RRB Nr. 1282/2024
Projekt Aufbau eines übergeordneten Gebäudeleitsystem-Cockpits, gebundene Ausgabe, Vergabe
11. Dezember 2024Deutsch9 min
Source zh.ch
Projekt Aufbau eines übergeordneten Gebäudeleitsystem-Cockpits, gebundene Ausgabe, Vergabe
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 11. Dezember 2024
1282. Projekt Aufbau eines übergeordneten Gebäudeleitsystem- Cockpits (gebundene Ausgabe, Vergabe)
Erwägungen
A. Ausgangslage Bei einem Gebäudeleitsystem-Cockpit (GLS-Cockpit) handelt es sich um eine digitale Plattform, die eine einheitliche Steuerung und Über- wachung der Gebäudetechnik ermöglicht. Sämtliche Steuerungen der Gebäudeautomation werden in einem System gebündelt und überwacht. Zusätzlich bietet das GLS-Cockpit die Möglichkeit, historische Daten zu speichern und zu analysieren, um Entscheidungen zu Energieeinspa- rungen und Betriebseffizienz treffen zu können. Derzeit werden für die Bewirtschaftung und Überwachung der Ge- bäude des Kantons im Mietermodell bzw. deren technische Anlagen ver- schiedene Gebäudeleitsysteme verwendet und einige geeignete Gebäude sind gar nicht an ein solches angeschlossen. Dies führt zu ineffizienten Prozessen, erhöhtem Wartungsaufwand sowie Intransparenz über den Zustand der technischen Anlagen. Überwachung und Steuerung sind eingeschränkt und die Optimierung des Immobilienbetriebs deutlich erschwert. Zusätzlich besteht das Problem, dass die verschiedenen Auto- mationslösungen begrenzt miteinander kompatibel sind. Diese Hetero- genität behindert eine Verwaltung der Gebäudetechnik pro Betreiber- organisation. Sie führt zu höheren Betriebskosten und einer ineffizien- ten Nutzung der Mittel. Um den Anforderungen an das Gebäudemanagement, insbesondere in den Bereichen Energieeffizienz sowie Wartung und Automation von Gebäudetechnik adäquat zu begegnen, ist die stufenweise Einführung eines GLS-Cockpits für die geeigneten Objekte im Mietermodell vor- gesehen (vgl. RRB Nr. 1331/2022, S. 42 ff.).
B. Ziele und Inhalt des Vorhabens Die kantonalen Immobilien im Mietermodell sollen über ein einheit- liches GLS-Cockpit verwaltet werden, um den Anforderungen an Ener- gieeffizienz, Wartung und Automatisierung im Gebäudebetrieb gerecht zu werden. Dadurch sollen Wartungsaufwände und Prozessineffizienzen verringert sowie die Transparenz über den Zustand der technischen Anlagen in den Gebäuden verbessert werden.
Das System wird dem Immobilienamt sowie weiteren kantonalen Be- treiberorganisationen im Mietermodell zur Verfügung stehen, um eine effiziente, zeitgemässe und wirtschaftliche Verwaltung der kantonalen Liegenschaften sicherzustellen. Die Bildungsdirektion bzw. das Mittel- schul- und Berufsbildungsamt (MBA) hat den Bedarf für 100 Gebäude bereits seit Längerem angemeldet. Geplant ist die schrittweise Ablösung bestehender, oft fragmentierter Systeme. Durch diese Vereinheitlichung können nicht nur redundante Prozesse vermieden, sondern auch lang- fristig Kosteneinsparungen erzielt werden, da Wartungs- und Betriebs- kosten gesenkt werden. Der Umfang des Vorhabens umfasst den Aufbau und die Installation des GLS-Cockpits als Gesamtsystem einschliesslich der Überwachung und Steuerung technischer Prozesse. Es soll anhand von fünf Pilotob- jekten (Betrieb durch die Abteilung Facility Services des Immobilien- amtes [IMA-FS]) bezüglich Funktionalität und Praxistauglichkeit getes- tet werden. Darauf aufbauend ist die Anbindung von weiteren 60 geeig- neten Gebäuden (Betrieb ebenfalls durch IMA-FS) geplant. Anschlies- send erfolgt die Einbindung von 100 Gebäuden des MBA. Schliesslich besteht die Möglichkeit, das System weiter zu skalieren und bis zu 400 zusätzliche Gebäude in das GLS-Cockpit zu integrieren. Um eine hohe Verfügbarkeit und Betriebssicherheit sicherzustellen, wird ein Wartungs- konzept etabliert, das regelmässige Überprüfungen, Updates und Sup- portmassnahmen umfasst. Neben der Überwachung und Steuerung der Gebäudeleittechnik sind zukünftig Erweiterungen geplant; z. B. der Ein- satz von künstlicher Intelligenz, um die Wartung vorausschauend zu ge- stalten und den Energieverbrauch zu optimieren.
C. Vergabe Die Leistung wurde im offenen Verfahren im Staatsvertragsbereich am 1. Juni 2024 auf simap.ch publiziert (GLS-Cockpit, Projekt-ID 276708). Bis zum Einsendeschluss am 16. August 2024 sind beim Immobilienamt drei Angebote mit einer Preisspanne von Fr. 4 151 545 bis Fr. 14 156 697 (einschliesslich MWSt) eingegangen. Dabei wurde ein Angebot mit Vor- behalt abgegeben und am 20. August 2024 zurückgezogen. Die Prüfung der gültigen Angebote ergab, dass das Angebot der Leicom AG, Winter- thur, die Zuschlagskriterien am besten erfüllt. Namentlich ist die von der Leicom AG angebotene Software WinCC OA in Kombination mit Eliona sehr anpassungsfähig und einfach bedienbar. Entscheidend war auch die Möglichkeit, selbst Anpassungen vorzunehmen. Der abzuschliessende Wartungsvertrag hat eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren. Erfolgt auf den Ablauf der Mindestlaufzeit keine Kündi- gung, läuft der Vertrag auf unbestimmte Dauer weiter. Die Wartungsver-
träge auf fünf Jahre zu beschränken, ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll. Um die Vergleichbarkeit der Angebote sicherzustellen und weil mit einer entsprechenden Nutzungsdauer der Software gerech- net wird, wurden die Kosten auf 15 Jahre hochgerechnet. Das Angebot der Zuschlagsempfängerin umfasst folgende Leistun- gen zu folgenden Preisen (Beträge in Franken; einschliesslich MWSt): Beschrieb Grundauftrag Aufbau des GLS-Cockpits 755 545 Option Entwicklungskosten der Kann-Anforderungen 99 840 Option 1 Anbindung der 5 Pilotobjekte 92 878 Option 2 Anbindung der IMA-FS-Objekte 195 263 Option 3 Anbindung der MBA-Objekte 342 290 Option 4 Anbindung zusätzlicher Objekte bis 400 922 505 Total einmalige Kosten 2 408 321 Wiederkehrende Kosten für Systemerhaltung, Wartung, Support und Lizenzkosten Jährliche wiederkehrende Kosten während der Garantiephase (für 5 Jahre) 103 595 Jährliche wiederkehrende Kosten nach der Garantiephase (für 10 Jahre) 124 133 Total wiederkehrende Kosten über 15 Jahre 1 759 305 Total einmalige und wiederkehrende Kosten ohne MWSt 4 167 626 5% Rabatt –208 381 3% Skonto –118 777 Zwischentotal netto 3 840 468 8,1% MWSt 311 078 10% Reserve 415 155 Total Vergabesumme 4 566 701 Bei einer Vertragslaufzeit von 15 Jahren resultieren somit Kosten von Fr. 4 566 701 (einschliesslich MWSt). Für Unvorhergesehenes, beispiels- weise die Erweiterung der Funktionen zu einem späteren Zeitpunkt oder einen erhöhten Betriebsaufwand, ist eine Reserve von 10% enthalten.
D. Ausgaben Für das Vorhaben ist eine einmalige Ausgabe von Fr. 2 768 936 (ein- schliesslich MWSt und Reserve) zu bewilligen. Dieser Betrag umfasst zum einen die oben aufgeführten Dienstleistungen im Rahmen der Rea- lisierung und Einführung der Software (ohne Wartung und Support). Zum anderen fallen neben den Kosten für die Software folgende Aus- gaben im Rahmen des Einführungsprojekts an:
Für die Unterstützung der Projektleitung und Qualitätssicherung wer- den Dienstleistungen von externen Beratungsunternehmen in Anspruch genommen. Die geschätzten Kosten dafür belaufen sich auf Fr. 130 000 (einschliesslich MWSt). Davon wurden während der Initialisierungs- und Konzeptphase Leistungen im Betrag von Fr. 51 740 (einschliesslich MWSt) bezogen. Für diese Leistungen wurden mit Verfügung vom 20. Oktober 2023 insgesamt Fr. 130 000 (einschliesslich MWSt) durch die das Immobilienamt bewilligt. Für den Betrieb (Wartung und Support) von 2025 bis 2039 ist eine ein- malige Ausgabe von Fr. 1 927 770 zu bewilligen. Insgesamt ist mit folgenden Kosten zu rechnen (Beträge in Franken): Beschrieb Ausgaben Ausgaben Total zulasten zulasten Ausgaben der Investitions der Erfolgs rechnung rechnung Einmalige Ausgabe Projektkosten Grundauftrag Aufbau GLS-Cockpit 755 545 755 545 Entwicklung Kann-Anforderungen 99 840 99 840 Anbindung 5 Pilotobjekte 92 878 92 878 Anbindung IMA-FS-Objekte 195 263 195 263 Anbindung MBA-Objekte 342 290 342 290 Anbindung weitere Objekte 922 505 922 505 5% Rabatt –42 769 –77 646 3% Skonto –24 378 –44 258 Zwischentotal netto 788 238 1 431 032 2 219 270 8,1% MWSt 63 848 115 914 179 762 10% Reserve 85 209 154 695 239 904 Zwischentotal (einschliesslich MWSt) 937 295 1 701 641 2 638 936 Beratung und Qualitätssicherung 130 000 (einschliesslich MWSt und Reserve) Zwischentotal einmalige Projektkosten 1 067 295 1 701 641 2 768 936 Betriebskosten (2025–2039) Betrieb, Wartung, Support (2025–2039) 1 759 305 1 759 305 5% Rabatt –87 965 3% Skonto –50 140 Zwischentotal netto 1 621 200 1 621 200 8,1% MWSt 131 318 131 318 10% Reserve 175 252 175 252 Total einmalige Betriebskosten 1 927 770 1 927 770 Total Ausgaben 1 067 295 3 629 411 4 696 706
Das Projekt «Aufbau eines übergeordneten Gebäudeleitsystem-Cock- pits» ist für die gesetzlich vorgeschriebenen Verwaltungsaufgaben und für eine zeitgemässe Verwaltungsführung im Rahmen der fortschreiten- den Digitalisierung zwingend erforderlich (vgl. §§ 32 Abs. 2 und 33 Abs. 1 Gesetz über die Organisation des Regierungsrates und der kantonalen Verwaltung [LS 172.1]). Somit sind die einmaligen Projektkosten sowie die Kosten für den Betrieb gebunden (§ 37 Abs. 2 lit. a Gesetz über Con- trolling und Rechnungslegung [LS 611]). Die Investitionsmittel sind im Konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplan (KEF) 2025–2028 in der Leistungsgruppe Nr. 8700, Immo- bilienamt, wie folgt eingestellt: 2025 2026 2027 2028 Beträge in Franken 623 750 588 750 403 750 403 750
Die benötigten Investitionen verteilen sich voraussichtlich wie folgt: 2025 2026 2027 2028 Beträge in Franken 623 750 376 985 33 280 33 280 Die Investitionszahlen werden im nächsten KEF entsprechend ange- passt. Die Betriebskosten sind im KEF 2025–2028 nicht eingeplant, sie werden innerhalb der Erfolgsrechnung kompensiert. In den erwähnten Projektkosten sind die mit der Verfügung des Im- mobilienamtes vom 20. Oktober 2023 bewilligten Kosten für die exter- ne Beratung und Qualitätssicherung von insgesamt Fr. 130 000 enthalten. Die Verfügung ist bezüglich der Ausgabe aufzuheben. Die durchschnittlich jährlichen Kapitalfolgekosten (Abschreibungen und Zinsen) betragen über die gesamte Nutzungsdauer von 15 Jahren Fr. 75 156 und setzen sich aus Abschreibungen von Fr. 71 153 und Zinsen von Fr. 4003 zusammen. Es fallen keine personellen und betrieblichen Folgekosten an. Das Gremium «Operative Informatiksteuerung» hat anlässlich seiner Sitzung vom 15. September 2022 dem Vorhaben zugestimmt.
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Für das Projekt «Aufbau eines übergeordneten Gebäudeleitsystem- Cockpits» wird eine gebundene Ausgabe von insgesamt Fr. 2 768 936 be- willigt. Davon gehen Fr. 1 067 295 zulasten der Investitionsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8700, Immobilienamt, und Fr. 1 701 641 zulasten der Erfolgsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8750, Liegenschaften Verwal- tungsvermögen.
II. Die Verfügung des Immobilienamtes vom 20. Oktober 2023 be- treffend die darin bewilligte Ausgabe für die externe Beratung und Qua- litätssicherung von insgesamt Fr. 130 000 wird aufgehoben.
III. Für den Betrieb des neuen Cockpits von 2025 bis 2039 wird eine gebundene Ausgabe von Fr. 1 927 770 zulasten der Erfolgsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8750, Liegenschaften Verwaltungsvermögen, bewil- ligt.
IV. Die Lieferung des GLS-Cockpits und die Erbringung der damit verbundenen Dienstleistungen werden gemäss Angebot vom 16. August 2024 zu Fr. 4 151 546 an die Leicom AG, Winterthur, vergeben. Die Ver- gabesumme kann sich für Unvorhergesehenes auf Fr. 4 566 701 erhöhen.
V. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung des Zuschlags auf simap.ch nicht öffentlich.
VI. Mitteilung an die Finanzdirektion und die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli