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Entscheid

92-3584

Verwaltungsbehörden 29.04.1993 92.3584

29. April 1993Deutsch16 min

Source admin.ch

Erwägungen

27.

Länder, u. a. die Schweiz, gehören dem Europarat an, und diese Forderung wurde in diesem Sinne von ganz Europa an die Uno überwiesen. Auch für die Menschenrechtskonferenz vom Juni dieses Jahres in Wien liegt ein entsprechender Textentwurf vor, und wir wissen, dass die EG-Staaten diese Forderung unterstützen werden. Ich wäre froh, auch von Herrn Bundesrat Cotti zu hören, dass die Schweiz diese Forderung im Juni in Wien ebenfalls unterstützen wird. Im Lichte dieser neuen Entwicklungen bitte ich Sie, dieses Postulat, das im Januar noch anders beantwortet worden ist, zu überweisen. Nochmals: Ich wäre froh, wenn ich von Herrn Bundesrat Cotti hören dürfte, dass die Schweiz in Wien die Forderungen in dieser Richtung ebenfalls unterstützen wird. In Wien ist allerdings neutral von einer Sonderberichterstattung die Rede. Es wäre schön, wenn es eine Frau sein könnte, denn es sind Frauen, die die Opfer sind, und Frauen, die diese Verbrechen endlich ans Tageslicht gebracht haben und die dazu nicht mehr schweigen. Deshalb wäre es zu begrüssen, wenn es eine Frau wäre, die diese Aufgabe für die Völkergemeinschaft übernehmen könnte. Frau Haller: Ich möchte Sie dringend bitten, das Postulat Robert zu unterstützen. Frau Robert hat Ihnen gesagt, dass sich die Parlamentarische Versammlung des Europarates - seit dem Zeitpunkt der Einreichung dieses Postulates - mit den Menschenrechtsverletzungen in Ex-Jugoslawien befasst hat Ich persönlich konnte in diesem Geschäft als Berichterstatterin wirken. Ich hatte also die Möglichkeit, in der vorberatenden Kommission, die sich um die Menschenrechtsverletzungen in Ex-Jugoslawien kümmern musste, mitzuerleben, wie in dieser Sache ein Sinneswandel stattgefunden hat. Die Menschenrechtsverletzungen in dieser speziell grausamen Form wurden ja später bekannt als andere Menschenrechtsverletzungen. Deshalb hat in dieser Frage ein gewisses Umdenken später stattgefunden. Man ist sich erst später bewusst geworden, was hier passiert. Und was besonders wichtig ist: Anhand dieser schrecklichen Geschehnisse in Ex-Jugoslawien hat man sich zum ersten Mal darüber Rechenschaft gegeben, dass hier etwas passiert, das bis jetzt in dieser Form noch nie bekanntgeworden ist. Vergewaltigungen im Zusammenhang mit Kriegen hat es immer gegeben und wird es leider wohl auch immer geben. Deshalb sind Kriege etwas so Schreckliches. Aber hier wurde erstmals bekannterweise das Mittel der Vergewaltigung als ethnische Kriegsmassnahme unter Ausnützung der kulturellen Vorstellungen der betroffenen Gruppe von Menschen eingesetzt, insbesondere der betroffenen Gruppe von Frauen. Deshalb ist es jetzt ausserordentlich wichtig, dass dieser Frage ein besonderes Gewicht beigemessen wird. Die Meinungsbildung in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates hat sich insofern verändert, als zuerst gesagt wurde - genau gleich, wie der Bundesrat argumentiert, und ich begreife, dass der Bundesrat zuerst einmal so argumentiert hat-: Wir können doch nicht die Stellung von Herrn Mazowiecki als Sonderberichterstatter schwächen! Man hat dann festgestellt, dass der Aspekt, dass Frauen mit diesen Frauen reden, ausserordentlich wichtig ist und dass dieser Sache auch dadurch das nötige Gewicht beigemessen werden soll, dass sich eine Sonderbeauftragte der Uno zusätzlich zu Herrn Mazowiecki - überhaupt nicht als Konkurrenz zu ihm - um diese Frage kümmert Ich weiss nicht, ob ich Herrn Bundesrat Cotti bitten darf, die Stellungnahme des Bundesrates nochmals zu hinterfragen oder es sich nochmals zu überlegen. Ich glaube, dass sich in dieser Frage ein Sinneswandel abgezeichnet hat, ein notwendiger, aber auch begreifbarer Sinneswandel. Nachdem in der Parlamentarischen Versammlung in dieser Frage im Plenum übrigens auf einen Antrag von Frau Robert; wir haben da zusammengearbeitet; in meinem ursprünglichen Bericht war die Frage nicht enthalten, weil sie noch nicht weit genug ausgereift war - der Sinneswandel ausgelöst war, konnte diese Problematik integriert werden. Frau Robert wurde einstimmig und von allen politischen Lagern unterstützt Ich weiss nicht, ob Herr Bundesrat Cotti die Möglichkeit hat, angesichts des besonderen Engagements auch von Schweizerinnen in dieser Frage die doch harte, ablehnende Stellungnahme des Bundesrates nochmals zu hinterfragen. Ich möchte Ihn bitten, die jüngste Entwicklung und unser besonderes Engagement in der Parlamentarischen Versammlung irgendwie einzubeziehen und sich damit vielleicht doch die Möglichkeit zu schaffen, die Ueberweisung dieses Postulates von Frau Robert nicht als persönlichen Affront zu empfinden. Mühlemann: Die beiden Postulate (Postulat Robert und Postulat Bär [92.3577]) verdienen es, dass man sie gemeinsam behandelt. Ich bin enttäuscht über die sehr kurze und knappe Stellungnahme des Bundesrates auf diese beiden Interventionen. Wir haben im Europarat über ähnliche Themen gesprochen, dies nach sehr eindrücklichen Darstellungen von Lord Owen. Er hat uns klargemacht, dass das, was in Ex-Jugoslawien geschieht, unter der Würde eines europäischen Kontinentes ist, der sich die Wiege des Geistes nennt. Was in Ex-Jugoslawien abläuft, ist in bezug auf Greuel und Bestialität doch in der Geschichte fast einmalig. Ich verstehe sehr gut, dass die Information ein Mittel ist, um gegen solche Unmenschlichkeiten vorzugehen. Wir haben daher allen Grund, die vermehrte und bessere Aufklärung zu fordern. Wenn ich für die Ueberweisung der beiden Postulate eintrete, dann tue ich das auch deshalb, weil ich glaube, dass wir im Bereich der Neutralitätspolitik vermehrt den Mut haben müssen, eigenständige Vorstösse zu machen. Es ist keine Heldentat, im Kielwasser anderer Nationen Sanktionen zu unterstützen. Hingegen ist es immer eine besondere Leistung der Schweiz gewesen, durch gezielte Aktionen im Dienste der Humanität aufzufallen, die Guten Dienste anzubieten, auch wenn man dabei allein war. Ich betrachte daher diese beiden Vorstösse als eine Möglichkeit und Gelegenheit, um wieder im alten Sinne unserer Neutralitätspolitik aktiv zu werden. Herr Bundesrat, ich möchte Sie bitten, die Postulate Bär und Robert anzunehmen und zu akzeptieren.

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29.

April 1993 N 851 Postulat Bär Bundesrat Cotti: Ueber die totale Verurteilung dieser Verbrechen und Kriegsverbrechen besteht und bestand materiell zwischen Bundesrat und Parlament überhaupt keine Meinungsverschiedenheit. Ich möchte bestätigen, was Frau Robert gesagt hat Seit der Stellungnahme des Bundesrates im Januar dieses Jahres zu diesen Postulaten spielte sich in der Vorbereitung der internationalen Konferenz über die Menschenrechte in Wien einiges ab. Insbesondere wurde vorgeschlagen, einen Berichterstatter zu den Fragen der fundamentalen Rechte der Frau zu ernennen. Wenn dieser Vorschlag angenommen wird - die Schweiz wird sich sehr dafür einsetzen -, dann ist es selbstverständlich, dass einer der Hauptgegenstände dieser Berichterstattung die Probleme der Kriegsverbrechen an Frauen in Ex-Jugoslawien sein wird. Und in diesem Sinne ist die Situation sicher eine ganz andere - Herr Mühlemann hat es auch gesagt-verglichen mit derjenigen bei der Beantwortung des Postulates. Ich nehme es auf mich, dem Nationalrat zu beantragen, das Postulat Robert anzunehmen. Wir werden in Wien auch für die Ernennung eintreten, wenn möglich - was sehr wünschenswert wäre - für die Ernennung einer Frau. Ueberwiesen - Transmis #ST# 92.3577 Postulat Bär Medien-Blauhelme für Ex-Jugoslawien Ex-Yougoslavie. Casques bleus journalistes Wortlaut des Postulates vom 18. Dezember 1992 Der Bundesrat wird eingeladen, die bereits von verschiedener Seite erhobene Forderung nach der Entsendung von Medien-Blauhelmen aufzunehmen und in die internationalen Gremien hineinzutragen; solchen Ueberwachungsgruppen sollten unbedingt auch Frauen angehören. Texte du postulat du 18 décembre 1992 Nombreux sont ceux qui demandent que des casques bleus journalistes soient envoyés en ex-Yougoslavie. Le Conseil fédéral est invité à soutenir cette exigence et à la porter devant les organisations internationales. Des femmes doivent impérativement faire partie de ces groupes de surveillance. Mitunterzeichner - Cosignataires: Baumann, Bäumlin, Bühlmann, Diener, von Feiten, Gardiol, Goll, Gonseth, Haering Binder, Hafner Rudolf, Haller, Hollenstein, Meier Hans, Misteli, Mühlemann, Rebeaud, Robert, Ruffy, Schmid Peter, Segmüller, Steiger, Thür, Weder Hansjürg, Wiederkehr, Wyss Paul (25) Schriftliche Begründung - Développement par écrit Erschreckend - wenn auch nicht ganz neu - ist die Erkenntnis, dass in Ex-Jugoslawien die Medien sowohl Instrument als auch Schauplatz dieses Krieges sind und dass Berichte über Greueltaten dabei zur wirksamsten Munition gehören. Medienleute und alle, die sie informieren, sind in Gefahr, wider Willen zu Instrumenten der Kriegführung zu werden. Das ist um so leichter möglich, als die strikt kontrollierten Medien, besonders das Fernsehen, gezielt nur Meldungen verbreiten, welche die Gegner belasten und propagandistisch ausgenützt werden können. Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 27. Januar 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 27 janvier 1993 Die Vielfalt der Nachrichten, die uns täglich aus dem früheren Jugoslawien erreichen, zeugen davon, dass die freie Presse ihre Aufgabe insgesamt durchaus wahrnehmen kann. Eingeschränkt ist dagegen im Krisengebiet die Berichterstattung der elektronischen Medien, die von den Konfliktparteien stark kontrolliert werden. Die Schweiz setzt sich in internationalen Gremien immer wieder für eine freie Pressearbeit ein. Der Einsatz von Medien-Blauhelmen - seien sie nun männlichen oder weiblichen Geschlechts - wäre allerdings, wie auch derjenige normaler Blauhelme, nur im Einvernehmen mit allen beteiligten Parteien möglich, wozu derzeit kaum Aussicht auf Erfolg besteht Abgesehen davon ginge die Uebernahme der Verantwortung für «korrekte» Information weit über die faktischen Möglichkeiten von Blauhelmen, die auf dem Prinzip der physischen Interposition beruhen, hinaus. Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen. Frau Bär: Es ist für mich eigentlich nichts Aussergewöhnliches und auch nichts Beunruhigendes, wenn der Bundesrat anderer Meinung ist als ich. Aber ich muss sagen, im Fall dieses Postulates, mit dem ich verlange oder wünsche, dass sich der Bundesrat für eine unabhängige Berichterstattung in Ex-Jugoslawien einsetzt, fehlt mir schlicht das Verständnis für die Haltung des Bundesrates. Einmal aus grundsätzlichen Ueberlegungen: Seit mehr als einem Jahr müssen wir hilflos und entsetzt zuschauen, wie dieser grässliche Krieg in Ex-Jugoslawien eskaliert; und dort, wo die Schweiz eine eigenständige Möglichkeit hätte, positive Massnahmen vorzuschlagen, will sie es nicht tun. Die Medien sind und waren von allem Anfang an ein Teil des Krieges in Ex-Jugoslawien. Sie gehören zu den Waffen dieses Krieges, und zwar auf allen Konfliktseiten. Der Krieg in Ex-Jugoslawien ist auch ein Medienkrieg. Die KSZE hat letztes Jahr eine Delegation in das Kriegsgebiet geschickt, und zwar unter der Leitung eines Schweizer Experten; der Bundesrat hatte Professor Thomas Fleiner von der Universität Freiburg delegiert, um die Situation der Medien im Kriegsgebiet zu untersuchen. Professor Fleiner hat bei seiner Rückkehr auf die Dringlichkeit und Wichtigkeit aufmerksam gemacht, sich für eine unabhängige Medienberichterstattung einzusetzen. «Die Medien haben diesen Krieg fabriziert, indem sie die Menschen in ihrem Hass angestachelt haben, gegen andere Menschen zu kämpfen», hat er geschrieben. «Mit dieser Kriegspropaganda und nationalistischer Agitation sind die Medien für den Krieg wesentlich mitverantwortlich», steht in diesem Bericht Deshalb forderte Professor Fleiner bereits letztes Jahr Medien-Blauhelme, die täglich Nachrichtensendungen produzieren sollten, unabhängig von den Regierungen der Kriegsparteien. «Denn ohne Waffenstillstand im Medienkrieg ist ein dauerhafter militärischer Waffenstillstand nicht möglich», sagte Professor Fleiner nochmals vor einem Monat an einer öffentlichen Veranstaltung und an einem Medienseminar, das Medienschaffende aus der Schweiz zusammen mit Medienschaffenden aus den verschiedenen Ländern Ex-Jugoslawiens aufgrund der Besorgnis über den Zustand der Berichterstattung organisiert haben. An diesem Seminar kam zum Ausdruck, wie oberflächlich, ja wie falsch die Antwort des Bundesrates ist, wenn er in seiner Stellungnahme zu meinem Postulat schreibt: «Die Vielfalt der Nachrichten, die uns täglich aus dem früheren Jugoslawien erreichen, zeugen davon, dass die freie Presse ihre Aufgabe insgesamt durchaus wahrnehmen kann.» Wer sich ernsthaft mit dem Krieg und mit dem Verhalten und der Rolle der Medien auseinandersetzt, kann einen solchen Satz nicht schreiben. Sowohl in Serbien wie auch in Kroatien werden die Medien vom Staat rigoros kontrolliert und unter den Medienleuten richtige Säuberungswellen durchgeführt. Ich habe mich da-- 3 of 4 -Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Robert Uno-Sonderberichterstatterin für Vergewaltigungsopfer in Ex-Jugoslawien Postulat Robert ONU. Déléguée spéciale pour les victimes de viols en ex-Yougoslavie In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1993 Année Anno Band II Volume Volume Session Aprilsession Session Session d'avril Sessione Sessione di aprile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 06 Séance Seduta Geschäftsnummer 92.3584 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 29.04.1993 - 08:00 Date Data Seite 849-851 Page Pagina Ref. No 20 022 685 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

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