RRB Nr. 1220/2009
Archäologische Untersuchung, GreifenseeBöschen, Pfahlbausiedlung , Kreditabrechnung, Genehmigung
12. August 2009Deutsch5 min
Source zh.ch
Archäologische Untersuchung, GreifenseeBöschen, Pfahlbausiedlung , Kreditabrechnung, Genehmigung
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 12. August 2009
1220. Archäologische Untersuchung Pfahlbausiedlung Greifensee-Böschen (Kreditabrechnung)
Erwägungen
A. Ausgangslage Die Pfahlbausiedlung Greifensee-Böschen wurde 1975 entdeckt. Da sie durch die fortschreitende Erosion der Strandplatte stark gefährdet war, musste eine Rettungsgrabung durchgeführt werden. Zwischen 1984 und 1996 wurde eine Fläche von 3377 m2 ausgegraben und 2806 m2 ober- flächlich abgesucht und dokumentiert. Bei der Fundstelle handelt es sich um die Reste eines kleinen Dorfes am Ufer des Greifensees, das in der Spätbronzezeit, um 1050 v. Chr., er- baut und bereits sieben Jahre später, nach einem verheerenden Brand, wieder verlassen wurde. Das Dorf bestand aus 26 Häusern. Es war von einer Palisade umgeben und gegen das Land hin zusätzlich durch ein Annäherungshindernis geschützt. Wegen häufiger Überschwemmun- gen stand jedes Haus auf einem etwa 150 cm hohen, aus Baumstämmen in Blockbautechnik errichteten Sockel, der teilweise noch mehrere Lagen hoch erhalten ist. Wahrscheinlich stand das Dorf während eines Teils des Jahres im Wasser, es gibt Anzeichen dafür, dass die Häuser untereinander mit Stegen verbunden waren. Bei den Ausgrabungen wurden rund 2 Tonnen Keramikscherben ge- borgen, die von mindestens 3900 Gefässen stammen, dazu kommen noch Hunderte von Funden aus Stein, Holz, Geweih, Knochen und Bronze. Die Resultate der Untersuchungen in der spätbronzezeitlichen Fundstelle von Greifensee-Böschen sind für die archäologische For- schung von herausragender Bedeutung. Erstmals wurde in der Schweiz von einem prähistorischen Dorf nicht nur ein Ausschnitt, sondern die gesamte Siedlungsfläche samt Verteidigungsanlagen mit modernen Methoden untersucht und umfassend dokumentiert. Dank der gut er- haltenen, massiven Blockkasten unter den Häusern ist in Greifensee- Böschen – im Gegensatz zu den meisten anderen Fundstellen – die Be- bauung des Siedlungsareals aus den Gebäuderesten klar ablesbar. Die kurze Belegungszeit und der Umstand, dass der Platz nach dem Brand nicht mehr überbaut wurde, erlauben klare Aussagen über den Aufbau und die Bauentwicklung eines Dorfs vor 3000 Jahren. Die erhaltenen Konstruktionselemente der Häuser liefern Informationen über die Zimmermannstechniken der Spätbronzezeit. Weil das Dorf schon nach
sieben Jahren abbrannte und später nie mehr eine Siedlung an dieser Stelle errichtet worden ist, zeigt das Fundmaterial ein unverfälschtes Spektrum der materiellen Güter in der Zeit um 1050 v. Chr. Bereits aufgrund der Vorberichte und Fundmeldungen war Greifen- see-Böschen zu einer Referenzstation für die Erforschung der Bronze- zeit geworden. Die Auswertung stand unter der Leitung der archäologi- schen Tauchergruppe im Amt für Städtebau der Stadt Zürich, die auch die Ausgrabung durchgeführt hatte. Mit dem Erscheinen der zweibän- digen Publikation in der Reihe «Monographien der Kantonsarchäolo- gie Zürich» konnte Ende 2007 das Projekt abgeschlossen werden.
B. Kreditbewilligung Mit RRB Nrn. 1229/1984, 88/1985, 3566/1991 und 205/2006 wurde für die Restaurierung der Funde, die Auswertungsarbeiten und Publikation der Pfahlbausiedlung Greifensee-Böschen zulasten der Leistungsgruppe Nr. 8910, Natur- und Heimatschutzfonds, ein Kredit von insgesamt Fr. 1 759 000 bewilligt.
C. Kreditabrechnung Die Kosten für die Restaurierung der Funde, die Auswertungsarbei- ten und Publikation der Pfahlbausiedlung Greifensee-Böschen beliefen sich auf insgesamt Fr. 1 805 715.56. Die Kosten für die Auswertungsar- beiten und Publikationsvorbereitung wurden dem Konto 8910.3180. 0090, P 89L-15-1988-012, die Kosten für den Druck der Publikation dem Konto 8910.3900.0000 belastet. Die Kosten der Jahre 1985 bis 2005 entfielen auf die Bearbeitung der Funde und auf die Auswertungsarbeiten, die Kosten der Jahre 2006/07 auf die Publikationsvorbereitung und die Publikation. Die Gesamtkosten setzen sich wie folgt zusammen: in Franken 1985–2005 2006/2007 Total Kredit RRB Nr. 1229/1984 176 000 RRB Nr. 88/1985 273 000 RRB Nr. 3566/1991 1 160 000 RRB Nr. 205/2006 150 000 Gesamtkredit 1 759 000 Ausgaben Bearbeitung der Funde/Auswertungsarbeiten 1 674 458.66 0.00 1 674 458.66 Publikationsvorbereitung 0.00 46 878.85 46 878.85 Publikation 0.00 84 378.05 84 378.05 Total Ausgaben 1 674 458.66 131 256.90 1 805 715.56 Mehrkosten –46 715.56
Gegenüber dem bewilligten Kredit von Fr. 1 759 000 ergeben sich Mehr- kosten von Fr. 46 715.56. Die Arbeiten zur Auswertung von Befunden und Funden dieser komplexen Ausgrabung, deren Feldarbeit erst 1996 abgeschlossen wurde, erwiesen sich als umfangreicher als 1991 projek- tiert. Für die 1985 bis 2005 durchgeführten Auswertungsarbeiten (ein- schliesslich naturwissenschaftlicher Spezialuntersuchungen) wurde der durch RRB Nrn. 1229/1984, 88/1985 und 3566/1991 bewilligte Kredit von Fr. 1 609 000 um Fr. 65 458.66 überschritten. Für die Publikation wurde daraufhin ein neuer Kredit von Fr. 150 000 bewilligt (RRB Nr. 205/2006). Während der Kredit für die Auswertungsarbeiten überschritten wurde, wurde der Kredit für die Publikation mit Ausgaben von Fr. 131 256.90 nicht vollständig ausgeschöpft. Dieser Saldo von Fr. 18 743.10 vermin- dert die erwähnten Kostenüberschreitungen der Dokumentations- und Auswertungsarbeiten sowie der naturwissenschaftlichen Spezialunter- suchungen von Fr. 65 458.66 auf Fr. 46 715.56.
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Kreditabrechnung für die archäologische Untersuchung Pfahl- bausiedlung Greifensee-Böschen mit Ausgaben von Fr. 1 805 715.56 zu- lasten des Natur- und Heimatschutzfonds wird genehmigt.
II. Das Konto 89L-15-1988-012 wird aufgelöst.
III. Mitteilung an die Baudirektion, die Finanzdirektion und die Finanz- kontrolle.
Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber:
Husi