Lexipedia

Entscheid

92-3392

Verwaltungsbehörden 02.12.1992 92.3392

2. Dezember 1992Deutsch11 min

Source admin.ch

Erwägungen

70.

fanfares de régiment de 62 hommes et la fanfare de l'armée suisse. Mitunterzeichner - Cosignataires: Bloetzer, Büttiker, Danioth, Frick, Iten Andréas, Loretan, Morniroli, Ruesch, Schiesser, Schule, Simmen (11) Bühler Robert: Der Vorstoss «Militärspiele» betrifft eines der wirkungsvollsten Bindeglieder zwischen Armee und Bevölkerung. Die Anzahl Spiele soll mit der Armeereform 95 von 92 auf zirka 50 reduziert werden. Die Militärmusik hat mindestens drei Hauptaufgaben zu erfüllen: eine militärische, eine kulturelle und schliesslich - das ist von mir aus gesehen ihre Hauptfunktion - eine Scharnierfunktion zwischen Armee und Bevölkerung. Damit ist auch die Förderung des Wehrwillens verbunden.

1.

Zur militärischen Aufgabe: Die Trompeter verrichten einerseits Sanitätsdienst, und andererseits haben sie musikalische Aufträge der Truppen zu erfüllen: Fahnenübernahmen, Fahnenabgaben usw. Unter diesem Gesichtspunkt mag die massive Kürzung von weit über 40 Prozent eine gewisse Berechtigung haben; denn der Truppenbestand der «Armee 95» wird in etwa analog gekürzt

2.

Zur kulturellen Aufgabe: Die Pflege der konzertanten Musik gehört zum kulturellen Auftrag der Militärspiele wie die Pflege der volkstümlichen Tradition. Die schweizerische Militärmusik ist mit unserem zivilen Blasmusikwesen stark verwachsen. Ich zitiere Albert Benz, der Ihnen ja nicht unbekannt ist: «Unser Milizsystem ermöglicht eine einzigartige Durchdringung ziviler und militärischer Blasmusik: Beide geben, beide nehmen.» Aus diesem Grunde ist es z. B. den Obwaldnern und Nidwaldnern nicht gleichgültig, ob ihre Militärspiele den Bestand von Bataillonsspielen oder Regimentsspielen aufweisen. Die Bataillonsspiele sind Brass-Band-Formationen. Und weil in Obwalden und Nidwaiden ausschliesslich Harmoniemusik-Vereine bestehen, finden ihre Holzbläser keine Verwendung in den Militärspielen. Eine entsprechende Korrektur ist schon längst fällig; deshalb die Forderung des Postulates: «Schaffung von Regimentsspielen.» Nachwuchssorgen bestehen keine; denn nur zirka ein Drittel der Interessenten kann heute berücksichtigt werden. Also aus kultureller Sicht ist ein massiver Abbau der Militärspiele kaum begründbar.

3.

Zur dritten Aufgabe: Bindeglied. Die Militärspiele sind ein hervorragendes Bindeglied zwischen Bevölkerung und Armee. Nachdem die Armee immer mehr aus dem Bild der Städte und Dörfer verschwunden ist, markieren die Militärspiele auf sympathische und positive Weise die Präsenz der Armee in der Oeffentlichkeit. Sie sind ein starkes PR-Mittel, um der vermehrten Armeefeindlichkeit entgegenzuwirken und den Wehrwillen zu stärken. Einem Drittel der zivilen Spieleinsatzgesuche kann schon heute nicht mehr entsprochen werden. Durch die einschneidende Reduktion der Militärmusikbestände werden die noch verbleibenden Spiele mehr funktionale Aufträge innerhalb der Armee übernehmen müssen. Dazu kommen längere Reisezeit, zum Teil die Fünftagewoche und der Zweijahresrhythmus. Zusammenfassend muss zu diesem Punkt gesagt werden, dass die Anzahl Militärspiele als Bindeglied zwischen Bevölkerung und Armee keine massive Kürzung erträgt, ja dem Wehrwillen schädlich ist Den Militärspielen kommt in Zukunft eine noch grössere Bedeutung in wehrpsychologischer Hinsicht zu; das müsste auch in der Armeereform berücksichtigt werden. Mit dem Postulat fordern wir den Bundesrat auf, auf die Problematik zurückzukommen. Ein kleiner Schritt - wie ich gehört habe - wurde bereits getan. Ich weiss auch, dass die im Postulat genannte optimale Zahl von 71 Spielen nicht erreicht werden kann. Fachleute sehen den Bestand von 61 Spielen aber als das äusserste Minimum. Dies wäre immer noch eine Kürzung von 34 Prozent In diesem Sinne hoffe ich, Herr Bundesrat - Sie sind ja auch ein Liebhaber von Blasmusik und von Militärspielen -, dass Sie dem Postulat wohlgewogen sind und dass Sie, meine Damen und Herren, das Postulat überweisen.

-- 1 of 3 --

2.

Dezember 1992 1133 Postulat Bühler Robert Bundesrat Villiger: Es wäre traurig, wenn ein Chef EMD, der über 20 Jahre selber in der Dorfmusik geblasen hat, kein Herz für die Blasmusik hätte. Der Bundesrat verkennt natürlich die Bedeutung der Militärspiele als wichtiges Bindeglied Armee-Bevölkerung -wie das Herr Bühler Robert geschildert hat - nicht. Die Aufgaben der Spiele sind unbestritten. Sie sind auch in der «Armee 95» nötig. Der Stellenwert der Militärspiele in der neuen Armee wird dadurch noch unterstrichen, dass für die Spielführer und für die Spielinstruktoren in der «Armee 95» eine neue Gradstruktur eingeführt wird, und es wird die Möglichkeit zur Ausbildung zum Offizier eingeführt. Das war ein altes Anliegen. Ein Militärspiel mit 60 Mann ist ja grösser als ein durchschnittlicher Füsilierzug. Das, glaube ich, ist auch vom Prestige her, von den Möglichkeiten her, die man den Musikanten bietet, positiv zu werten. Nun stelle ich aber fest: Wie in vielen Bereichen wachsen auch hier mit jedem Zugeständnis anscheinend die Ansprüche. Das Postulat von Herrn Bühler Robert liegt an sich genau in der Richtung, wie der Bundesrat und das EMD die «Armee 95» sehen. Es kann von der Stossrichtung her angenommen und in wesentlichen Punkten auch realisiert werden, aber nicht in allen. Die vollständige Verwirklichung ist aus Gründen, die ich jetzt aufzählen möchte, nicht möglich: Man kann beim heutigen Stand nicht mehr von einem radikalen Abbau der Militärspiele sprechen. Heute zählen die 93 Militärspiele rund 4600 Angehörige. «Armee 95» wird nicht mit ungefähr 50, sondern mit 54 Spielen einen Soll-Bestand von rund 3380 oder einen Kontrollbestand von 3920 Bläsern aufweisen. Der Abbau der Anzahl Spiele entspricht also einer Reduktion um rund 40 Prozent. Weil wir den Bestand aller neuen Regimentsspiele generell auf 62 Spielleute aufstocken, beträgt der Abbau an Militärmusikern nur rund 27 Prozent und liegt damit natürlich erheblich unter dem Gesamtabbau der Armeebestände. Man kann sagen, dass die Militärspiele bei der Reorganisation der Armee sogar ausgesprochen gut wegkommen. Für die Aufstellung der 54 Spiele in der «Armee 95» stehen derzeit bloss etwas mehr als 3500 Militärbläser zur Verfügung, von denen zudem wegen der Aufhebung der Heeresklassen ein nicht geringer Teil nach 1995 nur noch einen Wiederholungskurs oder überhaupt keinen mehr machen muss. Mit ändern Worten: Es können schon aus Bestandesgründen bei der «Armee 95» höchstens 54 Militärspiele aufgestellt werden, und es wäre wenig sinnvoll, Militärspiele mit Angehörigen aufzustellen, die keinen Dienst mehr zu leisten haben. Mit der Realisierung der «Armee 95» werden 37 Landwehr-Infanterieregimente und 5 Spitalregimente aufgelöst Der Bundesrat sieht keinen Sinn darin, die Spiele dieser aufgelösten Truppenkörper in der «Armee 95» wieder zu übernehmen, wenn deren Bestand nicht gesichert werden könnte. Würden wir in der «Armee 95» im Sinne des Postulates 70 Regimentsspiele beibehalten, würde der heutige Gesamtbestand der Bläser nur um etwas Prozent herabgesetzt Eine solche unverhältnismässige Privilegierung würde nicht verstanden. Hingegen - hier kann ich Herrn Bühler und auch dem Vertreter von Obwalden eine gute Mitteilung machen - ist der Bundesrat bereit, die 8 geplanten Bataillonsspiele, die in gewissen Halbkantonen beziehungsweise Kleinkantonen wichtig sind, von 31 auf 62 Mann zu Regimentsspielen aufzustocken. Man kann Harmoniespiele machen und dadurch wird der Personalabbau etwas kleiner, als wir ihn ursprünglich vorgesehen haben. Dieser Gesamtbestand - hier gebe ich Herrn Bühler recht - ist wichtig für das schweizerische Blasmusikwesen überhaupt, weil die Armeebläser in den normalen Dorfblasmusiken eine Art Ferment sind und man stolz darauf ist, einen Militärtrompeter zu haben. Sie bringen Know-how und kulturelles Gut ein, dessen sind wir uns bewusst Der Bundesrat bestreitet auch nicht, dass die Militärspiele ab 1995 in der Oeffentlichkeit etwas weniger präsent sein werden als heute. Aber man kann durch gute Koordination die Effizienz dieser Auftritte fördern. Es ist z B. nicht undenkbar, dass man den Zweijahresrhythmus bei gewissen Spielen durchbrechen könnte, indem die Betroffenen zwei Halbkurse absolvieren und sich in einem Kurs im Zwischenjahr Konzerttournees widmen. Mit etwas Kreativität könnte man hier etwas herausholen, damit die Auftritte doch möglichst befriedigend verlaufen. Herr Bühler, als Sie das Postulat einreichten, war der Tiefpunkt der Planung erreicht, auch in der KML, und ich habe deshalb für das Einreichen Ihres Vorstosses Verständnis. Ich habe gegen den ursprünglichen Beschluss der KML festgelegt, dass wir wieder um 5 Spiele aufstocken, nämlich den Panzerbrigaden und den Flieger- und Flab-Truppen noch je ein Spiel geben. In einer nächsten Sitzung haben wir das Aufstocken der Bataillonsspiele und in der Zwischenzeit zugleich diese Möglichkeit der Offizierslaufbahn beschlossen. Von der Einreichung Ihres Postulates bis heute haben wir das Maximum des Möglichen erreicht In diesem Sinne schlage ich Ihnen vor, das Postulat anzunehmen, es aber gleichzeitig als erfüllt abzuschreiben. Bühler Robert: Vorerst möchte ich mich ganz herzlich dafür bedanken, dass man diese Bataillonsspiele in Regimentsspiele umwandelt Das ist ein Anliegen insbesondere des Blasmusikwesens. Ferner danke ich auch, dass der Tiefpunkt korrigiert wurde und jetzt mehr Spiele geschaffen werden. Einerseits könnte ich ja zufrieden sein, aber ich möchte trotzdem am Postulat festhalten. Ich halte nicht an diesen 71 Spielen im Total fest, aber ein Minimum von 61 sollte erreicht werden. Das würde bedeuten, dass noch etwa 6 solche Spiele nicht aufgehoben werden sollten. Das sind 350 Soldaten mehr, und deshalb bitte ich Sie: Stimmen Sie diesem Postulat zu, damit der Bundesrat noch einmal diese Problematik überprüfen kann und eventuell doch noch einige zusätzliche Militärspiele schaffen wird! Abstimmung - Vote Für Ueberweisung des Postulates Dagegen

18.

Stimmen

9.

Stimmen Präsident: Ich möchte Sie noch kurz daran erinnern, dass sich die Kantone Wallis und Freiburg besonders freuen, Sie heute zu empfangen. Herr Schmidhalter und ich würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele Kolleginnen und Kollegen am Fest teilnehmen könnten. Der Zug ins Wallis fährt um 12.45 Uhr auf Gleis 2 und der Zug nach Freiburg um 16.05 auf Gleis 1 ab. Schluss der Sitzung um 11.40 Uhr La séance est levée à 11 h 40 -- 2 of 3 -Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Bühler Robert "Armée 95". Militärspiele Postulat Bühler "Armée 95". Fanfares militaires In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1992 Année Anno Band VI Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Ständerat Conseil Conseil des Etats Consiglio Consiglio degli Stati Sitzung 03 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3392 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 02.12.1992 - 08:00 Date Data Seite 1132-1133 Page Pagina Ref. No 20 022 243 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

-- 3 of 3 --