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Entscheid

90-687

Verwaltungsbehörden 09.03.1992 90.687

9. März 1992Deutsch18 min

Source admin.ch

Erwägungen

450.

Milliarden Franken - 450 Milliarden Franken! - hypothekarisch verschuldet. Wenn Sie sich jetzt vorstellen, dass diese Hypotheken um 2 oder beinahe 2,5 Prozent verteuert wurden, so geht es hier um einen Betrag von rund zehn Milliarden Franken. Das ist nicht Reingewinn, das ist mir klar. Diese zehn Milliarden Franken fliessen in neue, ebenfalls von Banken beherrschte Kanäle, und die fehlen halt in den alten Kanälen. Darum geht es! Ich möchte Hafner Rudolf nicht wiederholen. Aber ich möchte auch daran erinnern: Wenn Sie jetzt den Cash-flow und die Gewinne der drei Grossbanken ansehen, dann kann einem schon die Galle hochkommen, wenn man an die Hypothekarzinsverteuerung denkt, die wir über uns ergehen lassen mussten. Ich wiederhole - Herr Jaeger hat das in diesem Zusammenhang heute leider nicht gesagt -, dass wir eine Motion eingereicht haben, man möge zur Amortisationspflichtfür Hypotheken übergehen. Ich habe gesagt: Die Schweiz ist mit 450 Milliarden Franken hypothekarisch verschuldet. Es liegt doch auf der Hand, dass wir endlich diese Hypotheken amortisieren müssen. Man könnte dann auch den Banken entgegentreten, die immer wieder das Argument vom knappen Geld ins Feld führen. Nun lassen Sie mich noch etwas wiederholen, das ich seinerzeit - im Jahre 1990 - in einer Diskussion hier im Saal gesagt habe: «Zu warnen ist generell vor der in diesem Jahr eingeleiteten Hochzinspolitik. Sämtliche Länder, die sich bisher dieses falschen Mittels bedient haben, haben damit verheerende Erfahrungen gemacht und standen nach kurzer Zeit vor Arbeitslosigkeit und sozialer Unruhe.» Da gestatte ich mir darauf hinzuweisen, dass die Zahl der Arbeitslosen nach dem neuesten Stand heute bei 70 000 liegt. Dazu kommen Konkurse. Ich bin der Auffassung, die Nationalbank sollte eine neue Zinspolitik einleiten, und zwar eine Verbilligung des Lombardzinssatzes. Das würde zweifelsfrei auch auf die anderen Banken grosse Auswirkungen haben. Es gilt aber auch, dafür besorgt zu sein, dass die Mieter nicht noch mehr belastet werden; denn im ganzen Spiel waren eindeutig die Mieter die Dummen. Strahm Rudolf: Ich sage etwas zur Interpellation Bonny. Diese Interpellation wurde vor 18 Monaten eingereicht und vor

15.

Monaten beantwortet. Heute, nach 15 Monaten, haben wir mit dieser Antwort einen Beweis dafür, dass die Nationalökonomie eigentlich auch eine astrologische Wissenschaft ist. Da wird in der Antwort des Bundesrates orakelt, es sei «kaum mit einer Stagflation zu rechnen». Heute sehen wir das Resultat, und das sieht anders aus! Man muss im Rückblick beurteilen, ob sich eine Wirtschaftspolitik als richtig erweist oder nicht. Im Rückblick der letzten vier Jahre ist die Politik der Schweizerischen Nationalbank gescheitert. Die Nationalbankpolitik hat uns vier Hypothekarzinsrunden beschert. Sie hat trotzdem die höchsten Teuerungsraten in Europa nicht verhindern können, und sie hat darüber hinaus erst noch die Konjunktur totgeschlagen. In diesen vier Jahren sind auch die geldpolitischen Auswirkungen des Interbank-Clearing-Systems einfach vernachlässigt worden. Die Nationalbank hat nach unserer Auffassung - es ist nicht das erste Mal, dass wir das sagen - den monetaristischen Kurs viel zu doktrinär durchgezogen. Der Vorgänger des heutigen Nationalbankpräsidenten war auch der monetaristischen Philosophie verpflichtet Aber er besass auch die Flexibilität, im richtigen Zeitpunkt von seiner eigenen Doktrin abzuweichen. Wer fachlich kompetent ist, hat auch die Stärke, die eigene Doktrin zu relativieren. Das Direktorium der Nationalbank hat unbeirrt - vor allem gegenüber den Mietern, unter dem sozialen Aspekt, blind - und ohne Rücksicht auf die Branchen und die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen die restriktive Geldpolitik dogmatisch durchgezogen. Heute gibt dieses Direktorium anderen Umständen die Schuld für die Teuerung - den Kartellen, dem Teuerungsausgleich, dem Mietrecht usw. Die Notenbanken generell - nicht nur in der Schweiz - haben sich den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu fügen und ihre Geldpolitik im Rahmen dieser Bedingungen zu gestalten. Wir teilen die mehrmals auch in der «NZZ» vertretene These, die Nationalbank hätte eine bis zwei Hypothekarzinserhöhungen vermeiden können, ohne dass wir heute mehr Inflation hätten. Ich bin nicht der Meinung - wie Herr Bonny das auch gesagt hat -, dass man jetzt einfach den Geldhahn öffnen könnte. Aber ich möchte hier dem Bundesrat die Frage stellen: Wäre nicht ein «policy mix», eine pluralistische Politik, angezeigter, dass man neben der Geldpolitik auch - ich betone: auch Zinsziele und allenfalls Wechselkursziele einbezieht und nicht nur rein auf die Geldmenge achtet? Ich sage das wegen der Zukunft Mittelfristig - das ist die Prognose aller drei Grossbanken -wird sich das Zinsniveau in der Schweiz dem europäischen Niveau anpassen. Sie wissen:

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Motion Theubet 376 N 9 mars 1992 Deutschland, die Niederlande, Frankreich haben ein Zinsniveau für Hypotheken im ersten Rang von zehn Prozent, die anderen Länder liegen noch höher. Je mehr wir den Frankenkurs an der Mark oder dem ECU anbinden, desto kleiner wird natürlich das Wechselkursrisiko, und desto mehr werden sich die Frankenzinsen dem europäischen Niveau anpassen - nicht dieses Jahr, aber mittelfristig, in den neunziger Jahren. Bei über 400 Milliarden Franken Hypothekarverschuldung in diesem Land kann man sich die ökonomischen und sozialen Konsequenzen ausrechnen. Mir macht angst - und das zum Schluss -, dass die Nationalbank diese schmerzhaften Anpassungsprozesse in Zukunft nicht im Griff hat. Was es jetzt braucht, sind intensive Studien da bin ich gleicher Meinung wie Herr Bonny -, und was es auch braucht: bitte mehr Pluralismus im Direktorium der Nationalbank. Bundesrat Stich: Zuallererst möchte ich Herrn Jaeger danken, dass er auch sieht, dass seine Frage in der damaligen Zeit eine gewisse Bedeutung hatte; heute ist sie eher relativ geworden. Zur Politik der Nationalbank: Ich denke, dass wir uns einig darüber sind, dass 1987/88 Fehler gemacht worden sind, dass man damals nicht rechtzeitig umgestellt hat. Aber ich bitte Sie doch auch zu bemerken, dass in dieser Zeit ausserhalb der Schweiz noch einiges passiert ist, was die Welt verändert hat Glauben Sie tatsächlich, die Nationalbank trage für alles die Schuld? Ich finde es etwas seltsam, wenn wir hier darüber diskutieren und uns über die hohen Zinssätze in der Schweiz beklagen. Wenn Sie mit Banken zu tun haben, wenn Sie die Inserate ansehen, dann empfiehlt man Ihnen natürlich Geldanlagen in ECU, in Dollar oder in DM. Sie haben dort eine viel bessere Rendite. Der Zinssatz in der Schweiz ist natürlich sehr stark von der Inflation abhängig. Zur Inflation in der Schweiz möchte ich sagen, dass für sie auch wieder nicht nur die Nationalbank die Schuld trägt Wir haben früher schon einiges über Wettbewerb gesagt. Ich sage jetzt im Moment gar nichts zur Landwirtschaft, aber dort wäre ein bisschen mehr Wettbewerb, auch in den vor- und nachgelagerten Organisationen, durchaus wünschenswert; man könnte dadurch vermutlich auch einiges einsparen. Wenn man die Geschichte auf der ganzen Linie betrachtet, dann muss man sagen: Wir haben alles Interesse daran, die Teuerung nach wie vor zu bekämpfen. Es ist richtig, was Herr Bonny gesagt hat: Die Resultate nach aussen - der Jahresvergleich ist natürlich etwas besser als auch schon -, 0,5 Prozent im Januar und 0,7 Prozent im Februar, sind immer noch kein gutes Zeichen. Da stellt sich die Frage: Woher kommt das? Während wir vorher die Teuerung lange Zeit selber gemacht haben, haben wir heute - dank dem Umstand, dass sehr viel im Ausland angelegt wird, der Schweizerfranken ist weniger gefragt - eine schwache Währung. Wir haben in den letzten Jahren einen Wertverlust von über 3 Prozent erlitten. Das bedeutet, dass wir jetzt die Teuerung wieder importieren. Deshalb kann man nicht einfach sagen, die Nationalbank müsse nun etwas lockerer werden, sondern die Nationalbank muss dafür sorgen, dass die Stabilität in der Schweiz wiederhergestellt werden kann; sie muss ihren Teil dazu leisten. Ihren Teil dazu leisten bedeutet, dass man sich nicht ins Bockshorn jagen lässt und dass man nicht glaubt, mit einer grosszügigeren Geldversorgung könnten wir alle Probleme lösen dem ist leider nicht so. Primäre Voraussetzung ist, dass wir bei uns die Teuerung reduzieren, das bedeutet dann, dass die Zinssätze auch bei uns tiefer sein können. Die Frage, wie die Zukunft aussieht, möchte ich nicht zum voraus, so leichtfertig beantworten. Man kann natürlich sagen: In der Zukunft werden die Zinsen in der Schweiz genau gleich hoch sein wie im Ausland. Aber wenn man das sagt, empfiehlt man den Leuten natürlich auch, ihr Geld im Ausland anzulegen, und man verliert jede Rechtfertigung, weniger Hypothekarzinsen zu verlangen. Zu den Hypothekarschulden in der Schweiz muss man sagen: Sie sind gross, aber sie sind eine Folge der relativ tiefen Zinssätze, die wir gehabt haben. Man muss sich auch folgendes überlegen: Wenn wir gleiche Zinssätze haben - obwohl die Schweiz nach wie vor ein Land ist, in dem sehr viel gespart wird -, dann muss man sich fragen: Ist es sinnvoll, dass wir durch die 2. Säule solche Milliarden-Kapitalien schaffen und sie im Ausland anlegen? Wäre es nicht zweckmässig, gelegentlich einmal die Frage des Anteils am Deckungskapital und das Umlageverfahren zu überprüfen? Zusammengefasst muss ich sagen: Ich erachte es im jetzigen Moment nach wie vor als wichtig, dass die Nationalbank dazu beiträgt, die Teuerung zu bekämpfen, und das kann nur heissen, dass sie im jetzigen Zeitpunkt keine weitere Lockerung vornimmt. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass in der Schweiz plötzlich alles gut gehen würde, wenn wir die Geldmenge lockern würden. Das hängt nicht nur von der Schweiz ab, sondern vom ganzen Weltwirtschaftsklima Vielleicht sind wir heute nicht so sehr in einer konjunkturellen Talsohle, sondern wir haben heute vielleicht eine leichte weltwirtschaftliche Strukturkrise. Wir haben überall viel zu viele grosse Schuldner, die an sich nicht bezahlen können, von den Vereinigten Staaten bis zu den Entwicklungsländern. Wenn Sie noch an die Kapitalbedürfnisse im Osten denken, dann können Sie sich auch sehr leicht vorstellen, dass die Zinssätze nicht einfach beliebig zurückgehen werden. Aber - auch hier wieder -: Eine Lockerung, tiefere Zinssätze würden nicht bedeuten, dass automatisch alles gut würde. Bonny: Ich war gar nicht befriedigt von der schriftlichen Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation. Von der heutigen mündlichen, nuancierten Antwort, die uns Herr Bundesrat Stich gegeben hat, bin ich dagegen befriedigt. Ich teile mit ihm nämlich auch die Auffassung, dass jetzt eine Lockerung nicht zur Diskussion steht. Bundesrat Stich hat einen Schlüsselsatz gesagt, der in Zukunft appliziert werden sollte: nämlich dass die Nationalbank auch in einer gesamtwirtschaftlichen Verantwortung steht Jaeger: Ich möchte Herrn Bundesrat Stich zum Schluss noch einen Satz sagen. Sie haben sicher recht, dass eine Lockerung der Geldpolitik im jetzigen Zeitpunkt höchst problematisch, wahrscheinlich sogar kontraproduktiv wäre. Aber die Interventionen, die die Notenbank im Moment macht, um den Frankenwert gegenüber der Deutschen Mark zu stabilisieren, könnten möglicherweise grosse Bremsspuren hinterlassen. Hier ist eine Grenze erreicht, wo man genau aufpassen muss, dass man nicht zuviel des Guten macht Präsident: Die Interpellanten sind von der Antwort des Bundesrates befriedigt #ST# 90.873 Motion Theubet Verteilung des Gewinns der Nationalbank zwischen Bund und Kantonen Répartition du bénéfice net de la Banque nationale entre la Confédération et les cantons Wortlaut der Motion vom 5. Oktober 1990 Artikel 39 Absatz 4 der Bundesverfassung und Artikel 27 des Nationalbankgesetzes legen fest, wie der Reingewinn der Nationalbank zwischen Bund und Kantonen zu verteilen ist. Diese seit mehreren Jahrzehnten unveränderten Bestimmungen sehen unter anderem vor, dass den Kantonen eine Entschädigung von 80 Rappen pro Einwohner entrichtet wird und dass ein allfälliger Ueberschuss zu einem Drittel dem Bund und zu zwei Dritteln den Kantonen zukommt.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Interpellation Bonny Geldpolitik der Nationalbank Interpellation Bonny Politique monétaire de la Banque nationale In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1992 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 04 Séance Seduta Geschäftsnummer 90.860 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 09.03.1992 - 14:30 Date Data Seite 374-376 Page Pagina Ref. No 20 021 006 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

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