88-540
Verwaltungsbehörden 07.06.1990 88.540
7. Juni 1990Deutsch29 min
Source admin.ch
Motion Schmid 902 N 7 juin 1990 férence des chefs de départements de justice et police qui elle, est compétente et qui s'occupe depuis quarante ans des taxes automobiles, est absolument opposée à ce procédé. J'ajoute au surplus qu'il me semble que, même dans l'administration fédérale, les violons ne sont pas tout à fait accordés entre l'Office de l'environnement, des forêts et du paysage et celui de la police. Bundesrat Coni: Ich werde heute sicher nicht dazu beitragen, angesichts eines Postulates eine neue Diskussion über die Luftreinhaltung zu entfachen. Ich möchte einfach bestätigen, was Frau Spoerry sagte: Die Verpflichtung für die Prüfung solcher Massnahmen hat das Parlament bereits beschlossen. Sie erinnern sich an die berühmte Motion, welche von beiden Räten vor etwa drei Jahren beschlossen worden ist - diese Prüfung haben wir wahrgenommen und vorgenommen. Ich kann Ihnen mitteilen, dass wir vor deren Abschluss stehen, unabhängig von den Entscheiden, die Sie heute treffen. Sie haben das zutreffend festgestellt, Frau Spoerry. Dass diese Prüfung notwendig war, scheint mir absolut klar angesichts der noch relativ grossen Entfernung, die uns von der Erreichung der bekannten Ziele des Luftreinhalte-Konzeptes in diesem Lande trennt. Ich darf aber noch hinzufügen, damit wir im klaren sind: Es geht nur um eine Prüfung. Herr Hari hat nicht unrecht, wenn er auf eine Reihe von Schwierigkeiten hinweist, die mit der praktischen Anwendung gewisser Massnahmen - ich denke insbesondere an den Oekobonus - verbunden sind. Von selten des Buwal wird mir beispielsweise sehr objektiv über diese Schwierigkeiten berichtet. Wir werden uns deshalb sehr konkret mit diesen Schwierigkeiten auseinandersetzen müssen. Ich möchte, dass Sie meine Worte dahingehend interpretieren, dass wir die Prüfung in den nächsten Monaten abschliessen werden, dass wir berichten werden, ohne dass damit irgendein Versprechen verbunden wäre, man werde eine dieser vorläufigen, «streckenbedingten» Massnahmen treffen. Je dois dire à M. Leuba que même si des mesures de ce genre ne devaient pas être prises eu égard aux complications qui leur sont liées et qu'il vient de signaler, le problème de fond du postulat de la commission reste entier. Néanmoins, M. Leuba a probablement raison d'affirmer que le peuple suisse aura de la peine à trouver des voies aussi complexes. Or, le peuple suisse est bien conscient de la gravité du problème de la pollution de l'air. Sur la base des résultats obtenus à l'échelon international, je peux vous affirmer que de nouveaux phénomènes se présentent, plus graves que ceux que nous connaissons déjà. Des discussions nourries auront lieu lors des prochaines conférences internationales, concernant les changements climatiques, les émissions de CO2. Pour ces dernières, il n'existe aucun moyen technique d'empêcher leurformation. Nous savons en effet que toute combustion d'énergie fossile produit du CO2 qui peut engendrer, dans quelques décennies, des catastrophes sur le plan international. Les actuelles décisions intervenues au plus haut niveau témoignent de l'importance de ce problème. Par conséquent, même si l'on ne veut pas prendre position quant au contenu de ces mesures particulières, le problème demeure. Il est même plus grave aujourd'hui qu'il ne l'était il y a quelques années, et le peuple suisse en est bien conscient. Le Conseil fédéral devra donc présenter au Parlement des propositions en la matière, car il en va de la responsabilité des instances politiques. Abstimmung - Vote Für Ueberweisung des Postulâtes Dagegen
Erwägungen
50.
Stimmen
34.
Stimmen #ST# 88.540 Motion Schmid Verbot von künstlichen Schneeanlagen Production de neige artificielle. Interdiction Wortlaut der Motion vom 23. Juni 1988 Der Bundesrat wird beauftragt, - aus Gründen des Respekts vor dem Eigenwert der natürlichen Landschaft und ihres Schutzes, - in Anbetracht der nicht absehbaren sekundären Auswirkungen von Bewilligungen (vermehrte Planierungen, zusätzliche Geländeerschliessungen in tieferen Regionen, zeitlich ausgedehnte Bodenstrapazierung usw.), - in Berücksichtigung des Energiesparens und der Vermeidung zusätzlicher Lärmimmissionen, - im Interesse einer Gleichbehandlung aller Wintersportorte, frei von belastenden Präzedenzfällen, ein Verbot von künstlichen Schneeanlagen zur maschinellen Schneeproduktion grossen Stils gesetzlich zu verankern. Texte de la motion du 23 juin 1988 Le Conseil fédéral est chargé d'édicter des dispositions légales interdisant l'utilisation à grande échelle d'installations destinées à la production de neige artificielle. Cette interdiction doit être prononcée parce que: - nous devons respecter l'aspect naturel des paysages; - les autorisations d'utiliser des canons à neige peuvent avoir des conséquences inattendues (travaux de nivellement, aménagements dans des régions situées à basse altitude, prolongation de la période de mise à contribution du sol, etc.); - nous devons économiser l'énergie et éviter de nouvelles sources de bruit; - il faut se garder de créer des précédents fâcheux si l'on veut garantir l'égalité de traitement entre les différentes stations de sports d'hiver. Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann, Bär, Basler, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bircher, Bodenmann, Borei, Braunschweig, Brélaz, Bundi, Caccia, Carobbio, Daepp, Danuser, David, Diener, Dünki, Engler, Euler, Fankhauser, Fetz, Fierz, Grendelmeier, Günter, Hafner Rudolf, Hafner Ursula, Haller, Herczog, Jeanprêtre, Lanz, Ledergerber, Leuenberger Moritz, Leutenegger Oberholzer, Longet, Loretan, Luder, Maeder, Matthey, Mauch Ursula, Meier Fritz, Meier-Glattfelden, Morf, Müller-Aargau, Nabholz, Nebiker, Neukomm, Nussbaumer, Ott, Petitpierre, Pitteloud, Rebeaud, Rechsteiner, Ruf, Ruffy, Salvioni, Seiler Rolf, Spielmann, Stamm, Stappung, Steffen, Stocker, Thür, Uchtenhagen, Ulrich, Weder-Basel, Wellauer, Wiederkehr, Wyss William, Zbinden Hans, Ziegler, Zwygart (72) Schriftliche Begründung - Développement par écrit In seiner Beantwortung der Interpellation Bircher (87.895) und der Einfachen Anfrage Ruffy (87.731) bestreitet der Bundesrat die fragwürdigen Tendenzen und negativen Auswirkungen der Erzeugung von künstlichem Schnee nicht. Dennoch ist er nicht bereit, ein Verbot von Schneekanonen ins Auge zu fassen. Er begründet dies kurzfolgendermassen: - Schneeanlagen würden nur aufgrund einer umfassenden Interessenabwägung bewilligt. -Zur Beurteilung einzelner Projekte würden zurzeit umfassende Grundlagen zur Landschafts- und Umweltverträglichkeit ausgearbeitet. - Der neue Entwurf der Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verordnung sehe die Aufnahme solcher Anlagen ins entsprechende Verzeichnis vor. Der Bundesrat vertritt daher die Auffassung, die vorgesehenen Regelungen reichten aus, in der Praxis solche künstlichen -- 1 of 6 -7. Juni 1990 N 903 Motion Schmid Schneeanlagen nur in Ausnahmefällen zulassen zu müssen. Nachdem nun aber bereits der bekannte Wintersportort St. Moritz über eine Volksabstimmung eine künstliche Beschneiungszone beschlossen hat und andere Wintersportorte bereits über zum Teil sehr leistungsfähige Anlagen verfügen (z. B. Zermatt, Thyon, Saas-Grund, Silvaplana), werden wohl andere mit solchen Planungen und Entscheiden gleichziehen. Wer die wachsenden Aktivitäten rund um die Bewilligung und Errichtung künstlicher Schneeanlagen verfolgt, kommt zum Schluss, dass man auch hier dem Massensport auf Skipisten einmal mehr auf kurzsichtige Weise nachgibt. Nach der Pistenkosmetik, dem Wegsprengen von Felspartien, den geschlagenen Schneisen in den Bergwäldern und dem Zusammenschluss von Beförderungsanlagen zu sogenannten Skiarenen machen es nicht zuletzt die Investitionen in die teuren Transportanlagen erforderlich, die Risiken unterschiedlicher Schneemengen und allzu spät einsetzenden Schneefalls durch die Technik zu vermindern und womöglich ganz zu beseitigen. Selbst wenn zurzeit nicht mit absoluter Klarheit die negativen Folgen solcher Anlagen auf die Umwelt und den Haushalt der Natur abgeschätzt werden können, so reichen meines Erachtens die erwiesenen Nachteile aus, um diesen Tendenzen noch rechtzeitig einen Riegel zu schieben. Die Ausführungen im Forschungsbericht «Schneeanlagen in der Schweiz» von Dr. Thomas Mosimann und Mitarbeitern des Geographischen Instituts der Universität Basel geben dazu einen umfassenden Ueberblick. Beunruhigend scheint mir aber vor allem die Mentalität, die hinter diesem Ansinnen steht: Unsere Umwelt wird zum Werkzeug momentaner Bedürfnisse reduziert, sie wird zum Steinbruch, aus dem man sich die gewünschten Brocken heraussucht. Aus Respekt vor dem Eigenwert der Landschaft und der Natur sollten wir hingegen dafür sorgen, dass unser Lebensraum nicht wie eine Ware schamlos für kurzlebige touristische Vergnügungen ausgenützt wird. Dieser ideellen Seite des Problems wird zwar politisch kaum der gebührende Stellenwert eingeräumt, doch der Haltung, die sich dahinter verbirgt, kann nicht früh genug begegnet werden: Heute ist es die Natur, morgen die Kreatur, übermorgen der Mensch, die um irgendwelcher Bequemlichkeiten und lukrativer Geschäfte wegen manipuliert werden. Wir Politiker tun gut daran, solchem Tun wenigstens in jenen Bereichen sofort Einhalt zu gebieten, wo es für den einzelnen Menschen, die Gemeinden und Regionen ohne Einbusse an Lebensqualität zumutbar ist. Sinnvolle Eingrenzung eines überbordenden Massensports erhält langfristig die Attraktivität der Ferienorte und bedeutet keine Einschränkung der Erlebnismöglichkeiten - ganz im Gegenteil! Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 7. September 1988 Rapport écrit du Conseil fédéral du 7 septembre 1988 Der Bundesrat ist sich der negativen Auswirkungen, die von künstlichen Schneeanlagen, namentlich solchen grossen Stils, ausgehen können, sehr wohl bewusst; entsprechende erste Untersuchungen liegen ja vor, und weitere sind im Gang. Er hat sich, in Kenntnis dieser Tatsachen, erst kürzlich bei der Beantwortung der Interpellation Bircher (87.985) und der Einfachen Anfrage Ruffy (87.731 ) auf den Standpunkt gestellt, ein Verbot dränge sich im heutigen Zeitpunkt nicht auf. Er sieht keinen Anlass, davon abzuweichen, und vertritt unverändert die Auffassung, dass genügend Gewähr besteht, dass Schneeanlagen nur in Ausnahmefällen und nach umfassender Interessenabwägung bewilligt werden. Wünschbare Verbesserungen inhaltlicher wie verfahrensmässiger Art erwartet er von der Neuauflage der Richtlinien 1979 über skisportbedingte Landschaftseingriffe, welche gegenwärtig unter Federführung des Eidgenössischen Departements des Innern erarbeitet wird. Der Bundesrat erachtet indessen - zumindest im heutigen Zeitpunkt - eine Aenderung der bestehenden Zuständigkeitsordnung nicht als notwendig, wird jedoch die weitere Entwicklung im Bereich der künstlichen Schneeanlagen aufmerksam verfolgen und ist daher bereit, den Vorstoss in Form eines Postulats entgegenzunehmen. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln. Schmid: Das kostbarste und zugleich auch das beste Kapital des Tourismus ist die Landschaft. Von dessen Zinsen lebt die Fremdenindustrie. Jetzt geht sie nach und nach daran, vom Kapital zu leben, indem sie die Landschaft nach und nach zerstört und verschandelt. Woher rührt diese Mentalität? Der Mensch ist offenbar blind für das geworden, was ihm die Natur, die Schöpfung schenken wollen. Er denkt nur noch an seine vordergründigen Bedürfnisse und bewertet die Natur ausschliesslich danach, was sie ihm kurzfristig einbringt und wie er sie zu seinem Vorteil ausnützen und umgestalten kann. Die Installation von künstlichen Beschneiungsanlagen ist nur das besonders deutliche Zeichen einer Mentalität, die schon lange besteht und sich auf viele andere Lebensbereiche erstreckt: Wachstumsdenken, Gigantismus, Machbarkeitswahn, übertriebene Begehrlichkeit. Ich möchte diese Haltung als Infantilismus bezeichnen. Ich verstehe unter Infantilismus das kindische - nicht das kindliche - Gebaren, sich alle Wünsche erfüllen zu lassen, auch wenn sie den Naturgesetzen zuwiderlaufen. Im Sommer will man Ski fahren und Schlittschuh laufen, im Winter will man baden, womöglich geheizt und erst noch im Freien. Der Schnee muss spätestens zu Weihnachten da sein und Ende März wieder verschwinden. Und die Infrastruktur an Bahnen muss so beschaffen sein, dass man ja nicht warten muss. Dem stark in Mode gekommenen Abfahrtsskitourismus werden alle anderen Werte geopfert oder doch untergeordnet. Die Pisten werden verbreitert und vervielfacht. Das Gelände wird kosmetisch dem Skifahren angepasst, der Schnee wird künstlich hergestellt, der Sommertourismus wird dem Wintertourismus geopfert, Tier- und Pflanzenwelt verarmen; es entsteht ein Bauboom durch Ferienhäuser, die Transportanlagen sind Ursache und Folge von Ferienhaussiedlungen, und selbstverständlich müssen die Transportanlagen amortisiert werden also wehe, wenn kein Schnee fällt! Schneeanlagen bewirken einen weiteren Schub von neuen Transportliften, Skipisten und Skiarenen, die dann wiederum tourismusgerecht präpariert werden müssen. Ich finde Schneekanonen eine Geschmacklosigkeit - wie das Heliskiing, das Ueberhandnehmen der Schwebe- und Gondelbahnen auf höchste Gipfel und die rein aufs Geschäft ausgerichteten Skiweltmeisterschaften und ihre vorausgehenden Landschaftszerstörungen. Geschmacklosigkeit, mangelnde Ehrfurcht, das sind natürlich Einwände, die in keinem Wörterbuch der Politik zu finden sind. Ich glaube aber, dass die Missachtung des Eigenwerts der Natur nicht nur die Seele verarmen lässt, sondern auch unsere Lebensgrundlagen vernichtet. Daran sind gewiss nicht allein die Schneekanonen schuld. Aber auch ihre Auswirkungen dürfen nicht unterschätzt werden:
1.
Sie sind Energieverschwender. Das wird nicht besser, wenn man noch grössere Energiefresser aufzählt. Der Verbrauch pro Hektare liegt zwischen 1000 und 22 000 kWh. Der Energiebedarf erfordert wieder neue Kraftwerke und damit wieder erneute Eingriffe.
2.
Schneeanlagen sind Trinkwasserverschwender und bringen auch den Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht. Sie führen also zu sekundären negativen Auswirkungen auf den Boden.
3.
Künstliche Beschneiungsanlagen beanspruchen den Boden auch während an sich schneearmen oder schneefreien Zeiten. Das hat Auswirkungen auf die Grasnarben und auf die Flora.
4.
Künstliche Schneeanlagen führen zu einer vermehrten Konzentration von Skifahrern aus Gegenden ohne Schneekanonen.
5.
Sie vergrössern die nur kurze Zeit bewohnten Ferienhaussiedlungen, deren Infrastrukturkosten die Gemeinden verschulden, und sie zwingt dazu, neue Touristenattraktivitäten zu ersch Hessen. Wir muten der Natur mehr zu, als sie verkraften kann. Wir sä-
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Motion Schmid 904 N 7 juin 1990 gen, langfristig gesehen, am Ast, auf dem wir selber sitzen. Jede Gegend hat das Gefühl, sie dürfe wegen der Konkurrenz nicht hintanstehen und müsse jede Fragwürdigkeit auch mitmachen. Am Schluss ist die Alpenlandschaft uniformiert und jegliche Einmaligkeit überall auf dieselben Bedürfnisse hin kommerzialisiert. Ich bin mir auch gar nicht so sicher, ob die Feriengäste nur aus Pistenrasern bestehen, wie das den Anschein macht. Man sieht vielleicht auf gewissen Wintersportplätzen fast nichts anderes mehr, weil man vielleicht die übrigen Gäste vertrieben hat. Ich glaube auch nicht, dass die Skifahrer allesamt abwandern, wenn sie nur noch zehnmal statt zwanzigmal, dafür auf weniger überfüllten Pisten fahren können. Es wäre durchaus verlockend, den Gästen - auch über den Sommer natürlich - neue, weniger umweltbelastende Ferienattraktivitäten zu erschliessen. Dass dies eher möglich ist, setzt aber voraus, dass alle Wintersportorte gleich lange Spiesse haben und gesamtschweizerisch auf solche Anlagen grossen Stils verzichten. Exponierte, stark besonnte Stellen können durchaus durch künstliche Beschneiung ausgebessert werden; das soll durch die Motion nicht verhindert werden. Es wird immer wieder vorgebracht: Wenn wir es nicht tun, dann tun es die anderen. Ich glaube, wir sollten wieder mehr sagen: Wenn wir verzichten, dann ziehen andere auch nach. Wir sollten die ursprüngliche Schönheit der Bergwelt wieder mehr schätzen und sehen lernen. Dann fällt uns auch wieder ein, wie wir unsere Berglandschaft durch manch Besseres als durch Schneekanonen attraktiv machen können, und dies langfristig. Ich möchte Sie darum ersuchen, meinen Vorstoss in der Form der Motion zu überweisen. Schmidhalter: Die Motion verlangt vom Bundesrat, dass er ein Verbot von künstlichen Schneeanlagen zur maschinellen Schneeproduktion grossen Stils gesetzlich verankert. Was heisst «grossen Stils»? Auf jeden Fall muss ich diese Motion als Motion bekämpfen. Ich bin aber einverstanden, dass wir diesen Vorstoss - wie der Bundesrat es beantragt - als Postulat überweisen. Der Bundesrat hat nämlich eine sehr ausgewogene und vernünftige Stellungnahme abgegeben und sagt selber, dass Schneeanlagen nur in Ausnahmefällen und nach umfassender Interessenabwägung bewilligt werden. Wir haben jetzt drei aufeinanderfolgende schneearme Winter gehabt. Diese gefährden die Existenz zahlreicher Seilbahnund Skiliftunternehmungen im Berggebiet und damit die ganze Tourismusbranche. Ich bin nicht dafür, dass man Anlagen, die seinerzeit in Regionen gebaut wurden, wo man normalerweise nicht mit genügend Schnee rechnen kann, saniert, indem man nachträglich künstliche Schneeanlagen baut. Aber Sie müssen auch bedenken, Herr Schmid, dass diese Investitionen in Infrastrukturanlagen des Tourismus nach Richtplänen und guten touristischen Planungen gemacht wurden. In diesen Regionen versuchen wir immer wieder, die Abwanderung der Bevölkerung durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Tourismusbranche zu stoppen. Mehrheitlich haben sich auch die Gemeinden finanziell an diesen Anlagen beteiligt, auch wenn Frau Bär den Kopf schüttelt. In Ihrer Begründung finden sich wirklich wunderschöne Zitate an die Adresse der Bergbevölkerung, die sich Mühe gibt, hier noch weiterzuleben. Wenn Sie von einer Mentalität schreiben, die die Umwelt nur zum Werkzeug momentaner Bedürfnisse reduziere, sie benutze wie einen Steinbruch, und sagen, dass wir schamlos für kurzlebige touristische Vergnügungen einstehen und manipulieren, ist das sicher nicht die Sprache, die Sie mit uns sprechen müssen, wenn Sie von uns eine Gegenleistung erwarten. In der letzten Woche hat z. B. die Seilbahn AG Blatten-Belalp publiziert, dass sie - aus den Erfahrungen der drei letzten Winter belehrt - unbedingt künstliche Schneeanlagen projektieren lassen müsse. Dieses Skigebiet liegt total oberhalb 2000 m. Ich gebe zu, es ist auf der Sonnenseite, und es gibt halt natürlich auf diesen Pisten Stellen und einzelne Abschnitte, auf denen man in einem Winter, wie es der letzte oder die letzten drei waren, eben nicht mehr skifahren kann. Ich selber bin Präsident einer Skilift- und Seilbahngesellschaft in Bellwald, und damit hätte ich hier auch meine Interessen dargelegt. Wir haben im letzten Winter das Problem für die Gemeinde Bellwald wirklich umfassend studiert, und wir haben am Schluss zwischen zwei Varianten zu wählen gehabt: Eine Variante bestand darin, dass wir die bestehende Sesselbahn demontieren und durch eine leistungsfähige, auskuppelbare Sesselbahn ersetzen, damit wir die Leute nach drei Uhr wieder zurück ins Dorf bringen, weil eben das unterste Teilstück dieser Piste in diesem Winter nicht befahren werden konnte und sich praktisch alle vier oder fünf Winter eine ähnliche Situation ergibt - und immer genau auf Weihnachten oder auch auf Ostern. Diese zusätzliche Investition ergab 7 Millionen Franken. Wir haben dann ein Schneekanonenprojekt studiert und dafür eine eigene Wasserversorgung mit einem kleinen Stausee vorgesehen, wir nehmen also das Wasser nicht aus der Trinkwasserversorgung; und obwohl wir auch die Elektrizitätsleitungen zusätzlich auf Platz bringen rnussten, kostet diese Schneeanlage lediglich 1 Million Franken. Sollen wir jetzt in Bellwald 7 Millionen Franken investieren, odersollen wir 1 Million investieren? Daher ist es einfach unsinnig, wenn Sie mit einem Verbot dieser Schneeanlagen kommen. Wenn Sie hier schon Zahlen, technische Werte bekanntgeben, dann bleiben Sie bitte bei der Realität. Ich kenne keine einzige Schneeanlage, wo man 22 000 Kilowattstunden pro Quadratmeter verbraucht. Seiler Hanspeter: Ich danke Herrn Schmid, dass er unsere touristische Landschaft so erhalten will, das ist an sich lobenswert. Ich muss ihm aber doch ein paar Sachen entgegenhalten. Ich nehme an, man weiss hier im Saal, dass ein grosser Teil, vielerorts der weitaus grossie Teil der Bevölkerung im Berggebiet direkt oder indirekt vom Tourismus lebt. Es wurden in einigen Orten wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, und man hat festgestellt, dass die Tourismusabhängigkeit bis zu 95 Prozent beträgt. Vergleicht man nun die Logiernächtezahlen als Massstab der touristischen Grosse und Bedeutung zwischen Sommer- und Wintersaison, so stellt man fest, dass für die weitaus meisten Orte im Berggebiet die Wintersaison Hauptsaison bedeutet. Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass die drei vergangenen Winter nicht zum Normalfall werden. Sollte dem so sein, so müsste man selbstverständlich eine Neuüberprüfung vornehmen. Es geht selbstverständlich auch nicht darum, dass in jedem Ort in eine grüne Landschaft mittels Kanone ein weisser Strich gezaubert werden soll. Es geht höchstens darum, Pisten auszubessern, Teilstücke, denen Schnee fehlt, zu ergänzen, zu vervollständigen. Man muss also quasi das Umgekehrte tun: in einer weissen Landschaft die grünen Flecken ausbessern, so wie man etwa in einem Kleid ein fehlendes Stück ersetzt. In Frage kommen sowieso nur Gebiete in einer noch zu bestimmenden Höhenlage, Gebiete auch, in denen genügend Wasser vorhanden ist, ohne dass die Trinkwassermenge in den Ortschaften davon berührt wird. Selbstverständ. lieh kann man nur sogenannte Niederdruckanlagen einsetzen, die verhältnismässig wenig Energie brauchen. Vieles muss in diesem Bereich eben noch gründlich abgeklärt werden. Ich kann Ihnen sagen, dass im Kanton Bern eben gerade eine paritätische Kommission eingesetzt wird, in der alle wichtigen Tourismusregionen vertreten sind, in der auch Vertreter der Verwaltung mitmachen und in welcher man umfassend Abklärungen vornehmen will, wo überhaupt und unter welchen Bedingungen es machbar wäre, sogenannte Schneekanonen einzusetzen. Es wäre unverständlich, wenn man hier mit der Ueberweisung als Motion all diese Untersuchungen und Abklärungen, die eben jetzt zumindest im Kanton Bern gerade anlaufen, verunmöglichen würde. Das sind Abklärungen und Untersuchungen, die zu einer sinnvollen Entscheidfindung beitragen könnten. Ich meine auch, in «Schneesachen» sollte der Bund nicht noch den Titel des Schneevogtes bekommen. Die Zahlen, wie sie Herr Schmid genannt hat, tönen zum Teil generell sehr gut. Ich möchte aber Herrn Schmid im nächsten Winter einmal einladen - ich werde -- 3 of 6 -7. Juni 1990 905 Motion Schmid ihm morgen eine solche Einladung bringen -, ins Berner Oberland zu kommen, egal ob Schnee liegt oder nicht, um zu schauen, wie das wirklich funktioniert und ob die Umwelt dann wirklich so beeinträchtigt wird, wie das Herr Schmid hier schwarzgemalt hat. Ich bitte Sie, den Vorstoss keinesfalls als Motion zu überweisen. Columberg: Ich möchte die Diskussion nicht verlängern. Ich bitte Sie aber, diesen Vorstoss sowohl als Motion wie als Postulat abzulehnen. Ich verstehe nicht, wieso der Bundesrat immer bereit ist, alle Interventionen zur Beruhigung der Geister als Postulat entgegenzunehmen. Wenn das Anliegen nicht begründet ist, sollte er den Mut haben und nein sagen. Mein Ablehnungsantrag erfolgt vor allem aus formellen Gründen: Die Regelung der Beschneiungsanlagen gehört in die kantonalen Baugesetze oder in die kantonalen Richtpläne, wenn Sie wollen, sicher aber nicht in ein Bundesgesetz. Ueberlassen Sie die Regelung der Beschneiungsanlagen den Kantonen, die dafür zuständig sind. Der Bund soll diese bewährte Zuständigkeitsordnung respektieren. Im Kanton Graubünden ist beispielsweise eine Volksinitiative betreffend Beschneiungsanlagen hängig. Der Grosse Rat hat sie letzte Woche behandelt und empfiehlt dem Volk deren Ablehnung. In diesem Fall kann das Bündner Volk darüber entscheiden. Das ist ein deutlicher Beweis, dass das eine kantonale Angelegenheit ist. Bleiben wir bei dieser Zuständigkeitsordnung! Materiell kann man selbstverständlich darüber diskutieren. Ich wäre auch nicht dafür, dass man ganze Hänge künstlich beschneien würde. Gewisse Einschränkungen sind sicher notwendig. Aber Herr Schmid hat ja selber gesagt, es gäbe Situationen, wo eine Beschneiungsanlage sinnvoll sei, weil sie die Saison verlängern, weil sie besonders gefährdete Engpässe zu überbrücken helfen kann. Der entscheidende Einwand aber ist: Wir haben genügend Bundesgesetze. Ueberlassen wir das den Kantonen. Die Kantone sind zuständig, und sie sind auch in der Lage, diese Frage selbständig zu regeln. Hari: Herr Schmid hat in der Begründung seiner Motion derart übertrieben und ist in seinem Votum so nahe an die Gürtellinie gegangen, dass ich auf eine Erwiderung im einzelnen verzichte und Sie dringend ersuche, im Sinne des Bundesrates die Motion abzulehnen und den Vorstoss als Postulat zu überweisen. Günter: Zu zwei Problemen:
1.
Herr Columberg, Sie sagen, es sei ein kantonales Problem. Ich stimme mit Ihnen überhaupt nicht überein. Es ist statt dessen eher ein internationales Problem. Hier gibt es nämlich ein technisches Hochrüsten. Gefragt wäre die Zusammenarbeit der Alpenländer, gefragt wäre der Verzicht auf grossflächige Beschneiungen in allen entsprechenden Gebieten, um nicht Wettbewerbsverzerrungen herbeizuführen. Ohne dies werden nämlich einige Orte, die es sich leisten können, beginnen, trotz allen Versprechungen grossflächig zu beschneien. Sie werden damit Reklame machen, was - wenn wieder ein so schneearmer Winter kommt - automatisch dazu führen wird, dass die Hysterie überall ausbricht. Wir erleben zum Beispiel in Grindelwald, dass man plötzlich Angst hat um den Winterverdienst, weil andere Orte Schnee haben und man selber keinen hat. Dann muss man auch Schneekanonen anschaffen, obwohl man das vielleicht gar nicht wollte und es sich nicht leisten kann. Diese Entscheidung führt dazu, dass die grossen Kurorte grösser werden und die kleinen kaputtgehen - also genau zum Gegenteil dessen, was wir mit unserer Regionalpolitik, die wir hier beschlossen haben, eigentlich erreichen möchten. Das ist aber nur die eine Seite des Problems. Glauben Sie im Ernst, dass es mehr Touristen gibt, wenn es mehr Beschneiungsanlagen gibt, oder dass die Leute im Bereich des alpinen Sportes insgesamt mehr Geld ausgeben? Der Verdienst wird sich allenfalls regional verlagern. Und was heisst das im Endeffekt? Mit den Beschneiungsanlagen treiben Sie die Sockelkosten hinauf, und der Verdienst nimmt ab, weil insgesamt nicht mehr Geld in den Sektor «alpiner Tourismus» fliesst. Es ist doch eine Illusion, anzunehmen, es würden mehr Leute Ski laufen! Sie werden einfach zu einem anderen Zeitpunkt und an einem anderen Ort Ski laufen, wenn die Schneekanonen den Schnee früher verfügbar machen. Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass Herr Schmid gesagt hat, Beschneien im grossen Ausmass solle verboten sein. Das soll verboten werden und nicht etwa das Beschneien der berühmten kurzen Waldschneise, die einen unteren und einen oberen Teil einer grossen Abfahrt miteinander verbindet; gegen eine solche Beschneiung hat wohl kaum jemand im Ernst etwas. Aber es gibt doch ganz klare ökonomische, nicht nur ökologische Gründe, die gegen eine breite Anwendung von Schneekanonen sprechen. Hier kann man nur eine Lösung finden, wenn die Alpenländer, die in diesem Bereich ihren Verdienst haben, zusammenarbeiten. Eine Delegation an den Kanton, dann an die Gemeinde und dann an jeden Skilift, eine solche Regelung ist die absolute Katastrophe! Das führt über kurz oder lang in das technische Wettrüsten hinein, wo die Kleinen kaputtgehen und allenfalls die Grossen vielleicht ihren Verdienst haben; gefragt ist aber eher die Abrüstung - auch im Interesse des Gewinns.
2.
Es kommt noch ein zweites Problem hinzu - das vergessen unsere Oberländer sehr gerne -: Der idealste Ort für eine Schneeanlage ist nämlich das Unterland. Schauen Sie einmal zum Gurten hinüber! Wenn Sie am Nordhang des Gurtens eine Beschneiungsanlage erstellen, kommt sie sehr billig zu stehen. Alles ist schon erschlossen; das Wasser ist da, der Strom ist da. Es ist eine sehr kalte Lage. Wenn Sie dort beschneien, können Sie im Winter drei Monate Ski laufen. Oekologisch wäre das sogar vernünftig. Dann würden 10 000 Leute dort Ski fahren und mindestens 5000 Autos weniger am Sonntag in der Gegend herumfahren. Aber was machen wir dann im Oberland? Unsere lieben Freunde der Touristik stellen sich immer vor, wie schön das wäre, wenn sie eine Schneekanone hätten, und überlegen sich nicht, dass die anderen dann auch eine hätten und dass insbesondere Orte Schnee erzeugen könnten, die das heute nicht tun. Praktisch in der Nähe jeder Grossagglomeration der Schweiz - ich habe das angeschaut - gibt es einen Hügel, wo Sie mit einfachstem Aufwand eine Beschneiungsanlage einrichten können, um im Winter zwei, drei Monate Ski zu laufen. Dann hätte Herr Schmid vielleicht nichts mehr gegen die Schneekanonen, denn die Oekobilanz wäre gegenüber dem heutigen Zustand positiv. Aber was machen wir dann im Oberland? Es ist ein Selbstschutz für das Oberland, wenn wir ganz vehement dafür eintreten, dass die Schneekanonen nur zur Lückenschliessung eingesetzt werden dürfen. Wenn wir das wollen, müssen wir den Bundesrat nicht nur beauftragen, in der Schweiz zu koordinieren. Wir müssen ihn beauftragen, mit den anderen Alpenländern und dort mit den entsprechenden Ministerien Kontakt aufzunehmen, damit sie es auch so machen. Sonst haben wir nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell das Nachsehen. Frau Stocker: Warum regt eine Schneekanone die Gemüter so stark auf? Vielleicht weil Kanonen immer ein bisschen aufregen. Ich wäre dafür, dass wir gar nicht erst aufrüsten. Aber im Ernst: Es ist doch hier letztlich die Debatte, ob der Rohstoff Natur nicht betriebswirtschaftlich zu Ende genutzt ist. Wir haben zum Teil fehlinvestiert. Wir haben eine Tourismusindustrie herangezüchtet, der die Natur nicht gewachsen ist. Sie hat ihre Eigengesetzlichkeit. Uebrigens wäre noch fraglich, ob auch die Menschen dieser Tourismusindustrie gewachsen sind; die Erholung Suchenden und die in der Tourismusindustrie tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Was verlangt mein Kollege Peter Schmid denn Absurdes? Er erwartet, dass wir nicht neue Sachzwänge schaffen, die dann den Teufelskreis von Uebernutzung und Selbstwehr der Natur in Gang setzen. Ich meine, Schneemangel über Jahre hinweg ist eine Selbstwehr der Natur. Vielleicht, Herr Schmidhalter, werden Sie eines Tages im Wallis dafür Ananasplantagen haben. Dann können wir wieder darüber diskutieren. Aber was Herr Schmid verlangt, ist, dass wir den Respekt vor der Eigengesetzlichkeit der Natur und des Lebendigen schützen, ernst nehmen - und beides nicht durch unseren Wahnsinn von -- 4 of 6 -Motion Schmid 906 N 7 juin 1990 Uebernutzung und deshalb auch Zerstörung weiter strapazieren. Sie haben die Grünen, meine Herrn von der SVP, jederzeit auf Ihrer Seite, wenn es um 'die Strukturerhaltung in den Berggebieten geht. Dann aber kommt von Ihnen: Wir sind freie Bürger, wir entscheiden selbst, das würde gerade noch fehlen, dass die Grünen kommen und sagen, wie wir in den Bergen zu wirtschaften hätten. Ich respektiere das, aber irgendeinmal müssen Sie auch gewärtigen, dass nicht wir Grünen - dafür sind wir zuwenig stark -, aber dass die Natur selbst Ihnen die Quittung präsentiert. Es geht hier darum, zu entscheiden, ob Sie eine Motion oder ein Postulat überweisen wollen. Es geht aber letztlich auch darum, zu entscheiden, ob Sie bereit sind, ein Zeichen zu setzen und damit eine Antwort zu geben auf die doch tendenziell sich zeigende Klimaveränderung bei uns. Ich wünschte mir, Sie wählten richtig. Fischer-Sursee: Zweifelsohne ist die künstliche Schnee-Erzeugung nicht ideal. Sie ist eine Notlösung, und zwar oft eine notwendige Notlösung. Wir haben leider bei unsern klimatischen Verhältnissen immer wieder Winter-die letzten drei haben es gezeigt -, wo ganze Skigebiete überhaupt nicht befahrbar sind. Ich war in diesem Winter in Zermatt, und zwar im tiefsten Winter, nämlich zweite Hälfte Januar. Man hätte ausser auf dem Theodul in Zermatt nirgends Ski fahren können, wenn nicht die schmalen Abfahrtspisten künstlich beschneit worden wären. Wir müssen nun einmal davon ausgehen, dass der Skisport bei uns in der Schweiz ein Breitensport ist. Jedermann, vor allem auch die Jugendlichen, fährt heute Ski. Im letzten Winter ist ungefähr die Hälfte der Skiorte ausgefallen, weil die Pisten nicht befahrbar waren. Das zweite, was wir sehen müssen: Unser Tourismus ist ein ausgesprochener Devisenbringer. Sie wissen, dass wir ein Handelsbilanzdefizit haben. Der Tourismus bringt uns ungefähr 10 Prozent der Exporterträge. Auch das müssen wir im Auge behalten. Bei der künstlichen Schnee-Erzeugung geht es nicht um eine grossflächige Beschneiung, sondern darum, dass wenigstens ein minimaler Skibetrieb in den Skiorten möglich ist. Es geht nicht um das Ziel, noch mehr Ski zu fahren, denn das kann man mit einer künstlichen Beschneiung überhaupt nicht erreichen. Diese Pisten sind gerade so schmal, dass man wenigstens fahren kann. Es geht also nicht um eine Uebernutzung, sondern um die Möglichkeit, eine minimale Nutzung zu erreichen. Darum geht es bei der künstlichen Schnee-Erzeugung. Sehen Sie die Lage konkret in den Skiorten und in der Hôtellerie. Es handelt sich darum, einen totalen Ausfall zu verhindern. Unsere Hôtellerie, die sowieso schon Probleme hat mit der Ertragsseite, können wir nicht noch mehr ins Abseits stellen, sonst haben wir dann das Problem, dass der Bund und die Kantone in die Hôtellerie noch zusätzlich Millionen stecken müssen. Dann geht es auch um das Personal in der Hôtellerie-Branche, darum, dass es nicht brotlos wird. Es geht aber auch vor allem um die Bergbevölkerung und die vielen Leute, deren Einkommen in diesen Kurorten gesichert werden muss. Herr Günter, es handelt sich nicht darum, das Unterland und den Gurten zu beschneien, da sind wir uns sicher einig. Daran denkt wahrscheinlich auch niemand, denn das wäre meines Erachtens wirklich verkehrt. Aber es geht doch darum, dass man dort, wo teure Installationen getätigt worden sind, um einen Breitensport für unser Volk zu ermöglichen, diese im Winter bei Schneeausfall - das haben wir ja erfahren - wenigstens minimal benützen kann und dass das Kapital nicht total brachliegt, sondern dass.minimale Erträge einfliessen, damit diese Unternehmen überhaupt überleben können. Schmid: Ich möchte feststellen, dass ich nach Reglement das Recht habe, zweimal zum gleichen Geschäft zu sprechen, also nicht nur eine persönliche Erklärung abzugeben. Ich möchte kurz noch auf einige Voten eingehen. Herr Schmidhalter, Sie fragen sich, was das heisst: Schneeanlagen grossen Stils. Ich glaube, mit etwas gesundem Menschenverstand kann man das schon eruieren, wenn man will. Ich habe ausdrücklich gesagt: Wenn es um exponierte Stellen geht, die man ausbessern will, bin ich einverstanden, dagegen habe ich nichts. Die Zahlen zum Energieverbrauch kann ich Ihnen noch schriftlich nachliefern. Ich habe sie nicht da, aber ich habe sie nicht aus der Luft gegriffen. Die Unterlagen über die Verhältnisse habe ich von Fachleuten schriftlich bekommen. Herr Hanspeter Seiler, ich habe nichts gegen die Ausbesserungen. Es geht aber darum, dass man riesige Pisten beschneit, wenn es keinen natürlichen Schnee hat. Das finde ich Unsinn. Ihre Einladung verdanke ich. Ich hatte einmal das Vergnügen, nach Savognin eingeladen zu werden; insofern bin ich darüber orientiert. Gerade aus jenen Bereichen gibt es einige Bilder und unrühmliche Beispiele, wie es herauskommt, wenn die Piste immer noch weiss ist, wenn der Frühling schon längst eingekehrt ist. Herr Columberg, ich muss darauf nicht näher eingehen, Herr Günter hat sich dazu bereits geäussert. EEs ist sicher nicht sinnvoll, wenn ein Kanton einseitig sagt, er verzichte darauf, und die anderen machen dann nachher das Geschäft. Ob das dann ein Vergnügen ist, den Touristenstrom über sich ergehen zu lassen, ist allerdings eine andere Frage. Das können wir nicht so regeln, und wenn Sie sagen, man müsste das ins Baugesetz nehmen, müssen Sie zugeben, dass Sie auch dagegen wären, dass man ein solches Verbot ins Baugesetz hineinnimmt! Also da müssen wir schon mit offenen Karten spielen. Dann haben Sie gesagt, das Bündnervolk könne darüber entscheiden. Das ist richtig, aber ich finde, dass es eben sinnvoll wäre, wenn wir das gesamtschweizerisch regeln, damit die Bündner nicht das Nachsehen haben. Ich sage nicht, dass die Initiative nicht sinnvoll ist. Ich weiss sogar, dass diese Initiative bereits etwas ausgelöst hat. Es gibt andere Kantone, es gibt sogar Länder, in Oesterreich das Bundesland Vorarlberg zum Beispiel, die sich sehr interessieren für die Initiative, auch für meinen Vorstoss, weil sie eben nachziehen möchten. Auch Herr Fischer-Sursee geht offenbar davon aus, dass man immer mehr beschneien muss, weil es immer weniger Schnee gibt, und dass man sogar grosse Gebiete beschneien muss. Das ist jedoch nicht sinnvoll. Es kann vielleicht sein, dass sich das Problem von selber erledigt, weil wir immer schneeärmere Winter haben werden, aber dann ist es um so wichtiger, dass wir uns jetzt schon überlegen, wie wir den Tourismus anders und sinnvoller gestalten können. Dann sind wir gewappnet, wenn allenfalls die Klimaveränderungen dazu führen, dass wir ohne Schnee auskommen müssen. Skisport sei ein Breitensport, sagt Herr Fischer. Ja, das ist richtig; ich meine nur, wir müssen uns vielleicht einmal Gedanken machen, ob es nicht auch noch anderes gibt als nur Massen- und Breitensport. Ich möchte Sie daher bitten, meinen Vorstoss als Motion zu überweisen. 72 Kolleginnen und Kollegen haben ihn seinerzeit unterschrieben. Wenn wir mit dem guten Beispiel vorangehen, werden andere nachfolgen, denn im Grunde haben wir die Grenzen des Wintertourismus schon längst erkannt. Abstimmung - Vote Eventuell - A titre préliminaire Für Ueberweisung als Postulat 55 Stimmen Für Ueberweisung als Motion 30 Stimmen Definitiv-Définitivement Für Ueberweisung des Postulates 35 Stimmen Dagegen 46 Stimmen -- 5 of 6 -Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Motion Schmid Verbot von künstlichen Schneeanlagen Motion Schmid Production de neige artificielle. Interdiction In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 04 Séance Seduta Geschäftsnummer 88.540 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 07.06.1990 - 15:00 Date Data Seite 902-906 Page Pagina Ref. No 20 018 640 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
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