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Entscheid

VSBES.2017.210

Invalidenrente und berufliche Massnahmen

8. Februar 2018Deutsch50 min

Source so.ch

Sachverhalt

I.

1. Die 1972 geborene A.___ (nachfolgend:

Beschwerdeführerin), meldete sich am 15. Mai 2010 unter Hinweis auf ein

Schleudertrauma und Schmerzen seit dem Auffahrunfall vom 6. Mai 2009 bei

der IV-Stelle des Kantons Solothurn (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zum

Leistungsbezug an (IV-St. Beleg Nrn. [IV-Nrn.] 2 i.V.m. 11.41 S. 2).

1.1 In der Folge holte die

Beschwerdegegnerin sowohl die Unterlagen des ehemaligen Arbeitgebers der

Beschwerdeführerin (IV-Nrn. 8, 10) als auch die Akten der Unfallversicherung

B.___ ein (IV-Nrn. 11.1 - 11.41) und führte am 31. Mai 2010

ein Intake-Gespräch durch (IV-Nr. 14). Mit Mitteilung vom 1. Februar

2011 (IV-Nr. 28) sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin

sodann eine Frühinterventionsmassnahme in Form eines Belastbarkeitstrainings in

der C.___ vom 3. bis 7. Januar 2011 zu, welches jedoch gemäss

Abschlussbericht vom 7. April 2011 (IV-Nr. 35) durch die

Beschwerdeführerin nach drei Tagen abgebrochen wurde. Im Moment könne bei der

Beschwerdeführerin kein Eingliederungspotenzial festgestellt werden.

1.2 Nach Einholen der medizinischen

Akten wurden bei Dr. med. D.___, Fachärztin Neurologie FMH, Regionaler

Ärztlicher Dienst (nachfolgend: RAD), am 9. Juni 2011 (IV-Nr. 38

S. 2 ff.) und bei Dr. med. E.___, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, RAD,

am 16. August 2011 (IV-Nr. 44) eine Stellungnahme bzw. ein ärztlicher

Bericht eingeholt. Daraufhin wurde die Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom

19. August 2011 davon in Kenntnis gesetzt, dass eine medizinische

Abklärung bei der F.___ notwendig sei (IV-Nr. 45). Am 24. August 2011

liess die Beschwerdeführerin gegen die F.___ Einwände erheben und alternativ

das G.___ oder die H.___ als Gutachterstellen vorschlagen (IV-Nr. 47). Die

Beschwerdegegnerin hob daher am 7. September 2011 ihre Mitteilung vom

19. August 2011 auf und ernannte als Begutachtungsstelle neu das G.___

(IV-Nr. 49). Das entsprechende interdisziplinäre Gutachten des G.___ vom

4. Dezember 2012 (IV-Nr. 59) wurde anschliessend Dr. med. D.___,

RAD, vorgelegt. Gestützt auf ihre Stellungnahme vom 14. Januar 2013 sowie

auf den Abklärungsbericht vom 16. Januar 2013 (IV-Nrn. 63 S. 2

f., 65), stellte die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin daraufhin mit

Vorbescheid vom 4. Februar 2013 die Abweisung ihrer Leistungsbegehren in

Aussicht (IV-Nr. 66). Daran hielt die Beschwerdegegnerin – trotz dagegen

erhobenen Einwänden vom 18. Februar 2013 (IV-Nr. 69) – mit Verfügung

vom 13. März 2013 fest (IV-Nr. 71). Die dagegen am 12. April

2013 beim Versicherungsgericht des Kantons Solothurn (nachfolgend: Versicherungsgericht)

erhobene Beschwerde (IV-Nr. 73) wurde von diesem mit Urteil vom

29. Oktober 2014 (VSBES.2013.102, IV-Nr. 83 S. 2 ff.)

abgewiesen. Dieses Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

2. Am 14. November 2016

meldete sich die Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin unter Hinweis

auf gesundheitliche Beeinträchtigungen seit dem Autounfall von 2009 erneut zum

Leistungsbezug an (IV-Nr. 86).

2.1 Nach dem Einholen der

medizinischen Akten (IV-Nr. 89) stellte die Beschwerdegegnerin der

Beschwerdeführerin mit Vorbescheid vom 16. November 2016 (IV-Nr. 90)

das Nichteintreten auf das neue Leistungsbegehren in Aussicht. Es werde nicht

glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung

wesentlich verändert hätten. Dagegen liess die Beschwerdeführerin im Rahmen von

Einwänden fristgerecht den Bericht der I.___ vom 5. Dezember 2016

(IV-Nr. 91) sowie weitere medizinische Akten einreichen. Gemäss Protokolleintrag

vom 13. Dezember 2016 trat die Beschwerdegegnerin sodann auf das neue

Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin ein und holte die Stellungnahme von

Dr. med. D.___, RAD, vom 31. Januar 2017 ein (IV-Nr. 101).

2.2 Mit Vorbescheid vom 23. Februar

2017 (IV-Nr. 102) hob die Beschwerdegegnerin denjenigen vom

16. November 2016 auf und lehnte die Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin

auf berufliche Eingliederungsmassnahmen und eine Invalidenrente ab. Es lägen

keine medizinischen Diagnosen vor, die eine langdauernde Arbeitsunfähigkeit

begründeten. Die dagegen am 23. März 2017 erhobenen Einwände

(IV-Nr. 103) wurden am 21. April 2017 ergänzt (IV-Nr. 105).

Gestützt auf die Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. D.___ vom 4. Mai

2017 (IV-Nr. 107) hielt die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 27. Juni

2017 (A.S. [Akten-Seiten] 1 ff.) am Vorbescheid fest.

3. Dagegen lässt die

Beschwerdeführerin am 29. August 2017 beim Versicherungsgericht

fristgerecht Beschwerde erheben und folgende Rechtsbegehren stellen (A.S. 8

ff.):

Die Verfügung der IV-Stelle

des Kantons Solothurn vom 27. Juni 2017 ist aufzuheben und die

Beschwerdegegnerin anzuweisen, vorgängig dem Rentenentscheid sowohl den

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als auch deren Arbeits- und Leistungsfähigkeit

auf dem ersten Arbeitsmarkt lege artis zu eruieren.

– unter Kosten- und

Entschädigungsfolge –

4. Im Rahmen der Beschwerdeantwort

vom 2. Oktober 2017 (A.S. 17) schliesst die Beschwerdegegnerin auf

Abweisung der Beschwerde.

5. Die am 19. Oktober 2017

(A.S. 19 f.) durch den Vertreter der Beschwerdeführerin eingereichte

Kostennote wird der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 23. Oktober 2017

(A.S. 21) zur Kenntnisnahme zugestellt.

6. Auf die weiteren Ausführungen

in den Rechtsschriften der Parteien wird, soweit erforderlich, in den folgenden

Erwägungen eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.

Erwägungen

II.

1.

1.1

Die Sachurteilsvoraussetzungen

(Einhaltung der Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des

angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.

1.2

Für die Beurteilung eines Falles

hat das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des

Erlasses der streitigen Verfügung (hier: 27. Juni 2017) eingetretenen

Sachverhalt abzustellen (BGE 131 V 242 E. 2.1 S. 243, 121 V 366

E. 1b).

2.

Nach Art. 28 Abs. 1

Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) haben jene

Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die

Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare

Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können

(lit. a) und zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 Bundesgesetz

über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1])

gewesen sind (lit. b) sowie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens

40.

% invalid (Art. 8 ATSG) sind. Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG

besteht der Anspruch auf eine ganze Rente, wenn die versicherte Person

mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreiviertels-rente, wenn sie

mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens

50.

% besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad

von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertelsrente.

2.1

Invalidität ist die

voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise

Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von

Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Die Invalidität gilt als eingetreten,

sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung

erforderliche Art und Schwere erreicht hat (Art. 4 IVG).

2.2

Um den Invaliditätsgrad bemessen

zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen

angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu

stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den

Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang

und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im

Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung

der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden

können (BGE 140 V 193 E. 3.2 S. 196, 132 V 93 E. 4

S. 99 f., 125 V 261 E. 4).

Demgegenüber fällt es nicht in den

Aufgabenbereich des Arztes oder der Ärztin, sich zur Höhe einer allfälligen

Rente zu äussern, da der Begriff der rentenanspruchsbegründenden Invalidität

nicht nur von medizinischen, sondern auch von erwerblichen Faktoren bestimmt

wird (vgl. Art. 16 ATSG).

3.

3.1

Das Administrativverfahren vor

der IV-Stelle, wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom

Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1, Art. 61

lit. c ATSG). Danach haben IV-Stelle und Sozialversicherungsgericht den

rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese

Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des

streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht.

Der Untersuchungsgrundsatz weist enge Bezüge zum – auf Verwaltungs- und

Gerichtsstufe ebenfalls in gleicher Weise geltenden – Prinzip der freien

Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c in fine ATSG) auf (einschliesslich

die antizipierte Beweiswürdigung): Führt die pflichtgemässe, umfassende und

sachbezogene Beweiswürdigung den Versicherungsträger oder das Gericht zur

Überzeugung, der Sachverhalt sei hinreichend abgeklärt, darf von weiteren

Untersuchungen (Beweismassnahmen) abgesehen werden. Ergibt die Beweiswürdigung

jedoch, dass erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der

bisher getroffenen Tatsachenfeststellungen bestehen, ist weiter zu ermitteln,

soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse

zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_308/2007 vom 9. April 2008

E. 2.2.1 mit vielen Hinweisen).

3.2

Versicherungsträger und

Sozialversicherungsrichter haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an

förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen

(Art. 61 lit. c ATSG). Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,

dass der Sozialversicherungsrichter alle Beweismittel, unabhängig davon, von

wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die

verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen

Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf er bei einander widersprechenden

medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte

Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum er auf die eine und

nicht auf die andere medizinische These abstellt. Der Beweiswert eines

ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange

umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten

Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben

worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der

Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die

Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist

grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung

der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder

Gutachten, sondern dessen Inhalt (Urteil des Bundesgerichts 8C_63/2011 vom

27.

Mai

2011.

E. 4.4.2; BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a

S. 352; AHI 2001 S. 113 f. E. 3a; RKUV 2003 U 487 S. 345

E. 5.1).

4.

4.1

Tritt die Verwaltung – wie im

vorliegenden Fall – auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell

abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person

glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich

eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall

nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (AHI 1999 S. 84 E. 1b

mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der

früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie

das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die

festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende Invalidität

zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche

materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 141 V 585 E. 5.3, 134 V

131.

E. 3 S. 132, 117 V 198 E. 3a, 109 V 115 E. 2b).

4.2

Ob eine anspruchsbegründende

Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist,

beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach

Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 105 V 29 S. 30) – durch Vergleich des

Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ersten Ablehnungsverfügung bestanden hat,

mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (Urteil des Eidg.

Versicherungsgerichts [EVG] I 783/05 vom 18. April 2006 E. 1;

BGE 133 V 108 E. 5 S. 110 ff., 130 V 71 E. 3.1

S. 73 mit Hinweisen). Dies gilt jedoch nur in Fällen, in denen seit der

ersten Verfügung keine materielle Prüfung des Rentenanspruchs mehr

stattgefunden hat, sondern einzig Nichteintretensverfügungen.

5.

Streitig und zu prüfen ist, ob

die Beschwerdegegnerin die im Rahmen der Neuanmeldung vom 14. November

2016.

beantragten Leistungen mit Verfügung vom 27. Juni 2017 (A.S. 1

ff.) zu Recht abgewiesen hat. Es ist daher zu prüfen, ob sich der

Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letzten rechtskräftigen

Verfügung vom 13. März 2013 in anspruchsrelevanter Weise verändert hat.

6.

Im Zeitpunkt der ursprünglichen

Verfügung vom 13. März 2013 (IV-Nr. 71), stützte sich die

Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das Gutachten des G.___ vom

4.

Dezember 2012 (IV-Nr. 59), welches das Versicherungsgericht mit

Urteil VSBES.2013.102 vom 29. Oktober 2014 (IV-Nr. 83) als voll

beweiswertig qualifizierte. So überzeuge dieses in der Erhebung der Befunde,

der Darstellung der vorhandenen Beschwerden und der medizinischen Zusammenhänge

(E. II. 5.3). Im polydisziplinären Gutachten des G.___ vom 4. Dezember

2012.

(IV-Nr. 59 S. 44 f.) wurde folgende Diagnose mit Auswirkung auf

die Arbeitsfähigkeit festgestellt:

Leichte depressive Episode mit

somatischem Syndrom

Folgende Diagnosen hätten keine

Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:

Anhaltende somatoforme

Schmerzstörung mit Selbstlimitierung und Regressionstendenz

Status nach Tonsillektomie

Vitamin D 3-Insuffizienz

laut Akten

Extrakardiale Thoraxschmerzen

anamnestisch

Chronisches

cervicovertebrales und cervicocephales Schmerzsyndrom

thoracocervical

betontes myofasciales Schmerzsyndrom Typ Fibromyalgie

Status nach HWS-Distorsion

bei PW-Unfall am 6. Mai 2009

Wie im rechtskräftigen Urteil des Versicherungsgerichts

VSBES.2013.102 festgehalten, bedeute die grundsätzliche Beweiskraft des

Gutachtens des G.___ jedoch nicht zwingend, dass auch auf die dort ermittelte

Arbeitsunfähigkeit von 40 % abgestellt werden könne (VSBES.2013.102 E. II.

6.

; IV-Nr. 83 S. 21). So wurde ausgeführt, dass die von den

Gutachtern postulierte Reduktion der Arbeitsfähigkeit – sowohl in der

angestammten Tätigkeit als auch in einer geeigneten Verweistätigkeit – ausschliesslich

auf den psychiatrischen Aspekten und die 40%ige Arbeitsunfähigkeit somit auf

der diagnostizierten «leichten depressiven Episode mit somatischem Syndrom»,

entsprechend einer Symptomatik mit Anhedonie, Müdigkeit und leichter

Erschöpfungssymptomatik, die sich namentlich äussere in leicht verminderter Belastbarkeit

und leicht verminderter Stressbelastungsfähigkeit, beruhe (VSBES.2013.102 E. II. 6.3).

Daher wurde in der Erwägung II. 6.3 weiter festgehalten (IV-Nr. 83

S. 22):

«Sowohl mit Blick auf die Diagnose einer

leichten depressiven Episode (mit somatischem Syndrom) als auch mit Blick auf

die im Gutachten genannten Einschränkungen kann die attestierte

Arbeitsunfähigkeit von 40 % im Lichte der vorliegend massgebenden,

versicherungsrechtlichen Massstäbe nicht nachvollzogen werden. Wie dargelegt […],

misst die Rechtsprechung selbst einer mittelschweren depressiven Störung nur

mit Zurückhaltung invalidisierende Wirkung zu und verlangt, dass bestimmte

Voraussetzungen erfüllt sind. Einer leichtgradigen depressiven Episode ist

rechtsprechungsgemäss keine invalidisierende Wirkung zuzuerkennen (Urteil des

Bundesgerichts 8C_870/2011 vom 24. August 2012 E. 3.2). Besondere

Umstände, welche ein Abweichen von dieser Regel rechtfertigen würden, sind

nicht ersichtlich. Vielmehr sprechen sowohl die durch den begutachtenden

Psychiater erhobenen, vergleichsweise geringen Einschränkungen als auch das von

ihm ebenfalls festgestellte Vorliegen einer ganzen Reihe invaliditätsfremder,

psychosozialer Aspekte […] für die Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit. Da es

nicht um die Beseitigung von Unklarheiten oder Widersprüchen innerhalb des

Gutachtens geht – dieses ist für die medizinischen Belange voll beweiskräftig

–, sondern um die den Organen der Rechtsanwendung obliegende […] Beurteilung

des invalidisierenden Charakters der durch die Gutachter festgestellten

Auffälligkeiten, erübrigt sich die Einholung einer ergänzenden Stellungnahme

der Gutachter.

6.4

Zusammenfassend fehlt es, wie

die Beschwerdegegnerin zu Recht festgehalten hat, an einem invalidisierenden

Gesundheitsschaden. Für die Anspruchsbeurteilung ist daher von einer

100.

%-igen Arbeitsfähigkeit auszugehen, was einen Anspruch auf eine

Invalidenrente ausschliesst. Vor diesem Hintergrund kann offen bleiben, ob die

Beschwerdegegnerin zu Recht angenommen hat, die Beschwerdeführerin sei als zu

50.

% erwerbstätig und zu 50 % im Haushalt tätig zu betrachten, oder

ob entsprechend der Argumentation in der Beschwerdeschrift von einer

vollzeitlichen Erwerbstätigkeit auszugehen wäre.»

7.

Im Zeitpunkt der aktuellen

Verfügung vom 27. Juni 2017 (A.S. 1 ff.) präsentierte sich der

medizinische Sachverhalt wie folgt:

7.1

Aufgrund

der ambulanten Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 25. Februar 2016

hielten Dr. med. J.___, Chefarzt, und Dr. med. K.___, Stationsärztin, Rehabilitations-

und Rheumazentrum des L.___, im Bericht vom 29. Februar 2016 folgende

Diagnosen fest (IV-Nr. 89 S. 10 ff.):

Chronisches Schmerzsyndrom

mit psychischen und somatischen Faktoren i.R. Dg. 2 und 3

DD: Fibromyalgie

Chronisches zervikozephales

und zervikothorakales Schmerzsyndrom nach HWS-Distorsionstrauma Mai 2009

MRI-HWS und BWS April 2015:

mediolaterale Diskushernie C5/6 links ohne Neurokompression, beginnende

Chondrose, Schmorl’sche Knötchen

Haltungsinsuffizienz

mit Hohlrundrücken

Schulterschmerzen

beidseits

Rezidivierende Thoraxoppressionen:

Ergometrie und Echokardiografie August 2011 und September 2014 unauffällig

Zentrale Sensitierung

Aktuell: Akzentuierung im

Rahmen der Schmerzkrankheit

Mittlere posttraumatische

Belastungsstörung, ED August 2010

Verkehrsunfall

Mai 2009

Albträume,

Hyperarousals, fragliche Flashbacks

CAPS-Test

40.

- 59 Punkte (August 2010)

Mittelgradige chronische

Depression

Beginnende Heberden-Arthrosen

beidseits, Röntgen Hände beidseits Februar 2016

Eisenmangel-Anämie

Februar 2016 Hb 118

g/l, Fe 118 mcg/l

Rezidivierende

epigastrische Schmerzen

Hb-positive Gastritis

(Gastroskopie Oktober 2013), Eradikation November 2013

Funktioneller

Retentionsmagen

Untere

Gastrointestinalblutung am 15. April 2014

KoIoskopie November 2014: leichte

Hämorrhoiden, sonst unauffälliges Kolon

Die

Beurteilung lautete wie folgt: Die Beschwerdeführerin sei von Dr. med. M.___ zur

Beurteilung bei Beschwerdeexazerbation nach einem Autounfall 2009 zugewiesen

worden. Sie berichte, seit der letzten Konsultation eine Beschwerdeprogression

mit Ausbreitung der Nackenschmerzen in den gesamten Rücken sowie in die Arme beidseits

verspürt zu haben. Zudem seien ihr eine vermehrte Müdigkeit, Konzentrationsstörung

und Erschöpfung aufgefallen. Jegliche medikamentösen und physikalischen

Therapien hätten bisher keine grossen Beschwerdeverbesserungen gebracht.

Klinisch falle eine ausgeprägte Druckdolenz im Bereich der Wirbelsäule, Beckenkämme

beidseits, Glutealmuskulatur und Tractus iliotibialis beidseits sowie im Bereich

der Arme mit Punktum maximum der Epicondylen lateralis und medialis auf.

Hinweise für eine Radikulopathie bestünden nicht. Nebenbefundlich fielen eine ausgeprägte

muskuläre Dekonditionierung und muskuläre Insuffizienz der

Stabilisationsmuskulatur der Wirbelsäule auf. Zusammenfassend könnten keine

neuen Aspekte aus der Untersuchung und der Anamnese gewonnen werden. Die

diffusen Beschwerden im Bereich der Muskelansätze und Knochenvorsprünge sähen

sie im Sinne der Fibromyalgie und ebenfalls im Rahmen des chronischen

cervicocephalen und cervikothorakalen Schmerzsyndroms mit Ausweitung der

Schmerzkrankheit. Begleitend dazu seien typischerweise kognitive

Einschränkungen sowie Müdigkeit und Erschöpfungssymptomatik vorhanden. In

Anbetracht der vielen fehlgeschlagenen ambulanten Therapien werde ein

stationärer Aufenthalt mit psychosomatischer Betreuung als sinnvoll erachtet.

Insbesondere seien eine psychosomatische Verhaltenstherapie sowie funktionelle

Therapien zur Beschwerdelinderung angezeigt. Falls eine Ablehnung durch die

Versicherungen erfolge, werde eine Rehabilitation in der Klinik [...] empfohlen

mit der Durchführung eines interdisziplinären Schmerzprogramms. Insgesamt werde

es als wichtig erachtet, die einzelnen Therapiemodalitäten zu koordinieren um

eine optimale Betreuung und Führung der Beschwerdeführerin zu gewährleisten.

Zusätzlich werde der Ausbau der Vitamin D-Substitution auf 20 Tropfen /

Tag empfohlen.

7.2

Im

Austrittsbericht der Klinik N.___ vom 4. August 2016 (IV-Nr. 89

S. 3 ff.) führten Dr. med. O.___, Oberärztin, die Assistenzärztin P.___ und

die Psychologin Q.___, Psychosomatische Medizin, folgende während der

Hospitalisation vom 3. Juni bis 2. Juli 2016 gestellten Diagnosen

auf:

1.

Chronisches Schmerzsyndrom mit psychischen

und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)

Zervikozephales und

cervikothorakales Schmerzsyndrom nach HWS-Distorsionstrauma Mai 2009

MRI HWS und BWS April 2015:

mediolaterale Diskushernie C5/C6 links ohne Neurokompression, beginnende

Chondrose

2.

Posttraumatische Belastungsstörung nach

Monotrauma durch Verkehrsunfall 2009 (ICD-10 F43.1)

Albträume,

Hyperarousals, fragliche Flashbacks

3.

Mittelgradige depressive Episode

am

ehesten reaktiv

4.

Status nach Hb-positiver Gastritis Oktober

2013.

Gastroskopie Oktober 2013, Status

nach Eradikation November 2013

Rezidivierende

epigastrische Schmerzen

5.

Status nach unterer gastrointestinal

Blutung April 2014

Koloskopie

November 2014: Hämorrhoiden, sonst unauffällig

6.

Status nach diagnostischer Hysteroskopie

bei Hypermenorrhoe und Menorrhagie mit Eisenmangel Mai 2016 (L.___)

fraktionierte

Curettage

7.

Rezidivierende Thoraxoppressionen

Ergometrie und

Echokardiografie August 2011 und September 2014: unauffällig

Die

Beschwerdeführerin sei bei einer chronischen Schmerzstörung mit psychischen und

somatischen Faktoren, begleitet von einer depressiven Episode und

posttraumatischer Belastungssymptomatik (Albträume, fragliche Flashbacks,

Übererregbarkeit mit Nervosität und Gereiztheit) zugewiesen worden. Ziele für

den stationären Aufenthalt seien das Erlernen von Strategien für den Umgang mit

ihren Schmerzen, die Verbesserung der depressiven Symptomatik, die weitere

Exploration und gegebenenfalls Behandlung der posttraumatischen Belastungssymptomatik

und die Unterstützung der Akzeptanz gewesen. Die Behandlung der

Beschwerdeführerin habe sich nach einem individuell angepassten multimodalen

Konzept gestaltet. Darin eingeschlossen gewesen seien psychotherapeutische

Einzelgespräche, internistische und psychiatrische Betreuung, Sozialberatung,

Kunst- und Ergotherapie sowie Bewegungs- und Physiotherapie mit aktivierenden

und entspannenden Angeboten. In den laborchemischen Untersuchungen habe sich

eine leichte Hypercholesterinämie gezeigt. Eine Statintherapie sei bei

niedrigem kardiovaskulärem Risiko gemäss AGLA Score (1.2 %) nicht

eingesetzt worden. Die antidepressive Therapie mit Cipralex (10 mg/d) und

Valdoxan (25 mg/d) sei weitergeführt worden. Bezüglich der

Schmerzsymptomatik hätten sich klinisch keine neuen Aspekte gefunden. Die

Behandlung mit Dafalgan (2 g/d) sei weitergeführt worden. Die

Beschwerdeführerin habe zudem Spiralgin aus der Reserve genutzt. Schwerpunkt

sei auf nichtmedikamentöse Massnahmen in der Therapie der Schmerzen, der

posttraumatischen Belastungsstörung und der depressiven Episode gelegt worden.

Bei rezidivierenden epigastrischen Schmerzen und Status nach H. pylori

Eradikation im November 2013 sei die Therapie mit Esomep weitergeführt worden.

Die Beschwerdeführerin habe an den Therapien regelmässig teilgenommen. Sie habe

von den physiotherapeutischen Massnahmen profitieren können und sich aktiv in

der medizinischen Trainingstherapie beteiligt. In der Ergotherapie habe sie vor

allem vom Kochen und Kreistanz profitieren können. In der Sozialberatung seien versicherungstechnische

Fragen besprochen worden.

Während

des stationären Aufenthalts hätten vier 60-minütige psychotherapeutische

Gespräche stattgefunden. Der Hauptfokus der psychotherapeutischen Behandlung

sei auf einer psychischen Stabilisierung sowie auf dem Finden eines besseren

Umgangs mit der aktuellen Lebenssituation gelegen. Obwohl die

Beschwerdeführerin eine grosse Therapiemüdigkeit geäussert habe, habe sie am

Therapieprogramm teilgenommen. Im Rahmen des psychologischen Therapieangebots

habe sie die psychoedukative Themengruppe besucht. Weiter habe sie die

Progressive Muskelentspannung (PMR) erlernt. Zudem habe sie an verschiedenen

aktivierenden und entspannenden Angeboten der Ergo- und Physiotherapie teilgenommen.

Die Beschwerdeführerin habe geäussert, dass sie insbesondere von den passiven

Therapien, wie dem Entspannungsbad, profitiert habe. Zudem habe sie

Spaziergänge in der Natur als wohltuend empfunden. Bei den psychologischen

Einzelgesprächen sei es ihr rasch gelungen, Vertrauen zu fassen und sich zu öffnen.

Sie habe geschildert, dass sie seit dem unverschuldeten Verkehrsunfall 2009 «nicht

mehr die gleiche Person sei wie vorher». So leide sie einerseits unter stetig

zunehmenden körperlichen Beschwerden (v.a. Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen).

Andererseits habe sie auch eine zunehmend negative Veränderung ihres psychischen

Zustandes bemerkt, wobei die Beschwerdeführerin insbesondere eine depressive

Verstimmung, hohe innere Anspannung sowie Unruhe beschreibe. Um die

Beschwerdeführerin bestmöglich therapeutisch unterstützen zu können, sollte

zunächst geklärt werden, ob die Symptomatik die Diagnosekriterien einer

Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erfülle. Da die Beschwerdeführerin

angegeben habe, dass sie seit dem Unfall Symptome des Wiedererlebens,

aufdrängende / belastende Erinnerungen sowie Vermeidungssymptome

erlebe, sei die Diagnose einer PTBS gestellt worden. Zur psychischen

Stabilisierung sei eine niederschwellige Traumatherapie begonnen worden. Die

Beschwerdeführerin sei zunächst sehr motiviert gewesen und habe sich gut auf

die Übung zum «inneren sicheren Ort» einlassen können. Die Fortführung der

Therapie sei dann ab der zweiten Sitzung nicht mehr möglich gewesen, da die Beschwerdeführerin

die Übung aufgrund grosser Angst habe abbrechen müssen. In der Folge habe sie

geäussert, dass sie aufgrund der fehlenden Verbesserung ihres Befindens keine Verlängerung

des Aufenthaltes wünsche. Sie sei etwas stabilisiert und erholt entlassen worden

und es werde dringend die weitere ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische

Behandlung sowie die Fortführung der Physiotherapie empfohlen.

Für die

Zeit des Klinikaufenthaltes sowie für weitere zwei Wochen bestehe eine 100%ige

Arbeitsunfähigkeit. Danach werde die Beurteilung durch den behandelnden Arzt

vorgenommen.

7.3

In

der «Epikrise der Behandlung vom 20. Dezember 2010 bis 11. August

2016» (IV-Nr. 89 S. 1 f.) hielten Dr. med. R.___, Oberarzt, und Dr.

med. S.___, Ärztin, T.___, folgende Schlussdiagnosen fest:

Chronisches Schmerzsyndrom

mit psychischen und somatischen Faktoren

Cervico-cephales und

cervico-thorakales Schmerzsyndrom nach HWS Distorsionstrauma Mai 2009

MRI HWS und BWS April 2015:

Mediolaterale Diskushernie C5/C6 (ICD-10 F45.41)

Posttraumatische

Belastungsstörung nach Monotrauma durch Verkehrsunfall 2009

Albträume, Hyperarousals,

fragliche Flashbacks (ICD-10 F43.1)

Mittelgradige depressive

Episode, am ehesten reaktiv

Status nach Heliobacter

Pylori positiver Gastritis Oktober 2013

Gastroskopie Oktober 2013, Status

nach Eradikation November 2013

Rezidivierende

epigastrische Schmerzen

Status nach unterer

gastrointestinaler Blutung April 2014

Coloskopie November 2014:

Hämorrhoiden, sonst unauffällig

Status nach diagnostischer

Hysteroskopie bei Hypermenorrhoe und Menorrhagie mit Eisenmangel Mai 2016 (L.___)

Fraktioniere Curretage

Rezidivierende

Thoraxoppressionen

Ergometrie und

Echokardiographie August 2011 und September 2014: unauffällig

Die

Beschwerdeführerin sei von der Unfallversicherung B.___ erneut ins T.___

zugewiesen worden, nachdem sie bereits vom 16. Oktober 2009 bis

25.

März 2010 eine ambulante psychiatrische Behandlung absolviert gehabt habe.

Die Beschwerdeführerin sei ihnen im Oktober 2009 zur psychotherapeutischen

Behandlung und Beurteilung wegen Angst und depressiver Entwicklung sowie eines

cervico-cephalen, -brachialen sowie -thorakalen Syndroms bei HWS-Distorsion im

Mai 2009 nach einem Autounfall zugewiesen worden. Am Anfang der Behandlung habe

die Beschwerdeführerin durch langsame Steigerung der Surmontil-Dosis eine

Verbesserung ihres Schlafes erreicht. Zu einer weiteren Dosissteigerung, die

für einen spürbaren Effekt auf die affektive Komponente der

Schmerzverarbeitungsstörung notwendig gewesen wäre, habe sie sich nicht

motivieren lassen. Damals sei die Vermittlung des Krankheitsmodells und ein

konstruktiver Austausch über Erwartungen und mögliche therapeutische Ansätze

nicht möglich gewesen. Ihr sei auch mitgeteilt worden, dass aus psychiatrischer

Sicht keine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und dass es wegen

der längeren Absenz vom Arbeitsplatz als sinnvoll erachtet werde, zunächst mit

einem Teil des bisherigen Arbeitspensums zu beginnen und dieses dann schrittweise

zu steigern. Da sich die Beschwerdeführerin dem gegenüber ambivalent gezeigt

habe, sei die Therapie im T.___ im März 2010 in gegenseitigem Einvernehmen

abgebrochen worden.

Zu Beginn

der erneuten ambulanten psychiatrischen Behandlung seien zunächst Anpassungen

in der antidepressiven Medikation versucht worden (Cymbalta, Remeron, Cipralex

10.

bzw. 20 mg). Zusätzlich seien andere Therapieverfahren wie Akupunktur,

Atlastherapie, körperorientierte Psychotherapie von der Beschwerdeführerin entweder

selber initiiert durchgeführt oder angeschaut worden. Eine wesentliche

Beeinflussung der Symptomatik habe allerdings nicht erreicht werden können.

Zusätzlich hätten in dieser Zeit ein MEDAS-Gutachten und ein Negativentscheid

im Rahmen einer IV-Abklärung stattgefunden. Im Rahmen dieses Negativentscheids habe

sich die Beschwerdeführerin durch einen Anwalt vertreten lassen und ebenfalls vom

Verwaltungsgericht ein abschlägiges Urteil erhalten. Danach habe sie zu einem

Rechtsberater eines Landsmannes in Zürich gewechselt. Dort sei sie noch heute

seit 2014. Eine erneute IV-Anmeldung habe aus mangelnden Argumenten allerdings

bis heute nicht wieder durchgeführt werden können. Zwischenzeitlich habe im

Juni 2016 ein Aufenthalt in der Klinik N.___ stattgefunden. Dort seien die Diagnosen

bestätigt und erneut die Verdachtsdiagnose einer PTBS geäussert und der

psychotherapeutische Schwerpunkt darauf verlegt worden.

Die Beschwerdeführerin habe sich jedoch erneut nicht darauf einlassen können

und die Behandlung vorzeitig abgebrochen. Wegen eines erneuten

Therapeutenwechsels im T.___ habe sie den Wunsch nach einer ambulanten

weiterführenden psychiatrischen Betreuung geäussert, weswegen die Behandlung im

T.___ in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden sei. Eine entsprechende

Liste mit ambulanten geeigneten Therapeuten sei der Beschwerdeführerin abgegeben

worden.

7.4

Dr.

med. M.___, FMH Innere Medizin, führte in seinem «Arztbericht anlässlich der

Neuanmeldung bei der Beschwerdegegnerin» vom 27. November 2016 (Eingang:

8.

Dezember 2016, IV-Nr. 93 S. 1 f.) folgende Diagnosen auf:

chronische

somatoforme Störung

Fibromyalgie

Chronisches cervikocephales

und cervikothorakales Schmerzsyndrom

Status nach HWS-Distorsion

6.

Mai 2009

Haltungsinsuffizienz mit

Hohlrundrücken

MRI HWS April 2015: links

mediolaterale Diskushernie C5/6 ohne Neurokompression

MRI BWS April 2015:

beginnende Chondrose, Schmorl‘sche Knötchen

zentrale Sensitierung

Schulterschmerzen beidseits

Impingement beidseits mit

pos. Hawkins und schmerzhaftem Bogen

Akzentuiert im Rahmen der

Schmerzkrankheit

Handschmerzen beidseits

beginnende Heberden-Arthrosen

Rezidivierende

Thoraxoppression

rezidivierende

epigastrische Schmerzen

Hb-positive Gastritis

(Gastroskopie Oktober 2013)

Eradifikation November 2013

funktioneller Retentionsmagen

chronische

Depression

Von der

Beschwerdegegnerin werde ein Beweis verlangt, dass sich der Gesundheitszustand

seit dem 13. März 2013 wesentlich und glaubhaft verändert, sprich

verschlechtert habe. Es bestehe das Problem, dass bei chronischer

Schmerzkrankheit, bei welcher die organischen Befunde das Ausmass der

Beschwerden nicht ausreichend erklärten, eine Quantifizierung des Leidens

schwierig sei. Seine Beobachtung sei, dass die Beschwerdeführerin unverändert

kaum beeinflussbare, glaubhafte Schmerzen habe, welche ihr das Leben relevant

verderben würden. Sie habe Schwierigkeiten ihren Alltag zu meistern. Eine berufliche

Vollbeschäftigung sei weiterhin undenkbar. Das Ausmass der Resignation, auf

Grund der persistierenden Krankheit ohne relevante Erleichterung durch alle

bisherigen Massnahmen, sei gegenüber 2013 eindeutig progredient. In Anbetracht

des Bundesgerichtsentscheids vom Juni 2017 (BGE 141 V 281) wäre eine Neubeurteilung

der Beschwerdeführerin medizinisch indiziert und menschlich fair.

7.5

Dr.

med. U.___, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Mitglied FMH, und M.

Sc. V.___, Psychologin, Mitglied FSP, I.___, hielten im Bericht vom

5.

Dezember 2016 (IV-Nr. 91) folgende psychiatrische Diagnosen fest:

Anhaltende depressive

Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)

Chronisches Schmerzsyndrom

mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)

Verdacht auf

Posttraumatische Belastungsstörung nach Monotrauma durch Verkehrsunfall 2009

(ICD-10 F43.1)

Die

Beschwerdeführerin befinde sich seit 18. August 2016 aufgrund einer

anhaltenden depressiven Symptomatik in ambulanter psychiatrischer und delegiert

psychotherapeutischer Behandlung. Zusätzlich zu den chronischen Schmerzen seit

einem Verkehrsunfall 2009 habe sich inzwischen eine depressive Symptomatik mit

eigener Krankheitsrelevanz und mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit

entwickelt. Da sich die Beschwerdeführerin erst seit Kurzem in Behandlung

befinde, könne ihre aktuelle psychische Problematik nicht in Relation zu ihrem

psychischen Befinden im Jahre 2013 gesetzt werden, als das Leistungsbegehren

von Seiten der Beschwerdegegnerin bereits einmal geprüft und abgelehnt worden

sei.

Die

aktuelle depressive Symptomatik der Beschwerdeführerin zeige sich in einer

Beeinträchtigung von mentalen Funktionen, die sich in einer Störung bzw.

Verminderung der Motivation, Aufmerksamkeit und Konzentration über eine gewisse

Zeitspanne zeige. Sie schaffe es nur schwer, sich für alltägliche Aufgaben im

Haushalt oder dem Pflegen sozialer Kontakte zu motivieren, längere Aufgaben im

Haushalt (z.B. Kochen) zu bewältigen und dabei ihre Konzentration aufrecht zu

erhalten. Weiter zeige sich eine Beeinträchtigung in spezifischen mentalen

Funktionen, wie einer störbaren Gedächtnisspeicherung, die das Erinnern von

Informationen aus dem Langzeitgedächtnis und die Überleitung ins Bewusstsein

betreffe. Die Beschwerdeführerin vergesse immer wieder, was sie sich gerade

vorgenommen habe und habe erledigen wollen. Auch könne sie sich immer

schlechter an Namen und Fachbegriffe sowie einfache Wörter erinnern. Aufgaben

im Haushalt bewältige sie nur verlangsamt und mit längeren Pausen dazwischen.

Die Beschwerdeführerin leide zudem an einer Verminderung spezifischer mentaler

Funktionen, die im Zusammenhang mit Gefühlen und den affektiven Komponenten von

Bewusstseinsprozessen stünden und die Erleben und Ausdruck von Affekten

kontrollierten. Sie werde immer wieder von Gefühlen wie Traurigkeit, Wut und

Frust überschwemmt, könne diese kaum regulieren, was in Wutausbrüchen, gegen

aussen gerichteten verbalen Aggressionen oder Weinanfällen resultiere. Aufgrund

von Grübeln über die psychophysische Belastungssituation leide sie zudem an

Ein- und Durchschlafstörungen und starker Müdigkeit tagsüber. Sie leide an

Selbstzweifeln und ziehe sich sozial immer stärker zurück. Die

Beschwerdeführerin arbeite seit Jahren nicht mehr in der freien Wirtschaft.

Deshalb sei es entsprechend schwierig über ihre diesbezügliche Arbeitsfähigkeit

Aussagen zu machen. Aufgrund der oben erwähnten symptombedingten

Einschränkungen werde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aktuell auf

circa 50 % eingeschätzt. Es werde eine Prüfung der Arbeitsfähigkeit der

Beschwerdeführerin in einem Arbeitstraining und eine neutrale Begutachtung

befürwortet.

7.6

Die

dipl. Physiotherapeutin FH W.___ hielt im Physiotherapiebericht vom

16.

Dezember 2016 (Eingang: 21. Dezember 2016, IV-Nr. 97) folgende

Diagnosen fest:

chronisches Schmerzsyndrom

mit psychischen und somatischen Faktoren ICD-10

Verdacht auf

posttraumatische Belastungsstörung nach Monotrauma durch Verkehrsunfall 2009

mittelgradige depressive

Episode am ehesten reaktiv

Sie

betreue die Beschwerdeführerin seit März 2016 einmal wöchentlich. Diese sei in

der Therapie motiviert und zeige seit einem halben Jahr eine gute Bereitschaft

zur aktiven Therapie und Umsetzung der Übungsaufträge für zu Hause. Seit 2013

sei die Beschwerdeführerin auch immer wieder in der Massage gewesen. Diese

hätten teilweise einen kurzfristigen positiven Einfluss auf ihre Beschwerden

gehabt. Obwohl sich im Verlauf objektiv keine Verschlechterung zeige, sei die

Belastbarkeit stark vermindert. Die Gehausdauer sei aktuell schwankend, so dass

sie an gewissen Tagen eine Stunde spazieren könne, während sie an anderen kaum

aus dem Haus komme. Auch das Verrichten der Hausarbeiten sei nur mit viel

Pausen und Aufteilen auf mehrere Tage möglich. Aktive Übungen in der Therapie

breche sie nach circa 2 - 3 min ab und benötige eine Pause von

circa 1 - 2 min. In diesem Intervall könne man aber gut

30.

min trainieren. Limitierend dabei seien die Beschwerden im

Nackenbereich und der Arme, sowie eine verminderte Konzentration. Dies äussere

sich objektiv in einer unruhigen / nervösen Haltung und einer Zunahme

der Nackenbeschwerden. Auf Funktionsebene zeige sich bei Überkopfaktivitäten

der Arme und beim Treppensteigen eine verminderte Aktivität der

stabilisierenden Muskulatur der Halswirbelsäule, so dass die Haltungskontrolle

reduziert sei. Zudem äussere sie vermehrt Schwierigkeiten mit dem

Kurzzeitgedächtnis und der Aufmerksamkeit bei Alltagsaktivitäten zu Hause. Ein

weiteres Problem sei für sie die fehlende Lust Dinge zu tun, die ihr früher

Freude bereitet hätten. Aufgrund der chronischen Schmerzsymptomatik sei ein

Objektivieren der Symptome sehr schwierig. Trotz erheblichen Therapiemassnahmen

in den letzten Jahren (Rehabilitationsaufenthalt etc.) habe sich die Situation

für sie nicht verbessert, so dass für die Beschwerdeführerin die aktuelle

Situation mit dieser Perspektive schwer tragbar sei. Die Therapieziele /

Prognose seien: Gehausdauer steigern mit dem Ziel bis Ende Jahr täglich

konstant 1 Stunde draussen zu gehen / Belastbarkeitssteigerung in den

Alltagsaktivitäten (weniger Pause) / Erarbeiten von einem aktiven Heimprogramm

zur Verbesserung der kardiopulmonalen und muskulären Ausdauer und

Haltungskontrolle.

7.7

Dr.

med. D.___, Fachärztin Neurologie FMH, RAD, führte in ihrer Stellungnahme zum

medizinischen Sachverhalt vom 31. Januar 2017 (IV-Nr. 101) aus, die

im neuen Leistungsgesuch dargelegten Diagnosen seien allesamt seit längerer

Zeit bekannt und Gegenstand früherer Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin

gewesen. Gutachterlich seien sie 2012 wie folgt beschrieben worden:

Leichte depressive Episode

mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.0)

Anhaltende somatoforme

Schmerzstörung mit Selbstlimitierung und Regressionstendenz (ICD-10 F45.4)

Chronisches

cervicovertebrales und cervicocephales Schmerzsyndrom

Thoracocervical betontes

myofasziales Schmerzsyndrom Typ Fibromyalgie

Status nach HWS-Distorsion

bei PW-Unfall am 6. Mai 2009

Das

Gutachten sei vom Versicherungsgericht als voll beweistauglich beurteilt

worden. Die ausgewiesenen Leiden seien zwar therapeutisch wesentlich, jedoch

ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. Urteil vom 30. Oktober 2014

[recte: 29. Oktober 2014]). Vordiagnostiziert gewesen seien damals unter

anderem eine mittelgradige Depression und eine posttraumatische

Belastungsstörung nach PW-UnfaII Mai 2006 [recte: Mai 2009], beides Diagnosen,

die gutachterlich nicht hätten bestätigt werden können. In den neuen

Behandlungsberichten werde die (chronische) Depression als mittelgradig

beschrieben. Aufgrund der Befunde im Eintrittsstatus der Klinik N.___, wo die

Beschwerdeführerin vom 3. Juni bis 2. Juli 2016 hospitalisiert

gewesen sei, könne der Schweregrad «mittelgradig» nicht nachvollzogen werden,

entsprächen die Befunde doch weitgehend denen im Gutachten der MEDAS. Eine

relevante Verschlechterung der Depression sei nicht nachvollziehbar belegt.

Auf

Zuweisung des Hausarztes sei die Beschwerdeführerin am 25. Februar 2016 im

L.___ rheumatologisch beurteilt worden. Sie habe über eine

Beschwerdeprogredienz berichtet. Klinisch sei eine ausgeprägte Druckdolenz im

Bereich der Wirbelsäule, Beckenkämme beidseits, Glutealmuskulatur und Tractus iliotibialis

beidseits sowie im Bereich der Arme aufgefallen. Hinweise auf eine

Radikulopathie hätten sich keine gefunden. Nebenbefundlich werde eine ausgeprägte

muskuläre Dekonditionierung vor allem der Rumpfmuskulatur beschreiben. Die

diffusen Beschwerden im Bereich der Muskelansätze würden im Rahmen der

Fibromyalgie und im Rahmen des chronischen cervikocephalen und

cervikothorakalen Syndroms beurteilt. Kognitive Einschränkungen sowie Müdigkeit

und Erschöpfungssymptomatik seien typische Begleitsymptome der chronischen

Schmerzstörung. Insgesamt hätten sich aber keine neuen Aspekte zu den

Voruntersuchungen ergeben. Der Hausarzt beschreibe einen erheblichen

subjektiven Leidensdruck wegen der chronischen Schmerzerkrankung und eine

eindeutige Progredienz der Resignation.

Gegenüber

dem Zeitpunkt der letztmaligen Sachverhaltsabklärung würden keine neuen

Diagnosen geltend gemacht. Eine erhebliche Verschlechterung der vorbestehenden

Leiden sei nicht ausgewiesen. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit

und in Verweistätigkeiten sei gleich zu beurteilen wie im Gerichtsurteil vom

30.

Oktober 2014 [recte: 29. Oktober 2014]. Da kein invalidisierender

Gesundheitsschaden ausgewiesen sei, sei von einer 100 %igen

Arbeitsfähigkeit auszugehen. Im haushaltlichen Bereich bestehe keine

Einschränkung.

7.8

In

der Stellungnahme zum medizinischen Sachverhalt vom 4. Mai 2017 hielt Dr.

med. D.___, RAD (IV-Nr. 107), zum Einwand der Beschwerdeführerin auf den

ablehnenden Vorbescheid vom 23. März 2017 (IV-Nr. 103) fest, die im

Einwand eingereichten medizinischen Unterlagen seien dem RAD bei der

Stellungnahme vom 31. Januar 2017 vorgelegen (vgl. E. II. 7.7 hiervor) und

da gewürdigt worden. Zur Einwandergänzung vom 21. April 2017 (IV-Nr. 105)

wurde folgendes festgehalten: Eine posttraumatische Belastungsstörung könne

diagnostiziert werden, wenn die Betroffenen einem kurz oder lang haltenden

Ereignis oder Geschehen von aussergewöhnlicher Bedrohung oder mit katastrophalem

Ausmass ausgesetzt gewesen seien, das nahezu bei jedem eine tiefgreifende

Verzweiflung auslösen würde. Das erlittene Trauma der Beschwerdeführerin im

Jahr 2009 erfülle dieses Eingangskriterium nicht: Die Beschwerdeführerin sei

als Fahrzeuglenkerin an einer Ampel gesessen, als ihr von hinten ein Auto

aufgefahren sei. Die Kollision sei mit geringer Geschwindigkeit erfolgt, laut

Unfallanalyse habe sich ein geringer Schaden an der Stossstange gefunden und

die Beschwerdeführerin habe die Fahrt fortsetzen können. Ein solcher

Auffahrunfall sei weder aussergewöhnlich bedrohlich, noch habe er ein katastrophales

Ausmass oder würde bei nahezu jedem eine tiefgreifende Verzweiflung auslösen.

Gutachterlich

sei die beklagte generalisierte, chronische Schmerzproblematik mit multiplen Druckdolenzen

der Weichteile bei ansonsten weitgehend unauffälligen somatischen Befunden

aufgrund der psychiatrischen Befunde als anhaltende somatoforme Schmerzstörung

beurteilt worden. Das Beschwerdebild sei, bei weitgehend gleicher Symptomatik,

im Bericht der Klinik N.___ vom 4. August 2016 als chronisches

Schmerzsyndrom mit psychischen und somatischen Faktoren benannt worden. Die

anhaltende somatoforme Schmerzstörung und die chronische Schmerzstörung mit

somatischen und psychischen Symptomen seien Unterformen der anhaltenden

Schmerzstörung (ICD-10 F45.4 Anhaltende Schmerzstörung, ICD-10 F45.40

Anhaltende somatoforme Schmerzstörung,

ICD-10 F45.41 Chronische

Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren). Die mit BGE 141 V 281

geänderte Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen stelle für sich allein

weder einen Neuanmeldungs- oder Revisionsgrund noch einen Wiedererwägungsgrund

dar. Wie bereits in der RAD Stellungnahme vom 31. Januar 2017 ausgeführt,

könne der Schweregrad «mittelgradig» der geltend gemachten chronischen

Depression aufgrund der beschriebenen Befunde nicht nachvollzogen werden. An

der versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 31. Januar 2017 könne festgehalten

werden.

7.9

Dr.

med. U.___ und M. Sc. V.___, I.___, äusserten sich im Bericht vom

17.

August 2017 (Beschwerdebeilage Nr. 4) zur Stellungnahme von Dr.

med. D.___, RAD, vom 4. Mai 2017 (vgl. E. II. 7.8 hiervor). Der Einwand,

dass die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung nicht das

Eingangskriterium erfülle, dass die Beschwerdeführerin (kurz oder lang

anhaltend) einem belastenden Ereignis von aussergewöhnlicher Bedrohung oder mit

katastrophalem Ausmass ausgesetzt gewesen sei, das bei fast jedem eine tiefe

Verzweiflung hervorrufen würde und dies bei der Beschwerdeführerin 2009 nicht

der Fall gewesen sei, bleibe aus ihrer Sicht offen. Aus diesem Grund sei von

ihnen auch «lediglich» eine Verdachtsdiagnose gestellt worden. Subjektiv

schätze die Beschwerdeführerin das Erlebnis des Auffahrunfalls als in diesem

Sinne für sie selbst als aussergewöhnlich bedrohlich ein. Aber

selbstverständlich würden solche Auffahrunfälle von den Betroffenen

unterschiedlich erlebt. Insofern bleibe diese Diagnose mit Unsicherheit

behaftet.

Bezüglich

der weiter beschriebenen Symptome, welche auf eine anhaltende depressive

Symptomatik, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), schliessen

liessen, werde auf die bereits geschilderten Symptome, Ausführungen und Schilderungen

der Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin im Bericht vom 5. Dezember

2016.

verwiesen. Nach den Schilderungen der Beschwerdeführerin erfülle sie

folgende Diagnosekriterien, welche für eine anhaltende depressive Störung,

gegenwärtig mittelgradige Episode sprächen: über einen Zeitraum von mehreren

Jahren depressive Stimmung die meiste Zeit des Tages und fast jeden Tag und im

Wesentlichen unbeeinflusst von Umständen, Interessen- und Freudeverlust an

Aktivitäten, die früher angenehm gewesen seien (Pflege sozialer Kontakte,

Aktivitäten im Haushalt), verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit.

Zudem seien nach den Schilderungen der Beschwerdeführerin folgende Kriterien

erfüllt: unbegründet ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle, wiederkehrende

Gedanken an den Tod, in dem Sinne, dass ihr Leben keinen Sinn mehr mache oder

ihr Dasein für andere nichts bringe, ohne klare suizidale Gedanken oder

Absichten, Klagen über vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen,

psychomotorische Hemmung (subjektiv), Schlafstörungen in Form von Einschlaf-

und Durchschlafstörungen. Nach den Schilderungen der Beschwerdeführerin könne

sie den häuslichen Anforderungen nur noch zeitweilig gerecht werden.

Grundsätzlich

sei es richtig, dass mittelgradige Störungen aus dem depressiven Formenkreis

therapierbar sein könnten. Nur habe man bei der Beschwerdeführerin über die

vergangenen Jahre viele Behandlungsansätze (medikamentös und

psychotherapeutisch) ausprobiert, die leider alle nicht den gewünschten

gesundheitlichen Erfolg gebracht hätten, den es brauche, um ihre

Arbeitsfähigkeit wieder vollständig herzustellen.

8.

Aufgrund der sich

präsentierenden medizinischen Akten kann festgehalten werden, dass bei der

Beschwerdeführerin bereits im Zeitpunkt der leistungsablehnenden Verfügung vom

13.

März 2013 sowie auch im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom

27.

Juni 2017 sowohl somatische als auch psychiatrische Befunde

diagnostiziert worden sind und ihr Gesundheitszustand daher sowohl aus

psychischer als auch aus somatischer Sicht beeinträchtigt ist.

9.

Wie bereits unter II. E. 5

hiervor dargelegt, ist nachfolgend zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der

Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 27. Juni

2017.

im Vergleich zu demjenigen im Zeitpunkt der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung

vom 13. März 2013 in anspruchsrelevanter Weise verändert hat. Dazu sind

die Befunde und Diagnosestellungen im Gutachten des G.___ vom 4. Dezember

2012.

heranzuziehen und mit denjenigen der im Zeitpunkt der Verfügung vom

27.

Juni 2017 relevanten medizinischen Akten zu vergleichen. Dabei ist

zunächst auf die psychische (vgl. E. II. 9.1 hiernach) und anschliessend auf

die somatische gesundheitliche Situation (vgl. E. II. 9.2 hiernach) einzugehen:

9.1

In Bezug auf die psychische

Gesundheitssituation ergibt sich folgendes:

9.1.1

Die im Rahmen des Gutachtens des G.___

vom 2. Dezember 2012 (vgl. E. II. 6 hiervor) diagnostizierte depressive Episode

wird auch in den nach der Verfügung vom 13. März 2013 verfassten

medizinischen Akten bestätigt. Allerdings wurde die im Rahmen des Gutachtens

des G.___ vom Dezember 2012 ausgewiesene «leichte depressive Episode mit

somatischem Syndrom» in den zeitlich später verfassten medizinischen Akten als

«mittelgradige» depressive Episode qualifiziert. Obschon diese Diagnosestellungen

auf den ersten Blick auf eine Verschlechterung des depressiven Beschwerdebildes

schliessen lassen, kann davon bei näherer Betrachtung des Beschwerde- und

Befundbildes der diagnostizierten Depression nicht ausgegangen werden. So

präsentierte sich der unter dem Titel «Befund» festgestellte Psychostatus der

Beschwerdeführerin im Rahmen des Psychiatrischen Teilgutachtens des G.___ vom

2.

Dezember 2012 (vgl. E. II. 6 hiervor; IV-Nr. 59 S. 37 f.)

wie folgt: Die Beschwerdeführerin sei altersentsprechend, sehr gepflegt und

modisch gekleidet. Sie nehme guten Blickkontakt auf und spreche laut und

deutlich. Sie zeige allerdings während des gesamten Gesprächs wenig affektive

Schwingungsfähigkeit. Die Affekte hellten kaum auf. Sie wirke deutlich müde,

reduziert, aber auch leidend und etwas klagsam, jammerig. Zwischendurch stöhne

sie auch. Sie kollaboriere aber gut, beantworte die Fragen prompt und verstehe

diese auch. Sie sei bei klarem Bewusstsein, allseits orientiert. In der Psychosomatik

wirke sie deutlich reduziert, schwunglos, jedoch nicht unruhig. Das

Ausdrucksverhalten sei nüchtern, mimisch wenig moduliert, kaum mitschwingend,

inadäquat, spärlich, müde. Im Willen wirke sie negativistisch, unentschlossen

und kaum mitschwingend und wenig zielstrebig. Das Kontaktverhalten sei

zugewandt, sie nehme guten Blickkontakt auf, sei nicht misstrauisch, nicht

verschlossen. Im formalen Denken erweise sie sich als nicht wesentlich

verlangsamt, gesichert nicht in einer Art verlangsamt, wie man es von einer

mittelgradig bis schweren Depressivität erwarten würde. Sie berichte exakt,

etwas weitschweifend. Bezüglich des inhaltlichen Denkens bejahe sie lediglich

Zukunftsängste. Sie bejahe häufiges Grübeln und lebensphilosophische Grübeleien

um ihre veränderte Lebenssituation. Keine Wahrnehmungsstörung, keine

Sinnestäuschungen, keine Ich-Störung, keine Hinweise auf

Persönlichkeitsstörung. Stimmung und Affekt seien affektarm, nicht affektlabil.

Sie sei klinisch nicht wesentlich ängstlich. Daher führte der psychiatrische

Gutachter des G.___ in nachvollziehbarer Weise aus, die Depressivität sei

leicht, gesichert nicht mittelgradig bis schwer ausgeprägt. Dazu seien ihre

Eloquenz und ihr Kommunikationsstil zu rege, dazu sei sie zu vigil. Im

Zeitpunkt der aktuellen Verfügung vom 27. Juni 2017 sind zum Vergleich des

Psychostatus der Beschwerdeführerin die anlässlich des Eintritts zum

stationären Aufenthalt in der Klinik N.___ vom 3. Juni bis 2. Juli

2016.

festgestellten Befunde heranzuziehen (vgl. E. II. 7.2 hiervor; IV-Nr. 89

S. 7): Es wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin befinde sich in einem

gepflegten Allgemeinzustand, sei freundlich zugewandt im Kontakt. Sie sei wach,

bewusstseinsklar, die Orientierung und das Gedächtnis im Gespräch seien

unauffällig. Die Aufmerksamkeit, die Konzentration und Auffassung seien

erhalten. Formal auf die Schmerzen und die psychische Anspannung eingeengt.

Inhaltlich adäquat, kein Anhaltspunkt für Wahn- oder Sinnestäuschungen.

Zukunftsängste, kein Hinweis auf Zwänge. Affektiv im Gespräch stabil,

vermindert schwingungsfähig, Hoffnungslosigkeit, Antriebslosigkeit, und

häufiges Weinen in der Anamnese. Keine Suizidalität, aber Hinterfragen der

Sinnhaftigkeit des Lebens. Verminderter Antrieb, Lustlosigkeit, teilweise

sozialer Rückzug. Der Schlaf sei häufig unterbrochen und werde als nicht

erholsam erlebt. Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie häufig träume, sich

jedoch selten an die Träume erinnere. Albträume seien in letzter Zeit eher

selten. Kein Substanzabusus.

Aufgrund dieser Ausführungen kann

zwischen dem erhobenen Psychostatus im Gutachten des G.___ und demjenigen in

der Klinik N.___ beim Eintritt vom 3. Juni 2016 kein relevanter

Unterschied festgestellt werden. Die erhobenen Befunde präsentieren sich somit als

weitgehend identisch: So wurde der als bewusstseinsklar und im Gespräch

zugewandt beschriebenen Beschwerdeführerin ein gepflegtes Äusseres attestiert.

Zudem konnten weder Wahn- noch Sinnestäuschungen festgestellt werden und es

wurden Zukunftsängste bejaht. Im Weiteren wurden eine verminderte

Schwingungsfähigkeit, sowie ein reduzierter Allgemeinzustand mit Müdigkeit,

Hoffnungslosigkeit und Antriebslosigkeit festgehalten. Gestützt auf diesen im

Wesentlichen gleichlautenden Status der Beschwerdeführerin seit dem Gutachten

des G.___ vom 4. Dezember 2012 kann die im Austrittsbericht der Klinik N.___

ausgewiesene «mittelgradige» depressive Episode nicht nachvollzogen werden. Es

ist vielmehr bloss von einer anderen Beurteilung des gleichen Sachverhalts

auszugehen, die im revisionsrechtlichen Kontext und somit auch in vorliegendem

Fall unbeachtlich ist (BGE 141 V 9 E. 2.3 S. 11). Dies stellte bereits

die RAD-Ärztin Dr. med. D.___ in ihrer Stellungnahme vom 31. Januar 2017

fest (vgl. E. II. 7.7 hiervor), indem sie darlegte, eine relevante

Verschlechterung der Depression sei nicht nachvollziehbar belegt.

Daran vermögen auch die übrigen der sich

vorliegend präsentierenden medizinischen Akten nichts zu ändern: So haben sich

die Ärzte in den übrigen Berichten mit der ebenfalls ausgewiesenen

«mittelgradigen depressiven Episode» (vgl. E. II. 7.1 ff. hiervor) nicht substanziiert

auseinandergesetzt, weshalb diese Diagnosestellung und damit insbesondere auch der

entsprechende Schweregrad nicht überzeugen. In dem nach Erlass der

angefochtenen Verfügung vom 27. Juni 2017 verfassten Bericht vom

17.

August 2017 (vgl. E. II. 7.9 hiervor) wurde die anhaltende depressive

Symptomatik, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), unter Verweis auf

den bereits verfassten Bericht vom 5. Dezember 2016 (vgl. E. II. 7.5

hiervor) bestätigt. Es finden sich indes im Bericht vom 17. August 2017 auch

keine weiterführenden Befunde, die Anlass zu einer Änderung des Schweregrades der

depressiven Episode geben würden. Deshalb kann der Schweregrad einer

mittelgradigen depressiven Episode auch hier nicht nachvollzogen werden.

Eine Veränderung der depressiven Störung

liegt damit nicht vor. Es ist folglich von einer geringgradig anderen diagnostischen

Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen psychischen

Gesundheitszustandes auszugehen, was nach revisionsrechtlichen Gesichtspunkten

unbeachtlich (BGE 112 V 371 E. 2b S. 372 mit Hinweisen; SVR 1996 IV

Nr. 70 S. 104 E. 3a) und somit auch im vorliegenden Fall nicht

relevant ist.

9.1.2

In Bezug auf die ebenfalls ausgewiesene

Diagnose einer «mittleren posttraumatischen Belastungsstörung» (vgl. E. II. 7.1

ff. hiervor) kann festgehalten werden, dass diese bereits im August 2010 im

Rahmen des Austrittsberichts des X.___ vom 19. Oktober 2010 (IV-Nr. 29

S. 22 ff.) festgestellt wurde und sich die Gutachter des G.___ daher

bereits im Rahmen ihres Gutachtens vom 4. Dezember 2012 mit dieser

Diagnose auseinanderzusetzen hatten. So führte der psychiatrische Gutachter diesbezüglich

in schlüssiger Weise aus, die Diagnose einer mittleren posttraumatischen

Belastungsstörung gemäss ICD-10 könne nicht nachvollzogen werden. Er hielt dafür,

dass der im Mai 2009 erlittene Autounfall, der Unfallmechanismus und die

Ereignisse während dem Unfall «überhaupt nicht geeignet gewesen seien, eine

posttraumatische Belastungsstörung auszulösen» (IV-Nr. 59 S. 39). Diese

Einschätzung wurde durch das Versicherungsgericht im Urteil VSBES.2013.102 vom

29.

Oktober 2014 (E. II. 5.2.2) bestätigt. So habe der psychiatrische Gutachter

dargelegt, «das Unfallereignis [sei] nicht dermassen gravierend gewesen, dass

bei einer Mehrheit der Bevölkerung von einer Schreckreaktion gesprochen werden

könne. Diese Darlegung überzeugt, da die Beschwerdeführerin bei der

internistischen Abklärung des G.___ angegeben habe, obschon das Auto einen

Totalschaden gehabt habe, habe die Polizei gesagt, ihr Auto sei fahrfähig.». In

diesem Sinne führte die RAD-Ärztin Dr. med. D.___ in ihrer Stellungnahme vom 4. Mai

2017.

(vgl. E. II. 7.8 hiervor) aus, das erlittene Trauma der

Beschwerdeführerin im Jahr 2009 erfülle das Eingangskriterium einer

posttraumatischen Belastungsstörung nicht. Diese Beurteilung leuchtet ein, da sie

weiter darlegte, dass die Kollision mit geringer Geschwindigkeit erfolgt sei,

sich laut Unfallanalyse ein geringer Schaden an der Stossstange gefunden und

die Beschwerdeführerin die Fahrt habe fortsetzen können. Diese Einschätzungen

bzw. Ausführungen lassen sich aufgrund der vorliegenden Akten verifizieren. Es

kann daher der Schlussfolgerung von Dr. med. D.___, RAD, gefolgt werden, wonach

ein solcher Auffahrunfall weder aussergewöhnlich bedrohlich sei noch ein

katastrophales Ausmass erreicht habe oder bei nahezu jedem eine tiefgreifende

Verzweiflung hervorrufen würde. Auch im Austrittsbericht der Klinik N.___ vom

4.

August 2016 (vgl. E. II. 7.2 hiervor) wurden diagnostische

Unsicherheiten betreffend die ausgewiesene Diagnose einer PTBS geäussert,

weshalb diese auch einzig als eine Verdachtsdiagnose aufgeführt wurde. So

hielten die Ärzte fest, es sollte zunächst geklärt werden, ob die Symptomatik

die Diagnosekriterien einer Posttraumatischen Belastungsstörung erfülle.

Gleichzeitig wurde festgehalten, dass die Diagnose einzig aufgrund der

subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin gestellt worden sei. Sie habe

angegeben, seit dem Unfall Symptome des Wiedererlebens und aufdrängende /

belastende Erinnerungen sowie Vermeidungssymptome zu erleben. Mit diesen

Ausführungen vereinbar ist der im Bericht der I.___ vom 5. Dezember 2016

(vgl. E. II. 7.5 hiervor) konkret ausgewiesene Verdacht auf eine

Posttraumatische Belastungsstörung. Die Kriterien für die Diagnosestellung

einer PTBS sind somit vorliegend nicht gegeben. Damit entspricht die

Einschätzung der RAD-Ärztin Dr. med. D.___ vom 4. Mai 2017 (vgl. E. II.

7.8

hiervor) im Wesentlichen derjenigen des Psychiatrischen Gutachters des G.___

vom 4. Dezember 2012 (vgl. E. II. 6 hiervor).

Daran vermag auch der nach Erlass der

Verfügung vom 27. Juni 2017 verfasste Bericht der I.___ vom

17.

August 2017 (vgl. E. II. 7.9 hiervor) nichts zu ändern. So wurde darin

explizit ausgeführt, die Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung bleibe

mit Unsicherheiten behaftet und es wurde lediglich eine Verdachtsdiagnose

gestellt.

Es präsentiert sich in Bezug auf die gestellte

Verdachtsdiagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung keine wesentlich

veränderte gesundheitliche Situation.

9.1.3

Einzugehen ist auf die in den

medizinischen Akten, so bspw. im Austrittsbericht der Klinik N.___ vom

4.

August 2016 (vgl. E. II. 7.2 hiervor) und im Bericht der I.___ vom

5.

Dezember 2016 (vgl. E. II. 7.5 hiervor), festgestellte Diagnose eines

«chronischen Schmerzsyndroms mit psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10

F45.41)». Diesbezüglich kann zunächst festgehalten werden, dass bereits im

Rahmen des Gutachtens des G.___ vom 4. Dezember 2012 (vgl. E. II. 6

hiervor) eine «anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit Selbstlimitierung und

Regressionstendenz» diagnostiziert wurde (vgl. E. II. 6 hiervor). Damals wurde

festgehalten, die Beschwerdeführerin zeige deutliche Anzeichen einer

psychosomatischen Schmerzfehlverarbeitungsstörung im Sinne einer anhaltenden somatoformen

Schmerzstörung. Sie habe auch bezüglich ihrer Vorstellungen deutlich

psychosomatisch geprägte Krankheitskonzepte, indem sie überzeugt sei, zuerst

gesund werden zu müssen, bevor sie wieder eine Arbeit aufnehmen könne

(IV-Nr. 59 S. 40). Es ist zudem augenfällig, dass sowohl im Gutachten

des G.___ als auch im Austrittsbericht der Klinik N.___ ein zervikozephales und

-thorakales Schmerzsyndrom diagnostiziert wurde, wobei diese Diagnose im Rahmen

des Berichts der Klinik N.___ – entgegen dem Gutachten des G.___ vom Dezember

2012.

– als Unterdiagnose zum «chronischen Schmerzsyndrom mit psychischen und

somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41)» aufgeführt worden ist. Im Gutachten des G.___

wurde in Bezug auf die Schmerzen festgehalten, die Beschwerdeführerin habe Schmerzen

am ganzen Körper beklagt, meistens würden sich diese im Nackenbereich

lokalisieren mit Ausstrahlungen in den Kopf und in die Schultergegend

beidseits. Sie würden als brennend angegeben, seien auch im vorderen Anteil der

HWS vorhanden. Die Kopfschmerzen würden als klopfend bezeichnet. Die

derzeitigen Beschwerden würden auf einer visuellen analogen Schmerzskala

zwischen 5 bis 6 eingeordnet, gelegentlich würden sie aber auch bei 7 bis 8 in

Erscheinung treten. Sie seien den ganzen Tag vorhanden und würden nachts den

Schlaf stören (IV-Nr. 59 S. 26 unten). Ähnliche Angaben sind sodann auch

den in jüngerer Zeit verfassten medizinischen Berichten zu entnehmen. Es geht

aus diesen übereinstimmend hervor, dass die Beschwerdeführerin auch weiterhin unter

progredienten Schmerzen leidet: So wurde etwa im Bericht des L.___ vom 29. Februar

2016.

(vgl. E. II. 7.1 hiervor) ausgeführt, die Beschwerdeführerin berichte von

einer Beschwerdeprogression mit Ausbreitung der Nackenschmerzen in den gesamten

Rücken und die Arme beidseits sowie von einer vermehrten Müdigkeit,

Konzentrationsstörung und Erschöpfung. Nebenbefundlich fielen eine ausgeprägte

muskuläre Dekonditionierung und muskuläre Insuffizienz der

Stabilisationsmuskulatur der Wirbelsäule auf. Die Ärzte kamen dabei zum Schluss,

es könnten keine neuen Aspekte aus der Untersuchung und der Anamnese gewonnen

werden. Die diffusen Beschwerden im Bereich der Muskelansätze und

Knochenvorsprünge wurden im Sinne der Fibromyalgie und ebenfalls im Rahmen des

chronischen cervicocephalen und cervicothorakalen Schmerzsyndroms mit

Ausweitung der Schmerzkrankheit interpretiert. Begleitend dazu seien

typischerweise kognitive Einschränkungen sowie Müdigkeit und

Erschöpfungssymptomatik vorhanden. Eine in einem relevanten Masse veränderte

gesundheitliche Situation betreffend die Schmerzproblematik ist somit nicht

ersichtlich. Dementsprechend wurde auch im Bericht der Klinik N.___ vom 4. August

2016.

(vgl. E. II. 7.2 hiervor) ausgeführt, die Beschwerdeführerin berichte über

Schmerzen seit einem Auffahrunfall mit HWS-Schleudertrauma, indem ein Auto mit

hoher Geschwindigkeit auf ihren Wagen aufgefahren sei. Seither habe sie

Nackenschmerzen, inzwischen auch Armschmerzen beidseits, die eher noch

zugenommen hätten. Diese bestünden fast täglich. Der Schlaf sei häufig

unterbrochen. Von einer wesentlich verschlechterten Situation kann einzig

aufgrund der durch die Beschwerdeführerin angegebenen Zunahme der Beschwerden nicht

ausgegangen werden. So wurde im Austrittsbericht der Klinik N.___ weiter

explizit festgehalten, es hätten sich bezüglich der Schmerzsymptomatik klinisch

keine neuen Aspekte gefunden. In diesem Sinn stellte auch die Physiotherapeutin

W.___ im Bericht vom 16. Dezember 2016 (vgl. E. II. 7.6 hiervor) fest, in

Bezug auf die Schmerzproblematik könne nicht von einer wesentlich veränderten

Situation gesprochen werden. Obwohl sich im Verlauf objektiv keine

Verschlechterung zeige, sei die Belastbarkeit stark vermindert. Es handelt sich

folglich bei der Schmerzproblematik der Beschwerdeführerin um seit Jahren (wohl

seit dem Unfallereignis im Jahr 2009) bestehende, chronifizierte Schmerzen.

Aufgrund der vorliegenden Akten kann somit

davon ausgegangen werden, dass die bis anhin durchgeführten Therapien die

Schmerzen nicht in massgebender Weise beeinflussen konnten. Diesbezüglich ist jedoch

darauf hinzuweisen, dass sich die Beschwerdeführerin bis anhin nicht

sämtlichen, von ärztlicher Seite empfohlenen, therapeutischen Massnahmen

unterzogen hat. So wünschte sie bspw. aufgrund einer fehlenden Verbesserung

ihres Befindens keine Verlängerung des stationären Aufenthalts in der Klinik N.___

(vgl. E. II. 7.2 hiervor). Zudem habe sie sich bereits im Jahr 2009 nicht zur

Dosissteigerung von Surmontil, welche für einen spürbaren Effekt auf die

affektive Komponente der Schmerzfehlverarbeitungsstörung nötig gewesen wäre,

motivieren können (vgl. E. II. 7.3 hiervor). Gestützt auf diese Ausführungen

erscheint die Darlegung des behandelnden Hausarztes Dr. med. M.___ in seiner

Beurteilung vom 27. November 2016 nachvollziehbar (vgl. E. II. 7.6

hiervor), wonach das Ausmass der Resignation aufgrund der persistierenden

Krankheit ohne relevante Erleichterung durch alle bisherigen Massnahmen

gegenüber 2013 eindeutig progredient sei.

Folglich ist keine wesentlich veränderte

Situation betreffend die Schmerzproblematik feststellbar.

9.2

Es ist auf den somatischen

Gesundheitszustand einzugehen:

Die im Gutachten des G.___ vom

4.

Dezember 2012 ausgewiesene Diagnose – wie bereits oben ausgeführt –

eines chronischen cervicovertebralen und cervicothorakalen Schmerzsyndroms im

Schulter-Nackenbereich mit einer generalisierten myofaszialen, Typ

Fibromyalgie-Komponente seit einer unverschuldeten Heckauffahrkollision vom

6.

Mai 2009 (vgl. E. II. 6 hiervor; IV-Nr. 59 S. 29 oben) wurde

auch in den nachfolgend verfassten Berichten stets bestätigt. Während der ambulanten

klinischen Untersuchung vom 25. Februar 2016 im L.___ (vgl. E. II. 7.1

hiervor) sei eine ausgeprägte Druckdolenz im Bereich der Wirbelsäule,

Beckenkämme beidseits, Glutealmuskulatur und Tractus iliotibialis beidseits

sowie im Bereich der Arme mit Punktum maximum der Epicondylen lateralis und

medialis festgestellt worden. Hinweise für eine Radikulopathie bestünden indes nicht.

Indem die Ärzte anschliessend ausführten, es liessen sich insgesamt aus der

Untersuchung und der Anamnese keine neuen Aspekte gewinnen, ist von einer

unveränderten gesundheitlichen Situation auszugehen. Diese Einschätzung vermag

unter Einbezug der festgestellten klinischen Befunde im Rahmen der Untersuchung

im L.___ vom 25. Februar 2016 zu überzeugen. Denn entsprechende Befunde wurden

bereits bei der Begutachtung im G.___ vom 4. Dezember 2012 erhoben (vgl.

E. II. 6 hiervor, IV-Nr. 59 S. 27 f.). So hielten die Ärzte des L.___

bei der klinischen Untersuchung fest (IV-Nr. 89 S. 12 f.), es bestehe

eine Klopf- und Druckdolenz über der gesamten Wirbelsäule mit Einschluss

Beckenkämme beidseits, sowie gluteal und über dem ISG beidseits. Ebenso

schmerzhafte Palpation der Halswirbelsäule mit paravertebraler Muskulatur und

des Musculus trapezius pars descendens beidseits und deutliche Myogelosen

beidseits. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei nicht eingeschränkt, es bestehe

jedoch eine vorzeitige Schmerzangabe in der Seitneigung, Rotation, Reklination

und Inklination ohne Einschränkung des Bewegungsumfangs. Betreffend die BWS/LWS

sei die Extension schmerzhaft und eingeschränkt, laterale Flexion nach rechts

eingeschränkt im Vergleich zu linken Seite. Im Wiederholungsversuch beidseits

gleich. Die Schulterbeweglichkeit sei beidseits symmetrisch ohne pathologischen

Befund, keine Bewegungseinschränkung. Kein Impingement. Mit diesen erhobenen

Befunden vergleichbar präsentierten sich die Feststellungen im Rahmen des

Gutachtens des G.___ vom 4. Dezember 2012: Damals wurde u.a. festgehalten,

bei der HWS sei die Palpation der gesamten Schulter-Nackenmuskulatur als extrem

schmerzhaft empfunden worden, mit mehr als 15 Triggerpunkten. Diese sei jedoch

nicht verspannt. Bei der kleinsten Bewegung sei die Beschwerdeführerin

zusammengezuckt. Bei der Funktionsprüfung bestehe eine heftige

Gegeninnervation, die sich jedoch z.T. überwinden lasse. Bei der Untersuchung

der BWS habe sich ein achsengerechter Aufbau und eine vermehrte Druckdolenz der

verschiedenen Sehnenansätze im cranialen Anteil gefunden, besonders im Bereich

der Rhomboideusmuskulatur. Auch hier hätten sich weder ein Muskelhartspann noch

eine Klopfdolenz gefunden. Die Rotation sei beidseits nicht eingeschränkt. Im

Bereich der oberen Extremitäten finde sich eine gut entwickelte Muskulatur, im

Bereich der Schultern eine diffuse Druckempfindlichkeit der verschiedenen

Sehnenansätze. Keine Bewegungseinschränkung der Schultern, dabei allerdings ein

endgradiges Stöhnen. Aufgrund dieser weitgehend übereinstimmenden

Befunderhebungen lassen sich keine im Wesentlichen voneinander abweichende Feststellungen

eruieren.

Weitere, neu diagnostizierte somatische

Diagnosen sind den Akten nicht zu entnehmen.

Es kann bezüglich der somatischen

Befunde nicht von einer wesentlich veränderten Gesundheitssituation der

Beschwerdeführerin ausgegangen werden.

9.3

Aufgrund des vorangehenden

Vergleichs der Befunde und Diagnosestellungen des Gutachtens des G.___ vom

4.

Dezember 2012 und der sich im Zeitpunkt der Verfügung vom 27. Juni

2017.

präsentierenden Arztberichte wird deutlich, dass sich nach der

rechtskräftigen Verfügung vom 13. März 2013 weder der psychische noch der

somatische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wesentlich bzw. in

anspruchsrelevanter Weise verändert haben. Folglich liegt im Zeitpunkt der hier

angefochtenen Verfügung vom 27. Juni 2017 keine erhebliche Veränderung gegenüber

der leistungsablehnenden Verfügung vom 13. März 2013 vor. In diesem Sinne

hielt auch bereits die RAD-Ärztin Dr. med. D.___ in ihren Beurteilungen sowohl

vom 31. Januar als auch vom 4. Mai 2017 (vgl. E. II. 7.7 f. hiervor)

fest, es würden im Vergleich zum Zeitpunkt der letztmaligen

Sachverhaltsabklärung keine neuen Diagnosen geltend gemacht. Eine erhebliche

Verschlechterung der vorbestehenden Leiden sei nicht ausgewiesen. Es ist daher

nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die Arbeitsfähigkeit der

Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit gleich beurteilte wie in der

Verfügung vom 13. März 2013. Da kein invalidisierender Gesundheitsschaden

ausgewiesen ist, ist von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen.

10.

Zusammenfassend kann somit

festgehalten werden, dass in Bezug auf die gesundheitliche Situation seit der

letzten rechtskräftigen Verfügung keine wesentliche Änderung eingetreten ist.

Es kann ergänzend festgehalten werden, dass die neue Rechtsprechung zu den

somatoformen Schmerzstörungen bzw. äquivalenten Beschwerdebildern nach BGE 141

V 281 für sich allein keinen Neuanmeldungs- bzw. Revisionsgrund darstellt.

Grund für eine Neuanmeldung – bei der die Revisionsregeln analog anwendbar sind

– ist somit allemal eine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse (BGE 141 V 9

E. 2.3 S. 10). Ob ein rechtskräftig beurteilter, unveränderter

Sachverhalt nach einer neuen Rechtsprechung rechtlich anders eingeordnet würde,

spielt keine Rolle (BGE 141 V 585 E. 5.3 S. 588 f.; Urteil des

Bundesgerichts 8C_699/2015 vom 28. Dezember 2015 E. 3.3.2).

11.

Damit ist die angefochtene

Verfügung vom 27. Juni 2017 zu bestätigen und die Beschwerde abzuweisen.

12.

Bei diesem Verfahrensausgang

besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.

13.

Aufgrund von Art. 69 Abs. 1bis

IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die

Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig

vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.00 – 1'000.00 festgelegt. Im

vorliegenden Fall hat die Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten von CHF 600.00

zu bezahlen, die mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu

verrechnen sind.

Dispositiv

Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es wird keine Parteientschädigung

zugesprochen.

3. Die Beschwerdeführerin hat

Verfahrenskosten von CHF 600.00 zu bezahlen, die mit dem geleisteten

Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet werden.

Rechtsmittel

Gegen diesen

Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Mitteilung beim Bundesgericht Beschwerde

in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht werden (Adresse:

Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern). Die Frist beginnt am Tag nach

dem Empfang des Urteils zu laufen und wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der

Post gewahrt. Die Frist ist nicht erstreckbar (vgl. Art. 39 ff., 82 ff. und 90

ff. des Bundesgerichtsgesetzes, BGG). Bei Vor- und Zwischenentscheiden (dazu

gehört auch die Rückweisung zu weiteren Abklärungen) sind die zusätzlichen

Voraussetzungen nach Art. 92 oder 93 BGG zu beachten.

Versicherungsgericht des Kantons

Solothurn

Die Vizepräsidentin Die

Gerichtsschreiberin

Weber-Probst Jäggi