Kreisschreiben Nr. 24 vom 12. Juli 1909 betreffend Retentionsverfahren. Separatausgabe

132 I. Entscheidungen der Schuldbetreibungs- uud Konkurskammer

vornberein beftimmt hat. Selbftverftindlidà hat fic) der Richter beim Surrogat gefebgeberifcer Tatigleit, gu weldem er fi angeficht3 der Mangelhaftigteit ded Gefebesterte8 geswungen fiebt, auf dad Notmendigite gu befchranfen. CS hat daber eine Griftanjepung an den Glaubiger zur UnBbebung der Klage auf Wufhebung des Redit3vorfdlages durd das BetreibungSamt nur auf Antrag des Schulbners gu erfolgen, dagegen Fann diefe Frift von vornberein auf zen Tage fetgefebi werden, meil bier bad bei der Beftimmung der Frift gur Unbebung der Betreibung fi bietende Sinderni8, daf bei nod) nicht falligen Miet= begw. Padhtginfen die Cinleitung ver Betretbung dem Glaubiger vor Gintritt der Falligfeit nicht gugemutet werden fann, auger Betradt fallt. Lie dem Glaubiger demgemaf vom Betreibungsamt angufegende gehntagige Frift ift endlich) al8 Bermirtungsfrift in dem Sinn aufzufaffen, dak bei Verfaumung derfelben die Retentionsurtunde al8 dabingefallen gu betradjten ift und der Sdulbner wieder die Verfligungsfreibeit liber die NetentionSgegenftànde erbàlt.

Demnad hat die Schuldbetretbungs- und Ronfurdfammer

erfannt:

Der Refurs wird begriindet erflart und. der angefochtene Ent:

fcheid ber Vorinftanz aufgehoben.

Anhang. — Kreisschreiben an die kantonalen Aufsichtsbehòrden 133

Anhang. — Appendice.

Kreisschreiben Nr. 24 der Schuldbetreibungs- und Konkurskammer vom 12, Juli 1909 an die kantonalen Aufsichtsbehérden. Gegonstand : Retentionsverfahren,

Die neulihe Behandlung eines Spegialfalled Hat uns Gelegen: Heit gegeben, feftzuftellen, welche Tibelftinde daraua entftehen, dag der Vermieter oder Berpachter mach erfolgter Yufnahme der Re: tentionsurfunde gemaf Ut. 283 GHKG gwar verpflichtet ift, innert einer beftimmten Frijt die Vetreibung anzubeben, dak er aber durd feine gefegliche BVeftimmung gugleich aud verhalten wird, wenn die Betreibung duro Redhisvorfdlag vom Sdhuldoner gehemmt wird, gegen den Sdulner Mage auf Feftftellung ber Gorderung bem. des Retentionsredhts anzubeben. Wir find gur Tiberzengung gelangt, dag in diefem Mangel feine vom Gefeg: geber gewollte Unterlajfung, fondern eine wirklide Qiefe gu er: blicfen ift, welche in Bollgiehung des gefebgeberifchen Gedanten3 und Willens auszufilllen der Shulbbetreibungs: und Ronturs: fammer im Sinne von Art. 15 SHRG obliegt. Diefer Bwee ift ohne Schwierigteit oadurd) gu erreiden, da die in Art. 278 AL. 2 und 4 dea Betreibungsgefete8 fiir dad Arreftverfabren aufgeftellten Beltimmungen auf den Fall ded Art. 283, foweit nòtig, analog anwendbar erflart werden.

Da durch die Uufrahme der Retentionsurfunde dem Sdhuloner fortan die Befugni8 itberhaupt entzogen wird, itber die inventari: fierten Gegenftinde gu verfilgen, alfo aud in den Fallen, wo ein Retentionsrecht materiell nidit begriindet fein fann, fo geht e3 nicht an, diefen dem durd) dex Arrefivollzug begriindeten durdaus analogen Quftand .tiefgreifender Behinderung ded Schuldners nach Belieben ded Glaubigers ungebiijelid) fang andauern gu laffen. 8 mug vielmebr der Schuldner ein Mittel haben, eine miglichft rafche ridhterlide Entfheidung iter dad von ibm durd) Erbebung des Redtsvoridlage8 Beftrittene Nedit gue Retention berbeizu: flibren. Undernfall8 fonnte der Retentionsbefdjlag vom Glaubiger frog der ftillegeftellten Betveibung bia gum Erldfdhen der Betreiz

1384 Anhang. — Kreisschreiben an die kantonalen Aufsichtsbehòrden.

bung zum gròfiten Sdjaden ded Seutoner’s aufreht erhalten merder, ohne baf cine obfeftive Prifung jeiner Unfpriihe bor: audgegangen mire, was einer e Gefihrder Schuldnerifcen Nnterefien glerhtame. + dea be in Art. 283 denn aud diefen Gedanten paburch gum Musrrud gebradjt, dag er dom Glaubiger die Une Sebung der Vetreibung innert furger Frilt verlangte, natlirlich in der Meiuurtg, da die Mechtdwirfungen der RetentionSurtunbe bet Nigiteinbaltung diefer Grift dabinfallen follen. Nur ift diefer Ge: parte unvollfommen im Gefebe auSgefprochen worden, indem ganz offentar an die Situation, die entftebt, wenn die Betveibung wegen Rechtisvorfdjlag midjt fortgefegt werden fann, nicht gedacht murde.

8 ift daber in analoger Anwendung von Art. 278 UGf. 2 vem Sduloner dad Recht eingurdumen, pom Glaubiger, deffen Betveibung auf Pfandverwertung nurd Redhtsvorjdhlag gehemint wurde, gu verfangen, dag er innert einer ifm vom Betreibungsbeamten que gufependen Frift von gehn Tagen die Klage auf Une erfennung der FGorderung begw. ded Retentionsredts anftelle oder Redtssffnung verlange und, wenn diefe lebtere abgemiefen werber follte, innert der legen Frift von gehn Tagen den orbdentlihen Prozek ange e, mit ber Undrohung, daf bet NiGhtbeadtung diefer Friften bad Retentionsvergeignis mit allen feinen Wirfungen vahinfalle.

i idhe praftiffe Bedeutung diefer Frage fomie der ane n Se nto Caf cRungo der Auffihtsbehdrden 7 diefer Begiehung gegenmartig herr]djende Bujtand der iti unfiderbeit veraniafen ung, die obigen wegleitenden Grundfage Hiemit den Auffichtabehdrden und den Betreibungdbeamten gin finftigen Berhalt fund gu geben.

II Entscheidungen der iibrigen Abteilungen des Bundesgerichts.No 33. 135

II Entscheidungen der iibrigen Abteilungen

des Bundesgerichtes. Arréts des autres sections du Tribunal fédéral.

33 Arrét du 7 avril 1909, dans la cause Geiser

et Kindlimann et consorts, dem. et rec., contre Schouffelberger déf. et int.

Délai du recours en réforme: art. 65 al. 2 OJF. — Hxception de la chose jugée, opposée 4 une action en opposition & état de collocation (art. 250 LP) et basée sur un jugement intervenu dans un procés antérieur régi par le droit cantonal (partage d’une communauté de biens entre époux), jugement qui a donné lieu à une rectification de l’état de collocation. Application du droit fédéral: portée de l’art. 250 LP. — Art. 219, 4° cl. LP: Cette disposition dont la lettre n’accorde le privilége qu’elle établit qu’a la femme méme du failli et qu’a la condition qu’en vertu du régime matrimonial les biens en question soient devenus la propriété du mari ou se trouvent placés sous son administration au moment de la faillite doit étre interprétée en ce sens que le privilége existe aussi en faveur des héritiers de la femme et peut étre revendiqué encore pendant une année après que le régime matri. monial dont il dépend a pris fin. — Art. 219, 2° cl. LP.

A. — Dame Anna-Marie- Wilhelmine née Boley, épouse commune en biens de Louis-EFugène-Maurice Schouffelberger, négociant, 4 Corcelles (Neuchatel), est décédée en octobre 1889 et sa succession a été acceptée purement et’ simplement, le 23 du dit mois, par unique enfant qu'elle laissàt, James Schouffelberger, défendeur au procès actuel, alors mineur, étant né le 18 mai 1884, et agissant à cette occasion par son père et tuteur naturel, Louis-Eugène-Maurice Schouffelberger. Ce dernier ayant acquis durant cette première communauté de mariage et au nom et pour le compte de celle-ci deux immeubles, les articles 1663 et 1205 du cadastre de la commune de Corcelles-Cormondrèche, qui avaient