RRB Nr. 87/2024
Kulturförderung, Goldene Ehrenmedaillen des Regierungsrates 2024, Verleihung
31. Januar 2024Deutsch5 min
Source zh.ch
Kulturförderung, Goldene Ehrenmedaillen des Regierungsrates 2024, Verleihung
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 31. Januar 2024
87. Kulturförderung (Goldene Ehrenmedaillen
Erwägungen
des Regierungsrates 2024, Verleihung) Mit der Goldenen Ehrenmedaille für kulturelle Verdienste zeichnet der Regierungsrat Persönlichkeiten aus, die sich im besonderen Masse für das kulturelle Leben im Kanton Zürich verdient gemacht haben und die- ses mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement dauerhaft geprägt haben (RRB Nr. 854/2016). Die Kulturförderungskommission schlägt vor, die Goldenen Ehren- medaillen 2024 an den Schriftsteller und Kabarettisten Franz Hohler sowie den Schauspieler Matthias Grandjean zu verleihen. Franz Hohler, geboren 1943, wohnhaft in Zürich, ist als freischaffen- der Kabarettist und Schriftsteller seit über fünfzig Jahren eine Institution des Schweizer Kulturlebens. Er steht auf der Bühne, veröffentlicht litera- rische Bücher und Kinderbücher und steht als mediale Figur für eine so- ziale und solidarische Schweiz. Zudem ist er als Herausgeber und politi- scher Publizist präsent und verfügt über ein konsistentes Werk. Hohler, der fünf Semester Germanistik und Romanistik an der Uni- versität Zürich studierte, ist in unzähligen Schulklassen aufgetreten und hat mit seinem politisch sensiblen Kabarett und präzis gestellten Fragen zur Herzensbildung weiter Bevölkerungsteile beigetragen. Seine Novelle «Die Rückeroberung» beispielsweise hat die lesende Schweiz früh für ökologische Themen sensibilisiert. Auf Kleinkunstbühnen im ganzen Land erreicht Hohlers Humor bis heute viele Altersgruppen, Gesellschafts- schichten und deckt viele Stile ab. Seine dortigen Kooperationen – unter anderem mit Hanns Dieter Hüsch oder Emil Steinberger – geniessen Le- gendenstatus. Zusammen mit René Quellet hat Franz Hohler lange die Sendung «Das Spielhaus» für das Schweizer Fernsehen gemacht, seine Sketche und Geschichten waren früh präsent im Radio – heute könnte man sagen, sein Totemügerli sei «viral gegangen». 1965 lancierte Franz Hohler mit «Pizzicato» sein erstes literarisch- musikalisches Soloprogramm. Bereits 1968 erhielt er mit dem Conrad- Ferdinand-Meyer-Preis eine erste Auszeichnung für sein Schaffen – etli- che weitere Preise folgten, aufgrund Hohlers Vielseitigkeit in den verschie- densten Kategorien, von Kleinkunst über Kinderbuchpreis bis Hochlite- ratur. Hohlers Krondisziplin bleibt aber die Kurzprosa. Hier kommt sein einprägsamer, träfer Stil zur Blüte.
Hohler blieb immer lesbar, immer erreichbar, immer auf Tuchfühlung mit der Dynamik der Zeit. Viele seiner Kurzgeschichten stellen grund- legende Fragen des Menschseins ins Zentrum und wirken mitunter des- wegen zeitlos. Seine Sketche leben von der Form, vom Sprachgefühl, vom Gespür für Milieus und Dramaturgie und behalten ihr spielerisches Ele- ment bis heute. Hohler ist Pionier, Türöffner, Vermittler, Medienereig- nis, Meister der kleinen Form und vieles mehr. Für sein herausragendes Lebenswerk und sein Wirken als grosse In- tegrations- und Identifikationsfigur der Schweizer Kulturszene soll Franz Hohler mit der Goldenen Ehrenmedaille des Regierungsrates 2024 aus- gezeichnet werden. Matthias Grandjean, geboren 1970, wohnhaft in Zürich, ist seit 2003 Ensemblemitglied des Theaters Hora, das international bekannt ist und neue Massstäbe in der Arbeit mit Künstlerinnen und Künstlern mit Be- hinderungen gesetzt hat, sowohl auf als auch hinter der Bühne. Grandjean arbeitet als Schauspieler, Musiker (Trompete), Moderator und als Film- regisseur und hat das Theater Hora stark mitgeprägt. Er ist das älteste Ensemblemitglied und hat bis heute in mehr als 30 Produktionen mitge- wirkt. Der schauspielerische Ausdruck, der Matthias Grandjean zu einem be- sonderen Bühnenkünstler macht, liegt in der genuinen Anmut und kör- perlichen Präzision, die er als Eigenheit in jede Theateraufführung ein- bringt. Seine Musikalität, sein choreografisches Gespür für Timing und die kontrollierte Körperlichkeit zeigen sich in jeder Geste, in jedem Gang. So auch in seinem Tanzsolo der Produktion «Disabled Theatre» (2012) des Starchoreografen Jerôme Bel, die beim Berliner Theatertreffen aus- gezeichnet wurde und international tourte. Ein weiteres Talent von Matthias Grandjean ist sein Gespür für Spra- che und Textarbeit. In zahlreichen Produktionen des Theaters Hora rezi- tierte er eigens verfasste Lyrik, die stets das Thema einer Inszenierung fasst und ihr eine neue Dimension hinzufügt. Seine Texte changieren da- bei zwischen konkreter Lautmalerei und bildhaften Szenerien. Im Part- nerspiel auf der Bühne ist Matthias Grandjean stets zugewandt und sehr authentisch. Mit seinem schauspielerischen Ausdruck trifft er direkt in die Herzen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Seine Sensibilität und gleichzeitige Kraft, mit der er seine Figuren ausstattet, ist einzigartig. In seiner letzten Regiearbeit «Der Mann, der von der Erde fiel» (2019) reflektiert Matthias Grandjean seine gesellschaftliche Rolle als Mensch mit Behinderung. Er spielt selbst auch die Hauptrolle, nämlich einen Ausserirdischen, der auf der Erde landet. Dieser fühlt sich dort fremd und sucht nach Wegen der Kommunikation mit seiner Umwelt.
Matthias Grandjean ist aktuell das älteste und erfahrenste Mitglied des Theaters Hora und ein einzigartiger Schauspieler. Er ist ein Vorbild für viele Bühnenkünstlerinnen und -künstler mit Trisomie 21 – gibt es doch in der Schweiz kaum welche, die so lange in dem Beruf arbeiten. Auch Grandjean steht kurz vor seinem Karriereende. Er übernimmt noch klei- nere Aufgaben am Theater, ist aufgrund seines Alters und der damit ein- hergehenden gesundheitlichen Situation aber nicht mehr so belastbar. Für seine langjährige Ensemblearbeit und sein inspirierendes Schaf- fen soll Matthias Grandjean mit der Goldenen Ehrenmedaille des Regie- rungsrates 2024 ausgezeichnet werden. Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförde- rungsgesetzes (LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig, während die Ausgabenbewilligung durch die Fachstelle Kultur erfolgt (§§ 2 Abs. 2 und 3 Abs. 2 lit. e Kulturförderungsverordnung [LS 440.11]). Der Betrag für die Herstellung der Goldenen Ehrenmedaillen ist im Budget 2024 der Fachstelle Kultur enthalten.
Dispositiv
Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Goldenen Ehrenmedaillen für kulturelle Verdienste des Regie- rungsrates 2024 werden dem Schriftsteller und Kabarettisten Franz Hoh- ler sowie dem Schauspieler Matthias Grandjean verliehen.
II. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung der Medienmitteilung nicht öffentlich.
III. Mitteilung an Franz Hohler, Matthias Grandjean und die Mitglie- der der Kulturförderungskommission (durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern) sowie an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli