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Entscheid

VSBES.2021.100

Invalidenrente und berufliche Massnahmen

14. Juli 2022Deutsch54 min

geeigneten Tätigkeit ein Renten ausschliessendes Einkommen erzielen. Eine weitere

Source so.ch

Urteil vom 14. Juli 2022

Es wirken mit:

Präsident Flückiger

Oberrichter Marti

Oberrichter von Felten

Gerichtsschreiber Isch

In Sachen

A.___ vertreten durch Rechtsanwalt Rémy Wyssmann

Beschwerdeführerin

gegen

IV-Stelle Solothurn, Allmendweg 6, 4528 Zuchwil,

Beschwerdegegnerin

betreffend Invalidenrente

und berufliche Massnahmen (Verfügung vom 25. Mai 2021)

zieht das

Versicherungsgericht in Erwägung:

Sachverhalt

I.

1.

1.1 A.___ (nachfolgend

Beschwerdeführerin), geb. 1992, meldete sich am 21. Januar 2013 wegen

Rückenbeschwerden erstmals zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung

bei der IV-Stelle des Kantons Solothurn an (IV-Nr. [Akten der IV-Stelle] 3).

Mit Verfügung vom 6. März 2014 (IV-Nr. 30) erteilte die Beschwerdegegnerin die

Kostengutsprache für das Taggeld während der Schnupperwoche vom 27. Januar 2014

bis 2. Februar 2014 sowie während der Umschulung zur Zeichnerin EFZ

Fachrichtung Architektur vom 25. Februar 2014 bis 31. Juli 2017.

1.2 Mit Verfügung vom 15. Dezember

2017 (IV-Nr. 56) verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch der

Beschwerdeführerin auf weitere berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente.

Zur Begründung wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin habe die Ausbildung

als Zeichnerin erfolgreich abgeschlossen und das Fähigkeitszeugnis erlangt. Sie

sei ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechend umgeschult und könne mit einer

geeigneten Tätigkeit ein Renten ausschliessendes Einkommen erzielen. Eine weitere

Unterstützung der Invalidenversicherung sei nicht angezeigt. Diese Verfügung

erwuchs unangefochten in Rechtskraft.

2. Am 22. November 2019 (IV-Nr.

66) meldete sich die Beschwerdeführerin erneut zum Bezug von Leistungen der

Invalidenversicherung an. Im Arztbericht von Dr. med. B.___, Facharzt für

Orthopädische Chirurgie, vom 20. November 2019 (IV-Nr. 76.28) wurde dazu

festgehalten, bei stattgehabtem Sturzereignis mit HWS-Distorsion vom 30. April

2019 handle es sich um einen prolongierten Heilungsverlauf mit nach wie vor

bestehenden deutlichen Schmerzen im Sinne eines cervicocephalen Syndromes. Die

geklagte Schmerzproblematik sei derart heftig, dass der Tagesablauf

offensichtlich gestört sei und durch die Schmerzattacken deutliche

Einschränkung finde. In der Folge holte die Beschwerdegegnerin diverse

medizinische Akten ein und veranlasste ein polydisziplinäres Gutachten in den

Fachrichtungen Neurologie, Orthopädie, Psychiatrie und Innere Medizin bei der C.___,

[...]. Im Gutachtensbericht vom 23. Februar 2021 (IV-Nr. 100.1) kamen die

Gutachter zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei weder in ihrer angestammten

noch in einer angepassten Tätigkeit in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt.

Gestützt darauf wies die

Beschwerdegegnerin das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin nach

durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-Nr. 104) mit Verfügung vom 25. Mai

2021 (A.S. [Akten-Seite] 1 ff.) ab.

3. Gegen diese Verfügung lässt die

Beschwerdeführerin am 16. Juni 2021 fristgerecht Beschwerde beim Versicherungsgericht

erheben (A.S. 4 ff.) mit den Rechtsbegehren:

1. Die Verfügung der IV-Stelle Solothurn

vom 25. Mai 2021 sei vollumfänglich aufzuheben.

2. a) Es sei eine gerichtliche Begutachtung

den Fall der Beschwerdeführerin betreffend durchführen zu lassen, dies unter

Einbezug der wirbelsäulenorthopädischen, neurologischen und neurootologischen

Fachrichtung.

b)

Eventualiter: Die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit

diese nach erfolgten weiteren Abklärungen im Sinne durchgeführter beruflicher

und medizinischer Eingliederungsmassnahmen und nach Einholung eines neuen

Gutachtens über das Leistungsbegehren der Versicherten neu entscheide.

c)

Subeventualiter: Es seien der Beschwerdeführerin die ihr zustehenden

gesetzlichen Leistungen (inkl. qualifizierte und professionelle berufliche

Eingliederungsmassnahmen nach den Bestimmungen der Art. 8 ff. und Art. 14 ff.

IVG) nach Massgabe einer Invalidität von mindestens 40 % zuzüglich eines

Verzugszinses zu 5% seit wann rechtens gerichtlich zuzusprechen.

3. Das auf Seite 10, Ziff. 5, des

Gutachtens der C.___ vom 23. Februar 2021 erwähnte E-Mail (HIN-geschützt) vom

10. Februar 2021, welches die unter Dr. D.___, Frau E.___F.___ und Dr. G.___

erfolgte (Konsens-) «Besprechung» dokumentieren soll, sei gerichtlich bei der C.___

zu edieren (Beweisthema: Abklärung des Inhalts der angeblichen

«Konsensbesprechung» und der im Gutachten aufgezeigten Widersprüche).

4. Dr. med. F.___ sei gerichtlich

anzufragen, ob ihr der H.___-Röntgenbericht vom 24. Juli 2019 (SUVA-act.

40) und die Bildaufnahmen vom gleichen Tag vorgelegen haben und falls ja,

weshalb sie den von Dr. I.___ erhobenen eindrücklichen Bildbefund im Gutachten

nicht übernommen, sondern diesen gegenteils als «diskret» abgeschwächt hat.

Ebenso sei Frau Dr. F.___ gerichtlich anzufragen, weshalb sie bei der J.___ nur

eine vierschichtige und keine sechsschichtige Röntgenaufnahme durchführen liess

(Beweisthema: Klärung der divergierenden Beurteilung des Schweregrades der

Pathologie im Bereich des HWS-Segments C4/5).

5. Die Beschwerdeführerin sei gerichtlich

dazu zu befragen, wie das Leistungsprofil in der früheren Tätigkeit als (Bau-)Spenglerin

genau ausgesehen hat (Beweisthema: Art und Profil der angestammten

Berufstätigkeit der Versicherten und Diskussion / Bereinigung der abweichenden

Beurteilungen zwischen der früheren rechtskräftigen Beurteilung der IV 2014/2017

und des neuen C.___-Gutachtens 2020).

6. Der federführende C.___-Gutachter Dr. D.___

sei gerichtlich anzufragen, weshalb er auf Seite 10 des Gesamtgutachtens davon

ausging, dass es sich bei der angestammten gerichtsnotorisch schweren Tätigkeit

als Spenglerin um eine zumutbare leichte Tätigkeit handeln soll, dies obwohl

die Eingliederungsfachfrau K.___ mit Bericht vom 3. März 2014 und die IV mit

rechtskräftigem Beschluss vom 6. März 2014 sowie mit rechtskräftiger Verfügung

vom 15. Dezember 2017 die angestammte Tätigkeit als nicht mehr zumutbar

beurteilte (Beweisthema: Beurteilung des Leistungsprofils der angestammten

Tätigkeit).

7. Es sei eine öffentliche

Gerichtsverhandlung mit Publikums- und Presseanwesenheit nach Art. 6 Ziff. 1

EMRK durchzuführen.

8. Vor Eröffnung des materiellen

Entscheides sei dem Unterzeichneten Rechtsanwalt Gelegenheit zur Einreichung

einer detaillierten Kostennote zur Geltendmachung einer Parteientschädigung zu

geben.

9. Alles unter Kosten- und

Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

4. Mit Eingabe vom 25. August 2021

(A.S. 32 f.) reicht die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen ein und verweist

auf ein neues Unfallereignis vom 8. April 2021.

5. Mit Eingabe vom 6. September

2021 (A.S. 35) verzichtet die Beschwerdegegnerin auf Einreichung einer

begründeten Beschwerdeantwort und schliesst auf Abweisung der Beschwerde.

6. Mit Eingaben vom 6. September

2021 (A.S. 37 f.) und 23. Dezember 2021 (A.S. 45) reicht die

Beschwerdeführerin weitere Unterlagen zu den Akten.

7. Mit Stellungnahme vom 11.

Januar 2022 (A.S. 49) stellt die Beschwerdegegnerin die Anträge, die Sache sei

an die IV-Stelle zur Einholung der SUVA-Akten sowie allenfalls ergänzender

Beweisvorkehren zurückzuweisen. Ein Anspruch auf eine allfällige

Parteientschädigung bestehe nicht.

8. Mit Stellungnahme vom 17.

Januar 2022 (A.S. 50 f.) stellt die Beschwerdeführerin folgende Rechtsbegehren:

1. Die Beschwerde sei gutzuheissen.

2. Es sei der Beschwerdeführerin eine

Parteientschädigung in der Höhe der beigelegten Kostennote zuzusprechen.

3. Die Verfahrenskosten seien

vollumfänglich von der Beschwerdegegnerin zur Bezahlung zu übernehmen.

4. Alles unter Kosten- und

Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin.

9. Mit den unaufgefordert

eingereichten Eingaben vom 28. Januar 2022 und 7. Februar 2022 lassen sich

die Parteien abschliessend vernehmen. Hierbei beantragt die Beschwerdegegnerin,

dass der Beschwerdeführerin mindestens die Hälfte der Gerichtskosten

aufzuerlegen und eine allfällige Parteientschädigung mindestens um die Hälfte

zu reduzieren sei. Dagegen hält die Beschwerdeführerin an ihren mit

Stellungnahme vom 17. Januar 2022 gestellten Rechtsbegehren fest.

10. Am 14. Juli 2022 findet vor dem

Versicherungsgericht eine Verhandlung statt. Anwesend sind die

Beschwerdeführerin sowie deren Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Rémy Wyssmann. Die

Beschwerdegegnerin, der das Erscheinen freigestellt worden war, hat auf eine

Teilnahme an der Verhandlung verzichtet.

11. Auf

die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften wird im

Folgenden, soweit erforderlich, eingegangen.

Erwägungen

II.

1.

Die Sachurteilsvoraussetzungen

(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des

angerufenen Gerichts) sind erfüllt.

2.

2.1

Der massgebende Sachverhalt

betrifft die Beurteilung des mit der Neuanmeldung vom 22. November 2019 geltend

gemachten Anspruchs der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente durch die

Verfügung vom 25. Mai 2021, weshalb die ab 1. Januar 2012 geltende

Rechtslage zu berücksichtigen ist.

2.2

Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben

jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die

Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare

Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können

(lit. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch

durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind

und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)

sind (lit. b und c). Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine

ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine

Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem

Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und

bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine

Viertelsrente.

3.

3.1

Wurde eine Rente wegen eines

fehlenden oder zu geringen Invaliditätsgrades bereits einmal verweigert bzw.

aufgehoben, so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die versicherte Person

glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch

erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 und 4 IVV). Dies gilt in

analoger Weise auch für Revisionsgesuche im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 130 V 351 E. 3.5.3) sowie dann, wenn die versicherte Person nach

vorausgegangener rechtskräftiger Ablehnung erneut eine Eingliederungsmassnahme

beantragt (BGE 113 V 27; ZAK 1991 S. 262 E. 1a). Mit dieser Bestimmung soll

verhindert werden, dass sich die Verwaltung nach vorausgegangener

rechtskräftiger Rentenverweigerung immer wieder mit gleichlautenden und nicht

näher begründeten, d.h. keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden

Rentengesuchen befassen muss (BGE 130 V 68 E. 5.2.3, 125 V 412 E. 2b, 117 V 200

E. 4b).

3.2

Tritt die Verwaltung – wie im

vorliegenden Fall – auf eine Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell

abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person

glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten

Dispositiv

ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17

Abs. 1 ATSG vorzugehen (AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen, bezogen auf Art. 41

a.F. IVG). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren

rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue

Gesuch ab. Andernfalls hat sie zusätzlich noch zu prüfen, ob die festgestellte

Veränderung genügt, um nunmehr eine rentenbegründende Invalidität zu bejahen,

und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle

Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 133 V 108, 117 V 198 E. 3a, 109 V 115 E.

2b).

Ob eine anspruchsbegründende Änderung in

den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt

sich im Neuanmeldungsverfahren – analog zur Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1

ATSG, s. BGE 105 V 30 – durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im Zeitpunkt

der Ablehnungsverfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen

neuen Verfügung (BGE 130 V 73 E. 3.1 mit Hinweisen; AHI 1999 S. 84 E. 1b).

4.

4.1 Um den Invaliditätsgrad bemessen

zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf

Unterlagen angewiesen, die Ärzte und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur

Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den

Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang

und bezüglich welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im

Weiteren sind ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung

der Frage, welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden

können (BGE 132 V 99 f. E. 4, 125 V 261 E. 4).

Demgegenüber fällt es nicht in den

Aufgabenbereich des Arztes oder der Ärztin, sich zur Höhe einer allfälligen

Rente zu äussern, da der Begriff der rentenanspruchsbegründenden Invalidität

nicht nur von medizinischen, sondern auch von erwerblichen Faktoren bestimmt

wird (vgl. Art. 16 ATSG).

4.2 Das Prinzip inhaltlich

einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das Sozialversicherungsgericht alle

Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unabhängig davon, von wem sie stammen, und

danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige

Beurteilung des strittigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das

Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht

erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe

anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These

abstellt (AHI 2001 S. 113 E. 3a).

Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts

hängt davon ab, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf

allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden

berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in

der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der

medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet

sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft

eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag

gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 125 V 352 E. 3a; AHI 2001 S. 113 f. E. 3a; RKUV 2003 U 487 S. 345 E. 5.1).

4.3 Den Berichten und Gutachten

versicherungsinterner Ärzte oder ständiger Vertrauensärzte eines

Versicherungsträgers kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,

nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine

Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee S.

353 f.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen

Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge

Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit

und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind

rechtsprechungsgemäss ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2

S. 229, 135 V 465 E. 4.4 S. 470). Insbesondere genügt in Fällen, in welchen die

Schlüssigkeit der Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen durch

einen nachvollziehbaren Bericht eines behandelnden Arztes in Zweifel gezogen

wird, der pauschale Hinweis auf dessen auftragsrechtliche Stellung nicht, um

die geltend gemachten Zweifel auszuräumen (Urteil des Bundesgerichts

8C_193/2014 vom 19. Juni 2014 E. 4.1).

5. Gemäss den Ausführungen der Beschwerdeführerin könne auf

das Gutachten der C.___ vom 23. Februar 2021 schon deshalb nicht abgestellt

werden, weil durch die vier- und damit eindeutig mehrfache

Gutachterüberschneidung (Dr. L.___, Dr. M.___, Dr. F.___ und Dr. G.___) in

vier Gutachterstellen (N.___, C.___, O.___, P.___) das Zufallsprinzip im Sinne

eines Verfahrenskorrektivs nach BGE 137 V 210 ff. und damit der Anspruch der

Beschwerdeführerin auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt

worden sei. Indem sich nun die C.___ AG angeschickt habe, das vorliegende

Gutachten durch Gutachter erstellen zu lassen, die gleichzeitig für die C.___

und drei andere Gutachterstellen tätig seien, habe sie nicht nur die Weisung

des BSV missachtet, sondern auch die Vorgaben von BGE 137 V 210 ff. und damit

Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt. Im vorliegenden konkreten Fall komme erschwerend hinzu,

dass zwei Gutachter (Dr. L.___ und Dr. M.___) ohne Angabe von Gründen

einfach ausgetauscht und durch andere Gutachter (Dr. G.___ und Dr. D.___)

ersetzt worden seien, welche in offensichtlich der C.___ zugewandten

Gutachterstellen tätig seien. Das Gutachten der C.___ vom 23. Februar 2021

erweise sich zudem als widersprüchlich, weil dieses der Versicherten sogar in

der angestammten Tätigkeit als Bauspenglerin EFZ eine 100%ige Arbeitsfähigkeit

attestiere, dies obwohl die Beschwerdegegnerin bereits mit Beschluss vom 6.

März 2014 und mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 rechtskräftig beurteilt und

entschieden habe, dass die Versicherte aufgrund ihrer Rückenschmerzen ihre angestammte

Tätigkeit als (Bau-) Spenglerin nicht mehr ausüben könne. Genau deshalb sei sie

von der IV auch zur Bauzeichnerin umgeschult worden. Die C.___-Gutachter

begründeten nun aber nicht, wie diese wundersame Heilung und Steigerung der

Arbeitsfähigkeit seit 2017 erklärt werden könne. Das Gutachten der C.___ spreche

sich nicht hinreichend darüber aus, inwiefern eine effektive Veränderung des

Gesundheitszustandes im Sinne einer namhaften Steigerung der Arbeitsfähigkeit

von 0 auf 100 % stattgefunden haben solle. Zudem sei die orthopädische

Gutachterin, Dr. med. F.___, offenbar von einem falschen Referenzzeitpunkt

ausgegangen. Obwohl das IV-Verfügungsdatum vom 15. Dezember 2017 den

revisionsrechtlich massgeblichen Vergleichs-Referenzzeitpunkt darstelle,

behaupte die orthopädische Teilgutachterin auf Seite 55 des Gutachtens, dass

die retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für den «relevanten Zeitraum

ab November 2018» zu erfolgen habe. Des Weiteren sei das C.___-Gutachten

insofern widersprüchlich, als die Gutachter der Beschwerdeführerin einerseits

attestierten, aus orthopädischer Sicht unter Berücksichtigung des schlanken

Habitus der Versicherten würden körperlich dauerhaft mittelschwere bis schwere

Tätigkeiten als ungeeignet angesehen, und andererseits zum Schluss kämen, die

Beschwerdeführerin sei in der gerichtsnotorisch schweren Tätigkeit als (Bau-)Spenglerin

zu 100 % arbeitsfähig. Diese gravierende und auffällige Verwechslung müsse

damit erklärt werden, dass den durchwegs nur deutschen Gutachtern der Beruf mit

der spezifisch schweizerischen Bezeichnung «Spenglerin» schlicht nicht habe

bekannt gewesen sein können, nenne sich doch dieser Beruf in Deutschland

gerichtsnotorisch «Klempnerin». Angaben zum Leistungsprofil fehlten im

Gutachten gänzlich. Auch fehle es an einer nachvollziehbaren Begründung, wieso

die Experten trotz grundsätzlicher Anerkennung einer Blockwirbelbildung C3/4,

einer Spondylosis und einer Rotationsskoliose-Fehlhaltung von keiner

erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit

als (Bau-) Spenglerin ausgegangen seien. Hinzukomme, dass als Spenglerin

schwere Bauteile, Fassadenteile und auch schwere Werkzeuge (Schweissgerät,

Bohrmaschinen und Gasflaschen) über grössere Distanzen (bis zu 500 Meter)

selber getragen werden müssten. Wie auch z.B. der Heizungsmonteur müsse auch

die Bauspenglerin nicht nur kniend, sondern auch stehend häufig über Kopf arbeiten,

denn schwere Fassaden- und Bauteile würden nicht nur bis zu einer Höhe von 1,5

Metern über Grund montiert, sondern häufig auch weitaus höher und teilweise

auch unter Dach. Deshalb sei der federführende C.___-Gutachter Dr. D.___

gerichtlich anzufragen, weshalb er in Abweichung von der Auffassung der IV

davon ausgegangen sei, dass es sich bei der gerichtsnotorisch schweren

Tätigkeit als (Bau-) Spenglerin um eine leichte Tätigkeit handeln solle. Auch

was die Abfolge der zeitlichen Unfallereignisse betreffe, verstrickten sich die

Gutachter der C.___ in unlösbare Widersprüche. So werde etwa auf Seite 3 des

Gutachtens am 30. April 2019 ein «Sturz im Haushalt wegen des Hundes»

beschrieben, wobei der Unfall sich aber auf der Strasse im Quartier der

Versicherten und nicht in deren Haushalt ereignet habe. Auf Seite 7 des

Gutachtens sei dann aber wiederum die Rede von einem «Unfall mit ihrem Hund im

Jahre 2018». 2018 habe es aber keinen Unfall mit dem Hund gegeben. Nicht besser

werde es hinsichtlich des Autounfalles in Australien mit HWS-Distorsionsfolge.

Auf Seite 13 des Gutachtens werde die Heckkollision unter Ziff. 19 exakt dem

Datum vom 29. Dezember 2017 zugeordnet. Auf Seite 3 werde diese

«Auffahrkollision» aber dem Jahre 2018 zugeordnet. Auf Seite 5 des Gutachtens

erfolge die Zuordnung wiederum dem Jahre 2017. Des Weiteren erweise sich das

Gutachten der C.___ auch deshalb als widersprüchlich, weil die orthopädische

Teilgutachterin Dr. F.___ der Beschwerdeführerin auf Seite 52 eine massive

Limitierung der körperlichen und zeitlichen Belastbarkeit und damit im Ergebnis

eine subjektiv ausgeprägte Aggravierung ihrer Beschwerden unterstellt habe,

aber gleichzeitig der Internist Dr. med. D.___ auf Seite 21 des Gutachtens

bestätigt habe, dass keine Hinweise auf Aggravation und Simulation vorhanden

seien, vielmehr eine gute Kooperation bestehe. Dieser den beiden Teil-Gutachten

inhärente Widerspruch sei in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung

(«Konsensbeurteilung») vom 23. Februar 2021 nicht aufgelöst worden. Angeblich

solle aber am 10. Februar 2021 zwischen Dr. D.___, Frau E.___, Dr. F.___G.___

eine (Konsens-)Besprechung per E-Mail (HIN-geschützt) stattgefunden haben.

Unklar sei bis heute, was dort schriftlich «besprochen» worden sei. Von beweisrechtlicher

Relevanz sei deshalb der Inhalt dieser «gemeinsamen» E-Mail, weshalb hiermit

auch der Antrag auf Herausgabe derselben gestellt werde. Ein weiterer

Widerspruch bestehe sodann darin, dass die orthopädische Teilgutachterin die

von Dr. med. I.___, Neurochirurgie FMH, bei der Versicherten im Bericht vom 24.

Juli 2019 noch als «relativ eindrücklich» diagnostizierte Anterolisthese C4/5

auf Seite 51 des Gutachtens lediglich als «diskret» beurteilt habe.

Dieser

Widerspruch resultiere daraus, dass in der Aktenzusammenfassung auf Seite 15

des Gutachtens der Bericht von Dr. I.___ vom 24. Juli 2019 und das «MRI und

Röntgen HWS» lediglich stark verkürzt und summarisch wiedergegeben worden sei,

das heisse vor allem ohne deren Qualifizierung als eindrücklichen Befund. Der H.___-Röntgenbericht

vom 24. Juli 2019 sei als solcher gar nicht erst explizit aufgeführt und

auch die entsprechenden Röntgenbilder der H.___ seien von den Gutachtern der C.___

offensichtlich gar nicht angefordert und eingesehen worden. Die Beschwerdeführerin

habe am Tag der Begutachtung die CD-ROM mit den radiologischen Aufnahmen der H.___

vom 24. Juli 2019 am Schalter der C.___ abgegeben. Nach der Untersuchung durch

Dr. med. F.___ habe die Beschwerdeführerin die CD-ROM wieder in Empfang und mit

sich nach Hause genommen, ohne dass allerdings Dr. F.___ diese angesehen gehabt

habe. Die Rückfrage bei der C.___ habe ergeben, dass die Gutachterstelle auch

keine Kopie der CD-ROM angefertigt habe. Dr. F.___ sei deshalb gerichtlich

anzufragen, ob ihr der H.___-Röntgenbericht vom 24. Juli 2019 und die sechs-,

nicht bloss vierschichtigen Bildaufnahmen vom gleichen Tag vorgelegen hätten

und falls ja, weshalb sie den von Dr. I.___ erhobenen eindrücklichen Bildbefund

im Gutachten nicht übernommen, sondern diesen gegenteils als «diskret»

abgeschwächt habe. Dabei sei von besonderer Relevanz, dass die Versicherte

selber gemäss eigenen Angaben die Röntgenbilder vom 24. Juli 2019 zwar an den

Begutachtungstermin bei Dr. F.___ vom 9. November 2020 mitgenommen und am C.___-Schalter

abgegeben habe, aber nach der Untersuchung wieder mitgenommen habe und sich

diese auch nicht bei den IV-Akten befänden. Offensichtlich habe Dr. F.___ die

Bilder gar nicht selber angeschaut und verglichen, wobei es zu den

Grundpflichten eines Gutachters gehöre, das bildgebende Material zu beschaffen

und persönlich einzusehen. Das Gutachten der C.___ erweise sich sodann als

widersprüchlich, weil die orthopädische Teilgutachterin Dr. F.___ die bisherige

Behandlung der Versicherten auf Seite 51 als adäquat eingeschätzt habe,

gleichzeitig aber auf Seite 54 eine selbständige stabilisierende

Wirbelsäulengymnastik zur Kräftigung der autochthonen Wirbelsäulenmuskulatur

und zur Erhaltung des Gesundheitszustandes gefordert habe und auf Seite 7 im

Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung zusätzlich eine

leitliniengerechte Therapie zur Behebung der Migräne und ihrer Folgen empfohlen

worden sei, welche aber bis heute nicht initialisiert worden sei. Nur bei

Umsetzung dieser leitliniengerechten Therapie könne von keiner Einschränkung

der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden: «Unter einer leitliniengerechten

Therapie ist nicht von einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit auf

neurologischem Gebiet auszugehen». Mit anderen Worten sei im Umkehrschluss die

Beschwerdeführerin also ohne Therapie aktuell in der Arbeitsfähigkeit

eingeschränkt und es bräuchte dann ohnehin zuerst ein Mahn- und

Bedenkzeitverfahren nach Art. 21 Abs. 4 ATSG, um die arbeits- und

leistungsbefähigende Therapie überhaupt erst um- und durchzusetzen. Des

Weiteren würden auf Seite 5 des Gutachtens im Rahmen der interdisziplinären

Gesamtbeurteilung vom 23. Februar 2021 Gleichgewichtsstörungen, Ohrgeräusche

und Sehstörungen als Befunde erhoben, welche zumindest teilweise im

Zusammenhang mit dem eher niedrigen Blutdruck stünden. Auch habe der

neurologische Gutachter eine behandlungsbedürftige Migräne diagnostiziert.

Warum diesen Befunden kein Krankheitswert zukommen solle und sich diese nicht

auf die Arbeitsfähigkeit auswirken sollten, obwohl die Migräne erst nach

erfolgreicher Behandlung eine Arbeitsunfähigkeit ausschliessen solle,

begründeten die Gutachter ebenfalls nicht. Die Versicherte berichte gleichzeitig

über nicht voraussehbare, längerdauernde Schwindelanfälle, welche sich mangels

Planbarkeit für einen Arbeitgeber als unzumutbar erwiesen. Eine

neurootologische Teilbegutachtung sei aber dennoch nicht angeordnet worden,

dies obwohl die Versicherte als Kind an Mumps erkrankt und 1998 an beiden Ohren

bereits operiert worden sei. Gerade bei Verletzungsbildern der vorliegenden Art

(Folgen einer erlittenen und im Bericht von Dr. B.___ vom 20. November 2019

diagnostizierten HWS-Distorsionsverletzung bei pathologischem HNO-Vorzustand)

dränge sich der Beizug eines neurootologischen Gutachters nach der

bundesgerichtlichen Rechtsprechung auf, da es sich hier um mit diesen

Verletzungsarten besonders vertraute Spezialärzte handle. Den neurootologischen

Testverfahren komme dabei zur Objektivierung von HWS-Distorsionsbeschwerden

eine tragende Rolle zu. Wenn ein Gutachten derart viele voneinander abweichende

Beurteilungen, innere Widersprüche, fehlerhafte inhaltliche Angaben und

Unvollständigkeiten aufweise, könne darauf nicht abgestellt werden und es sei

stattdessen eine neue Begutachtung durchzuführen. Schliesslich sei

festzuhalten, dass die IV-Verfügung vom 25. Mai 2021, welche der SUVA ebenfalls

zugestellt worden sei, auf einer C.___-Begutachtung beruhe, welche in Unkenntnis

der Unfallfolgen vom 8. April 2021 und somit ohne handchirurgische

Teilbegutachtung erfolgt sei. Das C.___-Gutachten erweise sich auch unter

diesem Gesichtspunkt als unvollständig, zumal die Folgen des Ereignisses vom

8. April 2021 hätten beurteilt werden müssen; ein Ereignis, welches vor

dem Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 25. Mai 2021 und somit vor dem

Zeitpunkt der Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis datiere. Somit

würden die Anträge gestellt, dass die SUVA-Akten im vorliegenden

Beschwerdeverfahren beizuziehen seien und zusätzlich ein handchirurgisches

Teilgutachten mit dem beantragten Gerichtsgutachten zu veranlassen sei. Bei einer

nun klar im Bericht der J.___ vom 3. September 2021 bildgebend befundeten

fokalen Osteitis – mit dem Auslöser des bekannten Unfallereignisses vom 8.

April 2021 – und angesichts der Stellungnahme von Dr. med. B.___ vom 1. September

2021, könne weder die mangelhafte C.___- Begutachtung noch die aus der

Handverletzung zusätzlich resultierende Arbeitsunfähigkeit der Versicherten

verneint werden.

Die Beschwerdegegnerin vertritt die

Ansicht, die medizinischen Untersuchungen hätten ergeben, dass die

Beschwerdeführerin weiterhin in Ihrer Tätigkeit als Zeichnerin EFZ 100 %

arbeitsfähig sei. Nach der HWS-Distorsion vom 30. April 2019 habe einen Monat

eine befristete 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Danach sei die

Beschwerdeführerin wiederum 100 % arbeitsfähig gewesen. Mit einer geeigneten

Anstellung könne sie weiterhin ein rentenausschliessendes Einkommen

erwirtschaften. Es bestehe keine lang dauernde Arbeitsunfähigkeit, welche einen

Rentenanspruch begründen würde. Aufgrund des nun im Beschwerdeverfahren

eingereichten Berichts von Dr. med. B.___ vom 1. September 2021 sei die Sache

aber an die IV-Stelle zur Einholung der SUVA-Akten sowie zur Vornahme allenfalls

ergänzender Beweisvorkehren zurückzuweisen.

6. Strittig und zu prüfen ist

somit, ob die Beschwerdegegnerin den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin

mit Verfügung vom 25. Mai 2021 zurecht verneint hat. Die Beschwerdegegnerin

anerkennt im Rahmen ihrer Stellungnahme vom 11. Januar 2022 den

Rechtsstandpunkt der Beschwerdeführerin teilweise und unterzieht sich zu einem

Teil den in der Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren. Wie die

Beschwerdeführerin sodann mit Stellungnahme vom 17. Januar 2022 zurecht festgehalten

hat, bestehen hinsichtlich des Antrags der Beschwerdegegnerin auf Rückweisung

zu weiteren Abklärungen übereinstimmende Parteianträge. Dieser Antrag ist

nachfolgend auf seine Übereinstimmung mit Tatbestand und Gesetz zu überprüfen.

6.1 Ob eine anspruchsbegründende

Änderung in den für den Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten ist,

beurteilt sich im Neuanmeldungsverfahren grundsätzlich – analog zur

Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG (BGE 105 V 29 S. 30) – durch Vergleich

des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der letzten Rentenabweisungsverfügung –

vorliegend am 15. Dezember 2017 – bestanden hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts

8C_413/2009 vom 11. September 2009 E. 4), mit demjenigen zur Zeit der streitigen

neuen Verfügung vom 25. Mai 2021 (BGE 130 V 71 E. 3.1 S. 73, mit Hinweisen;

Urteil des Bundesgerichts 8C_819/2013 vom 4. Februar 2014 E. 2). Da aber die

Rentenabweisung mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 nicht aufgrund einer

umfassenden Beurteilung der medizinischen Akten erfolgte, sondern aufgrund

dessen, dass die Beschwerdeführerin ihre Umschulung zur Zeichnerin mit

Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis erfolgreich abschloss und damit als

erfolgreich eingegliedert galt (vgl. Abschlussbericht der beruflichen

Eingliederung der IV-Stelle Solothurn; IV-Nr. 54), kann vorliegend ein Sachverhaltsvergleich

unterbleiben. Vielmehr ist die Neuanmeldung vom 22. November 2019 wie eine

Erstanmeldung zu behandeln.

Bezüglich der vorerwähnten strittigen

Frage sind im Wesentlichen folgende Unterlagen von Belang:

6.1.1 Im Bericht vom 26. November 2012

(IV-Nr. 6, S. 2) hielt Dr. med. Q.___, Facharzt für Orthopädische Chirurgie

FMH, fest, bei der Beschwerdeführerin bestehe ein Status nach lateraler

Meniscusrefixation sowie Resektion zweier Plicae rechts am 19. August 2011.

Der Verlauf sei komplikationslos. Sie habe keine Stürze mehr erlitten wie im

Dezember, nach Anlaufen verspüre sie jedoch noch bisweilen ein Stechen,

tagsüber bessernd. Keine Beschwerden, die ähnlich wie präoperativ wären.

Dagegen bestünden Beschwerden Mitte Rücken bis Kreuz, ziehend teils über die

rechte Hüfte lateral, teils brennend, offenbar zeige das CT der LWS eine Discushernie

L5-S1 mit S1 Reizung links sowie eine leichte Skoliose. Zur Beurteilung hielt

Dr. med. Q.___ fest, einerseits bestehe eine LWS-Problematik mit einer

bekannten mässigen Diskushernie, die Sensibilitätsstörungen rechts dürften

einer Meralgie entsprechen. Es seien auch der Tensor und der Tractus wie auch

der Rectus femoris verkürzt, durch die systematische Dehnung in der Physiotherapie

und im Heimprogramm dürfte auch diese Problematik zu bessern sein.

6.1.2 Im Bericht des R.___ vom 11. Juli

2018 (IV-Nr. 70.14) wurden folgende Diagnosen gestellt:

1. Vd.a. traumatisiertes Ganglion plantar

TMT-II/III-Gelenk Fuss links DD leichte Tibialis posterior Tendinopathie

mit/bei

Status nach

Rückfussdistorsion vor etwa 3 Wochen

2. Status nach Exzision abgekapseltes

Hämatom Oberschenkel links vom 7. Juni 2018

Die Beschwerdeführerin habe sich vor

etwa drei Wochen den Fuss unklar verdreht, als sie von einem Mäuerchen

gesprungen sei. Anschliessend Schmerzen im Bereich des medialen Fussgewölbes,

insbesondere bei Belastung, keine Ruheschmerzen. Seitens der Wunde am

Oberschenkel noch diskrete Beschwerden, hier Fadenentfernung nächste Woche beim

Hausarzt. In der Vorgeschichte mehrfache Sprunggelenksdistorsionen.

Mittlerweile bereits regrediente Beschwerden ohne Ruhigstellung. Die von der

Beschwerdeführerin beschriebenen Beschwerden liessen sich klinisch nicht auf

eine Tibialis posterior Tendinopathie zurückführen, MR-tomographisch sei

lediglich der Ansatzbereich etwas verändert. Es finde sich jedoch eine

ganglionartige Struktur plantar des TMT-II/III-Gelenks, wobei dieses

möglicherweise von der Peroneus longus Sehne ausgehe. Lokal bestehe eine

leichte Druckdolenz, so dass von einer Traumatisierung des ansonsten

asymptomatischen Ganglions auszugehen sei.

6.1.3 Im Bericht vom 11. Dezember 2018

(IV-Nr. 70.14) diagnostizierten lic. phil. S.___, Fachpsychologin für

Psychotherapie FSB, und Dr. med. T.___, Facharzt für Kinder- und

Jugendpsychiatrie, eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion

ICD-10 F43.21. Es sei keine Medikation verschrieben worden. Da die

Beschwerdeführerin die nach dem Paargespräch vereinbarte Einzelsitzung nicht

eingehalten und sich auch auf die Comboxmitteilung der Referentin nicht

gemeldet habe, gehe man davon aus, dass sie keine weitere Unterstützung

wünsche.

6.1.4 Dr. med. U.___, Facharzt für

Orthopädie und Traumatologie FMH, stellte in seinem Bericht vom 28. Mai 2019

(IV-Nr. 70.57) folgende Diagnosen:

HWS-Distorsion am 30. April 2019

-

Massiver paravertebraler

Muskelhartspann

-

Blockwirbel C3/C4

-

St. n. HWS-Distorsion

Jan/2018 bei Auffahrkollision

Der Verlauf in den letzten beiden Wochen

sei gut mit allerdings noch deutlicher paravertebraler Verspannung der

Nackenmuskulatur beidseits und schmerzhaft eingeschränkter Beweglichkeit.

Weiterführen der begonnenen Behandlung, Analgesie, Myorelaxation,

Physiotherapie. Arbeitsunfähigkeit 100 % bis zum 9. Juni 2019.

6.1.5 Dr. med. U.___ führte mit Bericht

vom 25. Juni 2019 (IV-Nr. 76.81) aus, die Beschwerdeführerin melde sich erneut

wegen persistierenden lokalen Schmerzen und Muskelverspannungen im

Nackenbereich. Die Akupunktur habe diese Schmerzen eher verstärkt. Die

Wiederaufnahme der Arbeit am 18. Juni 2019 habe nicht erfolgen können. Nach wie

vor bestehe eine starke Einschränkung sowohl der links-rechts-Rotation als auch

der Seitneigung, Flexion und Extension. Kein paravertebraler Muskelhartspann.

Weicher Trapezius. Er, Dr. med. U.___, finde kein anatomisches Korrelat für die

von der Beschwerdeführerin empfundenen starken Schmerzen.

6.1.6 Im Bericht des Röntgeninstituts H.___

vom 24. Juli 2019 (IV-Nr. 70.37) betreffend MRI und Röntgen der

Halswirbelsäule wurde zur Beurteilung festgehalten: Streckhaltung, linkskonvexe

Skoliose. Kongenitaler Blockwirbel C 3/4, rudimentär angelegtem Discus

intervertebralis, Fusion der kleinen Wirbelgelenke linksbetont. Chondrose C4/5,

C5/6 und C6/7 diskretem dorsalem Bulging, keine zervikale Diskushernie.

Beginnende Spondylarthrose. Kein Hinweis auf traumatische ossäre- oder

ligamentäre Läsion. Eingeschränkte Beweglichkeit der HWS in Inklination mit

leichtgradiger Überbeweglichkeit im Segment C4/5, keine Instabilität auf Höhe

C6/7.

6.1.7 Dr. med. I.___, Facharzt für

Neurochirurgie FMH, stellte in seinem Bericht vom 24. Juli 2019 (IV-Nr.

70.36) folgende Diagnosen:

-

Persistierendes zervikales

Schmerzsyndrom bei:

·

St.n.

Halswirbelsäulen-Distorsionstrauma am 30. April 2019 bei Sturz

·

Steifhaltung der

Halswirbelsäule mit erheblicher Bewegungseinschränkung zu allen Richtungen

·

Radiologische

Instabilität C4/5 mit Anterolisthese um 3 mm in Inklination

·

Block-Wirbel C3/4

-

St.n.

Halswirbelsäulen-Distorsionstrauma 2017/18 bei Autoauffahrunfall in Australien

-

Chronisches lumbales

Schmerzsyndrom

Die Beschwerdeführerin komme plangemäss

zur Besprechung der stattgehabten Bildgebung (Funktionsaufnahmen und MRI der

Halswirbelsäule von heute, 24. Juli 2019, Röntgeninstitut H.___). Es bestehe

ein relativ eindrücklicher Befund einer Anterolisthese C4/5, bereits in der

liegenden Stellung im MRI sichtbar, in Inklination auf 3 mm zunehmend und in

Reklination komplett reponierend. Bei C5/6 bestehe ebenfalls eine sehr diskrete

Anterolisthese. Im MRI bestünden eine diskrete Diskopathie C4/5 mit leichter

Dehydratation und leichtem Bulging sowie diskrete Osteochondrosen C5/6 und

C6/7. Zusammenfassend bestehe eine radiologische Instabilität C4/5, die

möglicherweise durch ein Hyperflexionstrauma mit Überdehnung der dorsalen

Strukturen der Halswirbelsäule entstanden sei.

6.1.8 Dr. med. B.___, Facharzt für

orthopädische Chirurgie, führte in seinem Bericht vom 20. November 2019 (IV-Nr.

70.28) aus, er sehe in der heutigen Sprechstunde eine Patientin nach

stattgehabtem Sturzereignis mit HWS-Distorsion vom 30. April 2019. Es handle

sich hierbei um einen prolongierten Heilungsverlauf mit nach wie vor

bestehenden deutlichen Schmerzen im Sinne eines cervicocephalen Syndromes.

Die geklagte Schmerzproblematik sei

derart heftig, dass der Tagesablauf offensichtlich gestört sei und durch die

Schmerzattacken deutliche Einschränkung finde. Lokal imponierten im Bereich der

oberen HWS eine deutlich druckdolente Muskulatur sowie auf Druckreiz sich

aufbauende Schmerzen nach supraorbital sowie abstrahlen im Verlauf der

Muskulatur nach dorsal zwischen die Schulterblätter. Radiologisch fänden sich

Auffälligkeiten, die die Beschwerdesymptomatik weiterhin erklären liessen, vor

allen Dingen im Hinblick auf die sich ergebende richtungsweisende

Verschlimmerung durch das Unfallereignis.

6.1.9 Dr. med. V.___, Facharzt für Neurologie,

führte in seinem Bericht vom 20. Februar 2020 (IV-Nr. 76.10) aus, bei der

Beschwerdeführerin sei es am 30. April 2019 zu einem Stolpersturz in

Zusammenhang mit ihrem Hund gekommen, sie sei nach vorne auf beide Hände

gefallen, es sei nicht zu einer äusseren Verletzung im Kopf- und

Gesichtsbereich gekommen. Sie habe zunächst noch zwei Tage arbeiten gehen

können, dann hätten aber die Beschwerden zugenommen und seien seither

eigentlich konstant geblieben. Es werde ein buntes Beschwerdebild beschrieben

mit im Vordergrund stehenden ständigen zervikalen Beschwerden und

intermittierenden Ausstrahlungen zum Kopf sowie zu allen Extremitäten verbunden

mit weiteren Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Zittern an den Extremitäten,

Sehstörungen und Müdigkeit. Die aktuelle klinisch-neurologische Untersuchung

sei normal, es zeige sich ein diskretes Hornersyndrom rechts, welches als

physiologische Variante eingestuft werden könne. Es bestünden keine

sensomotorischen radikulären Defizite an den Extremitäten, es fänden sich auch

keine Hinweise für eine zentralnervöse Schädigung. Die anamnestische

Schilderung der Kopfschmerzen bereits in der Jugend lasse am ehesten an eine

Migräne ohne Aura denken, diese Kopfschmerzen hätten offenbar seit dem Unfall

vom April 2019 an Häufigkeit zugenommen. Aufgrund der Heckkollision im Dezember

2017 in Australien hätten diese Beschwerden zugenommen. Das Ansprechen auf die

bisherigen therapeutischen Massnahmen sei an sich als durchaus paradox

einzustufen, weil die Symptomatik nach den verschiedensten Behandlungen jeweils

zugenommen habe. Dieser Verlauf sei sicherlich bemerkenswert, vom

Neurochirurgen sei der Verdacht auf eine Somatisierung geäussert worden. Aus

neurologischer Sicht könne aktuell festgehalten werden, dass keine traumatisch

bedingten Schäden im Bereich des zentralen oder peripheren Nervensystems

nachgewiesen werden könnten. Die Kopfschmerzen seien im Sinne einer Migräne zu

interpretieren und nicht verdächtig für einen sekundären oder gefährlichen

Kopfschmerz. Das Vorliegen eines zervikogenen Kopfschmerzes oder eines

chronischen Kopfschmerzes nach kraniozervikalem Beschleunigungstrauma könne

aufgrund der aktuellen diagnostischen Kriterien der internationalen

Kopfwehgesellschaft von 2018 nicht bestätigt werden. Es ergebe sich

dementsprechend zurzeit aus neurologischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung

auf die Arbeitsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei somit

aus neurologischer Sicht zurzeit für sämtliche Tätigkeiten nicht eingeschränkt.

6.1.10 Im polydisziplinären C.___-Gutachten

vom 23. Februar 2021 (IV-Nr. 100.1; Fachrichtungen: Neurologie, Orthopädie,

Psychiatrie und Innere Medizin) wurden folgende Diagnosen gestellt:

Diagnosen mit Auswirkung auf die

Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)

Keine.

Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit

(letzte Tätigkeit)

1. Zervikobrachialsyndrom beidseits ohne

radikuläre Reizung, Klippel-Feil-Syndrom (Blockwirbel HWK 3/4)

2. Thorakolumbalsyndrom ohne radikuläre

Reizung, Status nach Morbus Scheuermann des thorakolumbalen Überganges

3. Geringe linkskonvexe lumbale Skoliose

4. Senk-Spreizfuss beidseits

5. Migräne ohne Aura

Die von der Versicherten aus

internistischer Sicht geschilderten Symptome Gleichgewichtsstörungen,

Ohrgeräusche und Sehstörung könnten zumindest teilweise durchaus in

Zusammenhang stehen mit dem eher niedrigen Blutdruck, den sie ebenfalls angebe.

Dieser bestätige sich bei der heutigen Untersuchung und müsse als

konstitutionell angesehen werden. Es ergebe sich hieraus insgesamt kein

Krankheitswert. Krankheitswertige Diagnosen könnten allgemein auf

internistischem Gebiet nicht gestellt werden. Es lägen keine Einschränkungen

der Arbeitsfähigkeit vor. Sodann wurde in psychiatrischer Hinsicht ausgeführt,

eine Anpassungsstörung gemäss F43.2 liege aktuell, bei fehlenden affektiven

Symptomen, nicht vor. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:

F45.10) liege ebenfalls nicht vor, da diese Diagnose gemäss ICD-10 unter

anderem voraussetze, dass sowohl hinsichtlich Entstehung als auch Verlauf der

Schmerzen emotionale Konflikte oder psychosoziale Probleme die Hauptursache

darstellten (Formulierung ICD-10: «Einschneidende ursächliche Einflüsse»). Dies

sei bei der Versicherten nicht der Fall. Aus orthopädischer Sicht stellten sich

in den aktuellen Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule einschliesslich

Funktionsaufnahmen in Inklination und Reklination vom 27. Januar 2021 lediglich

die bekannte angeborene Blockwirbelbildung im Segment HWK 3/4 sowie eine

konsekutiv gering vermehrte Beweglichkeit im Segment HWK 4/5 dar, die die von

der Versicherten angegebenen Schmerzen mit Ausstrahlung in den Kopf und in

beide Arme jedoch nicht erklärten. In den Röntgenaufnahmen der Brustwirbelsäule

vom 27. Januar 2021 hätten eine mässige ventralbetonte Spondylosis sowie

Schmorl'sche Knorpelknötchen als Hinweise auf einen abgelaufenen Morbus

Scheuermann in der unteren Brustwirbelsäule und dem thorakolumbalen Übergang

bestanden, die die im Rahmen der orthopädisch-traumatologischen Untersuchung

angegebenen Schmerzen im Bereich der gesamten Brustwirbelsäule nur zum

(geringen) Teil erklärten. In den aktuellen Röntgenaufnahmen der

Lendenwirbelsäule vom 27. Januar 2021 zeige sich bis auf die angeborene minime

linkskonvexe Rotationsskoliosefehlhaltung der mittleren und oberen Lendenwirbelsäule

ein regelrechter radiologischer Untersuchungsbefund. Von orthopädisch-traumatologischer

Seite bestünden daher für die angegebenen Missempfindungen an beiden Oberschenkel-Innenseiten,

das Zittern und die gelegentlich auftretende Instabilität in beiden Beinen keine

entsprechenden pathologischen Korrelate. Zusammenfassend bestünden von

orthopädisch-traumatologischer Seite keine Erkrankungen der Versicherten, die

eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würden. Sodann wurde in

neurologischer Hinsicht festgehalten, klinisch-neurologisch liege ein

vollständig regelrechter Untersuchungsbefund vor. Die Anamnese spreche für das

Vorliegen einer Migräne ohne Aura. Hierbei handle es sich um eine grundsätzlich

behandelbare Krankheit. Aktuell erfolge keinerlei Therapie. Unter einer

leitliniengerechten Therapie sei nicht von einer Einschränkung der

Leistungsfähigkeit auf neurologischem Gebiet auszugehen. Zusammenfassend wurde

aus interdisziplinärer Sicht festgehalten, aus orthopädischer Sicht würden

unter Berücksichtigung des schlanken Habitus der Versicherten körperlich

dauerhaft mittelschwere bis schwere Tätigkeiten als ungeeignet angesehen.

Weitere Einschränkungen seien fachübergreifend nicht gesehen worden. Aufgrund

der anhaltenden subjektiven, therapieresistenten Wirbelsäulenschmerzen wäre

eine wechselbelastende Tätigkeit in Übereinstimmung mit der subjektiven

Einschätzung der Versicherten, auch wenn streng genommen keine stringenten medizinischen

Gründe dafür vorlägen, sinnvoll.

6.1.11 Im Bericht der J.___ betreffend

das MRT der rechten Hand vom 3. September 2021 (B [Beschwerdebeilage] 19) wurde

zur Beurteilung festgehalten:

-

Fokale Osteitis/Residuum

einer Kontusion radial palmar am Köpfchen von MC 1 und begleitender

Gelenkerguss im MCP G1 ohne erkennbare Ruptur der Kollateralbänder:

Möglicherweise Läsion der palmaren Platte. Gegebenenfalls ergänzende dedizierte

Untersuchung des MCP G1 Gelenkes.

-

Keine sonstigen

Begleitverletzungen im Untersuchungsbereich.

6.1.12 Mit Bericht vom 1. September

2021 hielt Dr. med. B.___ auf die Frage des Vertreters der Beschwerdeführerin,

wie er die unfallbedingte Arbeitsfähigkeit (Unfall vom 8. April 2021:

Handgelenk, Arm, Ellbogen) in der angestammten Tätigkeit als Bauspenglerin und

in einer angepassten Tätigkeit beurteile, Folgendes fest: Aufgrund der

vorliegenden Befunde aus dem Departement für Orthopädie und auch aus der

Handchirurgie des R.___ halte er, Dr. med. B.___, eine Arbeitsfähigkeit im Berufsbild

der Bauspenglerin EFZ nicht für gegeben. Es bestehe aus seiner Sicht für diese

Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der erlittenen Verletzungen,

welche in den Akten dokumentiert seien. Des Weiteren liege eine Bildgebung vor,

die diese Verletzung bestätigt habe (Ultraschalldiagnostik Handchirurgie). In

einer angepassten Tätigkeit (die Probandin habe ja einen Zweitberuf als

Hochbauzeichnerin) bestehe sicherlich eine Teilarbeitsfähigkeit von 50 – 60 %.

Diese angepasste Tätigkeit sollte nur moderat handbelastend sein, respektive

mit der Gegenseite ausführbar sein. Aufgrund der bestehenden Schmerzsymptomatik

halte er hier einen erhöhten Pausenbedarf für notwendig (ca. 15 – 20

Minuten pro Arbeitsstunde zum Ausführen des ergotherapeutisch erlernten

Übungsprogramms), woraus sich das reduzierte Arbeitspensum welches oben genannt

sei, ergebe. Weiter führte Dr. med. B.___ aus, aufgrund der vorliegenden

Verletzungsmuster und der nach wie vor bestehenden Belastungseinschränkung der

betroffenen oberen Extremität (rechter Ellenbogen und Hand der Rechtshänderin)

liege aktuell eine deutliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor, wobei man

hier konstatieren müsse, dass der medizinische Endzustand hinsichtlich des

Unfalls vom 8. April 2021 noch nicht erreicht sei. Diesbezüglich sollte noch

eine weitere Therapie erfolgen. Unter optimalem Umsetzen der Therapie erachte

er das Erreichen des medizinischen Zustandes im Zeitraum der nächsten sechs

Monate für realistisch. Aufgrund des jungen Alters der Beschwerdeführerin wäre

eine volle Arbeitsfähigkeit wieder anzustreben. In Bezug auf die Unfallfolgen

des genannten Unfalls vom 8. April 2021 erscheine dies innerhalb der nächsten

sechs Monate für realisierbar.

7. Die Beschwerdegegnerin stützt

sich im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen auf das polydisziplinäre C.___-Gutachten

vom 23. Februar 2021 (IV-Nr. 100.1), weshalb dessen Beweiswert zu prüfen ist.

7.1

7.1.1 Vorweg ist auf die Rügen der

Beschwerdeführerin einzugehen, wonach die C.___, [...], dadurch, dass sie das

vorliegende Gutachten durch Gutachter habe erstellen lassen, die gleichzeitig

für die C.___, [...], und drei andere Gutachterstellen tätig seien, nicht nur

die Weisung des BSV missachtet, sondern auch die Vorgaben von BGE 137 V 210 ff. und damit Art. 6 Ziff. 1 EMRK verletzt habe. Sodann komme

erschwerend hinzu, dass zwei Gutachter (Dr. L.___ und Dr. M.___) ohne Angabe

von Gründen einfach ausgetauscht und durch Gutachter (Dr. G.___ und Dr. D.___)

ersetzt worden seien, welche in offensichtlich der C.___, [...], zugewandten

Gutachterstellen tätig seien.

7.1.2 Bevor die IV-Stelle den Auftrag

für ein polydisziplinäres Gutachten vergibt (d.h. ein Gutachten, das wie im

vorliegenden Fall drei oder mehr Fachdisziplinen umfasst), teilt sie der versicherten

Person die Gutachterstelle und die Namen der mit dem Gutachten betrauten

Personen nebst den entsprechenden Facharzttiteln mit (Rz 2077.8 Kreisschreiben

über das Verfahren in der Invalidenversicherung / KSVI, Stand am 1. Januar

2018). Die versicherte Person erhält eine Frist von zwölf Tagen, um Einwände zu

erheben (Rz 2077.9 KSVI). Sie kann die Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen

(Art. 44 Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des

Sozialversicherungsrechts / ATSG, SR 830.1), z.B. wegen fehlender

Fachkompetenz (BGE 138 V 271 E. 1.1 S. 274 f.).

Die vorgenannten Verfahrensvorschriften

wurden auch im vorliegenden Verfahren eingehalten (vgl. IV-Nrn. 91 und 96). Die

Beschwerdeführerin hat es vor der Begutachtung unterlassen, die vorgebrachten

Ausstandsgründe bzw. die gerügten Überschneidungen mit anderen Gutachterstellen

innert der ihr gesetzten Frist zu beanstanden. Einwendungen sind nach Treu und

Glauben möglichst bald zu erheben, damit diese bereits im Vorfeld der

Begutachtung geklärt werden können. Damit ist der Anspruch auf Anrufung dieser

Verfahrensgarantie verwirkt. Daran ändert der Umstand nichts, dass die

Beschwerdeführerin erst nach der erfolgten Begutachtung durch Rechtsanwalt

Wyssmann vertreten wurde. Somit ist auf die diesbezüglichen Rügen (E. II. 7.1.1

hiervor) nicht einzutreten.

7.2 Nachfolgend ist sodann wie

erwähnt der Beweiswert des C.___-Gutachtens zu prüfen. Das polydiszplinäre C.___-Gutachten

wird den allgemeinen rechtsprechungsgemässen Anforderungen gerecht. Es stammt

von unabhängigen Fachärzten, welche die Beschwerdeführerin eingehend untersucht

und die Anamnese erhoben sowie die Vorakten studiert haben. Weiter ist zu

prüfen, ob das Gutachten auch den übrigen beweisrechtlichen Anforderungen

genügt.

7.2.1 Im neurologischen Teilgutachten

(IV-Nr. 100.7) wurde ausgeführt, anlässlich der hiesigen neurologischen

Untersuchung habe die Versicherte über ständige Nackenschmerzen nach einem

Unfall mit ihrem Hund im Jahre 2019 geklagt. Ferner bestehe eine Migräne mit Aura

seit der Jugend. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zwischen der Angabe

starker Nackenschmerzen auch während der hiesigen neurologischen Untersuchung

einerseits, sowie dem Fehlen jedweder Schmerzäusserung andererseits und einem

vollständig regelrechten klinisch-neurologischen Untersuchungsbefund mit auch

fehlenden nervalen Dehnungszeichen. Die angegebenen Nackenschmerzen fänden

keine organneurologische Erklärung. Der klinisch-neurologische

Untersuchungsbefund habe einen normalen Hirnnervenstatus gezeigt, manifeste

oder latente Paresen hätten nicht vorgelegen. Die Muskeleigenreflexe hätten

sich seitengleich auf schwachem bis mittellebhaftem Niveau auslösbar gezeigt

und zeigten intakte Reflexbögen an. Hinweise auf eine Rückenmarksschädigung

hätten sich nicht ergeben. Bei der Prüfung der Sensibilität sei für alle

Qualitäten ein normales Empfinden angegeben worden. Auch die koordinativen und

vegetativen Funktionen zeigten sich in allen Einzelheiten regelrecht. Hinweise

auf das Vorliegen nervaler Dehnungszeichen hätten sich weder zervikal noch

lumbal ergeben. Gestützt auf diese Ausführungen vermag die gutachterliche

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu überzeugen: Zusammenfassend liege

klinisch-neurologisch ein vollständig regelrechter Untersuchungsbefund vor. Die

Anamnese spreche für das Vorliegen einer Migräne ohne Aura. Hierbei handle es

sich um eine grundsätzlich behandelbare Krankheit. Aktuell erfolge keinerlei

Therapie. Es bestehe keine Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit

7.2.2 Im orthopädischen Teilgutachten

(IV-Nr. 100.6) wurde festgehalten, im MRI der Halswirbelsäule vom 24. Juli 2019

stellten sich keine relevanten degenerativen Veränderungen oder

Nervenwurzelkompressionen dar. Hinweise auf eine Reizung zervikaler

Nervenwurzeln hätten auch aktuell bei fehlender Schon- und Fehlhaltung,

fehlendem paravertebralem Muskelhartspann und seitengleich vollständig

vorführbaren Handfunktionen nicht bestanden. In den aktuellen Röntgenaufnahmen

der Halswirbelsäule einschliesslich Funktionsaufnahmen in Inklination und

Reklination vom 27. Januar 2021 stellten sich lediglich die bekannte angeborene

Blockwirbelbildung im Segment HWK 3/4 sowie eine konsekutiv gering vermehrte

Beweglichkeit im Segment HWK 4/5 dar, die die von der Versicherten angegebenen

Schmerzen mit Ausstrahlung in den Kopf und in beide Arme jedoch nicht

erklärten. In den Röntgenaufnahmen der Brustwirbelsäule vom 27. Januar 2021 hätten

eine mässige ventralbetonte Spondylosis sowie Schmorl'sche Knorpelknötchen als

Hinweise auf einen abgelaufenen Morbus Scheuermann in der unteren

Brustwirbelsäule und dem thorakolumbalen Übergang bestanden, die die im Rahmen

der orthopädisch-traumatologischen Untersuchung angegebenen Schmerzen im

Bereich der gesamten Brustwirbelsäule nur zum (geringen) Teil erklärten. Die

Lendenwirbelsäule mit vermehrter Lordose sei frei beweglich gewesen. Eine

Abweichung der sagittalen Ebene im Sinne einer geringen linkskonvexen lumbalen

Skoliose habe sich mit einem geringen Lendenwulst links dargestellt. Die bei

der Oberkörper-Seitneigung nach beiden Seiten angegebenen Schmerzen an der

jeweiligen Seite des dorsalen Schultergürtels seien anatomisch nicht

nachvollziehbar. Hinweise auf eine Reizung lumbaler Nervenwurzeln hätten bei

fehlender Schon- und Fehlhaltung, fehlendem paravertebralem Muskelhartspann,

seitengleich vorführbaren Gangvarianten und der tiefen Hocke sowie beidseits

negativem Zeichen nach Lasègue und Bragard nicht bestanden. Bei fehlender Druckschmerzangabe,

beidseits negativem Patrick-Zeichen und fehlendem Vorlaufphänomen hätten sich

auch keine Hinweise auf eine bestehende Reizung oder Blockierung der

Iliosakralgelenke gezeigt. In den aktuellen Röntgenaufnahmen der

Lendenwirbelsäule vom 27. Januar 2021 zeige sich bis auf die angeborene minime

linkskonvexe Rotationsskoliosefehlhaltung der mittleren und oberen

Lendenwirbelsäule ein regelrechter radiologischer Untersuchungsbefund. Von

orthopädisch-traumatologischer Seite bestünden daher für die angegebenen

Missempfindungen an beiden Oberschenkel-Innenseiten, das Zittern und die

gelegentlich auftretende Instabilität in beiden Beinen keine entsprechenden

pathologischen Korrelate. Gestützt auf die umfassende Befunderhebung und

Diagnosestellung vermag sodann auch die gutachterliche Beurteilung der

Arbeitsfähigkeit sowie das aus orthopädischer Sicht festgelegte

Zumutbarkeitsprofil zu überzeugen: Die nur geringgradigen degenerativen

Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule bedingten keine Einschränkung der

Arbeitsfähigkeit der Versicherten. Dafür spreche auch der fehlende Schmerzmittelbedarf

der Versicherten. Eingliederungsmassnahmen seien daher von

orthopädisch-traumatologischer Seite ab sofort in vollem Umfang möglich.

Lediglich aufgrund der schlanken körperlichen Konstitution der Versicherten

würden körperlich dauerhaft mittelschwere bis schwere Arbeiten als ungeeignet

beurteilt. Sodann setzte sich die orthopädische Gutachterin in

nachvollziehbarer Weise mit der entgegenstehenden Beurteilung von Dr. med. B.___

auseinander, wonach der Versicherten das Heben und Tragen von Lasten von

maximal 5 kg und nur für ca. 3 – 4 Stunden zumutbar seien, während im Haushalt

eine Einschränkung von 50 – 70 % bestehe. Hierzu hielt die orthopädische

Gutachterin fest, es scheine, als ob diese Einschätzung mit massiver

Limitierung der körperlichen und zeitlichen Belastbarkeit der Versicherten

lediglich auf den Angaben der Versicherten selbst beruhen würde. Bei der

Versicherten bestünden radiologisch jedoch nur geringgradige degenerative

Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule ohne Kompressionen von Nervenwurzeln,

die keine relevante Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit begründeten.

Bei fehlenden entsprechenden klinischen und radiologischen Korrelaten für die

von der Versicherten angegebene Art und den Schweregrad der Beschwerden seien

die postulierten körperlichen und zeitlichen Einschränkungen von orthopädisch-traumatologischer

Seite nicht nachvollziehbar.

7.2.3 Im internistischen Teilgutachten

(IV-Nr. 100.3) wurde ausgeführt, die von der Versicherten geschilderten

Symptome Gleichgewichtsstörungen, Ohrgeräusche und Sehstörungen könnten

zumindest teilweise durchaus in Zusammenhang stehen mit dem eher niedrigen

Blutdruck, den sie ebenfalls angebe. Dieser bestätige sich bei der heutigen Untersuchung

und müsse als konstitutionell angesehen werden. Es ergebe sich hieraus

insgesamt kein Krankheitswert. Krankheitswertige Diagnosen könnten allgemein

auf internistischem Gebiet nicht gestellt werden. Letztendlich nicht recht

verständlich sei, weswegen die Versicherte in ihrem zweiten erlernten Beruf als

Hochbauzeichnerin nicht, zumindest teilzeitig, tätig sei. In der Bewältigung

des Alltags scheine es keine schwerwiegenden Beeinträchtigungen zu geben, was

insgesamt gegen eine höhergradige Einschränkung der Arbeits- bzw.

Leistungsfähigkeit spreche. Diese Beurteilung vermag gestützt auf die

Ausführungen des internistischen Teilgutachters zu überzeugen, zumal dessen

Einschätzung keine Berichte von behandelnden internistischen Ärzten

entgegenstehen.

7.2.4 Im psychiatrischen Teilgutachten

(IV-Nr. 100.4) wurde festgehalten, die Versicherte zeige sich im Erstkontakt

zugewandt und situationsadäquat. Ein tragfähiger Kontakt sei rasch herstellbar

und durchgehend aufrecht zu erhalten. Die Auffassung sei nicht erschwert, die

Konzentration nicht beeinträchtigt, auch nicht gegen Ende der Untersuchung. Es

würden subjektiv Konzentrationsstörungen angegeben. Sodann lägen keine Hinweise

für intellektuelle Defizite vor, die höheren kognitiven Leistungen (problemlösendes

Denken, Urteilsvermögen) seien angemessen differenziert. Die Beschwerdeführerin

sei bewusstseinsklar, zu allen Qualitäten (autopersonell, situativ, zeitlich,

örtlich) vollständig orientiert. Sie spreche mit gut modulierter Stimme in

adäquater Geschwindigkeit. Der formale Gedankengang sei geordnet, es zeigten

sich in der Untersuchungssituation keine Wahngedanken, keine Halluzinationen,

keine illusionären Verkennungen, auch anamnestisch ergäben sich keine Hinweise

auf diesbezügliche psychopathologische Auffälligkeiten. Die Merkfähigkeit, das

Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis wirkten im klinisch-psychopathologischen

Befund unbeeinträchtigt. Störungen des Ich-Bewusstseins lägen nicht vor. Die

Intelligenz zeige sich im klinischen Überblick im Normbereich. Die

Willenskräfte seien ausreichend strukturiert und regelrecht. Ambivalenz oder

Ambitendenz bestünden nicht. Der Antrieb sei nicht reduziert. Gestik und Mimik

seien überwiegend ruhig, Stimmung und Affekt würden psychomotorisch synthym

unterstrichen. Die Versicherte zeige sich themenbezogen in teils sorgenvoller

Stimmung. Über neutrale Themen sei sie aber gut auflockerbar und modulierbar.

Die affektive Schwingungsfähigkeit sei nicht beeinträchtigt. Es bestünde keine

Affektlabilität oder Affektinkontinenz. Keine Interesselosigkeit und kein

sozialer Rückzug. Zwangssymptome oder phobische Ängste lägen nicht vor. Von der

Persönlichkeit her sei sie verträglich, offen, keine Hinweise für eine

Persönlichkeitsakzentuierung oder Persönlichkeitsstörung. Die Urteils- und

Kritikfähigkeit seien erhalten, es lägen keinerlei Hinweise für paranoide

Denkinhalte vor. Es bestehe eine mittelmässige Motivation, einen entsprechenden

Job zu finden. Die Versicherte hoffe eher auf die Auszahlung einer Rente. Es

bestünden Ein- und Durchschlafstörungen. Der Appetit sei normal. Die

Versicherte berichte sodann, sie sei im Jahr 2018 für etwa zwei Monate bei Frau

Dr. W.___ in Behandlung gewesen, um ein Problem aus ihrer Vergangenheit

aufzuarbeiten. Diese Behandlung habe ihr geholfen. Es habe keine

psychopharmakologische Behandlung stattgefunden. Gestützt auf die vorstehende

Befunderhebung vermögen schliesslich die gutachterlichen Ausführungen zu

möglichen Diagnosen sowie die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu überzeugen: Eine

Anpassungsstörung gemäss F43.2 liege aktuell, bei fehlenden affektiven

Symptomen, nicht vor. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10:

F45.10) liege ebenfalls nicht vor, da diese Diagnose gemäss ICD-10 unter

anderem voraussetze, dass sowohl hinsichtlich Entstehung als auch des Verlaufs

der Schmerzen emotionale Konflikte oder psychosoziale Probleme die Hauptursache

darstellten (Formulierung ICD-10: «Einschneidende ursächliche Einflüsse»). Dies

sei bei der Versicherten nicht der Fall. In den Unterlagen befinde sich der

Bericht von Dr. med. T.___ vom 11. Dezember 2018. Dort werde die Diagnose

einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion gestellt, wobei die

Behandlung nur vereinzelte Male stattgefunden habe, da sie nach zwei Monaten

von der Versicherten wieder abgebrochen worden sei. Es bestehe somit in

psychiatrischer Hinsicht in jeglicher Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit.

Aus psychischen Gründen sei die Arbeitsfähigkeit nie eingeschränkt gewesen.

Gestützt auf dieses beweiswertige fachärztliche Teilgutachten, welches eine

psychiatrisch bedingte Arbeitsunfähigkeit in überzeugender Weise verneint, kann

auf eine Indikatorenprüfung verzichtet werden (BGE 143 V 418 E. 7.1 S. 429).

7.2.5 Gestützt auf die beweiswertigen

Teilgutachten vermag schliesslich auch die interdisziplinäre Gesamtbeurteilung

zu überzeugen, wonach bei der Beschwerdeführerin sowohl in der bisherigen

Tätigkeit als auch in einer angepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit

besteht – dies zumindest seit dem frühestmöglich relevanten Beginn eines

allfälligen Wartejahres per Mai 2019 (Anmerkung: Die Neuanmeldung erfolge per

22. November 2019, womit ein Rentenanspruch frühestens per Mai 2020 hätte

entstehen können; vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).

7.3 Der Beweiswert des Gutachtens

der C.___, wird schliesslich auch nicht durch die entgegenstehenden Berichte

behandelnder Ärzte oder die Rügen der Beschwerdeführerin geschmälert. Wie

bereits vorstehend unter E. II. 6.1 hiervor festgehalten, erfolgte die Rentenabweisung

mit Verfügung vom 15. Dezember 2017 nicht aufgrund einer umfassenden

Beurteilung der medizinischen Akten, sondern weil die Beschwerdeführerin ihre

Umschulung zur Zeichnerin mit Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis erfolgreich abgeschlossen

hatte und damit als erfolgreich eingegliedert galt. Entgegen der Ansicht der

Beschwerdeführerin fand weder vor Erlass des Beschlusses vom 6. März 2014,

worin der Beschwerdeführerin die Kostenübernahme für eine Umschulung zur

Zeichnerin EFZ zugesprochen wurde, noch vor Erlass der leistungsabweisenden

Verfügung vom 15. Dezember 2017 eine umfassende Beurteilung der

medizinischen Akten statt. Die RAD-Ärztin hielt lediglich im Rahmen des

Intake-Gesprächs vom 4. Februar 2013 (IV-Nr. 19) als Vorabbeurteilung Folgendes

fest: Bei der Versicherten bestünden Einschränkungen für körperliche Arbeiten.

Die Beschwerden träten bei länger anhaltenden einseitigen Belastungen auf.

Aufgrund der vorliegenden Befunde und der beschriebenen Beschwerden sollte

schweres Heben und Tragen und Arbeiten in Zwangshaltungen vermieden werden.

Ideal sei eine Tätigkeit, bei der ein regelmässiger Wechsel zwischen Stehen,

Gehen und Sitzen möglich sei. Eine Allergenexposition sei zu vermeiden. Die

Wiedereingliederung in die erlernte Tätigkeit als Spenglerin sei als ungünstig

einzuschätzen. Mit einem Wiederauftreten der Beschwerden beziehungsweise mit

einer Verschlechterung sei zu rechnen. Eine Umorientierung in eine angepasste

Tätigkeit sei zu empfehlen. Auf diese Einschätzung der RAD-Ärztin stützte sich

in der Folge auch der Umschulungsbeschluss der Beschwerdegegnerin vom 6. März

2014 ab, ohne jedoch vorher diesbezüglich vertiefte ärztliche Abklärungen zu

veranlassen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin wurde demnach aus

medizinischer Sicht nicht verbindlich festgestellt, dass der Beschwerdeführerin

die damalige Tätigkeit als Bauspenglerin nicht mehr zumutbar wäre. Die C.___-Gutachter

hatten diesbezüglich somit keine vergleichende Beurteilung vorzunehmen und auch

keine allfällige Verbesserung zu begründen.

Sodann rügt die Beschwerdeführerin, es

sei widersprüchlich, wenn die C.___-Gutachter einerseits körperlich dauerhaft

mittelschwere bis schwere Arbeiten als ungeeignet beurteilten, aber

andererseits den bisherigen Beruf als Spenglerin weiterhin als zumutbar

erachteten. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass mittelschwere bis schwere

Arbeiten nicht wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen, sondern wegen des schlanken

Habitus der Beschwerdeführerin als ungeeignet angesehen werden, und dass sich

der Schweregrad des Spenglerberufs gestützt auf die vorliegenden Akten nicht

abschliessend beurteilen lässt. Diese Frage kann aber ohnehin offenbleiben, da

die C.___-Gutachter für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen

Tätigkeit alternativ auch eine solche Beurteilung für die Tätigkeit als

Zeichnerin EFZ vorgenommen haben, worauf denn auch die Beschwerdegegnerin in

der angefochtenen Verfügung abstellt, was nicht zu beanstanden ist. Demnach

kann auf die von der Beschwerdeführerin beantragten Parteibefragung sowie die

Befragung des C.___-Gutachters, Dr. med. D.___, verzichtet werden (s.

Rechtsbegehren 5 und 6), womit die diesbezüglichen Beweisanträge

abzuweisen sind.

Des Weiteren rügt die

Beschwerdeführerin, in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung des C.___-Gutachtens

verstrickten sich die Gutachter hinsichtlich der Unfall-ereignisse in unlösbare

Widersprüche. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass in der interdisziplinären

Beurteilung im C.___-Gutachten hinsichtlich der Unfälle zwar teilweise

widersprüchliche Angaben enthalten sind. So wurde der Auffahrunfall in

Australien mal korrekt auf den 29. Dezember 2017 und mal fälschlicherweise

auf das Jahr 2018 datiert. Zudem wurde der Unfall mit ihrem Hund einerseits korrekt

dem 30. April 2019 und andererseits fälschlicherweise dem Jahr 2018 zugeordnet.

Des Weiteren wurde mal von einem Sturz im Haushalt mit ihrem Hund berichtet,

wobei sich dieser Unfall draussen ereignet hat. Jedoch ist hierzu relativierend

festzuhalten, dass ein Grossteil der genannten Angaben bereits in den Vorakten teilweise

falsch wiedergegeben wurden: So betreffend den Auffahrunfall (s. Bericht der

Suva vom 24. Februar 2020 betreffend Vorlage Versicherungsmedizin;

IV-Nr. 76.9) und den vermeintlichen Sturz im Haushalt wegen des Hundes (s. RAD-Anfrage,

12. August 2020; IV-Nr. 88). Was schliesslich die Angabe – «Unfall mit

ihrem Hund im Jahre 2018» – auf Seite 7 der interdisziplinären

Gesamtbeurteilung des C.___-Gutachtens (IV-Nr. 100.1) anbelangt, so handelt es

sich hierbei klarerweise um einen Verschrieb. So wird im genannten Absatz der

Inhalt des neurologischen Teilgutachtens wiedergegeben. Im betreffenden

Abschnitt des neurologischen Teilgutachtens (s. IV-Nr. 100.7, S. 7) wurde aber

korrekt von einem «Unfall mit ihrem Hund im Jahre 2019» gesprochen. Somit

vermögen die genannten Widersprüche den Beweiswert des C.___-Gutachtens

ebenfalls nicht zu entkräften, zumal diese unterschiedlichen Angaben für die

gutachterliche Beurteilung ohnehin nicht von Relevanz sind.

Sodann rügt die Beschwerdeführerin, das

Gutachten der C.___ erweise sich als widersprüchlich, weil einerseits die

orthopädische Gutachterin der Beschwerdeführerin eine massive Limitierung der körperlichen

und zeitlichen Belastbarkeit und damit Aggravation unterstellt habe und

andererseits der internistische Gutachter bestätigt habe, dass keine Hinweise

auf Aggravation und Simulation vorhanden seien. Dem ist entgegenzuhalten, dass

alleine aus einer diesbezüglich unterschiedlichen Beurteilung in verschiedenen

Fachbereichen kein Widerspruch abgeleitet werden kann. Hinzu kommt, dass aus

internistischer Sicht keine wesentlichen Beschwerden geltend gemacht wurden und

dementsprechend auch keine Diagnosen vorliegen, weshalb es nicht erstaunt, dass

der Beschwerdeführerin in diesem Bereich keine subjektive Limitierung

attestiert wurde. Dagegen sind aus orthopädischer Sicht langjährige Beschwerden

und Diagnosen aktenkundig. Zusammenfassend stellt demnach die im orthopädischen

Teilgutachten festgestellte Limitierung keinen Widerspruch zur internistischen

Beurteilung dar. Bereits aus diesem Grund besteht kein Anlass, den

E-Mail-Verkehr der Gutachter betreffend Konsensbesprechung einzuholen, wie dies

von der Beschwerdeführerin beantragt wurde. Diesbezüglich ist zudem auf die

geltende bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen, wonach grundsätzlich

kein Anspruch auf Einsicht in die der internen Meinungsbildung dienenden

Notizen eines Gutachters besteht. Handnotizen, welche ein Gutachter selbst

anlässlich einer von ihm durchgeführten Exploration erstellt hat, haben die

Funktion einer Gedankenstütze oder eines Hilfsmittels für die Erstellung eines

Gutachtens. Dies heisst aber auch, dass sie ihren Zweck mit der Ausarbeitung

des Gutachtens erfüllt hätten. Das Gleiche muss ebenfalls hinsichtlich des

E-Mailverkehrs zwischen den Gutachtern gelten, welcher der Konsensbildung

diente. Derartigen Arbeitsunterlagen geht der Beweischarakter ab und ein

Anspruch auf Einsicht in dieselben ist zu verneinen (vgl. Urteil des

Bundesgerichts 9C_591/2010 vom 20. Dezember 2010 E. 5). Somit ist der

diesbezügliche Beweisantrag (s. Rechtsbegehren 3, E. I. 3 hiervor) abzuweisen.

Soweit die Beschwerdeführerin weiter geltend

macht, die C.___-Gutachter seien anstatt vom Verfügungszeitpunkt vom 15.

Dezember 2017 als wesentlichem Referenzzeitunkt vom November 2018 ausgegangen,

ist wiederum auf das bereits unter E. II. 6.1 hiervor Gesagte zu verweisen,

wonach vorliegend eben keine vergleichende Beurteilung analog einer

Rentenrevision stattzufinden hat. Zwar erscheint es nicht ganz nachvollziehbar,

weshalb die Gutachter den Verlauf der Arbeitsfähigkeit erst ab dem November

2018 beurteilten. Möglicherweise nahmen sie fälschlicherweise an, dies sei angesichts

der Neuanmeldung vom 22. November 2019 der frühestmögliche Beginn des

Wartejahres. Aber auch wenn der von den Gutachtern als Referenzzeitpunkt

festgelegte November 2018 schlussendlich nicht weiter Belang ist, hat dies auf

die gutachterliche Gesamtbeurteilung keinen beweismindernden Einfluss, zumal

der Verlauf der Arbeitsfähigkeit ausreichend beurteilt wurde.

Sodann bringt die Beschwerdeführerin

vor, ein weiterer Widerspruch bestehe darin, dass die orthopädische

Teilgutachterin die von Dr. med. I.___, Neurochirurgie FMH, bei der

Versicherten im Bericht vom 24. Juli 2019 noch als «relativ eindrücklich»

diagnostizierte Anterolisthese C4/5 auf Seite 51 des Gutachtens lediglich als

«diskret» beurteilt habe. Dem ist entgegenzuhalten, dass auf Seite 51 des C.___-Gutachtens

nicht die Anterolisthese C4/5 als diskret beschrieben wurde, sondern die

Anterolisthese HWK 5/6. Es wurde lediglich betreffend das MRT der

Halswirbelsäule vom 5. Februar 2018 festgehalten, es stellten sich eine

diskrete Diskopathie und Instabilität HWK 4/5 (Anterolisthese in Inklination)

dar. Eine Äusserung der orthopädischen Gutachterin im Zusammenhang mit den

bildgebenden Abklärungen vom 24. Juli 2019, wonach die Anterolisthese C4/5

diskret sei, ist dem Gutachten aber nicht zu entnehmen. Insofern die

Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang rügt, die orthopädische Gutachterin

habe den Bildbefund vom 24. Juli 2019, welchen die Beschwerdeführerin auf

CD-ROM mitgebracht habe, gar nicht angeschaut, ist festzuhalten, dass es

grundsätzlich der Gutachterin überlassen ist, ob sie Bildbefunde beiziehen will

oder sich hierbei auf die diesbezüglichen Berichte abstützt. Der diesbezügliche

Bericht des Röntgeninstituts H.___ vom 24. Juli 2019 (IV-Nr. 70.37) betreffend

MRI und Röntgen der Halswirbelsäule war in den den Gutachtern zur Verfügung

gestellten IV-Akten enthalten. Somit kann grundsätzlich davon ausgegangen

werden, dass dieser Bericht auch der orthopädischen Gutachterin zur Beurteilung

vorlag, selbst wenn er nicht explizit im Gutachten erwähnt wurde. Im Übrigen

ist es der Gutachterin überlassen, welche Untersuchungsmethoden sie anlässlich

der Begutachtung für notwendig erachtet. Der ebenfalls gerügte Umstand, dass

die Gutachterin bei der J.___ nur eine vierschichtige und keine sechsschichtige

Röntgenaufnahme durchführen liess, vermag angesichts der überzeugenden

orthopädischen Beurteilung im C.___-Gutachten demnach keinen Zweifel am

Beweiswert des Gutachtens zu begründen. Gestützt auf die vorgehenden

Ausführungen sind demnach auch die Beweisanträge gemäss Rechtsbegehren Ziff. 4

(s. E. I. 3. hiervor) abzuweisen.

Sodann erscheinen die Ausführungen der

orthopädischen Gutachterin – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin –

nicht als widersprüchlich, wenn sie die bisherige Behandlung einerseits als

adäquat erachtet und andererseits eine selbständige stabilisierende

Wirbelsäulengymnastik empfiehlt. Alleine der Umstand, dass zusätzliche

Trainingsmassnahmen zur Kräftigung der Muskulatur vorgeschlagen werden,

bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass die bisherige Therapie nicht als adäquat

bezeichnet werden könnte.

Des Weiteren rügt die

Beschwerdeführerin, der neurologische Gutachter habe festgehalten, unter einer

leitliniengerechten Therapie der Migräne sei nicht von einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit

auf neurologischem Gebiet auszugehen. Der Gutachter habe aber nicht festgelegt,

wie hoch die Arbeitsfähigkeit ohne Therapie sei. Dem ist entgegenzuhalten, dass

der neurologische Gutachter die Migräne als Diagnose ohne Auswirkungen auf die

Arbeitsfähigkeit gestellt hat und dementsprechend keine Einschränkung der

Arbeitsfähigkeit angenommen hat. Der vorgenannte Satz – unter einer

leitliniengerechten Therapie der Migräne sei nicht von einer Einschränkung der

Leistungsfähigkeit auf neurologischem Gebiet auszugehen – erscheint zwar

diesbezüglich etwas missverständlich. Aber der neurologische Gutachter hat auch

die Frage, ob die Arbeitsfähigkeit nach Einschätzung des Gutachters noch durch

medizinische Massnahmen relevant verbessert werden könne, mit nein beantwortet,

so dass davon auszugehen ist, dass er insgesamt der Migräne der

Beschwerdeführerin keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit attestiert. Dies

stimmt denn auch mit der Beurteilung des Neurologen, Dr. med. V.___, vom 20.

Februar 2020 (IV-Nr. 76.10) überein, welcher die Migräne ebenfalls als Diagnose

ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellte.

Sodann wird in der Beschwerdeschrift

geltend gemacht, die Beschwerdeführerin berichte über längerdauernde

Schwindelanfälle, weshalb sie mangels Planbarkeit für einen Arbeitgeber

unzumutbar sei. Somit dränge sich der Beizug eines neurootologischen Gutachters

auf. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Beschwerdeführerin den Schwindel in den

Vorakten meistens im Zusammenhang mit der Migräne genannt hat. Als eigenständig

auftretende Beschwerden und mit einer Intensität, welche sie für einen

potentiellen Arbeitgeber unzumutbar machen würde, hat sie den Schwindel

gegenüber den behandelnden Ärzten und den Gutachtern nie geschildert. Von Seiten

der behandelnden Ärzte wurde hinsichtlich des Schwindels denn auch nicht die

Notwendigkeit diesbezüglich weiterführender neurootologischer Abklärungen oder

Behandlungen postuliert. Demnach erscheinen vorliegend diesbezügliche neurootologische

Abklärungen im Rahmen eines Gutachtens als nicht notwendig.

7.4 Zusammenfassend ist somit auf

das voll beweiswertige C.___-Gutachten vom 23. Februar 2021 abzustellen,

womit der Anspruch auf eine Rente sowie auf berufliche Massnahmen –

vorbehältlich einer allfälligen Verschlechterung des Gesundheitszustandes durch

den Unfall vom 8. April 2021 (s. E. II. 8. hiernach) – abzuweisen ist.

8.

8.1 Schliesslich bleibt zu prüfen, ob

die Sache aufgrund des erst im vorliegenden Beschwerdeverfahren gemeldeten

Unfallereignisses vom 8. April 2021 – bzw. aufgrund allenfalls daraus

resultierender Verletzungen – dennoch zu weiteren Abklärungen an die

Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, wie dies von den Parteien

übereinstimmend beantragt wird.

Wie die Beschwerdeführerin zurecht darauf

hingewiesen hat, bildet rechtsprechungsgemäss der Zeitpunkt des Erlasses der

streitigen Verfügung – vorliegend 25. Mai 2021 – in tatbeständlicher

Hinsicht grundsätzlich die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis (BGE 129 V 4 E. 1.2, 105 V 161 f. E. 2d), womit allfällige Folgen des Ereignisses

vom 8. April 2021 grundsätzlich im vorliegenden Verfahren zu beurteilen sind. In

diesem Zusammenhang wurde im Bericht der J.___ betreffend das MRT der rechten

Hand vom 3. September 2021 eine Fokale Osteitis / ein Residuum einer Kontusion

radial palmar am Köpfchen von MC 1 und begleitender Gelenkerguss im MCP Gl ohne

erkennbare Ruptur der Kollateralbänder: Möglicherweise Läsion der palmaren

Platte, diagnostiziert. Zudem hielt Dr. med. B.___ mit Bericht vom 1. September

2021 unter anderem fest, es liege eine Bildgebung vor, die diese Verletzung

bestätigt habe (Ultraschalldiagnostik Handchirurgie). In einer angepassten

Tätigkeit (die Probandin habe ja einen Zweitberuf als Hochbauzeichnerin)

bestehe sicherlich eine Teilarbeitsfähigkeit von 50 – 60 %. Diese angepasste

Tätigkeit sollte nur moderat handbelastend sein, respektive mit der Gegenseite

ausführbar sein.

Alleine gestützt auf die vorgenannten

Berichte kann nicht entschieden werden, ob durch den Unfall vom 8. April 2021

eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Einfluss auf die

Arbeitsfähigkeit eingetreten ist. Für den vorliegend zu beurteilenden Zeitraum bis

zur angefochtenen Verfügung vom 25. Mai 2021 kann jedoch festgehalten werden,

dass bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Rentenanspruch entstanden sein kann. So

ist, wie in E. II. 7.2.5 hiervor ausgeführt, davon auszugehen, dass die

Beschwerdeführerin bis zum Unfallereignis vom 8. April 2021 in der angestammten

Tätigkeit als Zeichnerin voll arbeitsfähig gewesen ist, womit das Wartejahr bis

zur Verfügung noch längst nicht abgelaufen sein kann. Zudem kann auch ein

Anspruch auf berufliche Massnahmen in der kurzen Zeit bis zur Verfügung vom 25.

Mai 2021 noch nicht entstanden sein, weil beispielweise für eine erneute

Umschulung zuerst eine gewisse Stabilisierung erforderlich wäre. Demzufolge ist

der Anspruch auf eine Rente und berufliche Massnahmen im vorliegend zu

beurteilenden Zeitraum abzuweisen.

8.2 Die Akten gehen zurück an die

Beschwerdegegnerin, damit sie bezüglich des Unfallereignisses vom 8. April 2022

die von ihr mit Stellungnahme vom 11. Januar 2022 in Aussicht gestellten weiteren

Abklärungen tätigt (Einholung der SUVA-Akten sowie allenfalls ergänzende

Beweisvorkehren). Ob in diesem Zusammenhang allenfalls – wie von der

Beschwerdeführerin beantragt – ein handchirurgisches Gutachten zu veranlassen

sein wird, wird von der Beschwerdegegnerin zu entscheiden sein. Nachdem die Beschwerdegegnerin

zudem wie erwähnt angekündigt hat, auch die Suva-Akten beiziehen zu wollen,

erübrigt sich der von der Beschwerdeführerin beantragte Aktenbeizug im

vorliegenden Verfahren.

9.

9.1 Bei diesem Verfahrensausgang besteht

kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.

9.2 Aufgrund von Art. 69 Abs. 1bis

IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die

Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht

kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig

vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.00 – 1'000.00 festgelegt. Im vorliegenden

Fall hat die Beschwerdeführerin an die gesamten Verfahrenskosten einen Betrag

von CHF 1'000.00 zu bezahlen. Dieser Betrag ist mit dem von der

Beschwerdeführerin geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.

Demnach wird erkannt:

1. Die Beschwerde wird abgewiesen.

2. Es wird keine Parteientschädigung

zugesprochen.

3. Die Beschwerdeführerin hat die

Verfahrenskosten von CHF 1’000.00 zu bezahlen, welche mit dem bereits

geleisteten Kostenvorschuss verrechnet werden.

4. Die Akten gehen zurück an die

Beschwerdegegnerin, damit sie im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 8.

April 2022 weitere Abklärungen tätigt.

5. Je eine Kopie des Protokolls der

Verhandlung vom 14. Juli 2022 geht zur Kenntnisnahme an die Parteien.

6. Je eine Kopie der Kostennote des

Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin vom 14. Juli 2022 geht zur

Kenntnisnahme an die Beschwerdegegnerin.

Rechtsmittel

Gegen diesen Entscheid kann innert 30

Tagen seit der Mitteilung beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen

Angelegenheiten eingereicht werden (Adresse: Bundesgericht,

Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern). Die Frist beginnt am Tag nach dem Empfang des

Urteils zu laufen und wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der Post gewahrt. Die

Frist ist nicht erstreckbar (vgl. Art. 39 ff., 82 ff. und 90 ff. des

Bundesgerichtsgesetzes, BGG). Bei Vor- und Zwischenentscheiden (dazu gehört auch die

Rückweisung zu weiteren Abklärungen) sind die zusätzlichen Voraussetzungen nach

Art. 92 oder 93 BGG zu beachten.

Versicherungsgericht des Kantons

Solothurn

Der Präsident Der

Gerichtsschreiber

Flückiger Isch

Der vorliegende Entscheid wurde vom

Bundesgericht mit Urteil 9C_379/2022 vom 23. August 2023 bestätigt.