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Entscheid

90-609

Verwaltungsbehörden 05.10.1990 90.609

5. Oktober 1990Deutsch9 min

Source admin.ch

Erwägungen

1.

Duch die umstürzenden Ereignisse dor letzten Monate sehen sich die Nationen des Ostens und des Westens in die Lage versetzt, ihren Ort in der neu zu ordnenden Völkergemeinschaft neu zu definieren und zu überdenken, welches ihr besonderer Beitrag zu dieser Gemeinschaft sein soll. Dabei liegt eine klare Profilierung im Dienste des Ganzen jeweils auch im nationalen Interesse.

2.

So hat auch unser Land, zumal nach der Abschwächung der traditionellen Rolle der Neutralität durch das Ende des Kalten Krieges, ein Interesse daran, seine Identität im heutigen internationalen Rahmen aus den Quellen seiner Tradition heraus zu stärken.

3.

Besondere Kennzeichen unserer Zeit sind, nach dem

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5.

Oktober 1990 N 1913 Postulat Leutenegger Oberholzer Schwinden der grossen, bipolaren Konfrontation der Supermächte, die überall aufbrechenden bzw. manifest werdenden Nationalitätenkonflikte, ethnischen, kulturellen und sprachlichen, auch religiösen Minderheitenkonflikte. Sie müssen auch in künftigen sicherheitspolitischen Szenarien als ernstzunehmende Bedrohungsfaktoren veranschlagt werden.

4.

Konflikte solcher Art können auf lange Sicht nur durch den besonderen Verhältnissen angepasste föderalistische Strukturen auf friedliche und fruchtbare Art gelöst und überwunden werden. Es wäre darum in unserer Zeit, in Europa und über Europa hinaus, eine wichtige Aufgabe, die Potentiale des Föderalismus in praktischer Absicht mit einem Blick auf die Konfliktsituationen in der heutigen Welt zu erforschen.

5.

Die Schweiz könnte auf diesem Boden dem heutigen Europa und der heutigen Welt aus ihrer föderalistischen Ueberlieferung und Erfahrung heraus den wichtigsten Dienst leisten. So hat denn auch der Vorsteher des EDA in seiner kürzlich an der Kopenhagener KSZE-Konferenz über Menschenrechte gehaltenen Rede den schweizerischen Weg gewiesen, indem er die Rechte der Minderheiten herausstrich und die KSZE-Staaten zu einem speziell diesem Thema gewidmeten Treffen auf 1991 in die Schweiz einlud.

6.

Eine praktische Erforschung des Nutzens des Föderalismus in der heutigen Welt müsste in breiter Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und ausländischen wissenschaftlichen und politischen Sachverständigen erfolgen. Eine entsprechende Stelle, wie sie hier angeregt wird, könnte in Form von gezielten Forschungsaufträgen, von Expertentagungen und internationalen Kongressen arbeiten und ihre Ergebnisse den internationalen politischen Gremien zugänglich machen. Sie wäre auch konzipierbar als ein Organ zugunsten der KSZE, oder-um über den europäisch-atlantischen Raum hinauszugreifen-der Vereinten Nationen, deren Agentur für Frieden und Abrüstung (Unidir) ja auf schweizerischem Boden angesiedelt ist.

7.

Während kritische Stimmen in unserem Land die Befürchtung äussern, das Jubiläumsjahr 1991 werde nicht mehr als einen sterilen Rückblick bringen, könnte auf die beschriebene Weise ein weithin sichtbarer zukunftsweisender Schritt getan werden. Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 5. September 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 5 septembre 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Ueberwiesen - Transmis #ST# 90.569 Postulat Leutenegger Oberholzer Frauenfprschung an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen EPFZ et EPFL. Recherche sur la condition féminine Wortlaut des Postulates vom 19. Juni 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne je einen Lehrstuhl für Frauenforschung einzurichten. Der Lehrstuhl soll insbesondere auch der Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau im technisch-naturwissenschaftlichen Komplex dienen. Texte du postulat du 19 juin 1990 Le Conseil fédéral est invité à instituer deux chaires de recherche sur la condition féminine dans les Ecoles polytechniques fédérales de Lausanne et de Zurich afin notamment de promouvoir l'étude de la situation des femmes dans le monde de la technique et des sciences. Mitunterzeichner - Cosignataires: Antille, Aubry, Baerlocher, Bär, Bäumlin Ursula, Bircher, Bodenmann, Danuser, David, Diener, Dormann, Gardiol, Grendelmeier, Haering Binder, Hafner Ursula, Haller, Herczog, Jaeger, Jeanprêtre, Loeb, Longet, Nabholz, Ott, Pitteloud, Scheidegger, Seiler Rolf, Stamm, Stocker, Uchtenhagen, Vollmer, Zbinden Hans (31) Schriftliche Begründung - Développement par écrit In der Schweiz sind wir von der Gleichstellung der Geschlechter in allen gesellschaftlichen Bereichen noch weit entfernt. Auch die akademisch-wissenschaftliche Welt wird von den Männern geprägt. Gerade die Vorgänge im Bereich der Wissenschaft sind für die Entwicklung der Gesellschaft, für Politik und für die Verteilung von Macht von grosser Bedeutung. Heute sind die Frauen in der Wissenschaft kaum wahrnehmbar. Ihre Marginalisierung ist die Folge davon, dass Frauen als Studentinnen, Forscherinnen, akademische Lehrerinnen jahrhundertelang nicht präsent waren. Die Tore der Universitäten und Hochschulen wurden den Frauen erst vor rund 100 Jahren geöffnet. Noch heute sind die Frauen im akademischen Lehrkörper massiv untervertreten, obschon inzwischen der Anteil der Frauen bei den Studierenden erheblich angestiegen ist. In internationalen Gremien hat die Schweiz, wie dem Bericht der eidgenössischen Frauenkommission zur Stellung der Frau in der Schweiz (Teil IV) zu entnehmen ist, die Forderung nach Frauenstudien verschiedentlich nachhaltig unterstützt. Doch an den eigenen Universitäten und Hochschulen im Inland tut sich diesbezüglich nur wenig. Der Bund ist hier geradezu aufgefordert, voranzugehen. Zu dieser Schlussfolgerung kommt auch eine Arbeitsgruppe der eidgenössischen Frauenkommission in ihrer Analyse der «Zukunftsstrategien von Nairobi zur Förderung der Frau», Bern 1988. Im Zusammenhang mit dem Postulat der Förderung von Frauenforschung an den Hochschulen regt die Arbeitsgruppe die Schaffung je eines Lehrstuhls für Frauenforschung an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne an. Der Bericht hält dazu fest: «Aufgabe eines solchen Lehrstuhls wäre zum einen, interdisziplinär die gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen zu erforschen, Hinweise für ihre faktische Benachteiligung zu suchen sowie Aenderungswege zu skizzieren. Zum ändern müsste ebenso die Diskussion über die Gültigkeit der gängigen Wissenschaftsmethoden geführt werden. Zu hinterfragen gilt es hierin erster Linie, die - in aller Regel von Männern definierte 'Objektivität' der Wissenschaft und die oft gleichzeitig erfolgende Disqualifizierung der frauenspezifischen Anschauungen und Standpunkte.» Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 12. September 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 12 septembre 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen, macht aber darauf aufmerksam, dass für die Errichtung von Lehrstühlen der Schweizerische Schulrat zuständig ist. Le président: Le postulat est combattue par M. Dreher. La discussion est renvoyée à une date ultérieure. Verschoben - Renvoyé -- 2 of 3 -Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Ott Stelle zur Erforschung des Föderalismus Postulat Ott Centre international de recherche sur le fédéralisme In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 90.609 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 05.10.1990 - 08:00 Date Data Seite 1912-1913 Page Pagina Ref. No 20 019 056 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. 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