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Entscheid

KSK 2024 56

KES Fürsorgerische Unterbringung

14. August 2024Deutsch20 min

A. Mit Eingabe vom 29. April 2024 ersuchte B._____ das Regionalgericht Maloja, über A._____ gestützt auf Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG den Konkurs ohne vorgängige Betreibung zu eröffnen. Dem Konkursbegehren lag eine angeblich offene Darlehensschuld über GBP 796'438.30 bzw. CHF 910'715.59 zuzüglich Zinsen und Prozesskosten zugrunde.

Source gr.ch

Entscheid vom 24. Juli 2024

Referenz KSK 24 56

Instanz Schuldbetreibungs- und Konkurskammer

Besetzung Bergamin, Vorsitzender

Cavegn und Michael Dürst

Fleisch, Aktuar

Parteien A._____

Beschwerdeführer

vertreten durch Rechtsanwalt MLaw Andrea-Franco Stöhr und/oder Rechtsanwältin MLaw Michelle Derron,

Nievergelt & Stoehr AG, Crappun 8, 7503 Samedan

gegen

B._____

Beschwerdegegnerin

vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robin Moser

Loyens & Loeff, Alfred-Escher-Strasse 50, 8002 Zürich

Gegenstand Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung

Anfechtungsobj. Entscheid Regionalgericht Maloja, Einzelrichter, vom 30.05.2024, mitgeteilt am 03.06.2024 (Proz. Nr. 335-2024-71)

Mitteilung 25. Juli 2024

Sachverhalt

Sachverhalt

A. Mit Eingabe vom 29. April 2024 ersuchte B._____ das Regionalgericht Maloja, über A._____ gestützt auf Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG den Konkurs ohne vorgängige Betreibung zu eröffnen. Dem Konkursbegehren lag eine angeblich offene Darlehensschuld über GBP 796'438.30 bzw. CHF 910'715.59 zuzüglich Zinsen und Prozesskosten zugrunde.

B. Mit Vorladung vom 6. Mai 2024 wurde A._____ zur Konkursverhandlung vom 30. Mai 2024 vorgeladen. Ausgehend davon, dass der Aufenthaltsort von A._____ unbekannt ist, wurde die Vorladung im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) veröffentlicht.

C. Im Anschluss an die Konkursverhandlung, an welcher A._____ nicht teilnahm, eröffnete das Regionalgericht Maloja mit Entscheid vom 30. Mai 2024 den Konkurs über A._____ per 30. Mai 2024, 14:00 Uhr. Der Entscheid wurde A._____ postalisch an eine Adresse in C._____ zugestellt.

D. Mit Eingabe vom 14. Juni 2024 reichte B._____ eine Schutzschrift beim Kantonsgericht von Graubünden ein. Darin beantragte sie, im Falle einer Beschwerdeerhebung durch A._____, die Abweisung eines allfälligen Gesuchs um superprovisorische Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Eventualiter beantragte B._____ die Anbringung eines Vorbehalts, wonach es auch bei Gewährung der aufschiebenden Wirkung dem Betreibungs- und Konkursamt der Region Maloja zu erlauben sei, die Vermögenswerte von A._____ festzustellen und zu sichern, um zu verhindern, dass er diese beiseiteschaffe.

E. Gegen den Entscheid des Regionalgerichts Maloja reichte A._____ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 14. Juni 2024 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden ein und stellte folgendes Rechtsbegehren:

1.

Rechtsbegehren

1.

Es sei die Nichtigkeit des Konkursentscheids des Regionalgerichts Maloja im Verfahren Proz. Nr. 335-2024-71 vom 30. Mai 2024 festzustellen;

2.

Eventualiter sei der Konkursentscheid des Einzelrichters des Regionalgerichts Maloja im Verfahren Proz. Nr. 335-2024-71 vom 30. Mai 2024 aufzuheben und auf das Gesuch um Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung sei nicht einzutreten.

3.

Subeventualiter sei der Konkursentscheid des Einzelrichters des Regionalgerichts Maloja im Verfahren Proz. Nr. 335-2024-71 vom 30. Mai 2024 aufzuheben und das Gesuch um Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung abzuweisen;

4.

Sub-subeventualiter sei die vorliegende Angelegenheit zur Neubeurteilung an den Einzelrichter des Regionalgerichts Maloja zurückzuweisen;

5.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der Beschwerdegegnerin;

2.

Verfahrensanträge

1.

Der vorliegenden Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen;

2.

Es seien die Akten der Vorinstanz des Verfahrens Proz. Nr. 335-2024-71 (inkl. Beratungsprotokoll) beizuziehen;

3.

Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der Beschwerdegegnerin;

F. Am 19. Juni 2024 reichte der Beschwerdeführer eine Noveneingabe ein.

G. B._____ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2024 das Nichteintreten auf die Beschwerde, eventualiter deren Abweisung und subeventualiter die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten des Beschwerdeführers.

H. Mit Verfügung vom 8. Juli 2024 wurde dem Beschwerdeführer eine Frist bis zum 22. Juli 2024 zur Einreichung einer auf die Streitsache bezogenen Vollmacht eingeräumt. Mit Eingabe vom 10. Juli 2024 reichte der Beschwerdeführer die angeforderte Vollmacht fristgerecht nach.

I. Der eingeforderte Kostenvorschuss von CHF 500.00 ging innert Frist ein. Die vorinstanzlichen Akten (Proz. Nr. 335-2024-71) wurden eingeholt. Das Verfahren ist spruchreif.

Erwägungen

Erwägungen

1.

Gegen Entscheide des Konkursgerichtes ist die Beschwerde zulässig (Art. 194 Abs. 1 i.V.m. Art. 174 Abs. 1 SchKG). Die Beschwerde richtet sich nach Art. 319 ff. ZPO. Die Beschwerde ist bei der Rechtsmittelinstanz innert der Beschwerdefrist von zehn Tagen schriftlich, mit Anträgen versehen und begründet einzureichen (Art. 321 Abs. 1 und 2 ZPO i.V.m. Art. 174 Abs. 1 SchKG). Der Beschwerdeführer reichte die Beschwerde am 14. Juni 2024 schriftlich und begründet ein. Mit Verfügung vom 8. Juli 2024 wurde dem Beschwerdeführer in Anwendung von Art. 132 Abs. 1 ZPO eine Frist bis zum 22. Juli 2024 zur Einreichung einer auf die Streitsache bezogenen Vollmacht eingeräumt. Dieser Aufforderung kam der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 10. Juli 2024 nach. Die Beschwerde erfolgte somit frist- und formgerecht, weshalb darauf einzutreten ist.

2.1

Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für die Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung gemäss Art. 190 Abs. 1 Ziff. 1 SchKG als erfüllt betrachtet, da der Beschwerdeführer weder den Nachweis der vollständigen Tilgung noch denjenigen der Stundung erbracht habe. Auf weitergehende Ausführungen zum von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten unbekannten Aufenthalt des Beschwerdeführers verzichtete die Vorinstanz.

2.2

Der Beschwerdeführer rügt, dass der angefochtene Entscheid nichtig sei, da die Vorladung zur Konkursverhandlung nicht gehörig zugestellt worden sei. Die von der Vorinstanz vorgenommene Zustellung auf dem Wege der Publikation nach Art. 141 ZPO sei nur als ultima ratio in Betracht zu ziehen, wenn eine ordentliche förmliche Mitteilung nach Art. 137–140 ZPO gescheitert oder von vornherein zum Scheitern verurteilt sei. Die Vorinstanz habe die Vorladung zur Konkursverhandlung jedoch direkt im SHAB publiziert, ohne zuvor eigene Zustellversuche zu unternehmen. Dies habe sie getan, obwohl sie offenbar Kenntnis von seiner Adresse in C._____ gehabt habe, wie die Zustellung des Konkursentscheides an eben jene Adresse beweise. Ebenfalls bekannt gewesen sei der Vorinstanz, dass er in D._____ und E._____ Wohnsitz gehabt habe. Mangels Begründung des vorinstanzlichen Entscheides ergebe sich mit keinem Wort, dass alle zumutbaren Nachforschungen zur Ermittlung seines Aufenthalts erfolgt seien. Aufgrund der nicht gehörigen Zustellung der Vorladung habe er keine Möglichkeit gehabt, um an der Konkursverhandlung teilzunehmen, was eine schwerwiegende Gehörsverletzung darstelle.

2.3

Die Beschwerdegegnerin stellt sich in der Beschwerdeantwort demgegenüber auf den Standpunkt, dass der Beschwerdeführer versuche, sich der Erfüllung seiner Verbindlichkeiten und der Vollstreckung des Urteils durch diverse Manöver zu entziehen und als flüchtig im Sinne von Art. 190 SchKG zu gelten habe. So vermeide es der Beschwerdeführer auch im vorliegenden Verfahren, Angaben über seinen tatsächlichen Wohnort und zu seinem gegenwärtigen Verbleib zu machen. Bei der angegebenen Adresse im Rubrum der Beschwerdeschrift ("F._____") handle es sich um eine willkürliche (geschäftliche) Zustelladresse, an welcher der Beschwerdeführer nicht wohnhaft sei. Bei einem flüchtigen Schuldner bzw. einem Schuldner mit unbekanntem Aufenthalt könne die Vorladung für die Konkursverhandlung unmittelbar im SHAB publiziert werden. Folglich habe die Vorinstanz den Beschwerdeführer durch die Publikation im SHAB gehörig vorgeladen. Darüber hinaus wäre es mangels Wohnsitzes des Beschwerdeführers ohnehin unmöglich gewesen, die Vorladung zur Konkursverhandlung zuzustellen. Der Beschwerdeführer habe trotz Beweispflicht seinen Wohnsitz bzw. Aufenthaltsort weder behauptet noch bewiesen. Entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers sei die Vorinstanz nicht verpflichtet gewesen, Zustellversuche nach D._____ oder E._____ vorzunehmen, zumal es beweismässig erstellt gewesen sei, dass der Beschwerdeführer am behaupteten Wohnsitz in E._____ nicht wohnhaft sei. Auch eine Erkundigung bei der Kanzlei Nievergelt & Stoehr oder Rechtsanwalt Felix C. Meier-Dieterle bezüglich einer allfälligen Zustelladresse sei unmöglich gewesen, da diese für das vorliegende Verfahren nicht bevollmächtigt gewesen seien.

Dispositiv

3.1.1. Im Zivilprozess bestimmt Art. 141 ZPO, unter welchen Voraussetzungen die förmliche Zustellung durch eine öffentliche Bekanntmachung ersetzt werden kann (sog. Ediktalzustellung). Die Zustellung auf dem Ediktalweg erfolgt nur dann, wenn die anderen Zustellungsformen nicht möglich sind (Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], Bericht zum Vorentwurf der Expertenkommission, 2003, S. 71 zu Art. 133 VE-ZPO). Die öffentliche Bekanntmachung ist mithin das letzte Mittel (vgl. im SchKG: BGE 136 III 571 E. 5; 119 III 60 E. 2a; 112 III 6 E. 4), zu dem das Gericht einzig dann Zuflucht nehmen darf, wenn einer von drei "pathologischen Fällen" erfüllt ist (vgl. Botschaft zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO] vom 28. Juni 2006, BBl 2006, S. 7221 ff., S. 7308 zu Art. 139 E-ZPO). Art. 141 Abs. 1 ZPO zählt diese drei Konstellationen abschliessend auf (Nina J. Frei, Berner Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Band 1, Bern 2012, N 1 zu Art. 141 ZPO; Lukas Huber, in: Brunner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung [ZPO], Kommentar, 2. Aufl., C._____ 2016, N 8 zu Art. 141 ZPO). Die öffentliche Bekanntmachung ist demnach zulässig, wenn der Aufenthaltsort des Adressaten unbekannt ist und trotz zumutbarer Nachforschungen nicht ermittelt werden kann (lit. a), eine Zustellung unmöglich ist oder mit ausserordentlichen Umtrieben verbunden wäre (lit. b), oder eine Partei mit Wohnsitz oder Sitz im Ausland entgegen der Anweisung des Gerichts kein Zustellungsdomizil in der Schweiz bezeichnet hat (lit. c).

3.1.2. Da die Ediktalzustellung das letzte Mittel für die Zustellung bleiben muss, kann ein unbekannter Aufenthaltsort oder die Unmöglichkeit der Zustellung im Sinne von Art. 141 Abs. 1 lit. a und lit. b ZPO erst dann angenommen werden, wenn sämtliche zumutbaren und sachdienlichen Nachforschungen vorgenommen wurden, jedoch erfolglos geblieben sind (BGer 4A_578/2014 v. 23.2.2015 E. 3.2.1; vgl. zum SchKG: BGE 136 III 571 E. 5; 119 III 60 E. 2a; 112 III 6 E. 4; BGer 5A_537/2019 v. 12.2.2021 E. 2.1.1; 5A_41/2019 v. 22.1.2020 E. 4.3.1; 5A_580/2016 v. 30.11.2016 E. 3; 5A_522/2015 v. 12.10.2015 E. 3.3.3). Wann diesem Rechercheauftrag rechtsgenüglich nachgekommen wurde, bestimmt sich nach der jeweiligen Sachlage (BGE 112 III 6 E. 4; 64 III 40 E. 2; BGer 4A_646/2020 v. 12.4.2021 E. 3.2; 5A_522/2015 v. 12.10.2015 E. 3.3.3).

3.1.3. Diese Anforderungen gelten auch im Verfahren der Konkurseröffnung ohne vorgängige Betreibung nach Art. 190 SchKG, was bedeutet, dass die Unmöglichkeit der Zustellung erst angenommen werden kann, wenn sämtliche zumutbaren und sachdienlichen Nachforschungen vorgenommen wurden. Da eine Konkurseröffnung nach Art. 190 SchKG zudem für den Schuldner schwerwiegende Folgen zeitigt, sind an die mögliche Kenntnisnahme des Gerichtstermins grundsätzlich hohe Anforderungen zu stellen (Alexander Brunner/Felix H. Boller/Eugen Fritschi, in: Staehelin/Bauer/Lorandi [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 3. Aufl., Basel 2021, N 26 zu Art. 190 SchKG, mit Hinweis auf Art. 141 Abs. 1 lit. a ZPO).

3.2.1. Nach einem allgemeinen Rechtsgrundsatz darf der betroffenen Partei aus der mangelhaften Eröffnung eines Entscheides kein Nachteil entstehen (BGE 145 IV 259 E. 1.4.4; 144 II 401 E. 3.1). Grundsätzlich führt mangelhafte Eröffnung zur Anfechtbarkeit und nur in Ausnahmefällen zu Nichtigkeit. In der Rechtsprechung im Zivilrecht wird Nichtigkeit einer Entscheidung angenommen, wenn die betroffene Person von der Verfahrenseröffnung gar keine Kenntnis und damit keine Gelegenheit erhalten hat, an einem gegen sie laufenden Verfahren teilzunehmen (BGE 136 III 571 E. 6.2 und E. 6.3; 129 I 361 E. 2.1 und E. 2.2; BGer 5A_170/2023 v. 13.10.2023 E. 4.1.4; 4A_141/2015 v. 25.6.2015 E. 3). Entscheide, die der betroffenen Person nicht eröffnet worden sind, entfalten grundsätzlich keine Rechtswirkungen und können nicht vollstreckt werden (BGE 141 I 97 E. 7.1; 122 I 97 E. 3a/bb; BGer 4A_141/2015 v. 25.6.2015 E. 3).

3.2.2. Die Nichtigkeit eines staatlichen Aktes ist allerdings nicht leichthin anzunehmen. Nichtigkeit, d.h. die absolute Unwirksamkeit einer Entscheidung, wird nur angenommen, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer wiegt, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird (BGE 138 III 49 E. 4.4.3; 138 II 501 E. 3.1; 132 II 21 E. 3.1; 130 III 430 E. 3.3). Ausser in Fällen, in denen das Gesetz ausdrücklich die Nichtigkeitsfolge vorsieht, ist daher nur von der Nichtigkeit auszugehen, wenn angesichts der Umstände die Möglichkeit der Anfechtung des Aktes nach Treu und Glauben offensichtlich nicht den notwendigen Schutz bietet, was namentlich bei besonders schweren Verfahrensmängeln der Fall sein kann (BGE 129 I 361 E. 2.1; 122 I 97 E. 3a/aa; BGer 5A_667/2018 v. 2.4.2019 E. 4.2; 4A_224/2017 v. 27.6.2017 E. 2.3.2; 4A_141/2015 v. 25.6.2015 E. 3). Greift das Gericht zur öffentlichen Bekanntmachung, obschon die Voraussetzungen dafür offensichtlich nicht gegeben sind, ist der Entscheid mit einem derart schwerwiegenden Verfahrensmangel behaftet, dass er in der Regel als nichtig erscheint (BGE 136 III 571 E. 6.3; 129 I 361 E. 2.2; BGer 5A_699/2019 v. 30.3.2020 E. 5.1, nicht publ. in BGE 146 III 247; 5A_667/2018 v. 2.4.2019 E. 4.2; 4A_224/2017 v. 27.6.2017 E. 2.3.2; Julia Gschwend, Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl., Basel 2017, N 10 zu Art. 141 ZPO; Frei, a.a.O., N. 18 zu Art. 141 ZPO; differenzierend: Roger Weber, in: Oberhammer/Domej/Haas [Hrsg.], Kurzkommentar ZPO, 3. Aufl., Basel 2021, N 5 zu Art. 133 ZPO). Das gilt zumindest in jenen Fällen, in denen der Adressat keine Kenntnis vom Verfahren hatte (vgl. BGE 129 I 361 E. 2.2; BGer 4A_646/2020 v. 12.4.2021 E. 3.2; 5A_699/2019 v. 30.3.2020 E. 5.1, nicht publ. in BGE 146 III 247).

3.2.3. Die Nichtigkeit ist jederzeit und von sämtlichen staatlichen Instanzen von Amtes wegen zu beachten. Sie kann auch im Rechtsmittelweg festgestellt werden (BGE 145 IV 197 E. 1.3.2; 138 II 501 E. 3.1; 137 III 217 E. 2.4.3; BGer 4A_20/2020 v. 26.2.2020 E. 5.1 f. m.w.H.).

3.3.1. Die Beschwerdegegnerin führte in ihrem Gesuch um Konkurseröffnung aus, dass der Beschwerdeführer den Darlehensvertrag in C._____ unterzeichnet habe, wo seine damalige Frau gewohnt habe. Im Verlauf der späteren Änderungsvereinbarungen und im Arrestverfahren habe der Beschwerdeführer jeweils angegeben, in E._____ wohnhaft zu sein (RG act. I.1, Beilage 4). Die Zustellversuche des Urteils des Bezirksgerichts C._____ vom 16. Juni 2023 bezüglich Forderung aus Darlehensvertrag an die Adresse in E._____ seien jedoch mehrmals gescheitert. Der beauftragte Zustellagent habe zudem festgestellt, dass der Briefkasten des Beschwerdeführers seit Langem nicht mehr geleert worden und dass dieser (gemäss den Angaben der Verwalterin des Gebäudes) im Februar 2024 weggezogen sei, ohne eine Nachsendeadresse zu hinterlassen. Man glaube jedoch, dass dieser in die Schweiz zurückgekehrt sei (RG act. I.1, Beilage 16). Eine Anfrage bei den Behörden von G._____ und der Stadt C._____ habe jedoch ergeben, dass der Beschwerdeführer dort nicht gemeldet sei (RG act. I.1, Beilage 3 und 17).

3.3.2. Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht die Ergebnisse ihrer eigenen Nachforschungen bezüglich Aufenthalts des Beschwerdeführers dargelegt. Dazu gehören insbesondere die Anfragen bei der Einwohnerkontrolle von G._____ und der Stadt C._____ sowie die erfolglosen Zustellversuche des Urteils des Bezirksgerichts C._____ vom 16. Juni 2023. Das Gericht hat sich jedoch von Amtes wegen davon zu überzeugen, dass alle durch die Umstände gebotenen und zumutbaren Vorkehren zur Feststellung des Aufenthaltsortes getroffen wurden. In Zweifelsfällen hat das Gericht selbst Nachforschungen anzustellen. Die Berufung auf früher getätigte Nachforschungen genügt in der Regel nicht (Huber, a.a.O., N 12 f. zu Art. 141 ZPO). Aus dem angefochtenen Konkursentscheid ergibt sich, dass die Vorinstanz offenbar keine eigenen Nachforschungen zum Aufenthaltsort des Beschwerdeführers anstellte. Anhand der Ausführungen und Nachforschungen der Beschwerdegegnerin konnte die Vorinstanz grundsätzlich davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer an der Adresse in E._____ nicht erreichbar war und er keinen Wohnsitz in C._____ bzw. G._____ hatte. Fraglich bleibt, ob in diesem Zusammenhang weitere Nachforschungen geboten gewesen wären, wie beispielsweise eine Nachfrage bei den Behörden in E._____ bezüglich einer offiziellen Abmeldung und einer allfälligen Nachfolgeadresse. Eine solche hätte aber ohnehin unterbleiben können, da der Vorinstanz offensichtlich die Geschäftsadresse des Beschwerdeführers an der H._____, C._____ bekannt war. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz den Konkursentscheid dem Beschwerdeführer an dessen Geschäftsadresse in C._____ zustellte, sie dieselbe Adresse aber bei der Zustellung der Vorladung zur Konkursverhandlung unberücksichtigt liess. Die Zustellung des Konkursentscheids an die Adresse in C._____ zeigt, dass die Vorinstanz zumindest damit rechnete, dass der Beschwerdeführer über diese Adresse erreichbar ist. Aus den parallel laufenden Verfahren KSK 2024 14 und KSK 2024 22 wird sodann ersichtlich, dass die erwähnte Geschäftsadresse der Vorinstanz bereits vor der Einreichung des Gesuchs um Konkurs ohne vorgängige Betreibung bekannt war. So war bereits beim Entscheid des Regionalgerichts Maloja vom 10. Januar 2024 (Proz. Nr. 135-2024-9) betreffend vorläufige Eintragung im Grundbuch die Geschäftsadresse des Beschwerdeführers aufgeführt. Dass die Vorinstanz trotzdem von einem unbekannten Aufenthaltsort im Sinne von Art. 141 Abs. 1 lit. a ZPO ausging, zeigt, dass sie zu Beginn des Verfahrens nicht die zumutbaren Vorkehrungen vorgenommen hat. Indem sie die Geschäftsadresse des Beschwerdeführers unberücksichtigt liess und sogleich zur öffentlichen Bekanntmachung im SHAB schritt, verletzte sie Art. 141 ZPO.

3.4. Da der Beschwerdeführer aufgrund der mangelhaften Eröffnung der Vorladung vom 6. Mai 2024 keine Kenntnisse vom Konkursverfahren und damit auch keine Gelegenheit erhalten hatte, am Verfahren teilzunehmen und sich zu verteidigen, ist von einem schwerwiegenden Verfahrensmangel auszugehen, der die Nichtigkeit des angefochtenen Entscheids zur Folge hat. Die Beschwerde ist folglich gutzuheissen und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 327 Abs. 3 lit. a ZPO). Da die Vorladung vom 6. Mai 2024 zur Konkursverhandlung an einem Formmangel litt, wird das Verfahren auf den Stand vor diesem Zeitpunkt zurückversetzt.

4. Gemäss Art. 170 SchKG kann das Gericht zum Schutz der Gläubigerrechte vorsorgliche Anordnungen treffen. Im Vordergrund steht dabei die Aufnahme des amtlichen Güterverzeichnisses gemäss Art. 162 SchKG. Für die Anordnung eines Güterverzeichnisses sind keine hohen Anforderungen zu stellen (Philippe Nordmann, in: Staehelin/Bauer/Lorandi [Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs II, 3. Aufl., Basel 2021, N 8 zu Art. 170 SchKG). Da der Aufenthaltsort des Beschwerdeführers tatsächlich fraglich ist, rechtfertigt es sich im vorliegenden Fall, vorsorgliche Anordnungen zu treffen, um das Beiseiteschaffen von allfällig vorhandenen Vermögenswerten zu verhindern. In diesem Sinne ist das Betreibungs- und Konkursamt der Region Maloja anzuweisen, die bereits begonnene Inventaraufnahme als Güterverzeichnis im Sinne von Art. 162 ff. SchKG zu Ende zu führen. Der Beschwerdeführer ist bei Straffolge nach Art. 169 StGB verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die aufgezeichneten Vermögensstücke erhalten bleiben oder durch gleichwertige ersetzt werden. Er darf jedoch davon so viel verbrauchen, als nach dem Ermessen des Betreibungsbeamten zu seinem und seiner Familie Lebensunterhalt erforderlich ist (Art. 164 Abs. 1 SchKG). Diese vorsorgliche Anordnung bleibt bestehen, bis die Vorinstanz diese allenfalls aufhebt, den Konkurs neu eröffnet oder dann die Konkurseröffnung definitiv verweigert (vgl. Nordmann, a.a.O., N 12 zu Art. 170 SchKG).

5. Bei diesem Ergebnis erübrigt es sich, auf die weiteren Rügen der Beschwerde einzugehen. Die Beurteilung des Antrags auf aufschiebende Wirkung (Ziff. 1 der Verfahrensanträge) wird mit dem vorliegenden Entscheid obsolet.

6. Im Falle eines Rückweisungsentscheides kann sich die Rechtsmittelinstanz damit begnügen, lediglich ihre Gerichtskosten festzusetzen und deren Verteilung sowie den Entscheid über die Parteientschädigung der Vorinstanz zu überlassen, d.h. vom definitiven Ausgang des Verfahrens abhängig zu machen (Art. 104 Abs. 4 ZPO). Von dieser Möglichkeit wird vorliegend Gebrauch gemacht. Die Spruchgebühr ist bei vorliegendem Streitwert und angesichts des verursachten Aufwands mit CHF 500.00 zu bemessen (Art. 48 i.V.m. Art. 61 GebV SchKG [SR 281.35]). Es wird Vormerk davon genommen, dass der Beschwerdeführer einen Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 500.00 geleistet hat.

Demnach wird erkannt:

In Gutheissung der Beschwerde wird der Konkursentscheid des Einzelrichters am Regionalgericht Maloja vom 30. Mai 2024 aufgehoben und die Sache an das Regionalgericht Maloja zurückgewiesen.

Das Betreibungs- und Konkursamt der Region Maloja wird angewiesen, im Sinne von Art. 162 ff. SchKG ein Güterverzeichnis über alle Vermögensbestandteile von A._____ aufzunehmen.

Die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens werden auf CHF 500.00 festgesetzt. Die Festsetzung einer Parteientschädigung und die Verteilung der Prozesskosten für das Beschwerdeverfahren wird dem Regionalgericht Maloja überlassen.

Es wird vorgemerkt, dass A._____ für die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens einen Kostenvorschuss in Höhe von CHF 500.00 geleistet hat.

Gegen diese, einen Streitwert von mindestens CHF 30'000.00 betreffende Entscheidung kann gemäss Art. 72, Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG Beschwerde in Zivilsachen an das Schweizerische Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, geführt werden. Die Beschwerde ist dem Bundesgericht schriftlich, innert 30 Tagen seit Eröffnung der vollständigen Ausfertigung der Entscheidung in der gemäss Art. 42 f. BGG vorgeschriebenen Weise einzureichen. Für die Zulässigkeit, die Beschwerdelegitimation, die weiteren Voraussetzungen und das Verfahren der Beschwerde gelten die Art. 29 ff., 72 ff. und Art. 90 ff. BGG.

Mitteilung an:

1 / 10

Art. 190 SchKGart. 190 LPart. 190 LEF

Art. 194 SchKGart. 194 LPart. 194 LEF

Art. 174 SchKGart. 174 LPart. 174 LEF

Art. 319 ZPOart. 319 CPCart. 319 CPC

Art. 321 ZPOart. 321 CPCart. 321 CPC

Art. 174 SchKGart. 174 LPart. 174 LEF

Art. 132 ZPOart. 132 CPCart. 132 CPC

Art. 190 SchKGart. 190 LPart. 190 LEF

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 137 ZPOart. 137 CPCart. 137 CPC

Art. 140 ZPOart. 140 CPCart. 140 CPC

Art. 190 SchKGart. 190 LPart. 190 LEF

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

BGE 136 III 571ATF 136 III 571DTF 136 III 571

BGE 119 III 60ATF 119 III 60DTF 119 III 60

BGE 112 III 6ATF 112 III 6DTF 112 III 6

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

4A_578/2014

BGE 136 III 571ATF 136 III 571DTF 136 III 571

BGE 119 III 60ATF 119 III 60DTF 119 III 60

BGE 112 III 6ATF 112 III 6DTF 112 III 6

5A_537/2019

5A_41/2019

5A_580/2016

5A_522/2015

BGE 112 III 6ATF 112 III 6DTF 112 III 6

BGE 64 III 40ATF 64 III 40DTF 64 III 40

4A_646/2020

5A_522/2015

Art. 190 SchKGart. 190 LPart. 190 LEF

Art. 190 SchKGart. 190 LPart. 190 LEF

Art. 190 SchKGart. 190 LPart. 190 LEF

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

BGE 145 IV 259ATF 145 IV 259DTF 145 IV 259

BGE 144 II 401ATF 144 II 401DTF 144 II 401

BGE 136 III 571ATF 136 III 571DTF 136 III 571

BGE 129 I 361ATF 129 I 361DTF 129 I 361

5A_170/2023

4A_141/2015

BGE 141 I 97ATF 141 I 97DTF 141 I 97

BGE 122 I 97ATF 122 I 97DTF 122 I 97

4A_141/2015

BGE 138 III 49ATF 138 III 49DTF 138 III 49

BGE 138 II 501ATF 138 II 501DTF 138 II 501

BGE 132 II 21ATF 132 II 21DTF 132 II 21

BGE 130 III 430ATF 130 III 430DTF 130 III 430

BGE 129 I 361ATF 129 I 361DTF 129 I 361

BGE 122 I 97ATF 122 I 97DTF 122 I 97

5A_667/2018

4A_224/2017

4A_141/2015

BGE 136 III 571ATF 136 III 571DTF 136 III 571

BGE 129 I 361ATF 129 I 361DTF 129 I 361

5A_699/2019

BGE 146 III 247ATF 146 III 247DTF 146 III 247

5A_667/2018

4A_224/2017

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 133 ZPOart. 133 CPCart. 133 CPC

BGE 129 I 361ATF 129 I 361DTF 129 I 361

4A_646/2020

5A_699/2019

BGE 146 III 247ATF 146 III 247DTF 146 III 247

BGE 145 IV 197ATF 145 IV 197DTF 145 IV 197

BGE 138 II 501ATF 138 II 501DTF 138 II 501

BGE 137 III 217ATF 137 III 217DTF 137 III 217

4A_20/2020

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 141 ZPOart. 141 CPCart. 141 CPC

Art. 327 ZPOart. 327 CPCart. 327 CPC

Art. 170 SchKGart. 170 LPart. 170 LEF

Art. 162 SchKGart. 162 LPart. 162 LEF

Art. 170 SchKGart. 170 LPart. 170 LEF

Art. 162 SchKGart. 162 LPart. 162 LEF

Art. 169 StGBart. 169 CPart. 169 CP

Art. 164 SchKGart. 164 LPart. 164 LEF

Art. 170 SchKGart. 170 LPart. 170 LEF

Art. 104 ZPOart. 104 CPCart. 104 CPC

Art. 48 GebV SchKGart. 48 OELPart. 48 OTLEF

Art. 61 GebV SchKGart. 61 OELPart. 61 OTLEF

Art. 162 SchKGart. 162 LPart. 162 LEF

Art. 72 BGGart. 72 LTFart. 72 LTF

Art. 74 BGGart. 74 LTFart. 74 LTF

Art. 42 BGGart. 42 LTFart. 42 LTF

Art. 29 BGGart. 29 LTFart. 29 LTF

Art. 72 BGGart. 72 LTFart. 72 LTF

Art. 90 BGGart. 90 LTFart. 90 LTF