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Entscheid

VD.2025.14

Einleitung eines Disziplinarverfahrens

1. April 2025Deutsch8 min

bezichtigte den Advokaten der Verleumdung und des Prozessbetrugs und beantragte,

Source bs.ch

Appellationsgericht

des Kantons Basel-Stadt

als Verwaltungsgericht

Dreiergericht

VD.2025.14

URTEIL

vom 1. April 2025

Mitwirkende

Dr. Stephan Wullschleger, lic. iur.

André Equey, Dr. Christoph A. Spenlé

und Gerichtsschreiber

Dr. Beat Jucker

Beteiligte

A____

Rekurrent

[...]

gegen

Aufsichtskommission über die

Rekursgegnerin

Anwältinnen und Anwälte

Bäumleingasse 1, 4051 Basel

Gegenstand

Rekurs gegen einen Entscheid

der Aufsichtskommission über die Anwäl-

tinnen und Anwälte vom 29. Juli

2024

betreffend Einleitung eines

Disziplinarverfahrens

Sachverhalt

Sachverhalt

Mit Eingabe vom 5. April 2024 gelangte A____ (Rekurrent) an

die Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte (Aufsichtskommission)

mit einer gegen den Advokaten B____ gerichteten Anzeige. Der beanzeigte Advokat

ist bzw. war der Rechtsvertreter der Ehefrau des Rekurrenten in einer über

längere Zeit geführten eherechtlichen Auseinandersetzung. Der Anzeigesteller

bezichtigte den Advokaten der Verleumdung und des Prozessbetrugs und beantragte,

«ihm die Anwaltslizenz zu entziehen». Die Aufsichtskommission stellte im Entscheid

AK.2024.9 vom 29. Juli 2024 fest, dass gegen den beanzeigten Advokaten

kein Disziplinarverfahren eingeleitet werde. Dieser Entscheid, der keine

Rechtsmittelbelehrung enthielt, wurde dem Rekurrenten am 28. November 2024

zugestellt. Hiergegen gelangte der Rekurrent mit Beschwerde vom 14. Januar 2025

an das Bundesgericht. Dieses trat auf die Beschwerde mangels tauglichen

Anfechtungsobjekts nicht ein und überwies die Eingabe zuständigkeitshalber an

das Appellationsgericht. Der instruierende Appellationsgerichtspräsident nahm

den vom Bundesgericht überwiesenen Rekurs mit Verfügung vom 28. Januar 2025 zu

den Akten des Gerichts und verlangte vom Rekurrenten gleichzeitig einen

Kostenvorschuss in Höhe von CHF 600.–, wobei eine Nachforderung für allenfalls

weitergehende Verfahrenskosten vorbehalten bleibe. Mit Verfügung vom 11.

Februar 2025 teilte der Verfahrensleiter dem Rekurrenten auf entsprechende

Nachfragen mit, dass der erhobene Kostenvorschuss dem mutmasslichen Betrag der

von ihm mit der Rekurserhebung veranlassten Kosten entspreche und – soweit auf

der Grundlage der heute vorhandenen Akten entschieden werden könne – er nicht

mit weitergehenden Kosten zu rechnen habe. Am 14. Februar 2025 teilte der

Instruktionsrichter den Verfahrensbeteiligten mit, dass keine Vernehmlassungen

eingeholt würden und ohne weiteren Schriftenwechsel aufgrund der Akten

entschieden werde. Der vorliegende Entscheid ist auf dem Zirkulationsweg

ergangen.

Erwägungen

Erwägungen

1.

1.1

Die

Entscheide der Aufsichtskommission sind gemäss § 21 Abs. 3 des

Advokaturgesetzes (SG 291.100) grundsätzlich mit Rekurs an das

Verwaltungsgericht anfechtbar. Für die Beurteilung des Rekurses ist das

Dreiergericht zuständig (§ 92 Abs. 1 Ziff. 11 des

Gerichtsorganisationsgesetzes [GOG, SG 154.100]).

1.2

1.2.1

Gemäss

§ 13 Abs. 1 des Gesetzes über die Verfassungs- und Verwaltungsrechtspflege

(VRPG, SG 270.100) ist zum Rekurs an das Verwaltungsgericht berechtigt, wer

durch die angefochtene Verfügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse

an deren Aufhebung oder Änderung hat. Das Interesse kann rechtlicher oder

tatsächlicher Natur sein (VGE VD.2022.35 vom 17. Juni 2022 E. 1.2.1; Wullschleger/Schröder, Praktische Fragen

des Verwaltungsprozesses im Kanton Basel-Stadt, in: BJM 2005, S. 277 ff., 291).

Die kantonalrechtlich geregelten Legitimationsvoraussetzungen von § 13 Abs. 1 VRPG entsprechen diesbezüglich jenen von Art. 48 Abs. 1 des

Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) und Art.

103.

lit. a des bis am 31. Dezember 2006 geltenden Bundesgesetzes über die

Organisation der Bundesrechtspflege (OG, SR 173.110; VGE VD.2022.35

vom 17. Juni 2022 E. 1.2.1; vgl. dazu VGE VD.2015.198 vom 2. Mai 2016

E. 1.3.2 [zum VwVG], VGE 625/2002 vom 22. August 2002 E. 1b [zum VwVG

und OG], VGE 712/2001 vom 11. April 2002 E. 4a [zum VwVG und OG]; vgl. im

Weiteren Stamm, Die

Verwaltungsgerichtsbarkeit, in: Buser [Hrsg.], Neues Handbuch des Staats- und

Verwaltungsrechts des Kantons Basel-Stadt, Basel 2008,

S. 477 ff., 497 [zum VwVG und OG]; Wullschleger/Schröder, a.a.O., S. 290 [zum VwVG und OG]).

Die Regelung von Art. 48 Abs. 1 VwVG entspricht überdies derjenigen

von Art. 89 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG, SR

173.110) und ist in Anlehnung an diese auszulegen (BGE 142 II 451 E. 3.4.1).

Danach liegt ein schutzwürdiges Interesse vor, wenn die tatsächliche oder

rechtliche Situation des Beschwerdeführers durch den Ausgang des Verfahrens

beeinflusst werden kann (BGE 136 II 281 E. 2.2). Die Erwägungen des

Bundesgerichts zu Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 89 Abs. 1 BGG und Art. 103

lit. a OG können auf § 13 Abs. 1 VRPG übertragen werden (VGE VD.2022.35

vom 17. Juni 2022 E. 1.2.1; vgl. VGE VD.2015.198 vom 2. Mai 2016 E.

1.3.2

[zum VwVG], VGE 625/2002 vom 22. August 2002 E. 1b [zum VwVG und

OG], 712/2001 vom 11. April 2002 E. 4a [zum VwVG und OG]; vgl. zum Ganzen VGE VD.2018.32

vom 26. Juni 2018 E. 2.3, VD.2017.104 und VD.2017.103 vom 11. September 2017 E.

2.1).

1.2.2

Das

anwaltsrechtliche Disziplinarverfahren dient dem allgemeinen öffentlichen

Interesse an der korrekten Berufsausübung durch die Rechtsanwälte und nicht der

Wahrung individueller privater Anliegen (BGE 132 II 250 E. 4.4; BGer

2C_122/2009 vom 22. September 2009 E. 3; VGE VD.2022.35 vom 17. Juni 2022 E.

1.2.2; vgl. BGE 138 II 162 E. 2.1.2, 135 II 145 E. 6.1; VGE 765/2008

vom 7. Mai 2009 E. 2.3, VGE 612/2008 vom 7. Dezember 2008 E. 3.2). Aus

diesem Grund hat der Anzeigesteller kein eigenes schutzwürdiges Interesse

daran, dass die Aufsichtsbehörde gegen einen beschuldigten Rechtsanwalt ein

Disziplinarverfahren eröffnet oder eine Disziplinarsanktion ausfällt (VGE

VD.2022.35 vom 17. Juni 2022 E. 1.2.2; vgl. BGE 138 II 162 E. 2.1.2, 135

II 145 E. 6.1, 132 II 250 E. 4.2 und E. 4.4; Fellmann,

Anwaltsrecht, 2. Auflage, Bern 2017, N 709). Da es sich bei der Anzeige an

die Aufsichtskommission um einen formlosen Rechtsbehelf handelt, der dem

Anzeigesteller keinen Erledigungsanspruch vermittelt (VGE 765/2008 vom 7. Mai

2009.

E. 1.1 und 3.2), hat er umso weniger Anspruch darauf, einen

ergangenen Entscheid an das Verwaltungsgericht weiterziehen zu können (VGE

VD.2022.35 vom 17. Juni 2022 E. 1.2.2). Mangels eines eigenen

schutzwürdigen Interesses spricht das Bundesgericht in konstanter Praxis einem

Anzeigesteller die Legitimation gemäss Art. 89 Abs. 1 BGG bzw.

Art. 103 lit. a OG ab, um einen Entscheid über die Nichteröffnung oder

Einstellung eines anwaltsrechtlichen Disziplinarverfahrens mit Beschwerde in

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten bzw. vormals mit Verwaltungsgerichtsbeschwerde

beim Bundesgericht anzufechten (BGer 2C_122/2009 vom 22. September

2009.

E. 3; BGE 132 II 250 E. 4.4; vgl. Fellmann,

a.a.O., N 709; Poledna, a.a.O.,

Art. 17 N 11). Wie dargelegt, ist die Legitimation in § 13 Abs. 1 VRPG gleich geregelt wie in Art. 48 Abs. 1 VwVG, Art. 89 Abs. 1 BGG und

Art. 103 lit. a OG und die diesbezügliche bundesgerichtliche Rechtsprechung

auch bei der Auslegung von § 13 Abs. 1 VRPG zu beachten, weshalb das Gleiche

auch für die Legitimation nach dieser Bestimmung gelten muss (VGE VD.2022.35

vom 17. Juni 2022 E. 1.2.2; vgl. VGE VD.2018.32 vom 26. Juni

2018.

E. 2.2, VD.2017.104 und VD.2017.103 vom 11. September 2017 E. 2.1, 765/2008

vom 7. Mai 2009 E. 1.1 und 2.3; AKE 3006/2007 vom 28. Oktober 2008 E. 3;

vgl. zum notariatsrechtlichen Aufsichtsverfahren VGE VD.2009.668 vom 5.

Dispositiv

Januar 2010 E. 2.2). Da der Rekurrent demnach nicht zur Anfechtung des

Entscheids der Aufsichtskommission befugt ist, hat er auch zu Recht keine

Rechtsmittelbelehrung erhalten und es kann auf den vorliegenden Rekurs nicht

eingetreten werden.

1.2.3 Der

Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass sich ein schutzwürdiges

Interesse des Rekurrenten auch nicht aus Art. 29 Abs. 1 oder Art. 30 Abs.

1 Bundesverfassung (BV, SR 101) ableiten lässt. Auf diese Verfahrensgrundrechte

können sich, abgesehen von vorliegend nicht einschlägigen Ausnahmen, nur

Personen berufen, die, nach Massgabe der anwendbaren Verfahrensordnung im

konkreten Verfahren Parteistellung haben (VGE VD.2022.35 vom 17. Juni 2022 E.

1.2.3, VD.2018.32 vom 26. Juni 2018 E. 2.5, mit Hinweisen). Dem Rekurrenten als

Anzeigesteller kommt im aufsichtsrechtlichen Verfahren aber keine

Parteistellung zu (BGE 142 II 451 E. 3.4.3; VGE VD.2022.35 vom 17. Juni

2022 E. 1.2.3, VD.2017.104 vom 11. September 2017 E. 2.2, VD.2017.103 vom 11.

September 2017 E. 2.2; vgl. oben E. 1.2.2), weshalb er sich zur Begründung

eines schutzwürdigen Interesses nicht auf Art. 29 Abs. 1 oder Art. 30 Abs. 1 BV

stützen kann (VGE VD.2022.35 vom 17. Juni 2022 E. 1.2.3; vgl. zum Ganzen VGE

VD.2018.32 vom 26. Juni 2018 E. 2.5).

2.

Bei diesem

Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent gemäss § 30 Abs. 1 VRPG dessen Kosten

zu tragen. Bei der Festlegung der Gebühr ist zu berücksichtigen, dass es sich

vorliegend um einen Nichteintretensentscheid handelt. Die Gebühr wird

vorliegend gemäss § 23 Abs. 2 des Gerichtsgebührenreglements (GGR, SG 154.810)

auf CHF 600.– (einschliesslich Auslagen) festgesetzt und mit dem

geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.

Demgemäss

erkennt das Verwaltungsgericht (Dreiergericht):

://: Auf den Rekurs wird nicht eingetreten.

Der Rekurrent trägt die Gerichtskosten des verwaltungsgerichtlichen

Rekursverfahrens mit einer Gebühr von CHF 600.–, einschliesslich Auslagen.

Mitteilung an:

-

Rekurrent

-

Aufsichtskommission über die Anwältinnen und Anwälte

-

Advokat B____

APPELLATIONSGERICHT

BASEL-STADT

Der Gerichtsschreiber

Dr. Beat Jucker

Rechtsmittelbelehrung

Gegen diesen

Entscheid kann unter den Voraussetzungen von Art. 82 ff. des Bundesgerichtsgesetzes

(BGG) innert 30 Tagen seit schriftlicher Eröffnung Beschwerde in

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten erhoben werden. Die

Beschwerdeschrift ist fristgerecht dem Bundesgericht (1000 Lausanne 14)

einzureichen. Für die Anforderungen an deren Inhalt wird auf Art. 42 BGG

verwiesen. Über die Zulässigkeit des Rechtsmittels entscheidet das

Bundesgericht.

Ob an Stelle der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen

Angelegenheiten ein anderes Rechtsmittel in Frage kommt (z.B. die subsidiäre

Verfassungsbeschwerde an das Bundesgericht gemäss Art. 113 BGG), ergibt sich

aus den anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen. Wird sowohl Beschwerde in

öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten als auch Verfassungsbeschwerde erhoben,

sind beide Rechtsmittel in der gleichen Rechtsschrift einzureichen.