VWBES.2021.495
Härtefallbeitrag
7. Februar 2022Deutsch10 min
des Gesuchs habe ergeben, dass der Umsatzrückgang lediglich 16 % betrage. Erforderlich
Source so.ch
Verwaltungsgericht
Urteil vom 7. Februar 2022
Es wirken mit:
Präsidentin Scherrer Reber
Oberrichter Müller
Oberrichter Werner
Gerichtsschreiberin Kaufmann
In Sachen
A.___ GmbH, vertreten durch B.___ Treuhand GmbH,
Beschwerdeführerin
gegen
Volkswirtschaftsdepartement,
Beschwerdegegner
betreffend Härtefallbeitrag
zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
Sachverhalt
I.
1. Am 18. März 2021 hat die A.___
GmbH (nachfolgend Beschwerdeführerin genannt), vertreten durch [...],
einzelunterschriftsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer, beim
Volkswirtschaftsdepartement (VWD), Fachstelle Standortförderung, ein Gesuch um
Gewährung eines Härtefallbeitrags eingereicht. Mit Mitteilung vom 5. Mai
2021 wurde das Gesuch abgewiesen.
2. Am 25. Mai 2021 reichte die
Beschwerdeführerin, nun vertreten durch die B.___ Treuhand GmbH, beim VWD ein
zweites Gesuch um Gewährung eines Härtefallbeitrags ein. Mit Mitteilung vom
24. August 2021 wurde auch dieses durch das VWD abgewiesen.
3. Am 15. Oktober 2021 ersuchte die
Beschwerdeführerin, vertreten durch die B.___ Treuhand GmbH, beim VWD um Erlass
einer anfechtbaren Verfügung. Diese wurde am 30. November 2021 erlassen
und ausgeführt, eine Spartenrechnung sei nicht eingereicht worden. Die Prüfung
des Gesuchs habe ergeben, dass der Umsatzrückgang lediglich 16 % betrage. Erforderlich
für die Ausrichtung eines Härtefallbeitrags wäre jedoch ein Rückgang von 25 %.
4. Gegen diesen Entscheid erhob die
Beschwerdeführerin, vertreten durch die B.___ Treuhand GmbH, am 10. Dezember
2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht und ersuchte um Ausrichtung eines
Härtefallbeitrags. Mit der erstellten Spartenrechnung 2020, in der alle nötigen
detaillierten exakten Ziffern gefunden werden könnten, bestehe sie auf ihrem
Gesuch.
5. Mit Vernehmlassung vom 12. Januar
2022 beantragte das VWD, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden könne, unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin.
Parteientschädigung sei keine aufzuerlegen. Die Spartenrechnung sei verspätet
eingereicht worden und könne nicht mehr berücksichtigt werden.
6. Mit Stellungnahme vom 19. Januar
2022 liess die Vertreterin der Beschwerdeführerin vorbringen, die Abwicklung
hätte unbürokratisch erfolgen sollen. Man erwarte Solidarität. Man sei erstaunt
über den getroffenen Entscheid. Andere vergleichbare Kleinunternehmen hätten
Beiträge erhalten. All die Aufträge hätten dazu geführt, dass die Vertreterin
an ihre Grenzen gestossen sei. Als Buchhalterin und Dienstleistungserbringerin
sei sie infolge der aktuellen Lage erschöpft. Ihre Mandantin könne selber keine
Spartenrechnung anfertigen. Für einen solchen Betrieb könne keine Buchführung
mit Spartenrechnung finanziert werden. Dennoch habe man sich dieser Aufgabe
gewidmet und die nötigen Dokumente erstellt. Die gesamte Situation sei für sie
und ihre Klientin fremd und belastend. Fakt sei, dass die Beschwerdeführerin
die Unterstützung des Härtefallprogramms erhalten dürfe. Es werde um
Ausrichtung eines Härtefallbeitrags ersucht.
Erwägungen
II.
1.1
Die Beschwerde ist frist- und
formgerecht erhoben worden. Sie ist zulässiges Rechtsmittel und das
Verwaltungsgericht zur Beurteilung zuständig (vgl. § 18 Abs. 2 der
Verordnung über Härtefallmassnahmen für Unternehmen im Zusammenhang mit
Covid-19 [Härtefallverordnung-SO, BGS 101.6] i.V.m. § 49
Gerichtsorganisationsgesetz [GO, BGS 125.12]). Die A.___ GmbH ist durch den
angefochtenen Entscheid beschwert und damit
zur Beschwerde legitimiert. Auf die Beschwerde ist grundsätzlich
einzutreten.
1.2
Nicht einzutreten ist hingegen auf
den neu eingereichten sinngemäss gestellten Antrag auf Beurteilung nach Sparte.
Art. 5b Abs. 2 der Verordnung über Härtefallmassnahmen für Unternehmen im
Zusammenhang mit der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Härtefallverordnung, SR
951.262, in Kraft bis 31. Dezember 2021 und auf den vorliegenden
Sachverhalt anwendbar) sieht vor, dass Unternehmen, deren Tätigkeitsbereiche
mittels Spartenrechnung klar abgegrenzt werden, beantragen können, dass die
Schliessung je Sparte beurteilt wird. Die Beschwerdeführerin hatte vor der
Vorinstanz anfänglich die Beurteilung nach Sparte beantragt, jedoch keine
Spartenrechnung eingereicht. Als sie zur Einreichung einer Spartenrechnung
aufgefordert wurde, ersuchte sie in der Folge mit E-Mail vom 13. August
2021.
um Beurteilung des Gesamtunternehmens und verzichtete auf die Einreichung
einer Spartenrechnung. Im vorliegenden Verfahren hat sie nun diesbezügliche
Unterlagen eingereicht und beantragt die Beurteilung nach Sparte. Gemäss § 68 Abs. 3 VRG dürfen mit der Beschwerde keine neuen Begehren vorgebracht werden,
die nicht auch bereits Gegenstand des Vorverfahrens waren. Auf den neu
gestellten Antrag um Beurteilung nach Sparte kann deshalb vorliegend nicht
eingetreten werden.
Als neues Gesuch wäre der Antrag vom 10. Dezember
2021.
im Übrigen verspätet, da Gesuche für Härtefallmassnahmen oder kantonale
Unterstützungsmassnahmen gemäss § 14 der Verordnung über Härtefallmassnahmen
für Unternehmen im Zusammenhang mit Covid-19 (Härtefallverordnung-SO, BGS
101.6, in Kraft bis 30. Dezember 2021) nur bis spätestens 31. Juli
2021.
eingereicht werden konnten. Verspätet eingereichte Gesuche werden ohne
weitere Begründung abgelehnt.
Gemäss Medienmitteilung vom
17.
Januar 2022 soll aber vom 1. bis 31. März 2022 noch einmal die
Möglichkeit bestehen für Umsatzeinbussen aus den Jahren 2020 und 2021
Härtefallgesuche einzureichen. Der Beschwerdeführerin steht es frei, ihr Gesuch
inklusive Spartenrechnung zu diesem Zeitpunkt noch einmal bei der Vorinstanz
einzureichen.
1.3
Zu prüfen ist vorliegend somit das
bei der Vorinstanz rechtzeitig eingereichte Gesuch um Beurteilung des
Gesamtbetriebs.
2.
Gemäss Art. 5 Abs. 1 der
Covid-19-Härtefallverordnung hat das Unternehmen gegenüber dem Kanton
grundsätzlich zu belegen, dass sein Jahresumsatz 2020 im Zusammenhang mit
behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unter
60.
Prozent des durchschnittlichen Jahresumsatzes der Jahre 2018 und 2019 liegt.
Gemäss Abs. 1bis kann das Unternehmen bei Umsatzrückgängen in den
Monaten Januar 2021 bis Juni 2021 im Zusammenhang mit behördlich angeordneten
Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie für die Berechnung des
Umsatzrückgangs anstelle des Jahresumsatzes 2020 den Umsatz einer späteren
Periode von 12 Monaten verwenden. Nach Art. 5a der Covid-19-Härtefallverordnung
hat das Unternehmen gegenüber dem Kanton zudem zu bestätigen, dass aus dem
Umsatzrückgang erhebliche ungedeckte Fixkosten resultieren.
Art. 5b der Covid-19-Härtefallverordnung
hebt diese Bestimmungen in dem Sinne auf, als bestimmt wird, dass für
Unternehmen, die aufgrund von Massnahmen des Bundes oder der Kantone zur
Eindämmung der Covid-19-Epidemie ihren Betrieb zwischen dem 1. November
2020.
und 30. Juni 2021 für insgesamt mindestens 40 Tage schliessen müssen,
bei einem durchschnittlichen Umsatz der Jahre 2018 und 2019 bis fünf Millionen
Franken, die Anspruchsvoraussetzungen nach den Art. 4 Abs. 1 lit. b, 5 Abs. 1
und 1bis sowie 5a entfallen. Das heisst unter anderem, dass ein
Umsatzrückgang von 40 % nicht nachgewiesen werden muss, um einen Anspruch zu
begründen.
3.1
Die Vorinstanz führt bezüglich der
Beschwerdeführerin aus, als Imbiss-Anbieterin gelte sie als teilgeschlossenes
Unternehmen. Das bedeute, dass ein Teil des Unternehmenskonzepts behördlich
geschlossen worden sei und die Tätigkeit in diesem Bereich nicht ausgeübt
werden dürfe. Die Ausübung der Tätigkeit im anderen Teil sei zumindest im
Grundsatz noch erlaubt, auch wenn diese unter Umständen angesichts der
geltenden Covid-19-Massnahmen faktisch stark eingeschränkt sei. Die Vorinstanz
kommt zum Schluss, diese Unternehmen müssten belegen, dass der Jahresumsatz
2020.
bzw. einer späteren Periode von 12 Monaten mindestens 25 % unter den durchschnittlichen
Jahresumsätzen 2018 und 2019 liege. Auf eine Quelle beruft sie sich dabei nicht
und es ist unklar, wie sie zu dieser Regelung gelangt. Weder die
Covid-19-Härtefallverordnung noch die Härtefallverordnung-SO enthalten
explizite Bestimmungen zu teilgeschlossenen Unternehmen.
3.2
Mit Regierungsratsbeschluss vom
15.
Februar 2021 (RRB Nr. 2021/150) war ein neuer § 10c in die
Dispositiv
Härtefallverordnung-SO eingefügt worden. Demnach galt ein Unternehmen als
teilgeschlossen, wenn es seinen Betrieb zwischen dem 1. November 2020 und
dem 30. Juni 2021 für mindestens 40 Tage teilweise schliessen musste.
Solche Unternehmen mussten nachweisen, dass ihr Umsatz um mindestens 25 % zurückgegangen
war, um einen Härtefallbeitrag geltend machen zu können.
§ 10c der Härtefallverordnung-SO war
jedoch bereits mit Regierungsratsbeschluss vom 11. März 2021 (RRB Nr.
2021/308) wieder aufgehoben worden und kann deshalb vorliegend keine Anwendung
finden. Grund dieser Aufhebung war die Einführung von Art. 5b in die
Bundesverordnung. Nach diesem Artikel mussten Unternehmen, die aufgrund
behördlicher Massnahmen während mindestens 40 Tagen geschlossen waren, einen
Umsatzrückgang nicht mehr nachweisen, um beitragsberechtigt zu sein. Bezüglich
teilgeschlossenen Unternehmen wurde in den Erläuterungen vom 31. März 2021
zur Covid-19-Härtefallverordnung Folgendes ausgeführt: «Ein Unternehmen gilt
auch als geschlossen, wenn es die durch die Schliessung verursachten
Umsatzeinbussen durch das Anbieten von behördlich zugelassenen Tätigkeiten
mindert (z.B. Restaurant mit Take away-Angebot oder ein Detailhandelsgeschäft,
das Abholservice für vorbestellte Waren anbietet). Ebenfalls als geschlossen
gilt ein Unternehmen, wenn ein wesentlicher Geschäftsteil geschlossen werden
muss (z.B. Warenhaus, das auch Lebensmittel verkauft). Es ist den Kantonen
überlassen, den konkreten Umgang mit Teilschliessungen bei Unternehmen mit
einem Umsatz von bis zu 5 Millionen zu regeln. Dass ein zum Teil geschlossenes
Unternehmen noch Umsatz erwirtschaftet, kann und soll aber von den Kantonen bei
der Berechnung der Beiträge über die Berücksichtigung der ungedeckten (oder
eben weitgehend gedeckten) Fixkosten berücksichtigt werden, damit Überentschädigungen
vermieden werden.» Der Kanton Solothurn begründete die Aufhebung von § 10c
der Härtefallverordnung-SO damit, dass die Erläuterungen zur Bundesregelung der
geltenden Praxis entsprechen würden.
3.3 Fraglich ist nun, ob die
Beschwerdeführerin als geschlossenes Unternehmen im Sinne der Bundesregelung zu
gelten hat. Die Beschwerdeführerin führt einen Imbissbetrieb, welcher rund 2/3
des Umsatzes über den Lieferservice generiert. Bereits dies zeigt auf, dass der
grössere Teil des Unternehmens ohne Einschränkungen weiterbetrieben werden
konnte. Bezüglich des Innenbereichs dürfte zudem allgemein bekannt sein, dass in
Imbiss-Restaurants auch ausserhalb von Pandemie-Zeiten ein Grossteil der Gäste
die Speisen und Getränke abholt und nicht vor Ort konsumiert. Auch dies war
während den behördlichen Einschränkungen weiterhin möglich. Die Schliessung der
Innensitzplätze betraf keinen «wesentlichen» Geschäftsteil der
Beschwerdeführerin, weshalb ihr Unternehmen nicht als geschlossen im Sinn von
Art. 5b Covid-19-Härtefallverordnung gelten kann. Anbieter von Take Away und
Lieferservices dürften während der Zeit der Restaurantschliessungen im
Allgemeinen eher profitiert haben.
3.4 Nach dem Härtefallprogramm des
Bundes hätte die Beschwerdeführerin somit für das Jahr 2020 oder für eine
spätere Periode von 12 Monaten einen Umsatzrückgang von mindestens 40 % nachzuweisen,
um anspruchsberechtigt zu sein. Das kantonale Härtefallprogramm sieht für
Unternehmen, welche die Bundesvorgaben nicht erfüllen, einen tieferen Anteil
vor. Der Kanton Solothurn gewährt gemäss § 20quater Abs. 1 lit.
a bereits einen nicht rückzahlbaren kantonalen Härtefallbeitrag, wenn das
Unternehmen belegt, dass sein Umsatzrückgang gemäss
Covid-19-Härtefallverordnung mindestens 25 % beträgt. Dies entspricht letztlich
dem Ergebnis der Vorinstanz.
3.5 Wie die Vorinstanz richtig
ausgeführt hat, beträgt der durch die Treuhandstelle selbstdeklarierte durchschnittliche
Jahresumsatz der Jahre 2018 und 2019 bei der Beschwerdeführerin CHF 398'086.00.
Für das Jahr 2020 wies sie einen Umsatz von CHF 329'092.00 aus und damit
einen Rückgang um 17 %. Sie beantragte jedoch die Härtefallhilfe für eine
spätere Periode von 12 Monaten, nämlich von Mai 2020 bis April 2021. In dieser
Zeit erzielte sie einen Umsatz von CHF 334'224.00, was einem Rückgang von
lediglich 16 % entspricht. Selbst in der Periode von 12 Monaten, in welcher der
geringste Umsatz erzielt wurde (März 2020 bis Februar 2021:
CHF 318'102.00) betrug der deklarierte Umsatzrückgang lediglich 20 %.
Die erforderlichen 25 % wurden damit zu keiner Zeit erreicht, womit der
Beschwerdeführerin zu Recht kein Härtefallbeitrag zugesprochen wurde.
4. Die Beschwerde erweist sich somit als
unbegründet, sie ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei diesem
Ausgang hat die A.___ GmbH die Kosten des Verfahrens vor Verwaltungsgericht zu
bezahlen, die einschliesslich der Entscheidgebühr auf CHF 800.00
festzusetzen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen sind.
Demnach wird erkannt:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Die A.___ GmbH hat die Kosten des
Verfahrens vor Verwaltungsgericht von CHF 800.00 zu bezahlen.
Rechtsmittel: Gegen
diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Eröffnung des begründeten Urteils
beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
eingereicht werden (Adresse: 1000 Lausanne 14). Die Frist wird durch
rechtzeitige Aufgabe bei der Schweizerischen Post gewahrt. Die Frist ist nicht
erstreckbar. Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begründung mit
Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdeführers oder seines
Vertreters zu enthalten. Für die weiteren Voraussetzungen sind die Bestimmungen
des Bundesgerichtsgesetzes massgeblich.
Im Namen des Verwaltungsgerichts
Die Präsidentin Die
Gerichtsschreiberin
Scherrer Reber Kaufmann
Auf eine gegen
das vorliegende Urteil erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Urteil
2C_156/2022 vom 15. Februar 2022 nicht ein.