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Verwaltungsbehörden 24.09.1990 90.664
24. September 1990Deutsch156 min
Source admin.ch
Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1508 N 24 septembre 1990 Frau Daepp: Die Zuckerrübenverarbeitungskampagne beginnt nächstens. In den nächsten Tagen werden die Zuckerrüben geerntet und in die Zuckerfabriken geliefert. Wäre es nicht höchste Zeit - Sie haben mir das letzte Woche mündlich versprochen -, dass Sie heute den Zuckerrübenpreis beraten würden, damit die Produzenten endlich wissen, wieviel sie für ihre Rüben erhalten, die sie bereits ein halbes Jahr gepflegt und gehegt haben? Ich möchte Ihnen danken dafür, dass Sie es wenigstens probiert hätten, wenn alle anwesend gewesen wären. Bekanntlich forderten die Rübenpflanzer eine Preisanpassung von 2.20 Franken pro 100 kg, das haben Sie bereits erwähnt. Ich glaube, wir dürfen uns auf diese Berechnungen stützen. Sie entsprechen auch dem neuen Zuckerbeschluss. Die letzte Zuckerrübenpreisanpassung - ich möchte nicht einfach immer mit den letzten drei Jahren vergleichen -, welche den Pflanzern materielle Verbesserungen brachte, geht ins Jahr 1976 zurück. Das möchte ich hier festhalten. Seither sind die Produktionskosten nach unseren Berechnungen um
Erwägungen
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Prozent, der Rübenpreis um 12 Prozent gestiegen. Frage: Wird nächsten Montag die Preiserhöhung festgelegt? M. Delamuraz, conseiller fédéral: Pour l'heure, Madame la Conseillère nationale, je ne peux que vous assurer que le Conseil fédéral traitera cet objet lundi prochain. #ST# Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Crise du Golfe. Interventions parlementaires 90.664 Dringliche Interpellation der Kommissison für auswärtige Angelegenheiten Golfkrise Interpellation urgente de la commission des affaires étrangères Crise du Golfe Wortlaut der Interpellation vom 16. August 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, das Parlament über die neueste Entwicklung in der Golfregion zu orientieren und eine Einschätzung der von ihm getroffenen Massnahmen vorzunehmen. Texte de l'interpellation du 16 août 1990 Le Conseil fédéral est prié d'informer le Parlement sur les derniers développements dans la région du Golfe et de procéder à une appréciation des mesures qu'il a prises. 90.667 Dringliche Interpellation der liberalen Fraktion Wirtschaftssanktionen gegen Irak Interpellation urgente du groupe libéral Sanctions économiques envers l'Irak Wortlaut der Interpellation vom 17. September 1990 Die internationale Verurteilung des irakischen Ueberfalls auf Kuwait erfolgte spontan und deutlich. Diese Verurteilung wurde durch den Beschluss des Sicherheitsrates der Organisation der Vereinten Nationen bestätigt, welcher sich einstimmig, bei zwei Enthaltungen, für Wirtschaftssanktionen gegenüber dem irakischen Aggressor ausgesprochen hat. Die Schweiz als Nicht-Uno-Mitglied hat rasch beschlossen, sich diesen Wirtschaftssanktionen anzuschliessen und ist damit zahlreichen Demokratien gefolgt. Welche Konsequenzen hat dieser Schritt für die zukünftige Gestaltung der schweizerischen Neutralitätspolitik? Wird mit diesem Schritt eine Einschränkung der bisher völligen Unabhängigkeit der schweizerischen Aussenpolitik bewirkt? Texte de l'interpellation du 17 septembre 1990 La condamnation par la communauté internationale de l'invasion irakienne du Koweït a été claire et spontanée. Elle a été confirmée par la décision du Conseil de sécurité de l'Organisation des Nations unies qui, à l'unanimité moins deux abstentions, s'est déclaré favorable à des sanctions économiques à rencontre de l'Irak.
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September 1990 N 1509 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Pays non membre de l'ONU, la Suisse a décidé rapidement de s'associer aux sanctions économiques, suivant en cela l'exemple de nombreuses démocraties. Quelles conséquences cette décision aura-t-elle sur la conception future de la politique suisse de neutralité? La totale indépendance de la politique extérieure de la Suisse s'en trouvera-t-elle restreinte? Sprecher-Porte-parole: Burckhardt 90.684 Dringliche Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion Golfkrise Interpellation urgente du groupe socialiste Crise du Golfe Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990
1.
Wieweit kann der Beschluss des Bundesrates, die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak zu unterstützen, als Zeichen für eine Neuorientierung der schweizerischen Neutralitätspolitik beurteilt werden, hat doch der Bundesrat zum Beispiel Boykottmassnahmen gegenüber Südafrika während Jahren immer wieder abgelehnt?
2.
Welche Handlungsmöglichkeiten sieht der Bundesrat für die Schweiz, zu einer politischen Lösung des Golfkonflikts beizutragen? Ist der Bundesrat aufgrund der wachsenden Flüchtlingsnot in der Golfregion bereit, die humanitäre Hilfe zur Lösung des Flüchtlingsproblems über den bereits beschlossenen Rahmen hinaus massiv aufzustocken?
3.
Inwiefern ist nach Auffassung des Bundesrates die Golfkrise unter anderem die Folge der starken wirtschaftlichen und militärischen Einflussnahme sowie der massiven Aufrüstung der Golfstaaten durch die Industrieländer in Ost und West? Wie beurteilt der Bundesrat diesbezüglich die Rolle der schweizerischen Aussenwirtschaftspolitik gegenüber den Staaten in der Golfregion in den letzten Jahren? Welche Schlüsse zieht der Bundesrat aus der Golfkrise in Bezug auf die Praxis der Waffenausfuhr (zum Beispiel Lieferung von sogenannten Dual-use-Produkten wie PC-7/PC-9 Flugzeuge, Lieferung von Waffenkomponenten usw.)? Ist der Bundesrat gestützt auf Artikel 11 Absatz 2 des Kriegsmaterialgesetzes (Lieferung in Konflikt- und Spannungsgebiete) bereit, die Lieferung von Kriegsmaterial an die Golfstaaten, einschliesslich die Türkei, zu verbieten? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990
1.
Comme on le sait, pendant des années, le Conseil fédéral a toujours refusé de participer aux mesures de boycottage contre l'Afrique du Sud. Dans ces conditions, dans quelle mesure la décision du gouvernement de soutenir les sanctions économiques à rencontre de l'Irak témoigne-t-elle d'un changement dans la politique de neutralité de la Suisse?
2.
Selon le Conseil fédéral, de quels moyens d'action dispose la Suisse en vue de contribuer activement à une solution politique de la crise du Golfe? Vu la détresse croissante des réfugiés dans la région du Golfe, le Conseil fédéral est-il prié d'accroître massivement l'aide humanitaire en vue de trouver une solution au problème des réfugiés.
3.
De l'avis du Conseil fédéral, dans quelle mesure la crise du Golfe est-elle liée à la forte influence économique et militaire des puissances industrielles à l'Ouest comme à l'Est, ainsi qu'au réarmement massif des pays du Golfe par ces mêmes puissances? A ce propos, comment le Conseil fédéral juge-t-il le rôle de la politique économique extérieure que la Suisse a pratiquée ces dernières années à l'égard des pays du Golfe? Quelles conclusions le Conseil fédéral tire-t-il de la crise du Golfe en ce qui concerne la pratique des exportations d'armes (par exemple livraison de produits à usages multiples, tels que les avions de type PC-7 ou PC-9, livraison d'éléments d'armement etc.)? Le Conseil fédéral est-il prêt, en vertu de l'article 11, 2e alinéa, de la loi fédérale sur le matériel de guerre (livraison à destination de territoires où des conflits armés ont éclaté ou menacent d'éclater ou dans lesquels régnent des tensions dangereuses), à interdire la livraison de matériel de guerre aux pays du Golfe, y compris à la Turquie? 90.686 Dringliche Interpellation der LdU/EVP-Fraktion Neutralitätspolitik nach den Irak-Sanktionen Interpellation urgente du groupe Adl/PEP Sanctions à ('encontre de l'Irak et politique de neutralité Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 Erstmals hat sich die Schweiz voll - und nicht nur durch Einführung des courant normal -an Sanktionen beteiligt, die vom Uno-Sicherheitsrat verhängt wurden. Wir stellen dem Bundesrat in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen:
1.
Worin unterscheidet sich das Verhalten der Schweiz von demjenigen, zu dem sie bei einer Mitgliedschaft in der Uno verpflichtet gewesen wäre? Sehen wir uns heute nicht in der Lage, dass wir die Pflichten - nicht aber die Rechte - eines Uno-Mitgliedstaates haben?
2.
In welchen Fällen wird die Schweiz in Zukunft ähnliche Sanktionen verhängen? Wird dies zum Beispiel auch bei Völkerrechtsverletzungen der entsprechenden Art der Fall sein, wenn die Uno keine Sanktionen verfügt? Wird sich die Schweiz an Sanktionen der Uno beteiligen, wenn diese nicht wegen Verletzung des Völkerrechts sondern zum Beispiel wegen Menschenrechtsverletzungen verhängt werden?
3.
Kontrastiert die jetzige harte Haltung der Schweiz nicht seltsam mit den früheren Beiträgen zur irakischen Rüstung durch die Lieferung von sowohl zivil als auch militärisch verwendbaren Gütern?
4.
Welche Folgerungen für die Sicherheitspolitik der Schweiz zieht der Bundesrat aus der Golf krise?
5.
Die Verordnung vom 7. August 1990 sieht in Artikel 4 Absatz 1 Ausnahmen für die Wirtschaftssanktionen vor. Wie viele Ausnahmebewilligungen wurden erteilt, welche Güter in welchen Mengen betreffen sie? Welches sind die Begründungen für die einzelnen Ausnahmen? In welchen Situationen wurde insbesondere die Härteklausel (Art. 4 Abs. 1 Bst. e) angewandt? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Pour la première fois, la Suisse a participé pleinement - et non seulement en introduisant le principe du courant normal - à des sanctions décrétées par le Conseil de sécurité de l'ONU. Dans ce contexte, nous posons les questions suivantes au Conseil fédéral:
1.
En quoi le comportement de la Suisse se distingue-t-il de celui qu'elle aurait dû adopter si elle était membre de l'ONU? Dans la situation actuelle, n'avons-nous pas les obligations d'un Etat membre de l'ONU, sans en avoir les droits?
2.
Dans quels cas la Suisse décrétera-t-elle à l'avenir des sanctions similaires? Le fera-t-elle par exemple aussi en réponse à des violations du droit international public, violations susceptibles d'entraîner de telles mesures, dans les cas où l'ONU n'or-
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Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1510 N 24 septembre 1990 donnera pas de sanctions? La Suisse participera-t-elle à des sanctions de l'ONU lorsque ces dernières seront décrétées par exemple en raison de violations des droits de l'homme, et non à la suite d'une violation du droit international public?
3.
La dureté dont la Suisse fait actuellement preuve ne contraste-t-elle pas étrangement avec les contributions précédentes à l'armement de l'Irak, sous la forme de livraisons de marchandises à usage tant civil que militaire?
4.
Quelles conclusions pour la politique de sécurité de la Suisse le Conseil fédéral tire-t-il de la crise du Golfe?
5.
L'ordonnance du 7 août 1990 prévoit, à l'article 4, 1er alinéa, des exceptions aux sanctions économiques. Combien d'autorisations ont été accordées, quelles marchandises concernent-elles, et en quelles quantités? Sur quels motifs se fondent ces différentes exceptions? Dans quelles situations la clause des cas de rigueur (article 4,1er alinéa, lettre f) a-t-elle notamment été appliquée? Sprecher- Porte-parole: Widmer 90.691 Dringliche Interpellation der grünen Fraktion Golfkrise Interpellation urgente du groupe écologiste Crise du Golfe Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 Der Bundesrat wird gebeten darzulegen, welche Schlussfolgerungen er aus den Ereignissen nach der Invasion Kuwaits durch den Irak zieht. Er wird insbesondere ersucht, zu folgenden Fragen Stellung zu nehmen: - Hätte die Golfkrise international die gleiche Bedeutung erlangt, wenn sie die Erdölversorgung der Industrienationen nicht gefährden würde? - Müssten die Industrienationen zur Verminderung der Gefahr eines weltweiten Konflikts nicht versuchen, ihre Abhängigkeit von den Förderländern durch die Herabsetzung ihres Erdölverbrauchs zu verringern? - Die Schweiz ist von ihrer traditionellen Neutralität abgewichen und hat sich den von der internationalen Gemeinschaft gegen den Irak verhängten Sanktionen angeschlossen. Sollte sie dies aus Gründen der Kohärenz nicht auch in anderen Situationen tun? - Hätte die Golfkrise dasselbe Ausmass angenommen, wenn nicht der Irak dank den Lieferungen modernster Vernichtungsmittel durch die Industrieländer seine Armee hätte aufrüsten können? - Wie ist der Beitrag der schweizerischen Industrie zur militärischen Aufrüstung des Iraks zu beurteilen? -Müsste die Schweiz-falls sie der Auffasungist, dasssiedem Irak besser keine Waffen geliefert hätte - nicht den Waffenexport in die Dritte Welt vollständig einstellen, um dies auch von den anderen Industrieländern verlangen zu können? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Le Conseil fédéral est prié de dire quelles conséquences il tire des événements qui ont suivi l'invasion du Koweït par l'Irak, en prenant position notamment sur les questions suivantes: - La crise du Golfe aurait-elle pris la même importance sur le plan international, si elle ne mettait pas en danger l'approvisionnement en pétrole des pays industrialisés? - Pour réduire le danger d'un conflit mondial, les pays industrialisés ne devraient-ils pas mettre tout en oeuvre pour réduire leur consommation de pétrole, afin de réduire leur dépendance à l'égard des pays producteurs? - La Suisse est sortie de sa neutralité traditionnelle pour participer aux sanctions de la communauté internationale contre l'Irak. La cohérence ne commande-t-elle pas qu'elle le fasse également dans d'autres situations? - La crise du Golfe aurait-elle une pareille ampleur si l'Irak n'avait pas pu équiper son armée de moyens de destruction modernes grâce aux livraisons des pays industrialisés? - Comment faut-il juger la participation de l'industrie suisse à l'équipement militaire de l'Irak? - Si la Suisse considère qu'il eût mieux valu ne pas livrer d'armements à l'Irak, ne devrait-elle pas renoncer totalement à exporter des armes vers le tiers monde, afin de pouvoir exiger des autres pays industrialisés qu'ils en fassent autant? Sprecher-Porte-parole: Rebeaud Le président: En accord avec le Conseil fédéral, nous avons décidé de procéder comme suit: il s'agit là d'une procédure écrite, mais étant donné que le Conseil fédéral n'a donné sa réponse que ce matin, il ne lui était pas possible d'utiliser la forme écrite, dans les deux langues. C'est la raison pour laquelle il répondra maintenant aux diverses interpellations urgentes. En accord avec MM. Felberet Delamuraz, conseillers fédéraux, nous avons décidé de dissocier les cinq premières interpellations urgentes des deux dernières. Nous aurons donc deux débats. M. Felber, conseiller fédéral: Je vous prie de bien vouloir excuser d'entrée de cause la relative longueur de la réponse du Conseil fédéral, qui est justifiée par le fait que nous répondons simultanément, en ce qui concerne les problèmes politiques, à cinq interpellations. La première moitié de l'année 1990, nous pouvions tous nous réjouir de la détente Est-Ouest et des premiers effets positifs qu'elle avait eus sur certains conflits régionaux: en Afrique australe, en Amérique centrale, en Afghanistan, dans le sudest asiatique. Certains, parmi les observateurs de la politique internationale, en étaient déjà à évaluer ce qu'on appelle les dividendes de la paix. A qui vont-ils profiter? Nous avons donc été surpris, et avec nous les meilleurs services d'information occidentaux - ayons la franchise de le reconnaître - par l'invasion brutale, nocturne, du Koweit, le
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août dernier, alors même que l'auteur de ce forfait international était en pourparlers avec les autorités koweïtiennes. On a pu néanmoins se féliciter de voir le Conseil de sécurité de l'ONU, puis la communauté internationale quasi unanime, condamner ce coup de force flagrant. Evidemment, cette crise a une résonance considérable dans le monde. Elle revêt une dimension stratégique, car elle menace de remettre en question le contrôle sur les plus grandes réserves pétrolières de la planète. A ce sujet, on né peut s'empêcher d'observer que l'Occident a la mémoire assez courte. Il faut attendre une réelle menace pour s'aviser que nous devrions peut-être réduire notre dépendance envers le pétrole. Les données militaires: sur le terrain, l'Irak a renforcé sa présence militaire au Koweit et dans le sud de l'Irak, région où, selon le Pentagone américain, 265 000 combattants feraient face aux troupes de l'Occident. Le désengagement sur le plan iranien, terminé le 22 août, permettrait d'autre part au président Saddam Hussein de disposer d'environ 500000 hommes supplémentaires, dont quelques dizaines de milliers ont déjà été déployés le long de la frontière avec la Turquie et celle avec la Syrie. En ce qui concerne les Etats-Unis, environ 150 000 hommes sont installés en Arabie Saoudite, à Abu Dhabi, Qatar, et dans les Emirats arabes unis. L'acheminement du matériel lourd se poursuit. Près de 50 navires de guerre américains sont actuellement dans le Golfe, en Mer Rouge ou en Méditerranée, épaulés par des unités navales des pays de l'Union européenne occidentale - que j'ai cités tout à l'heure - et du camp occidental, dont certains, en particulier la France et la Grande-Bretagne, ont également dépêché des forces aériennes et terrestres au Proche-Orient. D'autres Etats non européens: l'Egypte, la Syrie, ont fourni et continuent de fournir des contingents, stationnés pour la plupart en Arabie Saoudite.
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September 1990 N 1511 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Les Etats-Unis souhaitent voir se constituer à plus longue échéance de nouvelles structures internationales de maintien de la paix pour la région, incluant la présence de forces armées de pays arabes modérés. La récupération du Koweit serait une opération difficile qui entraînerait ipso facto la destruction des puits de pétrole et provoquerait un nombre important de victimes de part et d'autre. Or, la détermination du président des Etats-Unis sera populaire aussi longtemps qu'elle ne sera pas la cause de pertes inconsidérées en vies humaines. Or, au vu de l'utilisation par M. Saddam Hussein des boucliers humains à proximité des centres névralgiques de l'Irak - utilisation qui est totalement contraire à l'article 28 de la 4ème Convention de Genève à laquelle l'Irak a adhéré en 1956 - aussi longtemps que nous ne pouvons pas écarter cette menace, une intervention occidentale ne peut être sérieusement envisagée. La politique de la Suisse: l'invasion militaire du Koweit par l'Irak le 2 août 1990 viole l'interdiction de recourir à la force prévue par le droit coutumier international, viole l'article 2, alinéa 4, de la Charte des Nations Unies. Conformément à cet article, les membres de l'organisation s'abstiennent dans leurs relations internationales de recourir à la menace ou à la force contre l'intégrité territoriale ou l'indépendance politique d'un Etat. Le 2 août, respectivement le 7 août 1990, le Conseil fédéral a publiquement condamné l'invasion du Koweit par les troupes irakiennes. Il a exigé leur retrait immédiat et inconditionnel. C'était ce que j'appellerai la phase déclamatoire de la politique étrangère que nous tenions à consolider. Comme le Conseil de sécurité, dans sa résolution 662 et la très grande majorité des pays du monde entier, la Suisse ainsi ne reconnaît pas l'annexion du Koweit par l'Irak, ce qui a été porté à plusieurs reprises à la connaissance des autorités irakiennes, du représentant légitime du Koweit et du gouvernement résidant actuellement à l'étranger. A la suite de la résolution 661 du Conseil de sécurité du 7 août 1990, le Conseil fédéral a adopté le même jour encore une ordonnance instituant de manière autonome des mesures économiques envers la république d'Irak et l'Etat du Koweit. L'ordonnance interdit toute activité commerciale avec ces deux pays, notamment l'importation et le transit de marchandises d'origine irakienne et l'exportation de marchandises à destination de l'Irak. Sont en outre interdites toutes transactions financières à l'intention du gouvernement irakien, à l'intention d'entreprises ou de particuliers en Irak ou au Koweit. Peuvent être exceptés de cette ordonnance l'exportation et le transit notamment de marchandises à des fins médicales, ainsi que de denrées alimentaires dans des situations exceptionnelles au titre de l'aide humanitaire. Le Département fédéral de l'économie publique peut accorder de telles dérogations. Cette décision a été non seulement comprise, mais appréciée par l'ensemble de nos concitoyens. Elle a été appréciée et soulignée par la communauté internationale. Si nous avons pu agir rapidement, c'est grâce aux services des divers départements fédéraux qui ont travaillé avec conscience, rapidité, ce qui a permis au Conseil fédéral d'adopter le texte de l'ordonnance qui allait entrer en vigueur quelques heures après sa décision, soit peu après l'adoption des sanctions prises par le Conseil de sécurité. En ce qui concerne les avoirs koweitiens en Suisse, le 2 août 1990, le Conseil fédéral a invité les banques à faire preuve d'une vigilance accrue, les a engagées à refuser, en cas de doute, des demandes de retrait. Mais le 10 août 1990, i! a promulgué une ordonnance précise en vertu de laquelle des mesures de blocage doivent être prises pour assurer la protection des valeurs patrimoniales en Suisse de l'Etat du Koweit. Les avoirs koweitiens sont ainsi protégés tant que la question du droit d'en disposer n'est pas résolue. S'agissant de l'appréciation des sanctions économiques suisses sous l'angle du droit de la neutralité et de la politique de neutralité, il convient de souligner qu'à plusieurs reprises déjà, le Conseil fédéral a déclaré que la Suisse, au besoin, pourrait s'associer à de telles mesures. Il s'est en particulier exprimé à ce sujet dans son message du 21 décembre 1981 concernant l'adhésion de la Suisse à l'Organisation des Nations Unies. Il y a défini les conditions d'une participation de la Suisse à des sanctions économiques. L'adoption de sanctions économiques n'est pas contraire au droit de la neutralité. Ce droit n'impose pas à l'Etat neutre le devoir de maintenir des relations économiques avec une partie impliquée dans un conflit. L'adoption ou non de sanctions économiques par un Etat neutre en permanence doit être appréciée du point de vue de sa politique de neutralité, et la mise en oeuvre de cette politique est laissée à sa discrétion. L'Etat neutre en permanence doit cependant tout mettre en oeuvre pour ne pas être entraîné dans une guerre et s'abstenir de tout ce qui pourrait l'impliquer militairement dans un tel conflit. Pour les raisons suivantes, le Conseil fédéral parvient à la conclusion que les mesures économiques prises à l'encontre de l'Irak ont été décrétées dans l'intérêt de la politique de neutralité de la Suisse. Premièrement, il ne fait aucun doute que l'Irak a violé de manière flagrante des normes fondamentales du droit des gens par l'invasion militaire et l'annexion du Koweit. Un petit Etat comme la Suisse a un intérêt essentiel à ce que le droit international soit respecté, en particulier le principe selon lequel tous les Etats doivent s'abstenir de recourir à la menace ou à l'emploi de la force contre l'intégrité territoriale ou l'indépendance politique d'un pays. La Suisse se doit donc de soutenir la communauté des Etats lorsque celle-ci réagit contre l'entité qui a violé le droit d'une manière flagrante. Deuxièmement, la communauté internationale a été quasi unanime à condamner l'Irak et à adopter des sanctions économiques. Les mesures décidées par le Conseil de sécurité de l'Organisation des Nations Unies lient tous les Etats membres de cette organisation, y compris les Etats neutres d'Europe. Il existe de bonnes raisons de penser que ces mesures sont mises en oeuvre de manière universelle et qu'elles ne manqueront pas d'avoir des conséquences tangibles pour l'Irak à plus ou moins brève échéance. La participation de la Suisse à ces sanctions s'imposait également du point de vue de la solidarité internationale. La Suisse, n'étant pas membre de l'ONU, a été amenée à prendre une décision autonome -je tiens à préciser qu'il faut renvoyer les journalistes de langue française à leurs dictionnaires car ils ne savaient pas ce que signifiait «autonome» et traduisaient le lendemain ce terme par «plus faible»! Dans un conflit opposant deux parties aussi inégales, à savoir d'un côté l'entité qui a violé le droit et de l'autre l'ensemble de la communauté internationale, le principe du traitement paritaire n'est guère applicable. En ne s'associant pas aux sanctions économiques ou en se bornant à maintenir les échanges au niveau du courant normal, la Suisse se serait pratiquement et moralement rangée du côté de l'Irak. Une pareille attitude n'aurait pas été comprise à l'étranger, ni en Suisse. Notre crédibilité dans le monde entier en aurait gravement souffert et nous n'aurions même pas profité, économiquement, de cette décision de peur, de couardise, de lâcheté. Les sanctions économiques adoptées ne risquent pas d'entraîner la Suisse dans un conflit armé et ne l'empêcheront pas en cas de guerre de se conformer aux devoirs qui lui sont imposés par le droit de la neutralité. La décision du Conseil fédéral ne préjuge en rien l'adoption de sanctions à l'avenir ou la question de savoir si la participation à des sanctions décrétées par exemple par la Communauté européenne seraient ou non compatibles avec la neutralité de la Suisse. Le Conseil fédéral n'a fait qu'appliquer à un cas concret notre politique continue de neutralité, instrument de notre politique étrangère. Si la question des sanctions devait se poser encore un jour, de la même manière, après avoir pesé les intérêts en présence et pris en considération tous les paramètres, en particulier les devoirs découlant du statut de neutralité permanente de la Suisse, le Conseil fédéral serait amené à se prononcer au sujet de la participation de notre pays à de telles mesures. En ce qui concerne la fermeture de notre ambassade au Koweit, devant l'ultimatum irakien de fermer sa représentation diplomatique au Koweit d'ici le 24 août 1990, la Suisse a décidé, en étroite collaboration avec d'autres Etats - principalement les Etats neutres et les Etats de la Communauté européenne de passer outre à cette sommation et de laisser en poste son -- 4 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1512 N 24 septembre 1990 chargé d'affaires et son responsable de chancellerie, MM. Besomi et Bischof. Cette décision traduit la volonté de la Suisse à la fois de protester contre l'annexion du Koweït et sa disparition de la carte politique, de ne pas reconnaître cette annexion, et d'être solidaire de la communauté internationale, et enfin sa volonté de protéger les citoyens suisses restés sur place. Ce n'est que le 12 septembre, lorsque tous les Suisses désireux de quitter le Koweït l'eurent fait- il n'y reste qu'une famille qui a déclaré expressément vouloir y demeurer- après le départ des représentants des Etats neutres, finlandais et suédois, des diplomates norvégiens et des diplomates de trois ambassades de la communauté, le Portugal, le Danemark et la Grèce, que nos représentants ont reçu l'instruction de se retirer du Koweit en même temps que le représentant diplomatique autrichien. Il est sans doute plus facile de parler de générosité assis derrière un pupitre à Berne que lorsqu'on est représentant diplomatique au Koweit après le 2 août 1990. La sécurité physique de nos représentants était menacée, la situation ne cessait de se dégrader, ces hommes étaient des prisonniers dans leur résidence. Cette démarche a été effectuée sous la contrainte, elle ne peut donc être interprétée que comme la mise en veilleuse temporaire de l'ambassade de Suisse au Koweit. Cela n'implique en aucune manière une quelconque reconnaissance par la Suisse de l'annexion de ce pays par l'Irak. Cette prise de position juridique a été portée officiellement à la connaissance des autorités irakiennes. En ce moment, MM. Besomi et Bischof qui ne jouissent plus depuis le 24 août d'un statut particulier au regard de la Convention de Vienne sur les relations diplomatiques, demeurent bloqués à Bagdad mais nous nous efforçons d'obtenir, pour eux aussi, leur retour en Suisse. Les démarches entreprises en vue de l'évacuation des ressortissants suisses et autres étrangers: avant que la crise du Golf n'éclate, environ cent Suisses résidaient au Koweit et septante autres en Irak. Au début du mois d'août, la plus grande partie de la colonie suisse se trouvait, par chance, en vacances, loin de ces pays. Au terme d'un voyage mouvementé de plusieurs jours, 37 Suisses du Koweit ont réussi à quitter l'Irak les 23 et
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août via Bagdad et la frontière turque. Le 2 septembre, profitant de l'offre du président irakien à l'endroit des femmes et des enfants, six Suissesses et six enfants ont pu revenir en Suisse. A l'heure actuelle, 87 citoyens suisses, dont plusieurs sont des doubles-nationaux se trouvent encore en Irak et au Koweit. Notre ambassade de Bagdad entretient des contacts réguliers quasi quotidiens avec tous nos compatriotes. Leur état de santé est jugé satisfaisant, nos compatriotes subissent néanmoins des pressions psychologiques toujours plus marquées. Le Conseil fédéral condamne avec véhémence le fait que les Suisses et tous les autres étrangers désireux de quitter la zone du conflit soient retenus en otages - le terme s'impose - depuis des semaines par les autorités irakiennes, qu'ils soient contraints à vivre séparés, éloignés de leurs familles. Nous dénonçons cette atteinte au droit des gens et nous exprimons notre sympathie aux familles que cet ignoble acte de violence a brutalement séparées. Le Conseil fédéral assure les personnes concernées qu'il n'aura de cesse de leur faire quitter l'Irak et que les démarches en vue de leur évacuation se poursuivront en étroite collaboration avec tous les Etats neutres, avec les autres pays de l'Europe de l'Ouest. A cet effet, le Département fédéral des affaires étrangères a entrepris plusieurs démarches officielles, tant à Berne qu'à Bagdad. Au cours de celles-ci, nos porte-parole ont en outre protesté contre l'annexion du Koweit et contre la sommation de fermer notre ambassade dans ce pays. Ces négociations bilatérales ont été menées conjointement avec trois Etats neutres: la Suède, la Finlande et l'Autriche. Dès que la crise du Golfe a éclaté, une cellule de crise, chargée de toutes les questions relatives au conflit, et actuellement dirigée par l'ancien ambassadeur en Irak, a immédiatement été constituée au sein du Département des affaires étrangères. Sont représentés dans cette cellule les services du Département des affaires étrangères touchés par ce type de conflit ainsi que les autres départements concernés: le Département militaire fédéral, le Département fédéral de l'économie publique, le Département fédéral de justice et police, le Département fédéral des transports, des communications et de l'énergie. Les membres de cette cellule se réunissent pratiquement chaque jour, analysent et jugent en permanence la situation et son développement dans cette région, tirent des conclusions, en informent le Conseil fédéral. En outre, la cellule est responsable pour les questions techniques et assure une permanence de 24 heures sur 24. Les responsables en poste dans la région du Golfe qui se trouvaient en vacances au début des hostilités ont tous été invités à regagner leur poste sans délai. Parallèlement, le Département de l'économie publique a mis sur pied un groupe de travail pour discuter de la mise en application des mesures économiques. Le 18 septembre, notre nouvel ambassadeur en Irak, M. Friedrich Moser, s'est envolé pour Bagdad après avoir reçu l'agrément des autorités irakiennes et sur notre instruction personnelle précise. Par ailleurs notre ambassade sera temporairement renforcée par l'arrivée prochaine d'un vice-consul. Mesdames et Messieurs, il appartient à la diplomatie du XIXe siècle de croire qu'on s'oppose à un pays en retirant son ambassadeur en période de crise. C'était l'époque où il n'y avait pas de téléphone, où il n'y avait pas de télex, où il n'y avait pas de Telefax, où il fallait rappeler son ambassadeur pour écouter ce qu'il avait à dire et lui donner des instructions. Aujourd'hui, il est indispensable que nos gens restent sur place quand il y a des crises, c'est le seul moyen pour nous d'être informés, c'est le seul moyen pour nos interlocuteurs étrangers de recevoir notre point de vue dans les plus brefs délais. Il faut cesser de réclamer sans cesse le rappel des ambassadeurs en période de crise. Avec cette tradition, on en est à l'époque de Stendhal, éventuellement de Paul Claudel, mais pas à la fin du XXe siècle! Dans le contexte actuel, la seule contribution que la Suisse peut apporter à une solution politique de la crise, c'est de s'associer, encore une fois de manière autonome, aux résolutions des Nations Unies. Nous ne pouvons pas nous désolidariser. Il y a en outre toute la dimension humaine provoquée par cette crise, qui ne nous est pas indifférente. Cette crise engendrée par l'occupation d'un petit Etat par l'Irak a condamné des centaines de milliers d'étrangers, sur un total de 1,5 à 2 millions, à un exode dramatique vers les pays voisins. Si quelque
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000 personnes ont provisoirement pu être accueillies en Jordanie dans des camps de tentes, environ 360 000 personnes déplacées provenant d'Egypte et de divers pays asiatiques - le Bangladesh, le Sri Lanka, le Pakistan, les Philippines - attendent leur rapatriement à la frontière jordano-irakionne, et leur sort est extrêmement précaire. Il y a encore une autre préoccupation majeure, à savoir le ravitaillement du très grand nombre de travailleurs asiatiques - environ 400 000. Le Comité des sanctions de l'ONU étudie présentement la manière de leur venir en aide. La Suisse a été l'un des premiers pays à se mobiliser pour soutenir des campagnes d'aide en faveur des personnes déplacées, bloquées en Jordanie. Par leurs efforts conjugués, le Comité international de la Croix-Rouge, la Ligue des Sociétés de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge, le Corps suisse pour l'aide en cas de catastrophes ont fait ce qui était en leur pouvoir pour atténuer la détresse des personnes déplacées, bloquées à la frontière jordano-irakienne. Vingt-cinq délégués du CICR sont à l'oeuvre dans trois camps de transit jordaniens. Réagissant sans délai, la Division aide humanitaire et aide suisse en cas de catastrophes du Département des affaires étrangères a dépêché neuf experts en Jordanie. Par ailleurs, des centaines de citernes d'eau, des installations de distribution d'eau, des canalisations préfabriquées, des jerricans, des couvertures à usages multiples et des tentes, représentant un montant total de quelques centaines de milliers de francs, ont déjà été acheminés. Deux spécialistes des communications délégués par le Corps suisse pour l'aide en cas de catastrophes prêtent leur concours à la Croix-Rouge jordanienne en vue de créer un réseau de communications reliant les camps. Des mesures d'aide en faveur des personnes déplacées en Turquie sont à l'étude actuellement. La Direction pour l'aide humanitaire et la coopération techni-- 5 of 25 -24. September 1990 N 1513 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse que a débloqué, dès le début de la crise, environ 600 000 francs pour soutenir l'action du CICR sur le terrain. Le Comité international pour les Migrations des Nations Unies a reçu de notre part une somme de 250 000 francs destinée au financement d'un objectif prioritaire, le rapatriement des réfugiés. Le
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septembre, il y a une semaine exactement, le Conseil fédéral a accordé 10 millions de francs à titre d'aide d'urgence, principalement en faveur des victimes de la crise du Golfe bloquées en Jordanie. Sur ce montant, 6 millions sont destinés au financement conjoint des ponts aériens - la Suisse a affrété un appareil charter pour le transport des personnes déplacées - alors que 4 millions sont destinés à l'aide sur le terrain, pour les personnes déplacées attendant leur rapatriement. Ces dernières sont assistées par l'Organisation des Nations Unies et les organisations humanitaires. Une aide financière et économique aux pays tiers directement touchés par la crise du Golfe est à l'étude. Là aussi, la Suisse est disposée à fournir sa contribution, qui ne sera pas négligeable, vous aurez l'occasion de le mesurer. Nous estimons que la distribution à titre humanitaire de vivres à l'Irak doit s'effectuer exclusivement par l'intermédiaire d'organisations internationales ou de la Croix-Rouge, ce qu'indiqué par ailleurs le texte de la résolution du Conseil de sécurité. Pour l'instant, la distribution de denrées alimentaires n'entre pas en ligne de compte pour notre pays à titre immédiat, mais par le truchement de ces organisations humanitaires. La livraison de médicaments, telle que prévue en vertu de résolutions de l'Organisation des Nations Unies et de l'ordonnance fédérale, est subordonnée à l'autorisation du Département fédéral de l'économie publique. Celui-ci a donné son accord la semaine dernière, à la suite de demandes expresses de firmes suisses, pour des cas limités et des produits pharmaceutiques au sens strict du terme. La politique pratiquée en la matière par la Suisse correspond à celle de l'ensemble des pays de l'OCDE. En vertu de la législation actuelle sur l'exportation de matériels de guerre, aucune arme n'a été livrée à l'Irak pendant toute la guerre du Golfe. Quant à l'éventuelle participation d'entreprises suisses à la production de l'industrie irakienne d'armement, seules sont connues des autorités compétentes les ventes de marchandises dont l'exportation est autorisée en vertu des lois et prescriptions en vigueur. Il est néanmoins difficile de déterminer dans quelle mesure des produits destinés à une production civile auraient pu servir à des fins d'armement nous pensons plus spécialement au domaine chimique. Lorsque récemment des indications ont laissé penser que l'Irak s'employait à mettre sur pied des installations de production de gaz de combat chimiques et biologiques ainsi que leurs systèmes porteurs, des fusées, nous avons examiné avec une attention toute particulière les affaires susceptibles de donner lieu à un emploi abusif, portées à notre connaissance. C'est ainsi que le Conseil fédéral, se référant à l'article 102, chiffre 8, de la Constitution fédérale, a interdit, en novembre 1989, l'exportation d'un stand d'essai de fusées, l'exportation et l'installation d'appareils biotechniques qui pouvaient être utilisés pour la production de gaz de combat biologiques. Plus récemment, le Ministère public a fait séquestrer des pièces métalliques d'une maison suisse, qui auraient pu être destinées à la fabrication du fameux super-canon en Irak. L'Office fédéral des affaires économiques extérieures s'est adressé, ce printemps, au Vorort pour le rendre attentif à la préoccupation des autorités suisses au sujet d'une possible participation suisse au développement de l'industrie irakienne d'armement. Ainsi que vous l'avez par ailleurs appris par la presse, une enquête est menée par le Ministère public de la Confédération, afin de déterminer si deux entreprises suisses pourraient avoir commis une infraction à la loi sur l'énergie nucléaire. Enfin, le Conseil fédéral a interdit cet été, avant les événements, l'exportation d'un laboratoire et d'une installation de développement destinés à la production de carburant pour fusées. Depuis que l'Irak a procédé aux premiers engagements d'armes chimiques, des mesures ont été prises pour éviter la prolifération de ces armes. Ainsi, la loi fédérale sur le matériel de guerre a été complétée, en 1987, par une ordonnance concernant la désignation des substances chimiques soumises à autorisation. La liste des substances qui ne peuvent pas être exportées sans autorisation spéciale a été complétée la dernière fois en 1989. Actuellement, ces substances sont au nombre de douze. En outre, la Suisse participe aux travaux du groupe Australie qui coordonne et, dans la mesure du possible, uniformise dans le domaine de la chimie les contrôles nationaux des pays industriels occidentaux les plus importants. Afin d'empêcher l'utilisation abusive d'installations ou de parties d'installations et de leur technologie, auxquelles la législation sur le matériel de guerre ou sur l'énergie atomique n'est pas applicable, le Conseil fédéral a chargé un groupe de travail d'élaborer une future base légale. Celle-ci sera destinée au contrôle de l'exportation d'installations qui pourraient servir à la fabrication d'armes chimiques et biologiques ou à la technologie en matière de construction de missiles. Ce groupe de travail aura vraisemblablement préparé un premier projet au cours de l'hiver 1990-1991. Le Conseil fédéral prendra prochainement une décision de principe au sujet des exportations d'armes à destination des pays du Golfe et de la Turquie. Aucune exportation ne sera autorisée vers ces régions avant que cette décision ne soit prise. Par ailleurs, à la suite des postulats du 21 novembre 1989 déposés par la Commission de gestion du Conseil national, après son inspection dans le domaine du matériel de guerre, le champ d'application de la loi sur le matériel de guerre devra être examiné ainsi que toute la pratique qui en découle. Au sujet de la question posée par le groupe écologiste concernant une interdiction d'exportation de matériel de guerre à destination du tiers monde, il convient de constater que la loi en vigueur n'offre pas, dans les circonstances actuelles, une base légale suffisante. Les critères contenus dans les articles 10 et 11 de la loi sur le matériel de guerre sont donc applicables à tous les Etats. Je terminerai par une brève analyse de l'évolution de la situation. L'intransigeance de M. Saddam Hussein qui, le 28 août, a proclamé le Koweït 19e province d'Irak et rebaptisé l'ancienne capitale de l'émirat, n'est pas entamée et reste de nature à compromettre les chances d'un règlement négocié. Aujourd'hui, la crise du Golfe est entrée dans une nouvelle phase qui devrait montrer si la communauté internationale sait avoir la fermeté de faire respecter les sept résolutions du Conseil de sécurité, car l'Organisation des Nations Unies ne sortirait pas renforcée si ses résolutions devaient rester lettre morte. Mais encore faudrait-il, à propos des résolutions de l'ONU, ne pas avoir des exigences sélectives. Pour la communauté des Etats, les résolutions de l'ONU ne sont pas négociables, elles doivent être appliquées sans condition par l'Irak. Or, le président Hussein s'est enfermé dans une attitude de refus que seul l'embargo pourra peut-être ébranler. Cependant, si le blocus parvient à mettre l'économie de l'Irak dans une situation insupportable, une initiative désespérée reste possible. La crise pourrait s'étendre à d'autres pays de la région. Les Etats-Unis n'excluent pas un recours à la force si les sanctions tardaient à avoir les effets escomptés. L'Union soviétique et la plupart des autres Etats préconisent quant à eux de s'en tenir à l'embargo. Les sanctions, rien que les sanctions, toutes les sanctions! Pour notre part, nous devons être prêts à soutenir tout effort international visant à éviter ce que certains, même parmi mes amis, ont appelé la logique de guerre. Cette nouvelle crise au Moyen-Orient aura démontré, pour la première fois depuis 1945, la large convergence de vues entre les deux grandes puissances et leurs gouvernements, Moscou et Washington. Elle aura donné à l'URSS l'occasion d'être politiquement présente dans la région. Pour notre pays, cette crise nous rappelle que la détente Est-Ouest ne peut et ne doit pas nous faire oublier toutes les autres sources de conflits. Notre politique, telle qu'elle sera définie dans le domaine de la sécurité dans un prochain rapport doit aussi prendre en compte les crises extra-européennes, leurs causes et les conséquences de ces crises sur la Suisse. Dans sa politique envers l'Irak, la Suisse a suivi une ligne de conduite conforme à la très grande majorité des Etats. Il ne s'agit pas d'exclure l'Irak en tant qu'Etat, en tant que nation de la Communauté des nations, mais de démontrer que l'agres-- 6 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1514 N 24 septembre 1990 sion ne paie pas, que celui qui foule délibérément aux pieds les normes les plus élémentaires du droit des gens ne peut pas le faire impunément. Il s'agit aussi, à travers les sanctions, d'éviter le renouvellement de telles agressions, de telles prises d'otages, et de faire respecter la prééminence du droit reconnu par les parties dans les relations internationales. Pour un petit pays comme la Suisse, il s'agit là d'un intérêt fondamental. Mais il ne faut pas cacher une autre réalité. S'ils veulent éviter de nouvelles agressions, les pays industrialisés du monde devront à l'avenir s'interroger sérieusement sur leurs exportations d'armes, sur leurs exportations de technologies avancées ou de matériel servant en fin de compte à la multiplication à travers la planète des arsenaux destinés à servir des intérêts qui s'opposeront très vite aux nôtres. Le président irakien essaie de diviser le front international qui l'a condamné. Il tente de placer son agression, puis l'annexion du Koweït sous l'étiquette de l'opposition entre l'Occident et la nation arabe ou bien entre les pays industrialisés et le tiers monde. Il ne faut pas nier qu'il existe souvent une incompréhension profonde entre l'Occident et le monde arabe et qu'on doit s'employer à la surmonter. La position de la Suisse, celle des pays occidentaux n'est pas une position anti-arabe, elle est la position de pays qui choisissent le droit pour régler les problèmes. C'est encore plus vrai que le problème du tiers monde est loin d'être résolu, mais nous devons fermement démentir, dénoncer des amalgames qui ne cherchent qu'à légitimer un évident acte d'agression. Il est dans l'intérêt de la Suisse'et de toute la communauté internationale de faire comprendre que dans notre monde la force du droit doit l'emporter sur le droit de la force. (Applaudissements) Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen offensichtliche Mehrheit Minderheit Le président: En ce qui concerne la succession des orateurs et des oratrices, je vous propose les modalités suivantes: s'exprimeront, premièrement, les auteurs des interpellations, qui sont d'ailleurs souvent les porte-parole des groupes. Ils auront à disposition, quant ils sont porte^parole des groupes, dix minutes, si ce n'est pas le cas, cinq minutes. Ensuite, s'exprimeront les porte-parole des groupes qui n'ont pas présenté d'interpellation, puis les orateurs à titre individuel. Je vous rappelle encore une fois que nous discutons des cinq premières interpellations qui concernent le Département fédéral des affaires étrangères. Bundi: Ich glaube, ich darf eines im Namen der gesamten Kommission für auswärtige Angelegenheiten tun, nämlich Herrn Bundesrat Felber für die umfassenden Darlegungen zur Interpellation, die wir eingereicht haben, danken. Wir alle waren über die brutale Niederschlagung Kuwaits überrascht. Das Schweizer Volk hat eigentlich einmütig die Verurteilung der Invasion durch den Bundesrat, und ebenfalls das unbedingte Verlangen nach Rückzug, gebilligt. Der Bundesrat hat heute die Gründe für sein Handeln nach Ausbruch der Golfkrise dargelegt. Er hat damit die Ausführungen, die er am 16. August vor der aussenpolitischen Kommission machte, weitgehend bestätigt. Die Kommission hat schon damals dem Bundesrat für sein rasches Handeln gedankt. Sie hat grossmehrheitlich seinen Beschluss, die Wirtschaftsmassnahmen gegen den Irak mitzuvollziehen, begrüsst und unterstützt. Sie hat aber keinen einheitlichen Gesichtspunkt in Bezug auf die Interpretation des mit der Boykottmassnahme verbundenen Neutralitätskurses oder in Bezug auf die künftig zu führende Neutralitätspolitik erlangt. Die heutige Diskussion mag dazu beitragen, auch eine teilweise Klärung dieser Frage herbeizuführen. Ich möchte zunächst kurz auf die Begründung der schweizerischen Sanktionen durch den Bundesrat eingehen. In mehreren Verlautbarungen des Bundesrates nach seinem Sanktionsbeschluss wurde erklärt, ein Abseitsstehen der Schweiz wäre ihr als Schwäche und Feigheit ausgelegt worden. Dieses Verhalten hätte uns in den Augen der Weltöffentlichkeit auf die Seite des Iraks gestellt, hätte dem Image unseres Landes geschadet. Dies alles ist wohl zutreffend. Allein, es ist die Frage zu stellen, ob dies die stichhaltigen Argumente waren, ob es nicht herzhafter und glaubwürdiger gewesen wäre, zu sagen: «Wir schliessen uns einfach aus Solidarität den weltweiten Massnahmen an. Wir wollen mithelfen, diese krasse Verletzung des Völkerrechtes zu beseitigen!» Das Wort Solidarität, von dem wir sonst so häufig Gebrauch machen, hätte ohne weitere Beifügungen zur Begründung herangezogen werden können. Wie es der Bundesrat formulierte, tönt es fast ein bisschen so, als ob es mit seinem Mut nicht gerade sehr weit her wäre. Und noch eine weitere Bemerkung in diesem Zusammenhang: Der Bundesrat hat auch erklärt, er habe seinen Beschluss für die Sanktionen autonom gefasst. Es ist wohl anzuerkennen, dass der Bundesrat schnell reagiert hat, dass er im Hinblick auf den zu erwartenden Beschluss der Uno die näheren Umstände und Folgen von Sanktionen aus juristischer, politischer und wirtschaftlicher Sicht seriös abklären Hess und dass er schliesslich aus freiem Entschluss gehandelt hat, und zwar rechtzeitig, nur einige Stunden nach dem Beschluss des Sicherheitsrates. Aber dass er völlig autonom gehandelt hätte, entspricht wohl nur zum Teil den Realitäten. Richtigerweise hat der Bundesrat vorher sowohl die ändern zwei Neutralen als auch die übrigen Mitglieder der Efta konsultiert, die alle ihre Bereitschaft zum Mitmachen signalisierten. Alsdann gab es die Aufforderung des Sicherheitsrates, die Nichtmitgliedstaaten der Uno sollten sich auch an den Sanktionen beteiligen. Damit war klar, dass die Schweiz gar nicht anders konnte. Der Sanktionsentscheid war trotzdem für die Schweiz einmalig, wie er auch für die Uno wegen dessen Schnelligkeit und Einmütigkeit, einmalig war. In der Beurteilung unserer Neutralität nun will der Bundesrat nach dem Sanktionsentscheid keine historische Wende erblicken. Er beruft sich auf das Haager Abkommen betreffend Rechte und Pflichten eines Neutralen von 1907. Dieses auferlege dem Neutralen strikte Enthaltung im Kriegsfalle und Verbot von finanzieller, Waffen- und Munitionshilfe, schreibe in wirtschaftlicher Hinsicht aber nichts vor. Unter bestimmten Bedingungen könne ein Neutraler auch wirtschaftliche Massnahmen ergreifen. Angesichts der Einmütigkeit des Uno-Beschlusses vom August 1990 waren nun diese bestimmten Bedingungen gegeben. Der Bundesrat erklärte denn auch, sein Beschluss sei keine grundsätzliche Abkehr vom traditionellen Neutralitätskurs. Er gedenke in Zukunft die Sachlage von Fall zu Fall zu erwägen. Diese Auffassung hat uns heute Herr Bundesrat Felber wieder bestätigt. So sehr man für diese bundesrätliche Interpretation Verständnis aufbringt, fällt es einem schwer, sie in allen Punkten zu teilen. Einmal gilt es festzuhalten, dass die Schweiz während fast eines Jahrzehnts nach dem Ersten Weltkrieg - als Mitglied des Völkerbundes - die Maxime der differentiellen Neutralität klar und offen verkündet hatte, d. h. sie hatte sich zum Mitmachen bei wirtschaftlichen Sanktionen verpflichtet. Aufgegeben hat sie diesen Grundsatz schliesslich aus Nützlichkeits-, um nicht zu sagen aus egoistischen Erwägungen. Teilweise begreiflich war die damalige Abkehr, weil der Völkerbund nicht universal und zudem auch am Abbröckeln war. Heute ist die Uno eine universelle Völkerorganisation. Sanktionsbeschlüsse, welche von diesem Gremium einmütig gegen Aggressoren gefasst werden, werden wir in Zukunft- nicht nur von Fall zu Fall - alle mittragen müssen. Also kann unser neutralitätspolitischer Kurs meines Erachtens klar definiert werden: différentielle Neutralität für alle einstimmig von der Uno beschlossenen Sanktionen. Ueberdies wird man um die Frage nicht herumkommen, ob diese différentielle Neutralität nicht auch je nach Fall bei menschenrechtsorientierten Sanktionen oder bei Sanktionen der ganzen Europäischen Gemeinschaft gelten soll. Zur Golfkrise möchte ich folgendes beifügen: Erstmals wird ein Aggressor durch eine fast einmütige Kundgebung der Völkergemeinschaft verurteilt und in die Schranken gewiesen, durch eine weltumspannende Aktion soll er zum Rückzug ge-- 7 of 25 -24. September 1990 N 1515 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse zwungen werden; das ist lobenswert und verdient uneingeschränkte Unterstützung. Zwei Probleme in diesem Zusammenhang gilt es jedoch zu beachten und nicht einfach zu verdrängen: Das eine ist der Gegensatz zwischen reich und arm. Der gewaltige Reichtum, welcher in Kuwait angehäuft und zur Schau gestellt wurde, musste gegenüber den armen Nachbarn als eine Provokation erscheinen. In einer an Rohstoffen überquellenden Region äusserte sich ein Verteilungsproblem, dem man in den weit entfernten Industriestaaten wohl kaum die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Es ist auch ein Problem, das sich eines Tages auf eine viel grössere Region ausweiten könnte, nämlich auf die Nord-Süd-Dimension. Um hier einen offenen Konflikt grösseren Ausmasses zu verhindern, braucht es wohl viel grössere Anstrengungen der Industriestaaten als bisher. Im Kampfe gegen Armut und Verschuldung der Entwicklungsländer braucht es massive Ausgleichsfonds im ökonomischen, sozialen und ökologischen Bereich. Der zweite Punkt betrifft die Waffenausfuhr: Saddam Husseins Aufrüstung erfolgte zu einem grossen Teil mit westlicher Hilfe. Westeuropäische und amerikanische Hochtechnologieunternehmen wetteiferten im Beliefern des Irak mit Rüstungsgütern. An der Lieferung von Industriewaren, die indirekt der Kriegsführung dienen, beteiligte sich auch die Schweiz. Wir haben heute Beispiele von Herrn Bundesrat Felber gehört. Diese Tatsachen werfen die Frage nach einschränkenderen Massnahmen für die Ausfuhr von indirekt zu Kriegszwecken dienenden Gütern auf. Sie lassen aber auch die Lieferung von Kriegsmaterial an nichtdemokratische, labile, unberechenbare Staaten und Regierungen als sehr bedenklich erscheinen. Es ist sehr zu begrüssen, dass der Bundesrat eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat, die diesen gesamten Fragenkomplex abklären soll. Zum Schluss: Es ist schon mehrfach gesagt worden, Neutralitätspolitik sei Interessenpolitik. Soweit unter Interessenpolitik nicht nur unsere internen Interessen gemeint sind, einverstanden. Gerade heute aber und vor allem im Rahmen der Golfkrise muss sich unsere Devise von Neutralität und Solidarität bewähren. Damit meine ich, dass unser Engagement im Rahmen der Flüchtlingshilfe, bei humanitärer Aktionen, aber auch in der Wirtschaftshilfe an die von der Golfkrise betroffenen Anrainerstaaten bedeutend auszubauen und zu verstärken ist. Herr Bundesrat Felber hat eine Reihe von Massnahmen erläutert, die der Bundesrat in Gang gesetzt hat, um in dieser Richtung zu helfen. Ich möchte aber Herrn Bundesrat Felber zum Schluss doch fragen, ob er der Auffassung ist, dass diese beschlossene Hilfe genügt oder ob nicht umfassendere Pakete, die annähernd an die Grössenverhältnisse unserer Nachbarstaaten herankämen, beschlossen werden müssten. Burckhardt: Die Besetzung Kuwaits durch die irakische Armee ist das bisher gefährlichste Ereignis in einer Reihe grosser Ereignisse der letzten Jahre, von denen wir wohl sagen dürfen, sie stellten zusammen einen weltgeschichtlichen Schub dar, der unsere Gesellschaft unwiderbringlich in neue Bahnen mit neuen Möglichkeiten und neuen Gefahren lenkt. Wir kennen die Elemente dieses Schubes von der Perestroika bis zur Beendigung des Kalten Krieges. In diese Reihe wird nun die Golfkrise eingeordnet. Mit einem grossen Unterschied allerdings: Während die neuesten Ereignisse in Europa einem Wegweiser in Richtung Frieden folgen, weist die Stossrichtung am Persischen Golf in bestürzendem Masse auf Krieg: auf Oelkrieg, auf Religionskrieg, auf Rassenkrieg, auf Sozialkrieg. Die Welt hat auf die irakische Provokation in erstmaliger Einigkeit rasch reagiert und zwei Grossmassnahmen eingeleitet, Wirtschaftssanktionen gegen Irak unter Führung des Uno-Sicherheitsrates und Aufmarsch von Luft-, See- und Landstreitkräften im Golfgebiet unter Führung der USA. Die Schweiz- da wollen wir dankbar sein - hat sich kurz entschlossen in die Aktion der Sanktionen eingeordnet. Damit haben sich für die Schweizer eine Reihe von Fragen bezüglich der Neutralität und Unabhängigkeit sowie der Möglichkeiten, weiterhin bei Konflikten ihre guten Vermittlerdienste anzubieten, ergeben. Der Bundesrat hat soeben diese Fragen, die wir gestellt haben, in sehr befriedigender Weise beantwortet. Die liberale Fraktion dankt ihm dafür. Es mag Gründe internationalen Rechts, insbesondere der Neutralitätsrechte, geben, welche es dem Bundesrat hätten nahelegen können, andere Wege mit ähnlicher Zielsetzung zu suchen, aber trotzdem hat der Bundesrat auf solche Auswege verzichtet und sich klar und loyal gegenüber den Aktiven in der Weltgeschichte, die jetzt gestaltet wird, geäussert. Man könnte für diese Stellungnahme zahlreiche gute Gründe angeben. Ich werde hier nur versuchen, einige aus der geschichtlichen Entwicklung erwachsene Gründe anzuführen. Das sich dem Ende zuneigende 20. Jahrhundert, unser Jahrhundert, hat zwei in Europa herbeigeführte Weltkriege erlebt, in welchen es die Aufgabe der Schweiz gewesen ist, die Alpenstellung zu halten und sich die demokratische Freiheit zu wahren. Eine klare, allen verständliche und fast allen erwünschte Pflicht. Vor dem Ersten Weltkrieg beherbergte Europa fünf Imperien: auf der feudalen Seite die Kaiserreiche Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Russland, auf der freiheitlichen Seite Frankreich und Grossbritannien. Aus dieser Situation ist damals eine so spannungsgeladene politische Atmosphäre entstanden, dass es, wie es uns viele Historiker darstellen, fast ungewollt zum kriegerischen Konflikt kommen musste. Das Kriegsglück hätte sich trotz schlechter politischer Führung dem deutschen feudalen Reich zuwenden können, wenn nicht in höchster Not die USA bereit gewesen wären, durch eigenes militärisches Eingreifen die Situation für die Demokratien und die Freiheit zu retten. Man muss sich einmal vor Augen führen, dass schon damals - und trotz der Monroe-Doktrin - den amerikanischen Bürgern zugemutet worden ist, ihre Söhne in einen Krieg, der eigentlich gegen ihren Willen unter Dritten entbrannt war, in Todesgefahr zu schicken - für eine Sache, die eigentlich gar nicht die ihre gewesen ist. Auf Anregung der USA ist der endliche Sieg anno 1918 mit der Konstituierung eines von den USA insinuierten und den Frieden garantierenden Völkerbundes besiegelt worden, dessen segensreiche Wirkung am harten Frieden von Versailles scheitern musste, einen Frieden, der - letzten Endes ohne die enttäuschten USA abgeschlossen - die Keime eines zweiten europäischen Krieges schon in sich barg. Wie es zu diesem Zweiten Weltkrieg kam, haben viele von uns miterlebt: die Schwäche des Balkanraumes, das Wiedererwachen des deutschen Militarismus, die faschistischen Erfolge in Abessinien, das Akzeptieren der Rheinlandbesetzung und des Einmarsches in Oesterreich durch die sogenannten Siegermächte, die Kapitulation Grossbritanniens und Frankreichs in München, die Besetzung der Tschechoslowakei im März 1939, und endlich der Ueberfall auf Polen. Ich erinnere mich genau des bösen Eindruckes, den uns damals, am 26. August 1939, das Bild Molotows und Ribbentrops in den Tageszeitungen gemacht hat. Die beiden Aussenminister unterzeichneten den Freundschaftsvertrag, der dem Deutschen Reich und Russland die Teilung Polens und damit die Eröffnung des Zweiten Weltkrieges ermöglichen sollte. Im Hintergrund des Bildes von damals war ein lachender Stalin zu sehen. Den wenigsten aber ist die Europareise des amerikanischen Sonderbotschafters Sumner Welles in Erinnerung geblieben, der im Winter 1939/40 die europäischen Grossmächte im Auftrag des Präsidenten Roosevelt besucht und gemahnt hat, zum Frieden zurückzukehren: November/Dezember/Januar 1939/40, ohne Erfolg. Letzten Endes ist der siegreiche Ausgang des Zweiten Weltkrieges wiederum und weitgehend dem aktiven Eingreifen der USA zu verdanken, welche diesen weder verschuldet noch gewollt hatten. Auch in Jalta hat es nicht an den amerikanischen Zielsetzungen, sondern eher an der tödlichen Krankheitsschwäche ihres Präsidenten gelegen, dass es zur Teilungssituation eines Eisernen Vorhanges in einer so harten Weise hat kommen können. Mit dem Marshall-Plan haben die Amerikaner ihrem Teil, d. h. dem westlichen Teil Europas, zum überraschenden Wirtschaftswunder verholten. Sie haben auch unter Truman 1947 mit einer Luftbrücke den demokratischen Teil Berlins für den -- 8 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1516 N 24 septembre 1990 Westen erhalten. Sie haben sich überall im Namen ihres Demokratieverständnisses für die Freiheit und für die Demokratie eingesetzt; selbst in Vietnam, in ihrer Art, wo ihnen als ungewollte Erben der Franzosen der Kampf gegen den Kommunismus ins Haus gestanden hat. Sie haben es sich zur Pflicht gemacht, gegen Diktaturen und gegen die Machtgelüste der UdSSR anzutreten, das schlechte Beispiel der nachgebenden Haltung Münchens vor Augen. So ist es nicht nur das Verdienst Gorbatschows, dass im Bereiche des russischen Imperiums Tauwetter herrscht, sondern auch jenes der USA, welche im kalten Krieg nicht nachgegeben haben. Und nun müssen die Amerikaner am Golf wieder mit militärischer Macht antreten, die Möglichkeit eines Krieges im Auge müssen sie die Verantwortung für den Weltfrieden im grossen, für das Schicksal zahlreicher Geiseln im kleinen weitgehend auf ihre Schultern laden. Man glaube nicht, die USA seien kriegslüstern. Das Prinzip der Monroe-Doktrin, sich ausserhalb Amerikas nicht zu engagieren, beweist das Gegenteil. Sie greifen trotzdem ein, weil sie wissen, dass man von ihnen weltweit Hilfe erwartet, wenn es gefährlich wird, und dass letzten Endes heute das Schicksal ihrer eigenen Nation vom Weltgeschehen abhängig ist, das sie deshalb mitlenken helfen müssen. Sie haben sich bei der Erfüllung ihrer politischen Supermachtpflichten finanziell und wirtschaftlich geschwächt, während die Hauptverursacher des Zweiten Weltkrieges so etwas wie wirtschaftliche Supermächte geworden sind - das sind Japan und Deutschland -, immer noch vom Schütze der USA abhängig. Es ist wirklich wichtig, dass wir gegenüber den USA als unserer Schutzmacht loyal bleiben - im Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten der Neutralität-, und loyal gegenüber der Uno, welche mit Sanktionen den Frieden aufrechterhalten will, den sie sich auf ihre Fahnen geheftet hat. Braunschweig: Ich schliesse mich dem Dank an Herrn Bundesrat Felber für die Ausführungen und vor allem die Arbeit an, die er in den letzten Wochen leisten und für die Entscheidungen, die er treffen musste. Dieser Dank umschliesst selbstverständlich auch alle seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die daran beteiligt waren und in kurzer Zeit weitreichende Entscheidungentreffen mussten. Schliesslich sage ich ausdrücklich: Unsere Solidarität gehört den Geiseln, denn ihr Schicksal ist ein entsetzliches Schicksal; ich denke dabei besonders an die getrennten Familien, auch an die Flüchtlinge, die Verfolgten und Unterdrückten. Ich bin dankbar, dass uns Herr Felber zugesichert hat, es sei schon manches geleistet worden und es werde noch etliches zu leisten sein. Ich ermutige ihn, gerade in dieser Beziehung so grosszügig wie möglich zu sein. Wenn wir heute und dort helfen, ist das Risiko etwas kleiner, dass dereinst die Flüchtlinge an unsern Grenzen stehen und neue und grössere Schwierigkeiten bereiten. Denn wir wissen, dass ein Teil unseres Volkes nicht sehr tolerant ist. Auch deswegen sollten wir an Ort und Stelle soviel wie möglich tun. Wir stehen voll und ganz hinter Bundesrat Felber in der Verurteilung des Regimes von Saddam Hussein. In einem Punkt allerdings gehen wir noch einen Schritt weiter: Was Saddam Hussein Kuwait angetan hat, ist das eine; was er darüber hinaus auch seinem eigenen Land -Teilen des Volkes, den Minderheiten, der Opposition und vor allem den Kurden-angetan hat, ist ein zusätzliches Verbrechen, und das verurteilen wir zusätzlich und in ganz besonderer Weise. Deshalb stehen wir hinter den getroffenen Wirtschaftssanktionen. Ich greife eine Frage heraus, weil wir ihr in unserer Interpellation besonderes Gewicht geschenkt haben, nämlich die Frage des Kriegsmaterialexportes. An dieser Stelle - muss ich sagen, Herr Bundesrat Felber wäre ich dankbar, wenn Sie noch etwas deutlicher sagen könnten, weswegen bis heute noch kein Ausfuhrverbot für alle Golfstaaten beschlossen worden ist. Warum hat der Bundesrat bei den Wirtschaftssanktionen so speditiv gehandelt und hier so schleppend? Nach Pressemeldungen soll er erst am 14. November 1990 darüber entscheiden. Es dürfen doch heute einfach keine Waffen mehr in diese Gebiete geschickt werden! Dieser Stopp ist sofort zu erlassen. Ich bitte Sie ganz dringend um einen entsprechenden Beschluss. In einem Punkt muss ich Ihnen, Herr Bundesrat, widersprechen. Sie haben gesagt, es sei schon möglich, dass ziviles Material, das während des irakisch-iranischen Krieges dorthin geschickt worden sei - legal nach dem Buchstaben des Gesetzes -, auch für den Krieg gebraucht worden sei. Ich wäre froh, wenn der Bundesrat nicht nur nach dem Buchstaben, sondern auch nach dem Geist des Gesetzes entscheiden würde. In Einzelfällen wissen wir, Sie und ich und wir alle, ganz genau, dass Material für den Kriegseinsatz gebraucht worden ist. Ich habe vor Jahren eine Anfrage zu Notstromgruppen gestellt, die an das Luftfahrtministerium von Irak geschickt wurden. Es kann doch niemand behaupten, dieses kriegswichtige Material sei für irgendwelche friedlichen, zivilen Zwecke verwendet worden. Das wussten wir alle; wir sollten vor uns selber ehrlicher sein. Ich wäre dankbar, wenn der Bundesrat nach diesen Erfahrungen über die Bücher gehen würde. Es gibt noch andere Punkte, die es dringend nötig machen und die ich wegen der Zeitbegrenzung nicht detailliert darstellen kann. Der Bundesrat hat über die Grundsatzfrage - Kriegsmaterial in die arabischen Staaten, in den nahöstlichen Raum - zu lange nicht selber entschieden, sondern es der Verwaltung überlassen, obwohl er eigentlich vom Gesetz her verpflichtet wäre, dort, wo es ganz schwierig und heiss ist, selber zu entscheiden. Etwas Ueberraschendes ist geschehen. Ich habe vor mir die erwähnte Verordnung des EVD überWirtschaftsmassnahmen gegenüber der Republik Irak und dem Staat Kuwait. In Artikel 1 Absatz 1 steht, dass diesen Sanktionen auch «die Vermittlung von Waffen» unterstellt ist. Erinnern Sie sich: Wie viele Male haben wir im Falle des Kriegsmaterialexportes gesagt, auch die Vermittlung von Waffen sollte dem Verbot unterstellt werden! Wie viele Male haben uns die Vorsteher des EMD gesagt: 1951, Bundesgerichtsentscheid! Wie an die Bibel haben sie sich damals an diesen Bundesgerichtsentscheid von vor vierzig Jahren geheftet. Und heute ist es möglich, auf Departementsstufe mit einem Federstrich auch die Vermittlung von Waffen einzubeziehen. Ich hoffe, dass die Vermittlung ebenso speditiv in das Kriegsmaterialrecht einbezogen wird. In einem weiteren Punkt bin ich von der bisherigen Diskussion nicht befriedigt. Ich kann das Personalisieren und die Ausrichtung dieses Konflikts auf Saddam Hussein nicht mitvollziehen. Ich habe es noch in den Ohren: Vor Jahren hat man in derselben Weise von Nasser gesprochen; später von Ghadhafi, den die USA sogar zu Tode bombardieren wollten. Heute will man so etwas wieder planen, es gibt einzelne Militärs, die solche Ideen aussprechen. Dann war Arafat der Feind, dann bis vor kurzem Khomeiny - bis zu seinem Ende aus Altersgründen. Ich glaube nicht ganz an dieses personenbezogene Sündenbockdenken. Wenn Saddam Hussein getötet würde, dann kämen Nachfolger, die wahrscheinlich dieselbe Auffassung vertreten würden. Nach dem Tode von Khomeiny ist in der iranischen Politik auch nicht ein ganz anderer Weg eingeschlagen worden. Wir spüren doch diesen fundamentalistischen Aufbruch in allen arabischen Staaten! Ich wäre dankbar, Herr Bundesrat, wenn Sie zu diesem Aspekt Ergänzendes sagen könnten. Dieser Auf bruch, der nicht nur in Irak stattfindet, sondern auch in Nordafrika, im Iran und in den Nachbarstaaten, bereitet uns grosse Mühe. Ich habe schon mehrmals, auch an diesem Ort, gesagt, wir mussten uns mehr um die Geschichte der arabischen Staaten, um ihre Kultur, vor allem aber um ihr Denken und Fühlen und um den Islam kümmern, um diesen Aufbruch besser verstehen und beurteilen zu können. Dann kämen wir zu weniger falschen Schlüssen und würden die Golfkrise umfassender und weniger isoliert beurteilen. Es gibt in dieser Region nicht nur die Annexion Kuwaits, sondern auch den Bürgerkrieg in Libanon. Seit Jahrzehnten wird dieses Land zugrunde gerichtet. Die Staaten, die militärisch aktiv geworden sind, haben für den Staat Libanon bisher kaum den kleinen Finger gerührt. Dort sind eben keine Oelinteressen im Spiel. Dieses ungleiche Verhalten muss uns peinlich berühren wenn nicht gar beschämen. Es gibt zusätzlich den Konflikt in den besetzten Gebieten Israels sowie den Kurden-- 9 of 25 -24. September 1990 N 1517 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Konflikt in mindestens drei Staaten. Von den'Kurden sprechen viele Leute erst heute, obschon die Kurden schon seit Jahren verfolgt und nicht nur in Irak unterdrückt werden. Dann gibt es - auf einer zweiten Ebene - schon seit über vierzig Jahren den Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten. Wir im Westen und die Vereinigten Staaten, die vorhin hochgelobt worden sind, haben in den letzten Jahren nichts mehr zur Lösung dieses Konflikts beigetragen. Es gibt auf einer dritten Ebene den Konflikt zwischen der industrialisierten und der Dritten Welt. Herr Bundesrat, Sie haben das erwähnt, aber mir scheint diese Problematik doch von grösserer Bedeutung zu sein, als Sie es dargestellt haben. Ich frage mich, ob später die Geschichtsschreibung nicht sagen wird, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts habe es den Konflikt Vereinigte Staaten/Vietnam, Sowjetunion/Afghanistan und die Industriestaaten gemeinsam gegen die arabischen Staaten gegeben. Kommt noch das Seltsame hinzu, dass die arabischen Staaten ausserordentlich geteilt sind und differenziert zu Irak/ Kuwait Stellung nehmen. Vor Wochenfrist haben sich 10 oder
12 Staaten in Amman versammelt, die eher dem Irak nahestehen. Wir müssen darüber nachdenken, warum das so ist. Jetzt sind Iran und Syrien zusammengekommen. Sie haben die Eroberung von Kuwait verurteilt, aber auch die Intervention der Vereinigten Staaten gegen Irak abgelehnt. Saudi-Arabien, das vielleicht von den Vereinigten Staaten «gerettet» worden ist, hat gesagt: Keine militärischen Handlungen von unserem Territorium aus! Meine letzte Frage: Kann die Schweiz wirklich gar nichts anderes tun, als nur die Uno unterstützen? Wir haben in all diesen arabischen Staaten unsere qualifizierten Botschafter. Könnten wir von ihnen nicht mehr von diesen Differenzen erfahren? Könnten wir uns nicht an den Prozessen, die sich abspielen, beteiligen? Sollten wir nicht höhere Ansprüche an unsere Diplomaten und an uns selber stellen? Das würde weiter führen, wäre fruchtbarer, als wenn wir bei der Verurteilung stehenbleiben. Was die Verurteilung anbelangt, sind wir uns ja ohnehin einig. Widmer: Ich möchte versuchen, die Thematik der Sanktionen gegen Irak in den grösseren Rahmen der Entwicklung schweizerischer Neutralitätspolitik zu stellen. Selbstverständlich begrüssen wir, wie alle ändern, den Beschluss des Bundesrates, sich den Uno-Sanktionen anzuschliessen. Man muss sich aber im klaren sein, dass es sich dabei um einen ganz normalen, mehr oder weniger opportunistischen Beschluss gehandelt hat. Man muss sich noch mehr im klaren sein darüber, dass der Bundesrat gar keine Möglichkeit hatte, irgend etwas anderes zu beschliessen. Es wurde demzufolge auch keine heilige Kuh geschlachtet; davon kann gar keine Rede sein, schon deshalb nicht, weil - um beim gleichen Bild zu bleiben gar keine heilige Kuh vorhanden war, weder im Stall noch auf der Wiese. Warum nicht? Weil es für eine begriffsgetreue Neutralitätspolitik mindestens zwei verschiedene Parteien haben muss, wenn möglich noch mehr. In diesem Fall aber herrschte, wie Ihnen allen geläufig ist, bei allen für uns relevanten Gesprächspartnern, also bei den westlichen Demokratien, von Anfang an eine vollständige Einigkeit, es gab für uns gar keine Wahlmöglichkeit. Man könnte nun etwas darüber nachdenken, wieso auf einmal eine solche doch recht überraschende Einigkeit entstehen konnte. Ich will nur einen einzigen Aspekt auswählen, möglicherweise ist es der wichtigste: Offensichtlich hat sich die Haltung der Sowjetunion gegenüber den westlichen Demokratien - das ist Ihnen allen geläufig, Stichwort Perestroika - grundlegend gewandelt. Die Sowjetunion war gezwungen, auch in diesem Fall, sich sogleich den Wünschen der westlichen Demokratien anzuschliessen. Dafür gab es verschiedene Gründe: Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion. Das Land braucht Dollars und harte Mark, um sich wirtschaftlich zu erholen. Aber, was sicher wichtiger ist und gerne vergessen geht: die Sowjetunion wird unmittelbar bedroht von den fundamentalistischen Entwicklungen im Islam. Bedenken Sie, dass es in der Sowjetunion rund 50 Millionen Moslems gibt. Wenn diese Völkerschaften, die sich alle im Süden der Sowjetunion aufhalten, von den aggressiven fundamentalistischen Bewegungen ergriffen würden, so wäre die heutige Sowjetunion politisch erledigt. Die Sowjetunion hat deshalb ein ganz eminentes Interesse daran, dass die Entwicklung, die sich jetzt im Irak abzeichnet, gestoppt wird. Ob diese Einigkeit, die auch noch andere Gründe hat, in Zukunft andauert, das ist wieder eine andere Frage. Auf diesem Hintergrund ist der Sanktionsbeschluss des Bundesrates zu interpretieren als eine schüchterne, vorsichtige Rückkehr zu früheren Vorstellungen von schweizerischer Neutralitätspolitik. Da komme ich auf ein Anliegen, das ich Ihnen schon bei anderer Gelegenheit unterbreiten durfte und das ich für wirklich wesentlich halte: Die Schweiz und die Schweizer Politiker leben heute immer noch in der falschen Vorstellung, dass die Neutralitätspolitik, die wir ungefähr seit Ende der dreissiger Jahre betreiben, die richtige und einzig mögliche Neutralitätspolitik sei. Das ist grundfalsch, denn unser junger Bundesstaat von 1848 hat eine ganz andere Aussenpolitik, eine aktive, unternehmungslustige Neutralitätspolitik betrieben. Ich erinnere daran, mit welcher Tapferkeit, mit welchem Mut und weicher Entschlossenheit man sehr bald nach der Gründung des Bundesstaates, nämlich im Jahr 1856/57, die sogenannte Neuenburger Krise bewältigt hat. Die Preussen wollten damals ihre Rechte im Fürstentum Neuenburg Wiederaufleben lassen. Was war die Reaktion des schweizerischen Bundesrates? Man mobilisierte die Armee, man wählte Dufour noch einmal zum General. Dufour entwarf sofort einen Angriffsplan, er wollte von Schaffhausen aus nordwärts gegen die Preussen marschieren, ohne jedes Zögern das schweizerische Territorium aktiv verteidigen und sich ohne Rücksicht auf irgendwelche theoretische Erwägungen ganz klar für die nationale Aufgabe engagieren. Sie erinnern sich daran, wie die Schweiz sich noch nach dem Ersten Weltkrieg verhalten hat, also 1918. 1918 hat die Schweiz den Grossmächten einen eigenen Entwurf für eine Weltfriedensorganisation unterbreitet. Das war ein interessanter, wirkungsvoller Vorschlag; er hat wesentlich dazu beigetragen, dass Genf Sitz des Völkerbundes und mehrerer anderer internationaler Organisationen wurde. An diesem Beispiel sehen Sie sehr gut, dass wir heute noch von dieser früheren, aktiven Aussenpolitik profitieren. 1945 aber - das ist das Gegenbeispiel - waren wir so eingeschüchtert, so daran gewöhnt, uns auch geistig ins Réduit zurückzuziehen, dass wir weitgehend passiv blieben und dass die Entwicklung an uns vorbeigezogen ist. Es ist ausgeschlossen, dass die Schweiz auf die Dauer immer noch von den Leistungen früherer Generationen zehren kann. Insofern bin ich auch mit Herrn Bundi einverstanden, der gewisse Vorbehalte gegenüber den vorsichtigen Formulierungen des Bundesrates angebracht hat, als wären die Sanktionen mit der Neutralitätspolitik nicht vereinbar. Wir sind entschieden der Auffassung, Sanktionen gehören zu einer aktiven Neutralitätspolitik. Allerdings bedeutet das, Neutralitätspolitik soll nicht von Krämergeist, sondern von Idealismus, von Solidarität, von Humanität getragen werden. Da muss natürlich der Name Dunantfallen, derfür unsere Aussenpolitik auch heute noch massgebend ist. Damit komme ich zu einem ganz wesentlichen Gedanken: Es ist höchste Zeit, dass das Parlament die Aussenpolitik als ein wesentliches Thema erkennt. Ich fürchte, Sie sind sich nicht bewusst, was sich im Laufe der letzten zwei Monate abgespielt hat, nämlich folgendes: Bei der höchstwahrscheinlich wichtigsten Frage, vor der die Schweiz heute steht - bei der Beziehung der Schweiz zur EG -, ist die Initiative nicht vom Parlament, nicht von den Parteien, sondern von zwei Printmedien übernommen worden, die eine Volksinitiative gestartet haben. Wir sind in den verschiedensten Zirkeln jetzt eifrig beschäftigt, nachzuvollziehen, was andere ausserhalb des Parlamentes in Gang gesetzt haben. Anders ausgedrückt: Das Parlament muss nun endlich einmal zur Einsicht kommen, dass es eine Illusion ist, die Schweiz als ein Land zu sehen, das sich ohne Aussenpolitik, möglichst ohne Aussenpolitik, so durch die -- 10 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1518 N 24 septembre 1990 Schwierigkeiten schlängeln kann. Das führt selbstverständlich - das wird Sie nicht überraschen -zum Stichwort Uno. Herr Bundesrat Felber hat sehr richtig aus der Botschaft vom Jahre 1981 zitiert, die dannzumal den Uno-Beitritt einleiten wollte. Damals wurde ausdrücklich und richtig gesagt: Auch wenn man nicht Mitglied der Uno ist, wird man früher oder später gezwungen sein, sich an wirtschaftlichen Sanktionen zu beteiligen, ob es einem passt oder nicht. Das war damals der Hauptauseinandersetzungspunkt in der Volksabstimmung. Die Gegner des Uno-Beitrittes haben immer gesagt: Das ist das Gefährliche, das müssen wir vermeiden. Wenn wir Uno-Mitglied werden, dann müssen wir mitmachen bei solchen Wirtschaftssanktionen, und das darf auf keinen Fall geschehen. Sie haben beim Publikum Echo gefunden, wie Sie alle wissen. Der Beitritt wurde abgelehnt. Nun, was haben wir heute für eine Tatsache? Der Bundesrat hat Wirtschaftssanktionen beschlossen. Damit nicht genug, die Oeffentlichkeit hat absolut positiv darauf reagiert. Mit anderen Worten, etwas abgekürzt: Man hat gute Gründe anzunehmen, es sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Thema Uno-Beitritt wiederaufzunehmen; nicht nur allein deshalb, weil Liechtenstein nun Mitglied der Uno geworden ist. Das muss uns nicht unbedingt zwingende Begründung sein. Aber es sind sachliche Gründe, die uns heute zwingen, das Thema wiederaufzunehmen. Deshalb haben wir - damit möchte ich schliessen-ein Postulat eingereicht, das vom Bundesrat Auskunft darüber wünscht, wann er der Uno beizutreten gedenkt. M. Rebeaud: Je pourrais vous annoncer, presque comme un perroquet, à la suite des propos de M. Widmer, que cette discussion a aussi eu lieu au sein de notre groupe et que nous déposons aujourd'hui, non pas un postulat mais une motion demandant que soit rapidement reprise la question de la participation pleine et entière de notre pays aux travaux de l'Organisation des Nations Unies. Dans l'ensemble et dans les grandes lignes, notre groupe peut se déclarer satisfait des réponses du Conseil fédéral aux questions contenues dans son interpellation. Je demande cependant au représentant du gouvernement de nous en dire davantage su certaines de ses déclarations. En effet, si nous sommes satisfaits de sa réponse, nous ne pouvons pas, pour l'instant, nous déclarer rassurés. Pour cela, nous n'aurions pas besoin d'un discours du Conseil fédéral mais de précisions sur sa politique. La première concerne le pétrole. Il me paraît évident - si évident que le Conseil fédéral n'a pas jugé utile de le répéter que l'unanimité des Etats industrialisés et presque de tous ceux de la planète, quant à l'intervention de l'ONU sur le conflit du Golfe, est due au fait que les grandes puissances ont un intérêt économique et stratégique à ce que la région ne soit pas déstabilisée, et surtout à ce que les prix du pétrole n'augmentent pas trop rapidement. Les dernières expériences de crise pétrolière, qui ont été relativement légères par rapport à celle qui résulterait d'un embrasement militaire dans le Golfe, nous ont rendus prudents à cet égard. Monsieur Felber, vous avez déclaré ajuste raison: «l'Occident a la mémoire un peu courte. Il devrait peut-être réduire sa dépendance à l'égard du pétrole». Quand vous parlez de l'Occident, de qui s'agit-il? J'ai le sentiment que, dans le cas particulier, le rôle principal de l'Occident est joué par les Etats-Unis, mais que la totalité du monde industrialisé participe, de près ou de loin, à l'action de ce pays, pour les mêmes raisons (la dépendance à l'égard du pétrole). Nous sommes aussi l'Occident et nous aussi, petite Suisse, sommes coupables d'avoir eu la mémoire courte. Notre dépendance à l'égard du pétrole et notre consommation excessive de cette ressource rendent explosive la situation mondiale. Notre neutralité ne nous protégera pas contre les dégâts éventuels d'une troisième guerre mondiale liée à une crise autour du pétrole. Par conséquent, le Conseil fédéral - maintenant qu'il en a les compétences grâce à l'acceptation par le peuple de l'article sur l'énergie - est-il décidé à mettre tout en oeuvre pour réduire notre dépendance à l'égard du pétrole? Ma deuxième question porte sur les armes. Monsieur le Conseiller fédéral, vous avez dit à juste titre, une fois de plus, que les Occidentaux doivent s'interroger sérieusement sur le rôle des livraisons d'armes dans les pays du tiers monde. Nous avons pu lire dans les journaux de dimanche que le Conseil fédéral avait renoncé à interdire la livraison de matériel de rechange pour des canons de 35 mm. destinés à des porteavions séoudiens. N'aurait-il pas mieux valu, tout de suite, que le gouvernement interdise d'exporter la moindre arme dans les Etats du Golfe comme dans ceux du tiers monde? En effet, nous savons que la plupart de ces Etats n'ont pas une stabilité politique nous permettant d'être assurés que les armes que nous leur vendons ne seront pas utilisées à de tristes fins. Les Etats-Unis et l'Occident, malgré ou à cause d'eux, sont en train de choisir d'autres alliés contre Saddam Hussein. On a traité celui-ci de boucher: je veux bien, il a du sang sur les mains, mais je voudrais que l'on me dise pourquoi tout à coup, son voisin Hafezel-Assad ne mériterait pas, lui aussi, ce qualificatif. Le jeu des alliances des bouchers les uns contre les uns ne mène nulle part, à long terme. La seule chose que nous puissions entreprendre, puisque nous ne sommes pas dépendants des Etats-Unis pour les messages politiques que nous adressons au reste du monde, c'est de mettre en oeuvre une politique exemplaire de non-exportation d'armes et de réduction de notre dépendance à l'égard du pétrole. Cela est une politique à long terme mais, selon vos propos, Monsieur le Conseiller fédéral, nous devrions avoir la mémoire moins courte. J'espère donc que le gouvernement suisse prendra désormais cette menace au sérieux, et j'attends avec intérêt votre réponse sur ces points précis. Auer: Vorerst möchte ich, auch im Namen der freisinnigen Fraktion, Herrn Bundesrat Felber für seine Antwort und ihm und seinen Mitarbeitern für den Einsatz in den letzten Wochen herzlich danken. Es lohnt sich, wieder einmal - Herr Widmer gab schon den Anstoss dazu - über die Neutralität nachzudenken. Wir können dabei - wenn wir die Diskussion verfolgen - drei Lager ausmachen: Ein erstes, eher konservatives, sieht in der Neutralität ein unumstössliches Dogma, einen unverrückbaren Teil helvetischen Selbstverständnisses, fast so alt wie die Eidgenossenschaft selbst und offenbar für die Ewigkeit bestimmt. Das «Stillesitzen» nach der Lektion von Marignano habe sich bewährt. Aufs Maul hocken sollten wir weiterhin. Das überwältigende Nein des Volkes zum Uno-Beitritt ist zu einem erheblichen Teil auf diese Haltung zurückzuführen. Das zweite Lager vertritt die Gegenthese. Es kann deshalb nicht a priori als fortschrittlich bezeichnet werden, wohl aber teils als überheblich. Die Neutralität sei längst überholt, eine «heilige Kuh», das «Instrument von berechnenden Krämerseelen», das «Kalkül von blossem Opportunismus und Eigennutz», alles andere als moralisch; man drücke sich damit bloss nichtswürdig vor internationalen Solidaritätspflichten. Hierzu zweierlei:
12 Staaten in Amman versammelt, die eher dem Irak nahestehen. Wir müssen darüber nachdenken, warum das so ist. Jetzt sind Iran und Syrien zusammengekommen. Sie haben die Eroberung von Kuwait verurteilt, aber auch die Intervention der Vereinigten Staaten gegen Irak abgelehnt. Saudi-Arabien, das vielleicht von den Vereinigten Staaten «gerettet» worden ist, hat gesagt: Keine militärischen Handlungen von unserem Territorium aus! Meine letzte Frage: Kann die Schweiz wirklich gar nichts anderes tun, als nur die Uno unterstützen? Wir haben in all diesen arabischen Staaten unsere qualifizierten Botschafter. Könnten wir von ihnen nicht mehr von diesen Differenzen erfahren? Könnten wir uns nicht an den Prozessen, die sich abspielen, beteiligen? Sollten wir nicht höhere Ansprüche an unsere Diplomaten und an uns selber stellen? Das würde weiter führen, wäre fruchtbarer, als wenn wir bei der Verurteilung stehenbleiben. Was die Verurteilung anbelangt, sind wir uns ja ohnehin einig. Widmer: Ich möchte versuchen, die Thematik der Sanktionen gegen Irak in den grösseren Rahmen der Entwicklung schweizerischer Neutralitätspolitik zu stellen. Selbstverständlich begrüssen wir, wie alle ändern, den Beschluss des Bundesrates, sich den Uno-Sanktionen anzuschliessen. Man muss sich aber im klaren sein, dass es sich dabei um einen ganz normalen, mehr oder weniger opportunistischen Beschluss gehandelt hat. Man muss sich noch mehr im klaren sein darüber, dass der Bundesrat gar keine Möglichkeit hatte, irgend etwas anderes zu beschliessen. Es wurde demzufolge auch keine heilige Kuh geschlachtet; davon kann gar keine Rede sein, schon deshalb nicht, weil - um beim gleichen Bild zu bleiben gar keine heilige Kuh vorhanden war, weder im Stall noch auf der Wiese. Warum nicht? Weil es für eine begriffsgetreue Neutralitätspolitik mindestens zwei verschiedene Parteien haben muss, wenn möglich noch mehr. In diesem Fall aber herrschte, wie Ihnen allen geläufig ist, bei allen für uns relevanten Gesprächspartnern, also bei den westlichen Demokratien, von Anfang an eine vollständige Einigkeit, es gab für uns gar keine Wahlmöglichkeit. Man könnte nun etwas darüber nachdenken, wieso auf einmal eine solche doch recht überraschende Einigkeit entstehen konnte. Ich will nur einen einzigen Aspekt auswählen, möglicherweise ist es der wichtigste: Offensichtlich hat sich die Haltung der Sowjetunion gegenüber den westlichen Demokratien - das ist Ihnen allen geläufig, Stichwort Perestroika - grundlegend gewandelt. Die Sowjetunion war gezwungen, auch in diesem Fall, sich sogleich den Wünschen der westlichen Demokratien anzuschliessen. Dafür gab es verschiedene Gründe: Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion. Das Land braucht Dollars und harte Mark, um sich wirtschaftlich zu erholen. Aber, was sicher wichtiger ist und gerne vergessen geht: die Sowjetunion wird unmittelbar bedroht von den fundamentalistischen Entwicklungen im Islam. Bedenken Sie, dass es in der Sowjetunion rund 50 Millionen Moslems gibt. Wenn diese Völkerschaften, die sich alle im Süden der Sowjetunion aufhalten, von den aggressiven fundamentalistischen Bewegungen ergriffen würden, so wäre die heutige Sowjetunion politisch erledigt. Die Sowjetunion hat deshalb ein ganz eminentes Interesse daran, dass die Entwicklung, die sich jetzt im Irak abzeichnet, gestoppt wird. Ob diese Einigkeit, die auch noch andere Gründe hat, in Zukunft andauert, das ist wieder eine andere Frage. Auf diesem Hintergrund ist der Sanktionsbeschluss des Bundesrates zu interpretieren als eine schüchterne, vorsichtige Rückkehr zu früheren Vorstellungen von schweizerischer Neutralitätspolitik. Da komme ich auf ein Anliegen, das ich Ihnen schon bei anderer Gelegenheit unterbreiten durfte und das ich für wirklich wesentlich halte: Die Schweiz und die Schweizer Politiker leben heute immer noch in der falschen Vorstellung, dass die Neutralitätspolitik, die wir ungefähr seit Ende der dreissiger Jahre betreiben, die richtige und einzig mögliche Neutralitätspolitik sei. Das ist grundfalsch, denn unser junger Bundesstaat von 1848 hat eine ganz andere Aussenpolitik, eine aktive, unternehmungslustige Neutralitätspolitik betrieben. Ich erinnere daran, mit welcher Tapferkeit, mit welchem Mut und weicher Entschlossenheit man sehr bald nach der Gründung des Bundesstaates, nämlich im Jahr 1856/57, die sogenannte Neuenburger Krise bewältigt hat. Die Preussen wollten damals ihre Rechte im Fürstentum Neuenburg Wiederaufleben lassen. Was war die Reaktion des schweizerischen Bundesrates? Man mobilisierte die Armee, man wählte Dufour noch einmal zum General. Dufour entwarf sofort einen Angriffsplan, er wollte von Schaffhausen aus nordwärts gegen die Preussen marschieren, ohne jedes Zögern das schweizerische Territorium aktiv verteidigen und sich ohne Rücksicht auf irgendwelche theoretische Erwägungen ganz klar für die nationale Aufgabe engagieren. Sie erinnern sich daran, wie die Schweiz sich noch nach dem Ersten Weltkrieg verhalten hat, also 1918. 1918 hat die Schweiz den Grossmächten einen eigenen Entwurf für eine Weltfriedensorganisation unterbreitet. Das war ein interessanter, wirkungsvoller Vorschlag; er hat wesentlich dazu beigetragen, dass Genf Sitz des Völkerbundes und mehrerer anderer internationaler Organisationen wurde. An diesem Beispiel sehen Sie sehr gut, dass wir heute noch von dieser früheren, aktiven Aussenpolitik profitieren. 1945 aber - das ist das Gegenbeispiel - waren wir so eingeschüchtert, so daran gewöhnt, uns auch geistig ins Réduit zurückzuziehen, dass wir weitgehend passiv blieben und dass die Entwicklung an uns vorbeigezogen ist. Es ist ausgeschlossen, dass die Schweiz auf die Dauer immer noch von den Leistungen früherer Generationen zehren kann. Insofern bin ich auch mit Herrn Bundi einverstanden, der gewisse Vorbehalte gegenüber den vorsichtigen Formulierungen des Bundesrates angebracht hat, als wären die Sanktionen mit der Neutralitätspolitik nicht vereinbar. Wir sind entschieden der Auffassung, Sanktionen gehören zu einer aktiven Neutralitätspolitik. Allerdings bedeutet das, Neutralitätspolitik soll nicht von Krämergeist, sondern von Idealismus, von Solidarität, von Humanität getragen werden. Da muss natürlich der Name Dunantfallen, derfür unsere Aussenpolitik auch heute noch massgebend ist. Damit komme ich zu einem ganz wesentlichen Gedanken: Es ist höchste Zeit, dass das Parlament die Aussenpolitik als ein wesentliches Thema erkennt. Ich fürchte, Sie sind sich nicht bewusst, was sich im Laufe der letzten zwei Monate abgespielt hat, nämlich folgendes: Bei der höchstwahrscheinlich wichtigsten Frage, vor der die Schweiz heute steht - bei der Beziehung der Schweiz zur EG -, ist die Initiative nicht vom Parlament, nicht von den Parteien, sondern von zwei Printmedien übernommen worden, die eine Volksinitiative gestartet haben. Wir sind in den verschiedensten Zirkeln jetzt eifrig beschäftigt, nachzuvollziehen, was andere ausserhalb des Parlamentes in Gang gesetzt haben. Anders ausgedrückt: Das Parlament muss nun endlich einmal zur Einsicht kommen, dass es eine Illusion ist, die Schweiz als ein Land zu sehen, das sich ohne Aussenpolitik, möglichst ohne Aussenpolitik, so durch die -- 10 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1518 N 24 septembre 1990 Schwierigkeiten schlängeln kann. Das führt selbstverständlich - das wird Sie nicht überraschen -zum Stichwort Uno. Herr Bundesrat Felber hat sehr richtig aus der Botschaft vom Jahre 1981 zitiert, die dannzumal den Uno-Beitritt einleiten wollte. Damals wurde ausdrücklich und richtig gesagt: Auch wenn man nicht Mitglied der Uno ist, wird man früher oder später gezwungen sein, sich an wirtschaftlichen Sanktionen zu beteiligen, ob es einem passt oder nicht. Das war damals der Hauptauseinandersetzungspunkt in der Volksabstimmung. Die Gegner des Uno-Beitrittes haben immer gesagt: Das ist das Gefährliche, das müssen wir vermeiden. Wenn wir Uno-Mitglied werden, dann müssen wir mitmachen bei solchen Wirtschaftssanktionen, und das darf auf keinen Fall geschehen. Sie haben beim Publikum Echo gefunden, wie Sie alle wissen. Der Beitritt wurde abgelehnt. Nun, was haben wir heute für eine Tatsache? Der Bundesrat hat Wirtschaftssanktionen beschlossen. Damit nicht genug, die Oeffentlichkeit hat absolut positiv darauf reagiert. Mit anderen Worten, etwas abgekürzt: Man hat gute Gründe anzunehmen, es sei nun der Zeitpunkt gekommen, das Thema Uno-Beitritt wiederaufzunehmen; nicht nur allein deshalb, weil Liechtenstein nun Mitglied der Uno geworden ist. Das muss uns nicht unbedingt zwingende Begründung sein. Aber es sind sachliche Gründe, die uns heute zwingen, das Thema wiederaufzunehmen. Deshalb haben wir - damit möchte ich schliessen-ein Postulat eingereicht, das vom Bundesrat Auskunft darüber wünscht, wann er der Uno beizutreten gedenkt. M. Rebeaud: Je pourrais vous annoncer, presque comme un perroquet, à la suite des propos de M. Widmer, que cette discussion a aussi eu lieu au sein de notre groupe et que nous déposons aujourd'hui, non pas un postulat mais une motion demandant que soit rapidement reprise la question de la participation pleine et entière de notre pays aux travaux de l'Organisation des Nations Unies. Dans l'ensemble et dans les grandes lignes, notre groupe peut se déclarer satisfait des réponses du Conseil fédéral aux questions contenues dans son interpellation. Je demande cependant au représentant du gouvernement de nous en dire davantage su certaines de ses déclarations. En effet, si nous sommes satisfaits de sa réponse, nous ne pouvons pas, pour l'instant, nous déclarer rassurés. Pour cela, nous n'aurions pas besoin d'un discours du Conseil fédéral mais de précisions sur sa politique. La première concerne le pétrole. Il me paraît évident - si évident que le Conseil fédéral n'a pas jugé utile de le répéter que l'unanimité des Etats industrialisés et presque de tous ceux de la planète, quant à l'intervention de l'ONU sur le conflit du Golfe, est due au fait que les grandes puissances ont un intérêt économique et stratégique à ce que la région ne soit pas déstabilisée, et surtout à ce que les prix du pétrole n'augmentent pas trop rapidement. Les dernières expériences de crise pétrolière, qui ont été relativement légères par rapport à celle qui résulterait d'un embrasement militaire dans le Golfe, nous ont rendus prudents à cet égard. Monsieur Felber, vous avez déclaré ajuste raison: «l'Occident a la mémoire un peu courte. Il devrait peut-être réduire sa dépendance à l'égard du pétrole». Quand vous parlez de l'Occident, de qui s'agit-il? J'ai le sentiment que, dans le cas particulier, le rôle principal de l'Occident est joué par les Etats-Unis, mais que la totalité du monde industrialisé participe, de près ou de loin, à l'action de ce pays, pour les mêmes raisons (la dépendance à l'égard du pétrole). Nous sommes aussi l'Occident et nous aussi, petite Suisse, sommes coupables d'avoir eu la mémoire courte. Notre dépendance à l'égard du pétrole et notre consommation excessive de cette ressource rendent explosive la situation mondiale. Notre neutralité ne nous protégera pas contre les dégâts éventuels d'une troisième guerre mondiale liée à une crise autour du pétrole. Par conséquent, le Conseil fédéral - maintenant qu'il en a les compétences grâce à l'acceptation par le peuple de l'article sur l'énergie - est-il décidé à mettre tout en oeuvre pour réduire notre dépendance à l'égard du pétrole? Ma deuxième question porte sur les armes. Monsieur le Conseiller fédéral, vous avez dit à juste titre, une fois de plus, que les Occidentaux doivent s'interroger sérieusement sur le rôle des livraisons d'armes dans les pays du tiers monde. Nous avons pu lire dans les journaux de dimanche que le Conseil fédéral avait renoncé à interdire la livraison de matériel de rechange pour des canons de 35 mm. destinés à des porteavions séoudiens. N'aurait-il pas mieux valu, tout de suite, que le gouvernement interdise d'exporter la moindre arme dans les Etats du Golfe comme dans ceux du tiers monde? En effet, nous savons que la plupart de ces Etats n'ont pas une stabilité politique nous permettant d'être assurés que les armes que nous leur vendons ne seront pas utilisées à de tristes fins. Les Etats-Unis et l'Occident, malgré ou à cause d'eux, sont en train de choisir d'autres alliés contre Saddam Hussein. On a traité celui-ci de boucher: je veux bien, il a du sang sur les mains, mais je voudrais que l'on me dise pourquoi tout à coup, son voisin Hafezel-Assad ne mériterait pas, lui aussi, ce qualificatif. Le jeu des alliances des bouchers les uns contre les uns ne mène nulle part, à long terme. La seule chose que nous puissions entreprendre, puisque nous ne sommes pas dépendants des Etats-Unis pour les messages politiques que nous adressons au reste du monde, c'est de mettre en oeuvre une politique exemplaire de non-exportation d'armes et de réduction de notre dépendance à l'égard du pétrole. Cela est une politique à long terme mais, selon vos propos, Monsieur le Conseiller fédéral, nous devrions avoir la mémoire moins courte. J'espère donc que le gouvernement suisse prendra désormais cette menace au sérieux, et j'attends avec intérêt votre réponse sur ces points précis. Auer: Vorerst möchte ich, auch im Namen der freisinnigen Fraktion, Herrn Bundesrat Felber für seine Antwort und ihm und seinen Mitarbeitern für den Einsatz in den letzten Wochen herzlich danken. Es lohnt sich, wieder einmal - Herr Widmer gab schon den Anstoss dazu - über die Neutralität nachzudenken. Wir können dabei - wenn wir die Diskussion verfolgen - drei Lager ausmachen: Ein erstes, eher konservatives, sieht in der Neutralität ein unumstössliches Dogma, einen unverrückbaren Teil helvetischen Selbstverständnisses, fast so alt wie die Eidgenossenschaft selbst und offenbar für die Ewigkeit bestimmt. Das «Stillesitzen» nach der Lektion von Marignano habe sich bewährt. Aufs Maul hocken sollten wir weiterhin. Das überwältigende Nein des Volkes zum Uno-Beitritt ist zu einem erheblichen Teil auf diese Haltung zurückzuführen. Das zweite Lager vertritt die Gegenthese. Es kann deshalb nicht a priori als fortschrittlich bezeichnet werden, wohl aber teils als überheblich. Die Neutralität sei längst überholt, eine «heilige Kuh», das «Instrument von berechnenden Krämerseelen», das «Kalkül von blossem Opportunismus und Eigennutz», alles andere als moralisch; man drücke sich damit bloss nichtswürdig vor internationalen Solidaritätspflichten. Hierzu zweierlei:
1. Right or wrong - der Neutralitätsgedanke ist in unserem Volk tief verankert. Als befürwortender Referent für den Uno-Beitritt habe ich das weidlich erfahren müssen. Ob wir diese Einstellung richtig oder falsch finden: Dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger die Neutralität als eine tragende Säule unserer helvetischen Identität betrachten, ist zu respektieren.
2. Die Neutralität-wenn auch nicht sie allein-hat uns nun seit bald 200 Jahren vor Kriegen verschont. Ohne chauvinistisch zu sein oder die helvetische Schulmeisterrolle spielen zu wollen: Wenn andere Länder unserem Beispiel gefolgt wären, wäre uns mancher Krieg erspart geblieben. Nicht von ungefähr ist heute die strukturelle Nichtangriffsfähigkeit à la Suisse ein aktuelles Postulat in der internationalen Konfliktverhinderungspolitik geworden. Allzu tief brauchen wir also das Lichtlein der bewaffneten Neutralität nicht unter den Scheffel zu stellen. Das dritte Lager sieht in der Neutralität weder ein unerschütterliches Dogma noch etwas, das auf den Schutthaufen der Geschichte gehört, sondern ein durchaus bewährtes, freilich den Umständen anzupassendes Instrument unserer Aussenpolitik; kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck, nämlich zur Wahrung der Unabhängigkeit des Landes.
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24. September 1990 N 1519 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Die Auffassung dieses dritten Lagers deckt sich mit jener des Bundesrates und unserer Fraktion. Dabei unterscheiden wir zwischen dem Neutralitätsrecht und der Neutralitätspolitik. Das erstere, völkerrechtlich verankert, verpflichtet den Neutralen, sich aus kriegerischen Auseinandersetzungen herauszuhalten. Das ist nach wie vor der Hauptzweck der Neutralität. Weniger klar - und in der Handhabung schwieriger - ist die Neutralitätspolitik. Die Behauptung wäre blauäugig, sie sei stets konsequent und geradlinig gewesen, wir seien nicht mitunter vom Weg der Tugend abgewichen - zuweilen unter erheblichem ausländischem Druck -, die aussenpolitische Gesinnung habe stets mit der Neutralitätspolitik übereingestimmt, wir hätten nicht oft wirtschaftlichen Ueberlegungen die Priorität eingeräumt-einräumen müssen! Berechtigt ist aber auch nicht der Vorwurf, allein Opportunismus habe unsere Neutralitätspolitik geleitet. Man kann sie als Interessenpolitik qualifizieren. Aber kein Staat handelt aussenpolitisch altruistisch und stellt nicht eigene Interessen in den Vordergrund! Solidarität übt der Bundesrat aus mit seinen Massnahmen zur humanitären Hilfe für die Hunderttausenden von Flüchtlingen am Golf. Unsere Beteiligung an den Uno-Sanktionen gegenüber Irak ist - auf der einen Seite nahezu euphorisch, auf der ändern eher resignierend - als «Bruch mit der bisherigen Politik» und als «Abdankung der Neutralität» kommentiert worden, als «historische Kehrtwende» und - wieder einmal - als «Schlachten einer heiligen Kuh». Das alles ist es nicht! Wenn der Bundesrat zumindest in einem Punkt bemerkenswerte Weitsicht gezeigt hat, dann hier. Im Uno-Bericht von 1981 wird nämlich ausgeführt: «Dauernd neutrale Staaten werden, ob sie Mitglieder der Uno sind oder nicht, in allen Fällen den umfassend gehandhabten wirtschaftlichen Sanktionen der Organisation Rechnung tragen müssen: die Mitglieder aufgrund ihrer Mitgliedverpflichtungen, die Nichtmitglieder unter dem Druck der nicht weniger imperativen Sachzwänge» (Botschaft vom 21.12.81, S. 54). Schon zuvor, im zweiten Uno-Bericht von 1969 und im dritten Uno-Bericht von 1976, hatte der Bundesrat dargelegt, nichtmilitärische Sanktionen seien nicht zum vornherein unvereinbar mit der Neutralität. Genau jetzt ist der vom Bundesrat skizzierte Fall eingetreten: Der Sicherheitsrat beschloss die Sanktionen einmütig, und zwar - erstmals in der Geschichte der Uno - nicht mit dem Ziel, innenpolitische Veränderungen herbeiführen zu wollen, wie in den Fällen Rhodesien und Südafrika, sondern als Gegenzug zu einer verdammungswürdigen und brutalen Aggression auf ein Mitgliedland. Eine «historische Wende» ist nicht die Haltung des Bundesrates, sondern es sind die erstmalige Geschlossenheit der in der Uno vereinten Völkergemeinschaft und die von ihr Schlag auf Schlag getroffenen, drastischen Massnahmen gegenüber dem Irak. Historisch ist allenfalls-was das Verhalten deraussenstehenden Schweiz betrifft -, dass sich unser Land rasch und ohne Wenn und Aber einem Uno-Entscheid anschliessen konnte anschliessen musste! Das war kein «mutiger Entscheid», wie kommentiert wurde, sondern schlicht ein solcher der Vernunft. Es blieb gar keine andere Wahl. Ein Nein oder nur eine Beschränkung auf den Courant normal hätte uns dem Vorwurf der Feigheit, der Schwäche und des unsolidarischen Verhaltens ausgesetzt. Man hätte uns der Begünstigung des Aggressors bezichtigt. Die grosse Mehrheit des Volkes, die u. a., wie schon Herr Widmer sagte, der drohenden Sanktionsverpflich-tungen wegen den Beitritt zur Uno, eines angeblich saftlosen Debattierklubs abgelehnt hat, die grosse Mehrheit des Volkes dürfte den Bundesratsentscheid begrüsst haben. Unsere Fraktion unterstützt die Haltung der Landesregierung. Drei kritische Bemerkungen seien gestattet: Erstens erfolgte unmittelbar nach der Aggression Iraks keine Stellungnahme des Bundesrates, sondern bloss eine solche des EDA. Ueberdies war diese dem Wortlaut nach - bei allem Respekt vor der Sprache der Diplomaten - angesichts des hinterhältigen und brutalen Vorgehens der irakischen Militärmacht gegenüber dem Kleinstaat allzu sanft und leisetreterisch. Zweitens waren anfänglich die Informationen aus dem Bundeshaus nicht eindeutig und offenbar nicht koordiniert. Die Interpretationen der Neutralitätspolitik durch Staatssekretär Jacobi am 6. August und anderntags durch Bundesrat Felber stimmten nicht überein, zumindest nicht gemäss der Berichterstattung. Mit einem Hinweis auf den erwähnten früheren Positionsbezug des Bundesrats in den Uno-Berichten hätte der unnötige publizistische Wirbel um «heilige Kühe» und «neutralitätspolitische Wendehälse» vermieden werden können. Das Dritte ist keine Kritik, sondern ein Wunsch: Das Mitmachen an den Uno-Sanktionen möge den Bundesrat nicht hindern, auch Bagdad die Guten Dienste der Schweiz anzubieten. Zwar sieht es im Moment nicht so aus, als trachte Saddam Hussein nach einer friedlichen Lösung. Aber seine spektakulären politischen Kehrtwendungen und aufrührerischen Brandreden sind Teile von kalkuliertem Nervenkrieg. Dass das verbal Verkündete nicht alleweil mit dem wirklich Gewollten übereinstimmt, gilt bei den Arabern noch mehr als anderswo. Man kennt das aus den Basaren. In der Diplomatie ist es ebenso. Wir hoffen, dass die Krise ohne Krieg überwunden werden kann. Den USA gebührt Dank, dass sie mit ihrer Streitmacht ein unerbittliches, für Saddam Hussein offensichtlich unerwartetes «Halt!» geboten haben. Trotz west-östlicher Uebereinstimmung wäre der Beschluss des Sicherheitsrates blosse Makulatur, wenn nicht die USA der Uno ein Machtinstrument in die Hände gegeben hätten. Zum Schluss: Wir werden in den nächsten Jahren gewiss nicht darum herumkommen - Herr Widmer hat darauf hingewiesen -, die Neutralität neu zu diskutieren. Anlass dazu geben werden u. a. die zunehmende globale Interdependenz, das veränderte Europa und unsere Stellung darin, die Entwicklung der EG und unsere Beziehungen zu ihr, die zukünftige Sicherheitspolitik, z. B. im Falle kooperativer Sicherheitssysteme, und wohl auch die Ueberprüfung der Waffenausfuhr, vielleicht wenn wir die Frage des Uno-Beitritts erneut prüfen müssen. Wir wissen nicht, wie sich die schweizerische Neutralitätspolitik weiterentwickeln wird. «C'est le secret de l'avenir», wie der Neutralitätsexperte par excellence, Edgar Bonjour, kürzlich sagte. Aufgabe des Parlaments ist es jedenfalls, diese Fragen zu diskutieren und den Souverän auf einen möglichen Wandel hinzuweisen. Rychen: Die SVP-Fraktion verurteilt die Aggression Iraks gegen Kuwait. Mildern Einmarsch in Kuwait und auch mit der offiziell deklarierten Annexion dieses Kleinstaates wurde das Völkerrecht auf krasseste Weise verletzt. Dies ist schlicht unannehmbar. In diesem Sinne unterstützen wir die Sanktionspolitik des Bundesrates. Die Solidarität, die weltweit geübt wurde, vor allem auch die Geschlossenheit, die Einigkeit unter den Grossmächten in Ost und West, die Einigkeit der ständigen Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates, all dies ist beeindruckend. Als Kleinstaat sind wir von den Vorgängen in der Golfregion beeindruckt, weil auch hier sich wieder etwas abgespielt hat, das in der Geschichte oft vorkommt: Der Grosse, vergreift sich am Kleinen. Dies berührt unsere politische Seele ganz besonders. In diesem Zusammenhang hat sich die SVP-Fraktion die Frage gestellt, wie es sich jetzt in diesem Fall mit der Neutralitätspolitik unseres Landes verhält. Die Frage, die gestellt war, war eindeutig: Handelt es sich hier nun um eine Wende in der Neutralitätspolitik, ja oder nein? Die SVP gibt eine ganz klare Antwort: Nein, es ist keine Wende in der Neutralitätspolitik. Auch in diesem Sinne stützen wir den Bundesrat in seiner Haltung. Natürlich, auch das unterstreichen wir: Neutralitätspolitik muss neue aussenpolitische Umfelder beachten. Neutralitätspolitik muss auch aus unserer Sicht fähig sein, mit Veränderungen in dieser Welt fertig zu werden. Unser neutralitätspolitisches Handeln muss aber von Fall zu Fall festgelegt werden. Jedes neue Ereignis ist neu zu beurteilen. Wer also aus dieser Sanktionspolitik, diesem Sich-anschliessen an die weltweiten Sanktionsmassnahmen, ableiten möchte, dass wir das in jedem Fall tun, wenn es andere auch machen, der zieht wahr-- 12 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1520 N 24 septembre 1990 scheinlich die falschen Schlüsse. Wir wollen keine Wende in dem Sinn, dass wir uns für alle Zukunft festschreiben, sondern wir wollen eine pragmatische Neutralitätspolitik und keine dogmatische. Die SVP hält also an der Neutralität der Schweiz ganz klar fest. Diese Neutralität ist ja nicht nur historisch gewachsen, sie ist auch mehr als eine politische Tradition, sie ist nämlich ein sehr wichtiges Instrument, ein Mittel eines Kleinstaates, um sich zu schützen. Wir warnen vor zu leichtfertigem Umgang mit der Neutralität. Die Diskussion im Nachgang zu diesem Bundesratsbeschluss hat den Eindruck hinterlassen, dass es Kreise in diesem Staat gibt, die jetzt mit dieser Neutralitätspolitik leichtfertig umgehen wollen. Vertrauenswürdige Neutralität lässt sich nur durch jahrzehntelange Politik erarbeiten, vor allem das Vertrauen in die Neutralität und Neutralitätspolitik. Ich möchte fast sagen: Neutralität ist wie ein rohes Ei - wenn man es fallen lässt, dann ist es endgültig zerschlagen. Es gibt keinen Grund, von unseren neutralitätsrechtlichen, freiwillig eingegangenen Verpflichtungen abzurücken. Die Neutralitätspolitik braucht auch in Zukunft subtiles Ueberlegen und Handeln, vorsichtigen Umgang. Als dritte Frage stellte sich die SVP die Frage der Solidarität. Sind wir Profiteure? Sind wir jene, die nur von der Neutralität profitieren wollen und dann alle negativen Lasten den übrigen Staaten gemeinsam überlassen wollen? Ja, es stellt sich tatsächlich die Frage der Fünfer-und-Weggli-Politik auch hier. Diese Frage ist ernst zu nehmen. Unsere Antwort darauf ist: Wir sind der Meinung, dass es richtig ist, wie der Bundesrat es gemacht hat, nämlich im humanitären Bereich, im Bereich des Flüchtlingsdramas am Golf zu helfen. Wir meinen aber, Herr Bundesrat Felber, dass es einiges mehr sein könnte, dass unsere Solidarität in diesem Fall grösser und massiver ausfallen dürfte, dass wir also für die Hilfe zur Heimschaffung von diesen Flüchtlingen, dass wir für das menschliche Schicksal etwas mehr tun dürften als im Rahmen von 10 Millionen Franken. In diesem Sinne stehen wir.für die Politik des Ja zur Neutralität, des Ja zu diesen Sanktionen. Wir sollten uns offen halten für zukünftige Fälle, von Fall zu Fall entscheiden zu können. Aber wir sagen auch klipp und klar ja zu einer starken, sichtbaren Solidarität, und ich wiederhole, Herr Bundesrat Felber, in Sachen Solidarität gegenüber den Flüchtlingsdramas in der Golfregion darf man mehr unternehmen. Dietrich: Die CVP-Fraktion begrüsst das Vorgehen des Bundesrates und ist einverstanden mit dem Beschluss, sich den Sanktionen der Uno anzuschliessen, der im Volk hohe Akzeptanz gefunden hat. Wir sind mit fast allen Schweizern empört über die Verletzung des Völkerrechts durch den Potentaten des alten Babylon. Wir haben aber auch gesehen, wie verletzlich der Friede ist und wie hilflos wir der Ungewissheit entgegenstehen, der Angst beispielsweise vor dem Einsatz von chemischen Kampfmitteln. Wir danken dem Bundesrat, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, besonders aber auch allen Leuten an der Front, vom IKRK, vom Katastrophenhilfekorps, die Hilfe leisten. Wir sind der Meinung, dass die humanitäre Hilfe soweit wie möglich mithelfen soll, menschliches Ungemach zu erleichtern. Auch in der Kommission für auswärtige Angelegenheiten hat die Haltung des Bundesrates gute Aufnahme gefunden, wenn auch die Mitwirkung des Parlaments und die Diskussion um Probleme der Neutralität einen recht breiten Raum eingenommen haben. Angesichts der Entwicklungen: - Sanktionen, Anschluss an die Uno-Resolution, Veränderungen im West-Ost-Verhältnis, Beziehungen zu Europa - müssen die Dimensionen der schweizerischen Neutralität neu überdacht werden, wie das auch von einzelnen Vorrednern gesagt worden ist. Dabei dürfte der Sicherheitsbericht, der in Aussicht gestellt ist und eine ganzheitliche Beurteilung der Sicherheitslage bringen wird, massgebend zu berücksichtigen sein. Was wäre beispielsweise geschehen, wenn sich die Schweiz der Uno nicht angeschlossen, keine Sanktionen ergriffen hätte? Hätten wir die Wirtschaftstätigkeiten aufrechterhalten können? Was wäre im Falle einer Blockade durch die anderen Mitgliedstaaten gegenüber uns geschehen? Wir wären ins Offside gekommen, wären diskriminiert gewesen in dieser Welt. Man muss doch schlicht und einfach feststellen: Es blieb uns nichts anderes übrig, als diese Sanktionen ebenfalls zu treffen. Aber gleichzeitig muss man feststellen, dass die Selbstbestimmung unseres Landes von aussen her ganz erheblich unterlaufen wird. Das zeigt die Problematik des Neutralitätsstatutes unseres Landes auf. Der Bundesrat hat zu Recht erklärt, dass die Sanktionen keine grundsätzliche Wende in der Neutralitätspolitik bedeuten. Es war ein überlegter, abgewogener Entscheid für einen Fall, für den Fall Irak/Kuwait. Also keine differenzièlle Neutralitätspolitik, obwohl auch diese vertreten werden könnte. Denn schon in der Botschaft von 1919, die der Bundesrat zum Beitritt zum Völkerbund veröffentlicht hat, hat Max Huber erklärt, die geographische Lage und die wirtschaftliche Abhängigkeit würden es der Schweiz äusserst schwer machen, sich der mittelbaren Wirkung der Sperrmassnahmen zu entziehen. Ich denke, es ist notwendig, Diskussionen zu führen und den Neutralitätsstatus zu überdenken, im Hinblick auf die EG, aber auch im Hinblick auf die universelle Gemeinschaft der Uno. Bei beiden aber stellt sich die Frage: Können wir mitbestimmen, oder können wir es nicht? Können wir nur reagieren? Sind wir gezwungen zur Anpassung? Ich bin mit Herrn Widmer, mit Herrn Auer sehr einverstanden, dass die Frage des Uno-Beitritts, die Frage unseres Verhältnisses zur EG rasch neu gestellt werden muss. Ich denke, dass auch Frau Thatcher bei ihrem Besuch in der Schweiz sehr ermutigende Signale gesetzt hat. In der Samstag/Sonntag-Ausgabe der «Neuen Zürcher Zeitung» hat Professor Dr. Schindler unter der Ueberschrift «Neutralität am Wendepunkt?» Ueberlegungen zur Neutralität heute angestellt. Er vergleicht die neuesten Entwicklungen mit dem Rechtsgutachten, das er seinerzeit für die Graupe de réflexion und den Bundesrat im Zusammenhang mit dem Integrationsbericht erstellt hat. Er hält drei Entwicklungen der Neutralitätspolitik fest, die sich geändert haben:
1. Die geopolitische Funktion verliert an Bedeutung.
2. Das gleiche gilt für die innenpolitische Funktion angesichts der Entwicklungen der Technik, des Kommunikationswesens, der Wirtschaft, des Verkehrs, derOekologie, der Internationalisierung all dieser Probleme.
3. Was bleibt, ist die Funktion der Guten Dienste, also eine der wesentlichen Funktionen schweizerischer Neutralität. Ich denke, die Schweiz ist nach wie vor geeignet, gute Dienste zu leisten. Denn wir haben uns daran gewöhnt, innenpolitisch seit Jahrhunderten einvernehmliche Lösungen zu finden. Wir haben Erfahrungen als Schutzmacht, in der humanitären Hilfe, als Ueberwachungsorgan bei Waffenstillstandsverhandlungen usw. In früheren Jahrhunderten sind die Schweizer als Söldner in fremde Lande gezogen, haben Kriege geführt. Ich denke, trotz allem sollten wir aus schweizerischer Tradition heraus versuchen - auch im Golfkonflikt -, unsere Guten Dienste nicht als Söldner für den Krieg, sondern als Diener für den Frieden, als milice de paix, anzubieten. Die Neutralität ist in unserem Land in der Geschichte, in der Tradition und im Staatsverständnis verwurzelt. Es ist aber notwendig, dass wir uns an unser Pflichtenheft erinnern. Ich denke, das Parlament muss jetzt die Diskussion milder Regierung pflegen. Es heisst in unserem Pflichtenheft, in Artikel 85 BV: «Die Gegenstände, welche in den Geschäftskreis beider Räte fallen, sind insbesondere folgende: 6. Massregeln für die äussere Sicherheit, für Behauptung der Unabhängigkeit und Neutralität der Schweiz.... ».«Massregeln», also die Regeln für das Mass. Es ist Zeit, dass wir uns zum Gespräch und zum Entscheid über eine zukunftsgerichtete, eine praktikable und glaubwürdige Neutralitätspolitik finden. Meier-Glattfelden: Ich zitiere aus einer Rede von George Bush vom 11. September 1990: «Eine neue Welt kämpft um ihre Entstehung; eine ganz andere Welt als die, die wir bisher kannten. Eine Welt, in der Rechtsstaatlichkeit das Dschungelgesetz ablöst. Eine Welt, in der Nationen die gemeinsame Verantwor-- 13 of 25 -24. September 1990 N 1521 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse tung für Freiheit und Gerechtigkeit anerkennen. Eine Welt, in der der Starke das Recht des Schwachen respektiert.» Tatsächlich, in einer vor kurzem noch undenkbaren Koalition stellt sich der sowjetische Präsident Gorbatschow zusammen mildem Präsidenten der Vereinigten Staaten gegen einen blutrünstigen Diktator, der das Völkerrecht schon mehrmals auf das schändlichste gebrochen hat. Die grüne Fraktion begrüsst die Haltung unseres Bundesrates, der sich in der Golfkrise nicht hinter die traditionelle Neutralität verschanzt, sondern die Sanktionen der internationalen Völkergemeinschaft mitträgt. Wir wünschen uns allerdings diese Haltung auch bei anderen Verletzungen des Völkerrechts und der Menschenrechte. Wenn aber die internationale Zweckgemeinschaft am Golf nicht nur gegen den irakischen Diktator Erfolg haben will, sondern, wie George Bush sagt, zu einer gerechteren und friedlicheren Weltordnung führen soll, braucht es längerfristig eben mehr als Soldaten, Waffen und Milliarden für das Rüstungsgeschäft. Es braucht eine neue, auf Harmonie und Gerechtigkeit statt auf Vorherrschaft und Profit ausgerichtete Politik. Wo waren die Weltmächte, als Saddam Hussein die Massaker an Tausenden von Kurdinnen und Kurden verübte? Diese Gifteinsätze wären nicht möglich gewesen, ohne die Lieferung von entsprechenden Substanzen durch die Industrieländer. Auch hätte der iranisch-irakische Krieg ohne die Lieferung der weltweiten Rüstungsindustrie nicht über sieben Jahre lang gedauert. Wir alle wissen, wie die durch die Ost-West-Entspannung geschockte Rüstungsindustrie aufatmete, als Saddam Hussein Anfang August zuschlug. Man kann wieder liefern. Für Milliarden an die Saudis, für Hunderte von Millionen an die Israelis; auch an Aegypten und die Emirate sollen Waffen geliefert werden. Auch die Schweiz hat und hatte Anteil an diesem Waffengeschäft in das Spannungsgebiet Naher Osten ich erinnere Sie daran: 1980 bis 1988, trotz Golfkrieg, für ungefähr 850 Millionen Franken Rüstungsgüter in die Türkei, nach Saudi-Arabien, Oman und Pakistan-, hat doch unser Bundesrat das Kriegsmaterialgesetz mit den Begriffen «Spannungsgebiet» und der Definition davon, was Kriegsmaterial ist, sehr grosszügig zugunsten der Rüstungsindustrie ausgelegt. Auch der Irak besitzt trotz unserem Kriegsmaterialgesetz Waffentechnologie made in Switzerland; brasilianische Raketenwerfer sind mit Contraves-Elektronik bestückt. Ich erinnere an die Stabilisatorflügel der Alusuisse, an Granaten. Wir betreiben seit langem das Waffengeschäft mit Saudi-Arabien. Unserer Meinung nach wären diese Geschäfte nach Kriegsmaterialgesetz nicht möglich gewesen. Herr Bundesrat Koller, damals Chef des EMD, hat uns in der GPK erklärt, Saudi-Arabien gehöre zu keinem Spannungsgebiet, wie wenn Saudi-Arabien Hunderte von Kilometern weit weg vom Golf, von Iran und von Irak wäre. Auch jetzt ist Saudi-Arabien scheinbar immer noch kein Spannungsgebiet. Immer noch werden vollkommen legal Waffen nach Saudi-Arabien geliefert, vor allem von Bührle. Unser Bundesrat handelt nicht. MUSS denn der Krieg zuerst ausbrechen, bis er endlich diese Waffenausfuhr stoppt? Kurzfristig mag sogar ein Waffeneinsatz der internationalen Völkergemeinschaft gegen den irakischen Diktator nötig werden. Langfristig aber wird das Hineinpumpen von Waffen in die Staaten der Golfregion die Quelle von weiteren, gefährlichen Konflikten sein. Eine neue Welt braucht weniger und nicht mehr Waffen. Die Milliarden, die heute wieder für Rüstung ausgegeben werden, fehlen für den wirtschaftlichen Ausgleich zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West. Sie fehlen auch für den Schutz der ökologischen Lebensgrundlagen. Herr Bundesrat Felber, ich habe aus Ihrem Votum herausgehört, dass Sie diese Waffenlieferungen auch in Frage stellen. Sie haben auch auf das Nord-Süd-Gefälle hingewiesen. Ich danke Ihnen dafür; aber der Bundesrat soll jetzt handeln. Die Schweiz als machtpolitisch kleines, aber wirtschaftlich sehr starkes Land, sollte vorangehen in einer neuen Friedenspolitik. Die grüne Fraktion hat deshalb eine Motion eingereicht, die verlangt, dass Bundesverfassung und Gesetzgebung so geändert werden, dass die Ausfuhr von Kriegsmaterial verboten wird. Die Schweiz als Ursprungsland des Roten Kreuzes könnte damit ein Zeichen setzen und der ganzen Welt einen Friedensdienst leisten. Spalti: Die Golfkrise ist in ihrer Ursache und in den zum Teil noch völlig offenen Auswirkungen viel zu komplex, um in fünf Minuten dazu umfassend Stellung nehmen zu können. Es können wohl nur einige Gedanken und erste offensichtliche Schlüsse geäussert werden. Es ist ein seltsames Gefühl, im schweizerischen sicherheitspolitischen Umfeld und bei den Diskussionen, die bei uns geführt werden, mitzuerleben, wie die viertgrösste Militärmacht der Welt - und das ist Irak - einen souveränen Kleinstaat militärisch besetzt und in brutalster Art und Weise das Völkerrecht verletzt. Wir können nun beklagen, dass es vor allem westeuropäische Industriestaaten und die Sowjetunion waren, die den Irak aufgerüstet haben. Wir mögen beklagen, dass das kleine Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen nicht die notwendige Kraft aufgebracht hat, sich ein Instrument zur Erhaltung der eigenen Souveränität zu schaffen. Es wäre aber naiv zu glauben, diese Vorgänge, die etwa 2000 km entfernt sind, würden uns nicht betreffen. Ich glaube, ein wesentlicher Schluss, den es einmal zu ziehen gibt, ist der, dass auch mit Blick auf die neuen Konstellationen der Supermächte die Entwicklung der sicherheitspolitischen Lage weder langfristig berechenbar noch voraussehbar ist. Rasche und abrupte Szenenwechsel, wie eben jetzt im Golf, sind immer möglich, wenn die militärischen Potentialevorhanden sind. Es lässt sich auch nicht vom Tisch wischen, dass trotz aller Entspannungs- und Abrüstungsschritte seitens der Grossmächte weiterhin eminente Bedrohungen über dieser Welt liegen. Die Aufspaltung in Nord-Süd, in verschiedene Rassen und Religionen, in Arm und Reich, ist immer noch stärker als die einigenden und verbindenden Kräfte. Es ist zu hoffen, dass gerade Europa im Zusammenhang mit der Golfkrise neben den Problemen der wirtschaftlichen und der politischen Integration wieder einmal über seine sicherheitspolitische Rolle nachdenkt, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem peniblen Verhalten einzelner EG-Staaten gegenüber den Ereignissen im Golf. Drei Dinge scheinen mir sicherheitspolitisch besonders erwähnenswert: Erstens einmal ist die Erkenntnis erschreckend, dass unter dem Deckmantel strategisch-nuklearen Gleichgewichts, wie man es nennt, skrupellose Diktatoren ihr Land bis an die Zähne bewaffnen und sich eine regionale Vormachtstellung verschaffen können. Diese Vormachtstellung, rücksichtslos ausgenützt, hat gerade im Mittleren Osten wegen der Bedeutung der Region für die Oelversorgung internationale Dimensionen erreicht. Und die Frage - die uns nun wirklich nicht gleichgültig sein kann - stellt sich, ob die Welt noch den Willen und die Macht hat - das gehört nämlich dazu -, solchen Diktatoren Einhalt zu gebieten. Nur ein Land - das ist keine besonders erfreuliche Feststellung -, nämlich die USA, ist noch in der Lage, dies zu tun, und die USA engagieren sich im Mittleren Osten auch für uns, das muss einmal deutlich gesagt werden. Zweiter Punkt: Auch innenpolitisch drängt sich eine Lehre auf. Der ehemalige US-Aussenminister Kissinger hat einmal gesagt: «Die Grundursache des Dilemmas unsererZeit liegt darin, dass-wenn der Friede zum einzigen politischen Ziel wird -die Furcht vor dem Krieg zur Waffe in den Händen der Rücksichtslosesten wird; das erzeugt die moralische Abrüstung.» Und genau mit dieser Situation rechnet der Herrscher über den Irak. Diese moralische Abrüstung müssen auch wir verhindern. Friede und Freiheit werden in dieser Welt nicht ohne Macht durchzusetzen sein. Das zeigt sich im Golf wieder deutlich. Friedeund Freiheitwerden immerwiedergegen Aggressionen, gegen Skrupellosigkeit verteidigt werden müssen. Und noch ein Drittes und Letztes: Das grosse Problem der atomaren Rüstung ist heute viel weniger das Potential der Grossmächte, sondern jenes von regionalen Aggressoren, von totalitären Regimen, die kaum unter Kontrolle gehalten werden können. Westeuropa liegt heute bereits im Wirkungsbereich -- 14 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1522 N 24 septembre 1990 solcher nuklearer Raketen, die von Verrückten eingesetzt werden können! Ich meine, für jene, die etwas denken, sind das bedenkliche Erkenntnisse. Ott: Ich kann dem Bundesrat nur zustimmen und gratulieren zu dem Entschluss, das Handelsembargo der Uno mitzuvollziehen. Es war dies freilich kein aussergewöhnlicher und kein besonders mutiger, aber es war ein demonstrativ richtiger Entschluss. Wie wäre die neutrale, humanitäre Schweiz dagestanden vor den Augen der ganzen Welt, vor allen befreundeten Staaten, wenn wir aus sinnwidrigem - ich betone: sinnwidrigem - Neutralitätsverständnis heraus als einziger Staat den Aggressor faktisch gegen die Weltgemeinschaft unterstützt hätten? Es gab nur eine vertretbare Antwort. Das war die Antwort des Bundesrates. Wir haben in den Beratungen der nationalrätlichen Kommission vor der Uno-Abstimmung seinerzeit genau diesen Fall mit einem eindeutigen Ergebnis schon durchgespielt. Wir hätten durch ein anderes Verhalten die Maxime der Neutralität aufs schwerste kompromittiert. Meines Erachtens muss dieser Entscheid des Bundesrates als Präjudiz dienen für jeden künftigen analogen Fall. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte funktioniert die Uno so, wie sie in ihrer Gründungsakte eigentlich gemeint war. Bisher war dieser ursprüngliche Zweck der Uno immer blockiert worden. Bei allen grossen sonstigen Leistungen der Uno war dieser ursprüngliche Zweck durch die Uneinigkeit der Grossmächte, also durch das Veto, immer blockiert worden. Korea und Rhodesien sind keine regulären Fälle im Sinne der Uno-Charta. Zum ersten Mal zeigt sich, dass die Idee eines Völkerfriedens durch ein kollektives Sicherheitssystem der Völker keine Illusion bleiben muss. Darum ist die Golfkrise ein so entscheidender Testfall für die Zukunft, ein Testfall, der kein Nachgeben von Seiten der Uno und der Weltgemeinschaft duldet. Er duldet auch kein Junktim mit irgendeinem ändern politischen Problem, so sehr wir wünschen, dass das Volk der Palästinenser bald seine Autonomie und Eigenstaatlichkeit gewinnen möge. Aber der Fall des Ueberfalls, der Annexion Kuwaits duldet kein Junktim, denn es muss ein für allemal klar werden, dass Aggression sich nicht lohnen darf. Und heute scheint die Welt an dem Punkt angelangt zu sein, wo dieser lebenswichtige Grundsatz durchgesetzt werden kann. Es darf aber auch auf einen Punkt nachdrücklich hingewiesen werden - einige Vorredner haben es schon getan -, nämlich darauf, wie verantwortungslos und egoistisch die Aufrüstung des Irak während des Iran-Irak-Krieges durch viele Staaten, sowohl im Osten wie im Westen, war. Man hätte sich den Golfkonflikt in dieser Form durch ein verantwortlicheres Verhalten im internationalen Waffenhandel ersparen können. Wenn wir über die neue Weltsituation nach dem Ende des kalten Krieges nachdenken, über das Verständnis und die Möglichkeiten der Neutralitätspolitik, wenn wir neu durchdenken, was die Aufgabe der Neutralen heute sein kann, so drängt sich der Gedanke auf, dass der Neutrale ein Vorkämpfer des Friedens und der Sicherheit unter den Völkern sein muss. Sein ganzer und kompromissloser Einsatz muss der Stärkung und Verfeinerung des internationalen Sicherheitsnetzes gelten, das heute in Entstehung begriffen ist: Nicht nur im Bereich der friedlichen Konfliktlösung - hier ist ja die Schweiz ein Champion, wenigstens auf dem Gebiete der KSZE -, sondern auch auf Gebieten wie einer strengen internationalen Kontrolle des Waffenhandels, der Non-Proliferation von Massenvernichtungswaffen, des totalen Atomtestverbotes und der Einbeziehung der qualitativen Entwicklung von Waffentechnologie in die Rüstungskontrollgespräche. Das ist die Aufgabe des Neutralen in der gegenwärtigen Weltstunde: das Friedensnetz zu verstärken. Lassen Sie mich mit einer Bemerkung schliessen: Die berechtigte Verurteilung der irakischen Aggresssion darf uns im Westen nicht dazu verleiten, anstelle des alten Feindbildes vom totalitären Weltkommunismus nun ein neues Feindbild vom Weltislamismus oder Panarabismus zu kreieren. Dafür gibt es keinen legitimen Grund. Müller-Meilen: Die Politik des Bundesrates, eine Politik der Sanktionen und der Demarchen bei Irak gegen den Einmarsch in Kuwait und gegen die Verhinderung der Ausreise der Ausländer, hat die breite Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter sich. Ich teile weitgehend die Auffassungen von Herrn Bundesrat Felber, ich teile aber auch die pessimistische Beurteilung der Friedenschancen im Mittleren Osten. Die Situation im Golf gibt mir zu fünf an sich lapidaren, aber doch nicht selbstverständlichen Feststellungen Anlass und zu vier Fragen: Die Golfkrise zeigt, dass auch hochgerüstete, kleine und mittlere Nationen zu einer Gefahr für den Frieden, in besonderen Fällen sogar für den Weltfrieden werden können. Das heisst, dass wir gegenüber allen Tendenzen zur Friedenseuphorie vorsichtig sein müssen; die Friedensapostel, die vor einem Jahr nicht laut genug auftreten konnten, sind auch etwas ruhiger geworden. Die Golfkrise ist aber auch ein Zeichen dafür, dass der Verbreitung von Atombomben und chemischen Waffen Einhalt geboten werden muss. Denn skrupellose Diktatoren können in vielen Gegenden der Welt an die Macht kommen, und sie hätten wohl in extremis keine Hemmungen, auch Atomwaffen einzusetzen. Erstmals ist eine Zusammenarbeit der Supermächte zur Eindämmung eines Aggressors und zur Rückgängigmachung einer Aggression Wirklichkeit geworden. Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen. Es ist aber zugleich auch der Beweis dafür, dass es neben der Zusammenarbeit nur eine Macht in der Welt gibt, die einen solchen Aggressor heute stoppen kann: die Vereinigten Staaten, wenn sie auch mit der Hilfe der Uno und anderer Mächte agieren. Darin kommt die Bedeutung auch der Atlantischen Allianz für Europa zum Ausdruck. Wenn man auch nicht mit allem einverstanden sein kann, was die Vereinigten Staaten in der Weltpolitik bisher getan haben, so muss man diese positiven Seiten heute doch deutlich unterstreichen und für ein gerechtes Urteil hervorheben. Die Golfkrise zeigt die Gefährlichkeit der Extremisten und Fundamentalisten aller Schattierungen in der Politik, die kein Verantwortungsgefühl für die gesamte Menschheit und keine Achtung vor Menschenrechten und Freiheit haben; deshalb ist auch der Weltfriede immer und immer wieder gefährdet. Zu den vier Fragen: Unsere Neutralitätspolitik ist in der Golfkrise flexibler, das heisst aber auch in der Anwendung schwieriger geworden. Die Beteiligung an Sanktionen könnte künftig auch einige Probleme stellen, zum Beispiel: Wo sieht der Bundesrat etwa die heikle Grenze zwischen internationaler Solidarität und nationaler Neutralität bei anderen aggressiven Aktionen und Besetzungen, wie sie etwa in früherer Zeit bei den Falkland-lnseln durch Argentinien geschehen sind, was ja auch unter Bruch des Völkerrechts geschah. Wo ist ein einstimmiger Uno-Beschluss Voraussetzung für die Beteiligung der Schweiz an solchen Sanktionen? Oder: Wo liegen die Grenzen? Wie gross sind die Fluchtgelder, die seit Beginn der Golfkrise in die Schweiz geströmt sind? Werden sie Auswirkungen auf die Zinsentwicklung in Richtung auf eine Senkung haben? Und eine weitere Frage, die für unser Land von grosser Wichtigkeit ist: Wie wirken sich die Produktionsausfälle, die ja aufgefangen werden sollen, und die Unsicherheit kurz- und langfristig auf die Entwicklung des Oelpreises und damit indirekt auf die Inflation in der Schweiz aus? Im ganzen hat der Bundesrat wohl eine richtige Politik geführt, und wir müssen ihm dafür dankbar sein. Sager: Nach den «weltgeschichtlichen Betrachtungen», angestellt vom Herrn Kollegen Burckhardt, der es seinem Namen, und vom Kollegen Widmer, der es seinem Stand als Historiker schuldig war, und in der Nachfolge der Ausführungen des Kollegen Auer möchte ich mich einem recht konkreten Problem zuwenden. Zwei Vorbemerkungen:
1. Ich bin erstens kein sturer, unbelehrbarer Anhänger und Vertreter der Neutralität. Ich kann mir leicht vorstellen, dass sie
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24. September 1990 N 1523 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse in der Neutralität einer Union Europas, aufgehen oder in der Solidarität zu einer Union Europas untergehen kann. Die Neutralität ist für mich Instrument der Aussenpolitik. Indes ist zu berücksichtigen-auch durch uns-, dass sie wegen ihrer jahrhundertelangen Praktizierung einen emotioneilen Wert und damit auch einen Zielcharaktererhalten hat.
2. Ich bin im Grunde genommen darüber erstaunt, wie wenig die Neutralität, und zwar rechtlich und politisch, in ihrer ganzen Tiefe ausgelotet wird, weshalb wir recht oft zu falschen Schlussfolgerungen gelangen können. Es haben einige Personen und einige Zeitungen den Standpunkt vertreten, dass die Einhaltung der Sanktionen durch unser Land eine Aufgabe oder eine Aenderung unserer Neutralitätspolitik bedeute. Das ist völlig falsch, auch wenn es noch so hohe Personen sagen oder noch so weit verbreitete Zeitungen ausführen. Das ist keine Aenderung, sondern es ist die konsequente Weiterführung unserer Neutralitätspolitik unter veränderten Umständen. Wir haben uns vor Augen zu halten, dass die Konflikte bleiben - die Golfkrise zeigt es uns auf eindringliche Art und Weise -; aber die Formen der Konfliktausübung können sich verändern, und das haben wir mitzuberücksichtigen. Im Neutralitätsrecht, das Bestandteil des völkerrechtlichen Kriegsrechtes ist, wird die Neutralität im Falle eines militärischen Ueberfalles ausgesetzt. Heute und als Folge der ungeheuervertieften gegenseitigen Abhängigkeit und der verstärkten internationalen Vernetzung ist die Aggression Saddam Husseins gegen Kuwait als eine Angriffshandlung zu verstehen, welche die Neutralität aussetzen muss und die Sanktionen rechtfertigt. Der Nachweis für die Richtigkeit dieser Meinung kann auch ausfolgender Ueberlegung abgeleitet werden: Wenn Sanktionen und weitergehende Reaktionen ausgeblieben wären, so hätte Saddam Hussein mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit auch Saudi-Arabien überfallen und annektiert. Das aber hätte einem Mann, der nur mit pathologischen Massstäben gemessen werden kann, eine Machtfülle gesichert, die einen Weltenbrand hätte verursachen müssen; dann wären alle Massnahmen der Staatengemeinschaft und der Schweiz zu spät gekommen. Im Lichte dieses Hinweises bin ich erstaunt, dass man nun fordern kann, die Waffenausfuhr sei einzustellen. Will man damit unterstreichen, dass der hochbewaffnete Saddam Hussein das Recht habe, seine Nachbarstaaten zu überfallen? Will man damit diesen Nachbarstaaten das Recht nehmen, sich selber verteidigen zu können? Will man sich hinter dieser Forderung verstecken und einmal mehr die Neutralität als Passivität auffassen und handhaben, wie es zu Recht vom Kollegen Widmer kritisiert worden ist? Eine letzte Bemerkung: Ich bin angenehm überrascht über die Bekundungen der Solidarität durch unsere Regierung, nur habe ich sehr wenig davon erfahren. Ich war während des Monats August in einem ausländischen Spital und konnte keine Schweizer Sender empfangen, aber BBC. Mitte August wurde dort zu meinem Entsetzen mitgeteilt, dass die Schweiz mit Schweden, Indonesien und Malaysia die Botschaft in Kuwait geschlossen hätte, was ja nicht zutraf. Der Irrtum ist möglich, aber es ist keine Korrektur erfolgt, auch nicht durch unsere schweizerische Botschaft in London. Das hätte doch getan werden sollen. Und es hätte sich vielleicht auch als günstig erwiesen, wenn die Parlamentarier laufend über diese Bekundungen der schweizerischen Solidarität orientiert worden wären. M. Spielmann: Pour être clair, je voudrais préciser d'emblée que je suis d'accord avec le Conseil fédéral et sa condamnation de l'invasion du Koweit par l'Irak. Je salue les décisions prises qui auraient d'ailleurs encore plus de crédibilité si elles s'appuyaient davantage sur une logique constante de condamnation des interventions militaires et de violation des droits de l'homme que sur une politique d'alignement sur les Etats-Unis. S'il est réconfortant d'entendre soudain, dans un monde dominé par l'argent et la violence, des nations unanimes plaider le droit de redonner sa véritable vocation à l'Organisation des Nations Unies, cette soudaine réapparition de la vocation des Nations Unies n'est bien sûr pas totalement innocente. Lorsqu'on entend s'exprimer ceux qui s'élèvent aujourd'hui contre Saddam Hussein, on ne peut s'empêcher de penser à des pyromanes qui crient au feu. D'ailleurs, la lecture de certains journaux, et notamment de journaux américains, est tout à fait édifiante. On peut lire ainsi que l'Europe et les peuples d'Europe, à l'abri pendant des décennies sous le parapluie américain, ont provoqué l'atrophie des muscles politiques susceptibles de soutenir une action militaire. C'est là un rappel utile, tout comme les but fixés à ce conflit: souveraineté et intégrité du Koweit. Breszinski, l'ancien conseiller à la Maison-Blanche, est plus précis. Il écrit, dans le Herald Tribune que le but en fait est d'assurer l'approvisionnement pétrolier. Protéger les flux pétroliers est en fin de compte un impératif américain, alors que la libération du Koweit relève de la responsabilité de la communauté internationale. Il est clair que si l'on sépare ainsi les missions des objectifs on peut s'attendre à ce qu'à une victoire militaire, même aléatoire, succède une défaite politique. Autre question importante: comment Saddam Hussein, le grand ami de l'Occident, est-il devenu en une nuit le grand Satan? Pourtant personne n'ignorait les moyens utilisés contre son peuple par cet ami de l'Occident. C'est par la violence qu'il est arrivé au pouvoir et l'on peut citer à son actif le massacre de milliers de communistes en 1963, ce qui ne souleva d'ailleurs que fort peu d'émotion ou d'envolées lyriques des médias contre un régime qui était paré alors de toutes les vertus. Ensuite, une politique qui afait fuir des centaines de milliers d'Irakiens: la répression des Kurdes, des villages rasés, des populations gazées. Qui d'ailleurs se soucie aujourd'hui à l'ONU des droits des Kurdes, qu'ils soient en Irak, en Turquie ou en Iran? Pour donner un éclairage plus crédible à la soudaine mutation de Saddam Hussein et au rôle personnel que lui attribuent les médias dans ce conflit, il convient d'examiner la situation de l'ensemble du monde arabe. Tout d'abord la dette: 208 milliards de dollars de dette, tandis que les avoirs dépassent 670 milliards de dollars, mais ces avoirs sont concentrés dans six pays, qui composent le Conseil de coopération du Golfe, à savoir Arabie Saoudite, Bahrein, les Emirats arabes unis, Koweit, Oman et Qatar. Ensemble, ils ne dépassent pas 10 millions d'habitants, sans la population étrangère, mais ils disposent d'un excédent de 462 milliards de dollars déposés dans les banques occidentales, alors que 190 millions d'autres Arabes croulent sous le poids de la dette et de ses intérêts, une dette qui représente 32 pour cent du produit brut de tous les pays arabes et 181 pour cent de leurs exportations, pétrole compris. On peut ajouter à cette situation le refus d'aide et d'investissement de ces pays envers les pays arabes, moins de 7 pour cent des investissements à l'étranger se faisant vers d'autres pays arabes. Il y a aussi le fait que le Koweit a produit, selon des informations du Newsweek du 13 août, des quantités énormes de pétrole au-dessus des quotas auxquels il a droit selon l'OPEP, dont il est membre; de plus il a cassé les prix, à tel point que, selon ces informations, l'économie irakienne aurait perdu plus de 14 milliards de dollars en quelques années. On peut encore ajouter l'exigence du remboursement de la folle dette due à l'aventure iranienne de l'Irak, qui dépasse les
10 milliards de dollars. Tous ces événements ont certainement contraint l'Irak à une nouvelle fuite en avant, à une nouvelle aventure militaire, fuite en avant qui sera payée encore une fois au prix fort par une population déjà meurtrie par la guerre contre l'Iran, qui fit, dans l'indifférence générale, des milliers de victimes. Ces réalités doivent être fixées dans nos esprits si nous voulons mesurer les conséquences de nos décisions et rester crédibles. Comment l'être par exemple, face au déploiement actuel de forces, face aux multiples violations qui ont fait l'objet de décisions de l'ONU mais restées sans suite? La Syrie, par exemple, qui, sans la moindre légitimité, occupe une partie du Liban et contribuerait aujourd'hui à chasser les troupes irakiennes du Koweit. Et la résolution N° 242 de l'ONU, de novembre 1962, qui condamne l'occupation par la force de la Cisjordanie et de Gaza par l'armée israélienne et qu'aucune mesure pratique -- 16 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1524 N 24 septembre 1990 n'a suivi pour la faire respecter en vingt-trois ans. Voilà l'application sélective du droit qui nuit à la crédibilité des démarches actuelles. On peut ajouter encore l'annexion de Jérusalem-Est en 1968, l'occupation des îles Tumb par le shah d'Iran en 1971, l'annexion du Golan par Israël en 1981, l'invasion de la Syrie. On pourrait multiplier les exemples, sans oublier le raid américain sur la Libye, le minage des ports du Nicaragua où les Etats-Unis ont refusé de reconnaître le droit de la justice et la compétence de la Cour de La Haye. Voilà autant de situations qui font que si l'on veut être crédible, il faut qu'on s'appuie sur une politique suivie et continue et non pas sur une politique sélective. Donner la primeur à la force du droit sur le droit à la force, comme l'a dit le Conseil fédéral, je suis d'accord, mais la détermination n'interdit ni la réflexion ni l'indépendance, faute de quoi elle ne serait que participation ou soutien à une aventure militaire dont les pages de l'histoire sont déjà trop marquées par les drames subis par les populations. Frau Grendelmeier: Es erfüllt mich mit stiller Genugtuung, wenn ich den Ausführungen nachlausche, die ich zum Thema Neutralität und der Kompatibilität der Neutralität mit der aktuellen Politik des Bundesrates in Betracht ziehe. Das war nicht immer so. Es werden Erinnerungen wach; sie sind erst etwa vier Jahre alt. Während der Debatte zum Beitritt der Schweiz zur Uno wurde die Neutralität immer wieder und bei jeder Gelegenheit dazu benützt - um nicht zu sagen: missbraucht -, um sich weiterhin als Igelchen in einer bösen Welt benehmen zu können. Wir wissen nun - nicht erst seit dem Votum von Sigmund Widmer -, dass die Neutralität keine heilige Kuh ist, es nicht sein darf, dass sie lediglich ein Instrument ist und keine Ideologie; trotzdem wird sie von verschiedenen Leuten nach wie vor gehandhabt, als wäre sie eine Religion, nicht nur eine Ideologie. Allerdings handelt es sich um eine Religion, die für den Sonntag taugt und nicht für alle Tage. Eine Religion sozusagen nach Bedarf, zum Beispiel zur Sicherung der Bequemlichkeit, zur Sicherung von Vorurteilen, aber auch von Vorteilen, vor allem von wirtschaftlichen Vorteilen. Sie dient aber auch zur Erhaltung des «Logenplatzes», auf dem wir uns so bequem installiert haben, von dem aus man die Weltgeschichte, das Weltgeschehen, aus einiger Sicherheitsdistanz betrachten kann, wo man - ohne Verantwortung übernehmen zu müssen, aber auch ohne einen eigenen Beitrag leisten zu müssen - abwägen kann, wo wir handeln sollen oder eben nicht. Ich möchte sagen: Wir huldigen da einer Art «Prinzip Torquato Tasso», den Goethe sagen liess: «Erlaubt ist, was gefällt.» Und gefallen hat uns schon immer das Geschäft, Neutralität auf oder ab, hin oder her. Eine Neutralität, die es erlaubt, mit Waffen zu handeln, ist an sich erstaunlich und meines Erachtens unwürdig. Und wenn wir gestern in der «Sonntags-Zeitung» lesen konnten, dass die Waffenfabrik Oerlikon-Bührle Waffen nach Saudi-Arabien schicken darf, offenbar mit dem Segen der Behörden und mit dem fadenscheinigen Argument, sie müsse Verträge einhalten, so ist das nur noch Opportunismus und hat mit Neutralität nicht mehr viel zu tun, ganz sicher nicht mit Glaubwürdigkeit. Es ist erstaunlich, dass der Bundesrat nicht Gebrauch macht von seiner gesetzlichen Möglichkeit, nach dem Bundesgesetz zum Kriegsmaterialexport sofort und jederzeit diese Lieferungen zu verbieten, wenn es sich um ein Krisengebiet handelt. Wer heute noch behauptet, Saudi-Arabien liege nicht in einem globalen Krisengebiet, der ist auf beiden Augen blind. Wie gesagt, das ist nur ein einziges Beispiel, wo wir unsere Neutralität schon immer geritzt haben, aber ein besonders beschämendes. Auf dem Spiel steht unsere Glaubwürdigkeit. Das ist das einzige, was wir inzwischen überhaupt noch verlieren können. Wie leichtfertig wir mit dieser Glaubwürdikeit umgehen, hat genau dieses Beispiel gezeigt. Ich bin mit Herrn Sager nicht einverstanden; es tut mir leid, ihm widersprechen zu müssen: Ich teile sein Erstaunen darüber nicht, dass wir gegen eine Aufrüstung von Saudi-Arabien sind. Wir wissen inzwischen, dass es auch für die USA gefährlich sein kann, für 20 Milliarden Dollar an ein arabisches Land Waffen zu liefern, von dem wir nicht wissen, ob es sich nicht eines Tages - genau wie der Iran zum Irak schlägt. Wir laufen da sehenden Auges ins offene Messer. Ich frage den Bundesrat: Ist er bereit, der Oerlikon-Bührle sowie allen anderen Fabrikanten von Waffen oder Zubehör von Kriegsmaterial sofort zu verbieten, aufgrund des Gesetzes, das ihm zur Verfügung steht, diese Lieferungen weiterhin in diese Länder zu schicken? Bonny: Im Rahmen meiner fünfminütigen Redezeit werde ich mich auf die Auswirkungen der Golfkrise auf unsere Neutralitätspolitik konzentrieren, insbesondere auf die Frage unserer Partizipation an den vom Uno-Sicherheitsrat beschlossenen Wirtschaftssanktionen. Vorweg möchte ich sagen, dass ich Herrn Bundesrat Felber für seine nuancierten Ausführungen zu unserer Neutralitätspolitik sehr dankbar bin. Er hat einiges wieder ins Lot gebracht. Das war aber auch dringend nötig. In einzelnen Massenmedien, aber auch bei verschiedenen Politikern war die Verwirrung mit Bezug auf unsere Neutralitätspolitik zeitweise sehr gross. Der Kolumnist einer am Sonntag erscheinenden Zeitung sprach vom Ende der Neutralität. Gleich titelte auch eine grosse Monatszeitschrift. Diese politischen und journalistischen Schnellschüsse hatten eines gemeinsam: Sie übersahen Essentialien, Grundprinzipien unserer Aussenpolitik und unserer Neutralitätspolitik. Vielleicht wollten diese Leute sie auch nicht sehen. Da wird leider in einzelnen Voten oberflächlich - auch heute in dieser Diskussion - über Neutralität gesprochen. Es wird nicht unterschieden - das gehört eben zu diesem Grundsätzlichen - zwischen Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik. Das Neutralitätsrecht besteht aus einigen wenigen, aber klar umrissenen Normen, die vor allem auf dem Haager Abkommen von 1907 basieren. Die Neutralitätspolitik demgegenüber umfasst einen viel weiter gesteckten, aber auch einen entsprechend flexibleren Bereich von möglichen Massnahmen. Dadurch sollen die politischen Voraussetzungen - so möchte ich es kurz umschreiben - geschaffen werden, welche die Rolle als Neutraler im internationalen Konzert der Weltpolitik glaubwürdig erscheinen lässt. Der Begriff «glaubwürdige Politik» scheint mir ein Schlüsselwort zu sein. Wer sich überlegt, wie sich das Mitmachen der Schweiz an den Wirtschaftssanktionen der Uno gegenüber Irak zu Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik verhält, kommt rasch zu ziemlich klaren Erkenntnissen. Wer sich einigermassen im Neutralitätsrecht auskennt, weiss, dass diesbezüglich für uns nicht das geringste Problem besteht. Neutralitätsrechtliche Pflichten beziehen sich praktisch ausschliesslich auf die Teilnahme beziehungsweise Nichtteilnahme an militärischen Handlungen. Neutralitätspolitisch ist die Antwort nach der Kompatibilität unseres Mitmachens bei den Wirtschaftssanktionen vielleicht etwas weniger offenkundig, aber doch klar genug. Entscheidend ist dabei, dass der Beschluss des Sicherheitsrates der Uno einstimmig erfolgte, dass sich praktisch die ganze Welt hinter den Sanktionsbeschluss gestellt hat. In casu geht es also weniger um eine Frage der Parteinahme zwischen zwei Lagern, sondern angesichts der flagranten Verletzung von Völkerrecht durch Saddam Hussein vielmehr um eine Frage der Solidarität, die ja mit der Neutralitätspolitik zusammen eine der Maximen unserer Aussenpolitik ist. Lieber Kollege Sigi Widmer, bei aller Anerkennung deiner aussenpolitischen Kenntnisse muss ich doch sagen, dass hierein fundamentaler Unterschied gegenüber der damaligen Diskussion um den Uno-Beitritt besteht. 1986 und in den Jahren vorher, als wir den Uno-Beitritt diskutierten, stand die Welt noch im Zeichen des kalten Krieges. Es bestand eine Polarisierung, die sich sehr stark auch in der Uno ausgewirkt hat. Unter diesen Auspizien waren punkto Wirtschaftssanktionen andere Voraussetzungen gegeben, als dies heute der Fall ist. Ich muss auch sagen, dass bei einigen Aeusserungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Ende unserer Neutralitätspolitik der Vater des Gedankens mitgespielt hat, nämlich diese für gewisse Leute unsympathische Konstante unserer Politik abzuschütteln. Und noch ein Zweites: In der Neutralitätspolitik, aber auch in der Aussenpolitik, ist es entscheidend, dass sie langfristig angelegt ist. Wir haben glücklicherweise in der Neutralitätspolitik -- 17 of 25 -24. September 1990 N 1525 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse selber eine gewisse Bandbreite, die es erlaubt - wie im vorliegenden Fall -, uns an neue Situationen anzupassen; aber es wäre verheerend, wenn wir diese Konstante wegen einer Situation, wie sie jetzt gegeben ist, gleichsam wegen einer politischen Modeströmung aufgeben würden. Ich glaube, dass die Neutralitätspolitik nach wie vor in unserem Volk stark verankert ist. Das Schlimmste für unsere Aussenpolitik - wir glauben, unter Bundesrat Felber Fortschritte gemacht zu haben - wäre, wenn wir eine Aussenpolitik führen würden, die sich nicht mehr im Volk abstützen kann. Jaeger: Wir haben bei früheren Gelegenheiten schon verschiedentlich die bundesrätliche Aussenpolitik kritisiert: passiver Absentismus, Neutralität im Sinne der Gesinnungsneutralität. Ich möchte Sie, Herr Bundesrat, zu diesem neuen Akt der Aussenpolitik, wie Sie ihn dokumentiert haben, beglückwünschen. Ich möchte Ihnen gratulieren, dass Sie nicht nur die Neutralität als Instrument der Aussenpolitik, sondern als Instrument einer aktiven Aussenpolitik interpretiert und umgesetzt haben. ' Wenn in der heutigen Diskussion verschiedentlich darauf hingewiesen wurde, es gehe darum, zwischen Neutralitätsrecht und Neutralitätspolitik zu unterscheiden, möchte ich, Herr Bonny, betonen, dass wir in erster Linie über Neutralitätspolitik zu entscheiden haben. Denn das Neutralitätsrecht ist ein gegebenes Faktum. Aber wir haben hier unsere Politik zu formulieren. Andere Stimmen, die sagen, die Neutralität als solche sei aufgegeben worden, übersehen, dass Neutralitätspolitik immer nur Reflex der weltpolitischen Situation oder in unserem Fall auch der europapolitischen Situation sein kann. Da haben doch qualitativ verschiedene, fundamentale Veränderungen der weltpolitischen Konstellationen stattgefunden, die eine neue Pragmatik unserer Neutralitätspolitik verlangen. Die Golf krise, so schrecklich sie sich - vor allem auch mit ihren Risiken - darstellt, hat eines aber gezeigt: Sie war die Lackmusprobe für die Entspannung zwischen den Supermächten Ost und West. Die einhellige Annahme des Sanktionenkonzepts hat bewiesen, dass sich das West-Ost-Verhältnis offensichtlich grundlegend und definitiv verändert hat. Das hat für unsere Neutralitätspolitik, ihre Formulierung und ihre Interpretation ganz einschneidende Konsequenzen. Aber nicht nur das. Auch unser europäisches Umfeld verlangt eine Neuformulierung der bisher gehandhabten Neutralität. Auch die Uno präsentiert sich jetzt in einem anderen Licht. Zugegeben, Herr Bonny, die Situation hat sich geändert, die Grossmächte neutralisieren sich innerhalb der Uno nicht mehr gegenseitig per Veto, sondern arbeiten offensichtlich zusammen. Aber, Herr Bonny, damals war dieser Zustand nicht die Schuld der Uno, sondern das war die damalige weltpolitische Konstellation. Die Uno ist ein dynamisches Gebilde, die Weltpolitik auch. Wir sind deshalb der Auffassung, dass heute- unter diesen veränderten Voraussetzungen - neu über einen Beitritt zur Uno diskutiert werden muss. Auch die Neutralitätsfrage muss in diesem Zusammenhang in einem neuen Licht diskutiert werden, zusammen mit dem Parlament, zusammen auch mit dem Souverän. Eine letzte Bemerkung zum Waffenausfuhraspekt: Herr Spalti hat mit Recht darauf hingewiesen, es zeige sich die Problematik, wenn ein Abenteurer wie Saddam Hussein mit Waffen beliefert werde. Einverstanden! Denken wir aber daran, wie der Westen seinerzeit das Schah-Regime aufgerüstet hat. Als dieses Regime durch den Khomeiny-Fundamentalismus abgelöst worden ist, hat man dessen Gegner, den Irak, aufgerüstet. Die Schweiz war dabei. Jetzt ist man daran, wieder andere Machtträger aufzurüsten, immer nach dem Prinzip: «Rüste den Feind deines Feindes auf.» Die Schweiz macht wieder mit. Ich meine, das ist falsch. Waffenhandel, Aufrüstung führen in jedem Fall und immer ins Schlamassel. Wir werden es früher oder später mit neuen Potentaten zu tun haben. Ich weiss nicht, wer das ist. Aber es könnten durchaus jene sein, die jetzt von uns in der Meinung aufgerüstet werden, sie würden uns helfen, einen Feind zu bekämpfen. Auch dieser Feind könnte abgelöst werden und der Freund von heute könnte der Feind von morgen werden. Ich bitte den Bundesrat - wir werden einen entsprechenden Vorstoss unternehmen -, hier einen Riegel zu schieben. Waffenhandel und Aufrüstung sind noch nie langfristige fruchtbare Instrumente der Aussenpolitik gewesen. Sie waren immer nur reiner Opportunismus. Herczog: Nachdem wir nun alle die Sanktionen gegen Irak befürworten und nachdem wir über unsere Neutralitätspolitik hinlänglich gestritten haben, muss sich uns notwendigerweise die Frage stellen: Wo liegen allfällige politische Lösungspotentiale des Konfliktes? Wie kann man dieser «Logik des Krieges», wie dies von Mitterrand bezeichnet wurde, ausweichen? Für uns lautet die Hauptfrage - für den Westen, für die Schweiz und ihre guten Dienste -: Mit welchen Mitteln kommen wir - die westlichen Demokratien - mit der arabischen Welt in ein dauerhaftes Bündnis? Wie man in ein dauerhaftes Bündnis hineinkommen könnte, zeigt sich an zwei entscheidenden Punkten: Erster Punkt: die Israelpolitik. Wie Arnold Hottinger ausführlich in der «Neuen Zürcher Zeitung» beschrieben hat, wäre ein gerechter Friede mit Israel anzustreben. Und gerecht heisst hier ganz spezifisch ein Friede, der von der arabischen Welt insgesamt und auch von den Palästinensern - nicht allein von der PLO - als gerecht betrachtet würde. Dieser gerechte Friede mit Israel ist eine wichtige Voraussetzung, um in der Golfregion von dieser politischen Konfliktsituation wegzukommen. Eine zweite wichtige Voraussetzung: dass die Schweiz, die USA, generell die westliche Welt, Vorsicht in den Allianzen pflegt mit Regimen, die äusserst aristokratischen oderfeudalistischen Strukuren frönen. Sie kennen diese Länder; sie umgeben den Golf. Es kann Kuwait, es kann Saudi-Arabien sein. Wir dürfen uns nicht in Allianzen hineinzwingen, die uns in ein Herrschaftsbündnis mit Regimes bringen, die aus momentanen Bündnisabsichten heraus das Volk gegen uns, gegen die demokratischen Länder aufbringen, die den Nationalismus, den Fundamentalismus derart weit treiben und so das, was heute eine leitende Ideologie in der arabischen Welt ist, nämlich die Ablehnung gegenüber dem Westen, massiv fördern. Zum Schluss noch einmal: Wir müssen uns - neben der Neutralitätspolitik, neben dem, dass man jetzt den USA so gross dankt, dass sie im Golf aufmarschiert sind - überlegen, wo politische Lösungen gesucht werden müssen, bevor der erste Schuss fällt, wie es vielleicht verschiedene Medien gern haben möchten:
1. In der Israel-Politik sollen nicht nur die Irak-Resolutionen der Uno durchgesetzt werden, sondern es sollen auch jene Resolutionen akzeptiert und konsequent befolgt werden, die Israel von den besetzten Gebieten weghaben möchten.
2. Wir dürfen uns nicht in Allianzen hineindrängen lassen, wo wir plötzlich als Bündnispartner von feudalistischen Regimes dastehen und nicht mehr im Bündnis mit der Bevölkerung handeln können. Keller: Ich möchte dem Bundesrat meine Anerkennung und meinen Dank aussprechen, dass er mit Blick auf den Sanktionsbeschluss der Uno sofort erkannt hat, dass er gar nicht anders handeln konnte, als er handelte. Er erfüllte damit die Erwartungen der Völkergemeinschaft. Er erfasste aber auch die politische Einstellung des eigenen Volkes. Es sei noch kurz daran erinnert, wie wir uns anlässlich der Debatte über den Eintritt der Schweiz in die Uno ausserordentlich schwer getan haben mit der Frage, wie wir uns verhalten sollten, wenn allenfalls einmal der Uno-Sicherheitsrat einen Sanktionsbeschluss fassen sollte. Das schien den damaligen Gegnern eines Beitritts ein fast unlösbares Problem. Früher als erwartet sind wir nun vor einen solchen Uno-Beschluss gestellt worden, und was die damaligen Uno-Befürworter immer wieder gesagt haben, trifft ein: Auch als Nicht-Uno-Mitglied kann sich die Schweiz in einem solchen Fall gar nicht anders verhalten als einen Sanktionsbeschluss mitzutragen. Das damals eher hochstilisierte Problem erweist sich bei der ersten Gelegenheit in seiner ganzen Nichtigkeit. Natürlich: Eine ungeteilte Eingliederung in die internationale Solidarität hat auch Nachteile. Hätte die Schweiz nicht mitgemacht, hätte sie sich auf die Position des Courant normal zurückgezogen -für mich besteht kein Zweifel, dass dann Sad-- 18 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1526 N 24 septembre 1990 dam Hussein die Schweizer Geiseln entlassen hätte. So sehr das auch mit Blick auf diese 87 Schweizerinnen und Schweizer, die im Irak festgehalten werden, wünschenswert wäre, so sehr wäre doch auch diese Privilegierung der Schweiz durch einen verachtenswerten Diktator unserem Ansehen international abträglich gewesen. Ich möchte zum Schluss Herrn Bundesrat Felber noch eine Frage stellen. Ich gehe davon aus, dass die Uno ihre weltpolitische Rolle, die ihr seit Wilsons Völkerbund nach dem Ersten Weltkrieg zugedacht war, heute offensichtlich immer besser erfüllt. Meine Frage: Wie steht es heute mit den Guten Diensten der Schweiz? Wären diese innerhalb der Uno nicht besser zu erfüllen? Oder anders gefragt: Sind sie ausserhalb der Uno nicht weniger gefragt als früher? M. Felber, conseiller fédéral: Permettez-moi, après ce long débat, d'abord de vous remercier de vous être exprimés si précisément à propos des problèmes que posait la situation du Golfe et, plus particulièrement, de la prise de position du Conseil fédéral qui s'est rallié aux sanctions du Conseil de sécurité de l'Organisation des Nations Unies. Vous me permettrez-je crois que vous le comprendrez à cette heure tardive - de ne pas m'appesantir sur chacune des questions, mais de reprendre les principaux domaines que vous avez bien voulu traiter. A M. Bundi, président de la Commission des affaires étrangères de votre Conseil, je répète que nous considérons - nous le ferons toujours - que la décision du Conseil fédéral de se rallier aux sanctions et d'adopter une ordonnance appliquant des sanctions était une décision autonome. Nous pouvions, soit ne pas prendre position, soit nous rallier plus tard à cette tradition helvétique du courant normal que beaucoup de gens nous ont proposée. Mais, lorsque leurs lettres nous sont parvenues, la décision était déjà prise. Nous aurions très bien pu choisir cette position. Il fallait prendre une position formelle d'une manière autonome, c'est-à-dire tout à fait indépendante, quant à l'adoption de sanctions suisses par rapport aux événements du Koweit. Le principal problème que vous avez soulevé sur le plan politique est relatif à la position de la Suisse et des pays de la communauté internationale, plus particulièrement de ceux formant les démocraties occidentales pluralistes, par rapport à la situation qui existait avant le 2 août 1990 au Koweit. Ce sont les questions de MM. Herczog, Braunschweig et Jaeger. Nous pouvons affirmer que la position du Conseil fédéral ne doit pas être considérée comme le soutien à un régime particulier, c'est-à-dire à celui que certains d'entre vous considèrent comme féodal, celui du Koweït. Nous avons simplement pris une position qui condamnait la violation du droit des gens, des articles du droit international public et de la Charte des Nations Unies par la République d'Irak. Je le répète: «Pas de soutien à tel ou tel gouvernement.» De même - et c'est très important la Suisse tient à manifester par sa prise de position qu'elle n'a pas la volonté de suivre une politique antiarabe. Cela me permet de répondre directement à M. Braunschweig qui nous demandait de ne pas trop personnaliser la crise Irak-Koweit à travers le chef de l'Etat irakien. Comment voulez-vous ne pas la personnaliser? Nous n'avons pas pris position contre le peuple irakien! En général, nous ne prenons pas position contre une république, mais contre la violation du droit qui a été décidée par un chef d'Etat tout puissant. Dans ce pays, il n'y a pas deux chefs d'Etat tout puissants. Il y en a un, il s'appelle Saddam Hussein et il faut avoir le courage de dire son nom. Ce n'est pas une prise de position contre le peuple irakien, mais contre la direction de la République irakienne. Ici, on ne peut pas faire autrement que de personnaliser la question. C'est un élément de politique générale qu'il nous paraît important de soulever et qui répond à plusieurs de vos questions. Le deuxième problème fait plutôt partie de notre définition de la politique de neutralité. Je ne vais pas reprendre chacun des éléments qui ont été soulignés, établis et défendus. Le Conseil fédéral a très clairement fait la différence entre le principe de neutralité qui, par l'intermédiaire des accords de La Haye du
18 octobre 1907, engage les pays neutres à des droits et des devoirs précis, en particulier en cas d'affrontement militaire, et la politique de neutralité qui est l'instrument de la politique étrangère qui - nous le répétons - ne doit pas se traduire par peur, couardise ou lâcheté. Elle doit aussi faire valoir que la Suisse neutre sait être solidaire des autres Etats du monde. Dans le cas particulier, il est évident que la décision paraissait plus facile à prendre parce qu'une absence de la Suisse aurait signifié qu'elle seule donnait pratiquement raison à l'Etat qui avait ouvertement et clairement violé les principes du droit des gens. Cela dit, nous continuons à affirmer que le Conseil fédéral n'a pas voulu manifester une volonté particulière de changement profond de la politique étrangère de notre pays. Il a utilisé les possibilités actives que lui donne la politique de neutralité s'appuyant sur le droit de la neutralité. Je vous assure, Mesdames et Messieurs les conseillers nationaux, que le Conseil fédéral n'a pas discuté quatre heures de cette possibilité après qu'il est entré en possession des analyses qui lui ont été fournies, concernant précisément la limite entre le droit de la neutralité et la politique de neutralité. Il lui a fallu quelques heures de réflexion, une discussion nourrie et une approbation. C'était la possibilité que le Conseil fédéral saisissait d'utiliser activement la politique de neutralité. S'agissait-il d'un changement? Pas dans notre esprit, puisque nous disons que lorsque nous devons manifester notre solidarité, nous pouvons utiliser cette politique de neutralité. Ce qu'il y avait d'évident, c'est que c'était relativement nouveau. En effet, les circonstances internationales qui nous permettaient d'appliquer de cette manière dynamique la politique de neutralité, ces circonstances internationales étaient nouvelles, avaient changé. C'est là l'élément le plus important qui a permis au Conseil fédéral et à tous ceux qui ont préparé cette décision de la justifier. Cela ne signifie donc pas que si les circonstances changeaient brutalement - ce que nous ne souhaitons pas nous puissions d'une manière égale appliquer tout le temps le même type de décision. Encore une fois, s'il s'agit de politique de neutralité, le gouvernement devra chaque fois se prononcer, analyser et décider ensuite des applications qu'il fera de celle-ci. Nous sommes heureux de souligner que la situation générale, politique, aux Nations Unies entre les différentes pays de la communauté internationale nous a permis de nous engager, avec cette dernière, dans une mesure qui nous paraissait justifiée, judicieuse, nécessaire. Nous souhaitons que des circonstances analogues ne se représentent pas, parce qu'elles sont toujours significatives de guerre et de tensions, mais nous souhaitons, si cela devait se présenter encore, que la même unanimité dans les Etats de la communauté internationale apparaisse de manière à ce que nous puissions nous associer à cette solidarité internationale. L'autre problème que vous avez très directement discuté est celui des exportations d'armes, lié à la situation actuelle du Golfe. Comme nous l'avons dit dans notre première intervention, le Conseil fédéral regrette - question de M. Rebeaud que l'Occident - dont nous faisons partie, ne nous cachons pas derrière les mots, nous sommes donc parmi les coresponsables - ait permis, pas toujours par des gestes, mais par mentalité, par peur, par timidité ou par lassitude, d'armer un pays qui, aujourd'hui, nous montre de quelle manière il peut retourner ses armes contre la paix pour déclencher une crise très grave. Nous croyons, en effet, que des fautes ont été commises. Comme plusieurs d'entre vous l'ont dit, nous admettons qu'armer l'ennemi de son ennemi ne signifie pas que l'on ne va pas retrouver, à la fin du compte, un autre ennemi devant soi. C'est parfaitement correct, nous admettons cette analyse. Cependant, nous aimerions vous rappeler un certain nombre d'éléments. Il n'y a pas besoin d'une intervention particulière aujourd'hui pour empêcher une livraison d'armes dans les pays du Golfe. La loi actuelle suffit, puisqu'elle précise qu'on ne peut pas livrer d'armes dans les pays situés dans une région en crise. Il n'y a pas de discussion possible: lorsque tous les jours on parle de la crise du Golfe, que les pays de cette région sont en crise, nous pouvons appliquer les dispositions de la loi sur l'exportation du matériel de guerre pour empêcher toute exportation. Cela signifie qu'il n'y a pas besoin de décision spéciale du Conseil fédéral. Toute nouvelle demande depuis le 2 août d'exportation de matériel de guerre en direction des pays du Golfe est tout simplement interdite.
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24. September 1990 N 1527 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse L'autre problème est celui des autorisations accordées avant la crise, et nous vous accordons que le Conseil fédéral devra se préoccuper de ces problèmes. Donc, en ce qui concerne les pays qui recevaient des armes suisses, comme l'Arabie Saoudite, comme peut-être la Jordanie -je ne les connais pas par coeur - qui avaient des fournisseurs suisses au bénéfice d'autorisations d'avant la crise du Golfe, les fournisseurs ne sont pas nécessairement dans l'obligation de nous informer qu'ils poursuivent leurs livraisons. De même on peut encore hésiter sur un fait, c'est que les pays qui reçoivent les armes ne sont pas encore en guerre, même s'ils sont dans une région en crise. Nous admettons que ce problème est important. Le Conseil fédéral, non pas au mois de novembre comme récrivaient certains journalistes qui savaient toujours la vérité, mais dans les très prochaines semaines, va s'occuper de ces problèmes. Quand pouvons-nous suspendre? Comment pouvons-nous suspendre des autorisations qui ont été accordées? Nous ne l'avons fait jusqu'ici qu'une seule fois depuis la mise en application de la loi sur les exportations de matériel de guerre, à propos de la Chine populaire, quand le Conseil fédéral a suspendu toute autorisation qui avait été accordée de livrer du matériel militaire à la Chine populaire, à la suite des événements du mois de juin 1989 à la place Tien an men. Ce problème n'est pas bien réglé. Il faudra donc que nous le revoyions. Il faudra certainement aussi préciser un certain nombre d'éléments dans la loi sur l'exportation de matériel de guerre de manière à ce que les interprétations ne soient pas trop éloignées les unes des autres. Ensuite, nous devrons revoir également un autre problème dont il a souvent été question ici, celui de l'application du principe du respect des droits de l'homme. Et là, il est certain que nous touchons encore un autre domaine mais que l'application du principe du respect des droits de l'homme, comme d'ailleurs la Commission de gestion nous en avait chargés, devra devenir un élément important de l'appréciation laissée au Conseil fédéral pour autoriser des livraisons d'armes. Cela dit, nous considérons que le Parlement puis le peuple suisse devront préciser très exactement ce qu'ils souhaitent dans le domaine des exportations d'armes. Nous savons tous qu'une interdiction pure et simple de toute exportation, qui philosophiquement peut être acceptable, signifie la disparition d'une industrie particulière de notre pays. Tout cela doit être mis en équilibre, analysé, afin de permettre au Conseil fédéral de présenter au Parlement des propositions plus précises dans le domaine des exportations d'armes. En ce qui concerne l'Occident, j'ai répondu à M. Rebeaud que nous nous considérons également comme faisant partie de l'Occident et que nous portons sans aucun doute notre part de responsabilités sur les causes profondes du conflit. Nous n'aurons jamais de solution réelle. L'Irak était un pays en totale déconfiture économique dont le régime était, par là même, menacé. Il avait subi, c'est vrai, une perte extrêmement importante dans la vente de son pétrole brut, parce que les pays producteurs de l'OPEP n'avaient pas réussi à s'entendre. Or, cela n'est pas de la faute des Occidentaux ni des consommateurs occidentaux de pétrole. Il y avait eu des dumping sur les prix de gros du pétrole brut et un pays, qui se relevait de huit ans de guerre - ce que nous n'avions pas non plus souhaité - avait besoin de devises et n'a pas pu les obtenir. Il est vrai que le Koweït, comme l'Arabie Saoudite, ont contribué à la baisse des prix du pétrole, par conséquent à la diminution des recettes d'autres pays producteurs tels que l'Irak, l'Algérie qui ont perdu énormément et avaient besoin de ces ressources. C'est certainement l'un des motifs de cette crise puisque, précisément, avant même qu'elle ne soit déclenchée sur le plan militaire, elle avait été l'objet de négociations. La situation en général: comme plusieurs d'entre vous l'ont relevé, s'agit-il de la suite ou de la fin des problèmes liés à l'existence d'Israël, à l'insécurité au Moyen-Orient? Nous n'en sommes pas persuadés. Les informations et les prises de position ne coïncident pas. Nous pensons que si tous les problèmes sont bel et bien liés dans cette région du monde, d'une manière ou d'une autre, ce n'est pas la question Israël/Palestine qui est certainement le motif le plus important de cette crise. Nous savons aussi que la solution du conflit doit être politique si l'on ne veut pas détruire des centaines de milliers d'hommes et de civils. Elle est entre les mains de l'Organisation des Nations Unies qui a voté des résolutions, et qui est chargée avant tout de négocier. Elle est aussi entre les mains des pays arabes et de la Ligue des Etats arabes qui pourra sans doute, mieux que tout autre, convaincre les Etats arabes d'aboutir à une solution. Cela ne signifie pas que nous n'ayons rien à dire. Dès le lendemain de notre prise de position, nous avons aussi informé les autres pays neutres d'Europe que nous étions prêts àtravailler ensemble à une solution visant à rétablir la paix dans le Golfe. Nous avons aussi informé les parties au conflit, qui se font face avec leur armée, que nous étions prêts, si elles nous le demandaient, à tenter des médiations. Cela dit, nous devons être très prudents parce qu'il ne s'agit pas de donner un mauvais signal et de laisser entendre que nous nous désolidarisons en agissant sur ce terrain-là. Voilà ce que nous tenions à répondre à la plupart des interventions, en vous remerciant encore une fois d'avoir soutenu le Conseil fédéral dans sa prise de position. En ce qui concerne l'ONU, nous aurons sans doute l'occasion d'en reparler prochainement. Le président: Les interpellateurs sont satisfaits de la réponse du Conseil fédéral. 90.665 Dringliche Interpellation der Wirtschaftskommission Golfregion. Wirtschaftsbeziehungen Interpellation urgente de la commission des affaires économiques Région du Golfe. Relations économiques Wortlaut der Interpellation vom 21. August 1990 Der Bundesrat wird eingeladen, das Parlament über die Wirtschaftsbeziehungen mit der Golfregion, insbesondere mit dem Irak und Kuwait, umfassend zu informieren, die Auswirkungen des weltweiten Boykotts wie seiner eigenen Massnahmen auf die Schweizer Wirtschaft und die Wirtschaftsentwicklung darzulegen. Texte de l'interpellation du 21 août 1990 Le Conseil fédéral est prié d'informer le Parlement de manière approfondie sur les relations économiques avec la région du Golfe, en particulier avec l'Irak et le Koweït, et d'exposer les retombées du boycottage mondial ainsi que ses propres mesures sur l'économie suisse et sur le développement économique en général. 90.685 Dringliche Interpellation Fischer-Seengen Auswirkungen des Handelsboykotts gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait auf die schweizerische Wirtschaft Interpellation urgente Fischer-Seengen Boycottage économique de l'Irak et du Koweit Wortlaut der Interpellation vom 18. September 1990 Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:
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Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1528 N 24 septembre 1990
1. Wie viele Unternehmen werden durch das vom Bundesrat am 7. August 1990 erlassene Handelsverbot gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait im Sinne von Artikel 3 der Verordnung direkt betroffen?
2. Wie gross ist das entsprechende Handelsvolumen in Schweizerfranken?
3. Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass den betroffenen Unternehmen der ausgewiesene Schaden wenigstens teilweise ersetzt werden sollte? Texte de l'interpellation du 18 septembre 1990 Je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux questions suivantes:
1. Combien d'entreprises sont directement concernées, au sens de l'article 3 de l'ordonnance, par l'interdiction de commerce avec la République d'Irak et l'Etat du Koweït, interdiction décrétée le 7 août 1990 par le Conseil fédéral?
2. A combien se monte, en francs suisses, le volume des échanges touché par ces mesures?
3. Le Conseil fédéral n'est-il pas aussi d'avis que le préjudice justifié subi par les entreprises concernées devrait être au moins partiellement réparé? Schriftliche Begründung - Développement par écrit Durch den vom Bundesrat am 7. August 1990 verordneten Handelsboykott gegen die Republik Irak und den Staat Kuwait werden weit mehr Unternehmen betroffen als ursprünglich angenommen, und das entsprechende Handelsvolumen ist beträchtlich. Unter anderem können auch bereits fertiggestellte Anlagen nicht mehr geliefert werden und die in guten Treuen getätigten Vorinvestitionen (Materialeinkäufe, Projektierungsund Produktionsarbeiten etc.) gehen in solchen Fällen grösstenteils verloren, da eine spätere Lieferung nur selten möglich wäre. Namentlich kleinere und mittlere Unternehmen treffen die daraus resultierenden Verluste besonders hart. Es scheint mir deshalb nicht billig, wenn einige wenige, zudem noch meist mittlere und kleinere Unternehmen die Folgen des Boykotts allein zu tragen hätten. M. Delamuraz, conseiller fédéral: Je traiterai dans ma réponse à la première intervention des effets économiques de la crise du Golfe sur la conjoncture internationale et plus particulièrement sur l'économie suisse, puis j'aborderai la deuxième interpellation de M. Fischer-Seengen. La crise au Proche-Orient, la hausse des pétroles de 18 à
30 dollars le baril - c'étaient les chiffres de la semaine dernière, aujourd'hui ils sont bien plus hauts - ainsi que l'incertitude sur les marchés financiers ont réveillé les craintes d'un troisième choc pétrolier et d'une récession immédiate. Les faits: il est vrai de dire que, depuis le début de cette année, la croissance mondiale s'est ralentie, mais que les effets du ralentissement ont été ressentis essentiellement aux Etats-Unis, dans une certaine mesure en Grande-Bretagne. La hausse des prix du pétrole va renforcer l'inflation et la tendance au ralentissement de la conjoncture dans le monde. Les analyses de l'OCDE prévoient une accélération de l'inflation de l'ordre d'un demi pour cent, peut-être de trois quarts pour cent pour l'année à venir et un recul de la croissance économique des pays industrialisés d'un ordre de grandeur comparable, ce qui ramènerait les perspectives de croissance de trois pour cent telles que calculées par l'OCDE pour l'année prochaine, à moins de deux et demi pour cent. Ces prévisions sont établies sur la base d'une augmentation du prix du pétrole brut d'environ 10 dollars le baril. Or, je répète qu'il s'agit là d'une augmentation qui sera très probablement dépassée, qui est déjà dépassée aujourd'hui. Au vu de la conjoncture fragile aux Etats-Unis, on ne peut pas exclure même une récession dans ce pays. Chacun sait qu'une récession dans ce pays a des significations extraaméricaines considérables. C'est essentiellement dans le secteur de l'industrie automobile américaine que l'on ressent ces signes de récession. Les difficultés de la Banque centrale américaine, qui est confrontée à la nécessité de lutter contre une inflation qui s'accélère et de prévenir une récession se sont donc accentuées. L'augmentation des prix du pétrole, le risque accru d'inflation, les problèmes budgétaires non résolus restreignent considérablement la marge de manoeuvre de la Banque centrale américaine; un assouplissement de la politique monétaire et une réduction des taux d'intérêt sont peu probables. Heureusement, la conjoncture très robuste sera moins affectée au Japon et dans la plupart des pays européens occidentaux, notamment en République fédérale allemande où elle bénéficie du boom des investissements en vue du marché commun de 1993 et aussi des événements de l'Europe de l'Est. Mais les grands perdants - mon collègue Felber a eu l'occasion d'y faire allusion dans le débat intéressant qui a précédé mon intervention - sont les pays en développement importateurs de pétrole. Ils sont véritablement frappés de plein fouet. De même, il faut dire que dans les pays de l'Europe de l'Est, les problèmes d'adaptation, suite à leur passage à un approvisionnement en pétrole au prix du marché mondial - c'est nouveau pour eux - en seront accentués d'autant. D'une manière générale, nous ne sommes pas en présence de chocs pétroliers de l'ampleur de ceux de 1973 et 1979. La hausse des prix du pétrole reste aujourd'hui inférieure, je dirai même nettement inférieure à cent pour cent, alors qu'en 1973 ils avaient quadruplé et qu'en 1979 ils avaienttriplé. La densité en pétrole de la production dans les pays industrialisés a chuté depuis 1973: en Suisse d'un tiers environ. La conjoncture dans les pays industrialisés est aujourd'hui nettement plus robuste et plus saine. Par conséquent, les besoins de correction de politique économique sont plus faibles. On a donc appris quelque chose des deux crises antérieures. Mais c'est avant tout l'ajustement structurel et la libéralisation des marchés qui ont amélioré la capacité des économies des pays industrialisés d'absorber les chocs extérieurs. Je parle bien des chocs extérieurs. Enfin, plusieurs pays exportateurs de pétrole sont aujourd'hui prêts à compenser dans une large mesure la perte du pétrole irakien et koweitien. En résumé, il apparaît du point de vue de l'examen macroéconomique de la situation mondiale que l'insécurité va en augmentant, qu'il faut s'attendre à un ralentissement de la croissance de l'économie mondiale et des échanges, pour autant que les circonstances dans le Golfe n'empirent pas, mais que nous ne sommes pas en vue de drame, de crise, de rupture de l'ordre de celles que nous avons connues en Suisse. J'en viens plus particulièrement à l'examen de la situation suisse. La nouvelle hausse prévue des taux d'intérêts, des prix du pétrole et le raffermissement du franc se situent heureusement dans une conjoncture solide qui résiste à beaucoup d'épreuves, ce qui n'était pas le cas auparavant. Les perspectives de commandes pour le proche avenir sont bonnes, bien que la demande d'exportation dans l'industrie enregistre des signes d'affaiblissement et que, de manière générale, les provisions des entrepreneurs se soient considérablement assombries. La quatrième hausse des taux hypothécaires, qui reste d'actualité et qui occupera sans doute votre conseil dans la troisième semaine de cette session, vient s'ajouter péniblement et douloureusement - parce que c'est un facteur intérieur et non pas, comme la crise du pétrole, un facteur extérieur auquel toute politique monétaire ne peut que peu de chose - et va malheureusement infléchir la tendance dans lo mauvais sens. On peut donc s'attendre à un ralentissement prononcé de la conjoncture intérieure et à un ralentissement un peu plus important que prévu de la croissance des exportations. Mais il est vraisemblable que le taux d'utilisation des capacités de production, très élevé dans notre pays, et le plein emploi seront maintenus. Il semble inévitable que les profits des entreprises, qui étaient jusqu'à présent très bons, voire excellents, s'érodent quelque peu et même se dégradent. Les perspectives d'inflation restent relativement bonnes. Certes, le taux d'inflation sera légèrement plus élevé dans le courant de cette année qu'il n'avait été prévu, et surtout au début de l'année prochaine. Nous devons le considérer comme une donnée. Le franc suisse, dont tout le monde a souhaité le rétablissement de la belle santé - et on y est arrivé - est facteur de risque, quoiqu'il en soit. Son raffermissement soutient la lutte contre l'inflation, certes, mais il renforce aussi, du côté des ex-- 21 of 25 -24. September 1990 N 1529 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse portations, les dangers d'une récession. A plusieurs occasions, la Banque nationale a déclaré sa disposition à une certaine souplesse en cas de situation exceptionnelle. J'ose espérer qu'elle sera capable, dans ces circonstances et si les signaux extérieurs le veulent, de cette souplesse, non pas en discours et en remarques, mais en actes et en décisions. Nos relations économiques, puisque c'est la deuxième partie de la question posée par l'interpellation, avec l'ensemble de la région du Golfe - je parle de l'ensemble du Golfe parce que tout cela se tient et que le conflit ne se limite pas à cette région mais touche l'ensemble du Moyen-Orient - sont, de notre point de vue, assez différentes. D'une part, le Moyen-Orient comprend les Etats à revenus pétroliers: Arabie Séoudite, Koweit, Bahrein, Qatar, Emirats arabes unis et d'Oman, Irak, Iran; d'autre part, les pays non producteurs de pétrole: Afghanistan, Yemen, Jordanie, Liban; et, dans une moindre mesure mais le produit pétrolier y est relatif: Syrie. Economiquement, la région du Moyen-Orient est importante pour la Suisse en raison de ses riches gisements de pétrole et de gaz naturel; 66 pour cent des stocks pétroliers connus à ce jour dans le monde proviennent de la région. L'Europe occidentale recueille quelque 60 pour cent de ses besoins en pétrole par la production des Etats du Moyen-Orient et cette forte dépendance de cette région s'élèvera encore dans les années qui viennent. Elle pourrait atteindre, au tournant de ce siècle,
80 pour cent, en raison du tarissement graduel des gisements pétroliers de l'Europe du nord et des Etats-Unis. La dépendance du Japon vis-à-vis des produits pétroliers du Moyen-Orient est encore plus grande. Du point de vue économique, cette dépendance implique des conditions normales de circulation des produits, des services, des capitaux, avec les pays producteurs de pétrole. Jusque dans un passé très récent, la majeure partie de ces revenus pétroliers servait à couvrir les besoins en biens d'investissement et en services nécessaires au développement économique et structurel de toute la région. Peu à peu, les besoins en biens de consommation et en investissements de ces régions en capitaux, aussi bien dans les Etats d'Europe occidentale que d'Amérique du nord et d'Amérique du sud ont pris le relais. Pour ce qui concerne la Suisse, la situation est heureusement très différente de celle d'un nombre considérable de pays industrialisés, en ce sens que nous sommes dépendants - et que nous le serons davantage - de l'ensemble des pays du Moyen-Orient producteurs de pétrole, mais beaucoup moins de l'Irak et du Koweit. En effet, les importations suisses de l'Irak, produits pétrochimiques et autres marchandises, ont représenté la somme dérisoire de 1,75 million de francs en 1989, du Koweit de 2,3 millions, cependant que nos exportations vers l'Irak étaient de l'ordre de 300 millions l'an dernier et vers le Koweit de 94 millions, avec des tendances respectivement à la diminution et à la reprise. Ce ne sont donc pas des interlocuteurs économiques importants pour notre économie. Il n'empêche que les problèmes de la crise du Golfe ne se réduisent pas aux seules conséquences directes et saisissables sur les comportements commerciaux de l'Irak et du Koweit et qu'ils ont, je le répète, des ramifications indirectes avec l'ensemble des pays du Moyen-Orient. C'est en ceci que la situation peut poser un problème à la Suisse, à plus long terme. Si la crise s'éternise et si cette dernière devait s'aggraver, il est bien clair que toutes les évaluations, somme toute assez tranquilles et assez bénignes, auxquelles je me livre devant vous quant à l'avenir, seraient transformées dans le sens d'une aggravation peut-être considérable. La situation mérite donc une analyse de tous les instants. Cela me conduit à des vues plus concrètes dans la réponse que je dois donner à l'interpellation urgente de M. Fischer-Seengen, conseiller national. M. Fischer me demande tout d'abord combien d'entreprises suisses sont directement touchées par l'article 3 de l'ordonnance qui institue des mesures économiques envers l'Irak et l'Etat du Koweit. Je vous répondrai, Monsieur le Conseiller national, qu'il n'est pas encore possible d'indiquer le nombre exact des entreprises suisses qui sont directement touchées par cette ordonnance. Ces entreprises devaient s'annoncer jusqu'au 14 septembre dernier. Selon une première estimation de mon département, environ 200 entreprises suisses pourraient être plus ou moins touchées par les mesures d'embargo décidées par le Conseil fédéral. Vous me demandez ensuite quel est le volume des exportations concernées en francs suisses. Il est également difficile d'indiquer maintenant des chiffres exacts, mais pour ce qui concerne l'année dernière je répète ce que je viens de vous indiquer: les exportations suisses vers l'Irak dépassaient
300 millions de francs et elles étaient de l'ordre de 94 millions de francs vers le Koweit. Cela représente 0,4 pour cent de la totalité des exportations suisses. Les effets directs sur l'économie d'exportation suisse sont donc modestes mais, et il est intéressant de le relever, c'est une chose de faire les moyennes ou les totaux pour l'ensemble de l'économie, tandis que citer de manière quelque peu décontractée ce chiffre de 0,4 pour cent seulement, c'en est une autre. Dans l'économie de ces entreprises-là, celles qui ont des flux commerciaux anciens ou nouveaux avec les entreprises de l'Irak et du Koweït, les problèmes se posent dans des termes tout à fait différents et parfois même douloureux. Ce sont finalement, Monsieur le Conseiller national, une quarantaine d'entreprises suisses qui se sont adressées à mon département et, plus particulièrement, à l'Office fédéral des affaires économiques extérieuresen français Bawi - pour obtenir une autorisation exceptionnelle. Plusieurs cas concernaient l'exportation de produits pharmaceutiques et c'est dans ce secteur que des autorisations ont pu être accordées mais elles ne l'ont été - que cela soit bien précisé au passage, comme le rappelait aussi M. Felber, conseiller fédéral, tout à l'heure - qu'avec l'accord parfait des autres Etats ayant pratiqué l'embargo. Vous me demandez dans votre troisième question si le Conseil fédéral partage l'opinion selon laquelle les entreprises concernées seront au moins partiellement indemnisées pour les pertes subies. Le Conseil fédéral répond que les soucis des entreprises, et notamment de celles qui avaient de grands marchés en cours avec l'Irak ou le Koweit, constituent un problème digne d'attention mais qu'un dédommagement général n'est pas prévu. Les mesures économiques envers l'Irak et le Koweit se fondent sur l'article 102, chiffres 8 et 9, de la Constitution fédérale, qui stipule que le Conseil fédéral veille aux intérêts de la Confédération, à l'extérieur. Il n'existe donc aucune base légale qui autoriserait la Confédération, et encore moins qui la contraindrait, à répondre en tant que telle de dommages consécutifs à des mesures économiques décidées par le gouvernement. D'après la loi sur la responsabilité, la Confédération répond du dommage causé sans droit à un tiers par un fonctionnaire dans l'exercice de ses fonctions, mais cette disposition ne concerne pas les mesures économiques instituées par le Conseil fédéral. Par conséquent, la Confédération ne répond pas de dommages consécutifs aux mesures économiques prises à l'endroit du Koweit et de l'Irak. D'un autre côté, il est bien clair que les autorités fédérales sont prêtes à aider les entreprises dans le cadre des lois en vigueur. La loi sur l'assurance-chômage, Monsieur Fischer, pourrait offrir une possibilité. A l'article 51 de l'ordonnance, il est prévu, en effet, qu'une entreprise qui perd du travail à la suite notamment d'une interdiction d'exporter des marchandises, peut décider une réduction de l'horaire de travail et bénéficier des indemnités prévues en ce cas. Voilà dans quelles limites - limites étroites je le reconnais - la Confédération pourrait intervenir, s'agissant des entreprises qui, dans ce pays, avaient des contrats, préparaient des contrats ou appliquaient des contrats avec l'un ou l'autre de ces deux pays. Il est bien clair que nous ferons tout notre possible pour que ces mécanismes de solidarité collectifs puissent jouer en faveur d'entreprises qui, frappées par des cas de rigueur, connaîtraient, du fait des décisions gouvernementales, de réelles, de profondes et de substantielles difficultés économiques mais, d'une manière générale, l'arsenal qui est à notre disposition est un arsenal relativement limité. Oehler: Die Wirtschaftskommission hat den Bundesrat in einer dringlichen Interpellation gebeten, zur Lage namentlich -- 22 of 25 -Crise du Golfe. Interventions parlementaires 1530 N 24 septembre 1990 auch der Schweizer Wirtschaft Stellung zu nehmen. Ich möchte Herrn Bundesrat Delamuraz für seine Ausführungen danken. In unserer Kommission kam klar zum Ausdruck, dass wir den Bundesrat unterstützen und dass wir mit den ändern Staaten solidarisch sein müssen. In diesem Sinne haben wir es denn auch nicht begriffen, dass von gewissen Seiten vom Bundesrat verlangt wurde, dass man zum Courant normal zurückfinden sollte und wir auf diese Art und Weise weiterhin, insbesondere mit Irak, Handel betreiben sollten. Wir sind dankbar, dass der Bundesrat einen anderen Weg, nämlich die Solidarität mit den ändern Staaten, gewählt hat. Diese Solidarität mit ändern Staaten wird in unserem Lande einige Unternehmungen etwas kosten. Die Frage liegt nun auf der Hand, wer für diese Solidarität aufzukommen hat. Herr Bundesrat Delamuraz hat eben erwähnt, dass man u. a., sollte ein Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, auf die Arbeitslosenversicherung zurückgreifen kann. Meines Erachtens, Herr Bundesrat, ist das ungenügend, insbesondere dann, wenn ein Unternehmen wegen den Boykottmassnahmen in existentielle Nöte kommt - existentielle Nöte, welche ein Unternehmen mittelfristig an den Rand des Ruins bringen werden. Das bedeutet für mich, dass wir unsere Solidarität mit ändern Staaten, nämlich das Mittun im Boykott, nicht auf Kosten einzelner Unternehmen ausüben und jene Unternehmen das alleine finanzieren lassen dürfen. In diesem Sinne genügt es meines Erachtens nicht, wenn wir bloss auf das Arbeitslosengesetz verweisen, wenn wir rückblickend auf den 14. September dieses Jahres vom Bund die Eingaben einverlangten und nun 200 Unternehmen da sind, die offenbar in Schwierigkeiten kommen. Ich bitte den Bundesrat, sich im Einzelfall etwas einfallen zu lassen, damit nicht die einzelnen Regionen, einzelne Unternehmen - nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Inhaber dieser Unternehmen - in den Ruin getrieben werden. Die Kosten für Arbeitnehmer - ich finde das richtig - können wir über die Arbeitslosenversicherung auffangen. Wir haben heute aber offenbar keine Möglichkeit, mit den geltenden Gesetzgebungen den Unternehmungen unter die Arme zu greifen. In diesem Sinne, Herr Bundesrat, ist für mich Ihre Antwort im Hinblick auf die 200 Unternehmungen, Ihr Hinweis auf das Arbeitslosenversicherungsgesetz, nicht genügend. Ich bitte Sie, hier etwas klarer zu werden. Fischer-Seengen: Gestatten Sie mir, meine Sorge mit folgendem konkreten Beispiel zu illustrieren: Eine Firma in Wettingen mit rund 80 Mitarbeitern hat sich vor rund drei Jahren gegenüber einer staatlichen kuwaitischen Gesellschaft verpflich-tet, für das geplante Telekommunikationszentrum eine Stromversorgungsanlage im Gegenwert von rund 1,7 Millionen Franken zu erstellen. Dies entspricht etwa 10 Prozent des gesamten Jahresumsatzes dieser Firma. Die Anlage sollte im kommenden Oktober/November geliefert und installiert werden. Bei Erlass des Handelsboykotts gegen den Irak und Kuwait am 7. August 1990 arbeitete ein Grossteil der Belegschaft an diesem Auftrag. Sofort nach Bekanntwerden des Handelsboykotts wurden sämtliche Arbeiten eingestellt und es wurden, so gut es ging, andere Aufträge vorgezogen. Beim Stopp waren indessen bereits folgende Kosten aufgelaufen: Von Zulieferanten bereits gelieferte oder zumindest bestellte Materialien für 800 000 Franken, geleistete Projektierungsarbeiten
100000 Franken, geleistete Produktionsarbeiten 200000 Franken, Totalkosten: 1,1 Millionen Franken. Die teilweise ausländischen Zulieferanten sind aus verständlichen Gründen nicht bereit, die gelieferte oder teilweise bereits bezahlte Speziesware einfach zurückzunehmen. Auch bei aller Kulanz der Zulieferanten wird die betroffene Firma allein unter diesem Titel einen Schaden von einigen hunderttausend Franken erleiden. Da auch sämtliche Projektierungs- und Produktionskosten unwiderruflich verloren sind, dürfte schliesslich ein Schaden von mindestens 600 000 bis 800 000 Franken resultieren. Daran würde sich selbst dann nichts ändern, wenn in naher Zukunft der Handelsboykott gegenüber Kuwait aufgehoben würde. Aus Platzgründen musste nämlich bereits der grösste Teil des Materials an die Zulieferanten zurückgeschoben werden, so dass in den meisten Fällen eine Wiederverwendung ausgeschlossen wäre. Dazu kommt ein weiteres Problem: Durch den Boykott ist diese Firma gezwungen worden, den Vertrag mit dem irakischen Partner zu brechen. Daraus ergibt sich eine Schadenersatzpflicht, die besonders dann zum Tragen kommt, wenn entsprechende Beträge mit Gegenforderungen des Irak verrechnet werden können. Es wäre unfair, wenn auf das Unternehmerrisiko hingewiesen würde. Der Bundesrat hat das richtigerweise nicht getan. Er macht sich dennoch die Sache zu einfach, wenn er sich hinter Artikel 102 Ziffer 8 BV verschanzt und das Fehlen einer Rechtsgrundlage für die Entschädigungen geltend macht, die sich aus Handlungen bei der Anwendung dieser Verfassungsbestimmung ergeben. Der Verweis auf die Arbeitslosenversicherung - Herr Oehler hat das bereits gesagt - stösst auch im vorliegenden Fall ins Leere, da sich der Schaden nicht in Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit niederschlägt. Die Frage musste vielmehr aus der Optik der Gerechtigkeit und der Zumutbarkeit für die betroffenen Unternehmungen beurteilt werden und den Bundesrat dazu veranlassen, de lege ferenda solchen Fällen Rechnung zu tragen. Nach der erstmaligen Anwendung dieser neuen neutralitätspolitischen Praxis ist damit zu rechnen, dass sich solche Fälle wiederholen. Neue Massnahmen erfordern hinsichtlich deren Folgen neue Ueberlegungen. Ich frage deshalb den Bundesrat an, ob er bereit ist, dieser neuen, für die Betroffenen schwerwiegenden Situation gesetzgeberisch Rechnung zu tragen. Fischer-Sursee: Die CVP-Fraktion begrüsst den verhängten Boykott, vor allem auch, weil der Bundesrat rasch gehandelt hat, ohne Wenn und Aber und nicht hinterher wie die alte Fasnacht. Er hatte aber im Grunde keine andere Wahl. Wenn sich schon die ganze Völkergemeinschaft entschliesst, gegen einen brutalen Rechtsbrecher vorzugehen, wäre es unverständlich, wenn die Schweiz abseits stehen und sich den Vorwurf, wieder einmal als Profiteur dazustehen, einhandeln würde. Es geht uns vor allem auch um die Frage der Ueberwachung, und ich bitte Herrn Delamuraz, dafür zu sorgen, dass dieses Embargo gut überwacht wird. Das grosse Problem, das jetzt besteht, ist die Frage des Schadens in der Schweiz. Es wurde darauf hingewiesen, dass dieses Embargo für verschiedene Unternehmungen Schaden, Verluste einbringen kann. Ich bin der Meinung, dass wir eine generelle Schadenersatzhaftpflicht nicht diskutieren können, und dass eine generelle Entschädigungspflicht nicht besteht. Es gibt aber schon verschiedene Beispiele - Sie haben vorhin eines von Herrn Fischer-Seengen gehört -, dass vor allem kleine und mittlere Betriebe - mir sind auch solche Fälle bekannt - in Bedrängnis geraten, weil sie fertiggestellte Waren nicht mehr ausliefern können oder auf halb ausgeführten Aufträgen sitzen bleiben. Ich glaube, hier können wir das nicht so einfach abtun, wie es der Herr Bundesrat dargelegt hat: dass die gesetzlichen Grundlagen fehlen, dass die Arbeitslosenversicherung bezahlen soll. Ich glaube, hier ist es nun unsere Pflicht, aus Solidarität gegenüber Unternehmungen, die in eine existentielle Bedrohung kommen, zu helfen. Es gibt übrigens noch ein weiteres Problem: Es sitzen immer noch einige Schweizer im Irak fest, das sind vor allem Monteure, die sogar nur kurzfristig dort waren und vom Vorfall überrascht wurden. Auch hier stellt sich die Frage, wie ihren Angehörigen finanziell geholfen werden kann. Es ist möglich, dass hier die Arbeitslosenversicherung eine Zeitlang zahlt. Aber ich glaube, das ist keine Lösung. Man sollte auch hierfür die Angehörigen eine finanzielle Lösung finden, die tragbar und richtig ist. Es stimmt, dass wir im Augenblick dazu keine gesetzliche Grundlage haben. Ich glaube aber, das ist kein Entschuldigungsgrund, sondern wir müssen eben diese gesetzliche Grundlage schaffen. Die Billigkeit fordert das. Wenn wir schon sehen, dass die EG und die anderen Industriestaaten den Anrainer-Golfstaaten, die durch diesen Konflikt und diese Massnahmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, hei-- 23 of 25 -24. September 1990 N 1531 Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse fen, warum sollen wir dann nicht unseren eigenen Staatsbürgern und unseren Unternehmen, die allenfalls in echte Schwierigkeiten geraten, unsere solidarische Hilfe zukommen lassen? M. Delamuraz, conseiller fédéral: Tout d'abord en ce qui concerne les cas qui nous ont été soumis à la suite des décisions prises par le Conseil fédéral, nous devons constater qu'il y a des cas préoccupants, mais qu'il n'y a aucun cas catastrophe. Je veux dire par là que dans aucune entreprise il n'a été apporté la preuve que la décision d'embargo allait signifier des conséquences économiques graves, voire gravissimes et que ces conséquences économiques pourraient aller jusqu'à la fermeture de l'entreprise. Il y a donc -jusqu'à maintenant en tout cas à notre connaissance - un certain nombre de cas dignes d'attention mais il n'y a eu, heureusement, aucun cas catastrophe. Je remercie M. Oehler, président de la commission, MM. Fischer-Seengen et Fischer-Sursee d'avoir attiré notre attention sur la signification pour certaines entreprises de la décision d'embargo. Je peux leur répondre en quatre points. En premier lieu, je constate que contrairement à ce qui a pu être dit, à notre connaissance, aucun des Etats pratiquant l'embargo sur l'Irak et le Koweit n'a jusqu'à maintenant introduit, en faveur des entreprises touchées par les conséquences de cet embargo, d'indemnités autres que les indemnités courantes que connaissent leurs législations. Si certaines législations nationales vont au-delà des nôtres, c'est possible, mais en général pas tellement au-delà des nôtres, en sorte que ce que l'on peut dire aujourd'hui, en droit international comparé, c'est que les autres Etats appliquant l'embargo n'ont pas pris de mesures particulières consécutives à cette décision, en faveur de celles de leurs entreprises nationales touchées. Ce n'est pas une raison, s'ils ne l'ont pas fait, pour que nous ne le fassions pas nous-mêmes, mais voilà l'état de droit tel que je peux vous le décrire. Deuxièmement, j'ai annoncé tout à l'heure la possibilité de recourir aux institutions de l'assurance-chômage. C'est en effet, en l'état actuel du droit, l'institution la plus directement utilisable dans ce cas, pour autant bien sûr que des ruptures de contrats forcées par l'embargo entraînent des restrictions de la durée du travail dans telle ou telle entreprise. Je confirme de manière très claire et très nette que le Conseil fédéral fera un usage particulièrement souple et efficace des dispositions de cette assurance-chômage pour répondre aux cas de rigueur qui se poseraient à lui en ce domaine. Un troisième point réclame notre attention. Il s'agit de l'engagement de la garantie des risques à l'exportation, de la GRE, en ce domaine. Je n'en ai pas parlé dans ma réponse, mais je puis dire maintenant qu'il y a là quelques ressources, mais elles ne sont - je dois bien le reconnaître - pas très nombreuses. En effet, je constate que la GRE ne pourrait fonctionner, s'agissant d'entreprises engagées auprès de l'Irak ou auprès du Koweit, que pour des contrats qu'elle aurait préalablement assurés. Là, son rôle et sa responsabilité seraient bel et bien d'assumer les pertes enregistrées par ces entreprises. Mais il faut bien le dire, il y a peu d'entreprises en relation tant avec l'Irak qu'avec le Koweit, qui aient été ornées de la bénédiction de la GRE; en sorte que je ne voudrais pas éveiller des espoirs excessifs et dire de manière plus réaliste que l'outil de la GRE est à disposition, mais que pratiquement et concrètement les effets qu'on peut en espérer sont limités particulièrement avec l'Irak, un peu moins avec le Koweit où les relations et le courant normal ont été de tous temps plus intenses, proportionnellement meilleurs et plus confiants qu'avec l'Irak. Quatrièmement, je répète aux honorables préopinants que tout le problème est de savoir si nous disposons de la base légale pour parvenir à un dédommagement, compte tenu des effets de cette politique à l'égard des entreprises touchées de plein fouet par nos dispositions. La réponse est non. Hormis les quelques dispositions de la loi sur l'assurance-chômage et de la GRE, il n'y a pas de base légale; la question est alors de savoir si nous voulons et si nous devons la créer. Le Conseil fédéral n'a pas voulu le faire directement et spontanément lorsqu'il a présenté ses dispositions relatives à l'embargo. Ce dernier va examiner très attentivement - M. Oehler je vous en donne la garantie, vous qui n'étiez pas plus satisfait que M. Fischer de la réponse que j'ai faite - cas par cas, les situations qui lui ont été données dans le délai du 14 septembre, c'est-àdire il y a dix jours. Si réellement il devait constater qu'il y a des cas dignes d'intérêt individuel ou dignes d'intérêt régional que les dispositions actuelles ne permettent pas de prendre en compte, sachez bien que le Conseil fédéral ne fera pas la sourde oreille et qu'il examinera alors la possibilité d'étendre les bases légales à sa disposition pour, le cas échéant, éviter ce que j'ai appelé des drames d'entreprises ou des drames régionaux. Jusqu'à maintenant, rien de semblable, je vous l'ai affirmé. Mais, rien ne me dit que nous n'aurons pas, dans les temps qui viennent, l'annonce de situations beaucoup plus préoccupantes que celles qui ont été énoncées. Je prends donc l'engagement devant le conseil qu'à l'examen des cas qui nous sont soumis, le Conseil fédéral se réserve l'éventualité d'aller au-delà des possibilités légales actuellement inscrites et de proposer au Parlement - vraisemblablement c'est lui qui en sera responsable - d'éventuelles possibilités de réparation fondées sur de nouvelles bases légales prenant en compte les situations qui seront connues de nous. C'est dans cet esprit, non de promesse quant à la substance, mais d'ouverture quant à l'examen qui sera effectué, que je puis - du moins je l'espère - apaiser l'inquiétude de ceux qui se sont exprimés dans ce sens et celle des chefs d'entreprises qui sont confrontés à des situations difficiles. Oehler: Ich möchte Herrn Bundesrat Delamuraz danken. Er hat immerhin die Bereitschaft zu erkennen gegeben, dass man gewillt ist, etwas zu tun. Ich möchte nur noch den Satz beifügen - das muss dann mitbeachtet werden -: Wenn jemand in den vergangenen Jahren mit einem Akkreditiv mit diesen beiden Staaten gearbeitet hat, war es für ihn nicht mehr nötig, die ERG abzuschliessen. Das muss dann berücksichtigt werden. Ich bin von der Antwort des Bundesrates befriedigt. Fischer-Seengen: Dank der Replik von Herrn Bundesrat Delamuraz kann auch ich mich von der Antwort befriedigt erklären. Ich freue mich darüber, dass er Hand bieten will, solchen Härtefällen mit geeigneten Massnahmen zu begegnen. Schluss der Sitzung um 20.35 Uhr La séance est levée à 20 h 35 -- 24 of 25 -Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Golfkrise. Parlamentarische Vorstösse Crise du Golfe. Interventions parlementaires In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1990 Année Anno Band IV Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer --Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 24.09.1990 - 14:30 Date Data Seite 1508-1531 Page Pagina Ref. No 20 018 980 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.
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