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Entscheid

FO.2018.4

Entscheid Kantonsgericht, 17.07.2020

17. Juli 2020Deutsch3 min

Fall-Nr.: FO.2018.4 Stelle: Kantonsgericht Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) Publikationsdatum: 11.12.2020 Entscheiddatum: 17.07.2020 Entscheid Kantonsgericht, 17.07.2020 Art. 295 ZPO und Art. 296 ZPO: In Verfahren betreffend Kinderbelange, wozu auch der Kinderunterha...

Source sg.ch

Fall-Nr.: FO.2018.4 Stelle: Kantonsgericht Rubrik: Zivilkammern (inkl. Einzelrichter) Publikationsdatum: 11.12.2020 Entscheiddatum: 17.07.2020

Entscheid Kantonsgericht, 17.07.2020 Art. 295 ZPO und Art. 296 ZPO: In Verfahren betreffend Kinderbelange, wozu auch der Kinderunterhalt gehört, gelten die Offizial- und die Untersuchungsmaxime. Mit der ZPO-Revision soll die Anpassung von Art.

295 ZPO deutlich machen, dass die Regelung der Verfahrensgrundsätze nach Art. 296 ZPO für sämtliche Streitigkeiten über Kinderbelange einschliesslich Kindesunterhalt ungeachtet der Volljährigkeit des Kindes anwendbar ist (Kantonsgericht, II. Zivilkammer, 17. Juli 2020, FO.2018.4).

Aus dem Sachverhalt:

Ein Vater beantragte die Aufhebung seiner Unterhaltspflicht für seinen volljährigen Sohn per Lehrabschluss (August 2016). Mit Beendigung der Lehre sei die angemessene Erstausbildung des Sohnes und damit die Unterhaltspflicht des Vaters abgeschlossen.

Aus den Erwägungen:

Sachverhalt

II.

[…]

Verfahrensgrundsätze

Erwägungen

3.

In Kinderbelangen, wozu auch der Kinderunterhalt gehört, gelten die Offizial- und die Untersuchungsmaxime (Art. 296 ZPO; BGer 5A_285/2013, E. 4.3), womit das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen hat und die Novenbeschränkung entfällt (vgl. wohl konkludente Anerkennung in BGer 5A_22/2014 und 5A_833/2012; ZR 2011, 317; OGer ZH vom 8. Mai 2013, LC130019-O/U, www.gerichte-zh.ch; REETZ/HILBER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 317 ZPO, N 14; SEILER Die Berufung nach ZPO, N 1264, 1266; FamKomm Scheidung, Anh. ZPO, Art. 296 ZPO, N

9.

ff.; HAUSHEER/SPYCHER, Handbuch des Unterhaltsrechts, N 11.43; a.M. BGE 138 III 625, E. 2.2, der sich aber nicht auf das Familienrecht bezieht). Unter geltendem Recht ist nicht abschliessend geklärt, ob die anwendbaren Prozessgrundsätze lediglich in Kinderbelangen im engeren Sinne und somit bei Minderjährigen zur Anwendung kommen oder generell für Kinder ungeachtet ihrer Volljährigkeit gelten, soweit es um Kinderbelange beziehungsweise Unterhalt geht. Die Praxis in den Kantonen ist unterschiedlich. Zumindest ein Teil der Lehre hält die Offizial- und die Untersuchungsmaximen auch beim Volljährigenunterhalt für anwendbar (, Das Kind in den familienrechtlichen Verfahren, Rz 930;, in: Sutter-Somm/ Hasenböhler/ Leuenberger, ZPO Komm., Vorbem. zu den Art. 295-304 ZPO, N 4; HAUSHEER/ SPYCHER, Handbuch des Unterhaltsrechts, N 11.01 i.V.m. N 11.26, 11.42 und 11.43; SUTTER-SOMM/LAZIC, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art.

290.

ZPO, N 25; BernerKomm ZPO/, Art. 219 ZPO, Rz 42 und 43 sowie BernerKomm ZPO/, Art. 295 ZPO, Rz 6 und Art. 296 ZPO, Rz 10; BaslerKomm ZPO/, vor Art. 295-304 ZPO, N 1 und Art. 295, N 2; OGer ZH vom 5. Dezember 2014, LZ140010, www.gerichte-zh.ch; Weiterbildungsveranstaltung vom 13. November 2012, Nachrichten zum Familienrecht 1/13, www.gerichte.sg.ch). Auch die St. Galler Gerichtspraxis behandelt den Mündigenunterhalt im vereinfachten Verfahren und wendet Art. 296 ZPO auf den Volljährigenunterhalt an. Mit der ZPO-Revision soll die Anpassung von Art. 295 ZPO deutlich machen, dass die Regelung der Verfahrensgrundsätze nach Art. 296 ZPO für sämtliche Streitigkeiten über Kinderbelange einschliesslich Kindesunterhalt ungeachtet der Volljährigkeit des Kindes anwendbar ist (Botschaft zur Änderung der Schweizerischen Zivilprozessordnung, BBL 2020 S. 2767f.). Mit dieser Revisionsaussicht spricht nichts dagegen, diese Verfahrensmaximen auch weiterhin beim Volljährigenunterhalt anzuwenden.