89-607
Verwaltungsbehörden 14.12.1989 89.607
14. Dezember 1989Deutsch11 min
Source admin.ch
14. Dezember 1989 841 Interpellation Gautier bestimmte Probleme gerade im Hinblick auf die «Altersfeindlichkeit». Diese Finanzierung über das Umlageverfahren ist sehr direkt abhängig von der Anzahl der Erwerbstätigen; die demographischen Entwicklungen schlagen beim Umlageverfahren voll durch. Auch hier muss man ein Fragezeichen machen, ob genau das nun diesen Sorgen, die Sie zu Ihrem Postulat veranlasst haben, Rechnung trägt. Wenn Sie den Ueberhang an Rentnern gegenüber den Erwerbstätigen auffangen wollen, so scheint es mir widersinnig, auf ein reines oder doch schwergewichtig umlagegerichtetes System bauen zu wollen. Unser Drei-Säulen-Prinzip mit den zwei tragenden Säulen - AHV und berufliche Vorsorge - trägt den wechselnden Bedingungen der Bevölkerungsbewegung und dem Wirtschaftsgang weit besser Rechnung als eine allgemeine Volkspension. Die unterschiedlichen Finanzierungsweisen in der ersten und der zweiten Säule reagieren auf die einzelnen Faktoren, auf die einzelnen Parameter, recht verschieden und zum Teil komplementär. Das Umlageverfahren reagiert sehr direkt auf die Démographie, auf die Wirtschaftslage, auf die Inflation. Bei der Kapitaldeckung ist dies nicht der Fall, weil jeder sein eigenes Alterskapital anspart. Hingegen ist die Kapitaldeckung sehr betroffen von Zinsschwankungen, was wiederum bei den Umlageverfahren keine Rolle spielt. Unser Vorsorgekonzept hat zum Ziel, die gewohnte Lebensweise im Alter zu garantieren. Das ist ein hohes Ziel! Es ist fraglich, ob das mit einer Volkspension erreicht werden könnte. Schon gar nicht könnte es vermutlich erreicht werden mit einer einfachen Administration. Mit einer einfachen Administration lässt sich auf die verschiedene Ansprüche entsprechend der Lohnhöhe nicht Rücksicht nehmen. Dieses Postulat gibt mir Gelegenheit, meiner Besorgnis Ausdruck zu geben über den - ich möchte sagen - etwas leichtfüssigen Umgang mit unserer Vorsorgeordnung. Es zeigt sich - das meine ich jedenfalls -, dass das Schweizervolk anno 1972, als es dem Drei-Säulen-Prinzip zugestimmt hat, eine gute Wahl getroffen hat. Da kaum anzunehmen ist, dass man das damals schon in den Einzelheiten überblickte, könnte man vielleicht hier das Bild vom blinden Huhn und der Erbse brauchen. Ich meine, was wir in den letzten Jahrzehnten mit Hangen und Würgen geschaffen haben, ist so schlecht nicht. Gewiss, es kann und soll verbessert werden. Ich denke an die kleinen Renten, die verbessert werden müssen, auch an die Verbesserung der Ergänzungsleistungen. Ich denke an den mangelhaften Teuerungsausgleich in der zweiten Säule, und ich meine auch, dass man über eine Akzentverschiebung zwischen der ersten und der zweiten Säule diskutieren kann. Das liegt durchaus drin und ist denkbar und vermutlich sogar vernünftig. Warnen möchte man aber vor dem Unterfangen, die erste und die zweite Säule zu vereinigen. Die berufliche Vorsorge ist nicht in einem Vakuum geschaffen worden, sondern in einem Umfeld, in welchem seit Jahrzehnten dezentrale berufliche Vorsorgeeinrichtungen bestanden haben. Die berufliche Vorsorge, d. h. das Gesetz, das wir dazu geschaffen haben, hat nur Lücken geschlossen und vielleicht 20 Prozent der Arbeitnehmer wirklich Neues gebracht. Neu und sehr fortschrittlich war die Einführung der paritätischen Verwaltung, eine echte Mitbestimmung der Arbeitnehmer. Diese Errungenschaft ist nicht hoch genug einzuschätzen, auch wenn sie da und dort noch nicht zufriedenstellend funktioniert. Bezüglich der zweiten Säule sind wir also weder von den Launen eines Parlamentes noch vom Kassenstand der Bundesfinanzen, noch von den Einnahmen aus einer Mehrwertsteuer abhängig. Angesichts des schleppenden Ganges der 10. AHV-Revision - massgeblich bedingt durch finanzielle Probleme - ist der Ruf nach einer Volkspension für mich unverständlich. Wollen Sie wirklich mit Ihrer ganzen Alterssicherung an diesem einen Faden hängen? In der Bundesrepublik lebt die Volkspension trotz Milliardenzuschüssen aus der öffentlichen Hand von der Hand in den Mund. Wir haben allen Grund, mit unseren sozialen Errungenschaften sorgsam umzugehen. Die soziale Sicherheit ist ein Unterfangen, das langfristig angelegt sein will. Wir stehen nicht am Anfang, sondern wir stehen - Gott sei Dank! - in einer Konsolidierungsphase. Ein Zickzackkurs bringt uns nicht vorwärts. Ueberwiesen - Transmis #ST# 89.607 Interpellation Gautier Totalrevision der Krankenversicherung und Motion der Räte betreffend deren Finanzierung Assurance-maladie. Révision totale et motion sur le financement Wortlaut der Interpellation vom 20. September 1989 Am 28. August hat der Bundesrat bekanntgegeben, er habe einer Expertenkommission den Auftrag erteilt, einen Vorentwurf für eine Totalrevision des Krankenversicherungsgesetzes auszuarbeiten. Der Bundesrat hat für diese Revision Grundsätze aufgestellt. Anderseits ist die Motion einer Nationalratskommission über die Finanzierung der Krankenversicherung, die vom Bundesrat angenommen und von beiden Räten oppositionslos überwiesen wurde, noch nicht erfüllt worden. Diese Motion verlangte folgendes: «Der Bundesrat wird eingeladen, dem Parlament eine Vorlage über die Finanzierung der Krankenversicherung (Krankenpflege) zu unterbreiten, mit dem Ziel, die Beiträge nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der Versicherten auszurichten.» Wie mir scheint, tragen die Grundsätze des Bundesrates zuhanden der Expertenkommission dieser Motion nicht, oder jedenfalls nicht genügend, Rechnung. Kann mir der Bundesrat sagen, was im Rahmen der Totalrevision des Krankenversicherungsgesetzes mit dieser Motion geschieht? Wird die Expertenkommission beauftragt, sie zu verwirklichen? Texte de l'interpellation du 20 septembre 1989 Le 28 août, le Conseil fédéral a annoncé, au cours d'une conférence de presse, la désignation d'une commission d'experts, chargée de préparer un avant-projet de révision totale de la Loi sur l'assurance-maladie. Le Conseil fédéral a adressé à cette commission des directives pour cette révision. D'autre part, une motion sur le financement de l'assurancemaladie, déposée par une commission du Conseil national, acceptée par le Conseil fédéral et approuvée sans opposition par les deux conseils, n'a pas encore été réalisée. Cette motion demande: «Le Conseil fédéral est invité à présenter au Parlement un projet sur le financement de l'assurance-maladie (soins médicaux et pharmaceutiques) prévoyant que les subventions fédérales seront réparties en fonction de la situation économique des assurés.» Il me semble que les directives du Conseil fédéral à la commission d'experts ne tiennent pas compte de cette motion, ou en tout cas pas de manière suffisante. Le Conseil fédéral peut-il me dire quel sort il compte donner à cette motion dans le cadre de la révision totale de la Loi sur l'assurance-maladie et si la commission d'experts sera chargée de la réaliser? Mitunterzeichner - Cosignataires: Béguin, Cavadini, Cottier, Delalay, Ducret, Jelmini, Reymond (7) M. Gautier: Je vais tenter d'être très bref pour deux raisons: d'abord, j'ai déjà beaucoup parlé ce matin et ensuite, Monsieur le Conseiller fédéral, vous avez eu hier un long débat sur l'assurance-maladie au Conseil national, je ne veux donc pas le renouveler.
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Pétitions 842 14 décembre 1989 L'un des problèmes les plus difficiles que pose la révision de l'assurance-maladie est celui de son financement. La hausse des coûts, même si on peut espérer l'endiguer, ne peut être compensée que par deux moyens: l'augmentation des cotisations ou celle des subventions. Côté cotisations, on est arrivé à un niveau qui devient intolérable pour les catégories économiquement faibles ou même moyennes, pour les familles nombreuses et pour beaucoup de personnes âgées. Quant aux subventions, la Caisse fédérale, sans être tout à fait vide, n'est pas inépuisable même si hier elle a pu accorder ce que propose le Conseil national, c'est-à-dire 300 millions de francs supplémentaires pour subventionner l'assurance-maladie. Il existe probablement un troisième moyen, celui que demande la motion sur le financement, et qui consisterait à mieux répartir les subventions fédérales. Si l'on renonçait au fameux système de l'arrosoir qui amène à verser la même subvention au président-directeur général d'une grande multinationale qu'à une personne âgée et économiquement faible, on pourrait augmenter considérablement l'aide apportée à ceux qui en ont réellement besoin. Il est évident que poury parvenir, il faut modifier fondamentalement le système du subventionnement, en particulier, subventionner non plus les assureurs, mais les assurés individuellement. On pourrait, par exemple, instituer un système comme celui proposé par les assureurs privés et leur association (AMA ou en allemand PKU). Ce système consisterait à admettre que la part des cotisations à l'assurance-maladie, qui dépasse un certain pourcentage du revenu imposable, serait prise en charge par les pouvoirs publics, Confédération et cantons réunis. Cette prise en charge pourrait entre autres se faire sous forme d'une déduction du bordereau de l'impôt fédéral direct, voire des impôts cantonaux. Du reste, ce n'est là qu'une des formules possibles. Ce qui m'intéresse aujourd'hui avant tout, c'est de savoir si la motion va être réalisée et si la commission que préside notre collègue Schoch a reçu des directives dans ce sens. M. Cotti, conseillerfédéral: L'interpellation de M. Gautier invite le Conseil fédéral à dire quelles suites seront données à la motion de 1990 qui concerne en particulier les assurés à revenus modestes. Si j'ai bien compris M. Gautier, il part de l'hypothèse que, dans le mandat du Conseil fédéral à la commission présidée par son confrère M. Schoch, ce sujet ne serait pas traité. Or, je dois tout de même le corriger. Je signale en particulier le principe 33 dans lequel on indique exactement, comme finalité, la nécessité d'alléger les cotisations des assurés à revenus modestes. A mon avis, cela revient exactement à la finalité que poursuivent M. Gautier et le Conseil fédéral. Il est donc certain que le problème est soumis à la commission et il n'y a pas de doute que ce mandat précis du Parlement seul mandat parlementaire en cette matière qui existe actuellement - sera pris en compte lors de la révision. M. Gautier: Je suis satisfait et je remercie le Conseil fédéral. #ST# Petitionen - Pétitions 89.267 Bohrer Elisabeth. Solidarität gegenüber der Dritten Welt Bohrer Elisabeth. Solidarité avec le tiers-monde Herr Schmid unterbreitet im Namen der Petitions- und Gewährleistungskommission den folgendem schriftlichen Be-
Erwägungen
1.
Mit Eingabe vom März 1989 reichte Frau Elisabeth Bohrer mit zahlreichen Mitunterzeichnern eine Petition ein. Die Petenten rufen zur Solidarität gegenüber der Dritten Welt auf. Die wachsende Verschuldung verleite die Regierungen zum Abholzen und Abbrennen der Regenwälder, wodurch die Lebensgrundlage der ganzen Erde aus dem Gleichgewicht gebracht werde. Die Petenten fordern das Parlament auf, die nötigen Schritte zu unternehmen und die Hilfe, die der Schweiz auf politischer Ebene möglich ist, zu veranlassen.
2.
Die Petitions- und Gewährleistungskommission befasste sich am 20. Oktober 1989 mit dieser Eingabe. Sie holte dazu eine Stellungnahme des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten ein und kommt mit diesem zu folgenden Schlüssen:
21.
Für die Verwaltung der Naturschätze innerhalb ihrer nationalen Grenzen sind die jeweiligen Regierungen verantwortlich. Wenn Fehlentwicklungen durch äussere Gegebenheiten mitverursacht werden oder grenzüberschreitende Folgen haben, und beides trifft für die Zerstörung der tropischen Regenwälder zu, dann ist auch die Verantwortung der Nachbarstaaten und der internationalen Gemeinschaft angesprochen. Der Aktionsplan zum Schutz tropischer Regenwälder, in dem eine Reihe von staatlichen und nichtstaatlichen internationalen Organisationen unter der Leitung der FAO zusammenarbeiten, schlägt als konkrete Rettungsmassnahmen beispielsweise vor, den Raubbau an den tropischen Hölzern durch die Preispolitik einzudämmen oder den Nachlass von Schulden durch die Schaffung von Naturschutzgebieten abzugelten. Zur Förderung einer dauerhaften, umweltgerechten Nutzung der tropischen Regenwälder wurden das Internationale Tropenholzabkommen abgeschlossen und die Internationale Tropenholzorganisation mit Sitz in Yokohama geschaffen. Das Abkommen, das 1985 in Kraft trat und dem auch die Schweiz angehört, will lautArtikeM die «Erarbeitung von nationalen Politiken mit dem Ziel ermutigen, die Nutzung und Erhaltung der Tropenwälder und ihrer genetischen Ressourcen nachhaltig sicherzustellen und das ökologische Gleichgewicht der betroffenen Regionen zu bewahren». Die Konferenz «Silva», die Anfang Februar 1986 in Paris stattfand, trug insbesondere zu einer Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen europäischen und afrikanischen Staaten zur Rettung der Tropenwälder bei. Es ist erklärte und zunehmend auch tatsächliche Politik der in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen internationalen Organisationen, der regionalen Entwicklungsbanken, der Internationalen Entwicklungsagentur (Ida), des Internationalen Währungsfonds (IMF) und - wie deren Präsident Barber Conable an seinem Besuch in der Schweiz Ende April ausdrücklich bestätigte - der Weltbank, die Anforderungen des Naturund Umweltschutzes konsequenter als bisher in ihre Aktivitäten einzubeziehen. Die gleiche Forderung richtet sich auch an die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit.
22.
Die Schweiz leistet in ihrem eigenen Interesse einen aktiven und überzeugten Beitrag an die internationalen Bestrebungen zur Erhaltung unserer natürlichen Umwelt, zur Verhinderung von Umweltschäden und zu ihrer Behebung. Was die tropischen Regenwälder betrifft, sei diese allgemeine Feststellung noch durch zwei konkrete Beispiele illustriert, nämlich die Beteiligung der Schweiz an einem Projekt der Internationalen Tropenholzorganisation mit Gesamtkosten von 3 Millionen Dollar zur Erhaltung von 1000 km2 tropischen Regenwaldes im brasilianischen Bundesstaat Acre und das integrierte Programm der Entwicklungszusammenarbeit mit Madagaskar.
23.
Die Kommission begrüsst den Beschluss des Nationalrates, den Anliegen der Petenten mittels eines Postulats Nachachtung zu verschaffen. Antrag der Kommission Die Kommission beantragt, die Petition dem Bundesrat zur Kenntnisnahme zu überweisen. Proposition de la commission La commission propose de transmettre la pétition au Conseil fédéral pour qu'il en prenne connaissance.
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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Gautier Totalrevision der Krankenversicherung und Motion der Räte betreffend deren Finanzierung Interpellation Gautier Assurance-maladie. Révision totale et motion sur le financement In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1989 Année Anno Band V Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Ständerat Conseil Conseil des Etats Consiglio Consiglio degli Stati Sitzung 11 Séance Seduta Geschäftsnummer 89.607 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 14.12.1989 - 08:00 Date Data Seite 841-842 Page Pagina Ref. No 20 018 264 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
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