Abbau von Gestein, Kies und Sand – technisches Merkblatt
Abbau von Gestein, Kies und Sand Technisches Merkblatt
Die Suva dankt den folgenden Personen für ihre fachliche Unterstützung: Guido Frenzer, Fachverband der Schweizerischen Kies- und Betonindustrie FSKB, Bern, Heinz Hofer, sécurité+santé gmbh, Luterbach, Hans Solenthaler, PQC, Zizers.
Suva Arbeitssicherheit Postfach, 6002 Luzern Für Auskünfte: Tel. 041 419 51 11 Download unter: www.suva.ch/waswo/44076.d Abbau von Gestein, Kies und Sand Technisches Merkblatt Verfasser: Robert Meier, Bereich Bau
1 Auflage: Januar 2006 (neues Titelbild Mai 2008)
Überarbeitung – April 2013 Bestellnummer: 44076.d (nur als PDF-Datei erhältlich)
1 Anwendungsbereich 2 Begriffe
Dieses Merkblatt ergänzt Kapitel 8 der Abbau von Gestein Bauarbeitenverordnung (BauAV). Es richtet Beim Abbau von Gestein (z. B. in Steinbrüsich an Betreiber von Steinbrüchen und chen) wird Festgestein aus dem Gebirgs- Kiesgruben und zeigt, wie diese Arbeit- verband gelöst. Dies geschieht in der Regel geber ihre Verpflichtungen gegenüber den durch Sprengen, Sägen, Keilen, Fräsen Arbeitnehmenden bezüglich Sicherheit und oder Rippern. Gesundheitsschutz wahrnehmen können. Das Merkblatt gilt für den Abbau von Abbau von Kies und Sand Gestein, Kies, Sand und ähnlichen Mate- Die Gewinnung von Kies und Sand erfolgt rialien über Tag. in der Regel durch Abbau mit Baggern oder Ladeschaufeln, Rippern, Abstossen ab einer Berme (Wandterrasse) oder durch Lösen mit Druckwasser.
Abraumdecke Unter «Abraumdecke» wird nicht für die Gewinnung nutzbares Erdreich, Wurzelwerk, loses und taubes Gestein oder sonstiges Material verstanden, das auf und zwischen nutzbarem Gestein, Kies- oder Sandmaterial lagert.
Bermen – Als Arbeitsbermen werden diejenigen Flächen bezeichnet, die für Arbeitsmittel und Personen als Arbeitsplatz dienen. – Als Transportbermen werden diejenigen Flächen bezeichnet, die für Arbeitsmittel und Personen als Transportweg dienen. – Die Bermenkante ist diejenige Kante des anstehenden standfesten Untergrundes, welche die Arbeits- und Transportbermen sturzseitig begrenzt.
Gefahrenbereich vor Abraum- und Abbauwänden Darunter wird der Bereich verstanden, in dem mit einer Gefährdung durch herunterfallende Steine, Abrutschen oder Abbrechen von Material zu rechnen ist.
Rippern Unter «Rippern» versteht man das Lockern von fest gelagertem Material mit Reisswerkzeugen, die an Erdbewegungsmaschinen montiert sind.
3 Massnahmen beim Abbau 4 Massnahmen zur Verhütung
von Gestein, Kies und Sand von Staublungenerkrankungen (Silikose)
Hart gelagertes Material wird in der Regel Beim Abbau von Gestein, Sand und Kies von oben nach unten, in Stufen und ent- ist mit Staub, besonders mit gefährlichem sprechend dem Abbauplan abgebaut. Quarzstaub zu rechnen. Dieser tritt erfah- Gestein wird in der Regel durch Sprengen rungsgemäss beim Bohren, Brechen, Vergelöst. Sand und Kies werden mit einem laden und bei Fahrbewegungen auf trocke- Bagger oder durch Rippern gelockert. nen Transportpisten auf. Das gelockerte Material wird entweder Überall dort, wo Arbeitnehmende durch direkt abtransportiert oder mit geeigneten Staub gefährdet sind, müssen geeignete Maschinen über die Wand abgestossen. Massnahmen getroffen werden.
Bei diesen Arbeiten sind bezüglich Sicher- Mögliche Massnahmen zur Staubbekämpheit folgende Punkte besonders zu beach- fung an der Quelle sind: ten: ■ das Bedüsen, Berieseln oder Benebeln ■ Die Bermenkante muss standfest sein. mit Wasser ■ Das Abbaugerät darf sich der Bermen- ■ das Binden des Staubs mit Wasser, kante nur so weit nähern, dass der zum Beispiel durch Bohren im Nass- Planierschild nicht über die Wandkante bohrverfahren hinausragt (siehe auch Zeichnungen in Kapitel 5). ■ das Absaugen des Staubs an der Entstehungsstelle und das Ableiten in eine ■ Während des Abstossens des Materials Entstaubungsanlage darf sich im kritischen Bereich am Fuss der Wand oder im Bereich des Material- Kann der Staub nicht an der Quelle erfasst kegels niemand aufhalten. werden, besteht die Möglichkeit, Bedie- ■ Während des Aufladens von Material am nungsstände und Führerkabinen mit gefil- Fuss der Wand oder am Materialkegel terter Frischluft zu versorgen und zu klimadarf auf der darüberliegenden Berme tisieren. nicht gearbeitet werden. Bei temporär auftretendem Staub – z. B. infolge besonderer klimatischer Verhältnisse – sowie bei kurzzeitigen Arbeitseinsätzen im Staub ist dafür zu sorgen, dass die betroffenen Mitarbeitenden geeignete Atemschutzmasken gegen Feinstäube tragen (Partikelfiltermasken FFP3).
5 Bermenbreiten
Die minimale Bermenbreite richtet sich nach standfeste Bermenkante Wandfuss den auszuführenden Arbeiten, der Geologie und den Dimensionen der eingesetzten Arbeitsmittel. Wh
Wb
5.1 Arbeitsbermen
Radlader (minimale Bermenbreite auf standfestem Untergrund) D Raddurchmesser D R Radius des Wendekreises über Schaufelecke R
Wb Breite Wall ≥ Raddurchmesser D (innerhalb Bermenbreite Amin) D R Wh Höhe Wall oder Leitplanke A ≥ 0.5 Raddurchmesser D min
Mobilbagger (minimale Bermenbreite auf standfestem Untergrund) B Fahrwerkbreite C Ausladung nach hinten (Heck) Wh D D Raddurchmesser E Abstand zu Wandfuss ≥ 1 m Wb B
Wb Breite Wall ≥ Raddurchmesser D 1.5 D 0.5 B C E Amin (innerhalb Bermenbreite Amin) Wh Höhe Wall ≥ 0.5 Raddurchmesser D
Raupenbagger (minimale Bermenbreite auf standfestem Untergrund) B Fahrwerkbreite C Ausladung nach hinten (Heck) D Fahrwerkhöhe Wh D E Abstand zu Wandfuss ≥ 1 m Wb Breite Wall ≥ Fahrwerkhöhe D Wb B 1.5 D 0.5 B C E (innerhalb Bermenbreite Amin) Amin Wh Höhe Wall ≥ 0.5 Fahrwerkhöhe D
5.2 Transportbermen
Transportfahrzeuge (minimale Bermenbreite auf standfestem Untergrund) B Fahrwerkbreite D D Raddurchmesser Wh E ≥ 0.5 D (Freiraum) F ≥ 1.5 D, mindestens aber 2 m (Abstand Rad, Raupe zur standfesten Wb E Abbaukante) F B E Amin Wb Breite Wall ≥ Raddurchmesser D (innerhalb Bermenbreite Amin) Wh Höhe Wall ≥ 0.5 Raddurchmesser D
Leitplanken Die Ausführung der Leitplanken ist den eingesetzten Transportfahrzeugen anzupassen.
Wb Breite Leitplanke ≥ Raddurchmesser D (innerhalb Bermenbreite Amin) Wh Höhe Leitplanke ≥ 0.5 Raddurchmesser D D
Wh
Steinblöcke Anstelle eines Walls oder einer Leitplanke Wb E können auch Steinblöcke von entsprechen- F B E der Grösse gesetzt werden. Amin