RRB Nr. 139/2009
Zweisprachige Maturität an den Mittelschulen, Einführung, Kredit
28. Januar 2009Deutsch6 min
Source zh.ch
Zweisprachige Maturität an den Mittelschulen, Einführung, Kredit
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 28. Januar 2009
139. Einführung der zweisprachigen Maturität an den Zürcher Mittelschulen
Erwägungen
1. Ausgangslage Mit Beschluss Nr. 1746/2005 verlängerte der Regierungsrat das zu- nächst auf fünf Jahre befristete Projekt «Einführung der zweisprachigen Maturität an Zürcher Mittelschulen (Deutsch/ Englisch)» um drei Jahre. Gleichzeitig legte er fest, dass auch die Verlängerung der Pilotphase extern zu evaluieren sei. Die Ergebnisse der Evaluation, die von der aus Vertreterinnen und Vertretern der Universität und der Pädagogischen Hochschule Zürich zusammengesetzten ARGE BILINGUAL durch- geführt wurde, liegen als Schlussbericht Längsschnittstudie 2004– 2008 «Zweisprachiger Ausbildungsgang an Mittelschulen im Kanton Zürich» vor.
2. Ergebnisse der Evaluation Der zweisprachige Maturitätsgang, der nach einer gestaffelten Ein- führung seit Schuljahr 2007/08 an 13 Pilotschulen angeboten wird, wird vor allem von Schülerinnen und Schülern gewählt, die eine überdurch- schnittliche Lern- und Leistungsmotivation aufweisen sowie eine Matu- rität mit alt- oder neusprachlichem Profil anstreben. Die Schülerinnen und Schüler dieses Maturitätsganges erreichen hohe Kompetenzen in der Zielsprache Englisch. Es gibt keine Hinweise auf Leistungsdefizite in den immersiv unterrichteten Sachfächern oder bei den Deutschleis- tungen. Die Zufriedenheit mit dem zweisprachigen Maturitätsgang ist bei den Immersionsschülerinnen und -schülern insgesamt höher als bei den Schülerinnen und Schülern des deutschsprachigen Maturitätsgan- ges. Für die Lehrpersonen ist der Unterricht an Immersionsklassen eine aufwendige, aber auch attraktive Aufgabe mit günstigen Wirkungen auf die Berufszufriedenheit und die Zusammenarbeit im eigenen Kollegium. Es besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Nutzung der Wei- terbildungsangebote und gutem Unterricht. Gestützt auf den Schlussbericht empfiehlt das Evaluationsteam zu- sammenfassend, den zweisprachigen Ausbildungsgang Deutsch/Englisch endgültig einzuführen, die Unterrichtsentwicklung voranzutreiben, die Zusammenarbeit der Lehrpersonen zu intensivieren und das Weiter- bildungsangebot stärker an den spezifischen Bedürfnissen der Lehrper- sonen auszurichten.
3. Einführung der zweisprachigen Maturität Deutsch/Englisch und Ausweitung auf die Sprachkombination Deutsch/Französisch Aufgrund der Evaluationsergebnisse der ersten fünf Jahre des Pilot- projektes legte der Regierungsrat für die Verlängerungsphase fest, dass die Anforderungen an die Qualifikation der Immersionslehrpersonen und die damit verbundenen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu überprüfen sowie die Zulassungsbedingungen zum Ausbildungsgang anzupassen seien. Seit Beginn des Pilotprojektes wird ein methodisch-didaktischer Weiterbildungskurs angeboten, der jährlich evaluiert und kontinuier- lich weiterentwickelt wird und im Frühjahr 2006 durch einen ent- sprechenden zweisemestrigen Kurs am Institut für Gymnasial- und Be- rufspädagogik (IGB) abgelöst wurde. Gemäss dem Schlussbericht wird dieser Kurs von den Kursteilnehmenden mehrheitlich positiv beurteilt. Bezüglich der sprachlichen Kompetenzen schlug eine vom Zürcher Hochschulinstitut für Schulpädagogik und Fachdidaktik (ZHSF) und vom Englischen Seminar der Universität Zürich gemeinsam erarbeitete Expertise ein entsprechendes Weiterbildungskonzept vor, bestehend aus einer Standortbestimmung für neue Immersionslehrpersonen und den Modulen «Sprachkurse an der Universität Zürich», «Sprachaufent- halte im Ausland» sowie «Schlusskolloquium». Sowohl die Schulleiter- konferenz als auch der Bildungsrat halten die Umsetzung des Weiter- bildungskonzeptes für geeignet, einen substanziellen Beitrag zu einem qualitativ hochstehenden Immersionsunterricht an den Mittelschulen zu leisten. Der Kurs soll für angehende Immersionslehrpersonen weiter- hin verpflichtend sein. Die Zulassungsbedingungen zum Ausbildungsgang wurden angepasst und vom Regierungsrat im Rahmen des Neuerlasses des Reglements für die Aufnahme in einen zweisprachigen Maturitätsgang beschlossen (RRB Nr. 794/2008). Somit sind die gemäss RRB Nr. 1746/2005 für eine Einführung der zweisprachigen Maturität Deutsch/Englisch an Zürcher Mittelschulen erforderlichen Voraussetzungen erfüllt. Angesichts der Bedeutung der englischen Sprache als internationale Arbeits- und Austauschsprache sowie aufgrund der zu stärkenden Wett- bewerbsfähigkeit des Standortes Zürich sollte der Immersionsunterricht Deutsch/Englisch langfristig zum Standard des Mittelschulbildungs- angebots gehören. Deshalb ist neben der Verankerung des zweisprachi- gen Maturitätsganges an den bisherigen Schulen auf das Schuljahr 2009/10 auch dessen Ausweitung auf weitere Schulen anzustreben. Auf- grund der notwendigen Vorbereitungszeit ist die Ausweitung erst auf das Schuljahr 2010/11 möglich. Sie soll durch die einzelne Schule auf freiwilliger Grundlage erfolgen und bis Schuljahr 2014/15 abgeschlossen sein.
Der Bildungsrat erachtete bereits zum Zeitpunkt der Verlängerung des Pilotprojekts die Ausweitung des Immersionsangebotes auf die Kom- bination Deutsch/Französisch grundsätzlich als erstrebenswert, empfahl jedoch, die Erkenntnisse der Evaluation abzuwarten. Es ist wichtig, dass an Zürcher Schulen die Kombination Deutsch/Französisch als Teil der sprachlichen und kulturellen Identität der Schweiz als Angebot zur Ver- fügung gestellt wird. Die französische Sprache hat in der Berufswelt und in der Politik nach wie vor eine grosse Bedeutung und ihre Beherr- schung ist im späteren Leben nicht nur eine Bereicherung, sondern eine Notwendigkeit. Grundsätzlich soll deshalb allen Schulen die Möglich- keit offenstehen, die Kombination Deutsch/Französisch als Maturitäts- gang anzubieten. Aufgrund einer ersten Umfrage ist im jetzigen Zeit- punkt davon auszugehen, dass sich bis Schuljahr 2014/15 höchstens vier Schulen darum bewerben werden. An seiner Sitzung vom 8. Dezember 2008 hat der Bildungsrat dem weiteren Vorgehen bezüglich Einführung der zweisprachigen Maturität Deutsch/Englisch und Ausweitung auf die Sprachkombination Deutsch/ Französisch zugestimmt.
4. Finanzierung Für das Projekt «Einführung der zweisprachigen Maturität an Zür- cher Mittelschulen» wurden mit RRB Nr. 1864/2000 und 1746/2005 Ob- jektkredite von insgesamt Fr. 2 060 000 bewilligt. Damit wurden, verteilt über neun Jahre, die Aufbaukosten für 13 Pilotschulen finanziert (ein- schliesslich Kosten für zwei externe wissenschaftliche Evaluationen, eine Expertise sowie erste darauf aufbauende Entwicklungsarbeiten). Ob- wohl die Ausweitung des Immersionsangebots Deutsch/Englisch auf weitere Schulen nicht verpflichtend ist, erfolgt die finanzielle Planung im Hinblick auf dessen Vollausbau. Für die ab Schuljahr 2010/11 in zeit- licher Staffelung neu hinzukommenden höchstens sieben Gymnasien sind pro Schule – wie für die bisherigen Pilotschulen – Anschubfinan- zierungen vorgesehen. Diese dienen der Entlastung der für den Aufbau und die Organisation der zweisprachigen Maturitätsgänge zuständigen Immersionslehrpersonen sowie für den Mehraufwand, der ihnen ins- besondere mit der Einarbeitung in die neue Unterrichtsform, neue Fachgebiete und Lehrmittel entsteht. Hinzu kommen höchstens vier Anschubfinanzierungen für zweisprachige Maturitätsgänge Deutsch/ Französisch sowie Kosten für die Umsetzung des am IGB entwickelten Weiterbildungskonzeptes. Während der nächsten sechs Jahre (Schuljahre 2009/10 bis 2014/15) ist somit höchstens mit folgenden Kosten zu rechnen:
Anschubfinanzierungen für höchstens sieben Schulen (Kombination Deutsch/Englisch) Fr. 700 000 Anschubfinanzierungen für höchstens vier Schulen (Kombination Deutsch/Französisch) Fr. 385 000 Weiterentwicklung der Weiterbildung der Immersionslehrpersonen Fr. 45 000 Zuschüsse an Fremdsprachaufenthalte der Immersionslehrpersonen Fr. 580 000 Standortbestimmungen, Sprachkurse und Schlusskolloquien, Koordination Fr. 390 000 Total Fr. 2 100 000
Die im Jahr 2009 anfallenden Kosten von Fr. 155 000 für die Umset- zung des am IGB entwickelten Weiterbildungskonzeptes sind im Budget 2009 der Leistungsgruppe Nr. 7301, Mittelschulen, nicht eingestellt, können aber durch Verschiebungen und Einsparungen bei anderen Vor- haben innerhalb des Globalbudgets Nr. 7301, Mittelschulen, kompen- siert werden. Die 2010–2012 anfallenden Kosten sind im KEF 2009–2012 der Leistungsgruppe Nr. 7301, Mittelschulen, nicht eingestellt, können aber durch Verschiebungen und Einsparungen bei anderen Vorhaben innerhalb des Globalbudgets Nr. 7301, Mittelschulen, kompensiert wer- den. Die wiederkehrenden Kosten von rund Fr. 100 000, die ab Ende Schuljahr 2014/15 entstehen, sind von den Mittelschulen im Rahmen der Kontrakte zu finanzieren.
Dispositiv
Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die bisherigen Pilotschulen können die zweisprachige Maturität (Deutsch/Englisch) weiterführen.
II. Ab Schuljahr 2010/11 können alle Mittelschulen einen zweis- prachigen Maturitätsgang Deutsch/Englisch führen.
III. Ab Schuljahr 2010/11 können alle Mittelschulen einen zweis- prachigen Maturitätsgang Deutsch/Französisch führen.
IV. Für die Einführung der zweisprachigen Maturität (Deutsch/Eng- lisch) sowie deren Ausweitung auf die Immersionssprache Französisch werden Ausgaben von Fr. 2 100 000 zulasten der Erfolgsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 7301, Mittelschulen, bewilligt.
V. Mitteilung an die Finanzdirektion und die Bildungsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber:
Husi