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Entscheid

IV.2021.145

Rente; leidensbedingter Abzug (Bundesgerichtsurteil 8C_304/2022 vom 30.05.2023)

23. Februar 2022Deutsch31 min

gelernter Schlosser und arbeitete seit dem 1. Oktober 1986 für die D____ (D____)

Source bs.ch

Sozialversicherungsgericht

des Kantons Basel-Stadt

URTEIL

vom 23.

Februar 2022

Mitwirkende

lic. iur. R. Schnyder (Vorsitz), lic.

iur. M. Prack Hoenen, Dr. phil. N. Bechtel und

Gerichtsschreiberin lic. iur. S. Dreyer

Parteien

A____

[...]

vertreten durch lic. iur. B____, Advokat,

[...]

Beschwerdeführer

IV-Stelle Basel-Stadt

Rechtsdienst, Aeschengraben 9,

Postfach, 4002 Basel

Beschwerdegegnerin

Pensionskasse C____

[...] Beigeladene

Gegenstand

IV.2021.145

Verfügung vom 13. August 2021

Rente; leidensbedingter Abzug

Tatsachen

Sachverhalt

I.

a) A____ (Beschwerdeführer), geboren [...] 1963, ist

gelernter Schlosser und arbeitete seit dem 1. Oktober 1986 für die D____ (D____)

als Tramdepotmechaniker (vgl. IV-Akte 3; siehe auch IV-Akte 4, S. 4). Am 16.

April 2014 verletze er sich während der Arbeit am rechten Bein bzw. rechten Knie

(vgl. die Schadenmeldung UVG; SUVA-Akte 1). Im E____spital [...] wurde eine Kniegelenksdistorsion

rechts mit Unterflächenläsion medialer Meniskus und medialem Bone bruise

Tibiakopf diagnostiziert (vgl. den Bericht des E____spitals [...] vom 18. Juni

2014; SUVA-Akte 9). Am 18. Juli 2014 wurde der Beschwerdeführer am rechten

Knie operiert (vgl. SUVA-Akte 24). Ab dem 1. September 2014 wurde ihm wieder eine

50%ige Arbeitsfähigkeit (in einer Verweistätigkeit im Magazin) bescheinigt

(vgl. u.a. SUVA-Akten 49 und 54 sowie SUVA-Akte 79, S. 2). Im weiteren Verlauf

machte der Beschwerdeführer auch Kniebeschwerden links geltend (vgl. u.a.

SUVA-Akte 62).

b) Im Februar 2015 meldete sich der Beschwerdeführer zum

Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Invalidenversicherung an (vgl. IV-Akte

1). In der Zeit vom 1. September 2015 bis zum 6. Oktober 2015 weilte er in der F____klinik

[...] (vgl. SUVA-Akte 115). Anschliessend wurde er bei den [...] an diversen

Orten mit einem 50%-Pensum eingesetzt (vgl. u.a. SUVA-Akte 167; siehe auch

SUVA-Akte 162, S. 1), unter anderem im Unterhalt von Billett-Automaten (vgl.

SUVA-Akte 119). Er bezog jedoch weiterhin einen 100%-Lohn, da er die von der

Arbeitgeberin geltend gemachte Kündigung des Pensums um 50 % per 1. Oktober 2015

(vgl. SUVA-Akte 162, S. 3) nicht akzeptierte resp. sich dagegen mit

rechtlichen Schritten zur Wehr setzte (vgl. u.a. SUVA-Akte 169, S. 2).

c) Mit Verfügung vom 24. Dezember 2015 sprach die SUVA

dem Beschwerdeführer – ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer

angepassten Tätigkeit – ab Januar 2016 eine Rente auf der Basis einer

Erwerbsunfähigkeit von 25 % und eine Integritätsentschädigung von 15 % zu (vgl.

SUVA-Akte 139). Die IV-Stelle lehnte sich in Bezug auf die

Invaliditätsbemessung an diesen Entscheid an und teilte dem Beschwerdeführer

mit Vorbescheid vom 31. März 2016 mit, man gedenke, einen Rentenanspruch

abzulehnen; der IV-Grad betrage nur 25 % und sei folglich rentenausschliessend

(vgl. IV-Akte 41). Am 23. Mai 2016 erliess sie eine dem Vorbescheid

entsprechende Verfügung (vgl. IV-Akte 45).

d) Im Juni 2016 machte der Beschwerdeführer einen

Rückfall zum Unfall vom 16. April 2014 geltend (vgl. SUVA-Akte 148). Die

SUVA richtete in der Folge vorübergehend Taggelder aus und kam für die Kosten

der Heilbehandlung auf. Da der Beschwerdeführer eine zwecks Schmerzlinderung

vorgeschlagene Nervdurchtrennung nicht durchführen lassen wollte, erachtete sie

die Behandlung im Oktober 2016 als abgeschlossen, was zur Einstellung der

vorübergehenden Leistungen führte (vgl. SUVA-Akte 154).

e) Mit Urteil vom 19. Oktober 2016

erachtete das

Appellationsgericht Basel-Stadt die von den D____ geltend gemachte Teilkündigung

(um 50 %) als nicht rechtens (vgl. SUVA-Akte 169). Der Entscheid wurde in der

Folge vom Bundesgericht mit

Urteil vom 7. August 2017 geschützt (vgl.

SUVA-Akte 169). Im Januar 2018 leitete die SUVA eine Überprüfung des

Rentenanspruches des Beschwerdeführers in die Wege (vgl. SUVA-Akte 158). Der

Beschwerdeführer war zu dieser Zeit immer noch für die D____ (offenbar 50 %) im

Einsatz (vgl. SUVA-Akte 162, S. 1). Eine von Seiten der Arbeitgeberin per

Januar 2018 vorgesehene Vertragsänderung (Herabsetzung des Arbeitspensums von

100 % auf 75 % resp. Zuteilung einer neuen Funktion [Betriebsmitarbeiter

Instandhaltungszentrum]; vgl. SUVA-Akte 162) war von ihm nicht akzeptiert

worden. Er erhielt daher – mangels Vertragsunterzeichnung – auch ab Januar 2018

weiterhin den 100%-Lohn für seine angestammte Tätigkeit ausbezahlt (vgl. insb. die

Lohnabrechnung für Januar 2018; SUVA-Akte 164, S. 10). Die SUVA schloss

das Revisionsverfahren im Mai 2018 ab. Sie ging von einem unveränderten Zustand

aus (vgl. die Mitteilung vom 15. Mai 2018; SUVA-Akte 175).

f) Im Mai 2018 lösten die D____ den Arbeitsvertrag mit

dem Beschwerdeführer "wegen langanhaltender krankheitsbedingter

Abwesenheit" per 30. November 2018 auf (vgl. IV-Akte 63, S. 15 resp.

IV-Akte 62). Der Beschwerdeführer hatte seinen letzten Arbeitstag am 30.

November 2018 und erhielt ab dem 1. Dezember 2018 keinen Lohn mehr ausbezahlt

(vgl. IV-Akte 62, S. 2; siehe auch SUVA-Akte 187, S. 1). Auch gegen diese

Kündigung setzte er sich mit rechtlichen Schritten zur Wehr (vgl. u.a. IV-Akte

63, S. 15 und S. 22).

g) Ab dem 30. November 2018 wurde dem Beschwerdeführer von

seiner Hausärztin (Dr. G____) resp. seinem Hausarzt (Dr. H____) eine 100%ige

Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (vgl. u.a. IV-Akte 63, S. 3 und IV-Akte 63, S.

26; siehe auch IV-Akte 58, S. 2). Es wurden ihm in der Folge (bis Oktober

2019) Krankentaggelder ausbezahlt (vgl. u.a. IV-Akte 63, S. 26). Ab dem 16.

Januar 2019 liess er sich von med. pract. I____ psychiatrisch behandeln (vgl.

IV-Akte 73, S. 2). Am 7. Juni 2019 meldete sich der Beschwerdeführer erneut zum

Bezug von IV-Leistungen an (vgl. IV-Akte 48). Die IV-Stelle traf in der Folge

entsprechende Abklärungen. Namentlich wurden die behandelnden Ärzte zur

Berichterstattung aufgefordert (vgl. u.a. den Bericht von Dr. H____ vom 4.

September 2019 [IV-Akte 58]; siehe auch den Bericht von med. pract. I____ vom

23. März 2020 [IV-Akte 73, S. 2 ff.]). Des Weiteren wurden die Akten der

Taggeldversicherung beigezogen, die weitere Unterlagen der behandelnden Ärzte

enthielten (vgl. u.a. den Bericht von med. pract. I____ vom 25. Oktober 2019;

IV-Akte 63, S. 14 ff.). Im Oktober 2019 endeten die Leistungen der

Krankentaggeldversicherung (vgl. u.a. IV-Akte 63, S. 26). Das Bundesgericht

schützte die von den D____ ausgesprochene Kündigung im Dezember 2019 (vgl. IV-Akte

81, S. 10).

h) Die IV-Stelle holte schliesslich beim RAD die

Stellungnahme vom 20. Juni 2020 (IV-Akte 77) ein und erteilte daraufhin Dr.

J____ den Auftrag zur psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers

(Gutachten vom 21. September 2020; IV-Akte 81). Mit Vorbescheid vom 10.

Dezember 2020 kündigte sie die Ausrichtung einer befristeten ganzen Rente ab

Dezember 2019 bis März 2020 resp. die Verneinung eines Rentenanspruches ab

April 2020 an (vgl. IV-Akte 87). Dazu äusserte sich der Beschwerdeführer am 24.

Februar 2021. Im Wesentlichen rügte er eine ungenügende Abklärung des

relevanten Sachverhaltes (vgl. IV-Akte 101). Am 12. Mai 2021 ergänzte der

Beschwerdeführer seine Eingabe und liess der IV-Stelle den Bericht von med.

pract. I____ vom 5. Mai 2021 zukommen (vgl. IV-Akte 109). Die IV-Stelle holte

in der Folge beim RAD die Stellungnahme vom 1. Juli 2021 (IV-Akte 111) ein und

erliess am 13. August 2021 eine dem Vorbescheid entsprechende Verfügung (vgl.

IV-Akte 115).

Erwägungen

II.

a) Hiergegen hat der Beschwerdeführer am 14. September

2021.

Beschwerde beim Sozialversicherungsgericht Basel-Stadt erhoben. Er

beantragt, es sei ihm mit Wirkung ab dem 1. April 2020 mindestens eine

Viertelsrente zuzusprechen.

b) Die IV-Stelle (Beschwerdegegnerin) schliesst mit

Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2021 auf Abweisung der Beschwerde.

c) Mit Verfügung der Instruktionsrichterin vom 3.

November 2021 wurde ein Beizug der SUVA-Akten angeordnet.

d) Ebenfalls mit Verfügung vom 3. November 2021 wurde

die Pensionskasse [...] dem Verfahren beigeladen. Diese hat sich innert Frist

nicht vernehmen lassen.

e) Der Beschwerdeführer hält mit Replik vom 9. Dezember

2021.

an seiner Beschwerde fest.

f) Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Duplik vom 7.

Januar 2022 weiterhin auf Abweisung der Beschwerde.

III.

Am 23. Februar 2022 findet die Beratung der Sache durch die

Kammer des Sozialversicherungsgerichts statt.

Entscheidungsgründe

1.

1.1

Das Sozialversicherungsgericht

Basel-Stadt ist als einzige kantonale Instanz zuständig zum Entscheid über die

vorliegende Streitigkeit (§ 82 Abs. 1 des Gesetzes vom 3. Juni 2015 betreffend

die Organisation der Gerichte und der Staatsanwaltschaft

[Gerichtsorganisationsgesetz], GOG; SG 154.100). Die örtliche Zuständigkeit des

angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 69 Abs. 1 des

Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG; SR

831.20).

1.2

Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die

rechtzeitig erhobene Beschwerde einzutreten.

2.

2.1

Der Beschwerdeführer rügt im Wesentlichen, es bedürfe korrekterweise

einer bidisziplinären Begutachtung. Im Übrigen könne auch nicht ohne Weiteres

auf das psychiatrische Gutachten von Dr. J____ vom 21. September 2020 abgestellt

werden. Denn in psychiatrischer Hinsicht bestünden widersprüchliche

Einschätzungen. Ausserdem müsse auch die Festlegung des Invalideneinkommens als

falsch erachtet werden. Bei zutreffendem Einkommensvergleich habe er ab April

2020.

Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente (vgl. insb. die Beschwerde;

siehe auch die Replik).

2.2

Die Beschwerdegegnerin macht ihrerseits geltend, unter

Berücksichtigung der massgebenden medizinischen Erhebungen (insb. gestützt auf

das psychiatrische Gutachten von Dr. J____ vom 21. September 2020 und die

Einschätzung des RAD) sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im

Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns (Dezember 2019) auch in einer

körperlich angepassten Verweistätigkeit noch 100 % arbeitsunfähig gewesen sei.

Unter Berücksichtigung der schlüssigen gutachterlichen Einschätzung von Dr. J____

könne angenommen werden, dass der Beschwerdeführer seit Januar 2020 wiederum

über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (in einer angepassten Tätigkeit) verfüge.

Unter Berücksichtigung dieser medizinischen Ausgangslage habe man dem Beschwerdeführer

zu Recht ab Dezember 2019 bis März 2020 eine ganze Rente zugesprochen und

– bei im Übrigen korrekt durchgeführtem Einkommensvergleich – gestützt auf

einen IV-Grad von 34 % ab April 2020 (Ablauf der zu berücksichtigen

dreimonatigen Frist nach erfolgter der Besserung) einen Rentenanspruch verneint

(vgl. insb. die Beschwerdeantwort; siehe auch die Duplik).

2.3

Zu prüfen ist daher im Folgenden, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht

mit Verfügung vom 13. August 2021 (IV-Akte 115) dem Beschwerdeführer ab Dezember 2019

bis März 2020 eine ganze Rente zugestanden und ab April 2020 einen

Rentenanspruch verneint hat.

3.

3.1

Nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Grundsätzen (vgl. BGE 140 V 41, 44 E. 6.3.1 mit Hinweisen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes

vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des

Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1], des IVG und der der

Verordnung vom 17. Januar 1961 (IVV; SR 831.201) in der bis Ende 2021 geltenden

Fassung anwendbar. Sie werden im Folgenden jeweils in dieser Version

wiedergegeben, zitiert und angewendet.

3.2

3.2.1. Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die u.a. während

eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 %

arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach

Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28

Abs. 1 lit. b und c IVG).

3.2.2

Bei einem IV-Grad von mindestens 40 % besteht ein

Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem IV-Grad von mindestens 50 % ein

Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem IV-Grad von mindestens 60 % ein

Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem IV-Grad von mindestens 70 %

ein Anspruch auf eine ganze Rente (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG).

3.2.3

Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG

frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung des

Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG.

3.3

3.3.1

Bei einer Neuanmeldung sind die Revisionsregeln gemäss Art.

17.

Abs. 1 ATSG anwendbar (BGE 134 V 131, 132 E. 3; Urteil des

Bundesgerichts 9C_496/2018 vom 21. November 2018 E. 4.1.). Anlass zur

Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen

Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu

beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes

oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen

Gesundheitszustandes revidierbar. Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor,

ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend

("allseitig") zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen

besteht. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im

Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext

unbeachtlich (BGE 147 V 167, 169 E. 4.1; BGE 141 V 9, 10 f. E. 2.3).

3.3.2

Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer

anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte rechtskräftige Verfügung,

welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer

Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines

Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen

Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 134 V 131, 132 E. 3; BGE 133 V 108, 114 E. 5.4). Im vorliegenden Fall bildet daher die Verfügung vom 23. Mai

2016.

(IV-Akte 45) den Referenzzeitpunkt.

4.

4.1

Im Rahmen der Invaliditätsbemessung ist es Aufgabe der ärztlichen

Fachperson, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu beurteilen und dazu

Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten diese

arbeitsunfähig ist. Des Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige

Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten

Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93, 99 f. E. 4).

4.2

4.2.1

Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist

entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in

der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten

begründet sind (BGE 134 V 231, 232 mit Hinweis auf BGE 125 V 351, 352

E. 3a).

4.2.2

Gutachten externer Spezialärzte, welche von

Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurden und den

Anforderungen der Rechtsprechung entsprechen, darf das Gericht vollen

Beweiswert zuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit

der Expertise sprechen (BGE 135 V 465, 470 E. 4.4; BGE 125 V 352, 353 E. 3b/bb).

4.2.3

Auf das Ergebnis versicherungsinterner

ärztlicher Abklärungen kann nur dann abgestellt werden, wenn keine geringen

Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl. BGE 142 V 58, 65 E. 5.1; BGE 139 V 225, 229 E. 5.2; BGE 135 V 465, 469 E. 4.4 und 471 E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts 9C_182/2020 vom

17.

September 2020 E. 3.2.). Aussagen von behandelnden Ärzten sind

grundsätzlich mit Vorbehalt zu würdigen, da es einer Erfahrungstatsache

entspricht, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche

Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen

(vgl. BGE 135 V 465, 470 E. 4.5 mit Hinweisen).

4.3

Die Verfügung vom 23. Mai 2016, mit der die Beschwerdegegnerin einen

Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint hatte (vgl. IV-Akte 45), war in

Anlehnung an die Beurteilung der SUVA (Verfügung vom 24. Dezember 2015; SUVA-Akte 139)

erfolgt. Dieser Verfügung hatte in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen der

Austrittsbericht der F____klinik [...] vom 6. Oktober 2015 (SUVA-Akte 115) zugrunde

gelegen. In diesem war klargestellt worden, die Tätigkeit als Schlosser bei den

D____ sei dem Versicherten in dieser Form nicht mehr zumutbar. Die

Anforderungen seien zu hoch (schwere, kniebelastende Tätigkeit, häufiges

Arbeiten in kniender Position). Zumutbar sei dem Versicherten eine leichte bis

mittelschwere Arbeit ganztags. Es müsse sich um eine wechselbelastende

Tätigkeit handeln (nicht ausschliesslich gehend oder stehend zu verrichtende

Arbeit). Ausgeschlossen seien auch längerdauernde Zwangshaltungen für das

rechte Knie (wie längerdauernde Arbeiten im Knien, Kauern oder Hocken). Nicht

mehr möglich sei überdies ein häufiges Treppensteigen und eine Arbeit an

sturzexponierten Stellen (wie auf hohen Leitern, einem ungesicherten Baugerüst

oder einem Dach). Den Ausführungen der F____klinik [...] hatte sich in der

Folge auch der Kreisarzt angeschlossen (vgl. SUVA-Akte 132).

4.4

Der angefochtenen Verfügung vom 13. August 2021 (IV-Akte 115) liegen

in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das psychiatrische Gutachten von Dr. J____

vom 21. September 2020 (IV-Akte 81) sowie die Stellungnahmen des RAD (insb. vom

20.

Juni 2020 [IV-Akte 77] und vom 15. Oktober 2020 [IV-Akte 83]) zugrunde.

4.5

4.5.1

Dr. J____ hielt im psychiatrischen Gutachten vom 21.

September 2020 (IV-Akte 81) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die

Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers fest: Status nach mittelgradig

depressiver Episode mit somatischem Syndrom, aktuell larviert bis weitgehend

remittiert (F32.4); akzentuierte narzisstische Persönlichkeitszüge (Z73.0) bei

Arbeitsplatzkonflikt und nach Arbeitsplatzkonflikt mit rechtlichen Auseinandersetzungen.

In der Liste der Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er an: Probleme

in Beziehung zu Ehepartnerinnen, soeben in Trennung der zweiten Ehe (Z63.0); Status

nach sonstigen belastenden Lebensumstände, die Familie und Haushalt negativ

beeinflussen (Z63.7); Entfremdung, kein Kontaktabbruch zu den Töchtern aus erster

Ehe (vgl. S. 18 f. des Gutachtens).

4.5.2

Zur Begründung führte Dr. J____ an, der Explorand zeige

leicht akzentuierte, narzisstische, gekränkte und deutlich enttäuschte Persönlichkeitszüge.

Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung bestünden jedoch keine. Stimmung und

Affekt seien deutlich affektarm bis leicht affektstarr. Der Explorand sei

klinisch nicht ängstlich, klinisch noch larviert depressiv, aktuell weitgehend

remittiert, aber mehrheitlich ernst, leicht verstimmt, leicht mutlos. Er sei allerdings

emotional und affektiv mässig verzweifelt, aktuell klinisch nicht übermässig

traurig oder manifest verzweifelt (vgl. S. 18 des Gutachtens). Obwohl der Explorand

emotional wenig darüber berichte, könne davon ausgegangen werden, dass er

einerseits pflichtbewusste, andererseits aber auch narzisstische und vulnerable

Persönlichkeitszüge zeige mit hohen idealen Wertvorstellungen. Wenn man die Berufsbiographie

und die persönliche Anamnese des Exploranden betrachte, falle auf, dass es ihm

immer wichtig gewesen sei, bei der Arbeit zu funktionieren. Er habe sich sehr

mit der Arbeit identifiziert. Möglicherweise sei es ihm wegen narzisstischen

und etwas schizoiden Persönlichkeitszügen emotional in den Beziehungen seiner

beiden Ehen wenig gelungen, sich optimal einzulassen (vgl. S. 20 des

Gutachtens).

4.5.3

Des Weiteren stellte Dr. J____ klar, psychiatrisch könne

gesichert davon ausgegangen werden, dass ab Ende 2018 bis Ende 2019 eine

mittelgradige (depressive) Fehlentwicklung vorgelegen habe, die sich allerdings

aktuell im Laufe des Jahres 2020 wieder gebessert habe. Der Explorand habe sich

jetzt neu auch beim RAV melden können und sei seit März 2020 zu 70 % arbeitslos

gemeldet. Er suche Arbeit, was er sich psychisch auch vorstellen könne.

Unterdessen sei er getrennt und es gehe ihm gemäss seinen Angaben psychisch

deutlich besser. Das letzte Gespräch mit ihm habe am 21. September 2020

stattgefunden. Aktuell sei der psychiatrische Gesundheitszustand gegenüber Ende

2018.

gebessert (vgl. S. 21 des Gutachtens).

4.5.4

Überdies wies Dr. J____ darauf hin, es sei heute noch

von einer larvierten Depression resp. einem weitgehend remittierten Zustand auszugehen,

bei allerdings narzisstischen, verbitterten und enttäuschten Persönlichkeitszügen.

Der Explorand sei aus psychischen Gründen erschwert fähig, sich anzupassen und

sich flexibel in Lebenssituationen einzulassen. Er habe einige Jahre wegen

chronischer Schmerzen einige Arbeiten bei den D____ nicht mehr verrichten

können, habe dabei Unverständnis erlebt und sich unverstanden gefühlt. Er habe

mit unspezifischen, heute nur noch mässigen Ängsten und Sorgen und noch

mässigen Depressionssymptomen reagiert. Die noch geklagten Symptome seien

klinisch moderat. Wesentliche Funktionseinbussen lägen nicht mehr vor. Aktuell

lebe er alleine und sei 70 % arbeitslos gemeldet und suche Arbeit, was mit

seinem Alter und wegen der Covid-Situation schwierig sei, wie er erzählt habe.

Man könne psychiatrisch auch von dekompensierten narzisstischen Persönlichkeitszügen

sprechen, wobei das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung nicht erreicht werde. Vor

diesem Hintergrund könne aus psychiatrischer Sicht nur eine

Teilarbeitsunfähigkeit begründet werden. Der Explorand sei geringgradig

vermindert belastbar, geringgradig vermindert stressbelastungsfähig (vgl. S. 21

des Gutachtens).

4.5.5

Konkretisierend führte Dr. J____ aus, es bestehe

aktuell nur eine leichte Einschränkung des Aktivitätsniveaus im sozialen und

persönlichen Bereich. Der Leidensdruck sei eher gering, wobei festgehalten

werden müsse, dass der Explorand eher etwas schizoide Persönlichkeitszüge

aufweise; d.h. er sei wenig zu emotionalen Äusserungen fähig, was den Leidensdruck

larviere. Die geklagten Symptome und Funktionseinbussen seien konsistent,

plausibel und nachvollziehbar. Sie seien aber moderat ausgeprägt (vgl. S. 22

des Gutachtens).

4.5.6

In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit legte Dr. J____ dar, in

der bisherigen Tätigkeit sei der Explorand aus psychiatrischer Sicht nicht mehr

arbeitsfähig. Es sei ihm nicht mehr zumutbar, zu den D____ zurückzukehren. Dies

gelte auch für eine angepasste Tätigkeit. Zu dieser psychischen Anpassung sei

der Explorand nicht mehr fähig. Psychiatrisch müsse ab dem 30. November 2018

bis Ende Dezember 2019 eine Arbeitsunfähigkeit angenommen werden (vgl. S. 22

des Gutachtens). In einer angepassten Tätigkeit, die dem Körperleiden Rechnung

trage, sei der Explorand weiterhin sieben Stunden täglich ohne Verminderung des

Rendements arbeitsfähig. Seit Januar 2020 sei der Explorand aus psychischen

Gründen wieder als zu 80 % arbeitsfähig anzusehen. Vom 30. November 2018 bis

Ende Dezember 2019 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen (vgl. S. 23

des Gutachtens).

4.6

4.6.1. Der

RAD führte in seiner Stellungnahme vom 20. Juni 2020 (IV-Akte 77) aus, Knieprobleme würden in den Arztberichten von K____ vom März 2019

und September 2019 nicht angeführt, so dass beim Hausarzt der Focus der

Therapie nicht mehr darauf zu liegen scheine, sondern rein auf der psychischen

Gesundheitssituation. Es sei deshalb davon auszugehen, dass es bezüglich der

Kniebeschwerden zu keiner relevanten Verschlechterung gekommen sei.

4.6.2

In seiner Stellungnahme vom 15. Oktober 2020 (IV-Akte

83) machte der RAD geltend, der Versicherte sei seit dem Unfall vom 16. April

2014.

in seiner angestammten Tätigkeit 100 % arbeitsunfähig. In einer

Verweistätigkeit (keine schweren körperlichen Arbeiten, keine kniebelastenden

Arbeiten) habe aus psychischen Gründen ab November 2018 bis Dezember 2019 eine

100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit Januar 2020 könne von einer 80%igen

Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden (vgl. S. 3 f. der Stellungnahme).

4.7

4.7.1

Vorliegend kann auf das Gutachten von Dr. J____ vom 21.

September 2020 sowie die erwähnten präzisierenden Stellungnahmen des RAD vom

20.

Juni 2020 und vom 15. Oktober 2020 abgestellt werden. Was zunächst das

psychiatrische Gutachten von Dr. J____ angeht, so erfüllt es die Anforderungen

an beweiskräftige medizinische Erhebungen (vgl. Erwägung 4.2.1. hiervor).

Insbesondere hat sich der Gutachter mit den relevanten medizinischen Vorakten

auseinandergesetzt und seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in

nachvollziehbarer Art und Weise begründet (vgl. im Einzelnen die nachstehenden

Überlegungen).

4.7.2

Was zunächst die Rüge der mangelhaften

Auseinandersetzung mit den Vorakten (vgl. insb. S. 2 der Replik) angeht, so ist

klarzustellen, dass Dr. J____ seine Beurteilung in Kenntnis der (abweichenden)

Einschätzung von med. pract. I____ erstattet hat. Namentlich wies der Gutachter

– bereits im Rahmen der Zusammenfassung des Gutachtensauftrages – auf die

Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Behandler hin (vgl. S. 2 des

Gutachtens; IV-Akte 81, S. 2). Die anschliessende Zusammenfassung der

relevanten medizinischen Akten beinhaltete dann korrekterweise die zu

besprechenden Beurteilungen von med. pract. I____ (vgl. insb. S. 8 ff. des

Gutachtens; IV-Akte 81, S. 8 f.). Auftragsgemäss beurteilte Dr. J____ dann

– gestützt auf die von ihm erhobenen Befunde und Diagnosen sowie unter Einbezug

der relevanten Akten (u.a. des Berichtes von med. pract. I____ vom 25. Oktober

2019; IV-Akte 75, S. 32 ff.) – den Verlauf der Arbeitsfähigkeit des

Beschwerdeführers (vgl. S. 21 ff. des Gutachtens).

4.7.3

Des Weiteren gilt es zu beachten, dass wichtigste

Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen die klinische Untersuchung mit

Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung bildet (vgl. u.a.

das Urteil des Bundesgerichts 8C_8/2019 vom 23. April 2019 E. 5.2.1). Das

Gutachten von Dr. J____ liefert nunmehr den erforderlichen Einblick in den

psychischen Zustand des Beschwerdeführers, wobei die psychiatrische Exploration

von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Dem oder der

medizinischen Sachverständigen ist deshalb praktisch immer ein gewisser

Spielraum eröffnet, innerhalb welchem verschiedene Interpretationen möglich,

zulässig und im Rahmen einer Exploration lege artis zu respektieren sind (vgl.

u.a. das Urteil des Bundesgerichts 9C_634/2015 vom 15. März 2016 E. 6.1

mit Hinweis). Vorliegend gibt es keine Indizien dafür, dass Dr. J____

nicht lege artis vorgegangen sein könnte. Die von ihm ab Januar 2020

angenommene Arbeitsfähigkeit lässt sich denn auch mit den erhobenen Befunden

und den gestellten Diagnosen vereinbaren.

4.7.4

Im Übrigen räumte auch med. pract. I____ mit Stellungnahme

vom 5. Mai 2021 (IV-Akte 109) ein, man sei sich in den

erwerbseinschränkenden Hauptdiagnosen im Wesentlichen einig. Der Gutachter schätze

die rezidivierende depressive Störung jedoch als leicht ein. Er selber habe

diese im Bericht vom 23. März 2020 als mittelgradig (Beck Depression Inventory:

33.

Punkte) eingestuft (vgl. S. 1 der Stellungnahme [1.]). Auch er habe (ab

Januar 2020) eine Besserung feststellen können. Daher habe er ab Februar 2020 eine

50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert (vgl. ebenfalls S. 1 der Stellungnahme [2.]).

Was die Zeit ab Januar 2020 angehe, so weiche die gutachterliche Beurteilung von

seiner Einschätzung ab. Die vom Gutachter erhobenen Befunde und die von ihm an

verschiedenen Stellen des Gutachtens ausgedrückte Einschätzung würden (jedoch) diese

Beurteilung begründen. Gutachterliche – teils starke – Abweichungen von der

Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit seien die Regel. Was deren Richtigkeit

angehe, so handle es sich um eine juristische Frage, wie die Beweismittel zu

bewerten seien (vgl. S. 2 der Stellungnahme [4.]).

4.7.5

Was den vom Beschwerdeführer geltend gemachten

Widerspruch in den fachärztlichen Beurteilungen angeht, so ist ergänzend auch

darauf hinzuweisen, dass die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des

therapeutisch tätigen Facharztes einerseits und des Begutachtungsauftrags des

amtlich bestellten fachmedizinischen Experten andererseits es nicht zulässt,

ein Administrativgutachten stets infrage zu stellen und zum Anlass weiterer

Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen

gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung

aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im Rahmen

der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. u.a. das

Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2021 vom 23. Dezember 2021 E. 4.2.). Davon

kann jedoch vorliegend nicht ausgegangen werden. Dr. J____ hat alle relevanten

Aspekte in nachvollziehbarer Art und Weise gewürdigt. Dies wird denn letztlich

auch von med. pract. I____ nicht in Abrede gestellt. Auch angesichts der tiefen

Behandlungsfrequenz (einmal pro Monat; vgl. S. 16 des Gutachtens von Dr. J____)

erscheint die von Dr. J____ angenommene 80%ige Restarbeitsfähigkeit (in einer

Verweistätigkeit) absolut nachvollziehbar.

4.7.6

Soweit med. pract. I____ in seiner Stellungnahme vom 5.

Mai 2021 (IV-Akte 109) beanstandet, man habe nicht erprobt, ob eine 80%ige

Tätigkeit realistisch sei (vgl. S. 2 der Stellungnahme [4.]), ist anzuführen,

dass bei zuverlässiger ärztlicher Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der Regel

keine Notwendigkeit besteht, die Arbeitsfähigkeit durch eine Evaluation der

funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) zu überprüfen. Nur ausnahmsweise kann

eine solche erforderlich sein, wenn mehrere involvierte Ärzte eine solche

angesichts eines multiplen und schwierig einzuschätzenden Krankheitsbildes

ausdrücklich befürworten (vgl. u.a. das Urteil des Bundesgerichts 8C_472/2020

vom 16. September 2020 E. 5.4).

4.7.7

Da schliesslich auch die von der Rechtsprechung bei

psychischen Leiden verlangte Indikatorenprüfung (vgl. dazu BGE 141 V 281 und

BGE 143 V 409) erfolgt ist (vgl. insb. S. 21 f. des Gutachtens von Dr. J____),

und das Gutachten von Dr. J____ somit sämtlichen von der Rechtsprechung

geforderten Anforderungen genügt, kann darauf abgestellt werden.

4.7.8

Es ist daher gestützt auf das Gutachten von Dr. J____ vom

21.

September 2020 (IV-Akte 81) davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer

aus psychischen Gründen ab Dezember 2018 bis Dezember 2019 100 % arbeitsunfähig

war und seit Januar 2020 in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit (vgl. dazu die

nachstehenden Ausführungen sub Erwägung 4.7.9. hiernach) wieder über eine

Arbeitsfähigkeit von 80 % verfügt. Wie von der Beschwerdegegnerin zutreffend

dargetan wird, ist in Bezug auf die Beurteilung des Verlaufs der

Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten von Dr. J____ und nicht die Stellungnahme

des RAD vom 1. Juli 2021 (IV-Akte 111) abzustellen; denn es war ja gerade die Aufgabe

des Gutachters, sich zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit zu äussern (vgl. IV-Akte

77, S. 3 und IV-Akte 81, S. 2). Dies hat Dr. J____ getan, wobei seinen

begründeten Ausführungen gefolgt werden kann (vgl. dazu die obigen

Ausführungen).

4.7.9

In organischer Hinsicht ist der medizinische

Sachverhalt ebenfalls als genügend abgeklärt zu erachten. Die diesbezügliche

Rüge des Beschwerdeführers (vgl. S. 4 f. der Beschwerde) erscheint unberechtigt.

Wie der RAD in seiner Stellungnahme vom 20. Juni 2020 (IV-Akte 77) zutreffend

festgehalten hat, werden Knieprobleme in den Arztberichten der K____

vom März 2019 und September 2019 nicht angeführt. Daraus kann – zusammen mit

dem RAD – gefolgert werden, dass die hausärztliche Therapie nicht darauf

fokussiert war. Im Übrigen hat der Beschwerdeführer auch keine Berichte über

weitere Behandlungen eingereicht. Es ist daher davon auszugehen, dass er

in einer knieschonenden Tätigkeit (vgl. dazu S. 2 des Berichtes der F____klinik

[...] vom 6. Oktober 2015; SUVA-Akte 115, S. 2) weiterhin über eine 100%ige

Restarbeitsfähigkeit verfügt, mithin in der Zwischenzeit keine sich relevant

auf die Arbeitsfähigkeit in einer entsprechend angepassten Tätigkeit (vgl. dazu

den Austrittsbericht der F____klinik [...] vom 6. Oktober 2015 [SUVA-Akte 115];

siehe auch die Stellungnahme des RAD vom 15. Oktober 2020 [IV-Akte 83]) auswirkende

Verschlechterung eingetreten ist.

4.8

Damit ist zusammenfassend davon auszugehen, dass der

Beschwerdeführer ab Dezember 2018 bis Dezember 2019 aus psychischen

Gründen 100 % arbeitsunfähig war und seit Januar 2020 in einer dem organischen

Leiden angepassten Tätigkeit wieder über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit verfügt. Zu

prüfen bleibt damit noch, wie es sich mit der erwerblichen Umsetzung der

festgestellten Arbeitsfähigkeit resp. Arbeitsunfähigkeit verhält.

5.

5.1

Zur Bestimmung des Invaliditätsgrades wird gemäss Art. 16 ATSG das

Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten

Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch

eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte

(sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie

erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).

5.2

Die Beschwerdegegnerin ermittelte – ausgehend von einer 100%igen

Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit – per

Dezember 2019 einen IV-Grad von 100 %.

5.3

Einen weiteren Einkommensvergleich nahm die Beschwerdegegnerin per

Januar 2020 vor. Sie verglich ein Valideneinkommen von Fr. 82'498.-- mit einem

Invalideneinkommen von Fr. 54'485.--, was einen rentenausschliessenden

IV-Grad von 34 % ergab (vgl. IV-Akte 115, S. 6).

5.4

Die Beschwerdegegnerin stellte zur Ermittlung des Valideneinkommens

auf die Lohnangaben der D____ ab (vgl. IV-Akte 115, S. 5). Dieser mit der

Rechtsprechung in Einklang stehenden Berechnung (vgl. u.a. BGE 134 V 322, 325

E. 4.1 mit Hinweisen) kann grundsätzlich gefolgt werden. Allerdings ist – wie

auch die Beschwerdegegnerin erkannt hat (vgl. IV-Akte 115, S. 6) – auf den in

der Lohnabrechnung für Januar 2018 ausgewiesenen Lohn von Fr. 6'288.50

(vgl. IV-Akte 164, S. 10) abzustellen. Unter Berücksichtigung der bis zum Jahr

2020.

eingetretenen Nominallohnentwicklung (2019: + 0.9 %; 2020: + 0.9 % [vgl.

T1.1.15 Nominallohnindex Männer, 2016-2020, Dienstleistungen]) resultiert somit

ein hypothetisches Valideneinkommen von Fr. 83'228.63.

5.5

5.5.1

Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der

Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in

welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der

Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, gilt grundsätzlich der tatsächlich

erzielte Verdienst als Invalidenlohn (vgl. BGE 135 V 297, 301 E. 5.2). Ist –

wie hier – kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, sind praxisgemäss

die LSE-Tabellenlöhne heranzuziehen (vgl. BGE 143 V 295, 296 f. E. 2.2; Urteil

des Bundesgerichts 8C_632/2021 vom 2. Dezember 2021 E. 6.3.2.). Die

Rechtsprechung wendet dabei in der Regel die Monatslöhne gemäss LSE-Tabelle TA1

(Zeile "Total Privater Sektor") an (zu hier nicht näher

interessierenden Ausnahmen siehe die in BGE 133 V 545 nicht publizierte E. 5.1

des Urteils 9C_237/2007 vom 24. August 2007).

5.5.2

Die Beschwerdegegnerin stellte daher korrekterweise auf

die LSE-Tabelle TA1 ab. Unter Berücksichtigung des in der Tabelle ausgewiesenen

Monatslohnes von Fr. 5'417.-- für "einfache Tätigkeiten körperlicher

oder handwerklicher Art" (Kompetenzniveau 1, Männer, Total) ergibt sich –

nach Umrechnung von 40 auf 41.7 Wochenstunden sowie unter Berücksichtigung der

bis zum Jahr 2020 eingetretenen Nominallohnentwicklung (2019: + 0.9 %; 2020: +

0.8

% [vgl. T1.1.15, Nominallohnindex Männer, 2016-2020, Total] – als Basis ein

hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 68'928.60 resp. für ein 80%-Pensum

ein solches von Fr. 55'139.--.

5.6

5.6.1

Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage der

Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE BFS) ermittelt, ist der

entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen, wenn im Einzelfall

Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen bestimmter

einkommensbeeinflussender Merkmale (leidensbedingte Einschränkungen, Alter,

Dienstjahre, Nationalität und Aufenthaltskategorie, Beschäftigungsgrad) ihre

Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit

unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der Einfluss aller

Merkmale auf das Invalideneinkommen ist unter Würdigung der Umstände im

Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Der Abzug darf

25.

% nicht übersteigen (BGE 135 V 279, 301 E. 5.2; BGE 126 V 75, 79 f. E.

5b/aa-cc).

5.6.2

Die Beschwerdegegnerin erachtet eine leidensbedingte Reduktion des

Tabellenlohnes als nicht gerechtfertigt, da mit der Reduktion des

Arbeitspensums die leidensbedingten Einschränkungen bereits berücksichtigt

seien und die übrigen einkommensbeeinflussenden Merkmale nicht vorhanden seien

(vgl. IV-Akte 115, S. 6). Dem kann jedoch aus den nachstehenden Überlegungen nicht

gefolgt werden.

5.6.3

Der Gutachter bescheinigte dem Beschwerdeführer (ab

Januar 2020) eine 20%ige Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit wegen einer

verminderten Belastbarkeit und einer reduzierten Stressbelastungsfähigkeit

(vgl. S. 21 unten des Gutachtens; IV-Akte 81, S. 21). Es gilt nunmehr zu

beachten, dass Dr. J____ in seinem Gutachten auch auf die vorliegenden

schizoiden Persönlichkeitszüge des Beschwerdeführers hingewiesen (vgl. S. 20 und

S. 22 des Gutachtens) und überdies klargestellt hat, dass dieser aus

psychischen Gründen erschwert fähig sei, sich anzupassen und sich flexibel in

Lebenssituationen einzulassen (vgl. S. 21 des Gutachtens). Es handelt sich

dabei um zusätzlich zum Leiden hinzutretende Einschränkungen der

Arbeitsfähigkeit, deren Relevanz für die Abzugsfrage zu bejahen sind. Dies gilt

im Speziellen für die bestehende erschwerte Anpassungsfähigkeit. Diese wird

vorliegend noch dadurch verstärkt, dass der 1963 geborene Beschwerdeführer seit

Oktober 1986 (bis zum Unfall im April 2014) bei den D____ dieselbe Arbeit

verrichtet hat. Er hat in der Schweiz keine Ausbildung absolviert und kennt

keine andere Arbeit als diejenige bei den D____. Es kann daher nicht davon

ausgegangen werden, dass er sich rasch an neue Umgebungen und Aufgaben wird anpassen

können (vgl. e contrario das Urteil des Bundesgerichts 8C_535/2021 vom 25.

November 2021 E. 5.4.2.; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts

9C_954/2012 vom 10. Mai 2013 E. 3.2.1). Die auf die Persönlichkeitsstruktur

zurückzuführende mangelnde Anpassungsfähigkeit, welche durch das fortgeschrittene

Alter und den jahrelangen Verbleib beim selben Arbeitgeber noch verstärkt wird

(vgl. zur mangelnden Anpassungsfähigkeit infolge Alters auch – implizit – BGE 138 V 457, 459 E. 2.1), ist nunmehr vorliegend als ausserordentliches

Erschwernis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu werten. Mit anderen Worten ist

davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer auch bei ausgeglichener

Arbeitsmarktlage mit einer verglichen mit einem Gesunden tieferen Entlöhnung zu

rechnen hat.

5.6.4

Insgesamt erscheint die Vornahme eines 10%igen

Leidensabzuges angebracht. Mit der Gewährung des 10%igen Leidensabzuges wird

der konkreten Situation des Beschwerdeführers gebührend Rechnung getragen. Dies

gilt namentlich auch in Anbetracht der vom Beschwerdeführer ins Recht gelegten

Rechtsgutachten (vgl. insb. IV-Akte 101, S. 65-300; siehe auch die –

zwischenzeitlich erfolgte – vertiefte Auseinandersetzung des Bundesgerichts im

zur Publikation vorgesehenen Urteil 8C_256/2021 vom 9. März 2022).

5.6.5

Bei einer 10%igen Reduktion des Tabellenlohnes

resultiert somit ein hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 49'625.--

(Fr. 55'139.-- x 0.90).

5.7

Aufgrund des Vergleiches des Valideneinkommens von Fr. 83'229.-- mit

dem Invalideneinkommen von Fr. 49'625.-- ergibt sich per Januar 2020 ein

IV-Grad von 40 %. Damit hat der Beschwerdeführer ab April 2020 (Ablauf der

dreimonatigen Frist der Verbesserung gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV) noch Anspruch

auf eine Viertelsrente.

5.8

Zusammenfassend hat der Beschwerdeführer somit ab Dezember 2019 bis

März 2020 Anspruch auf eine ganze Rente und ab April 2020 Anspruch auf eine

Viertelsrente.

6.

6.1

Den obigen Ausführungen zufolge ist die Beschwerde somit

gutzuheissen und die Verfügung vom 13. August 2021 aufzuheben. Die

Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, dem Beschwerdeführer ab Dezember 2019

bis März 2020 eine ganze Rente und ab April 2020 eine Viertelsrente zu gewähren.

6.2

Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die ordentlichen Kosten,

bestehend aus einer Gebühr von Fr. 800.-- zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

6.3

Die Beschwerdegegnerin hat dem anwaltlich vertretenen

Beschwerdeführer eine angemessene Parteientschädigung auszurichten. Das

Sozialversicherungsgericht spricht im Sinne einer Richtlinie in

durchschnittlichen (IV-)Fällen mit doppeltem Schriftenwechsel im Falle eines

vollständigen Obsiegens eine Parteientschädigung von Fr. 3'750.-- (inklusive

Auslagen) zuzüglich Mehrwertsteuer zu. Im vorliegenden Fall ist in Bezug auf

die sich stellenden Sachverhalts- und Rechtsfragen von einem durchschnittlichen

Fall auszugehen. Aus diesem Grunde erscheint ein Honorar von Fr. 3'750.--

(inklusive Auslagen) nebst Mehrwertsteuer als angemessen.

Demgemäss erkennt das

Sozialversicherungsgericht:

://: Die Beschwerde wird gutgeheissen und die

Verfügung vom 13. August 2021 aufgehoben. Die Beschwerdegegnerin wird

verpflichtet, dem Beschwerdeführer ab Dezember 2019 bis März 2020 eine ganze

Rente und ab April 2020 eine Viertelsrente zu gewähren.

Die ordentlichen Kosten, bestehend

aus einer Gebühr von Fr. 800.--, gehen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

Die Beschwerdegegnerin bezahlt dem

Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von Fr. 3'750.-- (inklusive Auslagen)

zuzüglich Fr. 288.75 Mehrwertsteuer.

Sozialversicherungsgericht

BASEL-STADT

Die Präsidentin Die

Gerichtsschreiberin

lic. iur. R. Schnyder lic. iur.

S. Dreyer

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen Entscheid

kann innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung beim Bundesgericht

Beschwerde eingereicht werden (Art. 100 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 17. Juni

2005.

über das Bundesgericht [Bundesgerichtsgesetz, BGG]). Die Beschwerdefrist

kann nicht erstreckt werden (Art. 47 Abs. 1 BGG). Die Beschwerdegründe sind in

Art. 95 ff. BGG geregelt.

Die Beschwerdeschrift ist

dem Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern, in dreifacher Ausfertigung

zuzustellen. Die Beschwerdeschrift hat den Anforderungen gemäss Art. 42 BGG zu

genügen; zu beachten ist dabei insbesondere:

a) Die Beschwerdeschrift

ist in einer Amtssprache abzufassen und hat die Begehren, deren Begründung mit

Angabe der Beweismittel und die Unterschrift zu enthalten;

b) in der Begründung ist in

gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt;

c) die Urkunden, auf die

sich die Partei als Beweismittel beruft, sind beizulegen, soweit die Partei sie

in Händen hat, ebenso der angefochtene Entscheid.

Geht an:

– Beschwerdeführer

– Beschwerdegegnerin

– Beigeladene

– Bundesamt

für Sozialversicherungen

Versandt am: