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Entscheid

94-3526

Verwaltungsbehörden 08.12.1994 94.3526

8. Dezember 1994Deutsch5 min

Source admin.ch

Erwägungen

100.

Stimmen

59.

Stimmen #ST# 94.079 Gatt/Uruguay-Runde. Abkommen Gatt/Cycle d'Uruguay. Accords Fortsetzung - Suite Siehe Seite 2196 hiervor - Voir page 2196 ci-devant Art. 1 (Fortsetzung - Suite) Angenommen gemäss Antrag der Kommission Adopté selon la proposition de la commission Art. 2 Antrag der Kommission Zustimmung zum Beschluss des Ständerates Antrag Goll Dieser Beschluss untersteht dem obligatorischen Referendum gemäss Artikel 89 Absatz 5 der Bundesverfassung. Art. 2 Proposition de la commission Adhérer à la décision du Conseil des Etats Proposition Goll Le présent arrêté est sujet au référendum obligatoire en vertu de l'article 89 alinéa 5 de la constitution. Goll Christine (S, ZH): Ich bin entschieden der Meinung, dass die Gatt-Frage vors Volk gehört Seit mein Antrag auf dem Tisch liegt, bin ich von verschiedener Seite auf das Anliegen angesprochen worden. Interessanterweise habe ich jedoch ausser formalen und juristischen Einwänden keine Argumente gegen das Anliegen gehört, eine solch zentrale Frage mit derart weitreichenden Konsequenzen wie die Ratifizierung des Gatt-Abkommens in einer breiten öffentlichen Debatte einer Volksabstimmung zu unterwerfen. Als Nichtjuristin stelle ich diesen Antrag aus politischen und demokratischen Gründen. Ich habe gestern in der Eintretensdebatte bereits festgehalten, dass ich die Ablehnung dieses Vertragswerkes nicht für sinnvoll halte. Die bereits existierende, hochgradige Verflechtung der Schweizer Wirtschaft auf internationaler Ebene wirft viel eher die Frage auf, wie wir alle, auch wir Gatt-Kritiker und -Kritikerinnen, national und international Einfluss nehmen können, um einen gerechten Welthandel zu ermöglichen, der auch Rücksicht nimmt auf die sozialen, ökologischen und kulturellen, das heisst also auch menschenrechtlichen Dimensionen eines globalisierten Welthandels. Vier Gründe stehen für meinen Antrag im Vordergrund, die ich Ihnen kurz erläutern möchte:

1.

Gatt und WTO beinhalten weit mehr als ein Vertragswerk, das den Welthandel durch den Abbau von Handelshemmnissen liberalisieren und durch Verhandlungen reglementieren soll. Die Auswirkungen schlagen sich gesamtgesellschaftlich nieder und können nicht nur auf die ökonomischen Aspekte reduziert werden. Wir wären uns hier drinnen einiger, wenn wir uns alle eingestehen würden, dass nicht «alle» vom Gatt profitieren werden. Es wird Verlierer und Verliererinnen geben. Dazu gehören die ärmeren Länder des Südens und des Ostens. Dazu gehört die Natur, und dazu gehören die Frauen. Das wurde bereits gestern in der Eintretensdebatte verschiedentlich ausgeführt

2.

Angesichts der Bedeutung der Gatt/WTO-Übereinkommen bin ich der Überzeugung, dass eine breite öffentliche Diskussion in der Bevölkerung sinnvoll und notwendig ist. Dies würde die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen verpflichten, Antworten auf die offenen und kritischen Fragen zu überlegen. In den eidgenössischen Räten herrscht seltene Einmütigkeit über die Zustimmung zu diesem Vertragswerk. Diese Einmütigkeit sollte meiner Meinung nach auch mit mehr oder wenigen kritischen Nebentönen öffentlich debattiert werden. Sie wissen: Das Referendum ist angekündigt worden und wird aufgrund von Einschätzungen aus allen politischen Lagern zustande kommen. Ich sehe nicht ein, warum die öffentliche Auseinandersetzung nur einem Referendumskomitee überlassen werden soll.

3.

Die heutige Situation ist durchaus vergleichbar mit der Situation vor der EWR-Abstimmung vor zwei Jahren, auch wenn die durch das Gatt/WTO-Abkommen aufgeworfenen Fragen und Inhalte nicht dieselben sind. Von der politischen Bedeutung her sehe ich jedoch keinen Unterschied. Die EWR-Frage wurde dem Volk vorgelegt. Betreffend die mit dem EWR zusammenhängende Eurolex wurde übrigens auch damals eine Verfassungsänderung notwendig und vorgenommen. Wenn ich sehe, zu welchen Vorlagen die Schweizer Stimmberechtigten in den letzten Jahren an die Urnen gerufen wurden, verstehe ich wirklich nicht, weshalb dieselben ausgerechnet zum bedeutungsvollen Gatt-Vertragswerk nichts zu sagen haben sollen, ausser auf der Grundlage eines fakultativen Referendums.

4.

Eine Volksabstimmung über das Gatt gehört für mich zur Demokratie. Mit der Unterstellung unter das obligatorische Referendum ermöglichen Sie einen demokratischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess in der Öffentlichkeit Ich frage mich, wer bei der hier auch in der Eintretensdebatte demonstrierten Einigkeit noch Angst davor haben kann, dieses wichtige Thema dem Volk vorzulegen, wenn selbst bedeutende Verbände und Organisationen wie beispielsweise Bauern- und Umweltorganisationen, aber auch die Hilfswerke die Ratifizierung des Gatt-Abkommens ausdrücklich nicht ablehnen. Damit eine breite demokratische und öffentliche Debatte über unsere leeren Bankreihen hinaus geführt werden kann, lade ich Sie ein, meinen Antrag zu unterstützen.

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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Postulat Zbinden Gatt. Handelsbezogene Umwelt- und Arbeitsnormen. Postulat Zbinden Gatt. Normes en matière de travail et d'environnement liées au commerce. In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1994 Année Anno Band IV Volume Volume Session Wintersession Session Session d'hiver Sessione Sessione invernale Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 08 Séance Seduta Geschäftsnummer 94.3526 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 08.12.1994 - 08:00 Date Data Seite 2205-2205 Page Pagina Ref. No 20 024 868 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.

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