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Entscheid

94-3226

Verwaltungsbehörden 07.10.1994 94.3226

7. Oktober 1994Deutsch17 min

Source admin.ch

Erwägungen

1.

Am 18. Juni 1993 hat der Schweizerische Gehörlosenbund eine Petition eingereicht. Um den gehörlosen Menschen in der Schweiz eine bessere und den hörenden Menschen gleichwertige Lebenssituation zu schaffen, fordert er die bundesgesetzliche Anerkennung der Gebärdensprache als Sprache, auf die jede und jeder Gehörlose uneingeschränkt Anrecht besitzen und die deshalb mittels staatlicher Unterstützung weiter erforscht und kulturell gefördert wird.

2.

Die Kommission hat das Eidgenössische Departement des Innern um eine Stellungnahme zu diesem Anliegen ersucht. In einem Bericht von Januar 1994 ist das EDI bzw. das Bundesamtfür Kultur auf die allgemeine Situation der hochgradig Hörgeschädigten und Gehörlosen, auf den Methodenstreit in ihrer Erziehung (Laut- oder Gebärdensprache), auf die Formen ihrer Unterstützung und auf die Anerkennung der Gebärdensprache in anderen Ländern eingegangen. In den Schlussfolgerungen des Berichtes wird ausgeführt, dass aus der Sicht des Bundes dem Wissen um die Bedeutung der Gebärdensprache als Grundlage für die berufliche, soziale und politische Integration der Gehörlosen inskünftig Rechnung getragen werden muss. Aufgrund neuer Erkenntnisse aus der Wissenschaft und der Hörgeschädigtenpädagogik wird das Anliegen als berechtigt anerkannt. Gleichzeitig wird jedoch festgehalten, dass die mit der Petition angesprochenen Fragen nicht in den Zuständigkeitsbereich des Bundes fallen. Die Gebärdensprache hat vor allem eine Bedeutung in der Bildung der Gehörlosen, und der Bildungsbereich ist Kompetenzbereich der Kantone. Die Lösung liege deshalb «vielmehr einerseits in einer engeren Zusammenarbeit der dafür zuständigen kantonalen Behörden untereinander und andererseits in der Suche nach gemeinsamen Lösungen mit den Berufsverbänden und den Betroffenen selbst». Der Bund könne aber auch in Zukunft im Rahmen seiner Zuständigkeit die Kantone und Organisationen subsidiär unterstützen.

3.

Zu ihrer Sitzung vom 27. Mai 1994 hat die Kommission eine Delegation der Petentinnen und Petenten eingeladen. Mit Hilfe zweier Dolmetscherinnen haben sie in eindrücklicher Art und Weise der Kommission ihre Anliegen erläutert. (Zitat aus der Mitte der Kommission: «Es ist beeindruckend, zuzusehen, was zuhören bedeutet!») Die Gehörlosen unterstreichen, dass die Anerkennung der Gebärdensprache als eigenständige Sprache ihre Akzeptanz als Minderheitskultur bedeutet. Es geht ihnen nicht um die Anerkennung der Gebärdensprache als Landessprache, sondern als Bildungs- und Kommunikationsmittel für gehörlose Menschen. Die Gebärdensprache erlaubt einerseits, sich innerhalb der Gemeinschaft der Gehörlosen zu verständigen und damit ein besseres Selbstverständnis und Selbstbewusstsein den Hörenden gegenüber aufbauen zu können. Andererseits ist sie entscheidend, um aus der hörenden Welt differenzierte Informationen aufnehmen zu können. «Die Gebärdensprache ist für uns eine Brücke zur hörenden Welt.» Die Gebärdensprache erlaubt es ihnen, mit Hilfe eines Dolmetschers an der Gemeinschaft der Hörenden teilzunehmen, z. B. einem Vortrag zu folgen. Die Petentinnen befürworten den Bilinguismus, wobei die Gebärdensprache die erste, die Lautsprache die zweite Sprache sein soll. Der Methodenstreit zwischen Laut- und Gebärdensprache ist gemäss ihren Darlegungen ein Konflikt zwischen der hörenden und der gehörlosen Kultur; unter den Gehörlosen bestehe jedoch grosse Einigkeit. Die Petentinnen und Petenten führen aus, dass das vollständige Beherrschen einer Sprache Voraussetzung ist, um als vollwertig anerkannt zu werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es gehörlosen Kindern, die als Grundsprache die Gebärdensprache erlernt haben, leichterfällt, die Lautsprache als Zweitsprache zu erwerben. («Wir lernen die Lautsprache nicht für uns, sondern für die Hörenden.») Einer der Petenten erinnert sich daran, dass er in der Schule zwar laut lesen gelernt hat und von seinem Lehrer gelobt worden ist, von dem Gelesenen aber überhaupt nichts verstehen konnte. Die Petentinnen und Petenten erhoffen sich von einer Anerkennung der Gebärdensprache als Bildungs- und Kommunikationsmittel für Gehörlose folgende Konsequenzen: - eine gebildetere und besser in die Gemeinschaft der Hörenden integrierte Gehörlosengemeinschaft. (Seit es in der Schweiz Dolmetscher gibt, haben viele Gehörlose bereits eine Zweitausbildung absolvieren und gute Arbeitsplätze finden können.) - Forschung: Die Gebärdensprache sollte wissenschaftlich erfasst und auf Bild festgehalten werden. Dazu ist aber eine Infrastruktur und dazu ist staatliche Unterstützung erforderlich.

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Pétitions 1876 N 7 octobre 1994 Hilfreich wären Ärzte, Psychologen und Theologen, die die Gebärdensprache beherrschen.

4.

Die Kommission hält nach der Anhörung fest, dass das Problem vor allem in der Bildung, in der Wahrnehmung der Kultur, in der Kommunikation und in der gesellschaftlichen Integration liegt. Dass hier ein wichtiges Anliegen zum Ausdruck gebracht wird, wird einhellig anerkannt. Neue Forschungserkenntnisse müssen in der Ausbildung der Gehörlosen umgesetzt und nutzbar gemacht werden. Erinnert wird im weiteren daran, dass das Europäische Parlament 1988 seinen Mitgliedländern empfohlen hat, die Gebärdensprachen als vollwertige Sprachen und u. a das Gebärdensprachdolmetschen als vollwertigen Beruf anzuerkennen. In verschiedenen Ländern ist die Gebärdensprache als Unterrichtssprache anerkannt. Die Kommission beantragt mit 17 zu 0 Stimmen bei 2 Enthaltungen, das Postulat 94.3227 zu überweisen. Haering Binder Barbara (S, ZH) présente au nom de la Commission de la science, de l'éducation et de la culture (Csec) le rapport écrit suivant:

1.

Le 18 juin 1993, la Fédération suisse des sourds a déposé une pétition demandant une amélioration des conditions de vie des sourds et des malentendants de Suisse de manière à les rendre comparables à celles dont jouissent les personnes à acuité auditive normale. Sa teneur est la suivante: Le droit fédéral reconnaît la langue des signes comme une langue que toute personne sourde ou malentendante a un droit absolu de pratiquer. A ce titre, l'Etat encourage, sur le plan culturel, sa diffusion, et sur le plan scientifique, les recherches dont elle fait l'objet.

2.

La commission a demandé au Département fédéral de l'intérieur la rédaction d'un avis sur cette requête. Dans un rapport daté de janvier 1994, le DFI, plus particulièrement l'Office fédéral de la culture, ont traité les thèmes suivants: la situation générale des sourds ainsi que des personnes présentant une grave déficience auditive, la querelle au sujet des méthodes éducatives à l'intention des malentendants (langage parlé ou langue des signes), les formes de soutien requises et enfin la reconnaissance de la langue des signes dans d'autres pays. Selon les conclusions du rapport, il conviendra à l'avenir que la Confédération prenne en compte la place prépondérante occupée par la langue des signes dans l'intégration professionnelle, sociale et politique des malentendants. D'autre part, le rapport reconnaît le bien-fondé des exigences concernant la promotion de la langue des signes sur la base des dernières découvertes scientifiques et des expériences récentes conduites dans le domaine de l'enseignement spécialisé. Le rapport constate par ailleurs que les questions abordées par la pétition ne relèvent pas de la compétence de la Confédération, car la langue des signes concerne avant tout l'enseignement dispensé aux sourds et le domaine de l'instruction est du ressort des cantons. D'après le rapport du DFI, la solution réside «d'une part dans une collaboration étroite entres les diverses autorités cantonales compétentes et d'autre part dans la recherche d'un terrain d'entente entre les associations professionnelles et les intéressés eux-mêmes». La Confédération pourrait alors apporter un soutien subsidiaire aux cantons ainsi qu'aux organisations dans le cadre de sa compétence.

3.

La commission a convié, à sa séance du 27 mai 1994, une délégation de pétitionnaires, qui ont exposé leurs arguments, démonstration à l'appui, avec l'aide de deux interprètes (citation de la commission: «II est impressionnant de voir ce qu'entendre signifie!»). Les sourds soulignent que la reconnaissance de la langue des signes comme une langue à part entière équivaut à admettre leur statut de culture minoritaire. Ils ne demandent pas que la langue des signes soit reconnu comme une langue nationale, mais comme une langue de communication et d'apprentissage pour les personnes malentendantes. En effet, la langue des signes permet, d'une part, de communiquer à l'intérieur de la communauté des sourds et de renforcer ainsi son identité par rapport aux entendants. La langue des signes joue, d'autre part, un rôle déterminant dans la perception des diverses informations en provenance du monde entendant «La langue des signes constitue un lien avec le monde entendant» La langue des signes leur permet de prendre part aux activités des entendants avec l'aide d'un interprète, d'assister par exemple à un exposé. Les pétitionnaires se prononcent en faveur du bilinguisme, avec la langue des signes pour première langue et le langage parlé pour deuxième langue. La querelle méthodologique autour de la langue des signes et du langage parlé résulte, selon les explications des pétitionnaires, d'un conflit entre la culture des sourds et celle des entendants, alors qu'une grande majorité des sourds se prononcent en faveur de la langue des signes. Les pétitionnaires soulignent que quiconque désire être reconnu comme un individu à part entière doit maîtriser complètement au moins une langue. Il est scientifiquement prouvé que les enfants sourds ayant appris en premier lieu la langue des signes éprouvent moins de difficulté à apprendre le langage parlé en tant que deuxième langue. («Nous n'apprenons par le langage parlé pour nous, mais pour les entendants.») L'un des pétitionnaires déclare avoir appris à lire à haute voix a l'école et même avoir reçu les félicitations de son maître, mais il ajoute qu'il ne comprenait absolument rien de ce qu'il lisait. De l'avis des pétitionnaires, la reconnaissance de la langue des signes en tant que langue de communication et d'apprentissage entraînerait les conséquences suivantes: - une meilleure formation de même qu'une meilleure intégration de la communauté des sourds dans la communauté des entendants. (Depuis que la possibilité existe en Suisse de recourir à des interprètes, de nombreux sourds ont pu acquérir une deuxième formation et ont trouvé de meilleurs emplois.) - recherche: la langue des signes devrait faire l'objet d'études scientifiques, ce qui nécessiterait une infrastructure ainsi qu'un soutien de l'Etat Les médecins, psychologues et théologiens qui connaissent la langue des signes pourraient apporter une aide précieuse dans cette entreprise.

4.

Après avoir entendu les pétitionnaires, la commission constate que les sourds rencontrent avant tout des difficultés dans des domaines tels que laformation, la perception de la culture, la communication et l'intégration sociale. Elle reconnaît à l'unanimité le bien-fondé de leurs exigences; elle estime qu'il convient d'exploiter les derniers résultats de la recherche en les appliquant à laformation des sourds. Certains membres de la commission rappellent en outre qu'en 1988, le Parlement européen a recommandé à ses Etats membres de reconnaître la langue des signes comme une langue à part entière et de reconnaître la profession d'interprète gestuel. Dans certains pays, la langue des signes est admise comme langue d'enseignement Par 17 voix sans opposition et avec 2 abstentions, la commission propose de transmettre le postulat 94.3227. Antrag der Kommission Die Kommission beantragt einstimmig, die Petition dem Bundesrat zur Kenntnisnahme zu überweisen. Proposition de la commission La commission propose à l'unanimité de transmettre la pétition au Conseil fédéral pour qu'il en prenne acte. Angenommen -Adopté -- 3 of 4 -Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat WBK-NR (94.2026) (Minderheit Schmid Peter) Import von Pelzen Postulat Csec-CN (94.2026) (minorité Schmid Peter) Importation de fourrures In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1994 Année Anno Band III Volume Volume Session Herbstsession Session Session d'automne Sessione Sessione autunnale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 17 Séance Seduta Geschäftsnummer 94.3226 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 07.10.1994 - 08:00 Date Data Seite 1874-1876 Page Pagina Ref. No 20 024 545 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

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