03.3621, 04.3104, 04.3332, 05.3189, 05.3190, 04.3417, 04.3741

Lehrstellensituation. Bericht und Massnahmenplan zur Verbesserung * / Lehrstellen bei internationalen Firmen / Massnahmen zur Lehrstellenkrise / Ausschöpfung der vorhandenen Mittel zugunsten junger Arbeitsloser / Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle / Bessere Gestaltung des Übergangs von der Volksschule in die Berufsbildung / Massnahmen für niederschwellige Lehrstellenangebote

Galladé Chantal · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Zuerst möchte ich Ihnen ein Dankeschön weiterleiten. Ich habe gestern Abend und heute sehr viele Zuschriften bekommen - auch von Gewerbetreibenden, auch von SVP-Wählern -, die sich bedankt haben für dieses Zeichen im Rahmen des Submissionsverfahrens. Speziell möchte ich mich auch bei der Mehrheit der CVP-Fraktionsmitglieder dafür bedanken, dass sie die Sache über die Partei gestellt haben.

Ich stehe nun vor der Herausforderung, zu etwa fünf Vorstössen zu sprechen; ich versuche es. Die Schweiz hat ein Problem namens Jugendarbeitslosigkeit. Wir wissen es, wir haben es gestern schon angesprochen. Das Lehrstellenbarometer zeigt deutlich: 27 000 Jugendliche sind auf der Suche nach einer Lehrstelle. Das sind 36 Prozent der Jugendlichen, die eine Lehrstelle wollen! Über ein Drittel von ihnen hat also noch keine Lehrstelle. Selbst wenn jeder Jugendliche, der eine Lehrstelle sucht, dieses Jahr eine solche Stelle annimmt und alle angebotenen Lehrstellen besetzt werden - auch die hinterletzte, was auf einem funktionierenden Markt niemals möglich ist -, würden immer noch 2000 Lehrstellen fehlen.

Das ist Fact, und das ist traurig, weil es um die Zukunft und um die Perspektiven von jungen Menschen in diesem Land geht; das kann und darf uns nicht egal sein. Ob die Jugend eine Ausbildung und eine Perspektive hat, geht uns alle etwas an, unabhängig von unserer Parteizugehörigkeit oder unserem Alter.

Ich muss sagen, dass ich sehr enttäuscht bin von den Antworten des BBT aus dem Departement Deiss. Ich bin sehr enttäuscht, fühle mich nicht ernst genommen und habe vor allem das Gefühl, das Problem sei nicht erkannt oder man wolle es nicht angehen. Die Antworten kommen so flapsig daher, wie ich das noch selten erlebt habe. Das ist unglaublich angesichts der hohen Zahl von jugendlichen Arbeitslosen, die wir in diesem Land haben, angesichts von etwa 7000 Jugendlichen, die diesen Sommer nicht wissen, was sie tun werden, die auf der Strasse stehen.

Angesichts dieser Tatsachen einfach nur immer zu begründen, warum man nichts tun kann, warum man schon so viel tut, selbstzufrieden sich zurückzulehnen, das geht nicht. Darum geht es nicht. Die Frage ist nicht, was bisher getan worden ist. Ich gratuliere dem BBT zu allem, was es bisher getan hat. Es darf dieses Selbstlob gerne weiterpflegen und -kultivieren, aber nicht in der Antwort auf die Frage nach weiteren Massnahmen. Bei den Fragen, die sich jetzt stellen, geht es nicht darum, was wir getan haben. Die Fragen, die sich jetzt stellen, sind, was wir tun können, wo wir ansetzen müssen, was wir noch mehr tun können. Wir dürfen nicht ruhen, bevor die Jugendlichen nicht wieder eine Perspektive haben, ehe wir das Problem namens Lehrstellenmangel nicht gelöst haben.

Herr Deiss ist nicht da. Aussitzen bringt gar nichts. Wir können dieses Problem nicht aussitzen, denn bis zum Jahre 2007 haben wir eine höhere Schulabgängerinnen- und Schulabgängerzahl. Danach kommen die Jugendlichen aus den Wartejahren dazu. Da sprechen wir nicht von einigen Tausend. Das sind 21 500 im letzten Jahr und dieses Jahr 23 000. Wir sprechen von jährlich gut 20 000 Jugendlichen, die dann neu noch auf den Lehrstellenmarkt kommen, zusätzlich zu denen, die gar nichts haben. Das sind die Facts, das sind die Tatsachen. Da kann man schon etwas verzweifeln, wenn das BBT in seinen Antworten irgendwo schreibt, es habe schon so viel getan, deshalb müsse es nicht noch mehr tun, es sei schon genug getan worden und es sei alles gut und es sei alles nicht so ein Problem. Ich kann diese Ansicht nicht teilen, und mich beunruhigt diese Gelassenheit in diesem Punkt etwas.

Ich komme jetzt zu dem Vorstoss, dem ich am meisten Gewicht beimesse, denn ich denke, wenn wir diesen Vorstoss annehmen, dann können wir frühzeitig, jetzt, handeln, und dieser Vorstoss wird tatsächlich zu einer Änderung gewisser Strukturen führen und ist ein Lösungsbeitrag, ein effektiver Lösungsbeitrag für das Problem. Wenn Sie die Motion 05.3190 heute ablehnen, ist das nur ein kurzfristiger "Sieg", der einige Tausend Jugendliche negativ treffen wird, aber über kurz oder lang - Sie werden sehen -, in einigen Jahren werden Basislehrjahre eine Selbstverständlichkeit sein, weil sie nicht mehr zu umgehen sind. Es geht jetzt aber darum, ob der Bund etwas aktiver werden soll oder ob er sich zurücklehnen und sagen darf: Wir warten mal, wir schauen mal, was kommt; das Problem löst sich dann irgendwann schon.

Ich erkläre deshalb jetzt einige Dinge zu diesen Basislehrjahren. Ich werde zuhanden der Materialien auch etwas richtig stellen: Ein Basislehrjahr ist kein zehntes Schuljahr, ein Basislehrjahr ist kein Brückenangebot, wie das BBT mir in der Antwort unterjubeln will. Ich spreche nicht von zehnten Schuljahren, ich spreche nicht von Brückenangeboten. Ich spreche von ersten Lehrjahren. Basislehrjahre sind erste Lehrjahre; jede Person, die sich damit auseinander gesetzt hat, weiss das.

Es gibt schon haufenweise Basislehrjahre, vor allem in der Informatik. In den Druckereiberufen hat sich das auch bewährt, ist das sehr breit eingeführt worden; dann auch bei den Polygrafen, bei den Holzverarbeitungsberufen, insbesondere in der Romandie, als "année initiale d'apprentissage". Zum Tessin wird vielleicht meine Kollegin Simoneschi-Cortesi noch etwas sagen.

Wir sprechen also nicht von zehnten Schuljahren und nicht von Brückenangeboten, dies zuhanden der Materialien; wir wissen jetzt, wovon wir sprechen: Wir sprechen von ersten Lehrjahren. Und wir sprechen davon, ob der Bund ein Zeichen setzen soll, indem er aktiv auf die Branchenverbände zugeht, indem er diese bei der Schaffung von neuen Basislehrjahren aktiv unterstützt, oder ob sich der Bund weiter zurücklehnen und warten darf, ob der Markt irgendwann die Lehrstellensituation regelt.

Wir sprechen nicht von einer Verschulung. Denn wer Basislehrjahre kennt, weiss, dass das nicht Schule ist, sondern dass die drei Lernorte daran beteiligt sind: Berufsschule findet statt, Praxis findet statt, und überbetriebliche Kurse finden statt. Das sind Basislehrjahre. Diese drei Lernorte arbeiten weiterhin zusammen. Allenfalls muss man die ganzen drei oder vier Lehrjahre betrachten, muss diese anschauen und ein bisschen neu aufteilen, neu strukturieren. Es macht mehr Sinn, die ganze Lehre als nur das erste Lehrjahr anzuschauen.

Basislehrjahre schaffen neue Lehrstellen. Das können Sie nicht bestreiten; Sie haben keinen Gegenbeweis dafür, aber ich habe Beweise, dass es so ist, mindestens in der Evaluation der bisherigen Basislehrjahre.

Eine letzte Richtigstellung bzw. Klärung zuhanden der Materialien. Ich habe - das war etwas vorlaut oder mutig - geschrieben, man solle die Basislehrjahre, wenn sie sich in einem Berufsfeld bewähren, "flächendeckend" einführen. Ich nehme dieses "flächendeckend", für das es keine Definition gibt, zurück.

Ich habe damit nicht gemeint, dass jeder kleine Ort ein Basislehrjahr für jeden Beruf anbieten sollte; das ist klar. Sie wissen, glaube ich, was ich meine. Ich will, dass kantonale und regionale Gegebenheiten weiterhin berücksichtigt werden können, dass branchenspezifische Gegebenheiten berücksichtigt werden, denn ohne die Branchenverbände geht gar nichts. Wir tun nichts, aber gar nichts gegen die Wirtschaft und gegen die Branchenverbände. Nur dort, wo die Zusammenarbeit funktioniert, wird sich das Ganze bewähren.

Also: Vergessen Sie das Wort "flächendeckend"! Das Basislehrjahr soll dort eingeführt werden, wo es Sinn macht, wo es sich bewährt. Aber der Bund soll eine aktive Rolle übernehmen, soll sich nicht länger zurücklehnen können, soll die Verbände vermehrt unterstützen und damit ein Zeichen für die Jugend und für die Berufsbildung setzen, das über Lippenbekenntnisse hinausgeht.

Es geht auch nicht um eine Verdrängung oder um einen Ersatz für Brückenangebote. Es geht darum, dass wir heute - sprechen Sie einmal mit Leuten im zehnten Schuljahr! - ganz viele Jugendliche im zehnten Schuljahr haben, die nicht dorthin gehören. Sie sind nicht dort, weil sie schulische Lücken haben. Sie sind nicht dort, weil sie nicht wissen, was sie lernen wollen. Sie sind dort aufgrund der prekären Lehrstellensituation und sind dort nicht optimal aufgehoben.

Ich habe gewagt - und das hat vielleicht zu Verwechslungen geführt -, in der Begründung einmal zu hinterfragen, zu fragen, ob diese Gelder für die zehnten Schuljahre und Brückenangebote alle sinnvoll investiert sind. Wir sprechen gesamtschweizerisch von 400 Millionen Franken, die uns die Jugendlichen in diesen Brückenangeboten jedes Jahr kosten. Diese 400 Millionen Franken sind teilweise wirklich fehlinvestiert für Jugendliche, die gar nicht dorthin gehören, die auch gar nicht dort sein wollen! Sie haben die Schule zum Teil satt. Sie wollen nicht in ein zehntes Schuljahr. Sie würden viel lieber in ein praxisbezogenes erstes Lehrjahr gehen - in ein Basislehrjahr eben. Deshalb müssen wir das Basislehrjahr vorantreiben.

Die Argumente, die heute gegen das Basislehrjahr vorgebracht werden, gründen auf bestehenden Strukturen. Sie können in Zukunft aber nicht mehr von bestehenden Strukturen ausgehen, denn wir haben in der Berufsbildung ein strukturelles Problem. Wir müssen gewisse Strukturen anpassen. Die Argumente, die heute vorgebracht werden, haben Sie oder einige von Ihnen - ich war noch nicht dabei - schon vor einigen Jahren gegen die Einführung der überbetrieblichen Kurse vorgebracht. Heute sind diese überbetrieblichen Kurse fester Bestandteil der Lehre, werden allseits gelobt und geschätzt. Aber genau dieselben Vorurteile bezüglich Trägerschaft, Kosten und Verschulung der Lehre kamen auch damals - und sie haben sich als nichtig erwiesen.

Machen Sie nicht einen Versuch kaputt, bevor er überhaupt gestartet ist! Im Hochschulbereich starten wir dauernd Pilotprojekte. Wir bezahlen sie, wir evaluieren sie - kein Problem. Wenn sie gut sind, führen wir sie ein. Ist die Berufsbildung wirklich so viel weniger wert?

Das war mein Beitrag zu den Basislehrjahren. Bei den anderen Beiträgen fasse ich mich kurz, aber ich muss etwas dazu sagen, weil die meisten Vorstösse, die jetzt drankommen, von mir eingereicht worden sind.

Ich spreche noch zum Innovationszehntel: Es geht hier um Gelder, die gemäss Artikel 59 des neuen Berufsbildungsgesetzes (BBG) für Innovationen in der Berufsbildung und für schulisch Schwächere vorgesehen sind. Sie haben das bestimmt - ich war noch nicht dabei -, Sie waren sich überparteilich einig, dass ein Zehntel dieser Gelder für diese Zwecke eingesetzt werden soll. Auch hier war das BBT passiv. Natürlich, man kann sich auf den Standpunkt stellen, es hätten nicht mehr Kantone Projekte gemacht, es sei halt deren Schuld, aber ich denke, auch hier könnte man eine etwas aktivere Rolle einnehmen, wenn man wollte. Diese Forderung beinhaltet also nichts anderes als die Umsetzung dessen, was Sie mit der Einführung des BBG gefordert haben.

Ich freue mich, dass beide Vorstösse (04.3332 und 05.3189) bei den Bürgerlichen auf sehr breite Unterstützung gestossen sind und von vielen Bürgerlichen mitunterzeichnet worden sind - wir werden ja dann auch eine Abstimmung mit Namensliste durchführen -, und es haben zum Glück auch sehr viele Leute aus der FDP unterschrieben.

Der Massnahmenplan erübrigt sich, die Situation würde das eigentlich erklären.

Ich komme jetzt als Letztes noch zu den internationalen Firmen (Motion 04.3104). Es gibt eine Studie, die belegt, dass internationale Firmen und Firmen mit internationalem Management unsere Berufsbildung überhaupt nicht oder zu wenig kennen. Dies führt dazu, dass bei Übernahmen aus Unkenntnis Lehrstellen abgebaut werden. Ich rechne Ihnen jetzt einmal etwas Interessantes vor: Wenn es uns gelingen würde, zwei Jahre lang den Abbau von Lehrstellen zu verhindern, dann hätten wir das Lehrstellenproblem gelöst.

Es ist klar, dass wir das nicht tun können, aber wir sollten alles tun, um dafür zu sorgen, dass internationale Firmen über den Wert unserer Berufsbildung informiert sind, damit sie wissen, dass die Berufsbildung in der Schweiz wichtig ist und dass dieser Weg in der Schweiz von zwei Dritteln der Jugendlichen gewählt wird. Wenn eine Firma, die sich in der Schweiz niederlassen will, auf die Homepage des Seco geht - ich habe es Herrn Bundesrat Deiss bereits vor einem Jahr gesagt -, dann findet sie alle möglichen Informationen, aber keine Zeile über unsere Lehrlingsausbildung und darüber, wie man Lehrlinge einstellen kann und welchen Stellenwert die Lehrlingsausbildung in der Schweiz hat. Mir wurde damals gesagt, das sei kein Problem, das könne man auf die Homepage nehmen. Ich habe es gestern noch nicht gesehen, vielleicht ist es seit heute Morgen drauf, oder ich hab's einfach nicht gefunden.

Es wären solche kleinen Massnahmen - sie werden in einer Studie genau genannt -, bei denen der Bund halt auch wieder eine aktive Rolle übernehmen müsste. Er müsste dies nicht tun, um die Arbeit der Kantone zu ersetzen, aber es macht keinen Sinn, dass 26 Kantone je ein Flugblatt machen, um internationale Firmen zu sensibilisieren. Der Bund könnte eine Vorlage für die Kantone erstellen. Es ist eine kleine Sache. Der Bund könnte gewisse Richtlinien für die Kantone erstellen, damit das nicht 26-mal erarbeitet werden muss. Die Kantone werden dann schon auf die regionalen Gegebenheiten Rücksicht nehmen und das in ihrem Sinne umsetzen. Es geht mir einfach darum, aufzuzeigen, dass das BBT eine passive Haltung einnimmt und den Ernst der Situation offensichtlich immer noch nicht erkannt hat.

Ich setze mich hier so stark dafür ein, weil ich davon überzeugt bin, dass eine Jugend ohne Perspektiven ein Land ohne Perspektiven bedeutet.

Ich bitte Sie eindringlich, die heute behandelten Vorstösse, vor allem jenen zum Basislehrjahr, anzunehmen. Ich denke, dass die Anliegen sowieso umgesetzt werden, aber wenn das nicht schnell geschieht, dann verpassen wieder einige Tausend Jugendliche eine Chance. Unsere Jugend hat eine Perspektive und eine Ausbildung verdient.

Hutter Jasmin · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Frau Galladé, Ihr Engagement in allen Ehren. Ich muss Sie aber jetzt doch anfragen, warum Sie sich dann vehement für den freien Personenverkehr mit den neuen EU-Staaten Osteuropas einsetzen, die eine Jugendarbeitslosigkeit von nicht 5 oder 6 Prozent haben, sondern eine Jugendarbeitslosigkeit von sage und schreibe 40 Prozent kennen. Diese Leute sind sehr mobil, diese Leute, junge Menschen bis 25 Jahre, wollen arbeiten, und sie suchen sich dann Arbeit in unserem Land. Was machen wir dann?

Galladé Chantal · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Frau Hutter, Sie wissen, dass zu einer Berufslehre - ich glaube, Sie haben auch eine gemacht - auch die Berufsschule gehört. Die macht man nicht einfach so, wenn man mit einer anderen Sprache in einem anderen System aufgewachsen ist. Es besteht also hier ein gewisser natürlicher Schutz. Ich denke, dass man ein schlechteres Beispiel nicht mit einem besseren vergleichen kann. Andere Länder funktionieren auch anders. Die Berufslehre hat in anderen Ländern nicht diesen Stellenwert. Sie wird dort von der Mehrheit der Bevölkerung nicht als Ausbildungsweg gewählt. Es ist nicht vergleichbar. Es stört mich auch immer in den Antworten des BBT, dass gesagt wird: ja, andere Länder, dieses Land oder jenes Land usw. Sie können unser Berufsbildungssystem nicht mit dem anderer Länder vergleichen.

Ineichen Otto · Mit-M · Nationalrat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion

Frau Galladé, ich schätze Ihr Engagement für die Berufsbildung sehr. Wissen Sie aber, dass Tausende von Lehrstellen im handwerklichen Bereich und im Detailhandel nicht besetzt werden können? Was tun Sie, um das Image dieser Lehrstellen in Berufen, die nicht ausgelagert werden können, zu heben? Es sind Lehrstellen mit Zukunft. Was tun Sie dafür, dass diese Lehrstellen besetzt werden können? Wir hätten kein Lehrstellenproblem, ich sage es Ihnen. Wir finden im Detailhandel schlichtweg keine Lehrlinge, denn der Beruf hat kein Image mehr. Was machen Sie denn von der Schule her, um das Image dieser Berufe zu heben? Das wäre doch der Ansatz. Es sind Berufe, die nicht ausgelagert werden können. Wir können den Jungen schlichtweg ihre Berufswünsche nicht erfüllen. Da wäre ich sehr froh, wenn Sie hier vielleicht ein Rezept hätten.

Galladé Chantal · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

Herr Ineichen, ich danke Ihnen ganz herzlich für diese Frage. Ich bin froh darüber. Sie sprechen etwas an, das ich der Kürze wegen weglassen musste. Ich danke Ihnen beiden übrigens auch dafür, dass Sie meine Vorstösse unterzeichnet haben.

Die Basislehrjahre lösen nicht alles, aber sie weisen in die Richtung einer Lösung; ich denke an die berufsfeldbezogenen Basislehrjahre. Ich nenne Ihnen das Beispiel eines Basislehrjahres Lebensmittel, ohne dass ich mich bei den Branchen einmischen und etwas vorwegnehmen will. Ein Jugendlicher will Bäcker werden. Das ist kein so unbeliebter Beruf, der wird noch häufig gewählt. Er arbeitet dort ein Jahr lang, lernt verwandte Berufe kennen wie Metzger oder Koch. Plötzlich merkt er, dass seine Vorurteile über diese Berufe gar nicht stimmen und dass es im Metzgerberuf tatsächlich noch offene Lehrstellen hat. So hat er die Chance, seine Vorurteile abzubauen und in diesen Beruf zu wechseln und dort - das erste Lehrjahr hat er ja schon gemacht - im zweiten Lehrjahr einzusteigen. Genau dort setzt der Vorstoss Basislehrjahre an, und ich danke Ihnen wirklich für die Möglichkeit zur Klärung dieser Frage. Es ist wichtig, dass wir das klären.

Es ist leider nicht mehr so wie früher. Es gibt schon noch die Jugendlichen, die einen Wunschberuf haben und die man zuerst in Schule oder Berufsberatung darauf bringen muss, dass es noch andere Berufe gibt. Aber die Jugend ist mehrheitlich nicht mehr so. Die Jugend hat sich mehrheitlich von ihren Träumen verabschiedet. Der Traumberuf ist für viele Jugendliche der, in dem sie eine Lehrstelle finden. Wir - Sie und ich - wissen, dass nicht jeder Wechsel möglich ist. Ein junges Mädchen, das das KV machen möchte, kann unter Umständen nicht die freie Maurerlehrstelle annehmen, weil das über kurz oder lang zu einer Lehrvertragsauflösung führen würde. Aber man kann innerhalb von etwa zehn Berufen auswählen. Da gebe ich Ihnen Recht, hier ist Aufklärung nötig, hier sind insbesondere Basislehrjahre nötig. Leider ist es in diesem Jahr so, dass immer noch 2000 Lehrstellen fehlen würden, selbst wenn jede Lehrstelle - im hintersten Tal, überall in der Schweiz - besetzt würde. Das ist die traurige Tatsache, von der wir heute sprechen, und das tut mir auch sehr weh.

Wandfluh Hansruedi · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich bekämpfe das Postulat Galladé 03.3621. Nach diesem Postulat soll ein Bericht über die Lehrstellensituation in der Schweiz erstellt werden. Daraus sollen durch den Bund Massnahmen abgeleitet werden, wie die Lehrstellensituation verbessert werden kann. Ich wehre mich gegen die Forderung nach Berichten, nur um die Verwaltung zu beschäftigen. Mit den Lehrstellenbeschlüssen I und II sowie mit dem neuen Berufsbildungsgesetz haben wir Rahmenbedingungen geschaffen, um die Weiterentwicklung des Lehrlingswesens voranzutreiben. Im Rahmen der parlamentarischen Beratung dieser Beschlüsse und dieses Gesetzes und auch im Umfeld der Lipa-Initiative wurden Berichte und Analysen zur Genüge erstellt.

Wie der Bundesrat in seiner Antwort darlegt, sind die im Postulat geforderten Massnahmen ergriffen worden. Es sind taugliche Mittel, es ist ein taugliches Instrumentarium zur Schaffung von neuen Lehrstellen vorhanden. Kollege Werner Marti hat gestern gesagt: Jetzt brauchen wir Taten statt Worte. Ich unterstütze ihn und sage: Jetzt ist genug geredet, es ist genug geschrieben, wir haben genug Berichte; was wir jetzt brauchen, sind Taten. Jetzt ist es an den Ausbildnern, die Chancen zu packen, um für den eigenen Berufsnachwuchs zu sorgen. Es ist an den Kantonen, sie dabei zu unterstützen. Mit der deutlichen Ablehnung der Lipa-Initiative hat das Schweizervolk klar gemacht, dass es den Handlungsbedarf in Bezug auf die Regulierung des Lehrstellenwesens nicht mehr beim Bund sieht, sondern eben bei den Kantonen, bei den Berufsverbänden, bei der Industrie, beim Gewerbe.

Die Kantone erstellen die von Kollegin Galladé geforderten Berichte, und sie veröffentlichen sie auch. So kennt beispielsweise der Kanton Bern vierzehn Angebote, die den Einstieg von jungen Leuten ins Berufsleben erleichtern: begonnen bei Berufswahlvorbereitung über Vorlehre, Junior-Coaching, Berufspraktika zu Brückenangeboten usw. Ich bitte Sie, Kollegin Galladé, das Verdikt des Schweizervolkes zur Lipa-Initiative zu akzeptieren, Aktivismus auf Bundesebene zu unterlassen und nicht weiter in kantonalem Hoheitsgewässer zu fischen.

In diesem Sinne bitte ich Sie, das Postulat Galladé abzulehnen.

Hofmann Urs · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion

Mein Postulat bezieht sich nicht auf die gesamte Lehrstellenproblematik, sondern legt den Fokus auf die spezielle Problematik des Übergangs von der Volksschule in die Berufsbildung. Es verlangt vom Bundesrat, in Zusammenarbeit mit den Kantonen einen Massnahmenplan auszuarbeiten, der sich mit der Situation derjenigen Schülerinnen und Schüler befasst, die aufgrund ihrer schulischen Leistungen, ihrer Herkunft und Sprachkenntnisse oder auch ihres Geschlechts erfahrungsgemäss besonders grosse Schwierigkeiten beim Übertritt von der Schule in die Berufswelt haben.

Der Bundesrat geht in seiner Antwort vom 15. September 2004 auf verschiedene Punkte ein, die ich bereits im Postulat angesprochen habe und zu welchen teilweise in einzelnen Kantonen bemerkenswerte Fortschritte zu verzeichnen sind, während sich andere Kantone, trotz gleicher Probleme, in Zurückhaltung üben. Andere Anliegen werden zwar auch vom Bundesrat anerkannt, ohne dass aber konkrete Massnahmen in die Wege geleitet worden sind. Auch wenn heute die Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren die sogenannte Nahtstellenfrage des Übergangs von der Volksschule in die Lehre als einen ihrer Arbeitsschwerpunkte bezeichnet haben, kann heute und auf absehbare Zeit beim besten Willen nicht davon gesprochen werden, alle sinnvollen und erfolgversprechenden Massnahmen seien jetzt ausgearbeitet und ergriffen oder auch nur allen Kantonen bekannt; der Bund könne sich mit seiner wichtigen Teilverantwortung, die der Bundesrat im Bereich der Berufsbildung auch anerkennt, im Vertrauen auf die Tätigkeit der Kantone zurückhalten und sich letztlich mit der Subventionierung der ihm vorgelegten Studien, Pilotprojekte und Evaluationen begnügen. Vielmehr zeigt gerade die bundesrätliche Antwort mit dem Hinweis auf die neuen gesetzlichen Grundlagen im BBG, dass dem Bund hier sehr wohl eine Funktion als Koordinator und Mitdenker, auch als Promotor zukommt.

Mit der Forderung nach einem zwischen Bund und Kantonen ausgearbeiteten Massnahmenplan soll diese aktive Rolle des Bundes unterstrichen und sichergestellt werden, dass bereits bestehende Projekte und Massnahmen optimal aufeinander abgestimmt werden und die Ergebnisse von Studien und Evaluationen den Kantonen in einer möglichst attraktiven und praxisorientierten Form zur Verfügung stehen.

Ein grösseres Engagement des Bundes im Sinne des Postulates hätte somit nicht einfach Mehrkosten oder einen Papiertiger zur Folge, sondern es bezweckt eine bessere Koordination der kantonalen Projekte und soll auch eine möglichst grosse Motivation der Verantwortlichen auf kantonaler und kommunaler Ebene zur Umsetzung geeigneter Massnahmen erreichen.

Herr Bundesrat Deiss, die bundesrätliche Antwort und die darin anerkannte Mitverantwortung des Bundes im hier angesprochenen Bereich der Berufsbildung sprechen denn auch durchwegs für die Annahme des Postulates. Die ablehnende Haltung des Bundesrates ist letztlich nicht verständlich und muss als Ausdruck entweder des blinden Vertrauens in die Kantone oder letztlich eben doch eines sehr zurückhaltenden Engagements in dieser wichtigen Frage gewertet werden.

Ich bitte Sie, mit der Annahme des Postulates den Bundesrat aufzufordern, in diesem wichtigen Bereich des Einstiegs in die Berufsbildung für bestimmte Kategorien von Schülerinnen und Schülern aktiver zu werden und im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beizutragen, dass gute Projekte und Ideen eben nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern möglichst vielen schwächeren Schülerinnen und Schülern in möglichst vielen Kantonen den Übergang von der Volksschule in die Berufslehre erleichtern.

Wyss Ursula · Mit-F · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion

Ich bin froh, die SP ist froh, dass die Dramatik der Lage auf dem Lehrstellenmarkt nun doch endlich erkannt wird. Heute sind 50 000 Jugendliche bis 25 Jahre arbeitslos, ohne Arbeit, ohne Lehrstelle. Bisher sahen wir uns vor allem leeren Versprechungen gegenüber. Im Abstimmungskampf zur Lehrstellen-Initiative, ich muss einfach daran erinnern, haben Sie, Herr Bundesrat Deiss, versprochen, bis im Herbst 2003 - man merke: 2003 - habe jeder Jugendliche eine Lösung. Heute wissen wir, dass dies ein leeres Versprechen gewesen ist.

Insbesondere wurden die vorgesehenen finanziellen Mittel sowohl beim Lehrstellenbeschluss II, auf den sich meine Interpellation bezieht, als auch jetzt, beim neuen Berufsbildungsgesetz im Jahr 2004, eben nicht ausgeschöpft. Es heisst dann dazu, das System hätte sich halt noch in der Aufbauphase befunden. Nur wurde der Bundesrat dummerweise schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass es erstens diese finanziellen Mittel gibt und dass er sich zweitens darum bemühen soll, dass sie auch ausgeschöpft werden. Ich erinnere an Vorstösse von ehemaligen Parlamentsmitgliedern. Zum Beispiel hat Ruedi Strahm mehrfach darauf hingewiesen, dass diese Mittel doch eingesetzt werden sollten, dass die Kommunikation funktionieren müsse, dass die Koordination sowohl mit den Verbänden wie auch mit den Kantonen in Gang gebracht werden solle.

Aber wir wollen uns heute nicht die Schuld zuweisen. Wir wollen, dass künftig die zur Verfügung stehenden Mittel für die Förderung von Lehrstellen auch ausgenutzt werden. Gerade im Bereich der niederschwelligen Angebote, der Attestausbildungen, auf die sich meine Interpellation bezieht, ist Handeln aufgrund der dramatischen Lage dringend, denn es tickt effektiv eine soziale Zeitbombe. Die Integration in die Gesellschaft, die findet nun einmal ganz zentral über die Erwerbsarbeit statt. Die sozialen Folgekosten sind so verheerend wie absehbar: Die Arbeitslosigkeit kostet genauso wie die Sozialhilfe, in der sich heute in den Städten schon ungefähr jeder zehnte Jugendliche befindet.

Besonders also im Bereich der Attestausbildungen ist dringend beherztes Handeln gefordert, denn genau in diesem Bereich bieten sich für Jugendliche kaum noch Chancen. Die Besserqualifizierten, die können aufs Gymnasium ausweichen; die Mittleren, die finden meistens auch noch irgendeine Ausweichlösung. Aber es sind die Schwächsten, die am Schluss übrig bleiben und überhaupt keine Lösung mehr haben. Nicht von ungefähr befinden sich heute über 20 000 Jugendliche in irgendwelchen Brückenangeboten, um auf eine Lehrstelle zu warten, zum Teil schon im zweiten Jahr, zum Teil im dritten Jahr. Sie sind dann mittlerweile 20, und Sie können sich vorstellen, dass dies eine Lehrstellensuche nicht vereinfacht. Es führt kein Weg daran vorbei: Es müssen endlich mehr Lehrstellen her!

Ich bitte Sie daher sehr, nicht nur meine Interpellation zu lesen, sondern vor allem die Motionen und Postulate, die Ihnen heute präsentiert worden sind, anzunehmen.

Meyer Thérèse · P-F · Nationalrat · Freiburg · Christlichdemokratische Fraktion

Je vous informe que nous avons encore 15 orateurs. Si vous voulez donner à Monsieur le conseiller fédéral Deiss la possibilité de parler, vous pouvez faire un effort, mais c'est votre choix.

Müller Geri · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion

Es müssen mehr Lehrstellen geschaffen werden. Ich nehme das Votum von Ursula Wyss gerne auf. Es muss mehr getan werden in der Frage der Berufsbildung, der Lehrstellen usw. Ich bin damit vollkommen einverstanden.

Aber wir müssen aufpassen bei den Rufen nach mehr. Wir müssen genau bleiben; wir müssen korrekt bleiben; wir müssen verschiedene Dinge voneinander unterscheiden.

1. Da ist zuerst einmal der Unterschied zwischen Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstellenkrise. Ich muss darauf hinweisen, dass dies zwei verschiedene Dinge sind. Wir haben Lehrlinge, die einen Lehrabschluss gemacht haben, aber keine Arbeit finden. Das ist genauso wenig gut wie Jugendliche, welche die Schule abgeschlossen haben und keine Lehrstelle finden. Die Problematik ist aber eine komplett andere. Und diese Problematiken müssen wir voneinander unterscheiden.

2. Da ist die Frage der Lehrstellenkrise. Es ist eine Tatsache, dass wir für Lehrstellen keinen Markt mehr haben. Wir haben ungefähr so viele Lehrstellen, wie wir Lehrstellensuchende haben. Aber wie gesagt: Das grosse Problem ist, dass wir von beiden Seiten, von den Jugendlichen und von den Lehrstellenanbieterinnen, extrem hohe Flexibilität verlangen würden, wenn wir das zu einem 1:1-Ding machen würden. Machen wir uns nichts vor: Viele von ihnen wären nicht bereit, beispielsweise durch die ganze Schweiz zu reisen oder eine Lehrstelle in einer komplett anderen Branche anzunehmen als in jener, an der sie interessiert sind. Ich habe gestern gesagt, ich kenne die Situation aus persönlichen Gründen sehr gut. Ich habe sehr viele Lehrstellenabbrecher zu betreuen, die im falschen Beruf angefangen haben. Das ist auch ein schlechter Anfang. Die Idee ist nicht: Hauptsache, man macht irgendetwas.

Deshalb sind die Akteure auf verschiedener Ebene verschieden gefordert. Sie müssen verschiedene Dinge machen. Bei der Batterie von Vorstössen, die vorliegen, muss man ganz genau differenzieren: Es geht meines Erachtens ganz klar um eine Bundesaufgabe, wenn man sagt, der Bund soll dafür sorgen, dass internationale Firmen Lehrstellen anbieten. Ich nehme an, dass Kollege Randegger nachher auf die Problematik hinweist, was die internationalen Firmen von den Lehrlingen fordern. Er kommt dabei sicher auf die Sprache Englisch zu sprechen.

Ich finde, die Motion 04.3104 muss unbedingt angenommen werden, denn es handelt sich zwingend um eine Bundesaufgabe, die sicherlich im Verbund mit den Kantonen umgesetzt werden kann.

Ich möchte auch die Motion 05.3189 "Ausschöpfung der vorhandenen Mittel zugunsten junger Arbeitsloser" unterstützen, wenn sie in dem Sinne verstanden wird, dass die Bundesgelder, die im Bundesgesetz für Berufsbildung vorgesehen sind, für die Lehrstellen gesprochen werden; dann ist es okay. Der Anwendungsbereich der Mittel darf aber auf keinen Fall wiederum auf eine neue Gruppe von jungen Arbeitslosen ausgeweitet werden; das steht auch anders im Text drin. Sonst haben wir dort eine Zerstreuung der Mittel. Wie gesagt müssen Leute, die eine Lehre abgeschlossen haben, andere Formen der Unterstützung erhalten als Leute, die keine Lehrstelle gefunden haben.

Das Postulat Hofmann Urs ist meines Erachtens auch zu unterstützen; es greift die Frage des Übergangs von der Volksschule zur Berufsschule auf. Das ist aber eine Frage, welche ganz dezidiert mit den Kantonen bearbeitet werden kann. Da kann der Bund eine Leadership übernehmen und die Kantone sanft dazu zwingen, dort auch verbindliche Vorgaben zu machen. Es hat keinen Sinn, wenn wir nur aus der Sicht der Arbeitgeber und des Bundes über die Lehrstellen diskutieren. Wir müssen uns auch einmal Gedanken darüber machen, was aus der Volksschule heraus entsteht, und müssen schauen, welche Kantone beispielsweise bei der Lehrstellenbesetzung erfolgreicher sind als andere. Da gibt es riesige Unterschiede, und da könnten wir voneinander profitieren.

Zur Forderung nach einem Bericht zur Lehrstellensituation (Postulat 03.3621): na ja. Ich werde mich nicht dagegen wehren, aber der Bund hat schon verschiedenste Berichte gemacht. Mit Berichten schaffen wir keine Lehrstellen, wir schaffen höchstens weitere "Berichtsstellen". Aber wir müssen einfach einmal sehen, dass das Problem eigentlich erkannt ist; verschiedene Leute wissen das, und wir müssen die Massnahmen umsetzen.

Abschliessend zu den Basislehrjahren: Das Anliegen der Motion 05.3190 liegt mir am Herzen, und zwar aus einem anderen Grund als jenem, den Kollegin Galladé vorgestellt hat. Das grosse Problem bei den Lehrstellensuchenden sind die Leute, die in ihrer Karriere eine Schwierigkeit haben. Das sind rund 85 Prozent der Jugendlichen, die ohne Lehrstelle dastehen. Wir müssen für sie Situationen schaffen, damit sie die Chance für eine Lehrstelle erhalten. Das fängt vor allem beim ganz direkten Kontakt auf regionaler Ebene an. Das können wir nicht mit einem Beschluss machen, in dem wir in unspezifischer Art und Weise verlangen, dass die Arbeitgeber Basislehrjahre schaffen. Wir haben das probiert und damit keinen Erfolg gehabt, weil die Unternehmer ganz klar wissen, was sie bezüglich der Lehrlinge wollen. Auch die Lehrlinge wissen es! Es ist nicht so, dass dann die Lehrlinge einfach eine andere Lehre wählen, wie im Beispiel betreffend die Lebensmittelbranche gesagt worden ist. Wir verschliessen dort auch die Möglichkeit, nach neuen Bedingungen zu schauen. Die Artikel 54 und 55 des Berufsbildungsgesetzes geben uns Möglichkeiten, dort aktiv zu werden. Dort ist vorgesehen, dass der Bund Gelder spricht, und dort soll es auch gemacht werden. Wir sollten also nicht die erfolgreichen Basislehrjahre ausweiten, die vielleicht für ein ganz spezielles Segment gedacht sind.

Hinter dieser Motion kann ich nicht stehen.

Savary Géraldine · Mit-F · Nationalrat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion

La réponse du Conseil fédéral au postulat Galladé 03.3621 ressemble comme deux gouttes d'eau au communiqué lénifiant de l'Office fédéral de la formation professionnelle et de la technologie (OFFT) concernant la question des places d'apprentissage: "Circulez, il n'y a rien à voir! Tout est sous contrôle: les jeunes sont contents; les patrons pleins de bonne volonté; la Confédération comblée!" Pourtant, année après année, les chiffres sortent, qui démentent l'optimisme de l'OFFT: il manque toujours 3000 places d'apprentissage en Suisse. Dans le canton de Vaud, par exemple, 500 jeunes au minimum - c'est compté bas - se retrouvent sans emploi, sans engagement, sans perspective professionnelle autre que de retourner à l'école pendant une période qu'on appelle poliment "transitoire".

Dans sa réponse au postulat précité, le Département fédéral de l'économie semble plein de bonne volonté: il finance des actions efficaces; il investit 2,3 millions de francs pour stimuler les entreprises à former des apprentis. Mais ces "mesurettes" ne sauraient cacher la crise que traverse la formation duale; elles sont insuffisantes pour offrir aux jeunes adultes une formation de leur choix, un métier dont ils ont peut-être un jour rêvé.

Car ce n'est pas parce qu'il y a des places libres que le marché des places d'apprentissage fonctionne! Il ne suffit pas de décréter une stabilisation à long terme de l'offre de places d'apprentissage, comme le fait le Conseil fédéral, pour que tout se résolve. L'offre doit tenir compte de deux aspects déterminants pour que le système soit opérationnel: les métiers proposés et la répartition géographique de l'offre. Qu'il y ait pléthore de places de maçons à la Vallée de Joux, par exemple, ne va pas résoudre la carence de la formation duale en Suisse.

Sur le marché des places d'apprentissage, le taux de vacance est de 5,7 pour cent, un chiffre désespérément bas! Si l'on veut que le marché fonctionne, il faut une offre supérieure à la demande d'au moins 12,5 pour cent. Nous sommes encore loin du compte. En 1985, 32 pour cent des entreprises formaient des apprentis. En 2001, elles ne sont plus que 22 pour cent.

Le problème est certes conjoncturel; dans une période de faible croissance, les entreprises hésitent à former des apprentis. Mais il serait réducteur de s'arrêter à ce simple constat, d'attendre que la croissance revienne et croire que bientôt à nouveau tout ira pour le mieux.

Le problème est aussi structurel. Les nouvelles entreprises de pointe aujourd'hui se développent essentiellement dans le domaine du tertiaire. Elles n'ont pas de tradition d'apprentissage et engagent très peu d'apprentis. En outre, reconnaissons que les associations patronales professionnelles responsables de la question ne font pas d'efforts suffisants en vue de stimuler les entreprises à proposer des apprentissages.

Enfin, pour attirer les jeunes vers des métiers qui ne les attirent pas, il ne suffit pas de dire que ces jeunes sont fainéants, enfants gâtés ou démotivés. Il incombe aux associations patronales de revaloriser ces professions, en particulier en termes de salaire, de conditions de travail ou d'horaires. Bref, le champ d'intervention de l'Etat est loin d'avoir été totalement exploré.

La situation est inquiétante, Mesdames Galladé et Wyss, ainsi que Monsieur Hofmann l'ont dit à moult reprises. La situation est inquiétante pour les jeunes adultes, mais aussi pour le tissu industriel de notre pays. Ceux qui ne s'en inquiètent pas, comme Monsieur Wandfluh, sont tout simplement irresponsables. Il est triste que dans notre pays, des jeunes se retrouvent devant la porte de l'office de chômage plutôt que devant celle d'un atelier.

Je vous demande d'adopter le postulat Galladé.

Simoneschi-Cortesi Chiara · Mit-F · Nationalrat · Tessin · Christlichdemokratische Fraktion

La motion Galladé 05.3190 concernant l'année initiale d'apprentissage (Basislehrjahr) propose d'élaborer différents modèles visant à mettre en place une année initiale d'apprentissage et à organiser ensuite des projets pilotes. Je m'exprimerai ultérieurement quant au troisième point de la motion.

L'idée de Madame Galladé est très bonne. En effet, on a constaté qu'à cause des grands changements structurels qui se succèdent dans le monde du travail - je pense à l'importance des nouvelles technologies, de l'information, de la communication par exemple -, certaines professions disparaissent et de nouvelles naissent. Mais, surtout, il y a un phénomène nouveau et important auquel nous devons accorder toute notre attention: il s'agit du fait que le niveau des qualifications et des compétences requises devient toujours plus élevé. En plus, outre le savoir et le savoir-faire, le rôle du savoir-être - c'est-à-dire des compétences sociales - prend de plus en plus d'importance.

Une autre constatation concernant les "trends" et les changements nous amène à prendre des mesures au niveau de la formation professionnelle de base. C'est un fait que presque deux tiers des places de travail - surtout les nouvelles - sont localisées dans le secteur tertiaire. Même les professions du secondaire sont de moins en moins liées au savoir-faire manuel; les connaissances touchant aux machines numériques, aux ordinateurs, à Internet et à toutes les nouvelles technologies acquièrent toujours plus d'importance.

Dans cette situation, il y a des entreprises qui ne sont pas intéressées à employer des apprentis après l'école obligatoire, ou surtout, quelquefois, elles n'ont pas les ressources qu'il faut pour cela. Par contre, ces entreprises seraient prêtes à engager des apprentis lorsque ceux-ci sont déjà un peu formés, tant du point de vue théorique que du point de vue pratique.

Pour bien d'autres raisons encore, que je ne peux pas développer ici, le canton du Tessin a expérimenté cette année de base théorique à l'école (Basislehrjahr). On a profité de l'arrêté sur les places d'apprentissage (Lehrstellenbeschluss) pour résoudre le problème de l'absence de places d'apprentissage dans des secteurs très prometteurs et novateurs comme l'industrie chimique, l'industrie pharmaceutique, l'électronique, etc.

L'expérience que nous avons faite avec les "Lehrstellenbeschlüsse" a été très positive, si bien que maintenant, il y a 26 professions dans lesquelles les jeunes peuvent faire leur première année, en partie à l'école professionnelle et en partie dans les laboratoires, soit publics, soit ceux des centres qui sont gérés par les associations professionnelles.

Dès la deuxième année, ils travaillent dans l'entreprise. Le contrat d'apprentissage est fait depuis le début, depuis la "Basislehrjahr", et se prolonge sur les quatre ans. Les professions sont celles des secteurs de l'électronique, de la chimie, de la biologie et de la pharmaceutique, des arts graphiques, de l'informatique. Des dessinateurs, des architectes et des ingénieurs qui avaient de la peine à trouver des places d'apprentissage en ont trouvé avec ce système.

Après cette première année, on a constaté que les jeunes ont une meilleure préparation théorique et pratique. Les entreprises sont ainsi plus intéressées à les former pour le reste de l'apprentissage. La motion Galladé 05.3190 demande de mettre à disposition des cantons et des associations professionnelles des modèles et de montrer des projets pilotes qui fonctionnent bien. Je trouve qu'on pourrait accepter cette motion. L'OFFT a à disposition toutes les expériences qu'on a faites avec les "Lehrstellenbeschlüsse" et, sans beaucoup de travail, il aurait pu réunir toutes ces expériences, faire une liste des "best practices" et modéliser les meilleures; les mettre à disposition des cantons et des associations professionnelles pour leur demander - surtout dans les professions d'avenir, les professions novatrices où il n'y a pas assez de places de travail en apprentissage - d'introduire cette "Basislehrjahr".

Il est aussi possible de le faire grâce aux articles 54 et 55 de la loi sur la formation professionnelle qui nous donnent la possibilité d'introduire des projets novateurs.

Je trouve qu'on devrait accepter cette motion.

C'est clair que la troisième proposition n'était pas idéale: on demandait de généraliser. Je trouve que les exigences doivent venir des cantons, des associations patronales, des syndicats, des associations professionnelles. Et après, nous avons la possibilité avec la nouvelle loi d'introduire dans ces professions cette "Basislehrjahr" qui, selon notre expérience, a été très favorable.

Lang Josef · Mit-M · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion

Seit gut 23 Jahren unterrichte ich als Berufsschullehrer an einer baugewerblichen Berufsschule; damit wäre meine Interessenbindung offen gelegt. In diesen zwei Dutzend Jahren hat die Lehrstellennot noch nie so lange gedauert und ist noch nie so dramatisch gewesen. Ein wichtiger Grund liegt im Umstand, dass neue Betriebe in neuen Branchen nur noch wenige Lehrstellen anbieten. Innerhalb eines Jahres, von April 2004 bis April 2005, hat die Zahl der Suchenden viermal stärker zugenommen als die Zahl neuer Lehrstellen. Der Handlungsbedarf ist gross, viel grösser, als der Bundesrat meint und vor allem tut.

Angesichts einer solchen Ausgangslage ist es befremdlich, mit welch kleinlichen Argumenten die Förderung der Basislehrjahre abgelehnt wird. Diese Abwehrhaltung erinnert an die damalige Bekämpfung der überbetrieblichen Kurse. Heute bilden diese einen anerkannten und allseits geschätzten Bestandteil der Berufslehre. Betriebslehren mit Basislehrjahren sind heute im Tessin - Kollegin Simoneschi hat es vorhin ausgeführt - in einer ganzen Reihe von Berufen eine normale Form der beruflichen Ausbildung. Diese koexistiert bestens mit der üblichen Form. Mit dem Instrument der Basislehrjahre können vor allem rasch neue Lehrstellen geschaffen werden. Das ist angesichts der herrschenden Notlage besonders wichtig. Für jenen Teil der Betriebe, die bislang keine Lehrstellen geschaffen haben, erleichtert es den Einstieg in die berufliche Grundbildung. Beispielsweise Informatikfirmen hat es dazu animiert, aufgrund dieser Erfahrung den vollen Einstieg in die Berufsbildung zu machen.

Die anderen Betriebe, die sich in der Berufsbildung bereits engagieren, könnten durch eine beschleunigte Rotation mehr Lernende einstellen. Die Politik hat dafür zu sorgen, dass alle Jugendlichen die Chance auf eine Berufsbildung haben. Die bundesrätliche Neinsager-Politik wird weder den Problemen der Gegenwart noch den Herausforderungen der Zukunft gerecht.

Nehmen Sie unbedingt die Motion 05.3190 "Basislehrjahre für Jugendliche ohne Lehrstelle" an.

Noch kurz ein Wort zur Motion 04.3104 "Lehrstellen bei internationalen Firmen": Aus zugerischer Perspektive kann ich nur bestätigen, dass hier grosser Handlungsbedarf besteht, aber auch grosse Chancen bestehen.

John-Calame Francine · Mit-F · Nationalrat · Neuenburg · Grüne Fraktion

Afin de ne pas prolonger excessivement le débat, je concentrerai mon intervention sur la motion qui nous semble la plus importante, soit la motion Galladé 05.3190 qui concerne l'année initiale d'apprentissage.

Le groupe des Verts soutiendra cette motion. Notre groupe est particulièrement attaché à l'avenir de la jeunesse de notre pays. Dès lors, il entend que tout soit mis en oeuvre pour assurer à cette jeunesse - sans projet - à défaut d'un avenir radieux, au moins des solutions lui permettant d'acquérir des connaissances nouvelles. La crise économique que nous traversons au niveau européen - car il faut cesser de considérer les problèmes économiques que nous rencontrons comme une spécialité helvétique - ne nous permet plus d'assurer le plein emploi dans notre pays: ni pour les jeunes, ni pour les adultes, et encore moins pour les demandeurs d'emploi plus âgés. Reconnaître enfin que la période du plein emploi est révolue permettrait certainement de trouver des solutions plus innovantes à cet important problème.

Face à ces difficultés, les Verts souhaitent mettre un accent particulier, prépondérant et déterminé en faveur de la formation des jeunes qui n'ont pas de projet professionnel ou de formation. Pour notre groupe, il est tout à fait essentiel que la jeunesse ait un autre projet professionnel et personnel que celui de devenir bénéficiaire de l'assurance-invalidité ou de l'aide sociale. La proposition faite dans la motion précitée va exactement dans ce sens; c'est la raison pour laquelle les Verts la soutiennent. Nous pensons que, quelles que soient les mesures proposées propres à améliorer ou à consolider les connaissances de ces jeunes, elles sont bonnes à prendre et qu'elles méritent donc notre soutien. Cette proposition n'est certes pas la panacée, mais mieux vaut un petit quelque chose que rien du tout.

Cette proposition d'année initiale d'apprentissage vient compléter de manière judicieuse le catalogue de mesures offertes avec le soutien financier de la Confédération, et elle nous paraît en parfaite adéquation avec la politique que le Conseil fédéral nous dit encourager et défendre. Un jeune qui a acquis quelques compétences de base concernant la formation qu'il souhaite entreprendre bénéficiera à n'en pas douter d'un atout supplémentaire pour trouver une place d'apprentissage auprès des entreprises de la branche concernée.

Le groupe des Verts vous invite donc à soutenir ces différentes interventions parlementaires et plus particulièrement la motion 05.3190, "Année initiale d'apprentissage pour les jeunes sans place d'apprentissage".

Noser Ruedi · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion

Bei der Vorbereitung des Votums habe ich mich rasch in meiner Sitzreihe umgeschaut und habe festgestellt, dass die Arbeitgeber, die um mich herum sitzen, 240 Lehrstellen anbieten. Dabei ist das Ausbildungs-Center von Herrn Randegger nicht mitgezählt.

Wir diskutieren heute über diverse Vorstösse. Wenn man das aber objektiv anschaut, muss man ehrlicherweise sagen, leider wird keiner von diesen Vorstössen auch nur eine Lehrstelle schaffen. Es wurde jetzt von mehreren Vorrednern gesagt, es gehe darum, ein Zeichen zu setzen, es gehe darum, das Richtige zu tun. Das Zeichensetzen wird schlussendlich nicht dazu führen, dass es eine zusätzliche Lehrstelle gibt.

Jahr für Jahr machen wir mehr solche Programme - Frau Galladé hat sogar noch darauf hingewiesen -, und Jahr für Jahr wird die Misere nicht kleiner. Also wäre es vermutlich einmal das Erste, was man tun müsste, alle diese vielen Programme auf ihre Wirkung zu untersuchen. Es gibt nämlich auch Programme, die nichts bewirken, und man könnte Geld umschichten.

Die Basis des Berufsbildungsgesetzes ist so aufgebaut, dass die Arbeitnehmer, die Arbeitgeber, die Kantone miteinander Lösungen finden. Das ist die Basis, das Konzept. Wir werden nicht darum herumkommen, auf dieser Basis zu arbeiten. In diesem Sinn möchten wir auch keinen zentralen Aktivismus haben, sondern wirklich die einzelnen Propagandisten motivieren, hier weiterzuarbeiten.

Wir haben in der Berufswelt, am Übergang in den Beruf, zwei Probleme: Das erste Problem - ich stelle es vereinfacht dar - ist schlicht und einfach, dass jemand, der eine Lehrstelle will, die Landessprache beherrschen muss. Das ist ein Muss. Es kann nicht Aufgabe des Arbeitgebers sein, diese Ausbildung anzubieten, sondern es ist Aufgabe des Schulsystems, die Leute so weit zu bringen. Das ist das Minimum, was man braucht. Geri Müller hat noch anderes erwähnt, was wichtig ist, dass man zu einer Lehrstelle kommt. Ich unterstütze alles, was er gesagt hat.

Wir haben aber noch ein zweites Problem, und das müssen wir auch ernst nehmen: Wir haben eine grosse Verschiebung in der Wirtschaft, nämlich vom Können zum Wissen. Die Lehre ist in erster Linie etwas für das Können. Das Wissen braucht zum Teil andere Ausbildungsgänge. Es ist eine Tatsache, dass halt eben nicht nur diese internationalen Konzerne, die zum Teil angesprochen werden, sondern auch sehr viele neue Branchen auf das Wissen ausgerichtet sind, wo es eben noch ganz andere Ausbildungsgänge gibt als unsere hoch geliebte und altherkömmliche Lehre.

So ist es z. B. bei uns. Wir bilden sechzehn Informatiker aus. Wenn bei uns jemand in die Lehre kommt, ist es ein Muss, dass er an die Fachhochschule geht, denn ohne diesen Übergang, habe ich den Eindruck, hat ein junger Mensch keine Chance, vierzig Jahre lang seinen Beruf auszuüben.

Das heisst, wir haben also sehr viele Probleme, die man angehen muss.

Wenn wir schon sagen, wir müssten viele Firmen motivieren, Lehren anzubieten, möchte ich zuerst einmal Bundesrat Deiss ein Kränzchen winden: Ich bin darüber orientiert, dass er mit der Wirtschaft im Gespräch ist und dass er eine Lehrstellenkonferenz durchführen wird, um diese Branchen, die hier gemeint sind, anzusprechen. Ob es dazu Postulate und Motionen braucht, möchte ich nicht beurteilen. Aber ich glaube, dass Bundesrat Deiss hier nicht nur Schelte verdient; es wird auch sehr viel gemacht.

Gestatten Sie mir dann noch eine andere Bemerkung: Gerade in den Dienstleistungsfirmen, die vorher angesprochen wurden, ist es halt so, dass wir in den letzten zehn Jahren auf die Sprache Englisch umgestellt haben. Die Korrespondenz in meiner Firma findet auf Englisch statt und nicht mehr auf Deutsch. Es besteht also auch hier eine Anforderung an die Schulabgänger, dass man vermutlich halt eben die englische Sprache können muss.

Wir haben in der Vergangenheit, und da möchte ich auf die Basislehrjahre zu sprechen kommen, viele Systeme geschaffen. Ich gebe dem Vorredner Recht, zum Teil wurden gewisse alte Systeme militant verteidigt, und es ging zu lange, bis neue Systeme eingeführt werden konnten. Aber ich möchte betonen: Es war nicht ein Gesetz, das eine Änderung verboten hat, es waren schlussendlich Arbeitgeber, Arbeitnehmer, Kantone, Organisationen, die zu lange Zeit brauchten. Wenn Sie daran denken, wie lange wir z. B. dafür kämpfen mussten, bis effektiv Informatiklehren mit anderen Berufsverbänden zusammen angeboten werden konnten - das war ein harter Kampf. Wir haben heute sehr viele Systeme, und die meisten Systeme sind gut, aber nur unter der Bedingung, dass ein Arbeitgeber involviert ist. Wir können die Lehre nicht ohne Arbeitgeber anbieten. Von daher gesehen sind die Basislehrjahre eine gute Sache, aber sie müssen zusammen mit dem Arbeitgeber angeboten werden. Es gibt heute alles: Es gibt Lehrverbünde, es gibt sehr viele Initiativen, die Arbeitgeberverbände arbeiten intensiv daran, es braucht hier keine Gesetzesänderung. Was es braucht, ist vielmehr Knochenarbeit an der Basis, um hier erfolgreich zu sein.

In diesem Sinne möchte ich den Rat davor warnen, einen Papiertiger loszutreten, auch wenn die Probleme wichtig sind: Keiner dieser Vorstösse wird schlussendlich auch nur eine zusätzliche Lehrstelle schaffen.

Rechsteiner Paul · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion

Was wir hier erleben mit der Lehrstellenkrise, mit der Jugendarbeitslosigkeit, was sich hier anbahnt, ist eine soziale Katastrophe - ich sage das Wort bewusst - mit Langzeitwirkung. Wenn Jugendliche in diesem Alter in diesem Jahr und im nächsten Jahr keine Lehrstelle finden, wenn sie, bedingt durch die gegenwärtige Konjunkturentwicklung und durch das Versagen des Staates, der Akteure in der Wirtschaft keine Lehrstelle finden, wenn sie keine Ausbildung haben, dann wird das ihr Leben prägen. Es ist eine entscheidende Situation, die Langzeitfolgen hat für zwanzig, dreissig, vierzig Jahre. Caritas hat eine Studie gemacht zur Jugendarmut, hat eine Studie gemacht zur Frage der Armutsentwicklung. Die Jahre in der Jugend sind entscheidend, die Frage der Ausbildung ist entscheidend.

Somit stehen wir heute vor einer Situation, die eine aussergewöhnliche Tragweite hat. Die Revision des Binnenmarktgesetzes mag in Ordnung sein, die Effekte sind aber in Ziffern hinter dem Komma zu messen. Hier geht es um eine Frage, die allergrösste Dimensionen hat, wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Es ist nun so, dass hier das Handeln des Staates erforderlich ist. Der Staat, das bedeutet ja kollektive Handlungsfähigkeit. Es ist klar, der Bund kann nicht alles allein machen, es braucht weitere Akteure; es braucht die Kantone, es braucht die Wirtschaft. Aber es liegt am Bund, hier nun die Initiative zu ergreifen.

Was ist passiert? Die Bundesratsparteien haben in den Bundesratsparteiengesprächen Beschlüsse gefasst; sie haben unter anderem gesagt, es brauche in dieser dramatischen Situation eine nationale Lehrstellenkonferenz. Und was hören wir? Das Bundesamt will vielleicht eine solche Konferenz im Herbst organisieren. Herr Bundesrat Deiss, das kann doch nicht so im helvetischen Trott abgehandelt werden. Das Schuljahr ist jetzt fertig. Was können die Jugendlichen der Jahrgänge 1988, 1989 dafür, dass sie in diesem Jahr 16-jährig, 17-jährig werden? Es muss für sie jetzt eine Antwort gefunden werden. Das Schuljahr geht jetzt zu Ende. Dieses Bundesamt kann doch jetzt nicht im Sommer in die Ferien gehen und die nationale Lehrstellenkonferenz erst im Herbst organisieren. Es braucht diese nationale Lehrstellenkonferenz mit den verschiedenen Akteuren auf der Stufe Kantone und Wirtschaft doch jetzt, vor den Sommerferien, damit eine Antwort gefunden werden kann.

Es ist halt so, Herr Bundesrat Deiss: Aussergewöhnliche Situationen erfordern auch aussergewöhnliche Antworten. Sie haben es in der Hand, eine aussergewöhnliche Antwort zu geben, indem Sie jetzt unbürokratisch und rasch für Massnahmen sorgen, unter anderem dafür, dass die nationale Lehrstellenkonferenz stattfindet, dass jetzt Massnahmen getroffen und dass jetzt Massnahmen eingeleitet werden für die Jugendlichen, die heute davon betroffen sind. Das ist eine Entscheidung, die Langzeitwirkung hat, und diese muss jetzt getroffen werden. Es liegt in unserer Verantwortung, und es liegt in Ihrer Verantwortung, jetzt hier zu handeln.

Kleiner Marianne · Mit-F · Nationalrat · Appenzell A.-Rh. · Freisinnig-demokratische Fraktion

Herr Rechsteiner, können Sie mir sagen, wie viele Lehrstellen der Gewerkschaftsbund selber hat und wie viele er vor fünf Jahren noch hatte?

Rechsteiner Paul · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion

Der Gewerkschaftsbund beschäftigt Lehrlinge. Es ist aber auch so: Sie sehen, es geht hier nicht nur um einen kleinen Betrieb mit 10, 20, 25 Beschäftigten, sondern es geht darum, dass sich jetzt alle zusammen an einer Initiative beteiligen. Wir - der Gewerkschaftsbund - haben zusammen mit den Jugendorganisationen eine Lehrstellen-Initiative gemacht. Diese Lehrstellen-Initiative ist mit dem Argument bekämpft worden, dass man jetzt ein neues Berufsbildungsgesetz hat - das hat Fortschritte gebracht - und dass man damit allen Jugendlichen eine Lehrstelle, eine Ausbildungsmöglichkeit garantieren kann. Das ist die Lösung, die jetzt mit einer Lehrstellenkonferenz umgesetzt werden muss. Aber der Gewerkschaftsbund selber - als Organisation, als Dachorganisation mit einem schlanken Sekretariat - macht im Rahmen seiner Möglichkeiten das, was er kann.

Kleiner Marianne · Mit-F · Nationalrat · Appenzell A.-Rh. · Freisinnig-demokratische Fraktion

Meine Frage ist nicht beantwortet worden. Ich habe Ihnen eine präzise Frage gestellt.

Rechsteiner Paul · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion

Doch, ich habe Ihnen gesagt, dass wir Lehrlinge beschäftigen und bei dieser Situation neu auch wieder Lehrlinge beschäftigen werden. (Zwischenruf Kleiner: Zahlen!)

Gysin Remo · Mit-M · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion

Herr Bundesrat, können Sie sich vorstellen, was es heisst, 30 bis 60 Absagen zu bekommen, und das als Start ins Berufsleben, sei es eine Absage für eine Lehrstelle oder für eine erste Stelle nach der Lehre? Wie würden wir uns da fühlen, wie fühlt sich der Vater oder die Mutter, wenn sie da zusehen müssen, und wie fühlen sich die Direktbetroffenen? Ich verstehe relativ schlecht, wieso wir hier dem Bundesrat sozusagen massenweise auf den Buckel kriechen müssen, damit er endlich reagiert. Wir wissen, dass er nur ein Akteur ist neben den Kantonen, neben den Unternehmen, aber er ist ein wichtiger Akteur für die Rahmenbedingungen.

Wir wollen alle keine Alibifunktion, wir wollen etwas, das greifen wird. Da ist es vielleicht wichtig, wenn wir uns noch einmal überlegen, welches die Ursachen für die zurückgehende Ausbildungsbereitschaft sind:

1. Es ist der wirtschaftliche Strukturwandel - neue Technologien, Rationalisierung -, der zur Änderung des Berufsbildes, zu neuen Berufen führt: Berufe verschwinden, neue kommen.

2. Es ist auch das internationale Management, das wir immer mehr in der Schweiz antreffen. Das finde ich grundsätzlich gut, aber diese Manager haben offenbar einen anderen Bezug zu unserer Berufslehre. Es gibt leider heute riesige internationale Unternehmen, deren Führungsspitzen noch nicht begriffen haben, was die Berufsbildung, die Berufslehre bei uns bedeuten. Da ist auch Nachholbedarf.

3. Wir haben die Maturanden und Jugendlichen mit universitären Ausbildungen, die immer mehr an verschiedensten Orten die Lehrabsolventinnen und -absolventen ersetzen. Das betrifft z. B. den kaufmännischen Bereich, aber auch den Sozialbereich, die Sozialarbeiter. Sie können fast überall hinschauen, wo Sie wollen: Da ist ein Verdrängungseffekt festzustellen.

4. Bei der wirklich unsicheren Wirtschaftslage können wir uns nicht organisatorische Verfahren und Aufwendungen erlauben, die sich auch vermeiden liessen. Das ist auch ein Ansatzpunkt, wo der Bund tätig werden müsste.

5. Es gibt Schwierigkeiten, die bei der Schule und bei denen liegen, die Lehrstellen suchen. Das muss man auch sehen. Es gibt Defizite im kognitiven Bereich, im sozialen Bereich. Es gibt sprachliche Schwächen bei Migranten und anderen. Da hilft oft auch ein Zwischenjahr nicht. Oft beobachten wir, dass ein Zwischenjahr keine Verbesserungen bringt.

6. Eine weitere Ursache sind Vorurteile. Die Vorurteile der Unternehmerschaft fangen schon bei ausländischen Namen an. Da muss man sicher auch Abhilfe schaffen.

7. Dazu kommt das Image der Berufsbildung als zweite Wahl.

Was sind die Schlussfolgerungen aus diesen Ursachen? Es zeigt sich, dass es auf unterschiedlichsten Ebenen unterschiedlichste Massnahmen braucht. Es braucht einen Kranz von Massnahmen. Alle müssen mitwirken. Und dann müssen wir noch einmal den Bund bitten, jetzt endlich aktiv zu werden. Es ist unglaublich, wie viel Beharrungsvermögen er zeigt.

Ich möchte ganz kurz auf die Möglichkeit des Basislehrjahres eingehen. Es ist schon viel darüber gesagt worden. Ich möchte nur, auch hier, differenzieren. Es ist uns klar, dass hier eine Chance liegt, aber ein Basislehrjahr muss freiwillig erfolgen. Es muss im Interesse aller Beteiligten sein: der Berufsverbände und der Unternehmen. Es braucht eine positive Kosten-Nutzen-Relation möglichst im ersten Jahr. Ein Basislehrjahr muss selektiv eingeführt werden, allenfalls kann man auch mit Pilotprojekten starten.

Meine Damen und Herren, Herr Bundesrat: Ich bitte Sie, hier endlich aktiv zu werden! Wir brauchen Sofortmassnahmen, wir brauchen mittel- und längerfristige Massnahmen. Aber wir können nicht länger zuschauen.

Miesch Christian · Mit-M · Nationalrat · Basel-Landschaft · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ausgerechnet Sie, Kollege Gysin, äussern sich zum Lehrstellenmangel! Ist Ihnen bekannt, dass Firmen aus Basel-Stadt lediglich noch Lehrlingsbewerberinnen und -bewerber aus dem Kanton Baselland einstellen, weil Ihre Schulen im Kanton Basel-Stadt keinen Dreck mehr wert sind und dort keine Leistung mehr verlangt wird? Ist Ihnen dieser Umstand bekannt? (Unruhe)

Gysin Remo · Mit-M · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion

Ist mir nicht bekannt. Ist auch nicht so. (Heiterkeit)

Triponez Pierre · Mit-M · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion

Im Gegensatz zu Herrn Rechsteiner hätte ich die Frage nach der Beschäftigung von Lehrlingen in meinem Büro positiv beantworten können. Aber ich möchte nur zur Motion 04.3104 "Lehrstellen bei internationalen Firmen" Stellung nehmen.

Das Anliegen ist sicher richtig. Viele internationale Firmen, vor allem wenn sie ausländisch beherrscht sind, kennen unser Berufsbildungssystem kaum. Ich darf Sie daran erinnern, dass 70 Prozent sämtlicher Lehrlinge in diesem Lande in gewerblichen Klein- und Mittelbetrieben ausgebildet werden. Das ist so, und das bleibt auch so. Das Anliegen bezüglich der internationalen Firmen ist sicher lobenswert. Aber man kann doch nicht den Wunsch nach einer Informationskampagne in die Form einer Motion giessen. Rein schon aus formellen Gründen ist die Annahme einer solchen Motion meines Erachtens inakzeptabel.

Die FDP-Fraktion möchte anregen, dass der Bundesrat hier kurz und klar erklärt, dass er bereit ist, die internationalen Firmen zu sensibilisieren, und dass er dies auch tun wird, damit wir diese Motion nicht annehmen müssen.

Meyer Thérèse · P-F · Nationalrat · Freiburg · Christlichdemokratische Fraktion

Nous interrompons ici notre débat parce que Monsieur le conseiller fédéral Deiss doit partir. - Monsieur Gysin Remo aimerait poser une question.

Gysin Remo · Mit-M · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion

Herr Triponez, eine Frage: Haben Sie wirklich gesagt, die Schulen in Basel seien keinen Dreck wert? Haben Sie das gesagt?

Triponez Pierre · Mit-M · Nationalrat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion

Ich befürchte, lieber Kollege, in der Nervosität des Gefechtes verwechseln Sie mich mit jemand anderem. Stellen Sie doch die Frage dann nachher direkt Herrn Kollege Miesch!

Gysin Remo · Mit-M · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion

Ich bitte um Entschuldigung; Herr Miesch ist an der Reihe.

Meyer Thérèse · P-F · Nationalrat · Freiburg · Christlichdemokratische Fraktion

J'interromps ici notre débat. Je donnerai la parole aux derniers orateurs demain matin. Monsieur le conseiller fédéral est d'accord de venir s'exprimer demain pour que nous puissions voter sur ces interventions. Je le remercie de se mettre à notre disposition.

Die Beratung dieses Geschäftes wird unterbrochen

Le débat sur cet objet est interrompu

Schluss der Sitzung um 12.50 Uhr

La séance est levée à 12 h 50