VSBES.2024.9
Unfallversicherung
14. Oktober 2024Deutsch26 min
in der Folge eine versicherungsinterne Abklärung bei ihrem Vertrauensarzt und forderte
Source so.ch
Urteil vom 14. Oktober 2024
Es wirken mit:
Vizepräsident Flückiger
Oberrichterin Marti
Oberrichterin Kofmel
Gerichtsschreiberin Baltermia-Wenger
In Sachen
SWICA
Krankenversicherung AG, Römerstrasse
38, 8401 Winterthur
Beschwerdeführerin
B.___
Beigeladener
gegen
Schweizerische Mobiliar
Versicherungsgesellschaft AG, Bundesgasse 35, Postfach, 3001 Bern
Beschwerdegegnerin
betreffend Unfallversicherung
(Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2023)
zieht das Versicherungsgericht
in Erwägung:
Sachverhalt
I.
1.
1.1 Der 1984 geborene B.___ ist als Spielplatzleiter
beim Verein C.___ tätig und in dieser Eigenschaft bei der Schweizerischen
Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG gegen die Folgen von Unfällen und
Berufskrankheiten versichert.
1.2 Gemäss Bagatellunfall-Meldung UVG
vom 22. März 2023 erlitt B.___ am 15. März 2023 eine Verletzung an
der rechten Schulter, als er ein kleines Spielfahrzeug zurückgehalten habe,
welches weggerollt sei (Mobiliar-Akten-Nummer [Mobiliar-Nr.] 1).
1.3 Die Schweizerische Mobiliar
Versicherungsgesellschaft AG forderte B.___ zur Ausfüllung eines Fragebogens
auf (Mobiliar-Nr. 5) und holte Arztberichte sowie eine Stellungnahme ihres
beratenden Arztes ein (Mobiliar-Nr. 19). Gestützt darauf verneinte sie mit
Schreiben vom 4. Mai 2023 ihre Leistungspflicht und verwies B.___ an die
Krankenversicherung (Mobiliar-Nr. 15).
1.4 Die SWICA Krankenversicherung AG veranlasste
in der Folge eine versicherungsinterne Abklärung bei ihrem Vertrauensarzt und forderte
mit Schreiben vom 9. Juni 2023 den Erlass einer Verfügung (Mobiliar-Nrn. 43 und
25). Auch B.___ verlangte am 12. Juni 2023 eine Verfügung
(Mobiliar-Nr. 26). Am 8. August 2023 verfügte die Schweizerische
Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG schliesslich, es bestehe kein
Leistungsanspruch, da die in Frage stehende Körperschädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei (Mobiliar-Nr. 30). Dagegen erhoben
die SWICA Krankenversicherung AG und B.___ Einsprache (Mobiliar-Nrn. 33 und 34).
Die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG holte eine erneute
versicherungsärztliche Beurteilung ein (Mobiliar-Nr. 56) und hielt mit
Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2023 an der Ablehnung ihrer
Leistungspflicht fest (Akten-Seite [A.S.] 1).
2. Dagegen erhebt die SWICA
Krankenversicherung AG (fortan: Beschwerdeführerin) am 16. Januar 2024
Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons Solothurn (nachfolgend:
Versicherungsgericht) und beantragt, der Einspracheentscheid vom 5. Dezember
2023 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für die
Kosten der Behandlung der Schulterbeschwerden als Folge des Ereignisses vom 15.
März 2023 aufzukommen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (A.S. 9).
3. Mit Beschwerdeantwort vom 5.
Februar 2024 schliesst die Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
(fortan: Beschwerdegegnerin) auf Abweisung der Beschwerde (A.S. 20).
4. Mit richterlicher Verfügung vom
27. Februar 2024 wird B.___ zum Beschwerdeverfahren beigeladen. Die
eingeräumte Möglichkeit zur Einreichung einer Stellungnahme liess er unbenutzt
verstreichen (A.S. 27 und 30).
5. Am 29. April 2024 verzichtet die
Beschwerdeführerin auf das Einreichen einer Replik (A.S. 33).
6. Auf die Ausführungen der
Parteien in ihren Rechtsschriften wird nachfolgend, soweit erforderlich,
eingegangen. Im Übrigen wird auf die Akten verwiesen.
Erwägungen
II.
1.
Die Sachurteilsvoraussetzungen
(Einhaltung von Frist und Form, örtliche und sachliche Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts) sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1
Soweit das Bundesgesetz über die
Unfallversicherung (UVG, SR 832.20) nichts anderes bestimmt, werden die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt (Art. 6 Abs. 1 UVG). Die versicherte Person hat u.a.
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 Abs. 1
UVG) sowie auf ein Taggeld, sofern sie infolge des Unfalles voll oder teilweise
arbeitsunfähig ist (Art. 16 Abs. 1 UVG).
2.2
Unfall ist die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf
den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (Art. 4
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG,
SR 830.1]).
2.3
Die Versicherung erbringt ihre
Leistungen auch bei bestimmten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend
auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (sogenannte unfallähnliche
Körperschädigungen). Zu diesen «Listenverletzungen» zählen u.a. Sehnenrisse
(Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG).
3.
3.1
Sowohl das Verwaltungsverfahren
wie auch der kantonale Sozialversicherungsprozess sind vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61
lit. c Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts / ATSG, SR 830.1). Danach haben der
Versicherungsträger und das Gericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes
wegen festzustellen. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte ist die
rechtsanwendende Behörde regelmässig auf Unterlagen angewiesen, die ihr vorab
von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind (BGE 122 V 157 E. 1.b
S. 159). Diese medizinischen Unterlagen hat das Versicherungsgericht nach dem
im Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG) umfassend, objektiv und inhaltsbezogen zu
würdigen (BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 399 f.). Das bedeutet, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere
darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht
erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Bewertung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Fachperson begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3.a S.
352).
3.2
Die Rechtsprechung erachtet es
als mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung vereinbar, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). So ist einem im Rahmen
des Verwaltungsverfahrens eingeholten medizinischen Gutachten durch externe
Spezialärztinnen und -ärzte, welches aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten erstellt worden ist und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangt, in der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3bb mit
Verweis auf BGE 104 V 212). Andererseits ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3cc). Ferner haben
rechtsprechungsgemäss Berichte versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen
Beweiswert, doch kommt ihnen nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem Gutachten,
das der Versicherungsträger im Verfahren nach Art. 44 ATSG von einer externen
Fachperson eingeholt hat oder einem Gerichtsgutachten. Zwar lässt der Umstand,
dass versicherungsinterne Fachpersonen in einem Anstellungsverhältnis zum
Versicherungsträger stehen, für sich allein noch nicht auf mangelnde
Objektivität und Befangenheit dieser Personen schliessen. Soll ein Versicherungsfall
jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an
die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen).
4.
Streitig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht aufgrund des Ereignisses vom
15.
März 2023 mit Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2023 (A.S. 1)
zu Recht verneint hat. In diesem Zusammenhang sind im Wesentlichen folgende
medizinischen Unterlagen relevant:
4.1
Gemäss Bagatellunfall-Meldung
UVG vom 22. März 2023 verletzte sich der Versicherte am 15. März 2023 an der
rechten Schulter, als er ein kleines Spielfahrzeug zurückgehalten habe, welches
weggerollt sei. Die Schädigung wurde als Verdrehung / Verstauchung
umschrieben (Mobiliar-Nr. 1).
4.2
Im Fragebogen
der Beschwerdegegnerin zur Präzisierung des Vorfalls führte der Versicherte am
2.
April 2023 aus, dass ein Spielfahrzeug angelehnt an der Wand gestanden hatte.
Es sei auf ein Kind gekippt und er habe es schnell festgehalten, das Gewicht
vom Fahrzeug habe an seinem Arm gerissen. Die Schulter sei «ausgedehnt»
bzw. «überlastet» worden. Er sei danach immer arbeitsfähig gewesen mit
Schulterschmerzen. Die ärztliche Behandlung sei noch nicht abgeschlossen, er
habe einen Termin beim Hausarzt, damit er Physio machen könne (Mobiliar-Nr. 5).
4.3
Die
Hausärztin Dr. med. D.___ erfasste am 3. April 2023 einen Eintrag in ihrer Verlaufsdokumentation.
Darin stellte sie einen Unfall (UVG) der rechten Schulter fest und den Verdacht
auf einen Muskelfaserriss der rechten Schulter. Ein MRI sei erforderlich. «Beim
Kippen eines Fahrzeuges versucht aufzuhalten, Schmerzen in der Schulter». Die
Hausärztin notierte eine Arbeitsunfähigkeit vom 3. April 2023 bis 9. April
2023.
(Mobiliar-Nr. 49).
4.4
Gemäss Radiologiebericht wurden
im MR und Röntgen der rechten Schulter am 4. April 2023 folgende Befunde
erhoben: Rotatorenmanschette/Bicepssehne: Grosse und tief bursalseitige
Partialruptur der anterioren Supraspinatussehnenfasern mit 11 x 14 mm. Die
articularseitigen Sehnenanteile seien noch sehr dünn erhalten. Die
Subscapularissehne und auch die lange Bizepssehne seien reizlos.
Infraspinatussehne intakt. AC-Gelenk/Bursa: Regelrechte Artikulation des
AC-Gelenkes. Ausgedehnte Einblutung/Flüssigkeit in der Bursa subacromialis/subdeltoidea
ohne Nachweis von Kontrastmittel. Labrocapsulär/Knorpel: Intaktes Labrum. Kein
Knorpeldefekt. Kein freier Gelenkkörper. Muskelqualität: Eutrophe Muskulatur.
Kein Muskelödem. In der Beurteilung wurde festgehalten,
dass ein grosser klaffender und tiefer bursalseitiger Riss der
Supraspinatussehne anterior vorliege sowie eine ausgedehnte Einblutung in die
Bursa subacromialis/subdeltoidea. Die Muskulatur sei intakt (Mobiliar-Nr.
9).
4.5
Dr. med. E.___, Facharzt FMH für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, diagnostizierte am 20.
April 2023 eine tiefe bursaseitige Partialläsion Supraspinatussehne (reverse
Pasta) Schulter rechts. In der Anamnese schrieb Dr.
med. E.___, der Versicherte habe am 15. März ein schweres Gewicht angehoben und
dabei einen einschiessenden Schmerz in der rechten Schulter verspürt. Seither
bestünden belastungsabhängige Schmerzen beim Heben des Armes über die
Horizontale und vor allem auch nachts Schmerzen beim Liegen auf der Schulter. Dr.
med. E.___ erhob folgenden Befund: 38-jähriger Patient in sportlichem
Allgemeinzustand. Schulter rechts mit aktiver Beweglichkeit
Anteversion/Retroversion 170/0/50°, Abduktion 160° mit
deutlichem Painful arc und sehr langsamer Bewegungsausführung. Reverse Painful
arc 0°. Abduktionstest und Jobetest mit ordentlichem Kraftaufbau, jedoch
deutliche Schmerzprovokation. Impingement-Zeichen nach Neer und Hawkins
positiv. Belly Press negativ. Keine klassischen Bizepszeichen. Die MR-Arthrographie
des rechten Schultergelenks vom 4. April 2023 nenne einen grossen,
klaffenden und tiefen bursalseitigen Riss der Supraspinatus-sehne anterior,
eine ausgedehnte Einblutung in die Bursa subacromialis/subdeltoidea und eine intakte
Muskulatur. Unter Beurteilung und Procedere führte Dr. med. E.___ schliesslich
aus, beim Versicherten bestehe eine tiefe Partialruptur der bursaseitigen
Supraspinatussehne. Der Versicherte habe eine deutliche Einschränkung mit
Kraftverlust und Schmerzen. Es bestehe daher die Indikation zur möglichst
raschen operativen Versorgung mit Schulterarthroskopie und Naht der
bursaseitigen Supraspinatussehne (Mobiliar-Nr. 8).
4.6
In der Stellungnahme vom 30.
April 2023 kam der beratende Arzt der Mobiliar, Dr. med. F.___, orthopädische
Chirurgie, zum Schluss, es liege eine Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit.
f UVG vor, welche vorwiegend (mehr als 50 %) auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
sei. Das Ereignis vom 15. März 2023 sei nach der
wissenschaftlichen Lehrmeinung nicht geeignet, eine traumatische RM-Ruptur
auslösen zu können. Eine zeitnahe ärztliche Konsultation habe nicht
stattgefunden. Der Versicherte sei arbeitsfähig. Im MRI
ergebe sich der Hinweis auf dünne articularseitige Sehenanteile, das spreche
für eine degenerative Entwicklung der Supraspinatussehne (Mobiliar-Nr. 19).
4.7
Gemäss Operationsbericht von Dr.
med. E.___ sei am 8. Mai 2023 eine Arthroskopie der rechten Schulter
durchgeführt worden. Im Rahmen der Inspektion stellte Dr. med. E.___ fest, dass
das Glenohumeralgelenk komplett einsehbar sei. Die lange Bizepssehne sei
intakt, durch eine kräftige und stabile Pulleyschlinge geführt und ebenso im
SLAP-Bereich fest verankert. Der Knorpelüberzug an Glenoid und Humerus sei
unauffällig. Das vordere Labrum zeige sich intakt. Die Subscapularissehne zeige
sich fest verankert. Von intraartikulär sei eine völlig intakte artikularseitige
Supraspinatussehne sichtbar. Es zeige sich nach Zurückziehen der Optik und
Vorschieben nach subacromial die erwartete ventrale U-förmige Ruptur der
bursaseitigen Supraspinatussehne ohne wesentliche Retraktion. Mit Hilfe der
Sehnenfasszange problemlose Mobilisation und Reposition möglich
(Mobiliar-Nr. 40). Dr. med. E.___ attestierte eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 8. Mai 2023 bis 20. Juni 2023 (Mobiliar-Nr. 23).
4.8
Am 22. Mai 2023 nahm der Vertrauensarzt
der SWICA, Dr. med. G.___, Facharzt FMH Orthopädie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Stellung zur Einschätzung von Dr. med. F.___. Er führte aus, der MRI-Befund
zeige eine unfallkausale Verletzung der Supraspinatussehne mit akuter
Einblutung in die Bursa subacromialis. Degenerative
Begleitveränderungen hätten im MRI nicht nachgewiesen werden können. Die
Diagnose einer Listenverletzung sei gegeben (Sehnenriss), wobei die
Listenverletzung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf Abnützung oder
Erkrankung zurückzuführen sei. Im MRI sei begleitend eine akute Einblutung in
die Bursa subacromialis nachgewiesen worden. Das Ereignis sei überwiegend
wahrscheinlich unfallkausal. Der Entscheid der Beschwerdegegnerin sei deshalb
nicht korrekt und somit nicht zu akzeptieren (Mobiliar-Nr. 43).
4.9
Mit Stellungnahme vom 20. Juni
2023.
wandte sich Dr. med. E.___ an die Beschwerdegegnerin und bat um eine
erneute Beurteilung der Unfallkausalität. Beim 38-jährigen Versicherten sei es
nach Anheben eines sehr schweren Gegenstandes zu einschiessenden Schmerzen in
der rechten Schulter gekommen. Das Arthro-MRT habe
einen frischen, klaffenden Riss der bursaseitigen Supraspinatussehne gezeigt. Bis zu dem Ereignis sei der Versicherte vollständig
beschwerdefrei gewesen. Auch der intraoperative Befund zeige ventral einen
tiefen bursaseitigen Sehnenriss bei ansonsten intakter und kräftiger Sehne. Aus
schulterorthopädischer Sicht sei mit absolut überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass das Ereignis mit Anheben des schweren Gegenstandes und
akut einschiessenden Schmerzen zu dieser Sehnenruptur geführt habe (Mobiliar-Nr.
36).
4.10
In der Aktenbeurteilung vom 5.
November 2023 erklärte Dr. med. F.___, der Hergang des Ereignisses vom 15. März
2023.
sei einem willkürlichen Hebevorgang, bei dem kein von aussen kommendes,
überraschendes Moment hinzutrete, zu subsummieren. Als geeigneter Hergang
resultiere eine Zugbeanspruchung der Sehne, bei der das Schultergelenk
unmittelbar vor dem Ereignis muskulär fixiert gewesen sein müsse. Darüber
hinaus bedürfe es einer plötzlich hinzukommenden passiven Bewegung des Armes
gegen die Zugrichtung der Sehne. Bei diesem Mechanismus sei nicht von einer
isolierten Verletzung der Supraspinatussehne auszugehen, da beim Feststellen
der Schulter in Zugrichtung der Supraspinatussehne eine zusätzliche
Stabilisierung durch den M. deltoideus zu erwarten sei. Daraus folge, dass
dieser Muskel mitverletzt sein müsste. Im Falle einer Kombinationsverletzung
des M. deltoideus und der Supraspinatussehne könne eine traumatische
Supraspinatussehnenläsion erwartet werden. Der Versicherte habe ausserdem zu
keinem Zeitpunkt nach dem Ereignis eine relevante Funktionseinschränkung des
Schultergelenkes gehabt. Im Rahmen der Konsultation vom 20. April 2023 sei der
Bewegungsumfang des Schultergelenkes mit Anteversion und Abduktion vollständig
frei gewesen. Unterstelle man eine traumatische RM-Verletzung im hier vorliegenden
Ausmass, wäre eine entsprechend ausgeprägte Einschränkung des Schultergelenkes
in Abduktion und Anteversion zu erwarten. Entsprechend resultiere aus einer
Verletzung der Rotatorenmanschette eine Funktionsbeeinträchtigung, während beim
verschleissbedingten Schaden der Schmerz im Vordergrund stehe. Die Untersuchung vom 20. April
2023.
weise auf ein ausgeprägtes Impingement-Syndrom mit Painful arc und
deutlicher Schmerzprovokation hin. Hierzu passe auch die ausgeprägte
Bursitis subacromialis/subdeltoidea. Die medizinischen Ausführungen des
Vertrauensarztes vom 15. Juni 2023 (recte: des behandelnden Orthopäden vom
20.
Juni 2023) und von Dr. med. G.___ vom 22. Mai 2023 stützten sich im Wesentlichen
Dispositiv
auf die Angaben im MRl vom 4. April 2023. Demnach läge eine akute Einblutung in
die Bursa subacromialis vor. Diese Annahme sei weder belegt noch sei sie
korrekt. Es gäbe keine wissenschaftlich begründete
Aussage, dass Blut in einer Bursa von einer anderen Flüssigkeit
magnetresonanztomographisch differenziert werden könne. In seinem
Befundbericht habe der Radiologe nicht explizit Blut in der Bursa beschrieben,
sondern er habe auf Flüssigkeiten (Blut/Flüssigkeit) hingewiesen. Nach
Rücksprache mit einem Radiologen sei somit kein Blut in der Bursa nachgewiesen.
Nur durch indirekte Nachweise, wie z.B. Koagel, wäre der Nachweis einer
Einblutung erbracht. Koagel sei jedoch im MRI-Bericht nicht dokumentiert. Ein
weiterer Umstand schliesse eine Blutung in die Bursa vollständig aus. Etwa vier
Wochen nach dem MRl vom 4. April 2023 sei am 8. Mai 2023 die Arthroskopie des
Schultergelenkes erfolgt, in der kein Nachweis von Blut/Hämosiderin
habe erbracht werden können. Gehe man von einer Einblutung zum Zeitpunkt des
MRl aus, müssten Reste von Blut/Hämosiderin beschrieben/dokumentiert worden
sein. Somit könne eine Einblutung in die Bursa subacromialis ausgeschlossen
werden. Schlussendlich sei noch darauf hinzuweisen, dass es auch ohne
Trauma zu einer Einblutung in die Bursa kommen könne (Mobiliar-Nr. 56).
4.11 Am 12. Dezember 2023 nahm Dr. med.
G.___ Stellung zur Beurteilung von Dr. med. F.___ vom 5. November 2023. Darin
erklärte er zunächst, dass unterschiedliche Versionen zum Unfallhergang
existierten. Es bleibe die entscheidende Unklarheit, ob ein Traktionstrauma
oder eine statische Belastung vorgelegen habe. Der Untersuchungsbefund vom 20.
April 2023 beschreibe eine Klinik, die mit einer traumatischen Läsion der
Supraspinatussehne vereinbar sei. Eine PASTA-Läsion sei kein transmuraler
Sehnenabriss und müsse keine akute Symptomatik im Sinne einer Pseudoparalyse
zur Folge haben. Im Weiteren beschreibe die befundende Radiologin im MRl vom 4.
April 2023 einen grossen klaffenden bursaseitigen Riss der Supraspinatussehne
sowie eine ausgedehnte Einblutung/Flüssigkeit in der Bursa subacromialis.
Dieser Befund zusammen mit der Beschreibung des Unfallhergangs lasse die Annahme
einer traumatischen Ruptur zu. Sämtliche übrigen Strukturen des Schultergelenks
seien als intakt beschrieben worden, insbesondere habe keine AC-Gelenksarthrose
oder ein subacromiales Impingement bestanden. Der beratende Arzt bestreite
ferner, dass die Radiologin von «Blut» in der Bursa gesprochen habe. Offenbar
habe er den Befund nicht gelesen. Im Weiteren halte er fest, dass Blut im MRl
nicht von anderen Flüssigkeiten unterschieden werden könne, was nicht korrekt sei.
Es sei bekannt, dass eine Differenzierung zwischen Blut (zellreich) und serösen
Flüssigkeiten (zellarm) mittels T2-gewichteter Sequenzen (Signalauslöschung)
möglich sei. Die T2-Sequenz werde in der Neuroradiologie gezielt zur Darstellung
von Hämorrhagien verwendet. Schliesslich nehme Dr. med. F.___ Bezug auf einen
OP-Bericht, welcher den Akten nicht beiliege. Aufgrund der widersprüchlichen
Angaben sei es nicht möglich, die Beurteilung des beratenden Kollegen zu
widerlegen. Unter diesen Umständen werde empfohlen, den Einspracheentscheid zu
akzeptieren (Mobiliar-Nr. 64, S. 21).
4.12 Dr. med. G.___ erhielt in der
Folge die fehlenden medizinischen Unterlagen, worauf er am 14. Dezember 2023 eine
erneute Stellungnahme verfasst hat. Darin kam er zum Ergebnis, die Beurteilung von
Dr. med. F.___ vom 5. November 2023 sei weder nachvollziehbar noch
schlüssig und der Einspracheentscheid sei nicht zu akzeptieren. Die ärztliche
Beurteilung von Dr. med. F.___ sei aus nachfolgenden Gründen falsch: Dr. med.
F.___ gehe nicht vom effektiven Ereignisablauf aus. Seine
Beurteilung basiere auf nicht korrekten Angaben von Dr. med. E.___. Demzufolge
habe der Versicherte einen schweren Gegenstand angehoben, wobei ein
einschiessender Schmerz in der rechten Schulter aufgetreten sei. Daraus sei
gefolgert worden, dass das Ereignis nicht geeignet gewesen sei, eine
traumatische RM-Ruptur auszulösen. Es sei
dagegenzuhalten, dass gemäss Fragebogen zum Unfallhergang der Ablauf anders
gewesen sei. Der Versicherte habe ein umkippendes
Spielfahrzeug auffangen wollen, wobei es zu einem überraschend auftretenden
Traktionstrauma der rechten Schulter gekommen sei. Diese Anamnese werde
auch von der Hausärztin beschrieben. Dieser Unfallmechanismus
unterscheide sich grundsätzlich und sei anerkanntermassen geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur auszulösen. Es sei das Zitat aus der Beurteilung
des beratenden Arztes Dr. med. F.___ hervorzuheben, wonach als geeigneter
Hergang eine Zugbeanspruchung der Sehne resultiere, bei der das Schultergelenk
unmittelbar vor dem Ereignis muskulär fixiert gewesen sein müsse. Darüber
hinaus bedürfe es einer plötzlich hinzukommenden passiven Bewegung des Armes
gegen die Zugrichtung der Sehne. Unzutreffend sei im Weiteren die Aussage von
Dr. med. F.___, dass das MRI auf dünne articularseitige Sehennanteile hinweise,
was für eine degenerative Entwicklung der Supraspinatussehne spreche. Es sei nicht nachvollziehbar, wie aufgrund des
vorliegenden MRI-Befundes von einer degenerativen Erkrankung gesprochen werden könne.
Die Rotatorenmanschette, inklusive lange Bicepssehne, seien als intakt
beschrieben worden, ohne tendinitische oder andere degenerative Zeichen, die
Rotatorenmuskulatur ohne Atrophiezeichen, das AC-Gelenk sei als unauffällig
beurteilt worden. Der Befund erwähne keine einzige degenerative Veränderung am
rechten Schultergelenk. Beschrieben werde eine grosse, tiefe, bursaseitige
Partialruptur der anterioren Supraspinatussehne mit reaktivem
Erguss/Hämatobursa subacromial. Ferner stimme auch die Darlegung von Dr.
med. F.___ nicht, wonach im MRl keine akute Einblutung in die Bursa
subacromialis vorliege und es keine wissenschaftlich begründete Aussage gebe,
dass Blut in einer Bursa von einer anderen Flüssigkeit
magnetresonanztomographisch differenziert werden könne. Experimentell
radiologische Studien bestätigten, dass Blut in den T1 bzw. T2 gewichteten
Sequenzen aufgrund des zellulären Anteils sehr wohl von serösen Flüssigkeiten
unterschieden werden könne. Nicht zu folgen sei darüber hinaus der Aussage von
Dr. med. F.___, wonach etwa vier Wochen nach dem MRl am 8. Mai 2023 die
Arthroskopie des Schultergelenkes erfolgt sei, in der kein Nachweis von
Blut/Hämosiderin erbracht worden sei. Im OP-Bericht werde ein unauffälliges
Schultergelenk beschrieben. Subacromial dagegen habe ein grosser, klaffender
und tiefer bursalseitiger Riss der Supraspinatussehne anterior mit ausgedehnter
Einblutung in die Bursa subacromialis / subdeltoidea bestanden. Es sei
eine ventrale U-förmige Ruptur der bursaseitigen Supraspinatussehne ohne
wesentliche Retraktion beschrieben worden. Dieser Befund sei morphologisch
nicht mit einer degenerativen Sehnenläsion vereinbar. Schliesslich sei auch die
Feststellung von Dr. med. F.___, wonach keine zeitnahe Arztkonsultation
stattgefunden habe, nicht korrekt. Die Hausärztin sei am 3. April 2023
konsultiert worden und die von ihr veranlasste MRI-Untersuchung habe bereits 18 Tage
nach dem Ereignis stattgefunden. Nebenbei sei festzuhalten, dass eine
Partialläsion der Rotatorenmanschette nicht dieselbe Symptomatik auslöse, wie
ein vollständiger Sehnenabriss und eine Arbeitsfähigkeit je nach
Schulterbelastung durchaus möglich sei (Mobiliar-Nr. 64, S. 22).
5. Es ist vorliegend unbestritten,
dass mit der nachgewiesenen Partialruptur der Supraspinatussehne eine
Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG vorliegt. Für eine
Listenverletzung nach Art. 6 Abs. 2 UVG wird der Unfallversicherer
grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt,
dass die Verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
ist. Es ist folglich zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin den Nachweis dafür
erbracht hat, dass das Ereignis vom 15. März 2023 keine auch nur geringe
Teilursache des partiellen Sehnenrisses bildet.
5.1 Damit der Entlastungsbeweis
gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche
Einschätzungen – mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit –
nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung vorwiegend, d.h. im gesamten
Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen
ist. Dabei ist das gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden
Körperschädigung zu berücksichtigen. Nebst dem Unfallhergang sind der
Vorzustand und die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu
beleuchten. Die verschiedenen Indizien, die für oder gegen Abnützung oder
Erkrankung sprechen, müssen aus medizinischer Sicht gewichtet werden (BGE 146 V 51 E. 8.6 und 8C_618/2019 vom 18. Februar 2020)
5.2 Nach Auffassung des Vertrauensarztes
der Mobiliar Dr. med. F.___ sei das Ereignis vom 15. März 2023 nicht
geeignet, eine traumatische Rotatorenmanschettenruptur auszulösen. Beim
Ereignis vom 15. März 2023 handle es sich um einen willkürlichen
Hebevorgang, bei dem kein «von aussen kommendes, überraschendes Moment»
hinzutrete (Mobiliar-Nrn. 19 und 56). Dagegen wendet der SWICA-Vertrauensarzt
Dr. med. G.___ ein, dass Dr. med. F.___ nicht vom effektiven Ereignisablauf
ausgehe. Der Versicherte habe ein umkippendes Spielfahrzeug auffangen wollen,
wobei es zu einem überraschend auftretenden Traktionstrauma der rechten
Schulter gekommen sei. Dieser Unfallmechanismus sei geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur auszulösen. Gemäss Bagatellunfall-Meldung UVG vom
22. März 2023 hat der Versicherte ein kleines Spielfahrzeug zurückgehalten,
welches weggerollt sei (Mobiliar-Nr. 1). Dem Fragebogen zur Präzisierung des
Vorfalls vom 2. April 2023 lässt sich entnehmen, dass ein Spielfahrzeug
angelehnt an der Wand gestanden habe. Es sei auf ein Kind gekippt und der
Versicherte habe es schnell festgehalten, das Gewicht vom Fahrzeug habe an
seinem Arm gerissen (Mobiliar-Nr. 5). Die Hausärztin Dr. med. D.___ notierte am
3. April 2023 in ihrer Verlaufsdokumentation: «Beim Kippen eines Fahrzeuges
versucht aufzuhalten, Schmerzen in der Schulter» (Mobiliar-Nr. 49). In
Abweichung dazu schrieb Dr. med. E.___ in seiner Anamnese vom 20. April
2023, der Versicherte habe ein schweres Gewicht angehoben und dabei einen
einschiessenden Schmerz in der rechten Schulter verspürt (Mobiliar-Nr. 8).
In den ersten drei Wochen nach dem umstrittenen Ereignis wurden drei Schilderungen
dokumentiert, welche die Interpretationen nahelegen, dass der Versicherte ein
an der Wand angelehntes, umkippendes Spielfahrzeug zurückgehalten hat, was einen
Schmerz in der rechten Schulter ausgelöst hat. Abweichend dazu existiert eine Version
des Hergangs, welche fünf Wochen nach dem Ereignis erfasst wurde und vom
Anheben eines schweren Gewichts mit der Folge eines einschiessenden Schulterschmerzes
ausgeht. Angesichts der überwiegenden Anzahl Dokumentationen und der
Beweismaxime, wonach die ersten Aussagen nach einem schädigenden Ereignis in
der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Angaben (vgl. BGE 121 V 45 E. 2.1), rechtfertigt es sich, auf den Ereignishergang gemäss den
drei ersten, in den wesentlichen Punkten gleichlautenden Angaben abzustellen. Es
ist daher mit Dr. med. G.___ davon auszugehen, dass der Versicherte beim
Ereignishergang ein umkippendes Spielfahrzeug zurückgehalten hat, was zu einem Reissen
an der rechten Schulter geführt hat.
Nach einhelliger Auffassung der beiden
Versicherungsärzte braucht es für eine traumatische Schädigung eine
Zugbeanspruchung der Sehne, bei der das Schultergelenk unmittelbar vor dem
Ereignis muskulär fixiert gewesen sein muss. Darüber hinaus bedarf es einer
plötzlich hinzukommenden passiven Bewegung des Armes gegen die Zugrichtung der
Sehne. Gemäss der schlüssigen Schlussfolgerung von Dr. med. G.___ sind
diese Voraussetzungen mit dem Unfallmechanismus, bei welchem der Versicherte
ein umkippendes Spielfahrzeug habe auffangen wollen und es dabei zu einem
überraschend auftretenden Traktionstrauma gekommen sei, gegeben. Das
Unfallereignis vom 15. März 2023 ist somit geeignet, eine Rotatorenmanschettenruptur
auszulösen. Der Unfallhergang spricht somit für eine traumatische Verletzung. Anzufügen
bleibt, dass der Unfallhergang nach der neueren Rechtsprechung bei der
Kausalitätsbeurteilung zwar weiterhin eine Rolle spielt, aber nicht als allein
ausschlaggebendes Kriterium betrachtet wird (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_672/2000 vom 15. April 2021 E. 4.1.3 und 4.5).
5.3 Umstritten ist im Weiteren der
medizinische Vorzustand, insbesondere die Interpretation der bildgebenden
Untersuchung. Der Mobiliar-Vertrauensarzt Dr. med. F.___ macht in dieser
Hinsicht geltend, das MRI vom 4. April 2023 gebe einen Hinweis auf dünne
articularseitige Sehnenanteile, was für eine degenerative Entwicklung der
Supraspinatussehne spreche (Mobiliar-Nr. 19). Dr. med. G.___ verneint
demgegenüber einen degenerativen Vorzustand mit der Begründung, der MRI-Befund
erwähne keine einzige degenerative Veränderung am rechten Schultergelenk
erwähne. Die Rotatorenmanschette, inklusive lange Bicepssehne, werde als intakt
beschrieben, ohne tendinitische oder andere degenerative Zeichen. Die
Rotatorenmuskulatur werde ohne Atrophiezeichen und das AC-Gelenk als
unauffällig beurteilt. Beschrieben werde eine grosse tiefe bursaseitige
Partialruptur der anterioren Supraspinatussehne mit reaktivem
Erguss/Hämatobursa subacromial. Auch der behandelnde und operierende Orthopäde
Dr. med. E.___ verneint eine degenerative Entwicklung der
Supraspinatussehne und stellt insbesondere fest, dass der intraoperative Befund
eine intakte und kräftige Sehne gezeigt habe. Die Annahme, dass der MRI-Befund
klar für eine degenerative Entwicklung der Supraspinatussehne spreche, überzeugt
aufgrund der dargelegten Beurteilungen der Dres. med. G.___ und E.___ nicht.
Dr. med. F.___ argumentiert im Weiteren,
dass eine im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 15. März 2023 stehende
Einblutung in die Bursa subacromialis auszuschliessen sei. Gestützt auf das MRI
könne nicht von einer Einblutung ausgegangen werden, da Blut in einer Bursa
nicht von einer anderen Flüssigkeit magnetresonanztomographisch differenziert
werden könne. Damit widerspricht Dr. med. F.___ der fachärztlichen Beurteilung
der Radiologin, welche in ihrer MRI-Beurteilung explizit eine ausgedehnte
Einblutung in die Bursa subacromialis / subdeltoidea feststellt. Ausserdem
bestreitet Dr. med. G.___ die seiner Meinung nach nicht wissenschaftlich
begründete Aussage von Dr. med. F.___ und hält dagegen, dass experimentell
radiologische Studien bestätigten, dass in der MRI-Bildgebung Blut aufgrund des
zellulären Anteils von serösen Flüssigkeiten unterschieden werden könne. Insgesamt
vermag Dr. med. F.___ mit seiner abweichenden radiologischen Interpretation die
einhellige Auffassung der Radiologin gemäss welcher es nach dem Ereignis vom
15. März 2023 zu einer Einblutung in die Bursa gekommen sei, nicht
umzustossen. Daran ändert auch das Argument nichts, dass im Operationsbericht
keine Reste von Blut/Hämosiderin beschrieben würden. Wie Dr. med. G.___
zutreffend feststellt, wird im Operationsbericht ein unauffälliges
Schultergelenk beschrieben und der intraoperative Befund weist nicht auf eine
degenerative Sehnenläsion hin.
In Bezug auf den Vorzustand macht Dr.
med. F.___ ferner geltend, bei einer traumatischen
Rotatorenmanschettenverletzung sei eine ausgeprägte Einschränkung des
Schultergelenkes in Abduktion und Anteversion zu erwarten, wogegen beim
verschleissbedingten Schaden der Schmerz im Vordergrund stehe. Der Versicherte
habe nach dem Ereignis keine relevante Funktionseinschränkung des
Schultergelenks gehabt. Hingegen weise die orthopädische Untersuchung vom 20.
April 2023 auf ein ausgeprägtes Impingement-Syndrom mit Painful arc und
deutlicher Schmerzprovokation hin. Dr. med. F.___ interpretiert die
Untersuchungsbefunde demnach dahingehend, dass beim Versicherten die Schmerzen
und nicht die Funktionseinschränkung im Vordergrund gestanden hätten, was für
einen degenerativen Vorzustand spreche. Dagegen hält Dr. med. G.___
plausibel fest, dass eine PASTA-Läsion bzw. eine Partialruptur der
Supraspinatussehne kein transmuraler Sehnenabriss sei und keine akute
Symptomatik im Sinne einer Pseudoparalyse zur Folge haben müsse.
Gesamthaft betrachtet erscheint somit gestützt
auf die ärztlichen Stellungnahmen von Dr. med. G.___ und Dr. med. E.___
ein degenerativer Vorzustand als nicht überwiegend wahrscheinlich.
5.4 Zu beurteilen sind schliesslich
noch die Umstände des erstmaligen Auftretens der Beschwerden. Der Versicherte
umschrieb die Beschwerden an der rechten Schulter in der Bagatell-Unfallmeldung
vom 22. März 2023 als Verdrehung oder Verstauchung (Mobiliar-Nr. 1).
Anlässlich der hausärztlichen Erstkonsultation vom 3. April 2023 stellte die
Hausärztin einen Verdacht auf einen Muskelfaserriss der rechten Schulter fest
und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit vom 3. April 2023 bis 9. April 2023.
Darüber hinaus veranlasste sie das MRI vom 4. April 2023 (Mobiliar-Nrn. 49
und 9). Am 20. April 2023 begab sich der Versicherte in die fachärztliche
Behandlung bei Dr. med. E.___. Es kann demnach festgehalten werden, dass die
Schulterbeschwerden nach einer Woche in den Versicherungsformularen erfasst
worden sind und in den folgenden Wochen mehrere ärztliche Konsultationen – bei
der Hausärztin, bei der Radiologin sowie beim Orthopäden – stattgefunden haben
und eine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden war. Die Umstände des erstmaligen
Auftretens der Beschwerden lassen daher ein Unfallgeschehen ohne Weiteres zu.
5.5 Zusammenfassend kann somit
hinsichtlich der Aktenbeurteilung des Mobiliar-Vertrauensarztes Dr. med. F.___
festgehalten werden, dass weder die Darstellung des Unfallhergangs, noch die Feststellungen
zum Vorzustand und zu den Begleitumständen vollständig zu überzeugen vermögen. Demnach
gelingt es der Beschwerdegegnerin gestützt auf die ärztlichen Stellungnahmen
von Dr. med. F.___ nicht den Entlastungsbeweis nach Art. 6 Abs. 2 UVG zu
erbringen.
5.6 Schlüssig plausibel und nachvollziehbar
sind dagegen die Beurteilungen von Dr. med. G.___, welche mit den
Einschätzungen des behandelnden Orthopäden Dr. med. E.___ – unter
Ausklammerung des Unfallhergangs – übereinstimmen. Angesichts der
beweistauglichen fachärztlichen Feststellungen von Dr. med. G.___ und Dr. med. E.___
ist der medizinische Sachverhalt somit genügend abgeklärt. Es kann daher auf
weitere Erhebungen, insbesondere ein externes Gutachten, verzichtet werden.
6. Zusammenfassend ist somit von
einer Partialruptur der Supraspinatussehne auszugehen, womit eine
Listenverletzung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG lit. f vorliegt. Gestützt auf
die fachärztlichen Beurteilungen von Dr. med. G.___ und Dr. med. E.___ ist
ausserdem festzustellen, dass unter Berücksichtigung des Ereignishergangs, der
Vorgeschichte, der Befunde der bildgebenden Untersuchungen, der intraoperativen
Befunde sowie des Verlaufs und des Verhaltens nach dem Ereignis mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer traumatischen Schulterverletzung
auszugehen ist. Dementsprechend ist die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 8. August
2023 und Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2023 zu Unrecht zum Schluss
gekommen, dass keine unfallähnliche Körperschädigung vorliege. Die Beschwerde
ist daher gutzuheissen und die Sache zwecks Prüfung der konkreten Versicherungsleistungen
gemäss UVG an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
7.1 Obsiegende
Sozialversicherungsträger haben keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung,
es sei denn der Gegenpartei ist eine mutwillige oder leichtsinnige Prozessführung
vorzuwerfen (BGE 127 V 205 E. 3.a). Vor diesem Hintergrund hat die
Beschwerdeführerin vorliegend keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Der
beigeladene Versicherte ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren weder
anwaltlich vertreten noch hat er sich vernehmen lassen. Er hat somit ebenfalls
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
7.2 Grundsätzlich ist das Verfahren
kostenlos. Von diesem Grundsatz abzuweichen, besteht im vorliegenden Fall kein
Anlass.
Demnach wird erkannt:
1. Die Beschwerde wird in dem Sinne
gutgeheissen, als der Einspracheentscheid vom 5. Dezember 2023 aufgehoben und
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, damit diese im Sinne
der Erwägungen verfährt.
2. Es besteht kein Anspruch auf eine
Parteientschädigung.
3. Es werden keine Verfahrenskosten
erhoben.
Rechtsmittel
Gegen diesen Entscheid kann innert 30
Tagen seit der Mitteilung beim Bundesgericht Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten eingereicht werden (Adresse:
Bundesgericht, Schweizerhofquai 6, 6004 Luzern). Die Frist beginnt am Tag nach
dem Empfang des Urteils zu laufen und wird durch rechtzeitige Aufgabe bei der
Post gewahrt. Die Frist ist nicht erstreckbar (vgl. Art. 39 ff., 82 ff. und 90
ff. des Bundesgerichtsgesetzes, BGG). Bei Vor- und Zwischenentscheiden (dazu gehört auch die
Rückweisung zu weiteren Abklärungen) sind die zusätzlichen Voraussetzungen nach
Art. 92 oder 93 BGG zu beachten.
Versicherungsgericht des
Kantons Solothurn
Der
Vizepräsident Die Gerichtsschreiberin
Flückiger Baltermia-Wenger