89-345
Verwaltungsbehörden 23.06.1989 89.345
23. Juni 1989Deutsch10 min
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23. Juni 1989 N 1173 Interpellation Günter Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 17. Mail989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 17 mai 1989 Le Conseil fédéral suit de près les travaux relatifs aux effets sur l'homme et l'environnement de l'accident du réacteur à Tchernobyl. Les publications et les conférences des organisations internationales telles que l'Agence internationale de l'énergie atomique (AIEA), l'Organisation mondiale de la santé (OMS), le Comité scientifique sur les effets des rayonnements ionisants de l'ONU (UNESCAR) et autres, sont les principales sources d'information. Les recommandations établies sur la base des résultats de ces travaux par la Commission internationale de la radioprotection seront prises en considération dans l'application de la loi sur la radioprotection. Le Conseil fédéral informera le Parlement dès que de nouvelles données scientifiques importantes seront connues. Les services fédéraux compétents examinent actuellement l'opportunité d'envoyer des experts suisses dans la région de Tchernobyl. Le délégué de l'Union soviétique à l'AEA a en effet déclaré lors d'une réunion d'experts, tenue du 12 au 16 décembre 1988 et portant sur la «planification de l'assainissement, de la décontamination et du contrôle de grandes régions contaminées par la radioactivité», que d'autres Etats pourraient participer, dans le cadre d'une expédition scientifique à Tchernobyl, à des essais d'assainissement et de décontamination en vue de récupérer les territoires contaminés. Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundesrates befriedigt. #ST# 89.345 Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Production de gaz carbonique en Suisse Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989
Erwägungen
1.
Der Bundesrat wird um Auskunft gebeten über die Grössenordnung der natürlichen und zivilisatorischen COa-Produktion in unserem Land.
2.
Zusätzlich wird er gebeten, Auskunft zu geben über die Grössenordnung (in Prozenten und in Tonnen) und über die Aufteilung der zivilisatorischen CO2-Produktion (Stichworte: Privatverkehr, Schwerverkehr, öffentlicher Verkehr, Heizungen, Warmwasserproduktion, Industrie, Landwirtschaft, weitere grössere Erzeuger).
3.
Nachdem die Diskussion um die Wirkung des steigenden COa-Gehaltes auf das globale Klima angelaufen ist, wird der Bundesrat gebeten, seine heutige Meinung kundzutun, bei welchem der unter Punkt 2 erwähnten COa-Erzeuger eine Reduktion am ehesten zu bewerkstelligen wäre. Texte de l'interpellation du 1er mars 1989 Le Conseil fédéral est invité
1.
à fournir des renseignements sur l'ordre de grandeur des quantités de COa produites dans notre pays (par la nature et par la société);
2.
à donner des indications sur l'ordre de grandeur des quantités de COa produites par la société (en tonnes et en pour cent) ainsi que sur l'origine de ce COa (véhicules de tourisme, poids lourds, transports publics, chauffages, production d'eau chaude, industrie, agriculture et autres);
3.
à dire, maintenant que l'on commence à se préoccuper des effets de l'augmentation des quantités de COa sur le climat, sur laquelle des sources de COa énumérées au chiffre 2 il serait possible d'agir le plus efficacement. Mitunterzeichner - Cosignataires: Diener, Dünki, Grendelmeier, Jaeger, Maeder, Meier-Glattfelden, Müller-Aargau, Weder-Basel, Widmer, Wiederkehr, Zwygart (11) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 5. Juni 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 5 juin 1989 Der Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe (Erdöl, Kohle, Erdgas) in Industrie.Haushalten und Verkehr, die Herstellung und der Verbrauch von chemischen Substanzen, die Intensivnutzung in der Landwirtschaft sowie die Wald- und Bodenzerstörung sind die wichtigsten anthropogenen Quellen von Kohlendioxid (COa) und anderen klimawirksamen Spurengasen (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW), Methan (CH4), Lachgas (Na) und troposphärisches Ozon (Oa)). Sie verursachen weltweit signifikante Aenderungen der Spurengaszusammensetzung in der Atmosphäre. Als Folge davon kommt es'ähnlich wie in einem Treibhaus zu einer Aufheizung der Atmosphäre, dem Treibhauseffekt. Die COa-Emissionen stammen sowohl aus natürlichen als auch aus anthropogenen Quellen. Auf natürliche Art gelangt das COa in die Atmosphäre durch den Abbgau organischen Materials durch Bodenlebewesen sowie durch die Respiration (Atmung) der Pflanzen, Tiere und Menschen. Im natürlichen Kreislauf des Kohlenstoffs werden aber durch Photosynthese der Pflanzen gleichzeitig wieder grosse Mengen COa aus der Atmosphäre entfernt; damit wird die organische Substanz aufgebaut (Assimilation), so dass der naturbedingte COa-Gehalt der Atmosphäre annähernd ausgeglichen bleibt. Ueberlagert ist nur eine jahreszeitlich bedingte Schwankung in der Konzentration (höher im Winterhalbjahr, tiefer in der Vegetationsperiode). Auch an der Oberfläche der Ozeane findet mit der Atmosphäre ein langsamer COa-Austausch statt. Weltweit werden die Austauschflüsse zwischen Atmosphäre und Ozeanen sowie zwischen Landvegetation und Atmosphäre um einen Faktor 10 höher als die anthropogenen Emissionsflüsse geschätzt. Der anthropogene COa-Ausstoss ist zwar - verglichen mit der natürlichen Freisetzung - kleiner, setzt aber zusätzlichen in den Sedimenten gebundenen Kohlenstofffrei und stört damit das natürliche Gleichgewicht. Da die relativ rasche Zunahme des anthropogenen COs nicht durch die langsame Aufnahme in die COa-Speicher (Ozeane) kompensiert wird, erfolgt eine Anreicherung von COa in der Atmosphäre. Neben der Zunahme der COa-Konzentration erhöht sich die Konzentration anderer klimawirksamer Spurengase wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe, Methan, Lachgas und troposphärischem Ozon zum Teil noch schneller. Gegenwärtig tragen diese und andere Spurengase etwa gleichviel zum Treibhauseffekt bei wie das COa. Die Gefahr einer Klimaänderung ist deshalb nicht allein auf die COa-Zunahme zurückzuführen, sondern nach heutigem Kenntnisstand auf rund 40 klimawirksame Spurengase. Die Erwärmung ist jedoch nur ein Aspekt möglicher Beeinflussungen des Klimageschehens. Mit Sicherheit ist auch mit Veränderungen des globalen atmosphärischen Druck- und Zirkulationssystems sowie der Niederschlagsverteilung zu rechnen. Regional und jahreszeitlich führt dies zu ganz unterschiedlichen Auswirkungen, wie der Beeinträchtigung aquatischer und terrestrischer Oekosysteme sowie der Ressourcenverfügbarkeit wie Nahrung und Wasser und damit der Lebensgrundlagen überhaupt. Um die «Klimagefahr» abzuwenden, müssen sowohl die Emissionen von COa als auch diejenigen der ändern Spurengase(FCKW, CHi, NaO usw.) global drastisch reduziert werden. Die energiebedingten Emissionen, insbesondere von Luftschadstoffen, lassen sich durch technische Massnahmen und eine rationelle Energienutzung wesentlich verringern. Die rationelle Energienutzung ist der direkteste und schnellste Weg zu einer umfassenden Entschärfung nicht nur des COa-Klimaproblems, sondern auch vieler weiterer Umweltprobleme. Der Bundesrat misst daher der rationellen Energieverwendung zentrale Bedeutung zu. Er unterstützt Massnahmen zur Verringerung des Energieverbrauchs und fördert den Ausbau risikoarmer erneuerbarer Energiequellen (Windener-- 1 of 3 -Interpellation Günter 1174 N 23 juin 1989 gie, passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie, Bioenergie, geothermische Energie, Verbesserung des Wirkungsgrades der Wasserkraftwerke). Auch die Verwendung von Energieträgern mit geringen Luftfremdstoff-Emissionen und die Nutzung der Kernenergie zur Wärme- und Elektrizitätserzeugung anstelle fossilthermischer Anlagen können dazu beitragen, die Luftbelastung zu vermindern. Auf Bundesebene können die beschlossenen bzw. eingeleiteten Massnahmen im Bereich Energie und im Bereich Luftreinhaltung zur Nutzung des Energiesparpotentials und zur Reduktion der Luftschadstoffemissionen beitragen. Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt Stellung:
1.
Die Zunahme der COs-Konzentration in der Atmosphäre ist ein globales Problem. Eine Bilanzierung zwischen natürlichen und anthropogenen Emissionsflüssen einzelner Länder ist nicht sinnvoll. Die industrialisierten Länder in Nordamerika und Europa sowie die Sowjetunion, Japan und Australien tragen gegenwärtig zu 75 Prozent der anthropogenen COs-Emissionen bei. Diese Länder mit ihrem hohen Energieverbrauch und einem Anteil von 25 Prozent an der Weltbevölkerung sind die Hauptverursacher der steigenden COa-Belastung. Für die Schweiz heisst dies beispielsweise, dass sie mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von etwa 1 Promille mit rund 2 Promillen zum weltweiten COa-Ausstoss beiträgt und knapp 4 Promille des statistisch erfassten Energieverbrauchs beansprucht. Die Schweiz gehört mit gegen 7 Tonnen COa pro Einwohner zu den Ländern mit hohen COa-Emissionen pro Kopf der Bevölkerung.
2.
Der jährliche Verbrauch fossiler Energien verursacht in der Schweiz rund 42,5 Millionen Tonnen COa-Emissionen. Im Jahre 1987 verteilten sich (gemäss Bundesamt für Energiewirtschaft, Gesamtenergiestatistik 1987, SEV-Bulletin Nr. 12/ 1988, und Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Schriftenreihe Umweltschutz Nr. 55 und 76) die Anteile der verschiedenen Verbrauchssektoren wie folgt: COa-Emissionen prozentuain Mio. Tonnen 1er Anteil Haushalte Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienstleistungen - Industrie - Gewerbe, Landwirtschaft, Dienstleistungen Verkehr - priv. Personenverkehr - priv. Schwerverkehr - Flugverkehr - öffentlicher Verkehr Total COa-Emission 5,9 7,4 8,7 1,9 3,0 2,3 42,5 Mio t 13,3 31,2% 13,3 31,3% 13,9% 17,4% 15,9 37,5% 20,4 % 4,5 % 7,1 % 5,5 % 100% Die verschiedenen Quellengruppen tragen wie folgt zur Gesamtemission bei: Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienstleistungen etwa 1/3, die Haushalte ebenfalls 1/3 und der Verkehr über 1/3. Innerhalb des Verkehrs ist der private Strassenverkehr die grösste Quellengruppe mit einem Anteil von rund
25.
Prozent.
3.
Die COa-Emissionen verlaufen parallel zum Verbrauch fossiler Energien. Technische Massnahmen zurCOa-Abscheidung aus dem Abgasstrom und zur COa-Speicherung und -Entsorgung sind nur beschränkt denkbar, extrem aufwendig und damit unwirtschaftlich. Die Reduktionsmöglichkeiten liegen deshalb im Bereich rationeller Energienutzung, der Energieeinsparungen und des Ersatzes fossiler Energien durch nichtfossile Energien. Priorität müssen aufgrund von Kosten-/Wirkungsüberlegungen Massnahmen für eine rationelle Energienutzung haben. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass die technischen Energiesparmöglichkeiten gross sind: Der durchschnittliche spezifische Energieverbrauch der bestehenden Anlagen, Fahrzeuge und Geräte ist in vielen Anwendungen zwei- bis fünfmal so gross wie der optimale Verbrauch der heute bekannten energieeffizientesten Technologien. Die realisierbaren Einsparungen sind geringer als die technischen Potentiale, da diese in der Regel nur beim Ersatz der bestehenden Installationen genutzt werden können. Wie der Bundesrat in seiner Botschaft zur Ausstiegs- und der Moratoriumsinitiative darlegt, ermittelte die Expertengruppe Energieszenarien (EGES) bei einer starken Politik der rationellen Energieverwendung Einsparungen an Endenergie von 18 Prozent bis zum Jahre 2005 und von 33 Prozent bis zum Jahre 2025 gegenüber einer Politik ohne zusätzliche Sparmassnahmen. Weitere Reduktionsmöglichkeiten lassen sich durch eine Aenderung der Lebensgewohnheiten mit weniger energieintensivem Lebensstil erzielen, die aber eine entsprechende Bereitschaft der Bevölkerung voraussetzt. Auch beim Ausbau umweltfreundlicher erneuerbarer Energien ist das technische Potential beachtlich, jedoch in der Regel noch nicht wirtschaftlich. Die Verminderung des Energieverbrauchs und damit auch die Reduktion der COa-Emissionen sind nicht mit einer einzigen Massnahme allein zu erreichen, sondern erfordern zahlreiche einzelne Anstrengungen in jedem Verbrauchssektor. In den verschiedenen Sektoren stehen folgende Massnahmen im Vordergrund: Haushalte (Heizungen, Warmwasserproduktion): -Wärmetechnische Sanierung von bestehenden Gebäuden und Neubauten (verschärfte Normen) - individuelle Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung - Optimierung und Wirkungsgradverbesserung der Feuerungen, Heizungssysteme und Wassererwärmer Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft/Dienstleistungen: - Bessere Nutzung von Prozessenergie - Nutzung der Wärme und Abwärme, zum Beispiel von Industrie- und Kehrichtverbrennungsanlagen - verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien wie Wasserkraft, Sonnenenergie, Biomasse/Biogas, Holz und Umgebungsenergie Verkehr: - Vermehrte Förderung des öffentlichen Personen- und Güterverkehrs (z. B. «Bahn 2000» und Neat) - Reduktion des spezifischen Treibstoffverbrauchs - sparsamerer Umgang mit Treibstoff Die Realisierung der aufgezeigten Sparpotentiale erfordert das Bereitstellen zusätzlicher gesetzlicher Instrumente, Investitionen in Energiesparen und Erschliessung erneuerbarer Energien, technische Innovationen, Anstrengungen bei der Information, Ausbildung, Forschung und Entwicklung sowie die Bereitschaft der Bevölkerung, ihr Verhalten zu ändern. Der Bundesrat ist der Meinung, dass mit den von ihm beantragten bzw. eingeleiteten Massnahmen im Bereich der Energie (Energieartikel, Energienutzungsbeschluss und Energiegesetz) und des Luftreinhaltekonzeptes ein erheblicher Beitrag zur Energieeinsparung und damit auch zur Reduktion der COa-Emissionen geleistet werden kann. Die Lösung des COa-Problems ist eine globale Aufgabe. Die Schweiz trägt zum weltweit anthropogenen COa-Ausstoss rund 2 Promille bei. Internationale Zusammenarbeit und Massnahmen auf globaler Ebene sind deshalb unabdingbar. Dabei haben die Industriestaaten mit hohem Energieverbrauch pro Kopf der Bevölkerung eine besondere Verantwortung. Der Bundesrat ist gewillt, die internationale Zusammenarbeit zu unterstützen und einen aktiven Beitrag zur Lösung des COa-Problems zu leisten. Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesrates befriedigt.
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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Günter CO2-Produktion in der Schweiz Interpellation Günter Production de gaz carbonique en Suisse In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band III Volume Volume Session Sommersession Session Session d'été Sessione Sessione estiva Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 16 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.345 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 23.06.1989 - 08:00 Date Data Seite 1173-1174 Page Pagina Ref. No 20 017 533 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
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