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Entscheid

2022.BKD.5078

Geschäftsbericht 2022 der Universität Bern. Kenntnisnahme

14. Juni 2023Deutsch9 min

Source be.ch

Regierungsratsbeschluss RRB Nr.: 670/2023 Datum RR-Sitzung: 14. Juni 2023 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Geschäftsnummer: 2022.BKD.5078 Klassifizierung: Nicht klassifiziert

Geschäftsbericht 2022 der Universität Bern. Kenntnisnahme

Erwägungen

1. Gegenstand

Die Aufgaben, Ziele und Vorgaben für die Universität Bern sind im Gesetz vom 5. Septem- ber 1996 über die Universität (UniG), in der Bildungsstrategie des Kantons Bern sowie im Leis- tungsauftrag des Regierungsrates an die Universität für die Jahre 2022-2025 (RRB 1468/2021) festgelegt.

Der Regierungsrat stellt zuhanden des Grossen Rates fest, dass die Universität im Berichtsjahr gute Leistungen erbracht hat. Ihr Geschäftsbericht zeigt auf, dass sie erfolgreich im Rahmen ih- rer vorgegebenen Aufgaben und Ziele tätig war. Folgende Punkte sind besonders hervorzuhe- ben:

 Der russische Angriff auf die Ukraine hat auch das Berichtsjahr 2022 der Universität Bern signifikant geprägt. Als Folge des Krieges erreichte eine erhebliche Anzahl von studierwilligen geflüchteten Personen aus der Ukraine die Universität Bern. Dank des "Scholars at Risk"-Programms konnten schnell und unkompliziert Gastforschende und Dozierende aus der Ukraine aufgenommen werden. Geflüchtete Studierende wurden so- fort mit dem Status von Mobilitätsstudierenden so gut wie möglich in den Lehrbetrieb in- tegriert. Als weitere Folge des Krieges in der Ukraine musste sich die Universität mit der drohenden Energiemangellage befassen. Nebst den von Bund und Kanton übernomme- nen Energiesparmassnahmen wurden interne Massnahmen definiert und umgesetzt, um bei Energieausfällen die Auswirkungen auf die Funktion der Universität minimal zu hal- ten. Nicht vermieden werden konnte der starke Anstieg der Energiekosten, welche sich auf die Rechnung der Universität auswirken.

 Die Anzahl der Studierenden in Bern ist leicht gesunken (-0.9%), sodass die Universität Bern im Studienjahr 2022/2023 (ohne Weiterbildung CAS/DAS) insgesamt 18 089 Stu- dierende (Vorjahr 18 251) verzeichnete. Auch schweizweit ist das Gesamttotal der Stu- dierenden an den universitären Hochschulen zurückgegangen, um 0.3 % auf insgesamt 167 748 (Vorjahr 168 190). Bei der weiteren Differenzierung nach Studienstufe zeigt sich im Fall der Universität Bern, dass wie bereits im vergangenen Jahr bei den Dokto- rierenden weiterhin ein Wachstum zu beobachten ist (+2%), während die übrigen Stu- dienstufen einen leichten Rückgang an Studierenden gegenüber dem Vorjahr verzeich- nen. Auf Stufe Bachelor beträgt dieser Rückgang 1% und auf Stufe Master 2%. Insge- samt bot die Universität Bern total 39 Bachelorstudiengänge, 75 Masterstudiengänge,

27 Doktoratsprogramme, 7 Graduiertenschulen und 137 Weiterbildungsgänge an. Die

erfolgreichen Studienabschlüsse nahmen im Jahr 2022 mit insgesamt 4 731 Studienab- schlüssen gegenüber 4 691 im Vorjahr erneut zu (+ 0.9%).

 Die Anzahl der ausserkantonalen Studierenden an der Universität ist wiederum ange- stiegen: Im Frühlingssemester 2022 waren 5 701 Studierende anderer Kantone an der Universität Bern immatrikuliert, was gegenüber dem Vorjahr (5 623) einem prozentualen Anstieg von rund 1.4% entspricht. In derselben Periode ist die Anzahl Berner Studieren- der an ausserkantonalen Universitäten um rund 3.1% gesunken. Während im Frühlings- semester 2021 total 2 576 Bernerinnen und Berner an ausserkantonalen Universitäten studierten, waren es im Frühlingssemester 2022 nur noch insgesamt 2 495.

 Diese Entwicklung führte dazu, dass sich der Nettoertrag zugunsten des Kantons bei den Beträgen gemäss Interkantonaler Universitätsvereinbarung (IUV) wiederum erhöht hat:

Rechnungsjahr 2019 2020 2021 20221

Ausgaben (Kan- 40 057 155 38 892 887 40 268 885 37 501 628 ton)

Einnahmen (Uni- 112 827 377 116 806 477 121 330 906 122 591 322 versität)2

Nettoaufwand/-er- + 72 770 222 + 77 913 590 + 81 062 021 + 85 089 694 trag IUV

 Der Frauenanteil der Studierenden ist leicht gestiegen und beträgt für das Herbstsemes- ter 2022 neu 59% (Vorjahr 58%). Der Frauenanteil bei den Professuren hat sich gegen- über dem Vorjahr wiederum erhöht und erreicht 30% (Vorjahr 28%), was im Sinne der Zielsetzung ist, den Frauenanteil bei der Professorenschaft demjenigen bei den Studie- renden anzunähern.

 In der Lehre hat die Universitätsleitung eine Forderung der Vereinigung der Studieren- den SUB aufgenommen und empfiehlt neu, für alle nicht interaktiven Lehrveranstaltun- gen ergänzende digitale Lehrformate wie Podcasts oder Ähnliches bereitzustellen. Auch zur Erforschung, Evaluation und Weiterentwicklung digitaler Hilfsmittel für die Bildung trägt die Universität Bern bei. So liefen im Jahr 2022 zwei umfangreiche Forschungspro- jekte an, die im Rahmen von "BeLEARN" entstanden, einerseits das Projekt "Learning Analytics & Adaptive Learning", andererseits das Projekt "Digitalisierung in Schweizer Schulen und deren Auswirkungen auf Bildungsverläufe: Ausmass, Chancen und Risi- ken."

 Zur Überprüfung der Umsetzung des gemeinsamen Vorhabens BeLEARN der Berner Hochschulen wurde gleichzeitig mit der Erteilung der Leistungsaufträge an die Hochschu- len ein separater Controlling-Zyklus definiert: Für BeLEARN wird dem Amt für Hochschu- len jährlich eine eigene Berichterstattung zu vordefinierten Kenngrössen unterbreitet. Im 2022 befand sich BeLEARN in der Aufbauphase und ein erstes Zwischenreporting wurde

Ab 2022 werden die Abgrenzungen für den Gesamtsaldo berücksichtigt. Gemäss Fakturierung EDK für das Jahr 2022 (1. und 2. Rate).

erstellt, welches aufzeigte, dass sich BeLEARN auf Kurs befindet. Das erste reguläre Re- porting wird Ende Mai 2023 für das Geschäftsjahr 2022 eingereicht und somit in die Be- richterstattung zu den Geschäftsberichten der Hochschulen im 2024 aufgenommen wer- den.

 Die Universität Bern ist bestrebt, den Innovations- und Unternehmergeist ihrer Angehöri- gen weiter zu fördern. Seit etwas über einem Jahr ist beim Vizerektorat Forschung das "Innovation Office" angesiedelt. Dieses unterstützt Studierende, Forschende, Professo- rinnen und Professoren dabei, neuen Ideen aus der Forschung und der universitären Ausbildung aktiv mit unternehmerischen Initiativen in die Wirtschaft und die Gesellschaft hinauszutragen.

 Vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus jüngerer Zeit mit Geflüchteten infolge von Kriegen, namentlich in Syrien oder der Ukraine, stellte die Universität Überlegungen an, wie Menschen mit entsprechender Vorbildung nach einer Flucht ein Studium aufnehmen oder fortsetzen können, um ihr Potenzial als hochqualifizierte Fachkräfte zu realisieren. Mit dem zweijährigen Pilotprojekt "Kompass UniBE" will die Universität Geflüchteten mit entsprechendem Potenzial und Aufenthaltsstatus den Zugang zur Universität Bern er- möglichen. Ab dem Herbstsemester 2023 können sich während zweier Pilotjahre jeweils maximal 20 Teilnehmende sprachlich, fachlich und organisatorisch auf die Aufnahme eines Regelstudiums an der Universität Bern vorbereiten.

 Im Hinblick auf ihre Zielsetzung, möglichst rasch zur klimaneutralen Hochschule zu wer- den, hat die Universität Bern ihren ersten Treibhausgas-Bericht für das Jahr 2019 veröf- fentlicht. Mit den Dienstreiserichtlinien und der Reiseplattform wurden zwei wichtige Be- standteile des Massnahmenpakets zur Erreichung der Klimaneutralität der Universität Bern etabliert.

 Im Bereich der akademischen Nachwuchs- und Karriereförderung wurden sowohl neue Gefässe lanciert als auch bestehende Formate ausgebaut: Mit den "UniBE Short Travel Grants" erhalten Nachwuchsforschende beispielsweise die Gelegenheit, nach dem durch die Pandemie erzwungenen Unterbruch wieder Projekte im Ausland durchzufüh- ren und ihre internationalen Netzwerke auszubauen. Im Bereich der ausserakademi- schen Karriereförderung konnte erstmals wieder der Grossanlass "Nacht zum Berufsein- stieg" durchgeführt werden. Rund 800 Studierende und Doktorierende konnten dabei ihre Bewerbungskompetenzen erweitern und mit Arbeitgebenden in Kontakt treten.

 Die Verfügbarkeit einer adäquaten Infrastruktur ist im Bereich der Forschung ein wichti- ger Wettbewerbsfaktor. Die Raumknappheit an der Universität Bern nimmt bei hoch in- stallierten und spezialisierten Bauten weiter zu, neben der Entwicklung bei der Drittmit- telforschung trägt hierzu vor allem die Tatsache bei, dass wichtige Forschungs- und La- borgebäude der Universität am Ende ihres Lebenszyklus angelangt sind. Die hohen In- vestitionen in die Neubauten für die Universität beanspruchen den Kanton als Träger- kanton sehr, zumal auch in anderen politischen Bereichen ein Investitionsmehrbedarf zu verzeichnen ist, was es auch finanzpolitisch zu berücksichtigen gilt. Die Universität Bern benennt zudem auch die sehr langen Planungs- und Realisierungszeiten dieser Ge- bäude als grosse betriebliche Herausforderung.

 Im Berichtsjahr weist die Universität Bern einen Gesamtertrag von rund CHF 947.5 Mio. und einen Gesamtaufwand von rund CHF 956.2 Mio. auf, sodass für das Jahr 2022 ein Verlust von CHF 8.7 Mio. resultiert. Dieses Ergebnis ist geprägt durch den planmässi-

gen Einsatz von Reserven für die Realisierung strategischer Projekte sowie durch Son- dereffekte wie höhere Energie- und Reisekosten, die Auflösung von Rückstellungen (u.a. wegen nicht mehr benötigter Mittel aus einem Versicherungsfall) und ein ver- schlechtertes Finanzergebnis aufgrund der Börsenentwicklung. Auf den Grundmitteln verzeichnet die Universität einen einkalkulierten Verlust von CHF 19.4 Mio., die sie für die Realisierung von strategischen Projekten verwendet hat, während bei den Drittmit- teln ein Gewinn von rund CHF 19.8 Mio. erzielt wird. Die Nichtteilnahme am 2021 ge- starteten Europäischen Forschungsprogramm "Horizon Europe" macht sich 2022 bei den Einnahmen der Forschungsförderung noch nicht bemerkbar. Die Einnahmen von Drittmitteln bei EU-Forschungsprogrammen stieg im Vergleich zum Vorjahr um rund CHF 2.3 Mio. auf ein Total von CHF 19.3 Mio. (Vorjahr CHF 17 Mio.). Der Staatsbeitrag des Kantons an die Universität wurde im Zuge des im kantonalen Finanzplan vorgese- henen regulären Anstiegs von 1% auf rund CHF 326.3 Mio. erhöht. Damit blieb der pro- zentuale Anteil des Trägerkantons Bern an der Finanzierung seiner Universität unverän- dert zum Vorjahr auf 34.4%. Zu erwähnen ist dabei, dass der Kanton gestützt auf den einschlägigen Grossratsbeschluss auch den Aufbau der Wyss Academy for Nature durch eine Grundfinanzierung von jährlich CHF 2 Mio. mitfinanziert.

 Das Eigenkapital auf den Grundmitteln der Universität hat sich um CHF 19.4 Mio. redu- ziert und betrug im Geschäftsjahr CHF 59.1 Mio. Dies ist auf die Umsetzung definierter strategischer Ziele zurückzuführen, namentlich der Digitalisierungsstrategie, der Imple- mentierung von SAP an der Universität, dem Ausbau von Forschungsplattformen, der Stärkung der Internationalisierung, der Weiterentwicklung der Dienstleistungsbetriebe, der Realisierung des Programms "Fit for Future" und für Überbrückungsfinanzierungen bei der Überführung von einigen zeitlich begrenzt finanzierten Stiftungsprofessuren in reguläre Professuren. Das Drittmitteleigenkapital hat sich von rund CHF 279 Mio. auf rund CHF 298.9. Mio. erhöht, wovon ein Teil ebenfalls für die Realisierung der genann- ten strategischen Projekte eingesetzt wird.

 Die Controllingsitzung zwischen der Bildungs- und Kulturdirektion und der Universität fand im Rahmen der Koordinationskonferenz vom 31. Oktober 2022 statt. Die BKD stellte fest, dass die Universität den ihr durch die Gesetzgebung erteilten Auftrag umfassend und in guter Qualität erfüllt und dass sie im Berichtsjahr die Zielvorgaben des Leistungsauftrags des Regierungsrates erreicht hat. Der direktionsübergreifende Koordinationsausschuss Controlling Hochschulen befasste sich am 20. April 2023 mit dem Geschäftsbericht der Universität.

2. Rechtsgrundlagen

Art. 60 und Art. 72 Abs. 2 des Gesetzes vom 5. September 1996 über die Universität (UniG; BSG 436.11) sowie Art. 124 Abs. 3 der Verordnung vom 12. September 2012 über die Universi- tät (UniV; BSG 436.111.1).

3. Beschluss

Aufgrund des Antrags der Bildungs- und Kulturdirektion wird beschlossen: Der Geschäftsbericht 2022 der Universität Bern wird vom Grossen Rat zur Kenntnis genommen.

Im Namen des Regierungsrates

Christoph Auer Staatsschreiber

Verteiler ‒ Grosser Rat ‒ Bildungs- und Kulturdirektion

Beilagen ‒ Geschäftsbericht 2022 der Universität Bern