat, Sie haben in den ersten fünf Minuten Ihres Votums den springenden Punkt erwähnt, als Sie gesagt haben, dass wir in Zukunft ein Problem mit der Restlastabdeckung haben werden. Dieses Problem wollen Sie jetzt mit AKW lösen. Geben Sie mir aber recht, wenn ich sage, dass ein AKW, ein Grundlastkraftwerk, niemals - egal, wie gross das Problem auch ist, das von Ihnen immer wieder betont wird - einen Beitrag an die Restlastabdeckung leisten wird, sondern im Gegenteil die Wasserkraft konkurrenzieren wird, die wegen der tiefen Preise noch weniger ausgebaut werden kann, obwohl sie mehr wäre als Restlastabdeckung, nämlich auch Speicher und Systemdienstleistung?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Herr Nationalrat Müller-Altermatt, ich gebe Ihnen nicht recht. Wir werden ja nicht Kernkraftwerke auf Reserve bauen, sondern wir wollen sie nur bauen, wenn im Winter wirklich eine Lücke besteht. In den nächsten Jahren werden Kernkraftwerke auch weiterentwickelt sein, und sie sollten dann eigentlich auch in der Lage sein, mehr abzuschalten, flexibler einsetzbar zu sein. Das ist durchaus eine Entwicklung, die im Moment vor sich geht.

Weber Céline · Mit-F · Nationalrat · Waadt · Grünliberale Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral, si je vous ai bien compris, vous avez dit plusieurs fois, au début de votre intervention, qu'on n'atteignait pas les objectifs de la transition énergétique. J'aimerais savoir ce qui vous permet de dire cela quand on sait que la consommation de l'électricité en Suisse est restée parfaitement stable au cours de ces vingt dernières années, malgré 250 000 pompes à chaleur, 100 "data centers", une augmentation de 1,5 million d'habitants, et que, par ailleurs, on est en plein dans les objectifs qu'on s'était fixés pour le solaire. Qu'est-ce qui vous permet de dire qu'on n'atteint pas les objectifs de la transition énergétique ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Gerne beantworte ich Ihre Frage, Frau Nationalrätin Weber. Der Grund ist einfach die Tatsache, dass wir in Bezug auf den Winterstrom nicht vorwärtskommen. Sie haben recht: Es wurde sehr viel gespart, glücklicherweise. Die Stromnachfrage ist nicht wie erwartet gestiegen. Aber Winterstrom produzieren wir bereits heute zu wenig, und wir sind auf massive Importe angewiesen. Diesen Bedarf wollen wir decken. Ich habe vorhin gesagt, wie die Situation bei der Windkraft aussieht, wie sie bei der Wasserkraft aussieht, wie sie bei alpinen Solaranlagen aussieht. Das können Sie nicht wegdiskutieren. Wir kommen bei der Winterstromproduktion nicht vorwärts.

Clivaz Christophe · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Grüne Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral, vous avez souligné l'importance de l'hydroélectricité et vous avez mentionné certaines difficultés rencontrées actuellement pour l'avancement des projets, mais vous avez oublié de mentionner les interrogations sur la rentabilité de ces investissements dans l'hydroélectricité. On peut parler de Chlus. On peut parler du Lago Bianco. Les porteurs de ces projets se posent des questions. En plus, une étude de la HES-SO Valais-Wallis présentée la semaine passée a montré les pertes que risquait de subir le secteur - en tout cas la perte de bénéfices - avec l'arrivée du nouveau nucléaire.

Ma question est donc : est-ce que vous n'avez pas l'impression que, aujourd'hui, en prenant cette décision de rouvrir la porte au nucléaire, vous allez bloquer les investissements dans l'hydroélectricité ? Parce que les porteurs de ces projets doivent, pour pouvoir faire leurs calculs de rentabilité, savoir si, dans trente ans, vous allez rajouter ou non du nouveau nucléaire.

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Nein, ganz klar nein! Ein Investor oder ein Verwaltungsrat, der ein Projekt realisieren will und einen Gewinn erwarten kann, realisiert das Projekt, allenfalls mit Bundesbeiträgen. Wenn nicht, realisiert er es nicht. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass jemand, der Geld in ein Projekt investiert, zuhört, was wir hier diskutieren. Er schaut in der Gesetzgebung, wie viele Förderbeiträge er erhalten wird, und sieht, dass er das Projekt jetzt planen kann, weil die Förderbeiträge bis 2035 sichergestellt sind und niemand die Absicht hat, das zu ändern. Dann wird er, wenn er damit Gewinne macht, dieses Projekt realisieren. Sonst wird er es nicht realisieren. Das ist in der Ökonomie doch die Realität.

Es wird vor allem investiert, weil der Bundesrat ganz klar sagt, dass es das braucht. Wir waren nie diejenigen, die sagten, es gebe ein Entweder-oder, bzw. die sagten, wenn wir mit Kernkraft kommen, braucht es das andere nicht. Das wäre wirklich dumm. Wir sagen, es braucht es. Dann wird der Investor auch investieren.

Mahaim Raphaël · Mit-M · Nationalrat · Waadt · Grüne Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral, sur le continent européen, les pays qui sont en tête du classement du plus haut taux de production d'électricité d'origine renouvelable, ce sont les pays qui ont renoncé de longue date à l'énergie nucléaire. Je pense au Portugal, à la Norvège, au Danemark. Pensez-vous que c'est un hasard ? Préférez-vous emmener la Suisse sur le chemin de la France plutôt que sur le chemin du Portugal, de la Norvège ou du Danemark ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Nein, ich habe ganz klar nicht gesagt, dass wir den Weg von Frankreich gehen wollen. Ich habe klar gesagt: Wir brauchen die erneuerbaren Energien, wir brauchen die Wasserkraft, die Windkraft, die Solarenergie, die Biogasenergie, und wir müssen einfach besser vorwärtskommen. Das war der grosse Appell hier. Das gelingt nicht, wenn man immer sagt - bei einigen Projekten auch aus meiner Sicht zu Recht -, die Biodiversität müsse im Vordergrund stehen. Wir können nicht überall die Biodiversität schützen und dann sagen: Wir wollen hundert Prozent Klimaschutz, aber keine Kerntechnologie. Irgendwo hat das einen Einfluss.

Wismer-Felder Priska · Mit-F · Nationalrat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Herr Bundesrat, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Ich habe Ihnen sehr genau zugehört. Sie haben bestätigt, dass es in der Vorlage eine Kostenberechnung gibt; Sie haben auch bestätigt, dass alle Energieformen subventioniert, irgendwie unterstützt werden müssen. Wäre es dann nicht ehrlich, uns als Parlament auch zu sagen - da diese Kostenberechnung schon besteht -, aus welchen Quellen Sie diese Finanzierung vornehmen wollen und in welchem finanziellen Rahmen das geschehen soll?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Frau Nationalrätin Wismer-Felder, ich glaube, ich habe es schon gesagt: Wenn das Geschäft angenommen wird, müssen wir faktisch eine hypothetische Darstellung machen, was im Jahr 2040, 2045 oder vielleicht dann 2050 unterstützt werden muss. Ich sage Ihnen nochmals: Wir werden Anfang der 2030er-Jahre so oder so über ein neues Energiegesetz sprechen, weil die Beiträge bis 2035 limitiert sind. Das Jahr 2026 hat erst begonnen, bzw. wir befinden uns in der ersten Jahreshälfte; wir haben also noch fast zehn Jahre im Rahmen der bestehenden Förderung, die wir nicht infrage stellen und die wir nicht in Konkurrenz zu etwas anderem stellen wollen.

Wenn Sie möchten, dass wir jetzt hypothetisch etwas konstruieren, dann werden wir das natürlich tun. Aber es geht nicht darum, jetzt zu sagen, dass wir eine finanzielle Konkurrenz zu den Erneuerbaren vorsehen. Genau das will der Bundesrat nicht, und er wird das auch nicht mit diesem Auftrag tun. Er wird allenfalls hypothetisch sagen, was das dann in dieser Zeit für den Netzzuschlagsfonds für ein solches Projekt bedeutet. Aber Folgendes scheint mir wichtig zu sein: Es ist jetzt keine unmittelbare Konkurrenz zu den Erneuerbaren vorgesehen.

Schlatter Marionna · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion

Besten Dank, Herr Bundesrat. Ich muss jetzt trotzdem noch einmal bezüglich der zeitlichen Abläufe nachfragen, auch in Anlehnung an die Frage von Kollegin Badran. Sie haben gesagt, Sie würden sich für die Erneuerbaren einsetzen; Sie sagten, wenn es dann nicht reichen sollte, würden wir wieder auf Atomkraft setzen. Wann müsste der Bundesrat konkret mit einem Projekt kommen und damit auch die Finanzierung klären, wenn dieses Werk 2045 am Netz sein soll? Sie wissen, es dauert zwanzig Jahre, bis ein Windpark läuft. Sie können mir daher nicht erzählen, es dauere zehn Jahre ab dem Punkt, wo Sie mit dem Projekt kommen, bis es am Netz ist. Wann kommt der Bundesrat mit dem Projekt?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Der Bundesrat wird nicht mit einem Projekt kommen - sonst müsste es ganz speziell laufen. Das ist ja das Problem der Rückweisungsanträge. Wir haben in der Schweiz vielmehr eine Ordnung, in der grundsätzlich die Unternehmen sagen, was sie produzieren. Wahrscheinlich werden die Unternehmen dann kommen und sagen: Wir sind bereit, eine solche Anlage zu erstellen. Je nach dem Stand der technischen Entwicklung kommt vielleicht jemand, der einen Small Modular Reactor erstellen will. Dann werden wir diskutieren, ob dies erstens für die Produktion nötig ist und wie sich die Situation darstellt und ob er zweitens ein Finanzinstrument braucht, ob nur eine Bürgschaft oder eine Unterstützung, wie wir sie heute haben. Und wenn Sie fragen, wann, so kann ich Ihnen, kurz geantwortet, sagen, dass der Bundesrat nicht mit einem Projekt kommen wird; das müssen Projektanten sein. Was ich Ihnen aber sagen kann: Der Bundesrat muss, ich sage jetzt mal, Anfang der 2030er-Jahre mit einer Anpassung des Energiegesetzes kommen - vielleicht fordern Sie vorher eine Änderung -, weil die Förderbeiträge 2035 auslaufen. Und wenn der Bundesrat dann sieht, dass es wirklich nötig ist, dass wir in die Kernkraft investieren, wird er vielleicht einen Finanzierungsvorschlag machen, wenn Projekte da sind. Die Antwort in Kürze ist also: Der Bundesrat kommt nicht mit einem Projekt, aber allenfalls mit einem Gesetzentwurf für die Anpassung des bestehenden Energiegesetzes.

Brenzikofer Florence · Mit-F · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion

Herr Bundesrat, die Kantone haben eine glasklare Strategie, und die Mehrheit der Kantone hat sich in der Vernehmlassung klar gegen den indirekten Gegenvorschlag ausgesprochen. Können Sie bestätigen, dass der indirekte Gegenvorschlag im Widerspruch zu einigen Gesetzesbestimmungen und Verfassungsbestimmungen der Kantone steht?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Nein, das kann ich nicht bestätigen. Die Konferenz kantonaler Energiedirektoren hat zu diesem Gegenvorschlag nicht einfach Nein gesagt. Sie hat gesagt, sie könne im Moment nicht Ja sagen, weil sie verschiedene Punkte geklärt haben will. Ja, das ist nicht dasselbe - sie hat sich einfach nicht klar geäussert.

Suter Gabriela · Mit-F · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion

Herr Bundesrat, in den letzten Jahren wurden pro Jahr Fotovoltaikanlagen mit einer Leistung von 1,5 Gigawatt zugebaut. Das entspricht einer Energiemenge von etwa 1,5 Terawattstunden pro Jahr. Wenn dieser Zubau während fünf bis sechs Jahren so weitergeht, ergibt das ungefähr, sofern es läuft, den Jahresertrag des AKW Gösgen. Meine Frage an Sie: Wie viele Kilowattstunden würden, wenn wir jetzt dem Gegenvorschlag zustimmen würden oder wenn die Initiative angenommen würde, bis 2050 insgesamt ins Netz gespiesen werden?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Wenn ich ganz ehrlich bin: Vielleicht gibt es irgendwo einen Small Modular Reactor, mit dem es schneller geht, falls Investoren neben einem Rechenzentrum sehr schnell Strom brauchen. Das ist vielleicht vorher möglich, aber ich gehe davon aus, dass ein neues Kernkraftwerk nicht vor 2050 ans Netz gehen wird.

Deshalb sage ich ja: Es muss jetzt geplant werden, wir müssen jetzt die Diskussion führen. Es muss ab den 2030er-Jahren geplant werden, sonst wird es keines geben. Diese Lücke möchte ich einfach nicht verantworten. Der Zubau an Solarenergie ist super, ich gratuliere Ihnen für diesen Zubau. Er ist wirklich gut, und ich rate allen, so weiterzufahren. Die Förderung ist ja da, sie ist unbestritten, aber es reicht halt nicht für den Winter. Wir brauchen eine Redundanz, wir brauchen Bandstrom. Sie sind technisch gut versiert, Sie wissen, dass wir im Winter auch Bandstrom brauchen, um das System zu stabilisieren, vor allem, um die Wintermonate, wenn es wochenlang kalt ist und regnet, zu überstehen.

Ryser Franziska · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion

Herr Bundesrat, Sie haben jetzt mehrfach - auch gerade wieder auf die letzte Frage - geantwortet, dass wir im Winter ein Problem hätten; Sie sagten, es gebe die Winterstromlücke und dass Sie deshalb ein AKW bräuchten. Was machen Sie mit dem Überschussstrom im Sommer?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Nochmals, Frau Nationalrätin Ryser: Ich habe nicht gesagt, ich bräuchte ein AKW; das habe ich nie gesagt. Wenn wir keines brauchen, ist es umso besser. Aber hier müssen Sie deblockieren, damit wir diese Windkraftwerke bauen können, und dann müssen wir auch endlich die Staumauern bauen können. Ich weiss nicht - Entschuldigung? Die Frage, jaja, ich antworte gerne auf die Frage. Die Kernkraftwerke müssen revidiert werden, und wir gehen davon aus, dass es dannzumal Kernkraftwerke gibt, die einfacher als die heutigen Typen runter- und wieder hochzufahren sein werden.

Gysin Greta · Mit-F · Nationalrat · Tessin · Grüne Fraktion

Ich habe eine Grundkenntnisfrage für Sie - Sie sollten sie beantworten können, Sie sind ja schliesslich Umweltminister. Sie sagten in Ihrem Votum, 2017, als wir den Atomausstieg beschlossen, habe noch niemand über Paris und das Klimaabkommen gesprochen. Können Sie mir sagen, wann dieses Abkommen abgeschlossen wurde?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Oh, jetzt überfordern Sie mich - ich glaube, 2021 oder 2022.

Michaud Gigon Sophie · Mit-F · Nationalrat · Waadt · Grüne Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral, l'énergie la meilleure marché est celle que nous ne devons pas produire. Le potentiel d'économie d'énergie est très grand, et pourtant, dans tous les discours autour des options neutres technologiquement, on n'a pas beaucoup entendu parler, justement, des options d'efficience énergétique. Est-ce que vous pourriez donc parler ici de cette dernière voie ? Quelles mesures fortes d'efficience énergétique le Conseil fédéral planifie-t-il pour le court et le moyen terme - pour que nous ayons la palette des possibilités ?

L'énergie la meilleure marché est celle que l'on n'est pas obligé de produire. Le potentiel d'économies d'énergie est grand, et pourtant cela a peu fait l'objet du débat aujourd'hui. Pourtant, c'est une option dont on pourrait aussi parler. Quelles mesures fortes d'efficience énergétique le Conseil fédéral planifie-t-il à court et moyen terme afin d'utiliser aussi cette option ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Diese Option ist natürlich sehr zentral. Sie haben ja selbst entschieden, dass die Energieunternehmen 2 Prozent ihrer Stromproduktion wieder mit Einsparungen kompensieren müssen. Diese Umsetzung läuft im Moment. Das ist eine Massnahme. Eine andere ist die Einsparung bei den Geräten. Da hat man eine entsprechende Kurve. Aber das sind natürlich alles Beschlüsse, die Sie gefasst haben, die auch gut sind und die wir genau so umsetzen, wie dies das Parlament definiert hat.

Ich bin mit Ihnen einverstanden, dass Einsparungen einen wichtigen Punkt darstellen. Aber am Ende haben wir leider trotz aller Einsparungen zu wenig. Nehmen wir den positiven Fall an, dass es so weitergeht und wir trotz des Bevölkerungswachstums und all dieser Faktoren nie mehr Strom brauchen als heute, weil wir sehr viel einsparen. Trotzdem wird irgendwann der Ersatz der Kernkraftwerke fällig, die 20 Terawattstunden produzieren.

Aber auch für den Bundesrat sind die Einsparungen in der Umsetzung wichtig.

Klopfenstein Broggini Delphine · Mit-F · Nationalrat · Genf · Grüne Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral Rösti - je ne sais pas si vous m'écoutez Monsieur Rösti -, nous avons eu l'occasion d'être ensemble lors du débat de la RTS pour l'émission "Infrarouge", pour défendre la loi sur l'approvisionnement en électricité, la loi solaire par excellence. Nous avions un argument commun qui était celui de la souveraineté énergétique, du fait que le solaire apporte 100 pour cent de souveraineté énergétique. Comment pouvez-vous justifier aujourd'hui que le nucléaire apporte une souveraineté énergétique, alors que celui-ci dépend massivement d'importations d'uranium de Russie ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Ja, ich habe es in meinen Ausführungen gesagt, Frau Nationalrätin Klopfenstein, wir haben die Möglichkeit, Uran zu lagern, wie das auch beim Öl der Fall ist, und die Alternative wären dann nicht Erneuerbare, sondern die Alternative, wenn ich zu wenig habe, sind Importe oder Gas. Beim Gas haben wir eine deutlich schlechtere Versorgungssicherheit, weil wir Gas nicht speichern können. Wenn es das alles nicht braucht, umso besser. Aber ich sage Ihnen nochmals: Wenn es am Schluss nicht reicht mit den Erneuerbaren, ist von den zwei Möglichkeiten - Gasimporte oder Kernenergie - die Kernenergie die beste Lösung für mehr Souveränität des Landes.

Schmaltz Anna-Béatrice · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion

Geschätzter Herr Bundesrat Rösti, meine Frage geht ein bisschen in eine andere Richtung, und zwar lautet sie: Wenn wir über Atomkraft sprechen, dann kommen wir auch schnell zum Thema Atomwaffen, und da würde mich interessieren, wie Sie diese Zusammenhänge sehen. Gibt es eigentlich Unternehmen, die nur für den Energiebereich Atomforschung betreiben? Es gibt ja eine sehr enge Verknüpfung mit der militärischen Forschung, was ich aus Schweizer Sicht sehr problematisch finde.

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Ich glaube, es ist von daher wichtig, dass wir sicherstellen, dass die Lieferketten von Uran beispielsweise aus Australien oder Kanada kommen. Dann dürfte diese Gefahr nicht gegeben sein. Europa erarbeitet im Moment eine Strategie für diese Lieferketten aus Staaten, die in dieser Hinsicht unproblematisch sind.

de Meuron Andrea · Mit-F · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion

Geschätzter Herr Bundesrat Rösti, Sie haben in Ihren Ausführungen gesagt, dass das Uran nicht aus Russland komme, sodass - so habe ich es verstanden - es nicht so problematisch sei. Tatsache ist aber, dass die Schweiz nicht über Uranvorkommen verfügt. Zudem ist die wirtschaftliche Förderung gemäss fachlichen Informationen auf sechzig Jahre begrenzt. Uran wächst auch nicht auf den Bäumen. Wie beurteilen Sie diese nicht erneuerbare Energiequelle, die nicht in der Schweiz vorkommt und von der bereits heute klar ist, dass sie begrenzt ist?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Es gibt für Jahrzehnte genügend Uran, das ist in diesem Fall sichergestellt. Die Frage ist nicht, ob Uran gut oder schlecht ist. Würde das isoliert betrachtet, würde ich das auch nicht tun. Wenn es aber kaum Alternativen gibt, wenn es zu wenige erneuerbare Energien gibt und wir in dieser heutigen Zeit nur die Alternative Gas ohne Speicher haben, ist diese Situation viel schlechter für die Souveränität und Versorgungssicherheit, als wenn wir auf Kerntechnologie setzen, bei der wir die Brennstäbe für drei, vier Jahre im Voraus kaufen können. In Beznau gab es beispielsweise Brennstäbe in dieser Menge, und sie mussten in dieser kritischen Zeit keine neuen kaufen.

Schaffner Barbara · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion

Geschätzter Herr Bundesrat, Sie haben sich gegen den Vorwurf gewehrt, Sie wollten die Erneuerbaren ausbremsen. Ich habe in meinem Votum von einem Bremsklotz für die Erneuerbaren gesprochen, aber nicht im Sinne einer Unterstellung an Sie. Können Sie sich nicht vorstellen, dass der Entscheid, wieder auf Atomkraft zu setzen, automatisch zu einer Bremsung des Ausbaus der Erneuerbaren führt und auch den Gegnern von Windkraft, von alpinen Solaranlagen und des Ausbaus von Wasserkraft neuen Wind gibt?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Sehr geehrte Frau Nationalrätin Schaffner, danke, dass Sie das so gesehen haben.

Den Gegnern kann man nicht neuen Wind geben, dieser Wind ist schon da, sonst würden ja nicht so viele Projekte blockiert. Dieser Wind ist leider schon da. Letztlich geht es um die Frage, ob jemand investieren will. Ich habe vorhin meine Einschätzung dargelegt, die brauchen Sie nicht zu teilen. Ein Investor schaut nicht, was wir hier diskutieren, sondern er schaut im Gesetz, welche Fördermöglichkeiten es gibt, und überlegt, ob es am Schluss einen Gewinn gibt.

Grossen Jürg · Mit-M · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion

Geschätzter Herr Bundesrat, Sie haben vorhin mit Ökonomie usw. argumentiert. Ich habe gelesen, dass durch HES-SO eine Studie gemacht wurde, die zum Schluss kam, dass die Wasserkraft mit den sehr langen Investitionszyklen von neuen Kernkraftwerken stark konkurrenziert würde. Es könnten dadurch bei der Wasserkraft bis zu 42 Prozent Ertragseinbussen entstehen. Finden Sie nicht, dass es doch angebracht wäre, bevor wir jetzt einen solchen Entscheid treffen, dass man sich über die finanziellen Konsequenzen sehr genau orientiert und Gedanken macht und dass Sie sich auch positionieren müssen? Denn am Schluss kann man den Franken nur einmal ausgeben.

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Herr Nationalrat Grossen, ich glaube, ich habe mich relativ klar positioniert, indem ich klar gesagt habe, dass alle Energien eine Unterstützung brauchen. Dass sich diese Unterstützung letztlich wahrscheinlich überall etwa im gleichen Rahmen bewegen muss, ist wohl auch klar. Aber am Schluss müssen wir ein konkretes Projekt mit Kosten und Amortisationsdauer haben, um es genau sagen zu können. Wir rechnen mit einem Horizont von 20, 30 Jahren; das wird einfach sehr hypothetisch, wenn wir das jetzt machen.

Eines möchte ich klar sagen, wir sind ja beide Berner Oberländer: Als Berner Oberländer möchte ich sicher nicht die Wasserkraft konkurrenzieren. Wir haben heute Kernkraftwerke in Leibstadt, Gösgen und Beznau, weil wir sie brauchen, und daneben die Wasserkraft, weil wir sie brauchen. Wir haben nicht die Möglichkeit, 20 Terawattstunden mit Wasserkraft zu ersetzen; das haben wir nicht. Wir können so vielleicht 4 Terawattstunden ersetzen - wenn es bis 2040 am Schluss 4 Terawattstunden wären, wäre es ja super. Aber es gibt keine Konkurrenz. Es gibt eine Konkurrenz, wenn wir ein Überangebot schaffen; das ist klar. Da bin ich mit Ihnen einverstanden - das dürfen wir nicht machen.

Paganini Nicolò · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Geschätzter Herr Bundesrat Rösti, nachdem Kollegin Gysin Sie betreffend das Datum des Pariser Abkommens aufs Glatteis geführt hat: Können Sie bestätigen, dass das Pariser Abkommen im Abstimmungsbüchlein 2017 zur Energiestrategie 2050 nicht erwähnt wird und der Begriff "Dekarbonisierung" dort ebenfalls nicht vorkommt?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Das kann ich so bestätigen, man sprach damals überhaupt nicht von Dekarbonisierung. Ich war vorhin abgelenkt, weil ich nicht noch ein zweites Mal etwas Falsches sagen wollte - danke, Frau Ryser, für die Korrektur. Man sprach in dieser ersten Phase von einer Reduktion um 50 Prozent, vielleicht können Sie sich an meine Vorvorgängerin erinnern. Damals ging man davon aus, dass wir um 50 bis 60 Prozent reduzieren werden. Erst später sagte man, dass wir um 100 Prozent reduzieren; das Netto-null-Ziel kam später. So habe ich mich vielleicht einigermassen aus dieser Schlinge herausgewunden.

Porchet Léonore · Mit-F · Nationalrat · Waadt · Grüne Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral, nous parlons beaucoup de financement du nucléaire dans le pays, parce qu'en fait, en Suisse et dans les pays autour de nous, il est prouvé que l'énergie nucléaire est extrêmement chère, notamment pour ce qui est de la construction et du maintien des infrastructures, de leur démontage et de la gestion des déchets. Vous venez de confirmer que vous étiez prêt à subventionner le nucléaire. Pouvez-vous dire encore une fois : "Oui, je subventionnerai le nucléaire" ? Pouvez-vous me dire dans quel pot on trouvera cet argent destiné au subventionnement, si ce n'est pas au détriment des énergies renouvelables, alors qu'on est en période d'austérité ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Non, je n'ai pas dit qu'on subventionnera l'énergie nucléaire. J'ai simplement dit que normalement, quel que soit le type d'énergie, il faut la soutenir, il faut la subventionner. Mais, je l'ai dit, seulement quand une entreprise propose un projet concret. Avant d'avoir un projet concret, avec les coûts d'investissement, les coûts d'exploitation, je ne peux pas dire combien coûte le projet ni combien l'État va mettre.

Je ne vais pas dire à hauteur de combien on va le soutenir. C'est vous, à la fin, qui allez décider. Peut-être que vous déciderez de le soutenir - oui, par le biais du fonds si c'est ce que vous voulez entendre - avec le "Netzzuschlag". Ce serait peut-être un instrument de financement si on voit qu'on ne peut pas assurer l'approvisionnement avec les énergies renouvelables. Ce n'est que si on n'y arrive pas. Mais il faut le prouver. Aujourd'hui, je crains qu'on n'y arrive pas, et c'est la raison pour laquelle nous faisons cette proposition.

Roduit Benjamin · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Monsieur le conseiller fédéral, vous avez longuement expliqué pourquoi le Conseil fédéral ne peut pas, aujourd'hui, présenter les modalités de financement de futures centrales nucléaires. Vous m'avez convaincu. Cependant, il s'agira de convaincre le peuple dans moins d'une année. Lorsqu'on vous demandera combien ça coûte, est-ce que vous pensez que les explications que vous avez données au Parlement suffiront ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Je suis sûr que si on peut dire qu'une centrale nucléaire coûte entre 7 et 13 milliards de francs et que le prix de l'électricité se situe entre 7 et 12 centimes par kilowattheure - c'est ce que l'Institut Paul Scherrer indique dans des études -, on peut persuader le peuple. Une majorité du peuple a dit, selon les sondages, qu'un approvisionnement sûr en électricité était important, aussi avec l'option nucléaire, mais c'est à prouver.

Berli Rudi · Mit-M · Nationalrat · Genf · Grüne Fraktion

Monsieur le conseiller fédéral, ne pensez-vous pas que le seul avantage relatif du nucléaire, à savoir son opérabilité, soit le fait de pouvoir l'allumer ou l'éteindre à échéance plus ou moins rapide, vient de tomber avec l'arrivée des mégabatteries ? Vous savez qu'aujourd'hui, à Laufenburg, on construit la plus grande batterie du monde. Que dites-vous à ce sujet ?

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Il n'y a aucune raison de freiner un tel projet. De tels projets sont importants, et s'ils avancent sur le terrain, c'est bien. En fin de compte, on pourrait ainsi éviter de construire une nouvelle centrale. Ces projets doivent d'abord assurer l'énergie pour la demande supplémentaire - 1 million d'habitants en plus. Il faut se demander si on pourra mettre en oeuvre des projets capables de produire les 20 térawattheures que produisent les centrales existantes. C'est vraiment beaucoup.

Egger Mike · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Nach über neun Stunden Beratungszeit erlaube ich mir eine kurze Replik aus Sicht der Kommission. Wir diskutierten die letzten neun Stunden intensiv. Es war eine sehr gute Diskussion, es war eine sehr wichtige Diskussion über die zukünftige Ausrichtung der Schweizer Stromversorgung. Es scheint mir, dass gerade die Beantwortung besonders einfacher Fragen sehr komplex sein kann, denn heute entscheiden wir nicht über den Bau eines neuen Kernkraftwerkes, wir entscheiden auch nicht über einen Standort, wir entscheiden auch nicht über die Finanzierung, und wir entscheiden auch nicht über eine staatliche Beteiligung. Wir beantworten heute einzig die Grundsatzfrage, ob die Kernenergie als Technologie in der Schweiz weiterhin gesetzlich verboten sein soll oder nicht.

Falls dereinst ein konkretes Projekt vorgelegt werden würde, hätten wir weiterhin die Möglichkeit, über den ordentlichen politischen Prozess Einfluss zu nehmen. Dann würden Fragen der Finanzierung, einer allfälligen staatlichen Beteiligung, der Sicherheit, der Wirtschaftlichkeit und des Standortes selbstverständlich im Detail beraten werden. Die demokratische Mitsprache ist dabei vollständig gewährleistet.

Das Kernenergiegesetz sieht ein mehrstufiges Bewilligungsverfahren vor. Bund, Kantone, Gemeinden und betroffene Kreise werden mit einbezogen. Gegen Verfügungen stehen selbstverständlich entsprechend Rechtsmittel offen. Mit dieser Vorlage wird die Demokratie definitiv nicht ausgeschaltet, da die Rechtslage dazu klare Regeln vorsieht und bei konkreten Bauprojekten gar ein fakultatives Referendum möglich ist.

In der Debatte wurde teilweise der Eindruck erweckt, dass die Kantone die Vorlage geschlossen ablehnen. Dem muss ich schon etwas widersprechen. In der Vernehmlassung zu dieser Vorlage zeigt sich ein differenziertes Bild. Es gibt auch Kantone, die für diese Vorlage waren und sie so unterstützen. Es gab selbstverständlich auch Kantone, die sich kritisch äusserten. Deutlicher fällt das Bild bei der Wirtschaft aus, bei den Stromproduzenten, bei Economiesuisse, beim Schweizerischen Gewerbeverband, bei Swissmem sowie bei zahlreichen Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft. Sie weisen deutlich darauf hin, dass es hier einen Fortschritt braucht, dass es nicht Verbote von CO2-armen Technologien geben darf, dass solche aufgehoben werden müssen.

Genau darum geht es bei dieser Vorlage: um Technologieoffenheit. Es ist der Mehrheit der Kommission wichtig, nochmals mit aller Deutlichkeit festzuhalten, dass mit dieser Vorlage nicht die Kernenergie gegen die erneuerbaren Energien ausgespielt werden soll. Vielmehr soll die Kernenergie als mögliche ergänzende Option dazukommen. Die Schweiz braucht doch beides: Wir brauchen mehr Wasserkraft, wir brauchen mehr Fotovoltaik, wir brauchen mehr Speicher. Aber wir brauchen vor allem auch eines: genügend Strom zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.

In zahlreichen Voten wurde vom Bundesrat gefordert, dass er seine Verantwortung wahrnimmt. Genau diese Verantwortung nahm Bundesrat Albert Rösti in der Vergangenheit wahr: Mit dem Mantelerlass, mit dem "Solar-Express", mit dem Beschleunigungserlass und dem Ausbau der Wasserkraft wurden grosse und wichtige Reformen zur Stärkung der inländischen Stromproduktion auf den Weg gebracht. Diese Vorlage ist eine konsequente Fortsetzung dieser Politik: mehr Versorgungssicherheit, mehr Eigenproduktion und vor allem - und das ist wichtig - mehr Handlungsspielraum für die kommenden Generationen.

Abschliessend noch ein Wort zur oft erwähnten Abhängigkeit vom Ausland: Auch das wurde intensiv diskutiert. Selbstverständlich benötigt die Kernenergie Uran, das wir importieren müssen. Aber solches ist auch bei allen anderen Technologien, die wir im Einsatz haben, der Fall. Die Schweiz ist nun einmal ein ressourcenarmes Land, wenn es um Rohstoffe geht. Und genau deshalb erscheint es uns entsprechend wichtig, dass wir unsere Stromproduktion auf verschiedene Technologien abstützen. Wer Resilienz will, muss eben auch auf Vielfalt setzen. Wer Versorgungssicherheit will, darf sich keine Optionen verbauen. Und genau deshalb beantragt Ihnen die Mehrheit der Kommission, auf technologische Verbote zu verzichten und dem indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates zuzustimmen und den Nichteintretensantrag sowie die Rückweisungsanträge abzulehnen.

Ich bitte Sie im Namen der Mehrheit der Kommission, entsprechend abzustimmen.

Brenzikofer Florence · Mit-F · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion

Besten Dank, Herr Kommissionssprecher. Ich komme nochmals auf die Frage nach der Haltung der Kantone zurück: Können Sie bestätigen, dass die Konferenz kantonaler Energiedirektoren die Vorlage wie auch den Gegenentwurf ablehnt, zumal sich auch 17 Kantone für die Ablehnung ausgesprochen haben?

Egger Mike · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich habe in meinem Votum erwähnt, dass es Kantone gibt, die für diese Vorlage eingetreten sind; an der Zahl waren es sieben, darunter ein ganz wichtiger Kanton, nämlich der Kanton Aargau.

de Montmollin Simone · Mit-F · Nationalrat · Genf · FDP-Liberale Fraktion

À l'issue d'un débat-fleuve extrêmement riche, les questions ont été posées et les arguments politiques ont été donnés. Je n'y reviendrai donc pas. Il apparaît toutefois que certains arguments ou certaines positions méritent clarification, pour la majorité de la commission, afin de recentrer les arguments sur la question centrale réellement soumise au vote, qui semble avoir été un peu perdue au cours du débat.

Premièrement, il s'agit de ne pas confondre ouverture technologique et décision de construire. C'est probablement la principale confusion dans ce débat. Le contre-projet ne vise à construire aucune centrale, ne choisit aucun site, n'accorde aucun financement et ne délivre aucune autorisation. Le contre-projet aurait pour unique conséquence de supprimer une interdiction générale d'intégrer la technologie nucléaire dans la réflexion sur l'avenir de notre approvisionnement énergétique. Aujourd'hui, cette interdiction, il faut le rappeler, a conduit notamment à une pénurie de spécialistes. Selon l'Inspection fédérale de la sécurité nucléaire, 50 pour cent des diplômés en génie nucléaire quittent aujourd'hui la Suisse faute de perspectives professionnelles. Lever cette interdiction n'est pas uniquement une stratégie pour l'avenir, c'est une nécessité aujourd'hui, parce que nous avons besoin de personnel qualifié dans le secteur nucléaire civil pour assurer l'exploitation à long terme des centrales existantes.

La vraie question posée par ce contre-projet est la suivante : faut-il interdire une technologie qui pourrait être utile demain ? La question n'est pas : faut-il construire Gösgen 2 demain matin ?

Deuxièmement, évitons d'exiger les réponses qui ne peuvent exister qu'avec un projet concret. C'est en substance ce dont il a été question durant ce long débat. Plusieurs interventions demandent des garanties en matière de coûts, de modèle de financement, de technologie retenue, de type de réacteur, de site, de raccordement, de garanties étatiques, etc. Ces questions avaient également été posées en commission et les réponses sont précisément celles que produisent les études lorsqu'il y a des projets concrets. Or aucun projet n'existe. Exiger ces réponses aujourd'hui, c'est demander des conclusions avant d'autoriser le travail qui permettrait de les établir. En réalité, la question n'est pas nucléaire ici ; la question est de savoir si, pour toute infrastructure dont l'horizon se compte en décennies, nous devons disposer de toutes les réponses avant d'avoir le droit de poser les questions. La commission estime que nous devons pouvoir poser ces questions, et que nous devons donc nous donner la possibilité de lever cette interdiction générale.

Troisièmement, présenter nucléaire et énergies renouvelables comme des alternatives exclusives est précisément ce que ne disent ni Axpo, ni Swissgrid, ni l'Association des entreprises électriques suisses. Leur conclusion est qu'aucune technologie seule ne suffira. Opposer les énergies renouvelables et le nucléaire crée un faux choix, celui du renouvelables ou du nucléaire. Toutes les analyses concluent que nous avons avant tout besoin de diversité et de complémentarité - hydraulique, solaire, éolien, stockage, réseaux intelligents, réserves -, mais qu'il n'est pas possible d'exclure aujourd'hui de ce mix l'énergie nucléaire.

Et c'est ce que nous faisons d'ailleurs chaque jour lorsque nous importons de l'électricité de France ou d'Allemagne, avec un mix principalement à partir de charbon, de gaz ou d'éolien. Toutes ces technologies ont leurs défis à relever. Celui qui se décide contre une technologie doit se décider pour une autre - c'est l'avis de Mme Nathalie Casas, directrice du département Énergie, mobilité et environnement de l'Empa.

Enfin, plusieurs personnes ont signalé ici que les cantons étaient opposés au contre-projet. J'aimerais répéter que c'est factuellement faux. La Conférence des directeurs cantonaux de l'énergie a indiqué que dix cantons demandaient des analyses complémentaires, que sept soutenaient le contre-projet et que huit s'y opposaient. La seule unanimité auprès des cantons, c'est le rejet de l'initiative populaire.

Enfin, l'affirmation selon laquelle le peuple a déjà refusé le nucléaire mérite une nuance. Le peuple a accepté la stratégie énergétique 2050, la loi sur le climat et l'innovation, la loi sur l'approvisionnement en électricité, mais pas une interdiction constitutionnelle du nucléaire ni une sortie anticipée des centrales existantes. En 2017, la Suisse n'a pas interdit le nucléaire dans sa Constitution, elle a accepté une stratégie reposant sur l'hypothèse qu'aucune nouvelle centrale ne serait construite, et s'est interdit le choix d'examiner de nouveaux projets en introduisant dans la loi sur l'énergie nucléaire une interdiction légale de construire de nouvelles centrales. Le débat d'aujourd'hui porte donc précisément sur cette interdiction générale.

Enfin, quant à la question de la dépendance, oui, le nucléaire crée une dépendance étrangère, c'est vrai, mais les renouvelables créent aussi des dépendances industrielles, par le fait que nous avons besoin de silicium, de cellules photovoltaïques, de batteries et de métaux critiques. La question pertinente n'est pas "existe-t-il une technologie sans dépendance ?", mais "quel mix rend la Suisse la plus résiliente ?" La véritable souveraineté ne réside pas dans une technologie unique, mais dans la diversification des sources d'approvisionnement et des moyens de production. C'est d'ailleurs le mandat constitutionnel, à l'article 89 alinéa 1.

Enfin, dire que le nucléaire ne résout rien parce qu'il arrive après 2040, c'est probablement l'argument le plus discutable. Personne ne prétend ici qu'une centrale construite en 2045 résoudrait les besoins de 2030. La vraie question est de savoir comment on remplacera Beznau, Gösgen et Leibstadt lorsqu'elles seront arrivées en fin de vie. Le contre-projet traite davantage de l'horizon 2040-2080 que de l'horizon 2030.

La majorité de la commission est d'avis que personne ne peut garantir avec certitude que nous aurons réussi à combler les besoins estimés à entre 30 et 40 térawattheures supplémentaires par an d'ici 2050, et si nous aurons réussi à combler les besoins hivernaux.

En conclusion, permettez-moi donc de ramener le débat au sujet central du contre-projet, qui n'est pas un projet de centrale, encore moins une demande de crédit, de subvention ou d'autorisation de construire, ni même de choix technologique. Le contre-projet prévoit uniquement la suppression d'une interdiction générale et le rétablissement d'une option technologique, afin de permettre, le moment venu, d'examiner un projet concret selon les règles ordinaires. Ce débat porte sur notre capacité à garder ouvertes toutes les options pour assurer l'approvisionnement électrique de la Suisse dans vingt ou trente ans. Refuser le contre-projet, c'est décider aujourd'hui qu'aucune technologie nucléaire future, quelle qu'elle soit, quels que soient ses performances, ses coûts ou les besoins du pays, ne pourra être examinée, alors même que l'Union européenne fait exactement l'inverse.

L'accepter ne préjuge d'aucune construction. Cela signifie simplement que la Suisse conserve, selon le principe de responsabilité, la maîtrise de son agenda et sa liberté de choix pour demain.

En conséquence, la majorité de la commission vous recommande de garder cette porte ouverte. Elle vous recommande d'entrer en matière et de ne pas renvoyer le projet au Conseil fédéral.

Clivaz Christophe · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Grüne Fraktion

J'ai une question à vous poser, que j'aurais aussi pu poser à M. Egger. Est-ce que vous considérez que votre prise de parole en tant que rapporteuse rend justice aux arguments qui sont soutenus par les douze personnes qui sont signataires de la minorité ?

de Montmollin Simone · Mit-F · Nationalrat · Genf · FDP-Liberale Fraktion

Monsieur le conseiller national, je crois avoir rendu justice aux travaux de la commission à l'ouverture des débats. Ici, je me fais la porte-parole de la majorité au regard du débat que nous avons eu et qui était fort intéressant, mais qui selon moi méritait certaines précisions.

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

1. Kernenergiegesetz (Indirekter Gegenvorschlag zur eidgenössischen Volksinitiative "Jederzeit Strom für alle [Blackout stoppen]")

1. Loi sur l'énergie nucléaire (Contre-projet indirect à l'initiative populaire fédérale "De l'électricité pour tous en tout temps [Stop au blackout]")

Antrag der Mehrheit

Eintreten

Antrag der Minderheit

(Müller-Altermatt, Bäumle, Bulliard, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Masshardt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Nichteintreten

Antrag der Minderheit I

(Wismer Priska, Bäumle, Bulliard, Clivaz Christophe, Docourt, Candan Hasan, Masshardt, Müller-Altermatt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto)

Rückweisung der Vorlage an den Bundesrat

mit dem Auftrag, diese unter Berücksichtigung vertiefter Abklärungen zur möglichen Finanzierung neuer Kernkraftwerke neu auszuarbeiten.

Antrag der Minderheit II

(Masshardt, Bäumle, Bulliard, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Müller-Altermatt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Rückweisung der Vorlage an den Bundesrat

mit dem Auftrag, die Vorlage so zu überarbeiten, dass die energiepolitischen Prioritäten konsequent auf den raschen und nachhaltigen Ausbau der erneuerbaren Energien ausgerichtet werden. Insbesondere sind die Potenziale und Ausbaupfade von Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft vertieft darzulegen und deren Beitrag zur Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit sowie Klimazielerreichung transparent auszuweisen.

Antrag der Minderheit III

(Bäumle, Bulliard, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Masshardt, Müller-Altermatt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Rückweisung der Vorlage an den Bundesrat

mit dem Auftrag, eine Stromversorgungsstrategie insbesondere für Winterstrom mit folgenden Punkten als Vorlage auszuarbeiten:

1. Gesetzliche Anpassung der bisherigen Förderung erneuerbarer Energien mit einer stärkeren Gewichtung von Winterstrom;

2. Sicherstellung eines sicheren Langzeitbetriebes bis 80 Jahre mit gezielten Massnahmen für die beiden bestehenden KKW Gösgen und Leibstadt möglichst ohne direkte staatliche Finanzierung;

3. Gesetzliche Grundlagen anpassen, damit marktaktive thermische Kraftwerke in der Schweiz erstellt werden können, um insbesondere die Versorgungssicherheit im Winter insbesondere bei einem verlangsamten Zubau der erneuerbaren Energien zu sichern. Dabei ist entweder mit CO2-Abscheidung und Speicherung (CCS) oder mit einer Beimischquote eine schrittweise Defossilisierung bis spätestens 2050 auf Netto-Null zu erreichen. Die Kosten dafür sollen durch eine verursachergerechte Finanzierung wie einer Anpassung der CO2-Abgabe oder aus einer vergleichbaren Lösung erfolgen.

Antrag der Minderheit IV

(Schlatter, Bäumle, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Masshardt, Ryser, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Rückweisung der Vorlage an den Bundesrat

mit dem Auftrag, ein schlüssiges Entsorgungskonzept vorzulegen, welches der Tatsache Rechnung trägt, dass das aktuelle Tiefenlagerprojekt (Nördlich Lägern) auf die Abfallmengen der bestehenden Kernkraftwerke dimensioniert ist und keine Kapazitäten für Abfälle aus neuen Anlagen bietet. Der Bundesrat hat insbesondere folgende Punkte zu klären:

1. Da die Kapazitäten des aktuellen Projekts erschöpft sind, muss der Bundesrat aufzeigen, nach welchen Kriterien, in welchem Zeitraum und in welchem Verfahren ein zweites Standortauswahlverfahren für ein zusätzliches geologisches Tiefenlager durchgeführt werden soll, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

2. Unter Einbezug des Ensi und der Nagra ist durch Expertenberichte nachzuweisen, ob die bei neuen Reaktortechnologien (z. B. Generation IV oder Small Modular Reactors) anfallenden spezifischen Abfälle bezüglich ihrer chemischen und physikalischen Beschaffenheit mit den bestehenden Sicherheitskonzepten kompatibel sind. Falls nicht, ist darzulegen, welche neuen Entsorgungs- und Sicherheitsstandards hierfür entwickelt werden müssen.

3. Der Bundesrat hat aufzuzeigen, wie die erforderliche Erweiterung der Zwischenlagerkapazitäten realisiert werden soll. Dabei sind die deutlich längeren Zeithorizonte für die Abklingzeiten neuer Brennelemente sowie die zeitliche Verzögerung bis zur Realisierung eines zweiten Tiefenlagers zu berücksichtigen.

4. Der Bundesrat wird beauftragt, die massiven Zusatzkosten für ein komplett neues, zweites Tiefenlagerprojekt zu eruieren. Dabei ist ein rechtliches Konzept vorzulegen, das eine strikte Trennung der Finanzierung von den bestehenden Stilllegungs- und Entsorgungsfonds garantiert. Eine Quersubventionierung durch bestehende Mittel oder eine Haftungsübernahme durch den Bund ist durch klare gesetzliche Bestimmungen auszuschliessen.

Proposition de la majorité

Entrer en matière

Proposition de la minorité

(Müller-Altermatt, Bäumle, Bulliard, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Masshardt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Ne pas entrer en matière

Proposition de la minorité I

(Wismer Priska, Bäumle, Bulliard, Clivaz Christophe, Docourt, Candan Hasan, Masshardt, Müller-Altermatt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto)

Renvoyer le projet au Conseil fédéral

avec mandat de le remanier à la lumière de clarifications approfondies concernant les possibilités de financement de nouvelles centrales nucléaires.

Proposition de la minorité II

(Masshardt, Bäumle, Bulliard, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Müller-Altermatt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Renvoyer le projet au Conseil fédéral

avec mandat de le remanier de sorte que la priorité en matière de politique énergétique soit résolument donnée au développement rapide et durable des énergies renouvelables. Il conviendra notamment d'exposer de manière détaillée le potentiel et la voie de développement du photovoltaïque, de l'énergie éolienne et de l'énergie hydraulique, et de présenter de manière transparente la contribution de ces énergies à la sécurité d'approvisionnement, à la rentabilité et à la réalisation des objectifs climatiques.

Proposition de la minorité III

(Bäumle, Bulliard, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Masshardt, Müller-Altermatt, Ryser, Schlatter, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Renvoyer le projet au Conseil fédéral

avec mandat d'élaborer une stratégie d'approvisionnement en électricité, en particulier pour l'électricité produite en hiver, comprenant les points suivants sous la forme d'un projet d'acte :

1. Adaptation législative du régime actuel de promotion des énergies renouvelables afin d'accorder une plus grande importance à l'électricité produite en hiver ;

2. Garantie d'une exploitation sûre à long terme jusqu'à 80 ans grâce à des mesures ciblées pour les deux centrales nucléaires existantes de Gösgen et de Leibstadt, si possible sans financement public direct ;

3. Adaptation des bases légales afin de permettre la construction en Suisse de centrales thermiques actives sur le marché, notamment dans le but d'assurer la sécurité d'approvisionnement en hiver, en particulier en cas de ralentissement du développement des énergies renouvelables. Dans ce cadre, une décarbonisation progressive jusqu'à atteindre la neutralité carbone d'ici 2050 au plus tard doit être réalisée soit par le captage et le stockage du CO2, soit par un taux de mélange. Les coûts correspondants doivent être financés selon le principe du pollueur-payeur, par exemple par une adaptation de la taxe sur le CO2 ou par une solution comparable.

Proposition de la minorité IV

(Schlatter, Bäumle, Candan Hasan, Clivaz Christophe, Docourt, Masshardt, Ryser, Suter, Tuosto, Wismer Priska)

Renvoyer le projet au Conseil fédéral

avec mandat de présenter un concept d'évacuation des déchets convaincant, qui tienne compte du fait que le projet actuel de dépôt en profondeur (Nord des Lägern) est dimensionné pour les volumes de déchets des centrales nucléaires existantes et n'offre aucune capacité pour les déchets provenant de nouvelles installations. Le Conseil fédéral doit notamment clarifier les points suivants :

1. Les capacités du projet actuel étant épuisées, le Conseil fédéral doit préciser selon quels critères, dans quel délai et selon quelle procédure une deuxième procédure de sélection de site d'implantation pour un dépôt en couches géologiques profondes supplémentaire doit être menée afin de respecter les exigences légales.

2. En collaboration avec l'IFSN et la Nagra, il s'agit de démontrer, au moyen de rapports d'experts et d'expertes, si les déchets spécifiques générés par les nouvelles technologies de réacteurs (par ex. réacteurs de quatrième génération ou petits réacteurs modulaires) sont compatibles, au regard de leurs propriétés chimiques et physiques, avec les concepts de sécurité existants. Si ce n'est pas le cas, il convient d'exposer quelles nouvelles normes d'évacuation des déchets et de sécurité doivent être élaborées à cet effet.

3. Le Conseil fédéral doit indiquer comment l'extension nécessaire des capacités de stockage intermédiaire sera mise en oeuvre. À cet égard, il convient de tenir compte des délais de décroissance nettement plus longs pour les nouveaux éléments combustibles, ainsi que du délai nécessaire à la réalisation d'un deuxième site de dépôt en profondeur.

4. Le Conseil fédéral est chargé d'évaluer les coûts supplémentaires considérables liés à un deuxième projet entièrement nouveau de dépôt en profondeur. À cet effet, il présentera un cadre légal garantissant une séparation stricte du financement de ce projet par rapport aux fonds de désaffectation et d'évacuation des déchets existants. Tout subventionnement croisé par les moyens existants ou toute responsabilité de la Confédération doivent être exclus par des dispositions légales claires.

Le président (Page Pierre-André, président): Nous votons sur la proposition de non-entrée en matière de la minorité Müller-Altermatt.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für Eintreten ... 111 Stimmen

Dagegen ... 88 Stimmen

(0 Enthaltungen)

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Le président (Page Pierre-André, président): La proposition de la minorité II (Masshardt), la proposition de la minorité III (Bäumle) et la proposition de la minorité IV (Schlatter) ont été retirées. Nous votons maintenant sur la proposition de renvoi de la minorité I (Wismer Priska).

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für den Antrag der Minderheit I ... 100 Stimmen

Dagegen ... 97 Stimmen

(2 Enthaltungen)

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Le président (Page Pierre-André, président): Le conseil ayant renvoyé le projet au Conseil fédéral, le projet retourne au Conseil des États, qui devra se prononcer sur le renvoi.

2. Bundesbeschluss über die eidgenössische Volksinitiative "Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)"

2. Arrêté fédéral relatif à l'initiative populaire fédérale "De l'électricité pour tous en tout temps (Stop au blackout)"

Le président (Page Pierre-André, président): La parole est aux rapporteurs, qui souhaitent déposer une motion d'ordre.

Egger Mike · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Aufgrund der Rückweisung an den Bundesrat beantrage ich Ihnen die Sistierung des Bundesbeschlusses 2. Denn es ergibt keinen Sinn, diesen jetzt zu Ende zu beraten. Ebenfalls möchte ich Ihnen beliebt machen, den Eventualantrag Wismer Priska zu unterstützen, weil wir hier eine Fristverlängerung für die Volksinitiative benötigen. Ansonsten würde die Frist nach 30 Monaten verstreichen.

de Montmollin Simone · Mit-F · Nationalrat · Genf · FDP-Liberale Fraktion

Je vais dire en français ce que mon collègue vient de dire en allemand. En raison du renvoi du projet 1, nous déposons une motion d'ordre afin de suspendre le traitement de l'initiative populaire en attendant la décision du Conseil des États. Par ailleurs, notre collègue Wismer a déposé une proposition de prolongation du délai de traitement de l'initiative que nous vous encourageons à accepter, de sorte que les deux objets puissent être traités simultanément. Pour que le retrait conditionnel de l'initiative soit possible, si les initiants décidaient de recourir à cette possibilité, il faudrait qu'un contre-projet soit adopté au plus tard au moment du vote sur l'initiative populaire. Cela nécessite toutefois la prolongation du délai de traitement de l'initiative.

C'est pour cela que nous vous recommandons d'accepter la proposition Wismer Priska.

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Le président (Page Pierre-André, président): Les rapporteurs proposent de suspendre le traitement de l'initiative populaire.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für den Ordnungsantrag Egger Mike/de Montmollin ... 198 Stimmen

(Einstimmigkeit)

(1 Enthaltung)

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Falls der indirekte Gegenentwurf zurückgewiesen wird:

Au cas où le contre-projet est renvoyé :

Fristverlängerung

Antrag Wismer Priska

Die Behandlungsfrist für die Volksinitiative wird um ein Jahr, d. h. bis zum 16. August 2027, verlängert.

Schriftliche Begründung

Die eidgenössische Volksinitiative "Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)" wurde am 16. Februar 2024 eingereicht. Gemäss Artikel 100 des Parlamentsgesetzes (ParlG) hat die Bundesversammlung innert 30 Monaten nach Einreichung der Initiative - hier bis zum 16. August 2026 - zu beschliessen, ob sie die Initiative Volk und Ständen zur Annahme oder Ablehnung empfiehlt. Gemäss Artikel 105 Absatz 1 ParlG kann die Bundesversammlung die Behandlungsfrist um ein Jahr verlängern, wenn ein Rat über einen Gegenentwurf oder einen mit der Volksinitiative eng zusammenhängenden Erlassentwurf Beschluss gefasst hat. Weil der Ständerat am 11. März 2026 den indirekten Gegenentwurf des Bundesrates zur Initiative in der Gesamtabstimmung angenommen hat, kann sich der Nationalrat für eine Fristverlängerung aussprechen.

Prorogation de délai

Proposition Wismer Priska

Le délai imparti pour traiter l'initiative populaire est prolongé d'un an, soit jusqu'au 16 août 2027.

Le président (Page Pierre-André, président): Notre conseil ayant décidé de renvoyer le contre-projet au Conseil fédéral, nous votons sur la proposition de prolonger le délai de traitement de l'initiative populaire.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für den Antrag Wismer Priska ... 191 Stimmen

(Einstimmigkeit)

(3 Enthaltungen)

Schluss der Sitzung um 18.55 Uhr

La séance est levée à 18 h 55