2022.BKD.9425
Geschäftsbericht 2022 der Berner Fachhochschule (BFH). Kenntnisnahme
14. Juni 2023Deutsch9 min
Source be.ch
Regierungsratsbeschluss RRB Nr.: 666/2023 Datum RR-Sitzung: 14. Juni 2023 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Geschäftsnummer: 2022.BKD.9425 Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Geschäftsbericht 2022 der Berner Fachhochschule (BFH). Kenntnisnahme
Erwägungen
1. Gegenstand
Die Aufgaben, Ziele und Vorgaben für die BFH sind im Gesetz vom 19. Juni 2003 über die Berner Fach- hochschule (FaG), in der Bildungsstrategie des Kantons Bern sowie im Leistungsauftrag des Regie- rungsrates an die Berner Fachhochschule für die Jahre 2021-2024 (RRB 1430/2020) festgelegt.
Der Regierungsrat stellt zuhanden des Grossen Rates fest, dass die BFH im Berichtsjahr gute Leistun- gen erbracht hat. Ihr Geschäftsbericht zeigt auf, dass sie erfolgreich im Rahmen ihrer vorgegebenen Auf- gaben und Ziele tätig war. Folgende Punkte sind besonders hervorzuheben:
- Von den 7847 Studierenden an der BFH sind 6064 in den 30 Bachelor- und 1783 in den 26 Master- studiengängen immatrikuliert, dazu kommen 2559 Weiterbildungsabschlüsse (CAS, DAS sowie MAS/EMBA)1. Erfolgreich gestartet ist im Herbst 2022 der neue Masterstudiengang zur Kreislauf- wirtschaft «Circular Innovation and Sustainability».
- An den Fachhochschulen der Schweiz studierten im Herbstsemester 2022 gemäss dem Bundes- amt für Statistik BFS rund 83 750 Studierende. Das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr von -1.4 % (Vorjahr +2.2 %). Mit einem Studierendenwachstum von 0.6 % ist die BFH eine der wenigen Fachhochschulen, die im Beobachtungszeitraum die Studierendenanzahl steigern konnte. Entsprechend steigt der Marktanteil der BFH an allen an einer schweizerischen Fachhoch- schule Studierenden leicht an (9.6 %, Vorjahr 9.4 %). Das Wachstum beruht auf der Zunahme der BFH-Studierenden auf Masterstufe (+4.9 %), auf Bachelorstufe entspricht die Studierendenzahl praktisch derjenigen des Vorjahres (+0.0 %). Die Hälfte der BFH-Departemente verzeichnet gegen- über dem Vorjahr eine höhere Studierendenzahl (Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittel- wissenschaften (HAFL), Soziale Arbeit (S), Wirtschaft (W) und die assoziierte Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) 1), die anderen vier Departemente verzeichnen einen leichten Rückgang (Architektur, Holz und Bau (AHB), Technik und Informatik (TI), Gesundheit (G) sowie die Hochschule der Künste (HKB)).
- Nach den von der Corona-Pandemie beeinflussten Jahren 2020 und 2021 mit einer aussergewöhn- lich hohen Zunahme der Studierendenzahlen, normalisieren sich diese nun wieder. Dieses Bild wird auch von der Entwicklung der Anzahl Neueintritte auf Bachelorstufe bestätigt. So mag der aktuelle Rückgang der Anzahl Neueintritte an der BFH von -10.9 % (Vorjahr +3.5 %) hoch erscheinen, rela- tiviert wird dieser Rückgang aber einerseits durch den gesamtschweizerischen Rückgang
Im Geschäftsbericht der BFH nicht mehr berücksichtigt wird neu die Bachelorausbildung Sport. Die Eidgenössische Hochschule für Sport Magglingen (EHSM) wurde 2022 institutionell akkreditiert. Das Bundesamt für Statistik wird dies erst ab 2023 statistisch abbilden.
von -6.3 % (Vorjahr -0.3 %), andererseits durch den Vergleich mit dem Jahr 2019, gegenüber je- nem die Neueintritte an der BFH kaum gesunken sind (Abweichung von weniger als -1 %), während die umliegenden Fachhochschulen Rückgänge von -3 % bis -9 % zu verzeichnen haben.
- Die Bilanz der Finanzströme gemäss Interkantonaler Fachhochschulvereinbarung (FHV) ist 2022 wesentlich von den Umstellungen am Standort des Bildungszentrums Gesundheit Basel-Stadt (BZG) geprägt. Per 1. Januar 2022 konnten die Arbeitsverhältnisse des Personals in Basel für den Studiengang Physiotherapie in die BFH überführt werden, welche fortan die Ausbildung vollumfäng- lich eigenständig durchführen kann. Seither kann die BFH die FHV-Erträge des BZG über gut CHF 1.5 Mio. selber ausweisen und gleichzeitig fallen FHV-Ausgaben des Kantons von rund CHF 0.6 Mio. für am BZG studierende Bernerinnen und Berner weg. Inklusive dem BZG-Effekt wachsen die FHV-Einnahmen 2022 um +4.3 % (von CHF 38.9 Mio. auf CHF 40.6 Mio.). Gleichzei- tig nimmt die Zahl der Berner Studierenden weiter ab, die an einer ausserkantonalen Fachhoch- schule studieren. Die FHV-Ausgaben liegen 2022 mit CHF 44.5 Mio. -3.9 % unter denjenigen des Vorjahres (CHF 46.3 Mio.). Insgesamt fällt die FHV-Bilanz mit CHF -3.9 Mio. immer noch negativ aus, zeigt sich gegenüber dem Vorjahr (CHF -7.4 Mio.) aber deutlich verbessert.
- Die Kosten pro Studienplatz an der BFH konnten erneut um 1.5 % unter diejenigen des Vorjahres gesenkt werden. Sie liegen damit knapp 1 % unter dem Schweizer Benchmark (auf Bachelor- stufe -1 % und 0 % Abweichung auf Masterstufe). Aufgrund der Verfügbarkeit der nationalen Ver- gleichszahlen bezieht sich diese Momentaufnahme aber auf das Jahr 2021.
- Die räumliche Verzettelung der BFH stellt nach wie vor einen wesentlichen Standortnachteil dar, dessen Behebung durch die Realisierung der beiden Campusprojekte des Kantons noch einige Zeit beanspruchen wird. Im November 2022 konnte der Kanton die letzte für die Realisierung des Cam- pus Biel/Bienne benötigte Liegenschaft übernehmen und damit auch die rechtlichen Hürden beseiti- gen. Dadurch kann die Inbetriebnahme dieses Campus nun wieder für 2027 geplant werden 2. Für den Bau des Campus Bern hat der Grosse Rat am 7. September 2022 den Baukredit von rund CHF 352 Mio. bewilligt. Die Inbetriebnahme ist frühestens im Herbstsemester 2028 möglich.
- Die BFH hat ihre Strategie 2023 – 2026 erarbeitet und ihr das Motto «Horizonte erweitern – Wandel gestalten» vorangestellt. Sie hält darin fest, als vielseitige Hochschule ihre Kräfte und Kompetenzen zu bündeln, um den Wandel zu einer nachhaltigen, digital mündigen sowie gesundheitsbewussten und generationen-gerechten Gesellschaft umsichtig mitzugestalten. Dafür will die BFH sich regio- nal, national und international mit relevanten Zukunftsthemen profilieren, künstlerische, natur- und sozialwissenschaftliche Herangehensweisen verbinden und sich aktiv in nationale und internatio- nale Wissenschaftsnetzwerke einbringen. In Übereinstimmung mit ihren strategischen Priorisierun- gen hat die BFH drei strategische Themenfelder definiert, zu welchen alle Fachbereiche ihre jewei- lige Expertise einbringen sollen. Es sind dies die Themenfelder «Caring Society», «Humane digitale Transformation» und «Nachhaltige Entwicklung».
- Im Berichtsjahr legte die BFH besonderen Wert auf ihre Positionierung als unternehmerische Hoch- schule, die vielfältige unternehmerische Initiativen hervorbringt. Am BFH-Tag unter dem Motto «Un- ternehmerische BFH – so geht Zukunft» gab es zahlreiche Einblicke und das Entrepreneurship- Office an der BFH nahm seinen Betrieb auf. Ebenfalls erschien der erste Nachhaltigkeitsbericht der BFH zu den vier Handlungsfeldern Forschung für eine nachhaltige Zukunft, Bildung für nachhaltige Entwicklung, gesellschaftliche Partizipation und nachhaltiger Betrieb. Der Bericht soll nun alle zwei Jahre erscheinen und die Ziele, Massnahmen und Aktivitäten festhalten.
Unter Vorbehalt der Zustimmung des Grossen Rates zum Zusatzkredit Campus Biel/Bienne in der Sommersession 2023.
- Engagiert setzt sich die BFH seit März 2022 für die Integration von Studierenden und Forschenden aus der Ukraine ein. Erstmals bietet die BFH das Weiterbildungszertifikat CAS Wiederaufbau Ukra- ine an, welches sich insbesondere an geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainern mit entsprechendem beruflichen Hintergrund wendet. Die Kosten werden von Patenfirmen übernommen.
- Für die Amtsdauer vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2026 hat der Regierungsrat des Kantons Bern Nationalrat Christian Wasserfallen sowie den Direktor der Technischen Fachschule Bern, Matthias Zurbuchen, in den Fachhochschulrat gewählt. Sie ersetzen die zurückgetretenen Stefan Gelzer und Werner Luginbühl. Für dieselbe Amtsdauer wiedergewählt wurde Regula Gloor.
- Die Jahresrechnung der BFH schliesst mit einem negativen Ergebnis von CHF -7.6 Mio. ab (Vorjahr CHF 6.3 Mio.). Die negative Entwicklung der Finanzmärkte wirken sich mit CHF -5.1 Mio. (Vorjahr CHF 1.6 Mio.) wesentlich auf das Jahresergebnis aus. Zudem wurden plangemäss strategische Projekte aus den finanziellen Reserven finanziert. Das betriebliche Ergebnis beläuft sich auf CHF -2.5 Mio. (Vorjahr CHF 4.7 Mio.). Das Eigenkapital der BFH reduziert sich von CHF 57.3 Mio. auf CHF 49.7 Mio.
- Der Kantonsbeitrag trug mit CHF 119.2 Mio. (Vorjahr CHF 118.2 Mio.), bzw. 36.6 % (Vorjahr
37.3 %) zum Gesamtertrag der BFH bei. Davon sind CHF 2 Mio. zur Umsetzung der Legislaturziele des Kantons bestimmt, namentlich für den Aufbau und Betrieb des TecLab in Burgdorf, der School of Biomedical and Precision Engineering in Zusammenarbeit mit der Universität Bern sowie für den Aufbau und Betrieb des Kompetenzzentrums BeLEARN, an welchem alle drei Berner Hochschulen beteiligt sind.
- Zur Überprüfung der Umsetzung des gemeinsamen Vorhabens BeLEARN der Berner Hochschulen wurde gleichzeitig mit der Erteilung der Leistungsaufträge an die Hochschulen ein separater Con- trolling-Zyklus definiert: Für BeLEARN wird dem Amt für Hochschulen jährlich eine eigene Bericht- erstattung zu vordefinierten Kenngrössen unterbreitet. Im 2022 befand sich BeLEARN in der Auf- bauphase und ein erstes Zwischenreporting wurde erstellt, welches aufzeigte, dass sich BeLEARN auf Kurs befindet. Das erste reguläre Reporting wird Ende Mai 2023 für das Geschäftsjahr 2022 eingereicht und somit in die Berichterstattung zu den Geschäftsberichten der Hochschulen im 2024 aufgenommen werden.
- Die betrieblichen Erträge der BFH stiegen auf CHF 326 Mio. (Vorjahr CHF 316.5 Mio.). Neben den Effekten des Studierendenwachstums trugen wesentlich die gegenüber dem Vorjahr erhöhten Dritt- mittelerträge in der Forschung dazu bei. Diese konnten auf einen neuen Höchstwert von CHF 48.1 Mio. (+15 % ggü. Vorjahr) gesteigert werden. Über den Erwartungen fielen auch die Er- träge aus der Weiterbildung aus, welche auf dem hohen Stand des Vorjahres gehalten werden konnten (CHF 22.2 Mio.).
- Der Personalaufwand stieg gegenüber dem Vorjahr um CHF 9.7 Mio. an (+3.9 %, Vorjahr +4.8 %). Dies ist auf die Zunahme der Vollzeitäquivalente um rund 120 (+7 %) zurückzuführen, welche paral- lel zum Wachstum in Lehre, Weiterbildung und Forschung erfolgt und neu auch die Mitarbeitenden des BZG Basel berücksichtigt. Neben Rückstellungen für Vorsorgeverpflichtungen (CHF 1.3 Mio.) hat insbesondere das vom Regierungsrat beschlossene kantonale Lohnsummenwachstum zur Er- höhung des Personalaufwands beigetragen.
- Die Controllingsitzung zwischen der Bildungs- und Kulturdirektion und der BFH fand am 21. Novem- ber 2022 statt. Die BKD stellte fest, dass die Berner Fachhochschule den ihr durch die Gesetzge- bung erteilten Auftrag umfassend und in guter Qualität erfüllt und dass die BFH die Zielvorgaben
des Leistungsauftrags des Regierungsrates erreicht oder übertroffen hat. Der direktionsübergrei- fende Koordinationsausschuss Controlling Hochschulen befasste sich am 25. April 2023 mit dem Geschäftsbericht der Berner Fachhochschule.
2. Rechtsgrundlagen
- Artikel 46 und Artikel 56 Absatz 2 des Gesetzes vom 19. Juni 2003 über die Berner Fachhoch- schule (FaG; BSG 435.411)
- Artikel 67 Abs. 3 der Verordnung vom 16. November 2022 über die Berner Fachhochschule (FaV; BSG 436.811)
3. Beschluss
Aufgrund des Antrags der Bildungs- und Kulturdirektion
wird beschlossen:
Der Geschäftsbericht 2022 der Berner Fachhochschule wird vom Grossen Rat zur Kenntnis genommen.
Im Namen des Regierungsrates
Christoph Auer Staatsschreiber
Verteiler ‒ Grosser Rat ‒ Bildungs- und Kulturdirektion
Beilage ‒ Geschäftsbericht 2022 der Berner Fachhochschule